Chemische Wissenschaft zur Gaskammerfrage

Bedeutung des Cyanidnachweises für Auschwitz

Dr. rer. nat. Ernst Gauss 


Besonders die chemischen Analysen der Mauermaterialien aus den angeblichen Gaskammern von Auschwitz-Stammlager und Auschwitz-Birkenau waren es, die dem Leuchter-Report1 seine Durchschlagskraft verliehen. Allerdings waren diese Analysenergebnisse auch eine der Achillesfersen dieses Gutachtens. Die fast gänzlich fehlenden Cyanidrückstände, Überbleibsel des Giftgasproduktes Zyklon B, in den Mauern der 'Gaskammern' lassen sich nämlich auf unterschiedliche Weise erklären. Leuchter erwähnt davon jedoch nur eine, nämlich die, daß es eben keine Massenvergasungen gab. Es kann aber auch sein, daß sich unter den gegebenen Randbedingungen keine Cyanide bilden konnten oder daß diese den langen Zeitraum bis zum heutigen Tage nicht überstanden. Welche Interpretation ist die richtige?

Unter dem Stichwort »Zyklon B« liest man in der neuesten Auflage des Römpp Chemie Lexikons folgendes:2 »Zyklon B. Ursprünglich Handelsname für hochwirksame, Blausäure enthaltende Begasungsmittel (Fumigantien) zur Schädlingsbekämpfung, wurde im Zweiten Weltkrieg als Deckname für Blausäure zur Massentötung in den NS-Vernichtungslagern benutzt.« 
Damit ist scheinbar alles und dennoch zugleich nichts gesagt. Zyklon B war seit dem Ende des Ersten Weltkrieges bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges der Handelsname des meistverbreiteten Schädlingsbekämpfungsmittel schlechthin. Seinen Namen als Decknamen zu bezeichnen ist daher unsinnig. Es handelt sich hierbei um Blausäure, die an einen festen Träger (Diatomeenerde) gebunden ist. Auf die oft zitierte Literatur dieses Mittels mit seinen spezifischen Anwendungsmethoden und -bedingungen soll hier nicht näher eingegangen werden.3
Das Mittel ist auch heute noch erhältlich. Es heißt Cyanosil® und wird von der Detia Freyberg GmbH vertrieben. Von dieser Firma kann man auch die Information erhalten, daß das Produkt bei Temperaturen über 20°C erst nach etwa 2 Stunden 80 bis 90% der Blausäure abgegeben hat. Für spätere Feststellungen ist es hier interessant festzuhalten, daß während der ersten fünf, wahrscheinlich sogar zehn Minuten der Präparatauslegung bei einer Temperatur von etwa 20°C maximal 10% der Blausäure den Trägerstoff verlassen haben. Die Verdampfung der Blausäure erfolgt also recht langsam.

Giftgas Blausäure 

Die giftige Wirkung von Blausäure beruht auf ihrer Anlagerung an das Eisen des Atmungsenzyms Cytochromoxidase in den Körperzellen. Dadurch wird die Sauerstoffzufuhr der Zelle unterbrochen, wodurch die für die Zelle lebenswichtigen Energieumsetzungsprozesse unterbunden werden. Das Lebewesen erstickt gewissermaßen durch die Erstickung der lebenswichtigen Zellfunktionen. Übrigens hat der etablierte Holocaust-Apologet G. Wellers in einem Standardwerk seinerzeit geschrieben, daß eine Blausäurevergiftung nicht rückgängig zu machen und damit besonders gefährlich sei,4 was aber nicht stimmt. Die Blausäure wird nämlich im Körper recht rasch unschädlich gemacht. wodurch nach einer nichttödlichen Vergiftung recht rasch Genesung eintritt und keine dauernden Schäden zu beobachten sind. Diese vollkommen falsche Aussage von G. Wellers ist deshalb besonders peinlich, weil G. Wellers Professor für Physiologie und Biochemie in Paris war und es somit eigentlich hätte besser wissen müssen.
Die Aufnahme von Blausäure kann sowohl oral, durch Atmung als auch durch die Haut in tödlichen Dosen erfolgen. Während orale Vergiftungen mit hohen Konzentrationen (z. B. durch Zyankali, KCN, das der Blausäure in seiner Wirkung gleicht) durch Erstickungskrämpfe der Muskulatur sehr schmerzhaft sind, fällt das Opfer bei Inhalation hoher Blausäurekonzentrationen vor dem Auftreten von Erstickungskrämpfen in Ohnmacht. Dies ist die Grund für die Anwendung der schmerzlosen Blausäure-Exekutionen in einigen Staaten der USA. Tödlich gilt eine Dosis von 1 mg Blausäure pro kg Körpergewicht. Als Leichenbefund gilt u. a. die hellrote Färbung des Blutes wie der Totenflecken, bedingt durch die Sauerstoffübersättigung des Blutes, das den Sauerstoff nicht mehr an die Zellen abgeben kann.5 Bezeugungen von qualvollen Todeskämpfen bei rasch verlaufenden Hinrichtungen und blau angelaufenen Opfern können somit nicht der Wirklichkeit entsprechen.
Die Aufnahme der Blausäure über die Haut wird besonders gefordert, wenn die Haut zum Beispiel durch Arbeit feucht geschwitzt ist. Allgemein rät man, bei Umgang mit Blausäure darauf zu achten, daß man nicht schwitzt. Hier werden Konzentrationen ab 6000 ppm6 (0,6 Vol.%) gesundheitsschädlich, bei 10000 ppm (I Vol.%) kann nach wenigen Minuten ernste Lebensgefahr bestehen.7
Damit stellt sich schließlich die Frage, ob und, wenn dann, wie schnell ein Mensch bei bestimmten Blausäurekonzentrationen in der Luft stirbt. F. A. Leuchter berichtet von den in den USA bei Exekutionen angewandten Blausäurekonzentrationen in der Größenordnung von 3200 ppm, welchen die Opfer unmittelbar ausgesetzt wurden. Dabei tritt der Tod je nach Konstitution des Opfers nach 4 bis 10 Minuten ein.8 Bei einem normalen Atemvolumen von etwa 15 bis 20 Litern pro Minute sind dann etwa 230 bis 380 mg HCN aufgenommen worden, was in etwa der drei- bis fünffachen Menge der tödlichen Dosis entspricht.
Bestätigt wird dies durch Pressemeldungen, die den Gaskammertod als eine langwierige und daher grausame Tötungsmethode beschreiben.9 Es ist natürlich nicht richtig, daß der Gaskammertod grausam sei, da dieser Tod im Gegensatz beispielsweise zum elektrischen Stuhl sehr schmerzarm ist.

