Die Massenmorde im Baltikum

Was Washington, Moskau und Bonn verschweigen

Günther Just


»Uncle Sam«, der Erfüllungsgehilfe Moskaus bei der »Hexenjagd« nach antikommunistischen »verbrecherischen Elementen« aus der Ukraine und dem sowjetisch besetzten Baltikum, die nach 1945 in die USA einwandern durften, hat keine weiße Weste, aber »Weiße Flecken« in seinem Geschichtsbuch. Anstatt die Lücken mit der Indianerausrottung, dem Bomben-Holocaust am deutschen Volk, Atom-Massenmord in Japan und den Kriegsverbrechen in Vietnam zu füllen, baut er millionenschwere Monumente als Anklagestätten gegen Deutschland und ist der Sowjetunion in alter Bündnistreue zur Achse Roosevelt-Stalin behilflich, wenn antikommunistische Einwanderer von der Moskauer Desinformationszentrale der Kriegsverbrechen beschuldigt werden, um von eigenen abzulenken.
Nachdem die von der Sowjetunion unterdrückten baltischen Völker in Lettland, Estland und Litauen weltweit vernehmlich an ihren Ketten rütteln, Freiheit vom Moskauer Joch und ein Schuldbekenntnis für die an ihnen begangenen Massenverbrechen fordern, wird - natürlich rein zufällig - in Amerika ein aus Lettland stammender 83jahriger Greis entdeckt, der nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion bei einem Rache-Schauprozeß in Abwesenheit als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt wurde. Der Lette soll in einem Dorf über 200 Landsleute erschossen haben. Aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit seiner Freiheitsstatue, über die sich schon G. B. Shaw lustig machte, kam er - um einer Auslieferung an die Sowjetunion zu entgehen - in die BRD, wo er sich vom »freiesten Staat deutscher Geschichte« Anerkennung als politisch-verfolgter Asylant erhoffte. Erste Station seiner Hoffnung ist eine Gefängniszelle. Der 83 Jahre alte Asylant - bis zur Entscheidung über den Antrag in Freiheit belassen - hatte ja beim Besuch von Bundeskanzler Kohl (CDU) im Kreml Stirnrunzeln oder ein verärgertes Räuspern hervorrufen können.

