Roosevelts Weg zum Krieg

Zu einem aufsehenerregenden deutschen Buch

Dr. Karl Otto Braun

Von amerikanischen Revisionisten ist schon mehrfach Roosevelts Anteil am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hervorgehoben worden. Man stellte fest, daß es ohne die Kriegstreiberei des US-Präsidenten seit 1933 wohl keinen neuen Weltkrieg gegeben hätte. Nun hat mit Dirk Bavendamm erstmals ein deutscher Historiker die in den letzten Jahren freigegebenen US-Geheimakten ausgewertet und in einem umfangreichen Buch die Beweise für Roosevelts Hauptschuld am Zweiten Weltkrieg zusamrnengestellt. Unser durch eigene Arbeiten zur Zeitgeschichte wie als Übersetzer des Buches »Der zerbrochene Mythos« des US-Kongreßabgeordneten Hamilton Fish hervorgetretener Mitarbeiter würdigt nachfolgend Bavendamms Buch und dessen Bedeutung für die Zeitgeschichte.


Zu den meistgelesenen Büchern der fünfziger Jahre gehörte Ernst von Salomons »Der Fragebogen« (Rowohlt 1952), das einen lesenswerten Einblick in die Wirklichkeit des »Dritten Reiches« vermittelte. Über die Vernehmung eines von den amerikanischen Besatzern Gefangenen namens Alinn schreibt der Verfasser: »Herr Alinn kam (in der Vernehmung) vor mir dran. Mr. Kaltenbach (der amerikanische CIC-[Abwehr-]Offizier) blätterte in Alinns Akte und fragte dann: ›Sind Sie immer noch der Ansicht, daß Polen den Krieg begann?‹ Ich (Salomon) war sehr gespannt auf des alten westfälischen Dickschädels Antwort. Herr Alinn schluckte schwer, dann sagte er: ›Ich muß zugeben, daß ich diese Ansicht äußerte. Aber in der Zwischenzeit wurde ich des Öfteren anders belehrt.‹ Mr. Kaltenbach erwiderte: ›Dummkopf! Roosevelt begann den Krieg, und zwar schon 1933! Du kannst gehen!‹« Trocken fügte v. Salomon hinzu: »Ich werde mich niemals unterfangen, an dem Wort eines amerikanischen Offiziers zu zweifeln. «

In diesem Ausspruch, so kommentierte ich vor fünf Jahren, »liegt mehr, als unsere Schulweisheit sich träumen läßt«. Dirk Bavendamm hat das Eis gebrochen und wissenschaftlich nachgewiesen, daß der CIC-Offizier von Salomon die Wahrheit gesagt hat.

Vorher hatte schon der berühmte Forscher Sven Hedin mitten im Kriege 1942 in seinem Werk »Amerika im Kampf der Kontinente« festgestellt: »Dieser Krieg wird in die Geschichte eingehen als ›der Krieg des Präsidenten Roosevelt‹.« Damals war das ein prophetisches Wort. Erst die Freigabe der bisher geheimen Dokumente mit einer Verzögerung von etwa 40 Jahren hat die historische Wahrheit ans Licht gebracht und das bewußt geschönte Bild dieses kriegerischen Präsidenten entscheidend verdüstert. Sein innenpolitischer republikanischer Gegner Hamilton Fish handelte daher seine Verurteilung der Politik Roosevelts 1976 unter dem Titel ab: »»FDR the other side of the coin, how we were tricked into world war II« (dt. Ubersetzung: Der zerbrochene Mythos - F. D. Roosevelts Kriegspolitik 1933-1945, Tübingen 1982). Einer Neuausgabe von 1983 gab Fish den Titel »Tragic Deception« (Tragisches Falschspiel).

