Deutschland
Schrift für neue Ordnung


INHALTSVERZEICHNIS 7/8-97

VOLK-NATION-EINHEIT

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VOLK - NATION - EINHEIT


Irritationen oder induziertes Irresein?

B. Steiner

Der von den Alliierten aus der Taufe gehobene und in fast 50 Jahren respektierlich gewachsene deutsche Teilstaat, der sich anmaßte und anmaßt, sich DEUTSCHLAND zu nennen, dabei aber doch nur, zumindest in Zeiten der Konfrontation zwischen den Blöcken, Mittel der Politik ebenjener Mächte gewesen war, die das Reich einst in einem gewaltigen Ringen niederwarfen und die Mitte des Kontinents dabei in einem Kreuzzug von nie vorher geschautem Maß verheerten, trudelt nun, in allerdings immer noch begrenzte Souveränität entlassen und unter Kuratel der ehemaligen Kontrollmächte gestellt, einem Orkus ohnegleichen entgegen. Daß die Deutschen die sich ihnen mit der Erlaubnis des Anschlusses Mitteldeutschlands an den Bonner Weststaat gebotene Chance einer Veränderung der politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in ihrem (???) Land nicht wahrnahmen, ist geradezu tragisch.

Aber die Führungsschichten wie auch die Bevölkerung in Deutschland waren nach der plötzlichen Veränderung der Lage in Mitteleuropa zunächst gelähmt; anfänglicher Euphorie folgte der Rückzug in jahrzehntelang geübte Alltagsbequemlichkeit, in private Nischen und persönliche Belange.

Unfähig, neue Möglichkeiten der deutschen Politik zu erkennen, diese wahrzunehmen und politisch durchzusetzen, wurde das Brodeln nationaler Gefühle und Stimmungen durch die politische Klasse (im Auftrag?) regelrecht gewaltsam geglättet, abgewürgt, der Bildung einer neuen, echten Solidargemeinschaft aller Deutschen das Fundament entzogen.

Jahrzehntelang hatte man in Deutschland lernen müssen, sich mit den Siegern des Krieges von 1945 zu arrangieren, deren Vorstellungen zu entsprechen, vorgegebene Politikinhalte und Lebensformen zu verinnerlichen. Und man hat gut gelernt, sich gut angepaßt. Zu gut, wie sich nun zeigt.

Die Nischen, welche man sich geschaffen hatte, waren bequem und ermöglichten wenigstens im Westteil Deutschlands ein üppiges Leben. Mitteldeutschland war so gut wie, Ostdeutschland fast völlig aus dem öffentlichen Bewußtsein gestrichen, Österreich und Luxemburg wurden und werden ganz selbstverständlich als Ausland angesehen. Mit Städtenamen wie Pettau in der Untersteiermark oder Kolmar im Elsaß verbindet heute kaum ein Bundesdeutscher noch den Begriff Deutschland.

Nach dem Selbstverständnis vieler Bundesbürger war Deutschland die Bundesrepublik.

Mit der DDR wurden teilweise interessante Geschäfte getätigt. Und sei es auch nur, daß billige Bettwäsche von Häftlingen, die nur deshalb verurteilt worden waren, weil sie in ebenjenes materielle Paradies ausweichen wollten, in DDR-Gefängnissen genäht wurde, um dann in Billigwarenhäusern „im Westen" verramscht zu werden. In bundesdeutschen Gazetten waren solche Auswüchse deutsch-deutscher Zusammenarbeit und Annäherung nie ein Thema. Genausowenig wie der Tag der deutschen Einheit am 17. Juni, den die Westdeutschen zu Ausflügen ins Grüne nutzten.

Das an ebendiesem Tag jährlich sich wiederholende Geschwafel Bonner Politiker über die Einheit der Nation und des Vaterlandes war Ritual und Staffage, diente der Vernebelung und Beschwichtigung der Massen, war zuweilen auch ein abzuhakender Punkt in Wahlkampfreden, mittels derer man Millionen Wähler geschickt korrumpieren konnte. Heute ist klar: es war ein Affenspiel; nie ernst gemeint, denn am Tag X fehlten Ablaufpläne, Koordinierungsstellen, Planungspapiere. Es gab sie nie. Denn für die nach 1945 neu (bzw. wieder) an die Macht gekommenen „Demokraten" galt viel eher ein Spruch Adenauers: „Lieber ein halbes Deutschland ganz als ein ganzes Deutschland halb" und seine Aussage vom 30. 11. 1946 in der „Welt": „Wer Berlin wieder zur neuen Hauptstadt macht, schafft geistig ein neues Preußen."

