Der Leuchter-Report in der Auseinandersetzung

Kritik und Gegenkritik 

Das Gutachten des US-Gaskammer-Fachmannes Fred Leuchter mit dem Ergebnis seiner Untersuchungen in Auschwitz (der sogenannte Leuchter-Report, in deutsch herausgegeben von Udo Walendy in Historische Tatsachen, Nr. 36, Vlotho 1988, inzwischen indiziert) hat als unseres Wissens erste naturwissenschaftliche Analyse zum Problem der Massenvergasungen in deutschen KLs Aufsehen erregt. Nach einigen pauschalen Ablehnungen und nicht im einzelnen begründeten Abqualifizierungen dieser Arbeit als angeblich »unwissenschaftlich« veröffentlichte der Franzose Jean-Claude Pressac 1988/89 einen kritischen Artikel dazu in der französischen Zeitschrift Jour J (Es erschien vom selben Autor zu diesem Thema ein Buch in Französisch: Technique et Fonctionnement des chambres à gaz, Paris 1989, in einer kleinen, sehr teuren und nicht mehr erhältlichen Auflage auch in Englisch: Auschwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, 564 Seiten). Ferner liegt seit Herbst 1990 in Uwe Backes Sammelband Die Schatten der Vergangenheit (s. DGG 90/4, S. 42) ein Artikel von Werner Wegner über eigene Untersuchungen in Auschwitz und den Versuch einer Widerlegung von einigen Aussagen Leuchters vor. Da diese beiden Studien auf Einzelfragen eingehen, ist eine sachliche Auseinandersetzung möglich und im Rahmen des hier nur geringen zur Verfügung stehenden Raumes für jede der beiden Arbeiten vorgenommen worden. Es sei dabei ausdrücklich betont, daß es bei dieser Diskussion nur um die einzelnen betrachteten und unterschiedlich beurteilten Umstände in und an den als Gaskammern bezeichneten Räumen in Auschwitz geht, nicht jedoch um die Frage der Massenvernichtung als solche.