Tabelle 1: Wirkungen verschiedener Blausäurekonzentrationen an Luft auf den Menschen

2-5 ppm:

merklicher Geruch

10 ppm:

maximal zulässige Arbeitsplatzkonzentration

20-40 ppm:

leichte Symptome nach einigen Stunden

45-54 ppm:

tolerierbar für bis zu 1 Stunde ohne signifikante unmittelbare oder verzögerte Effekte

300 ppm:

schnell tödlich


Die Wirkungen verschiedener Blausäurekonzentrationen in der Luft, wie sie in der Literatur beschrieben werden, kann man der Tabelle 1 entnehmen. Danach stellt die in den amerikanischen Exekutionskammern angewandte Konzentration eine etwa zehnfache Überdosis dar, die einen verhältnismäßig schnellen Tod sicherstellen soll.

Cyanide bleiben als Spuren vom Giftgas 

Doch nun zu der Frage der Interpretation von Cyanidspuren. Zuerst stellt sich die Frage: Können heute überhaupt noch Spuren des Giftgases nachweisbar sein, da Giftgase wegen ihrer Flüchtigkeit niemals lange an einem Ort verweilen?
Um heute noch nachweisbar zu sein, muß das Gas sich mit anderen Chemikalien zu stabilen Verbindungen umsetzen. Dies genau tut die Blausäure. Sie ist eine schwache Säure, die im Mauerwerk mit den dort befindlichen Metallionen (Alkali-, Erdalkali- und Eisenionen) Salze bildet, die sogenannten Cyanide. Die dabei entstehenden Alkali- und Erdalkalicyanide sind aber nicht sehr langzeitresistent. Anders dagegen sieht es mit den Cyaniden aus, die sich mit Eisen bilden. Eisen befindet sich fast überall in unserer Umwelt in beachtlichen Mengen, ebenso im Baumaterial unserer Häuser. Der Tabelle 2 kann man den Eisengehalt des gebräuchlichen Zements entnehmen.10 Er schwankt gewöhnlich um 2 bis 4%. Kalkmörtel bekommt seinen Eisengehalt nur durch den Sandzusatz, der bis zu 4% Eisen enthält. Allgemein kann man bezüglich des Eisengehaltes folgende Aussage treffen: Je mehr die Farbe von Sand, Verputz, Mörtel und Beton von reinem Weiß oder Grau zu ockerfarbenen oder rötlichen Tönen übergeht, um so größer ist der Eisengehalt, da das Eisen in der Natur erwartungsgemäß als Eisenoxid (Fe2O3), also Rost, vorliegt.

Tabelle 2: Zusammensetzung von Portlandzement

Al2O3: 5-10%

K2O: 0,2-0,6%

SiO2: 20%

Na2O: 0,5-3%

CaO: 60%

Fe2O3 <5%


Diese Eisenverbindungen bilden mit der Blausäure sogenannte 'komplexe Eisencyanide', die sogenannten 'Hexacyanoferrate'. Am Schluß der Reaktion steht dabei das berühmt gewordene Berlinerblau, Turnbullsblau oder Preußisch Blau (chemisch ausgedruckt: Eisen(III)hexacyanoferrat(II) FeIII4[FeIICN)6]3). Es handelt sich hierbei um eines der stabilsten und am längsten bekannten blauen Farbpigmente der Welt.11
Der promovierte Chemiker J. Bailer12 hat zu Recht die Frage aufgeworfen, wie denn aus den äußerst stabilen Eisenoxidverbindungen Eisenblau entstehen könne. In Baumaterialien liegt das Eisen nämlich nur in seiner dreiwertigen Form (FeIII) vor, der Farbstoff Berlinerblau braucht aber zwei- und dreiwertiges Eisen. Nach Bailer könne zudem in der Wand kein Eisen freigesetzt werden, um Berlinenblau zu bilden, da die Wand stark alkalisch sei. Die Fachliteratur hätte den Zweifler Bailer aber belehren können. Cyanid selber ist nämlich ein mildes Reduktionsmittel, so daß sich Eisenhexacyanoferrat(III) mit Cyaniduberschuß allmählich in Berlinerblau umwandelt.13 Der Vorgang verläuft sogar recht rabiat, wenn das Milieu alkalisch wird. Dann wird nämlich das Eisenhexacyanoferrat(III) selber zu einem starken Oxidationsmittel,14 da es gerne zum Eisenhexacyanoferrat(II) werden möchte.15 Außerdem hat Dr. Bailer übersehen, daß ein potentiell alkalisches Milieu der Mauer für eine starke Anreicherung des Cyanids im Mauerwerk sorgen würde. Allerdings ist durchcarbonatisierter Luftmörtel entgegen seinen Vorstellungen gar nicht alkalisch. Er hat den neutralen pH eines gesättigten Hydrogencarbonat-Dihydrogencarbonat-Puffers. Somit sind alle Grundvoraussetzungen im Mauerwerk gegeben, damit sich das langzeitresistente Berlinerblau bilden kann.

Was unterstützt die Cyanidanreicherung?

Nun wissen wir, daß sich das Berlinerblau bilden kann, aber nicht, ob und wann es das bevorzugt tut. Beantworten wir also eine weitere Frage: Welche Bedingung fordert die Cyanidbildung? Das Berlinerblau-Pigment entsteht bevorzugt in wässrigem Medium. Das ist aus mehreren Gründen kein Wunder: 
1. Blausäure ist in seinen physikalischen Eigenschaften dem Wasser nahe verwandt und reichert sich daher gerne in Wasser an. So löst es sich zum Beispiel 250 mal besser im Wasser als Kohlendioxid und 10 000 mal besser als Sauerstoff16 (polarer Molekularaufbau, Wasserstoff-Brückenbindung).
2. Die Blausäure muß zur Reaktion mit den Eisenionen und anderen Metallionen des Mauerwerkes dissoziieren, was sie nur in wässriger Lösung kann.
3. Auch die Eisenoxidverbindungen im Baumaterial werden durch einen hohen Feuchtigkeitsgehalt für chemische Reaktionen aktiviert. 
4. Die Redoxreaktionen zum Übergang in das Berlinerblau sind ebensostark von wässrigem Medium abhängig.
Die Frage nach dem Feuchtigkeitsgehalt des Mauerwerks ist also absolut vorrangig und überlagert daher alle anderen möglichen Randbedingungen, die daher ignoriert werden können. So wird zwar zum Beispiel jede chemische Reaktion durch eine Temperaturerhöhung beschleunigt, bei einer Temperaturdifferenz von 20°C um etwa 100%. Allerdings nimmt in gleichem Maße die Löslichkeit von Blausäure in Wasser ab, wie dies für alle Gase gilt. Diese beiden Effekte heben sich also gegenseitig auf. In ähnlicher Weise verhalten sich Gase übrigens auch bei ihrer Adsorption an festen Oberflächen. Je höher die Temperatur ist, um so weniger Gas bleibt an einer Festkörperoberfläche haften.17