Aber nun war sie da, die Vereinigung der beiden deutschen Besatzungssprößlinge DDR/BRD am 3. Oktober 1990 zu jetzt einem kleinen deutschen Rumpf- und Reststaat von politischer Zwerghaftigkeit, zwar mit (zähneknirschendem) alliiertem Segen, aber ohne Friedensvertrag (obschon der sog. 2+4-Vertrag als solcher interpretiert wird) und ohne die preußischen Ostprovinzen und das Sudetenland.

Ungläubig, staunend zunächst beobachtete man, welch Schauspiel da auf dem politischen Parkett abrollte. Die Deutschen aber wachten nicht auf. Bis heute nicht. Man wiegt(e) sich in immerwährendem Wohlstand; war man bis jetzt erfolgreich, so mußte ja nur dergestalt weiter gemacht werden.

Alle Entwicklungen, die diesen Erfolg gefährden könnten, wurden dabei als Gefahr beobachtet. So nimmt es nicht wunder, daß die Bundesrepublikaner (West) die deutsche Teilvereinigung eher als Anschlag auf ihre materielle Basis betrachteten (die weitestgehend links geführten Medien sollten sie dabei gebührend in diesem Sinne desinformieren und erschrecken), währenddessen die Mitteldeutschen nichts sehnlicher erhofften, als eben mindestens den materiellen Standard zu erreichen, den ihre (un-)beliebten „Brüder und Schwestern" seit dem sog. Wirtschafts"wunder" (es war keines!) freilich mühsam erarbeitet hatten (und durften!)

Die Westdeutschen aber hatten 40 Jahre lang während permanenter geschickter Einschläferung und politischer Entmündigung nicht wahrgenommen, daß sie in erster Linie Melkkuh waren, Spielball fremder politischer Mächte, Erfüllungsgehilfe in erste Linie der Supermacht USA.

Und die Mitteldeutschen wurden der Gefahr, die sie mit dem Anschluß an die verwestlichte Bundesrepublik bedrohen sollte, kaum gewärtig. In den neuen Ländern obsiegte Deutsche Mark-Besitzstolz über Nationalbewußtsein, materielles Besitzstandsdenken über Idealismus und Vernunft.

Kein Aufschrei, kein Protest der Millionen, als der Bundestag durch Grundgesetzänderung die Streichung des Artikels Nr. 23 billigte (entsprechend Art. 4 Ziff. 2 Einigungsvertrag DDR/BRD vom 6. 9. 90) und damit den Anschluß (Beitritt) weiterer deutscher Gebietsteile verwehrt.

Statt diesen Bundestag auseinanderzujagen und eine verfassunggebende Versammlung einzufordern (und eine tatsächliche Verfassung) – nichts. Keine Reaktionen, keine Proteste.

Es ist immerhin so, als hätte Frankreich Gebiete wie den Languedoc, das Roussillon, die Provence, die Gascogne und die Auvergne gleichzeitig und endgültig abgetreten und aufgegeben.

Undenkbar in Frankreich.

Deutschland scheint politisch paralysiert.

Vergessen die kleine, verwegene Schar der Aufrechten, die Sozialisten waren und Nationale und aus diesem Grund den staatskapitalistischen Staat DDR ablehnten und bekämpften.

Freilich, auch eine nationalkommunistisch gewendete PDS hätte gegen die DM-Apologeten – damals – kaum ein Chance haben können.

Heute aber, im Jahre 7 Neudeutschlands, wird offenbar, dies im Westen wie im Osten, daß das System BRD mit einer privatkapitalistisch organisierten Wirtschaftsform, politisch parlamentarisch-"demokratisch" organisiert, kaum überlebensfähig sein wird.

Die liberalistische Bonzokratie ist nicht mehr fähig, Probleme, mit denen sich das Staatswesen konfrontiert sieht, zu benennen, Konzepte zu suchen, Lösungen auszuarbeiten. Der Bundestag hat sich zur anationalen Schwatzbude konkurrierender Lobbyisten entwickelt (die ein Lafontaine, selbst Mitglied der Kaviar-Sekt-Schickeria und Toskana-Fraktion, jüngst als PFEIFEN (!!!) titulierte.)