Zu Wegners Kritik am Leuchter-Gutachten

Neue überzeugende Widerlegung

Wolfgang Häberle 


Der Propyläen-Verlag veröffentlichte 1990 in dem Buch Schatten der Vergangenheit (Uwe Backes u.a. Hrsg.) angebliche Gegenbeweise zum »Leuchterbericht« von dem 83jährigen ehemaligen Referenten für Jugendpflege der Bezirksregierung Lüneburg, Werner Wegner. Unter der Überschrift »Keine Massenvergasungen in Auschwitz? Zur Kritik des »LeuchterGutachtens« werden auf den Seiten 450 bis 475 die Argumente der Gegenkritik vorgebracht, die jedoch nicht überzeugen.
Wie bei ähnlichen Schriften, deren Zweck die Erhaltung eines Dogmas ist, ist auch Ziel und Absicht Wegners an seiner mangelnden Bereitschaft zu erkennen, sich mit unwiderlegbaren Fakten auseinanderzusetzen. Ein Gesamtkatalog der von ihm nicht behandelten wichtigen Fragen zu diesem Problem würde außerordentlich umfangreich ausfallen. Wegner ignoriert unter anderem: 1. die Aussagen des Direktors des Krematoriums der Stadt Calgary, Ivan Lagace, der, als Zeuge im Zündel-Prozeß befragt, die totale Kapazität aller Auschwitzer Krematorien mit 185(!!) Einäscherungen pro Tag angegeben hat; 2. die unwiderlegbaren Aussagen der Luftbilder der US-Airforce. Ihre Fernaufklärer haben das ganze Jahr 1944 über die Auschwitzregion überflogen und photographiert, um die Industriekapazität des Bezirks auszukundschaften, und nicht etwa, um irgendwelche Genocidprozesse festzustellen. Diese Bilder, die im Prozeß Beweismittel der Verteidigung waren, beweisen, daß Schornsteine und jene Gebäude, die das potemkinsche Dorf »Auschwitz« ausmachen, auf ihnen nicht sichtbar sind. Diese sind demnach erst nach der »Befreiung« erbaut worden. 3. Die wirkliche demographische Situation des europäischen Judentums. Es gerieten im Verlauf des Krieges nur etwas 3 Millionen Juden unter deutsche Herrschaft. Genaues Studium jüdischer Statistiken beweist dies (vgl. z.B. Walter Sanning, Die Auflosung des osteuropäischen Judentums, Tübingen 1983).
Wegners Arbeit soll den Eindruck erwecken, als seien durch seine Bemühungen die Argumente der Revisionisten grundsätzlich zerschmettert worden. Bei Lichte gesehen, befaßt sich Wegners Kritik aber lediglich mit wenigen Punkten des »Leuchtergutachtens«. Er bezweifelt Leuchters chemisch-physikalische Ausführungen zum Thema und setzt diesen seine eigenen, 1979 und 1981 durchgeführten Untersuchungen und Vermessungen entgegen. Er erscheint somit als die prädestinierte Person zur Gegenargumentation. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, daß er die denkbar niedrigsten Vernichtungszahlen ermittelt (1 Million) und sich zudem einer zurückhaltenden Diktion befleißigt. Er bescheinigt dem »Leuchterbericht« fair, daß dieser eine »Mischung aus Wahrheit und Irrtum« sei.
Wegner halt den Revisionisten entgegen: »Man kann den Leugnern der Existenz von Gaskammern und der Massenvernichtung in den Todesmühlen des Dritten Reiches nicht mit moralisierender Empörung beikommen, sondern man muß ihre Argumente mit verifizierenden Tatsachen ad absurdum führen.« Wegner setzt diesen Anspruch allerdings nur sehr unvollständig in die Tat um.

