Hauptkriegstreiber Roosevelt

Die andere Seite der Medaille

Dr. Georg Franz-Willing

Anläßlich der Säkularfeier der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 erschien ein Buch von Hamilton Fish, LL.D., unter dem Titel »FDR. The other side of the coin. How we were tricked into World War II« (Verlag Vantage Press, New York 1976). Der Verfasser, geboren 1888, ist Sproß einer alteingesessenen amerikanischen Familie, die immer politisch tätig war. Der Großvater war Oberst in Washingtons Armee und befreundet mit Lafayette und Alexander Hamilton. Fish studierte Staatswissenschaften und Geschichte an der Harvard-Universität. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Offizier in Frankreich. Von 1920-1945 war er republikanischer Abgeordneter. In dieser Eigenschaft war er Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und Vorsitzender des ersten Kongreßausschusses zur Untersuchung kommunistischer Tätigkeit. F. ist schon mit mehreren Veröffentlichungen besonders gegen den Kommunismus hervorgetreten. Dieses Buch widmete er den Gefallenen und Verwundeten des Zweiten Weltkriegs. »Sie halfen den Sieg erringen«, schreibt er, »aber in Yalta wurden die Grundsätze, für die sie kämpften, in Asche verwandelt, und Stalin und der Kommunismus gingen als Sieger hervor.«

In der Einleitung widerruft F. seine am 8. Dezember 1941 im Kongreß gehaltene und über Rundfunk verbreitete Rede zur Befürwortung des Krieges gegen Japan, die er unter dem Eindruck des Augenblicks gehalten hatte. Inzwischen, so erklärt er, sei der geschichtliche Beweis erbracht worden, »daß Roosevelt Japan reizte und zum Krieg durch die Uberreichung eines streng geheimen Ultimatums herausforderte, den Kongreß, dem amerikanischen Volke und der Verfassung der USA zum Hohne, zehn Tage vor Pearl Harbor.« (S. XI).

F. befaßt sich eingangs ausführlich mit der Persönlichkeit des Präsidenten Roosevelt und dessen New Deal-Programm. Dabei bietet er ein wenig erfreuliches Charakterbild Roosevelts, mit dem er bis 1933 befreundet war. Er trennte sich aber in diesem Jahre von ihm wegen des sozialistischen New Deal-Programms und der diplomatischen Anerkennung Sowjetrußlands. Roosevelt entwickelte sich dieser Schilderung nach von einem Jeffersonianischen Demokraten zu einem Fabian-Sozialisten. Seit Ausbruch des europäischen Krieges im September 1939 war der Präsident zum Kriegseintritt auf seiten der Alliierten fest entschlossen. Fish führt folgende Gründe dafür an: Einhaltung gegebener Versprechungen; Lösung des Arbeitslosenproblems nach dem Scheitern des New Deal-Plans; Roosevelts internationalistische Einstellung und Machthunger: Schaffung der Vereinten Nationen. (S. 16) »Eure Söhne werden nicht in auswärtige Kriege geschickt«, hatte der Präsident mehrfach in seinen Wahlreden beteuert. Mit dieser Parole gewann er die Wahl zur dritten Präsidentschaft im November 1940. Nachdrücklich weist F. immer wieder auf den ständigen Umgang des Präsidenten mit prokommunistisch gesinnten Beratern hin. Roosevelt stachelte die britische Regierung zum Krieg gegen Deutschland an. Sein wichtigster britischer Verbündeter dabei war Winston Churchill, mit dem er eine umfangreiche und nur teilweise veröffentlichte geheime Korrespondenz führte. Roosevelt trieb auch Frankreich zum Krieg und versprach militärische Unterstützung. Ausführlich geht F. auch auf die von Kardinal Spellman, einem Vertrauten des Präsidenten, überlieferten Äußerungen Roosevelts über die Neugestaltung der Welt nach dem Krieg ein. Als prokommunistische Berater des Präsidenten nennt F. namentlich Lauchlin Carrie, Harry Dexter White, Alger Hiss und vor allem Harry Hopkins. Er hebt die umfangreichen Kriegsmateriallieferungen Amerikas an die Sowjetunion in diesem Zusammenhang hervor. Nach Fishs Ansicht hätte Roosevelt den Krieg vermeiden können, denn Hitler wollte keinen Krieg gegen Polen und die Westmächte, sondern gegen Sowjetrußland.