Die Politniks sind nurmehr versucht, altbewährte Pfründe zu sichern und die Interessen jener institutionellen Verbände und Gruppen zu wahren, in deren Auftrag sie agieren und zu welchem Zweck sie in diese Positionen gehievt worden waren.

Die „freiheitlich-demokratische Grundordnung" (eine Worthülse wie ehedem in Mitteldeutschland „entwickelte sozialistische Gesellschaft") ist zum Parteienstaat verkommen. Dem entspricht die Tatsache, daß die Medien in ihrer Berichterstattung kaum noch von „Deutschland" oder der „Bundesrepublik" berichten. Immer öfter spricht man von der „BeeRDä" (das Kürzel BRD war einst von den Pankow-Genossen kreiert worden) oder gar nur noch von der „Republik".

Diese Veränderung in der Semantik ist aber ein untrügliches Zeichen, wie sehr dieses Land verändert wurde.

Die politischen Wachen im linken Spektrum scheinen seit 1989/90 paralysiert; die Lähmung hält an, und nur Angriffe auf imaginäre Nazis und Faschisten schaffen noch eine Gruppenidentität.

Andere Feindbilder existieren nicht (mehr). Ein Faktum, das nicht unbedingt für die Vordenker und Kader der Linken spricht.

Das nationalpatriotische Element in unserem Volk reibt sich derweilen die Augen, spitzt die Ohren (als wenn sich ein Lüftchen als Vorbote eines Sturms regen könnte), versammelt sich konspirativ in Grüppchen und Redezirkeln und ergibt sich dabei meistenteils der Verklärung ganz alter oder alter Zeiten, da sich eine Alt-Bundesrepublik im wirtschaftlichen Aufwind befand, die DM stabil war und alles seinen „geregelten Gang" ging.

Daß die deutsche Mark eine Fremdwährung war, eingeführt von den Mächten, die unser Land erst in den Abgrund gestürzt hatten, die Föderationsstruktur des Landes eine fremde Erfindung (die überdies gewachsene und bewährte Strukturen gewaltsam veränderte und Identitäten neu formte), daß das Land keine Verfassung besaß, eine Armee ohne Generalstab bestand, all das ficht diese Leute nicht an. In diesem unserem Land interessiert sich kaum ein Mensch für die Tatsache, daß in allen großen deutschen Unternehmen und Konzernen Fremd- und Auslandskapital regiert. Selbst die sog. „Deutsche" Bank ist keine deutsche Bank mehr, sondern Schaltzentrale des internationalen Kapitals, und der mächtigste deutsche Konzern ist längst zum europäischen Mischkonzern avanciert, der noch eben zufällig seinen Sitz in Württemberg hat. (Selbst das Kulturleben wird uns zielgerichtet entfremdet, indem man Schaltstellen mehr und mehr mit Ausländern besetzt.)

Unser aller Dilemma ist der Verlust des Krieges von 1945, die damit verbundene Erniedrigung und gewaltsame Veränderung unseres Vaterlandes, der bis heute ausstehende Friedensvertrag, das verlorengegangene (uns ausgetriebene) Nationalgefühl, das Fehlen einer noch vor zwei Generationen vorhandenen Solidargemeinschaft aller Deutschen.

Der verlorene Krieg ist nicht rückgängig zu machen, vor allem schon aufgrund des waffentechnischen Vorsprungs der einstigen Gegner.

Wollen wir aber künftig im Reigen der Völker bestehen (gleich, ob mit oder ohne Euro-Währung), müssen wir zu Werten zurückkehren, die früher galten. Das setzt einen Wissens- und Bewußtseinswandel voraus, den wir als Prozeß in Gang zu setzen haben.

Dabei sind geistige Grundlinien zu fixieren, hinter die nicht zurückzuweichen ist.

Wenn in naher Zukunft offenbar werden wird, welche Kräfte aus welchem Grund 50jährige deutsche Teilung zementierten, um dann aus eigenem Kalkül den Status quo zu kippen, wird ein Sturm der Entrüstung und der Wut (hoffentlich) über die Verderber hinwegbrausen, die sich derzeit anschicken, die Herrschaft über die Länder der Erde anzutreten und dabei vor keinerlei Mitteln zurückschrecken.