Endlich hat nun auch ein deutscher Historiker den Mut aufgebracht, die mittlerweile geöffneten Archive geheimer Dokumente auszuwerten und in mühevoller Forscherarbeit vor uns auszubreiten. Durch seine Arbeit findet die zeitgeschichtliche Betrachtung in Deutschland wieder einigermaßen Anschluß an die bedeutenden Leistungen der revisionistischen Geschichtsschreibung in den Vereinigten Staaten. Ein Nestor amerikanischer Historiker der revisionistischen Schule, Charles Austin Beard, schrieb bereits anklagend 1947, als die »Rockefeller Foundation« dem einflußreichen »Council on Foreign Relations« US-Dollar 139000 zur Beeinflussung von Historikern stiftete: »Die ›Foundation‹ und der ›Council‹ wünschen nicht, daß unsere grundsätzlichen Ziele und Handlungen während des Zweiten Weltkrieges zu frei kritisiert werden. Kurz gesagt, hoffen sie, daß die politischen Bestrebungen F. D. Roosevelts in der Zukunft von kritischer Wertung und Darstellung verschont bleiben mögen, im Gegensatz zu dem Schicksal, das die Politik Woodrow Wilsons und der Entente nach dem Ersten Weltkrieg erleiden mußte.« (›Saturday Evening Post‹ 4. Oktober 1947)

Es ist Bavendamms Verdienst, daß er in seinem Werk im Sinne Beards - und letzten Endes im Sinne Rankes - vorgegangen ist. Er macht dabei - und das ist bemerkenswert - vor gesamtdeutschen Tabus nicht halt. Er schildert offen die so verhängnisvolle und blindwütige Rolle deutscher Widerständler in den entscheidenden Jahren vor dem Kriegsausbruch und setzt sie in das richtige Verhältnis von Ursache und Wirkung. Seine Erkenntnisse daraus rechtfertigen vollauf, daß Annelies v. Ribbentrop ihr vor 10 Jahren erschienenes Buch »Die Kriegsschuld des Widerstandes« betitelte. Der deutsche Leser Bavendamms muß leider feststellen, daß diese Schuld erheblich war und Hitlers Schiff - damals das deutsche - auf einem Meer des Verrates schwamm. Der Verfasser dieses Beitrages kann insofern einen eigenen Beitrag dazu leisten, als er im November 1983 in den Papieren von Roosevelts Intimberater Felix Frankfurter, Hauptrichter am Obersten Gerichtshof der USA, einen Brief des Diplomaten v. Trott zu Solz, Außenbeauftragter des Kreises vom späteren 20. Juli 1944, fand, in dem sich dieser für die Gastfreundschaft von Mr. und Mrs. Frankfurter bedankt, aber bedauert, sein politisches Ziel nicht erreicht zu haben (das darin bestand, die geheimen Pläne mit Roosevelt persönlich zu erörtern) - Der Brief ist mit 9. Januar 1940 vor seiner Rückreise nach Deutschland über Japan datiert, also vor dem Norwegen- und Frankreich-Feldzug. Roosevelt wollte deutsche Widerständler ebensowenig sprechen wie Nationalsozialisten. Er war ein viel zu einseitiger Deutschenhasser und auf die Schwächung ganz Europas erpicht.

Entlarvende Zitate

Einige Zitate Bavendamms seien aufgeführt:

»Wilson brach mit seinem ›Frieden ohne Sieg‹ und machte aus dem (Ersten) Weltkrieg eine Weltkatastrophe« (S. 37).

»Nicht Hitler beherrschte das internationale Geschehen, der Roosevelt das Gesetz des Handelns aufzwang, sondern es verhielt sich umgekehrt, und genau hier liegt der tiefere Grund für den frühzeitigen Kriegsausbruch und schließlich auch für die deutsche Niederlage« (S. 11).

»Es war der amerikanische Präsident, der die Dinge in der Entscheidungssituation 1938/39 in Bewegung brachte« (S. 18).

»Stärker als die deutsche Reichsidee, stärker als das Britische Empire war der von Roosevelt entfesselte liberal-demokratische Internationalismus« (S. 19).

»Obwohl Roosevells Präsidentschaft 50 Jahre zurückliegt, wird unser Leben von ihr bis auf den heutigen Tag bestimmt« (S. 25).

»Als Berater der amerikanischen Friedensdelegation in Versailles 1919 war Roosevelt für die härtesten Friedensbedingungen; für die Parole ›Hang the Kaiser‹ empfand er herzliche Sympathie!«

»Würden die Deutschen noch einmal Krieg machen (so Roosevelt), würde es einen ›Frieden in Berlin‹ geben, was die bedingungslose Kapitulation Deutschlands voraussetzte« (S. 38/39).