Tabelle 3: Aufnahme von Blausäure durch verschiedene Baustoffe bei Einwirkung von 2 Vol. % HCN über 24 Stunden

Material

HCN [mg m²]

Klinker

55,2

Ziegelstein

73,0

Schlackenstein

2 880,0

Schwemmstein

3 790,0

Kalksandstein, naturfeucht

22 740,0

Kalksandstein, kurz getrocknet

4 360,0

Kalksandstein, ca. 1/2 Jahr bei 20°C getrocknet

2 941,0

Betonstein, 3 Tage getrocknet

8 148,0

(Die Vol.%-Angabe stellt laut Autoren einen theoretischen Sollwert dar, der in der Praxis aber oft nur zu 50% und weniger erreicht wurde durch Adsorption an Wänden und Begasungsmaterial.)



Dagegen steigt der Feuchtigkeitsgehalt von Mauerwerken um etwa den Faktor zehn an bei Erniedrigung der Raumtemperatur um nur 10°C von zum Beispiel 25°C auf 15°C.18 Der Tabelle 3 kann man schließlich entnehmen, daß naturfeuchtes Baumaterial eine etwa achtfach größere Blausäureaufnahme besitzt als zimmertrockenes Material bei gleicher Temperatur.19 Erniedrigt man die Temperatur um 10 °C, so ist die Blausäureaufnahme in naturfeuchtem Material mindestens zehnmal so hoch.
In einem kühlen, feuchten Keller ist also mit einer mindestens um den Faktor 10 höheren Blausäureaufnahme durch die Wände zu rechnen als in einem geheizten, trockenen Raum. Zudem muß in diesen Wänden allgemein wegen der Feuchtigkeit mit einer stark erhöhten Reaktivität gerechnet werden. Verlust durch späteres Ausgasen der Blausäure oder durch Erosion und Korrosion von Cyanidverbindungen sind in feuchten Kellern durch die stärkere und schnellere physikalische wie chemische Fixierung weitaus unwahrscheinlicher als in trockenen Räumen. Damit ist es gerechtfertigt, bezüglich der relativen Reaktivität zur Bildung langzeitresistenter Cyanidverbindungen bei feuchten Kellern mindestens einen Faktor 10 gegenüber trockenen, auf Zimmertemperatur erwärmten Räumen anzunehmen.

Langzeitstabilitat der Cyanide

Schließlich stellt sich die Frage, ob die entstehenden Verbindungen die Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis heute uberstanden haben können. Das Augenmerk sei hier vor allem auf das Berlinerblau gerichtet. Berlinerblau ist eine Verbindung, die gegen schwache und mittelstarke Säuren resistent ist, aber von starken Säuren und schon von mittelstarken Basen zersetzt wird. Oder - kurz ausgedruckt - Berlinerblau fühlt sich im leicht sauren Milieu des Sauren Regens am Wohlsten.20 So sind Aufschlämmungen von Berlinerblau ungefähr so sauer wie der Saure Regen. Wäre das Berlinerblau also säureempfindlich, wurde es sich durch seinen eigenen sauren Charakter selber auflösen, was es natürlich nicht tut.
Über die Löslichkeit von Berlinerblau gibt es keine zuverlässigen Angaben.21 An Hand seiner Säure-Base-Stabilität kann man diese aber errechnen, da man die Löslichkeit von 'Rostaufschlämmungen' (chemisch Fe(OH)3)22 kennt. Da Berlinerblau in neutralem Medium noch stabil ist, muß die durch diese Verbindung freigesetzte Eisenmenge niedriger sein als die von Fe(OH)3 freigesetzte Menge, da jeder Eisenüberschuß als Fe(OH)3 ausfallen und somit den Komplex zerstören wurde. Demnach liegt die Löslichkeit unter 0,000000000000001 Gramm pro Liter Wasser (10-15 g/l), die Verbindung gilt daher als unlöslich.23
Das Pigment gilt ferner als hervorragend resistent gegen Licht.24 Interessant ist vor allem ein Langzeittest, der in einem Industrieort in der Nähe von London in den fünfziger Jahren gestartet und in den achtziger Jahren beendet wurde.25 Man stellte damals gefärbte Aluminiumplatten auf das Dach eines Hauses. Unter den verwendeten Farbstoffen befand sich auch Berlinerblau, das in einem Wasserbad durch Zusammenfügen der Komponenten erzeugt und durch Diffusion auf der Aluminiumfläche oberflächlich abgeschieden worden war. Die Flächen waren nach der 21jahrigen Exposition an der Londoner Industrieluft, sicher in den fünfziger und sechziger Jahren eine der dreckigsten und korrosivsten Gegenden der Welt, annähernd so kornblumenblau wie zum Testbeginn. Diese Farbe stellte sich neben dem Eisenocker, also den Eisenoxiden, als die stabilste aller Farben heraus.
Was gäbe es für einen besseren Beweis, daß dieses Pigment wirklich Wind und Wetter trotzt? Dies sogar dann, wenn es nur ganz oberflächlich anhaftet! Wenn es aber im Mauerwerk entstanden ist, also ein integraler Bestandteil des Mauerwerkes selbst geworden ist, dann bleibt es darin auf alle Ewigkeit. Mit einer Stabilität, die der der Eisenoxide vergleichbar ist, aus denen es hervorgegangen ist, wird diese Verbindung nur dadurch zu zerstören sein, daß man das Mauerwerk selber zerstört und in alle Winde zerstreut.