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Wirtschaft


Federal Reserve System

... über die Inflation jammern und sich fragen: Wo ist bloß unsere Golddeckung hingekommen? Doch die ist in guten Händen: Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, wurde ein Großteil der 3.700 t Gold der Bundesbank schon außer Landes gebracht, und nicht etwa, wie man vielleicht vermuten wird, nach Brüssel, sondern, wie es der Zufall will, ins Gewölbe der FEDERAL RESERVE BANK in New York. Wahrscheinlich, weil New York so sicher und die „Fed. Bank" eh privat ist. So kann nix passieren, jedenfalls was die amerikanische Hochfinanz angeht. Und das ist auch kein Staatsgeheimnis, sondern steht ganz gemütlich im Reader's Digest, deutsche Ausgabe, Nr. 8/August '96.

Was versteht man unter Federal Reserve System, -Board, -Bank? Es ist nichts anderes als eine Welt-Zentralbank, die in privaten Händen ist. Am 23. Dezember 1913 wurde diese Zentral Bank, für die der Deckname „Federal Reserve System" erdacht wurde, gegründet. Mit dem dieser Gründung zugrundeliegenden Gesetz erhielten die US-Bänker das Vorrecht zugesprochen, Geld ohne Gegenwert zu schaffen oder der US-Regierung gegen Zinsen zu leihen. Damit war der Grundstein gelegt zur Ausplünderung aller Staaten, die sich dem System unterwarfen oder durch Kriege unterworfen wurden. Diese Zentral Bank verfügte somit über die drei wichtigsten Funktionen einer Zentralbank.

1.Sie ist Eigentum von Privatpersonen, die aus dem Besitz von Aktien Gewinne erzielen und den Geldumlauf der nationalen Wirtschaft kontrollieren.

2.Sie hat das Verfügungsrecht über sämtliche Staatsgelder.

3.Sie hat auf Grund ihrer Schlüsselstellung die Macht im Staate inne und kann den Staat in Kriege verwickeln, um sowohl Gewinne zu erzielen als auch Schulden zu tilgen.

Wußten Sie, daß die deutsche Bundeszentralbank dem Federal System,

-Board gehört und die Chefs der Zentralbank Gouverneure = Statthalter genannt werden? Sie treffen sich regelmäßig irgendwo auf dem Globus zur Lagebesprechung und Befehlsausgabe.

Wußten Sie, daß der Deutsche Bundestag 1956 freiwillig auf Sitz und Stimme im Zentralbankrat verzichtet hatte und sich damit selbst entmachtete bzw. entmachten mußte – natürlich einstimmig!

50 Jahre Marshallplan

Eine Perversion der Dankbarkeit

H. W. Woltersdorf

Vorher galt der Morgenthauplan. Roosevelt erwirkte für diesen Plan seines Freundes Morgenthau die Zustimmung Stalins und Churchills. Er sah die Verwandlung des Deutschen Reiches in einen Kartoffelacker vor, ohne Fabriken ohne Industrie. 40 Millionen Deutsche waren trotz der hohen Kriegs- und Nachkriegsverluste noch zuviel. Sie sollten verhungern – wie damals, 1918, durch die Hungerblockade.

Um etwas derart Unmenschliches durchzusetzen, wurde von Roosevelt bereits 1943 die bedingungslose Kapitulation gefordert, ein Rückfall in mittelalterliche Methoden, um einen besiegten Gegner völlig rechtlos zu machen. Sodann setzte bei Kriegsende eine massive Lügen- und Hetzpropaganda gegen das deutsche Volk ein, um Verständnis bei der Weltbevölkerung für den Morgenthauplan, die Vertreibung und Tötung von Millionen Deutschen zu erwirken, eine Propaganda, welche die Deutschen nach dem Krieg als historisch erwiesene und offenkundige Tatsachen anzuerkennen gelernt haben.

Nun begann das große Plündern. Russische, französische, amerikanische und englische Soldaten nahmen sich wie Söldner im 30jährigen Krieg, was ihnen im zur Plünderung freigegebenen Deutschland gefiel: Uhren, Schmuck, Frauen, Fahrräder, Radios. Die Besatzungsmächte suchten in dem verbliebenen Trümmerfeld nach Maschinen, Apparaten und ganzen Industrieanlagen und brachten sie in ihre Heimatländer. Wenn in Rußland über den Verbleib von 3 Millionen geraubten Kunstschätzen verhandelt wird, kann man sich ausmalen, was insgesamt geraubt wurde. Allein diese unbezahlbaren Werte gehen in die Milliarden.