An Versailles wurde der verhängnisvolle Weg beschritten, der später nach Nürnberg führte« (S. 99).

»Roosevelt äußerte im März 1939: ›Er würde es nicht bedauern, die Vereinigten Staaten im Krieg zu sehen, die amerikanisch-englische Flottenkooperation im Atlantik gebe endlose Gelegenheiten für 'casus belli'-Zwischenfälle‹« (S. 159).

Roosevelt zwingt Europa zum Krieg

Diese herausgegriffenen Zitate lassen nicht die systematische historische Darstellung Bavendamms erkennen, wie er zum Beispiel spannend Roosevelts Kampf gegen Hitler und den verständigungsbereiten Chamberlain schildert, wie der amerikanische Präsident im Verein mit den deutschen Hitlergegnern durch unwahre Tatarennachrichten die deutsch-britische Verständigung dauernd störte. Dazu gehört der Hitler angedichtete Plan, London aus heiterem Himmel zu bombardieren. Dazu gehört die »Tilea-Lüge« (S. 516). Die entscheidende Rolle spielte schließlich die verhängnisvolle, einseitig auf Deutschland beschränkte britische Garantie an Polen. Sie erfolgte - eine äußerst wichtige Feststellung - auf amerikanischen Druck. Die diesbezügliche Unterredung zwischen Chamberlain und dem amerikanischen Botschafter Joseph Kennedy fand übrigens am 26. März (nicht Januar!) statt (S. 529). Mit der britischen Garantieabgabe an Polen war der kriegerische Zusammenstoß vorprogrammiert, weil sie die ehrgeizigen Polen davon abhielt, weiter mit Deutschland über die deutsche Stadt Danzig zu verhandeln. Hier kam das Wort Friedrichs des Großen zur Geltung: »Angreifer ist derjenige, der seinen Gegner zwingt, zu den Waffen zu greifen. « Die verstärkte Drangsalierung der Volksdeutschen in Polen, die im Sommer 1939 zu Zehntausenden in westpreußische Auffanglager geflüchtet waren, schuf sozusagen eine überdimensionale »Mogadischu-Situation«.

Ein besonderes Verdienst hat sich Bavendamm dadurch erworben, daß er den Verratsfall (nicht nur Hoch-, sondern auch Landesverrat!) des deutschen Diplomaten Herwarth von Bittenfeld in seiner weltpolitischen Bedeutung erkannte und untersuchte (S. 591).

Dirk Bavendamm
ROOSEVELTS WEG ZUM KRIEG
Amerikanische Politik 1914-1939
640 Seiten, geb. DM 48. -
Ausführlich und z. T. mit neuen Dokumentationen wird die Kriegstreiberei Roosevelts nachgewiesen.

Historiker erfuhren durch die Memoiren des Roosevelt-Stalin-Dolmetschers, Charles Bohlen (»Witness to History« 1973), daß v. Herwarth den Amerikaner Bohlen am Morgen des 24. August 1939 in seinem Büro in der deutschen Botschaft über alle Einzelheiten des streng geheimen Zusatzabkommens zwischen Ribbentrop und Molotow über die Aufteilung Polens im Kriegsfall unterrichtete. Obwohl von Herwarth den damaligen Beamtengesetzen nicht voll entsprach, hatten das Auswärtige Amt und Kollegen schützend über ihn die Hand gehalten. Roosevelt war bereits in der Washingtoner Mittagszeit lückenlos informiert. Aber anstatt Polen, England und Frankreich vertraulich mitzuteilen, daß ihre Polengarantie nun wertlos geworden sei, schwieg Roosevelt beharrlich. Warum?

Dazu Bavendamm: »Die Antwort kann nur lauten, daß der amerikanische Präsident lieber die Teilung Polens riskierte als einen Zerfall der europäischen ›Friedensfront‹. Oder anders gesagt: Die Aufrechterhaltung der Quarantäne über Deutschland war ihm wichtiger als die Erhaltung des Friedens. Oder noch pointierter: Roosevelt wollte den Krieg, und Polen rannte ungewarnt in sein Verderben« (S. 593).


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 32(3) (1984), S. 11f.

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