Ende einer Greuellüge

DHZ


»Nun geschah es, daß vor dem Totengedenkfest dieses Jahres eine französische Kommission in Landsberg erschien, die den Auftrag hatte, die Toten und Vermißten auszugraben, die auf diesem Friedhof liegen sollten. Man wollte die Gebeine der Opfer des KZ-Lagers Dachau in ihre französische Heimat überführen. Und man fing an zu graben. Man grub und grub, erst an der Oberfläche und dann tiefer und tiefer. Aber kein Toter fand sich, keine Spur von Gebein war zu entdecken. Der ganze sogenannte Friedhof erwies sich als ein aufgelegter Schwindel, als ein Irrtum oder als eine Niederträchtigkeit pietätloser Denunzinanten aus der Zeit der Auerbach und seiner Komplicen. Bestürzt und ratlos wandte sich die französische Kommission an die zuständige bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Diese wiederum funkte zum Landsberger Landratsamt zurück, das immer noch gemäß der amerikanischen Order die ›Grabanlagen‹ baulich und gärtnerisch betreute. Das Landratsamt zog sich beschämt zurück und gab, allerdings nicht, ohne der Blamage zu entgehen, die heimliche Anweisung, den ›Friedhof‹ Stoffersberg-Süd verschwinden zu lassen.« (Der Ring, 4. Jg., 12, S. 9)


Quelle: Deutsche Hochschullehrer-Zeitung (später Deutschland in Geschichte und Gegenwart) 6(1) (1958), S. 28

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