Kapazität der Brennkammern

Wegner hat in den Jahren 1979/81 dreimal Auschwitz besucht und dort Vermessungen und Berechnungen angestellt, von denen er glaubt, daß sie den behaupteten Genocid rechnerisch beweisen. Aus seinen Ausführungen ist zu entnehmen, daß die Grundlagen seiner Berechnungen überwiegend aus unüberprüft übernommenen Auskünften der Auschwitzer Museumsleitung bestehen. Er glaubt deshalb, die von dort behauptete Kapazität der Kremierungsanlage entspräche der Wirklichkeit so. So schreibt er auf Seite 460: »Leuchter erklärt, ältere koksbeheizte Verbrennungsöfen benötigen zur Einäscherung jedes Körpers normalerweise 3,5 bis 4 Stunden, so daß theoretisch bis zu 7 Körper in 24 Stunden verbrannt werden konnten… Er ging dabei von Gepflogenheiten in öffentlichen Krematorien … aus, in denen das Prinzip der Pietät sorgfältig beachtet wird. Die Verbrennung einer Leiche und die Behandlung der Asche geschieht dort stets separat.« Wegner glaubt also, daß die für die Berechnungen so wichtige Tatsache einer fast vierstündigen Verbrennungszeit Folge der Gepflogenheiten ziviler Krematorien sei. Dank den Aussagen von Ivan Lagace, der seine Erklärungen durch seine Krematoriumsbücher fundiert hat, ist bestätigt, daß die benutzten Öfen der Firma Topf & Söhne zur Kremierung einer Leiche etwa 3,5 bis 4 Stunden benötigten. Rechnet man die von Lagace als unbedingt notwendig erachteten Abkühlungsphasen hinzu, deren Nichteinhaltung zu einer Zerstörung der Anlagen geführt haben würde, so ergibt sich ohne Berücksichtigung der Vorwärmzeit, daß in einem 24 Stundenbetrieb in einer Brennkammer nur vier Leichen kremiert werden konnten. Stellt man die praxisbezogenen Aussagen dieses Krematoriumfachmannes in Rechnung, so ergibt sich, daß die Zahl der täglichen Kremierungen in Auschwitz unter 200 gelegen haben muß. Wegner entzieht sich den Berechnungen von Lagace mit einer Reihe von Worten.
So schreibt er auf Seite 460: »Die Auschwitzer Museumsleitung teilte dem Verfasser mit, daß die Verbrennungszeit einer Ladung im Durchschnitt im Auschwitzer Krematorium eine Stunde, in der Birkenauer dagegen nur eine halbe Stunde betragen habe.« Demnach hätten in der Auschwitzregion andere physikalische Gesetze als überall sonst gegolten. Wegner genügte die unüberprüft übernommene - falsche - Angabe, um sie zur Grundlage seiner Berechnungen zu machen, die notwendigerweise falsche Ergebnisse erzielen müssen, da sie nicht von den richtigen Voraussetzungen ausgehen. Die benutzten Öfen, damals die modernsten ihrer Art, bewältigten ihre Aufgabe für eine Leiche in 3 bis 4 Studen. Auch heute noch benötigt jeder moderne Ofen dafür mindestens 90 Minuten.
Ferner geht Wegner davon aus, daß »grundsätzlich drei verschieden große Leichen in eine Muffel geschoben« (S. 460) und gleichzeitig verbrannt wurden, was technisch nicht möglich ist. »Unter der Voraussetzung, daß bei jedem Einschub in einer Retorte 3 Leichen verbrannt werden konnten, ergibt sich aus den Angaben der Zentralbauleitung folgende Übersicht: Verbrennungsdauer in Minuten bei einem Einschub: Krematorium I, rd. 76, Krematorium III 45, Krematorium IV/V 45.« (S. 467)
Auf der Basis zweier, der Wirklichkeit widersprechender Voraussetzungen ersteht daraus vor dem erstaunten Betrachter das Wunder einer »Kapazitätssteigerung« um mehr als das Zwanzigfache. Die gemäß Lagace 185 Einäscherungen täglich verdreifachen sich erst, da angeblich drei Leichen in eine Brennkammer passen, um sich sodann zu verachtfachen: die Kremierungszeit von 3,5-4 Stunden wird allein aufgrund der Auskunft der Auschwitzer Museumsleitung einfach auf rund eine halbe Stunde verringert!
Wegner führt noch einen zweiten »Beweis« an: »…demgegenüber gab die Auschwitzer Zentralbauleitung in ihrer Meldung vom 25. Juni 1943 an das SS-Wirtschaftsamt in Berlin-Lichterfelde folgende Effizienzzahlen bei 24stündiger Betriebszeit an: KI = 340, KII/ III = 1440, KIV/V = je 768, zusammen 4756.« Das ist auch mehr als das 20fache von 200! Darauf, inwieweit das von Wegner zitierte Schreiben von 1943 echt sein könnte, möchte der Verfasser nicht eingehen. Er ist mit der großen Dokumentenfälschungskampagne zwecks Erstellung von Beweismaterial für den Nürnberger Prozeß auf das beste vertraut.