Gaskammer - Entlausungskammer - eine Gegenüberstellung

Die Frage, die sich uns jetzt stellt, lautet: Wie verhalten sich die Bedingungen der jeweiligen Räumlichkeiten bei ihrer jeweiligen Anwendungsweise bezüglich ihrer Bildung langzeitresistenter Cyanidverbindungen?
Oder deutlicher ausgedrückt: Ist in den angeblichen Menschengaskammern mit weniger, gleich viel oder mehr Cyanidrückständen zu rechnen als in den Sachentlausungsanlagen von Auschwitz-Birkenau?
Um diese Fragen zu beantworten, muß man sehr viele bauliche und technische Einzelheiten der fraglichen Gebäude in Auschwitz kennen. Dies zu erarbeiten ist einem Chemiker nur bedingt möglich. Aus der Zusammenarbeit mit Ingenieuren hat sich hier aber folgendes Bild ergeben, das ich nachfolgend skizzieren möchte. Die zugrunde liegenden technischen Daten beruhen dabei einerseits auf Untersuchungen verschiedener Wissenschaftler vor Ort, andererseits auf angeblichen Originaldokumenten, abgedruckt im Standardwerk von J.-C. Pressac.26
1. Die angebliche Gaskammer des Krematoriums II von Birkenau ist heute noch gut und witterungsgeschützt erhalten und somit einer Untersuchung gut zugänglich.
2. Diese vermeintliche Gaskammer soll die am intensivsten genutzte alle Gaskammern gewesen sein. Nach Zeugenaussagen und nach der Opferzahl muß die Kammer etwa einmal täglich gebraucht worden sein (Betriebszeit etwa 550 Tage bei 400 000 Opfern à 1000 pro Vergasung).27
3. Diese vermutete Gaskammer war damals ein nicht heizbarer Kellerraum. Die Wände müssen daher naturfeucht und kühl gewesen sein. Durch die Atmung und Körperausdunstungen der eng eingepferchten Menschen ist sogar damit zu rechnen, daß die Wände sehr feucht waren, da an ihren kühlen Flächen die Luftfeuchtigkeit intensiv auskondensiert.
4. Die Reaktivität solcher kühl-feuchter Kellerwände zur Bindung von Blausäure und damit zur Bildung langzeitresistenter Cyanidverbindungen ist daher mindestens zehnmal so hoch wie die warmer, trockener Wände, wahrscheinlich sogar noch weit höher.
5. Die Vergasungsaktionen sollen bis zum Öffnen der Türen eine viertel bis höchstens eine halbe Stunde gedauert habend.28 Die Lüftung soll zuvor das Giftgas abgezogen haben. Ob dies technisch überhaupt möglich ist, soll uns hier vorerst nicht interessieren. Wir nehmen daher nachfolgend eine Begasungszeit von 15 beziehundweise 30 Minuten an.
6. Die Anwendungskonzentrationen sollen denen der Entlausungsaktionen geähnelt haben.29 Dies ergibt sich neben Zeugenaussagen auch daraus, daß die Zeugen durchweg von Tötungszeiten von nur wenigen Minuten sprechen (siehe Anmerkung 28). Da Zyklon B in dieser Zeit erst maximal 10% seiner Blausäure abgegeben hat, mußten sehr große Überschüsse davon zum Einsatz gekommen sein, wenn die Aussagen stimmen.
7. Die Sachentlausungskammern der Bauwerke 5a und 5b, die bis heute unversehrt und somit jeder Untersuchung leicht zugänglich sind, lagen oberirdisch und waren intensiv geheizt, um die Blausäureabgabe des Zyklon B zu beschleunigen und den Kreislauf der kaltblutigen Schädlinge zu aktivieren, was deren Blausäureempfindlichkeit steigert.
8. Diese Anlagen können maximal einmal täglich benutzt worden sein, da für einen häufigeren Betrieb nicht genügend Zyklon B zur Verfügung stand.30
9. Sachentlausungen mit den Anlagen der Bauwerke 5a und b dauerten in der Regel zwischen 4 und 8 Stunden. Das übersteigt die Dauer der angeblichen Menschenvergasungen um den Faktor 20.
Nun kann man eine Überschlagsrechnung anstellen: Der höchstens zwanzigfach längeren Begasungszeit der Entlausungskammerwände stand bei gleicher Verwendungshäufigkeit und Blausäurekonzentration mindestens eine zehnfach höhere Reaktivität der angeblichen Menschengaskammerwände von Krematorium II gegenüber. Also müßten diese Menschengaskammerwände einen Cyanidwert erwarten lassen, der gegenüber den Entlausungskammern höchstens um den Faktor 2 erniedrigt ist. An anderer Stelle wurde diese Frage durch Simulationsrechnungen wesentlich detaillierter betrachtet.31 Diese führten zu einem durchaus vergleichbaren Ergebnis wie die oben angeführte Überschlagsrechnung.
Wie verhalten sich nun die gefundenen Cyanidwerte in Entlausungskammern und angeblichen Menschengaskammern zu den Erwartungswerten?

Chemische Analysen - Leistungsfähigkeit und Grenze

Von der chemischen Analytik wird heute oftmals verlangt, daß sie auch noch die geringsten Spuren aller möglichen Stoffe exakt nachweist. Dabei betrachtet die Öffentlichkeit diesen Anspruch mittlerweile als ihr Gewohnheitsrecht, da sie durch die enormen technischen Fortschritte in den Methoden der Umweltanalytik an die tollsten Spurennachweise mit extrem niedrigen Nachweisgrenzen gewöhnt ist. Eine Nachweisgrenze ist der Wert, unterhalb dessen zwar noch Analysenwerte erhältlich sind, die aber wegen extrem großer Schwankungen und störender Fremdeinflüsse nicht mehr zuverlässig sind. Genau mit diesem Problem werden wir beim Cyanidnachweis in Baustoffproben konfrontiert. Hier wird nämlich ein Verfahren angewendet, das eigentlich für Abwasseruntersuchungen entworfen wurde. Für den näher Interessierten sei auf die entsprechende DIN-Norm verwiesen, die sich international durchgesetzt hat.32 Die Maßeinheit, in der dort Cyanidspuren bestimmt werden, ist das ppm. Das sind Parts per million oder, zu altdeutsch, Teile auf eine Million Bezugsteile. Man kann das auch konventionell ausdrücken: Das Maß ist in unserem Fall: Milligramm Cyanid pro Kilogramm Gestein (mg/kg). Leider muß in diese Analysenmethode ein Wermutstropfen hineingegeben werden. Sie wird nämlich von großen Carbonatmengen gestört, also einem Bestandteil des berühmten Kalks. Da Mörtel und Betone neben Silikaten vor allem aus Carbonaten bestehen, müssen wir hier mit Störungen rechnen. In der Realität bewirkt dieser hohe Carbonatwert eine Verschiebung der Nachweisgrenze zu höheren Werten, da der Kalk immer einen geringen Cyanidwert vortäuschen kann. Die Erfahrung zeigt, daß die normalerweise bei 0,5 bis 1 mg/kg liegende Nachweisgrenze für feste Stoffe durch Mörtelmaterial auf 10 mg/kg angehoben wird. Analysenwerte unter 10 mg/kg sind also einer vernünftigen Interpretation nur dann zugänglich, wenn es sich um carbonatarmes Material handelt.