In den letzten Wochen haben noch viele Länder Deutschland den Krieg erklärt. Als Nutznießer der bedingungslosen Kapitulation durften sie zumindest deutsche Vermögenswerte kassieren. Ferner wurden alle deutschen Markenzeichen beschlagnahmt, so daß jeder Klempner seinen hergestellten Blechlöffel mit der Solinger Marke Henkels Zwillingswerk versehen durfte.

Doch die größte und wertvollste Beute war der geistige Diebstahl. Ein amerikanischer Journalist namens Lester Walker schrieb in der Ausgabe vom Oktober 1946 in Harpers Magazin einen langen Artikel unter dem Titel Secrets by the Thousands über Arbeit und Aufgabe eines umfangreichen Spezialkommandos auf der Suche nach deutschen Patenten und Fabrikationsgeheimnissen. Sie wurden fündig. 150 000 Tonnen Aktenmaterial wurden zur Auswertung in die USA verbracht. Es mußte eigens ein neues Wörterbuch zur Klärung von 40 000 Fachausdrücken angelegt werden. Allein 50 000 Tonnen betrafen das Flugwesen, Raketen mit allen heute bekannten Arten von Fernsteuerungen, Raketen, die nur 42 Minuten brauchten, um New York zu erreichen. Aber der größte Teil der Akten hatte mit der Rüstung und dem Krieg nichts zu tun. Ein maßgeblicher Politiker aus Washington nannte es die größte und bequemste Quelle dieser Art von Material in der Welt, die erste ordentliche Ausnutzung der Geisteskräfte eines ganzen Landes.

Sie entdeckten einfärbbare Kunstfasern mit Wolleigenschaften, künstlichen Glimmer, hochleistungsfähige Buttermaschinen und Brotbäckereien, künstliches Blutplasma und Plattenspieler, die zehn Platten automatisch wechseln konnten. Die mit großer Bewunderung entdeckten Nachtsichtgeräte haben sie sofort gegen die Japaner eingesetzt, ebenso wie das Verfahren, durch Unterkühlung Todgeweihte wieder zum Leben zu erwecken. Sie entdeckten „papierähnliche" Rollen im Werte von 50 cts, auf denen man das Radioprogramm eines ganzen Tages speichern konnte. Bei den IG Farben fanden sie 50 000 Rezepte für Farben, die sie selbst bis heute nicht herstellen konnten. Eine andere Neuheit war Hefe, die man in unbegrenzten Mengen herstellen konnte, die höhere Temperaturen aushielt und mehr Protein und Kalorien enthielt als Rindfleisch. Es gab revolutionierende Maschinen zur Herstellung von Nadeln oder zur Herstellung von laufmaschenfreien Damenstrümpfen. In der ganzen Welt gab es keine vergleichbare Methode wie die deutsche zur Massenherstellung von Käse. Man entdeckte die kleinsten und unzerstörbaren Kondensatoren ebenso wie die Pasteurisierung von Milch durch ultraviolette Strahlungen, die man in den USA bisher vergeblich versucht hatte.

Ein Textilfabrikant bot 20 Millionen Dollar, wenn er allein über ein deutsches Patent verfügen dürfte. Er brauchte nur 50 cts für die Kopien zu zahlen, auch jeder andere konnte das Patent haben. Der unersättlichste Einkäufer war die „Amtrog", die russische Gesellschaft für Außenhandel. Sie wollte alles haben.

Die allein von den Amerikanern erbeuteten 150 000 Tonnen beinhalteten die Grundlagen der heutigen Hochtechnologie. Sie wurden in Deutschland vor allen Dingen während des Krieges entwickelt, was umso erstaunlicher ist, als doch – angeblich – alle bedeutenden Wissenschaftler ausgewandert sind – in die USA. Und noch erstaunlicher: Die Wissenschaftler und Techniker arbeiteten für das „verbrecherische" Deutschland, nicht für Geld, nicht für fürstliche Honorare, sondern eben nur für Deutschland.