Bolschewistische Morde im Baltikum

Dem »Weißen Fleck«-Haus in Washington wird empfohlen, sich in westdeutschen Bundesarchiven über Kriegsverbrechen der Sowjetunion in den baltischen Staaten sachkundig zu machen. Dann könnte »Uncle Sam« auch die »Weißen Flecken« aus der Geschichte des »Großen Vaterländischen Krieges« seines »Good old Joe« Stalin beseitigen helfen. Neben grausamsten Massenverbrechen am deutschen Volk verschweigt Moskau die ebenso furchtbaren Greuel an den baltischen Völkern in Litauen, Lettland und Estland.
Als Gedächtnisstütze für die west-östliche Treibjagd auf angebliche oder tatsächliche Kriegsverbrecher seien aus der Vielzahl dokumentierter Verbrechen der Roten Armee im Baltikum nur wenige Beispiele angeführt. Im Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Frauenfeld, bei einem Armee-Oberkommando, vom 28. Juni 1941 heißt es: »Ich habe soeben das frühere sowjetische Konzentrationslager bei Pravieniske besichtigt, in dem am 25. Juni 1941 etwa 200 Litauer ermordet worden sind. Das Konzentrationslager befindet sich in einer einsamen Waldgegend, einige Kilometer von der Bahnlinie Kowno-Wilna entfernt. Die Bolschewisten hatten in dem Lager ihnen politisch verdächtige Litauer aus Kowno und Umgebung, vor allem Fabrikanten, Beamte, Offiziere und Geschäftsinhaber, in Haft gehalten… Die litauischen Gefangenen wurden von einem russischen Kommissar, dem fünf andere Russen beigegeben waren, und 25 litauischen Beamten und Soldaten bewacht. Als am 24. Juni deutsche Vorausabteilungen in Kowno eindrangen, verschwanden der Kommissar und die übrigen fünf Russen. Am 25. Juni kehrte der Kommissar indessen in Begleitung von russischen Truppen zurück. Gegen 15 Uhr wurden dann die Gefangenen vor der Baracke hinter dem Drahtverhau zusammengetrieben und mit Gewehren und Maschinengewehren zusammengeschossen, so daß die Leichen und die Sterbenden buchstäblich auf einem großen Haufen übereinanderlagen. Wenigen Gefangenen ist es gelungen, zu entkommen und über die Ermordungen zu berichten. Noch heute ist vor dem Zaun die Stelle deutlich erkennbar, wo der Sandboden rot und feucht ist von dem Blut der hier vor 3 Tagen hingemordeten Litauer. Die Leichen selber sind inzwischen von der litauischen Bevölkerung in einem Massengrab beigesetzt worden. Das Massengrab birgt die Leichen von 193 Männern, einer Frau, einem jungen Mädchen und einem Kind von 12 Jahren. 5 weitere Frauen, die die Bolschewiken ermordet liegengelassen haben, sind auf dem Friedhof von Rumsiske begraben worden.«
Unterarzt Dr. Bruß berichtet am 29. Juni 1941 als vereidigter Zeuge über einen anderen Leichenfund unter anderem folgendes:
»Am 29.6.1941, 10.30 Uhr, wurde ich von dem Ordonnanzoffizier des hier liegenden Infanterieregimentes aufgefordert, eine Leichenschau über 72 verscharrte litauische männliche Leichen abzuhalten. Als ich 10.45 Uhr am Tatort eintraf, fand ich ein Bild unvorstellbar menschlicher Roheit vor. Es lagen dort 72 männliche Leichen, nebeneinanderliegend in vier Reihen vor. Sämtlichst waren die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, und im Munde steckte ein Knebel. Die Haut konnte abgehoben werden, und es waren überall an den Körpern, teilweise von Kopf bis zu den Füßen, Hautfetzen abziehbar, die als sichere Verbrennungen oder Verbrühungen zweiten Grades anzusehen sind. Die wenigen Bekleidungsstücke, die die Leichen noch an hatten, waren zerrissen und durchblutet. Bei der Inspektion der Leichen konnte man überall am Körper Hämatome größeren Ausmaßes, herrührend von Kolbenschlägen, feststellen.
Die Schultergelenke waren teilweise exarticuliert (abgetrennt). An einer Hand fand ich den Daumen herausgerissen, an einem Scrotum (Hodensack) eine ödematöse bläulich verfärbte Schwellung, an dem der Penis blutig zerhackt war. Das grauenvollste aber sah man an den vollkommen geschändeten Schädeln. Sämtliche der 72 Leichen waren aufs grauenvollste verstümmelt. Ich sah ausgestochene Augen, vollkommen deformierte Unterkiefer, zerbrochene Nasenbeine, abgerissene Ohren und größere Defekte am Halse. Schädeldecken waren größtenteils vollkommen zertrümmert, ich sah doppelfaustgroße Höhlen von zertrümmerten Schädeln, aus denen das Hirn vollkommen fehlte oder blutig zerfetzt heraushing. Andere wieder zeigten Einschüsse von Kleinfingernagelgröße an den Stirnpartien mit Ausschuß von Handtellergröße in der Occipitalgegend, andere wieder mit Einschüssen an der zuletzt beschriebenen Stelle, und als Ausschußstellen fand ich Zertrümmerungen der Stirnpartien, also typische Genickschüsse. Die Gesichtsvorderteile waren blutig verquollen und verschmiert.«