Die Ergebnisse des »Leuchter-Reports«

Der amerikanische Spezialist zur Konstruktion von Exekutionsgaskammern, F. A. Leuchter, ließ seine Proben bei Prof. Dr. J. Roth in den Alpha Analytic Laboratories in Ashland, Massachusetts, analysieren. Die Cyanidanalysen erfolgten analog dem der deutschen Normung.
In Tabelle 4 sind die Analysenergebnisse aufgeführt. Leuchter gibt an, daß bis auf die letzte Probe mit der Nummer 32 alle aus Räumen stammen, in denen Menschen vergast worden sein sollen. Die Ergebnisse liegen alle unter der tatsächlichen Nachweisgrenze von 10 mg/kg. Diese Werte sind in Übereinstimmung mit denen, die G. Rudolf in weiteren Proben aus der angeblichen Gaskammer von Krematorium II feststellte, und, was besonders wichtig ist: man findet ähnliche Cyanidmengen in allen beliebigen Gebäuden in Auschwitz. Entscheidend bei diesen Cyanidbefunden ist aber, daß sie nicht reproduzierbar sind. Kontrollanalysen durch ein anderes Analyseninstitut ergaben bei diesen zuvor leicht positiven Befunden nunmehr keine Cyanidmengen oberhalb von 0,5 mg/kg. Analysenergebnisse unter 10 mg Cyanid pro kg Mörtelprobe sind also nicht interpretationsfahig.31

Tabelle 4: Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk von 'Gaskammern'/ Entlausungskammern. Nach F.A. Leuchter/Alpha Analytic Laboratories, Ashland, Massachusetts, USA

Proben-Nr.

Entnahmeort

CN- [mg/kg]

1-7

Krematorium II, Leichenkeller I

0,0

8

Krematorium III, Leichenkeller I

1,9

9

Krematorium III, Leichenkeller I

6,7

10,11

Krematorium III, Leichenkeller I

0,0

12

Türdichtung

0,0

13,14

Krematorium IV

0,0

15

Krematorium IV

2,3

16

Krematorium IV

1,4

17-19

Krematorium IV

0,0

20

Krematorium IV

1,4

21

Krematorium V

4,4

22

Krematorium V

1,7

23,24

Krematorium V

0,0

25

Krematorium I, Leichenhalle

3,8

26

Krematorium I, Leichenhalle

1,3

27

Krematorium I, Leichenhalle

1,4

28

Krematorium I, Waschraum

1,3

29

Krematorium I, Leichenhalle

7,9

30

Krematorium I, Leichenhalle

1,1

31

Krematorium I, Leichenhalle

0,0

32

Entlausungskammer 1

1050,0

Die Leichenhalle des Krematoriums I und der Leichenkeller I des Krematoriums II sollen 'Gaskammern' gewesen sein.


Leuchters Probe aus der Entlausungskammer liegt um den Faktor 150 bis 1000 über diesen Werten aus den 'übrigen' Gebäuden. G. Rudolf hat bei der Analyse weiterer Proben aus diesen Entlausungskammern festgestellt, daß die von Leuchter gefundene Cyanidmenge eher zu niedrig ist. G. Rudolfs Analysenergebnisse schwanken hier im Bereich von 1000 bis 10000 mg Cyanid pro kg. 31
Auffallend ist zudem der positive Befund ( 1,3 mg pro kg) der Probe 2S, die Leuchter aus der Trennwand des ehemaligen Waschraumes zum Sezierraum des Krematoriums I entnahm. Diese Wand war nie Teil der angeblichen Gaskammer. Außerdem wurde sie wahrscheinlich beim Umbau des Leichenkellers (exterminationistisch: Gaskammer) zum Luftschutzbunker des SS-Reviers im Jahre 1944 als massive Luftschutzwand neu errichtet und kann daher niemals einer Begasung ausgesetzt gewesen sein. Dieser Befund in ähnlicher Höhe wie in den restlichen Proben ist schon bei Leuchter ein Hinweis dafür, daß Cyanidwerte unterhalb 10 mg/kg keinen Aussagewert haben.
Die Ergebnisse des Krakauer Gutachtens 
Nach der Veröffentlichung des Leuchter-Reportes sah sich das Staatliche Museum Auschwitz unter Zugzwang gesetzt und gab bei dem Jan-Sehn-lnstitut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, in Krakau ein Gutachten in Auftrag, das die Analysenergebnisse Leuchters überprüfen sollte.33
Die Polen verwendeten für den Cyanidnachweis nicht die internationale Norm, sondern das Mikrodiffusionskammer-Verfahren. Dies gilt allgemein als untauglich für den Nachweis von Cyaniden, denn bei diesem Verfahren wird die Probe 24 Stunden halbkonzentrierter Schwefelsäure ausgesetzt. Diese Behandlung halten die Cyanide und die freigesetzte Blausäure nur bedingt stand, da Schwefelsaure ein beachtliches Oxidationsmittel ist.
Krakau gibt die gefundenen Cyanidkonzentrationen in Mikrogramm Zyankali (KCN) pro 100 g Gestein an, eine unübliche. Die Werte sind in der Tabelle 5 umgerechnet auf mg Cyanid (CN ) pro kg. Man erkennt sofort, daß die Meßergebnisse unhaltbar sind, da alle Ergebnisse weit unterhalb der offiziellen Nachweisgrenze der internationalen Norm liegen, sogar für solche Proben, die durch ihren blauen Schimmer deutlich im Bereich von einigen tausend mg pro kg zu erwarten gewesen wären.
In einem Schreiben an W. Wegner hat das Krakauer Institut ganz klar festgestellt, daß die von ihm angewendete Analysenmethode ungeeignet ist. Man mußte stellenweise sogar durch Infrarot-Spektroskopie nachprüfen, ob überhaupt CN-Schwingungsbanden vorhanden sind.34 Die Polen haben also nicht nur einen Größenordnungsfehler gemacht, sondern zudem bei der Analyse grobe meßmethodische Fehler.
Somit ist der einzige Rat, den der Fachmann zu diesem Gutachten geben kann, folgender: ganz schnell vergessen!
Die mangelnde fachliche Qualifikation des Krakauer Institutes tritt außerdem in den Schlußfolgerungen des Gutachtens zutage:33»Cyanwasserstoff ist eine schwache Säure, was zur Folge hat, daß sich ihre Salze in Gegenwart von stärkeren Sauren leicht zersetzen. Eine solche stärkere Säure ist sogar Kohlensäure, die durch Reaktion von Kohlendioxid und Wasser entsteht. Stärkere Säuren wie z.B. die Schwefelsäure zersetzen Cyanide leichter. Dauerhafter sind komplexe Verbindungen von Cyanid-Ionen mit Schwermetallen. Das schon erwähnte 'Preußisch-Blau' zählt zu solchen Verbindungen, aber auch dies zerfällt langsam in saurem Medium. Daher war es kaum zu erwarten, daß sich nach 45jahrigem Zeitraum derivate Verbindungen von Cyaniden in Baumaterialien (Putz, Ziegel), die den Umwelteinflüssen (Niederschlage, saure Oxide, besonders Stickstoffmonoxid) ausgesetzt sind, erhalten würden.«

Dazu ist nach obigen Ausführungen knapp zu sagen:
1. Eisenblau ist enorm langzeitresistent.
2. Schwach saures Milieu schadet ihm nicht.