Nach eigener Einschätzung hat diese Enteignung privater Personen und Betriebe, die völkerrechtswidrige Beute der amerikanischen Wirtschaft 10 bis 15 Jahre Entwicklungsarbeit gespart. Wer weiß, was ein Jahr an Forschungen und Entwicklungen kostet, kann sich ausrechnen, daß diese Beute einen Wert von mehreren hundert Milliarden ausmacht. Zählt man die anderen Kriegsgewinne hinzu, den Kunstraub, die Demontagen, die vielen kleinen Plünderungen, die Enteignung des deutschen Volksvermögens im Ausland und der Markenzeichen, so kommt man auf unermeßliche Milliardenwerte.

Dafür kam dann vor 50 Jahren der Marshallplan. Nicht daß die Amerikaner plötzlich ihre Liebe zu dem verbrecherischen deutschen Volk entdeckt oder gar Mitleid mit ihm gehabt hätten, nein, es waren die Sowjets, die mehr und mehr ihr wahres Gesicht erkennen ließen. Schließlich hatte sich Stalin 1939 bereit gestellt, um in dem Augenblick, da sich die westlichen Länder gegenseitig ausgelaugt hätten, mit seiner gewaltigen Armada ganz Europa zu kassieren. Dank des deutschen Widerstandes hat er weniger als die Hälfte bekommen. Das paßte nicht zu seinem Ziel der Weltrevolution. Es dämmerte bereits ein dritter Weltkrieg. Da brauchte man die Deutschen.

Außerdem – das hat schon das Versailler Diktat zur Folge gehabt – würde mit einem deutschen „Kartoffelacker" ganz Europa verproletarisieren und damit dem Kommunismus anheim zu fallen drohen. Was für lukrative Geschäfte könnte ferner die Kapitalmacht mit einem brachliegenden Europa tätigen! Also gab man diesem Europa einen Kredit nach einem Plan von George Marshall. Man hatte 15 Milliarden insgesamt bewilligt, doch nachdem Stalin für sich und seine Vasallen jeden Kredit abgelehnt hatte, reduzierte sich die Summe auf 13 Milliarden.

Davon erhielten Frankreich und England zusammen etwa die Hälfte, Deutschland erhielt etwas mehr als Holland, nämlich 1,5 Milliarden Dollar. Das war ein winziger Bruchteil dessen, was allein die USA in Deutschland völkerrechtswidrig geplündert, gestohlen, demontiert und enteignet hatten. Aber diese 1,5 Milliarden waren nicht etwa ein Geschenk, sondern waren nur geliehen und mußten verzinst werden – während kein anderer Empfänger die Hilfsgelder zurückzahlen mußte.

Man tut so, als wäre das die Initialzündung zum deutschen Wirtschaftswunder gewesen, weil man sich von der unsinnigen Parole, Kapital schaffe Arbeit, nicht freimachen kann. Dabei hätte man aus der ganz jungen deutschen Praxis die Erkenntnis ziehen müssen, daß Arbeit Kapital schafft. Der lädierten und geschundenen Kriegsgeneration blieb gar nichts anderes übrig als aufzuräumen, aufzubauen, zu arbeiten und zu schuften. Wenn die Besatzungsmächte es nicht verhindert hätten, würden die Deutschen nach Aussagen des späteren Wirtschaftsministers Erhard im ersten Nachkriegsjahr bereits ein Vermögen von 40 Milliarden erarbeitet haben.

Nach drei Jahren wollten die Deutschen die Leihgabe des Herrn Marshall wieder zurückzahlen. Sie durften es nicht. Das Kapital lebt von Zinsen; also blieb es als ERP-Mittel im Land, verzinst und an Unternehmen verliehen.

Nach 50 Jahren machen die deutschen Politiker und Medien eine breit angelegte Gedenkfeier, um den Deutschen zu zeigen, was unsere Feinde von damals doch für Freunde waren, und sie bedanken sich abermals, wie schon so oft, für diese großzügige Gabe.

So hielt Bundeskanzler Kohl auf dem Nationalfriedhof Arlington in Washington am 5. Juni 1997 eine Ansprache, die er mit den Worten einleitete:

„ ... Wir haben uns heute hier versammelt, um einen bedeutenden Sohn des amerikanischen Volkes zu ehren. George Marshall hat die Entwicklung Europas und die Geschichte meines Vaterlandes nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mitgeprägt. Sein Name steht für die Ideale der transatlantischen Partnerschaft und Freundschaft, für Großzügigkeit und politische Weitsicht, für tätige Nächstenliebe und unermüdlichen Dienst an der Sache der Freiheit. Wir Deutsche werden diesen großen Mann niemals vergessen..."

