Kein Ende um Reichstagsbrand

Legende soll erhalten bleiben

Dr. Friedrich Finke

Im Frühjahr 1986 erschien das Buch »Reichstagsbrand - Aufklärung einer historischen Legende« (U. Backes, K.-H. Janßen, E. Jesse, H. Köhler, H. Mommsen, E Tobias, Piper-Verlag, 326 Seiten, DM 36,00) und bestätigte, nun unter Mitarbeit angesehener Historiker, Fritz Tobias' Werk gleichen Namens von 1962: Der Reichstag war im März 1933 von dem holländischen Kommunisten Martinus van der Lubbe allein angezündet worden; die dann von deutschen Kommunisten vor allem aus Frankreich (Willi Münzenberg in Paris) vorgelegten Dokumente zum Beweis der angeblichen Schuld der Nationalsozialisten erwiesen sich als Fälschungen; die »Reichstagsbrand-Kommission« des - kommunistisch beeinflußten -»Internationalen Komitees Luxemburg«, deren Präsident der früher einmal geachtete Historiker Walther Hofer ist, wurde der offensichtlichen und mehrfachen Fälschung in ihrem Buch »Der Reichstagsbrand - Eine wissenschaftliche Dokumentation« (11972, 11 1978) geziehen.

Der ab 1950 in Westberlin, nach 1960 in Bern lehrende Hofer, durch in viele Sprachen übersetzte, Deutschland stark belastende Bücher zum Dritten Reich sowie als Mitherausgeber der genannten Luxemburger »Dokumentation« hervorgetreten, schwieg zu diesen von anerkannten Fachkollegen gegen ihn und sein Werk erhobenen schweren Vorwürfe. Erst nach fast zwei Jahren gab er in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« vom 16.12.1987 eine »Stellungnahme« zu dem »Vorwurf der Fälschung von Dokumenten« ab. Darin verwahrte er sich wortreich gegen die Vorwürfe, ohne sie zu widerlegen, nannte die Gruppenarbeit der westdeutschen Historiker »eine geradezu beispiellose verlegerische Fehlleistung« und stellte sich weiter vor den als Fälscher entlarvten E. Calic. Daß in seinem Artikel »Hesse« statt »Jesse« geschrieben steht, mag bezeichnend sein.

Umgehend hat darauf bereits am 6.1.1988 in der FAZ Dr. Jesse für die Historikergruppe geantwortet und erneut an Beispielen die unsauberen Methoden Hofers dargestellt sowie ihn wieder der Fälschung bezichtet: »Wer Kopien zur Altersbestimmung einreicht, immunisiert sich weitgehend gegen Widerlegung. « Hofer verschweigt - nach Jesse - auch, daß er »bereits im Frühjahr 1986 dem Bundesarchiv ›Dokumente‹ zur Prüfung eingereicht hat. Dieses verweigerte ihm die Echtheitsbestätigung, weil keine Originale… beigebracht werden konnten«. Hofer gab damals an, die Originale seien vernichtet worden. Nun »taucht nachträglich eine Doppelseite im ›Original‹ auf. Von wem stammt sie. « Ist sie erst jetzt von einer bewährten Fälscherwerkstatt nachgeliefert worden? Das inzwischen erneuerte Angebot des westdeutschen Bundesarchivs, Hofers Kopien der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat Hofer bisher ausgeschlagen, wie er sich auch gegen andere Überprüfungen seiner angeblichen »Dokumente« gesträubt hat. Rechtliche Schritte hat Hofer auch noch nicht gegen die schweren, sein wissenschaftliches Ansehen berührenden Beschuldigungen eingeleitet. Es genügt ihm wohl, daß er sich von einflußreichen, an der geschichtlichen Wahrheit allerdings nicht interessierten Gruppen gestützt weiß.

Man mag es der Jugend von Dr. Jesse zubilligen, wenn er meint: »Die Kontroverse um die Urheberschaft am Reichstagsbrand ist beispiellos«, denn ähnliche Fälle ereigneten sich in der westdeutschen Zeitgeschichte bereits mehrfach. Aber zuzustimmen ist wohl seiner Meinung, daß »sich die ›Zunft‹ die Frage gefallen lassen muß, wieso sie derart lange die Fälschungen hingenommen und ignoriert hat«.


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 36(1) (1988), S. 4

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