Tötung durch Zyklon B

Wegner glaubt - dies in Übereinstimmung mit der herrschenden Lehre -, daß einfaches Einbringen von HCN-Gasen (Zyklon B) in einen Raum genüge, um den Tod der Insassen herbeizuführen. Er zitiert die Richtlinien der Lieferfirma, der DEGESCH, zur Ungeziefervernichtung (S. 454): »In den Richtlinien… ist die Zeitdauer des Entwesungsvorganges differenzierter (als bei Leuchter) angegeben. Bei warmem Wetter betrage sie sechs, sonst 16, bei minus 5°C 32, somit zwischen 6 und 32 Stunden.« Liegen also die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, verlangsamt sich die chemische Reaktion, das heißt in erster Linie der Lösungsprozeß des Gases von seiner Trägermasse Diatomeenerde (Kreide) um mehr als das Fünffache. Diese Richtlinien sind verfaßt von Dr. med. Puntigam, Dr. phil. Breymesser, Ing. Bernfus, Blausäurekammern zur Fleckfieberabwehr - Grundlagen, Planung, Betrieb, Sonderveröffentlichung des Reichsarbeitsblattes Berlin, 1943. Die DEGESCH hat diese Arbeit in Form einer Betriebsanleitung verwandt. Der Inhalt deckt sich auf das genaueste mit der von Leuchter beschriebenen Funktions- und Wirkungsweise von HCN-Gasen. In beiden Beschreibungen ist nachzulesen, daß die erwünschte Wirkung nur dann eintritt, wenn die Luft im Raum umgewälzt wird, also bei Luftzirkulation, wenn der Raum auf mindestens 26 Grad erwärmt ist und wenn das Zyklon sich in einem Gefäß befindet, in dem es erwärmt oder gar weggekocht werden kann (Leuchterbericht, Punkt 6004, 6001, 8001). In der DEGESCH-Anleitung heißt es: »Eine dritte Forderung ist die Beheizungsmöglichkeit. Wärme ist nötig, daher ist auf die Heizbarkeit des Objektes Rücksicht zu nehmen. Ein Heizkörper ist am geeignetsten. Auf diesen ordne man eine Blechwanne an, in welche man das Zyklon zur Forderung der Gasentbindung schüttet. Am Boden dauert es naturgemäß lange, bis es zur vollständigen Gasabgabe kommt, besonders lange, wenn es Steinfußboden ist.» »… in diesem Fall müßte man das Zyklon auf einen schlechten Wärmeleiter, also z. B. auf eine Holztasse schütten. Stehen zur Erwärmung nur Öfen zur Verfügung, so muß zuerst gut angewärmt werden.« »… Vorkommende Windrichtung beachten!« »Das Entwesungsgut muß von allen Seiten vom Gas leicht bestrichen werden können und darf nicht gedrängt aufgehängt werden!« Entsprechend der notwendigerweise umständlichen Verfahrensweise gerät Leuchters Schlußfolgerung: »Zyklon B wird allgemein wegen der zur Austreibung des Gases aus dem neutralen Träger benötigten Zeit nicht zur Anwendung in Hinrichtungskammern empfohlen... kein Hinrichtungssystem wurde jemals zur Verwendung von Zyklon konzipiert oder gar betrieben. Der Grund hierfür ist ganz einfach. Zykon B dauert zu lange, um das HCN aus der Trägermasse zu verdampfen, und benötigt Warmluft sowie eine Temperaturregleranlage. Nicht nur, daß das Gas instabil ist, es besteht Explosionsgefahr.« (Punkt 80001)
Beide Schriften über Eigenschaften und Wirksamkeit von Cyanidgasen widersprechen somit dem zentralen Punkt der herrschenden Meinung, dem schnellen Herbeiführen des Todes der in den als Gaskammern bezeichneten Räumlichkeiten zusammengepferchten Insassen durch einfaches Einbringen von Zyklon B, das an seine Trägermasse noch gebunden ist. Gemäß geltenden Naturgesetzen wären die Insassen mangels Sauerstoff erstickt, bevor das Giftgas langsam wirksam geworden wäre.