Zudem erscheint eines seltsam: Die Krakauer nahmen aus der angeblichen Gaskammer des Krematoriums II die meisten Proben. Obwohl die Entlausungskammern der Bauwerke 5 a und b in unmittelbarer Nähe zum Krematorium II liegen, entnahmen sie hier keine Proben. Sie warfen anscheinend noch nicht einmal einen Blick darauf. Statt dessen beschränkten sie sich auf die damals sporadisch benutzten provisorischen Entlausungskammern des Stammlagers. Dies erscheint deshalb so seltsam, weil die der Witterung seit 50 Jahren ausgesetzten Außenwände der Entlausungstrakte der Bauwerke 5a und b durch Berlinerblau stellenweise intensiv blau gefärbt sind. Später von Herrn Wegner darauf angesprochen (oben zitiert), äußert sich das Institut in völliger Unkenntnis über die Dinge wie folgt:34
»….IX. Die blauen Flecken auf den äußeren Wänden des Bauwerkes 5a in Birkenau sind nicht leicht zu erklären. Vor allem müssen wir prüfen, ob es wirklich Berliner-Blau ist…«
Hätten die Krakauer die blauen Außenwände der Entlausungsbaracken vor Erstellung ihres Gutachtens bemerkt (oder bemerken wollen), wäre ihnen kaum der Fehler unterlaufen, das Berlinerblau für nicht langzeitresistent zu erklaren.35

Tabelle 5: Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk von 'Gaskammern'/ Entlausungskammern. Nach Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Polen; Angaben in mg pro kg

Nr

Gebäude

Entnahmeort und –tiefe

Material

CN-

1

Entlausung Block 3

Raum 4, um Ventilatoröffnung, 2 mm

Verputz

0,068

2

Entlausung Block 3

Raum 4, neben Türe zu Raum 3, 2 mm

Verputz

0,036

7

Entlausung Block 3

Raum 3, unter Fenster, gegenüber Eingangstür, 2 mm

Verputz

0,076

8

Entlausung Block 3

Türöffnung zwischen Raum 2 und 1, 2 mm rechts oben

Verputz

0,140

9

Entlausung Block 3

wie Nr. 8, links unten

Verputz

0,404

10

Entlausung Block 3

Raum 1, Ventilatoröffnung, 2 mm

Verputz

0,528

11

Entlausung Block 3

wie 10, schwach blau

Verputz

0,588

15

KrematoriumII, Leichenkeller I

Beton-Stützsäule

Verputz (?)

0,024

4 weitere Proben aus Krematorium II, 1 aus Krematorium I, 1 aus Krematorium V, jeweils aus angeblicher Gaskammer', und 2 Kontrollproben enthielten keine nachweisbaren CN--Spuren.


Tabelle 5: Die umgerechneten Ergebnisse des Krakauer Gutachtens. Die vom Krakauer 
Institut verwendete Meßmethode ist ungeeignet für den Cyanidnachweis, und die erhaltenen Werte liegen weit unterhalb der offiziellen Nachweisgrenze, so daß sie kaum zu gebrauchen sind. Sie geben aber einen Hinweis darauf - und insofern bestätigen sie die anderen Gutachten -, daß an diesen Stellen keine größeren Mengen Cyanid vorhanden sind, die bei über längere Zeit erfolgten Vergasungen angetroffen werden müßten.

Richtige und falsche Schlußfolgerungen

Unter der Voraussetzung, daß die hier angenommenen technischen Rahmenbedingungen stimmen, möchte ich aus den chemischen Betrachtungen einige Schlußfolgerungen ziehen:
1. Wenn sich Cyanidverbindungen gebildet haben. so sind diese bis heute nachweisbar.
2. Wenn die angeblichen Zyklon B-Gaskammern von Auschwitz jener Aufgabe gedient haben, die ihnen durch Zeugen zugeschrieben wird, so müssen in ihren Wanden deutliche Cyanidspuren zu finden sein. Diese müssen in der gleichen Großenordnung liegen, wie die in den Wänden der Sachentlausungsanlagen. Damit einhergehend müssen deutlich blaue Verfärbungen durch das Berlinerblau-Pigment zu sehen sein.
3. In den vermeintlichen Menschengaskammern gibt es keine interpretationswürdigen Cyanidrückstände. Auch fehlt jede Spur einer bläulichen Verfärbung. Vielmehr liegen die Analysenwerte hier um den Faktor 100 bis 1000 und mehr niedriger als in den Sachentlausungsanlagen.
4. Damit ist bewiesen, daß die Wände der von den Zeugen angegebenen Räumlichkeiten niemals auch nur annäherungsweise im bezeugten Maße mit dem Giftgas Blausäure aus Zyklon B in Berührung gekommen sein können.
Hat es also keine Gaskammern zur Menschentötung in Auschwitz gegeben? Diese Schlußfolgerung kann man allgemein nicht ziehen. Die Bezeichnung eines x-beliebigen Raumes als 'Gaskammer' ist kaum an Fakten festzumachen, da noch niemand die Kriterien festgelegt hat, wann welcher Raum eine 'Gaskammer' genannt werden kann. Man sollte daher solche allgemeinen Aussagen vermeiden. Man kann nur sagen, daß die als Gaskammern bezeichneten Räume nicht so wie bezeugt als Mordwaffe eingesetzt wurden.
Hat es also keine Vergasungen gegeben? Auch dieser Schluß ist falsch. Man kann nur beweisen, daß es die bezeugten, massenweisen Vergasungen mit Blausäure in den untersuchten Räumen nicht auch nur annähernd in dem Maße gegeben haben kann. Die Randbedingung für eine oder wenige Vergasungen kann man immer so hinbiegen, daß sie mit den Untersuchungsergebnissen übereinstimmen. Auch die Massenvergasungen kann man dadurch weiter 'am Leben erhalten', wenn man einfach entgegen den Zeugenaussagen davon ausgeht, daß nur äußerst wenig Zyklon B eingesetzt wurde. Dies hieße, daß die Opfer einen langen, ja stundenwährenden Tod infolge einer kombinierten Vergiftung und Erstickung gestorben sind. Und in der Tat ist genau dies die These, auf die sich neuerdings die Exterminationisten einschießen.36
Im Endeffekt heißt das, daß man jede noch so phantastische Behauptung, und sei sie noch so weit entfernt von den Zeugenaussagen, widerlegen rnüßte, wenn man in dieser Sache etwas endgültig widerlegen wollte. Man nennt so etwas unter Juristen eine 'probatio diabolica', einen Teufelsbeweis. Hier muß also nicht die Schuld des Angeklagten bewiesen werden, sondern der Angeklagte muß seine Unschuld beweisen, und zwar gegen alle möglichen und erdenklichen Anschuldigungen. Dazu meinte die Zeitung Neues Osterreich zur Zeit des großen Frankfurter Auschwitz-Prozesses am 1. 6. 1963 auf Seite 12 trefflich: »Was der Angeklagte nicht widerlegen kann, das ist offenkundig doch geschehen, so unglaublich es auch klingt.«
Unglaubliche Zeiten!