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Zum vorgenannten Thema erschienen auch zwei Leserbriefe in der FAZ vom 16. 6. 97, die vorgenannte Gedanken noch ergänzen.

„ ... Aber wer wie ich im Ruhrgebiet gelebt hat, hat auch erlebt, daß aufgrund der konfiszierten Maschinen, der ,abgeworbenen' Wissenschaftler und des Zwangs, teurere Kohle aus den Vereinigten Staaten zu kaufen, da die heimische als Reparationsleistung an die Siegermächte ging, daß durch diese Siegerwillkür der Wiederaufbau unnötig erschwert wurde. Ich habe damals niemanden den Amerikanern zujubeln hören oder sie gar als ,Befreier' gefeiert gesehen (außer von ein paar Damen). Das ist eine Mär für die heutigen ,Grünen'. Diejenigen, die den Wiederaufbau leisten mußten, haben auch die amerikanischen Sieger mit großer Distanz betrachtet. Das wäre auch heute wieder angebracht, denn wenn Amerikaner von ,Freundschaft' sprechen, tut man gut daran, die Geldbörse und die Geliebten schnell in Sicherheit zu bringen." J. W. Berger

Auch an Herbert Hoover hätte gedacht werden sollen

„ ... Er hätte es wahrlich verdient gehabt. Ist es doch allein ihm zu verdanken, durch seinen selbstlosen und unermüdlichen Einsatz in den ersten Nachkriegsjahren seine amerikanischen Landsleute zu einem hohen Spendenaufkommen – unter anderem für Schulspeisungen – und zum Verschicken Hunderttausender Care-Pakete bewogen zu haben.

Allein diese – nichtstaatliche – Großtat bewahrte viele Menschen in unserem Lande vor dem sicheren Tod. Aufhalten konnte diese Hoover-Initiative letztlich dennoch nicht die einsetzende Hungersnot. Wenngleich der extrem harte Winter 1946/ 1947 und Millionen Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten die Nahrungsmittelversorgung in dramatischer Weise weiter verschlechterten, waren die eigentlichen Gründe für die Not doch andere: Ausländischen Regierungen und internationalen Hilfsorganisationen war es durch die Militärverwaltungen verboten, Deutschland zu helfen. Tausende Lastwagen aus der Schweiz, aus Schweden und Irland, beladen mit Nahrungsmitteln und Kleidung, wurden an den Grenzen zur Rückkehr gezwungen. Hinzu kam, daß an eine deutsche Selbstversorgung ohnehin kaum zu denken war, da die Alliierten eine systematisch betriebene Entindustrialisierung anordneten, ein Auslaufverbot für die Fischerflotte aussprachen und die Verteilung von Saatgut verboten. Der kanadische Historiker James Bacque kommt in seinem Buch ,Verschwiegene Schuld' (Berlin 1995) aufgrund intensiver Recherchen in Deutschland sowie nach Einsichtnahme in mittlerweile offengelegtes amerikanisches Archivmaterial zu dem Ergebnis, daß durch diese so entstandene Hungersnot etwa fünf bis sechs Millionen Menschen ihr Leben verloren.

Erst hiernach setzte – nicht zuletzt auf massiven Druck Hoovers – Mitte 1947 das offizielle Hilfsprogramm des Marshallplanes für die kriegsbetroffenen Länder Westeuropas und Deutschland ein, das jedoch – obwohl am bedürftigsten – erst im Jahre seiner Gründung, also 1949, materielle und finanzielle Hilfe erhielt. Interessant ist in diesem Zusammenhang weiter, daß Deutschland im Rahmen dieses Hilfsprogramms 1,389 Milliarden Dollar, Frankreich 2,706 Milliarden Dollar sowie Großbritannien 3,176 Milliarden Dollar erhielten. Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, daß die Bundesrepublik als einziges Land Geld zurückzahlte, nämlich eine Milliarde Dollar, und trotzdem, wie Bacque schreibt, innerhalb nur eines Jahrzehnts zum reichsten Land des Kontinents wurde. Vielleicht lassen sich erst vor diesem Hintergrund manche Vorgänge der jüngsten Zeit besser „einordnen". Gerhard Hense, Tann/Ndb.

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© 1997 VGP e.V.


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