Abschied von David L. Hoggan

* 22. März 1923 † 7. August 1988

DGG

Professor Dr. David L. Hoggan ist am 7. August 1988 gestorben. Eine Herzattacke machte dem Leben des mutigen Historikers ein Ende. Kurz nach seinem 65. Geburtstag, auf den wir in der vorigen Ausgabe mit einer Würdigung seines Schaffens hingewiesen haben, verschied der noch mit weiteren Vorhaben befaßte Geschichtsforscher. Insbesondere seine deutschen Freunde, für deren Volk er soviel geschaffen hat, trauern um ihn.


Mit David L. Hoggan hat uns ein tapferer und wirkungsvoller Streiter um die geschichtliche Wahrheit und um die Revision des von den Siegermächten den Deutschen und der Welt aufgezwungenen falschen Geschichtsbildes der Umerziehung verlassen. Als Bahnbrecher der revisionistischen Geschichtsschreibung hat er sich nicht nur einen Namen geschaffen, sondern sich auch um die Ehre des deutschen Volkes verdient gemacht. Seit mehr als 25 Jahren war er vielen Anfeindungen ausgesetzt, doch trotz aller Hindernisse, die man ihm in den Weg legte, wich er nicht vom geraden Wege des am Ethos des Wissenschaftlers sich ausrichtenden Historikers. Er hat auf den Beifall der Öffentlichkeit verzichtet und seine Laufbahn geopfert, weil er sich nicht wie andere nach dem Zeitgeist richten wollte, sondern nur nach den Prinzipien der Wissenschaft, und er hat es schließlich auf sich genommen, in sehr beengten und unsicheren Verhältnissen zu leben.

David L. Hoggan wurde am 22. März 1923 in Portland im US-Staate Oregon geboren. Er diente im Zweiten Weltkrieg in der US-Army und studierte anschließend Geschichte. An der angesehenen Harvard-Universität promovierte er 1948 mit einer Dissertation über die deutsch-polnischen Verhandlungen 1938/39. Nach kurzer Lehrtätigkeit an dem berühmten Massachusetts Institute of Technology arbeitete er 1949 bis 1952 als Assistenz-Professor und Mitarbeiter des Rektors an der Münchner Universität, wo er sich noch genauer mit den Deutschen und ihrer Geschichte beschäftigte und Deutsch lernte.

Im folgenden Jahrzehnt lehrte er an den Universitäten in Berkeley, Carthage/Illinois und San Francisco und erarbeitete in Fortsetzung des Themas seiner Dissertation sein Hauptwerk, das 1961 in unserem Verlag erschienene, nun schon in 13. Auflage vorliegende Standardwerk über die Ursachen des Zweiten Weltkriegs »Der erzwungene Krieg«. Mit diesem 900 Seiten umfassenden Buch, das allein über 50 Seiten Literaturangaben enthält, begründete er den wissenschaftlichen Revisionismus. Statt ihm zu danken, fielen die westdeutschen beamteten Zeitgeschichtler über ihn her, und bei seiner Vortragsreise durch Westdeutschland im Jahre 1964 lernte er die ganze Einseitigkeit und die politische Voreingenommenheit seiner deutschen Kollegen bitter kennen. Als Dank nationaler deutscher Kreise erhielt er als erster den Hutten-Preis der Gesellschaft für Freie Publizistik. Außerdem wurde er für seine historische Forschung mit dem Ranke-Preis, dem Albrecht Dürer-Preis und anderen Medaillen und Ehrungen ausgezeichnet.

Auch in seinen folgenden Büchern versuchte er, der unterdrückten geschichtlichen Wahrheit eine Gasse zu brechen, indem er anhand der historischen Tatsachen die geschichtliche Wirklichkeit der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts nachzeichnete und dabei das bisherige Bild von den friedfertigen, uneigennützigen Alliierten zerstörte.

Die in den letzten Jahren zunehmenden Angriffe gingen an seiner Gesundheit nicht spurlos vorüber und machten seinem Herzen zu schaffen, bis es schließlich seinen Dienst versagte. Nach jahrzehntelangem Kampf ist dem unermüdlichen Streiter nun die ewige Ruhe beschieden.

Sein Werk wirkt weiter. Seine großen Geschichtswerke zeugen auch weiterhin von seinem Geist. Erst vor wenigen Monaten konnte er noch ein Manuskript über die letzten beiden Jahrhunderte deutscher Geschichte abschließen, das im nächsten Jahr erscheinen soll. In der Wissenschaft bahnt sich seine Rehabilitierung an, hat er doch der zeitgeschichtlichen Forschung früh starke Impulse gegeben, die sich jetzt erst langsam durchzusetzen beginnen.

Seit kurzem haben auch deutsche Hochschullehrer im Rahmen des »Historikerstreits« zu einer Revision in der Zeitgeschichte aufgerufen. Sie werden auf die Dauer an Hoggans Werk nicht vorübergehen können.

Er hinterläßt seine deutsche Frau, die den harten Lebenskampf der letzten Jahre mit ihm durchzustehen hatte. Da Prof. Hoggan in der angespannten Zeit der letzten Jahre für seinen Lebensabend kaum vorsorgen konnte, ist sie nun auf die Einnahmen aus seinen Werken und die Hilfe aus Deutschland angewiesen. Wie wir mit der Hoggan-Stiftung in den letzten Jahren den verdienten Wissenschaftler unterstützten, so wollen wir in Zukunft der Witwe damit helfen. Der Verstorbene hat sich um Deutschland verdient gemacht. Er verdient, daß Deutsche sich um seine Witwe kümmern.

Wir werden Professor David L. Hoggan in dankbarer Erinnerung behalten als einen unermüdlichen Streiter für Wahrheit und Recht.


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 36(3) (1988), S. 1f.

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