Die von Leuchter wohl zu Recht vorgetragene Vermutung, »… daß das Gas aus dem Vergasungsraum KI durch unterirdische Boden-Abwasserkanäle in anderen Gebäude dringen konnte« (S. 458), wird von Wegner mit atemberaubender Leichtfertigkeit abgehandelt: Das sei »unwahrscheinlich, da es leichter als Luft ist«. Die Möglichkeit, daß nicht Gas, sondern das Zyklongranulat in die Kanäle gelangt wäre, zieht Wegner gar nicht in Betracht. Die Folge wäre eine Vergiftung des gesamten Lagers und der Umgebung gewesen. Dies wäre zweifellos auch eingetreten, wenn die erstickten - nicht vergasten - Opfer aus den Kammern gezogen worden wären. Als man sich nach 1945 mit Auschwitz zu beschäftigen begann, lagen die uns heute so berührenden Fälle von Umweltvergiftung wie im italienischen Seveso oder im indischen Bhopal noch in weiter Zukunft.
Im »Leuchterbericht« heißt es (12001): »Krema 1 befindet sich unmittelbar neben dem SS-Krankenhaus und ist mit Bodenabwasserkanälen versehen, die mit dem Haupt-Abwasserkanal des Lagers verbunden sind - wodurch das Gas in jedes Gebäude des Gesamtkomplexes gelangen würde… Die Türen gehen sämtlich nach innen auf, eine Situation, welche die Entfernung der Leichen erschwert hätte.« Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren hätte eine Gasung in der üblicherweise geschilderten Form zu einer Katastrophe geführt.
Gemäß herrschender Lehre soll das Zyklon-B-Granulat aus einem Eimer durch die äußerst primitiven Deckenöffnungen (die nach dem 27. Januar 1945 durchgemeißelt wurden) direkt in die Kammern geworfen worden sein. Das Zyklon wäre den unmittelbar unterhalb der fiktiven Öffnungen Stehenden auf Kopf und Schulter gefallen, ohne sich im Raum gleichmäßig verteilen zu können. Mangels Luftzirkulation und Wärme hätte sich die Reaktion des Zyklons verzögert, was zwangsläufig zum vorzeitigen Erstickungstod der Opfer geführt haben müßte. Beim Entfernen der Leichen hätte sich durch vermehrte Luftzirkulation die Reaktion beschleunigt, wobei das sich entwickelnde Gas durch die geöffneten Türen getreten wäre, um auf Personal und Häftlinge mit tödlichen Folgen einzuwirken. Zudem wäre es zu einer Explosion gekommen, wenn die Gasschwaden die offenen Flammen der nahen Kremierungsanlage erreicht hätte. Eine Nebenfolge der Leichenentfernung wäre eine Vergiftung des Kanalwassers gewesen, da beim Herauszerren der Leichen zweifellos ein Teil des Zyklons in die Gullis gelangt wäre.
Fred Leuchter geht davon aus, daß eine Exekution mit Zyklon in der geschilderten Form nur dann denkbar ist, wenn nur eine Person auf einer Flache von einem Quadratfuß (0,836 m²) steht. Wegner besteht darauf (S. 462f.), daß es denkbar sei, 8 Personen auf einen Quadratmeter zu stellen, und bemüht zwecks Untermauerung dieser Behauptung eine »Verordnung über den Bau und den Betrieb von Straßenbahnen« aus dem Bundesgesetzblatt. Aus den zuvor angeführten Gründen wäre die geschilderte Tötungsform unter diesen Umständen nicht durchführbar.
Bemerkenswert erscheint im Zusammenhang mit Wegners Berechnungen, daß durch sie die seit Nürnberger Tagen gültige Arithmetik, vermutlich unfreiwillig, ad absurdum geführt wird. Es heißt bekanntlich im Dokument L-022 des Internationalen Militärtribunals, daß in Auschwitz zwischen April 1942 und April 1944 etwa 1765000 Millionen Juden durch Massenvergasungen ihr Leben lassen mußten (gemäß sowjetischer Lesart sogar 4 Millionen). Wegner kommt, wenn er 8 Menschen auf einen Quadratmeter unterbringt, zu dem Ergebnis, daß die Zahl der Ermordeten dann um 1 Million liege (S. 468). Gemäß den alliierten Nürnberger Unterlagen hatten also rund 14 Menschen auf einem Quadratmeter Platz haben müssen.

