Schloß aufgebohrt

3. Hausdurchsuchung bei Germar Rudolf

Diplom Chemiker Germar Rudolf schickte uns folgenden Bericht über die bei ihm am 27. März 1995 durchgeführte Hausdurchsuchung sowie über deren Vorgeschichte: (Wiedergabe gekürzt)

Am 30.9.1993 drang die Staatsanwaltschaft Stuttgart ... mit etwa 10 Beamten des Landeskriminalamtes in meine Wohnung ein, um alles Material zu beschlagnahmen, das in irgendeinem Zusammenhang mit der Erstellung und Verbreitung meines Gutachtens über die Chemie der Gaskammern von Auschwitz stand. Damals raubte man mir neben meinem kompletten Quellenarchiv und aller Korrespondenz auch meine EDV-Anlage und sämtliches Datenmaterial.

Am 18.8.1994 drang die Staatsanwaltschaft erneut in meine Wohnung ein, diesmal mit dem absurden Vorwurf, ich würde die rechtsextremen Blätter Remer Depesche und Deutschland-Report herausgeben oder doch zumindest mitverantwortlich erstellen. Wieder wurde meine gesamte EDV-Anlage geraubt, inklusive allen Datenmaterials und der für die Staatsanwaltschaft erreichbaren Korrespondenz und des Quellenmaterials. Besonders schmerzlich war allerdings, daß man mir auch jenes Material wegnahm, das ich für meine Verteidigung in meinem anstehenden Prozeß brauchte. Dieser Prozeß, der nun seit dem 22.11.1994 läuft, dreht sich um den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, ich hätte mein Gutachten allein verantwortlich oder doch in Zusammenarbeit mit Remer mit politischen Kommentaren versehen und verbreitet. Da dem Gericht der Nachweis dieses Tatvorwurfes auf Grund meiner Unschuld nicht gelingen kann, man das Verfahren aber auch nicht einstellen will, zieht sich das Verfahren nun seit 6 Monaten hin. ...

Im Zuge des laufenden Verfahrens legte das Gericht großen Wert darauf, herauszubekommen, wer sich hinter dem Pseudonym Ernst Gauss verbirgt, der die beiden Bücher „Vorlesungen über Zeitgeschichte“ und „Grundlagen zur Zeitgeschichte“ herausgegeben hat. Obwohl dieser Punkt nichts mit dem Verfahrensgegenstand zu tun hat, lud das Gericht den Eigentümer des Grabert Verlages, in dem beide erschienen sind, vor. ...

Wenige Tage nach Klärung der Identität von Ernst Gauss erwirkte die Staatsanwaltschaft Tübingen beim dortigen Amtsgericht einen Beschluß, demzufolge das Buch „Grundlagen zur Zeitgeschichte“ einzuziehen war und die Geschäftsräume des Grabert Verlages sowie meine Wohnung erneut zu durchsuchen seien, diesmal auf Unterlagen bezüglich der Erstellung und Verbreitung des genannten Buches.

Am 27.3.1995 standen die Freunde und Helfer der Landeskriminalpolizei, Dezernat Staatsschutz, wiederum vor meiner Haustür. Da ich mit meiner Frau und meiner 6 Monate alten Tochter beim Arzt war, entschied man sich, das Schloß meiner Wohnung aufzubohren und meine Wohnung in meiner Abwesenheit auszurauben.

Als ich gegen 11.30 Uhr zurückkam, konnte ich nur noch zur Kenntnis nehmen, was man alles beschlagnahmt hatte. Hierunter befanden sich nicht nur private Korrespondenz, Tagebuchaufzeichnungen meiner Frau über die Entwicklung unserer Tochter, ihre Kontoauszüge, Bücher und Hefte, die mit dem Buch nichts zu tun haben, sondern wiederum meine EDV-Anlage, diesmal mit Unterlagen, die für meine Verteidigung im laufenden Verfahren unentbehrlich sind, Kundendaten, die für die Ausübung meines Berufes unerläßlich sind etc. Auch meine Sicherheitskopie dieser Daten, die ich an meinem Arbeitsplatz aufbewahrte, wurde beschlagnahmt, da auch mein Arbeitsplatz geplündert wurde.

Verlor ich nach der 1. Hausdurchsuchung die Möglichkeit, meine Ausbildung zum promovierten Chemiker abzuschließen – die Universität Stuttgart weigert sich seither, einen Termin für mein Rigorosum zu geben –, so verlor ich nach der 2. Hausdurchsuchung meine Wohnung, da die Gemeinde auf meinen Vermieter einen so starken Druck ausübte, daß er sich genötigt sah, mir zu kündigen.

Man darf gespannt sein, welcher nächste Schritt zur Existenzvernichtung einer jungen Familie nun folgen wird. Schon ist einFernsehteam bei meinem Arbeitgeber aufgetaucht, um diesen durch eine öffentliche Kampagne zu zwingen, mich zu entlassen. Meine neuen Vermieter werden bereits unruhig. (Inzwischen haben auch sie gekündigt)

Zumal die Umstände der Erstellung des Buches ... der Staatsanwaltschaft Stuttgart und dem Landgericht Stuttgart bis ins Detail durch meinen momentanen Prozeß bekannt sind und ich daraus auch nie ein Geheimnis gemacht habe, ist diese neue Durchsuchungsaktion völlig überflüssig gewesen. Man kann sie nur als einen Akt des Staatsterrorismus werten.

Dies paßt zu der Tatsache, daß man mich von seiten der Justiz mit einer Kette von Schauprozessen überzieht, die zum einen dazu dienen sollen, an mir Rufmord zu begehen, mich in meiner bürgerlichen Existenz zu vernichten, allen anderen als Abschreckung zu dienen und schließlich auch der Ausleuchtung der revisionistischen Szene in Deutschland und Europa.

Zum anderen geht es aber auch darum, den bisher tadellosen Ruf des Ernst Gauss in den Dreck zu ziehen und damit seine Bücher als Schundliteratur verleumden zu können, womit ihrem Verbot – frei nach dem Motto »eine Zensur findet nicht statt« – nichts mehr im Wege steht.

Germar Rudolf

Aus „Kriminalisierte Geschichtsforschung“, Historische Tatsachen Nr. 67, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1995, S. 30