Anmerkungen

1 F. A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Maddanek, Poland, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1988, 195 pp.; dt.: Der erste Leuchter Report, ebenda, 1988; britische Ausgabe: The Leuchter Report, Focal Point Publications, London 1989, 67 pp.
2 J. Falbe, M. Regitz (Hg.), Römpp Chemie Lexikon, 9. Auflage,Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992.
3 Siehe dazu z. B.: O. Hecht, »Blausäuredurchgasungen zur Schädlingsbekämpfung«, Die Naturwissenschaften, 1928, 16 (2), S. 17-23; G. Peters, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1933; G. Peters, W. Ganter, »Zur Frage der Abtötung des Kornkäfers mit Blausäure«, Zeitschrift für angewandte Entomologie, 1935, 21 (4), S. 547-559; F. E. Haag, Lagerhygiene, Taschenbuch des Truppenarztes, Band VI, F. Lehmanns Verlag, Munchen 1943; W. Dotzer, »Entkeimung, Entwesung und Entseuchung«, in: J. Mrugowsky (Hrsg.), Arbeitsanweisungen für Klinik und Laboratorium des Hygiene-Institutes der Waffen-SS, Heft 3, Urban & Schwarzenberg, Berlin 1944; F. Puntigam, »Die Durchgangslager der Arbeitseinsatzverwaltung als Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge«, Gesundheitsingenieur, 1944, 67 (2), S. 47-56; F. Puntigam, H. Breymesser, E. Bernfus, Blausäuregaskammern zur Fleckfieberabwehr, Sonderveröffentlichung des Reichsarbeitsblattes, Berlin 1943; O. von Schjerning, Handbuch der ärztlichen Erfahrungen im Weltkrieg 1914/1918, Band VII Hygiene, J. A. Barth Verlag, Leipzig 1922, besonders S. 266ff: »Sanierungsanstalten an der Reichsgrenze«; R. Wohlrab, »Flecktyphusbekämpfung im Generalgouvernement«, Münchner Medizinische Wochenschrift, 1942, 89 (22), S. 483 488; W. Hagen, »Krieg, Hunger und Pestilenz in Warschau 1939-1943«, Gesundheitswesen und Desinfektion, 1973,65 (8), S.115-127; ebenda, 1973, 65 (9), S.129-143; H. Kruse, Leitfaden für die Ausbildung in der Desinfektion und Schädlingsbekämpfung, Muster-Schmidt, Göttingen 1948; H. Kliewe, Leitfaden der Entseuchung und Entwesung, F. Enke Verlag, Stuttgart 1951. Neuere Behandlung des Themas: F. P. Berg, »Typhus and the Jews«, J. Hist. Rev., Winter 88/89, 8 (4), S. 433 481.
4 G. Wellers, in: E. Kogon, H. Langbein, A. Rückerl et al. (Hg.), Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, S. Fischer Verlag, Frankfurt 1983, S. 285.
5 Zur Toxikologie von Blausäure- und Cyanidvergiftungen siehe z. B.: W. Wirth, C. Gloxhuber, Toxikologie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1985, S. 159f; W. Forth, D. Henschler, W. Rummel, Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Wissenschaftsverlag, Mannheim 1987, S. 751f; S. Moeschlin, Klinik und Therapie der Vergiftung, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1986, S. 300f.; H.-H. Wellhöner, Allgemeine und systematische Pharmakologie und Toxikologie, Springer Verlag, Berlin 1988, S. 445f.
6 ppm steht für englisch 'Parts per million', Teilezahl pro Million Bezugsteile; hier entspricht ein ppm HCN 1 ml HCN pro m³ (1000000 ml) Luft.
7 F. Flury, F. Zernik, Schädliche Gase, Dämpfe, Nebel, Rauch- und Staubarten, Berlin 1931, S. 405.
8 F. A. Leuchter, Boston, FAX an H. Herrmann vom 20. 4. 1992 sowie mündliche Mitteilung von Herrn Leuchter.
9 Stuttgarter Zeitung, 22. 4. 1992, S. 18: »Das lange Sterben in der Gaskammer«.
10 W. H. Duda, Cement-Data-Book, Bauverlag, Wiesbaden 1976, S. 495.
11 Siehe zu diesem weltberühmten Farbstoff z. B.: J. L. M. Coleby, Ann. Sci. 1939, 4, S. 206 11; F. Fritz, Deutsche Farben-Z. 1954, 8, S. 7f.; R. Walter, Deutsche Farben-Z. 1955, 9, S. 131-134; E. Gratzfeld, Farg och Lack 1957, 3, S. 85-108; E. Herrmann, Farbe und Lack 1958, 64, S. 130-135; C. Clauss, E. Gratzfeld, H. Kittel, Pigmente, 3. Auflage,Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Stuttgart 1960; H.P. Preuss, Met. Fin. 1972, 70, S. 56-61; A. Ludi, J. Chem. Ed. 1981, 58, S. 1013.
12 J. Bailer, »Der Leuchter-Bericht aus der Sicht eines Chemikers«, in: Amoklauf gegen die Wirklichkeit, Dokumentationszentrum des Österreichischen Widerstandes, Bundesministerium für Unterricht und Kultur (Hrsg.), Wien 1991, S. 47-52; ders. ebenda, 2. Auflage 1992.
13 M. A. Alich, D.T. Haworth, M.F. Johnson, J. Inorg. Nucl. Chem. 1967, 29, S. 1637-1642.
14 J. C. Bailar, Comprehensive Inorganic Chemistry, Vol. 3, Pergamon Press, Oxford 1973, S. 1047.
15 Energetische und kristallchemische Aspekte von Berlinerblau siehe bei: R. M. Izatt, G. D. Watt, C. H. Bartholomew, J. J. Christensen, Inorg. Chem. 1970, 9, S. 2019ff.; H. J. Buser, D. Schwarzenbach, W. Peter, A. Ludi, Inorg. Chem. 1977, 16, S. 2704-2710.
16 Landolt-Börnstein, Eigenschaften der Materie in ihren Aggregatzuständen, Teil 2, Band b, Lösungsmittelgleichgewichte I, Springer, Berlin 1962, S. 1-158.