Weitere Streitfragen 

Wegner hat seine Berechnungen mit dem erklärten Ziel unternommen, den drei Grundbehauptungen der herrschenden Lehre - Zahl der Opfer, Durchführung des Genocids und Beseitigung der Leichen - die rechnerische Bestätigung zu geben. Der Versuch überzeugt nicht. Angesichts dessen verlieren die sonstigen Einwände Wegners an Bedeutung. Befassen wir uns dennoch mit den wichtigsten:
1. Leuchter bestreitet die Behauptung, es seien bei »Kapazitätsüberlastungen« der Krematorien Leichen in »Verbrennungsgräben« verbrannt worden. Er verweist auf den hohen Grundwasserspiegel der Gegend, der bei 0,50 m liegt. Wegner schreibt dazu (S. 461): »Dafür (daß der Grundwasserspiegel gesenkt wurde) sorgte ein umfangreiches Grabensystem, welches das sich ansammelnde Wasser… in die Weichsel abführte. Aus glaubhaften Zeugenaussagen geht hervor, daß die Verbrennungsgruben bei den Bunkern 1 und 2 = 1,5 bis 3 m, die fünf großen beim KV im Durchschnitt 2,5 m tief waren.« Die »Verbrennungsgruben« werden in der Literatur sogar mit 6 bis 8 m Tiefe angegeben. Rudolf Vbra, der Fachwelt bekannt als Ersteller des WRB-Reports (WRB = War Refugee Board) aus dem Jahre 1944, jenes Berichtes, der zur Keimzelle der Behauptungen über Auschwitz wurde, hat nach eigenen Angaben, die Aussage ist sogar beeidet, im ersten Prozeß von Toronto in 6 m Tiefe halbverbrannte Kinderköpfe gesehen!
Was immer er gesehen haben will, die »Verbrennungsgräben« sind auf den Luftbildern der US-Airforce nicht auszumachen, weder auf jenen, die bei Tage gemacht wurden, noch auf jenen, die des Nachts entstanden.
2. Wegner beschreibt (S. 458 u. 464), in voller Übereinstimmung mit der geläufigen Literatur, mächtige Exhaustoren, die das Gas angesaugt hatten. Kein einziger dieser dem Wahrheitsbeweis sicher dienlichen Apparate wird dem Betrachter heute vorgeführt, wohl aber Öffnungen in den Wänden, die zu nahe beieinanderliegen, um diesen Zweck wirkungsvoll erfüllen zu können. Im »Leuchterbericht« (7004) heißt es: »Die Abgase müssen in einem sicheren Abstand abgeführt werden, so daß die Luftströme (Winde) das Gas verteilen können. Dies ist normalerweise 40 Fuß (12 m) oberhalb des Gebäudes, sollte jedoch höher sein, wenn das Gebäude windgeschützt ist.« Die »Gaskammer« von Auschwitz 1 befindet sich jedoch unmittelbar neben der Lagerküche und dem SS-Krankenrevier. Beide Gebäude sind erheblich höher als die »Gaskammer«. Die allergeringste Luftbewegung hätte die abziehenden Gase durch die Fenster der beiden Gebäude getrieben und die sich in ihnen aufhaltenden Personen getötet.
3. Die Leuchtergruppe hätte hinter dem Rücken des Museumspersonals Putzproben aus den als »Gaskammern« bezeichneten Raume entnommen und diese in den USA in einem chemischen Institut auf Cyanidspuren hin untersuchen lassen. Über die kaum wahrnehmbaren Befunde, die vermutlich den routinemäßig durchgeführten Entwesungen entstammen, gib es eine eindrucksvolle Tabelle. Einzige Ausnahme mit verhältnismäßig hohen Cyanidspuren ist Probe Nr. 32, entnommen dem Desinfektionsraum. Der Befund dieser Probe liegt um das Tausendfache über den Befunden der meisten anderen Proben. Wegner kommentiert (S. 469): »Die Angaben Irvings im Report, im Sonderheft über seine Londoner Pressekonferenz… bezeugen, daß die Leuchtergruppe ›hinter dem Rücken der Lagerbewacher‹ in das… Gebäude gegangen war… und dort aus der Wand eines Raumes, in dem die Textilien entwest wurden, Proben… abgemeißelt hatte. Die Museumsleitung teilt dem Verfasser mit, daß sich keine Stelle finden ließe, wo die Leuchtergruppe die Proben entnommen haben konnte.