Auf der Reise zur interparlamentarischen Konferenz in Oslo im August 1939 traf sich F. in Salzburg mit Reichsaußenminister Ribbentrop. Dieser teilte ihm mit, er habe sich mit dem polnischen Außenminister Beck über die Rückkehr Danzigs zum Reich und eine extraterritoriale Verbindung nach Ostpreußen bereits geeinigt gehabt. Die britische Polengarantie vom 31. März 1939 habe jedoch dazu geführt, daß der polnische Außenminister unter dem Druck der führenden polnischen Generäle, die auf britisch-französische Militärhilfe hofften, die Weiterführung der Verhandlungen hatte verweigern müssen. Fishs Vorschlag auf der interparlamentarischen Konferenz in Oslo, ein Dreißig-Tage-Moratorium zur friedlichen Regelung der Danzig-Frage zu beschließen, scheiterte an der Ablehnung der britischen Delegation, die von der norwegischen unterstützt wurde. F. vertritt die Ansicht, Polen habe den deutschen Vorschlägen zur Lösung des Danzig- und Korridorproblems zugestimmt, »aber Druck von Roosevelt und den führenden polnischen Generälen verhinderte es…« (S. 103). Er selbst äußert sich empört über die Auslieferung Polens an Stalin durch die Rooseveltsche Politik. »Die Teheran- und Yalta-Erbschaft ließ den schrecklichen und furchtbaren kommunistischen Frankenstein auf eine kriegsverwirrte Welt los.« (S. 121). Die Atlantik-Charta vom August 1941 bezeichnet F. als großen Schwindel und Betrug. Roosevelt kam schließlich durch die Hintertür in den Krieg, indem er durch sein Ultimatum vom 26. November Japan zum Losschlagen zwang. Der Präsident beging damit einen Verfassungsbruch, weil er den Kongreß nicht rechtzeitig verständigte, der allein für Kriegserklärung zuständig war. Ausführlich geht F. auf die Tragödie von Pearl Harbor ein. Er ist überzeugt, daß Roosevelt trotz seiner Kenntnis der entzifferten japanischen Codesprüche die Warnung und Alarmierung der Pazifischen Flotte bewußt unterließ, um den Japanern den Angriff auf Pearl Harbor zu ermöglichen. Tatsächlich sagte der Präsident am Abend des 6. Dezember nach Kenntnisnahme der japanischen Antwort auf sein Ultimatum zu Hopkins, das bedeute Krieg. Was ihm mit seinen ständigen Herausforderungen gegenüber Deutschland infolge der Zurückhaltung Hitlers mißlungen war, glückte ihm nun mit seiner Erpressungspolitik gegenüber Japan. Aus der Unterhausrede Churchills vom 27. 1. 1942 gehe hervor, so schreibt F., daß der britische Premierminister und der Präsident bei ihrem Treffen im August 1941 den Kriegseintritt der USA im Fernen Osten abgesprochen hatten. Wenn es 1939 keinen Churchill und keinen Roosevelt gegeben hätte, so wäre die Danzig-Frage friedlich geschlichtet worden. Dann hätte es auch keinen Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 gegeben. F. befaßt sich auch ausführlich mit dem Gesundheitszustand des Präsidenten. Körperlich und geistig verfallen, machte er in Yalta an Stalin Zugeständnisse, von deren Folgen die USA und die übrige freie Welt sich kaum mehr erholen können. Die Yalta-Konferenz wurde durch Roosevelts Politik zum größten Sieg des Kommunismus seit Lenins Machtergreifung. Der engste Berater des Präsidenten und Mittelsmann zu Stalin, Harry Hopkins, lieferte auf geheimem Wege Material und Unterlagen zur Herstellung von Atombomben an Sowjetrußland aus. Der tragische Betrug der amerikanischen Kriegspolitik an Tschiang Kai-shek führte zum Sieg des Kommunismus in China. F. weist auch auf die Tatsache hin, daß der Präsident die Möglichkeiten, den Krieg mit Hilfe des deutschen Widerstandes gegen Hitler früher zu beenden, bewußt ausschlug. So ließ er das Angebot des Abwehrchefs Canaris und des Botschafters Papen in Istanbul an den dortigen amerikanischen Marine-Attaché Earle im Jahre 1943, eine Kapitulation der Wehrmacht gegenüber den USA durchzuführen unter der Bedingung, daß Deutschland gegen den Einfall der Roten Armee in Mitteleuropa weiterkämpfen könne, unbeantwortet.

Fishs Buch ist zweifelsohne eine der aufschlußreichsten Darstellungen der amerikanischen Kriegspolitik unter der Regierung Roosevelt. Es bestätigt die auch von dem berühmten schwedischen Gelehrten Sven Hedin geäußerte Ansicht, daß Roosevelt der Haupttreiber zum Zweiten Weltkrieg war. Eine deutsche Übersetzung wäre dringend notwendig.

[Diese erschien einige Zeit später: Hamilton Fish, »Der zerbrochene Mythos«, Grabert Verlag, Tübingen 1982, Anm. d. Webm.]


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 30(1) (1982), S. 17f.

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