Rudolf Heß - ein Mordfall?

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Die Umstände des Todes von Rudolf Heß - seit über 20 Jahren letzter Häftling der alliierten Siegerjustiz in Spandau - waren von Anfang an seltsam. Auf der Mitgliederversammlung der »Hilfsgemeinschaft Rudolf Heß« am 6. 2. 1988 in München nahm der Sohn Wolf Rüdiger Heß hierzu Stellung. Danach sprechen immer mehr Anzeichen dafür, daß der ehemalige Stellvertreter des Führers ermordet wurde. Heß sollte nicht mehr lebend das Gefängnis verlassen und frei reden können. Im März 1987 hatten erstmals hohe sowjetische Stellen in Berlin dem Sohn eine Entlassung angedeutet. Am 21. 6. 1987 schrieb Radio Moskau an einen Westdeutschen: »Wie jüngste Aussagen unseres Regierungsoberhauptes M. Gorbatschow hoffen lassen, werden ihre langjährige Bemühungen um die Freilassung des Kriegsverbrechers R. Heß bald von Erfolg gekrönt sein.« Obwohl am Todestermin die Amerikaner in Spandau Dienst hatten, informierte der britische Kommandant; er gab sich widersprechende Erklärungen. Britische Geheimdienstler waren am Todestag im Gefängnis. Einiges deutet darauf hin, daß Heß' Abschiedsbrief gefälscht ist. Bei Beginn der von der Familie veranlaßten zweiten Obduktion fehlten für die Todesursache wesentliche Teile des Toten. Alle anderen Spuren, insbesondere das mysteriöse Kabel, sind von den Bewachern sofort vernichtet worden. Deutsche Polizei wurde nicht eingeschaltet.

Die »Hilfsgemeinschaft Rudolf Heß« hat sich am 6. 2. 1988 aufgelöst und eine »Historische Forschungsgemeinschaft Rudolf Heß« gegründet, die sich den Umständen des Friedensfluges von 1941 und des Todes von Rudolf Heß widmen will.


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 36(1) (1988), S. 13

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