« Die Leuchtergruppe hat das Herausbrechen sämtlicher Proben jedoch durch Videokameras aufgenommen. Es nutzt der Museumsleitung demnach wenig, wenn sie z. B. die betreffenden Stellen wieder frisch verputzen ließ, damit man sie nicht leicht findet.
4. Wegner zieht das Fazit aus seinen Untersuchungen (S. 471): »Und wo sollen die enormen Mengen an Textilien hergekommen sein, ebenso Edelmetalle, Wertpapiere usw., die gewaltigen Mengen von Menschenhaar und Knochenmehl. Und mußte man nicht vor allem nach dem Verbleib von etwa einer Million Menschen fragen, die der Hölle von Auschwitz nicht entrinnen konnten?«
Andere als dem Vernichtungsprozeß durch Gas dienende Möglichkeiten vermag Wegner sich anscheinend nicht vorzustellen. Die Kremierungsanlagen dienten der Einäscherung von Leichen, so der Opfer verheerender Epidemien. Die darunterliegenden Räume waren dann entweder Luftschutzkeller oder Leichenaufbewahrungsräume.
Die gewaltigen Mengen von Menschenhaaren? Jedem Neuankömmling in Auschwitz wurde, wegen der Möglichkeit des Läusebefalles, der Kopf geschoren. Im übrigen sollen die »enormen Ballen an Menschenhaar« meist aus Flachs bestehen (siehe Udo Walendy, Historische Tatsachen, Nr. 33). Und die »1 Million Toten«? Über die Zahl wird noch gestritten. In Auschwitz gab es auch viele Tote bei verheerenden Epidemien. Im Jahre 1946 erschien in London das Buch des ehemaligen Lagerinsassen Friedmann mit dem Titel This was Oswiecim. Darin ist zu lesen: »Als die Registrierungen im Männerlager von Birkenau im März 1944 die Zahl 180000 überschritten, wurde eine neue Zählungsmethode eingeführt, um den Lagerinsassen die Möglichkeit zu nehmen, unerwünschte Berechnungen anzustellen. Das einzige Ergebnis danach war der feste Glaube, daß Millionen in den Lagern zugrunde gegangen waren. Erst nach dem Kriege war es möglich, die Zahl der Einlieferungen ins Lager zu überprüfen: 253000 Männer und 110000 Frauen.« (S.14)
5. Am Ende seiner Ausführungen bringt Wegner dem Publikum als abschließendes »Argument« das Urteil der kanadischen Rechtspflege nahe. »Das Bezirksgericht Toronto verurteilte Zündel am 11. Mai 1988 nach Anhörung Leuchters. Er vermochte seinem Gutachten keinen Glauben zu schenken.« Dieses Urteil besagt als Sachargument zu den anstehenden Fragen gar nichts. Es bildet angesichts der mit dem Prozeß verbundenen Pressekampagnen höchstens eine interessante Tatsache der Zeitgeschichte. Hätte der vorsitzende Richter Pearson Zündel freigesprochen, wäre ein Präzedenzfall geschaffen worden, der im Zuge einer Kettenreaktion die bisherige herrschende Meinung um ihr Ansehen gebracht hätte. Da auch in Kanada das Gesetz Palmströms gilt, wonach nichts sein kann, was nicht sein darf, wird die Öffentlichkeit vermutlich noch für einige Zeit widersprüchliche Aussagen hinnehmen müssen. Auch Richter Pearson sah wohl keine andere Möglichkeit, diesem Dilemma zu entkommen!


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 39(2) (1991), S. 13-17

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