Priestermorde 

Bericht des Priesters J. Kardauskas: »Vilkadiviskis, 26. Juni 1941. - Am 21.6.1941, etwa um 6 Uhr abends, benachrichtigte mich der Kommandant von Vilkadiviskis, ein Lastkraftwagen mit 5 russischen Militärpersonen (sic!). Sie holten die Priester Balsys, Petriskas und Dabrila aus ihren Wohnungen, setzten sie in den Wagen und fuhren mit ihnen in Richtung des Dorfes Bartininkai. Am Abend desselben Tages wurden die Priester von deutschen Soldaten im Walde 3 km von Bartininkai, aller ihrer Kleider und Wertsachen beraubt, tot aufgefunden. Jeder von ihnen wies zahlreiche Schuß- und Stichwunden auf. Die Leichen wurden nach dem Dorf Laukelischkai gebracht und hier unter großer Beteiligung der Ortsbevölkerung am 26.6.1941 beigesetzt.« Aus dem Vernehmungsbericht des litauischen Arztes Dr. med. Antanas Garmus aus Kowno vom 10. Juli 1941:
»… Am 29.6. um 10 Uhr bin ich dann selbst zum Lager gefahren…, in dem die Gefangenen untergebracht waren, und fand noch 15 Überlebende, die nicht verletzt waren. Ursprünglich haben sich in dem Lager 450 Personen befunden. Sie setzten sich zusammen aus Arbeitern, Fabrikanten und Bauern. Außerdem noch einige gefangene polnische (!) Soldaten.
Am 25.6. erschien am Arbeitslager ein russischer Panzerwagen. Auf Befehl des Führers des Panzerwagens mußten alle Insassen des Lagers auf den Hof hinaustreten. Auch die litauische Lagerbewachung. Es wurde nun auf die Leute aus dem Panzerwagen Maschinengewehrfeuer eröffnet. Die Zahl der Ermordeten betragt ungefähr 300… Ich möchte noch zusetzen, daß von den Bolschewiken auf die erschossen daliegenden Opfer noch Handgranaten geworfen wurden. In einer Zelle wurde die Leiche eines durch Bajonettstiche ermordeten Mannes gefunden. Unter den Ermordeten fand ich eine im neunten Monat schwangere Frau. Die Bolschewisten wollten dann noch den Haufen Leichen mit Dynamit in die Luft sprengen. Es gelang ihnen aber nicht, und bei frühzeitigem Explodieren der Ladung wurden zwei Bolschewisten getötet… Die Identifizierung der Ermordeten war nur in zwei Fällen möglich. Es handelt sich dabei um 1. Herrn Strimas, Direktor der Fabrik Drobe, 2. den Landwirt Gerulaitis…«

Massenmorde in Lettland

Am 4. April 1941 wurden in Massengräbern im Hof des Zentralgefängnisses von Riga (Lettland) 98 Leichen lettischer Bürger entdeckt. - Nach dem Einmarsch deutscher Truppen am 3. Juli 1941 in Rositten fand man in einer Holzscheune der ehemaligen Arbeiter-Bauernmiliz die vergrabenen Leichen von 31 ermordeten Letten, die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren. Im Vernehmungsprotokoll lettischer Zeugen, unterzeichnet vom Leiter des Verhörs, Freiherr von Richthofen, Rittmeister und Dolmetscher-Offizier, heißt es unter anderem: »Bei allen Leichen fanden wir Spuren der gleichen Folter. Die Schädel waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, die Haut von den Händen und die Fingernagel von den Fingern waren abgezogen, die Zungen aus- und die Nasen und Ohren abgeschnitten. All diese Foltern wurden an lebenden Menschen verübt. Es ist anzunehmen, daß keiner erschossen wurde, denn bei keiner Leiche waren Schußverletzungen zu finden… Der Leiter der NKWD (sowjet. Geheimpolizei) in Rositten, der Jude Moins, hat an den Verhaftungen und Folterungen der Unglücklichen aktiv teilgenommen und die Folterungen und Ermordungen geleitet.« Das Protokoll wurde unter anderem auch vom lettischen Stadtkommandanten A. Matsch und einem seiner ebenfalls beeideten Offiziere als Dolmetscher unterschrieben.
Diese Morde an Litauern, Letten und Esten kurz nach Beginn des deutschen Präventivangriffs gegen die Sowjetunion im Sommer 1941 stellen nur einen winzigen Bruchteil begangener Kriegs- und Menschlichkeitsverbrechen an den baltischen Völkern, Ukrainern, Polen, Volksdeutschen und in Gefangenschaft geratener deutscher Soldaten dar.

(Quelle: Weißbücher des Auswärtigen Amtes, Berlin 1941-42. Zitat-Auszüge aus Vernehmungsprotokollen der Wehrmachtsgerichte sind wörtlich übernommen worden.)


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 38(2) (1990), S. 21f.

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