17 J. Oudar, Physics and Chemistry of Surfaces, Blackie & Son, Glasgow 1975, S. 26 ff.
18 K. Wesche, Baustoffe für tragende Bauteile, Band 1, Bauverlag, Wiesbaden 1977, S. 37; ders., ebenda, Band 2, aaO., S. 51f.
19 L. Schwarz, W. Deckert, Z. Hygiene und Infektionskrankheiten, 1927, 107, S. 798-813; ebenda, 1929, 109, S. 201-212.
20 Zur pH-Sensibilität siehe z. B.: R. E. Kirk, D. F. Othmer, Encyclopedia of Chemical Technology, Vol. 13, 3. Auflage, Wiley & Sons, New York 1979, S. 765-771; J. A. Sistino, in: Pigment Handbook, Vol. I, Wiley and Sons, New York 1974, S. 401-407; H. Ferch, H. Schafer, Schriftenreihe Pigmente Nr. 77, Degussa AG, Frankfurt 1990; M. A. Alich, D.T. Haworth, M.F. Johnson, aaO.; J. Jordan, G.J. Ewing, Inorg. Chem. 1962, 1, S. 587-591; G.-O. Müller, Lehrbuch der angewandten Chemie, Bd. 1, Hirzel, Leipzig 1986, S. 108; E. Elsermann, Deutsche Farben-Z. 1951, 5, S. 419ff.; R. Beck, Deutsche Farben-Z. 1952, 6, S. 231. 
21 Die Untersuchungen von I. V. Tananaev, M. A. Glushkova, C. B. Seifer, J. Inorg. Chem. USSR 1956, 1, S. 72ff, und F. Krleza, M. Avlijas, G. Dokovic, Glas. Hem. TehnoL Bosne Hercegovine, 1977 (Vol. Date 1976), 23-24, S. 7-13, sind methodisch sehr fehlerhaft und im Ergebnis leicht als falsch nachzuweisen. Die Autoren haben bei ihren gravimetrischen Bestimmungen sehr wahrscheinlich in der Mutterlauge restliches, emulgiertes Berlinerblau bestimmt, nicht aber gelöstes.
22 Die Fachleute mögen mir diese nicht ganz falsche Trivialisierung verzeihen. Schließlich gibt es die stöchiometrische Verbindung Fe(OH)3 eigentlich gar nicht.
23 DlN-Sicherheitsdatenblatt VOSSEN-Blau®, in: Schriftenreihe Pigmente Nr. 50, Degussa AG, Frankfurt 1985.
24 Siehe dazu: H. Ferch, H. Schafer, aaO.; Winnacker-Küchler, Chemische Technologie, Band 2, Carl Hanser Verlag, München 1982, S. 197; Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, Band 13, 3. Auflage, Urban und Schwarzenberg, München 1962, S. 794; ebenda, Band 18, Verlag Chemie, Weinheim 1979, S. 623 ff; H. Watanabe, J. Jap. Soc. Col. Mat. 1961, 34, S. 5-8; L. Müller-Focken, Farbe und Lack 1987, 84, S. 489-92.
25 J. M. Kape, E. C. Mills, Trans. Inst. Met. Finish. 1958, 35, S. 353-384; ebenda, 1981, 59, 35-39.
26 J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989.
27 J.-C. Pressac, aaO., S. 183.
28 Bezüglich der Tötungszeiten siehe z. B.: Schwurgericht Hagen, Urteil vom 24. 7. 1970, Az. 11 Ks 1/70, S. 97 (5 Minuten); Final Trial Brief of the Prosecution, nach U. Walendy, Auschwitz im IG-Farben-Prozeß, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1981, S. 47-50 (3 bis im Extremen 15 Min); E. Kogon, H. Langbein, A. Rückerl et al.(Hrsg.), Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, aaO., ubiquitär (sofort bis 10 Min., seltener bis 20 Min.); J. Buszko (Hg.), Auschwitz, Nazi Extermination Camp, 2. Aufage, Interpress Publishers, Warschau 1985, in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz, S. 114 und 118 (wenige Minuten); H. G. Adler, H. Langbein, E. Lingens-Reiner (Hg.), Auschwitz, 3. Auflage, Europäische Verlagsanstalt, Köln 1984, S. 66, 80 und 200 (wenige bis 10 Minuten); Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.), Die Auschwitz-Hefte, Band 1, Beltz Verlag, Weinheim 1987, S. 261ff und 294 (augenblicklich bis 10 min.), Protokoll des Gutachtens von Prof. Dr. G. Jagschitz, 3.-5. Verhandlungstag der Strafsache Honsik, 29. 4., 30. 4., 4. 5. 1992, Az. 20e Vr 14184 und Hv 5720/90, Landesgericht Wien, Aussage des Dr. Fischer, angeblich beaufsichtigender Arzt bei Vergasungen (2 Minuten).
29 J.-C. Pressac, aaO., S. 253. Siehe z. B.: J. Buszko(Hg.), aaO., S. 118.
30 Über die Zyklon B-Liefermengen an das Lager Auschwitz siehe: Office of Chief of Counsel for War Crimes, hier eidesstattliche Erklärung von A. Zaun, Hamburg 24. 10. 1945. Document No. NI11 396, zitiert nach U. Walendy, Auschwitz im IG-Farben-Prozeß, aaO., S. 62.
31 G. Rudolf, Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in der 'Gaskammern' von Auschwitz, 3. Auflage, Stuttgart, Nov. 1992.
32 DIN 38405, Teil D 13.
33 J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung fur Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990.
34 Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Schreiben an W. Wegner, o.D. (Winter 91/92), o.A. (unleserliche Unterschrift), unveröffentlicht.
35 Eine eingehende Diskussion der Argumente für die korrekte Interpretation verschiedenster Forschungsergebnisse zum Thema Holocaust siehe bei E. Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993.
36 Siehe J. Bailer (Anm.12), u. G. Wellers, »Der Leuchter-Bericht über die Gaskammern von Auschwitz«, Dachauer Hefte, 7(7), November 1991, S. 230-241.


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 41(2) (1993), S. 16-24

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