Jutta Limbach und die Wehrmacht

Ist Jutta Limbach unter die Militärhistoriker gegangen? Diesen Eindruck mußte man wohl gewinnen, als sie in Karlsruhe die umstrittene Wanderausstellung "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941-44" eröffnete.

Ganz im Sinn des Ex-Kommunisten Hannes Heer, des "wissenschaftlichen Leiters" des sog. "Hamburger Instituts für Sozialforschung", das bisher noch nicht durch wissenschaftliche Leistungen hervorgetreten ist, sondern lediglich durch infame Pauschalverleumdung der Wehrmacht bekannt wurde. Offenbar wollte Heer, ebenso wie der Begründer des Instituts, Reemtsma, seine Herkunft aus streng nationalsozialistischem Elternhaus "bewältigen". Das vorbestrafte Ex-Mitglied von SDS, DKP und "Rotz" (Rote Zellen), das sich selbst als Historiker und Filmregisseur bezeichnet, will nach eigenen Angaben die "Legende" von der sauberen Wehrmacht zerstören". Für ihn waren Wehrmachtverbrechen "die Regel". Das Internationale Militärtribunal in Nürnberg kam allerdings zu einem anderen Ergebnis,

Es verurteilte zwar die Korps der politischen Leiter der NSDAP, die Gestapo, den SD und die SS als verbrecherische Organisationen, nicht aber die Wehrmacht, lediglich einige ihrer höchsten Spitzenvertreter wie Göring, Raeder, Dönitz, Keitel und Jodl.

• Frau Limbach, immerhin eine der ranghöchsten Repräsentantinnen unseres Staates, lobte die Organisatoren der Wanderausstellung als "Tabuverletzer". Mit dem "Suchen und Offenlegen der historischen Wahrheit" werde keineswegs das Andenken deutscher Soldaten verunglimpft: "Wer Zeugnis ablegt, ob und wie auch Angehörige der Wehrmacht dabei mitgewirkt haben, Soldaten, Zivilisten, darunter vor allem Juden, in den besetzten Gebieten zu vernichten, verunglimpft weder pauschal die Soldaten des 2. Weltkrieges noch begründet er eine Kollektivschuld des Militärs".

Unbestreitbar wurden auch von Soldaten der Wehrmacht Verbrechen begangen, wie Raub, Plünderung, unerlaubter Waffengebrauch, Vergewaltigung und Mord. So bedauerlich dies ist, kann es bei einem Millionenheer von mehr als 15 Millionen Soldaten noch weniger ausbleiben als bei einer ähnlich hohen Zahl von Zivilisten unter ganz normalen Lebensbedingungen. Im Krieg sind solche bedauerlichen Exzesse letztlich unausbleiblich, da durch das blutige Kampfgeschehen, nicht zuletzt durch heimtückische Überfälle von Partisanen die Hemmschwelle für Rechtsbrüche in jeder Armee gesenkt wird.

Bekanntlich hat ausgerechnet der israelische Generalstab die Deutschen nicht nur als die tapfersten, sondern auch diszipliniertesten Soldaten unter neun Nationen des letzten Krieges bezeichnet.

Entscheidend ist, daß dort, wo solche Verbrechen begangen wurden, die Wehrmachtsgerichte einschritten und bei entsprechend schweren Verbrechen wie Plünderung, Vergewaltigung und Mord, gemäß den verschärften Gesetzen des Krieges, drakonische Strafen wie Todesurteile verhängten. Absurderweise wollen aber SPD und Grüne auch solche Verbrecher rehabilitieren.

• Wenn jeder anständige Soldat nichts mit Verbrechen in den eigenen Reihen zu tun haben will, - deshalb auch die vehemente Ablehung einer pauschalen Rehabilitierung der von Kriegsgerichten Verurteilten -, so wendet er sich voller Empörung gegen die pauschale Verunglimpfung der Wehrmacht, in der die Begehung von Verbrechen "die Regel" gewesen sei (Heer).

Daß sich die oberste Richterin unseres Staates nicht entblödet, einer solchen Pauschalverurteilung Respekt zu zollen, zeugt nicht von richterlicher Unabhängigkeit, sondern ist Ausdruck ideologischer Verbohrtheit. Mit ihrer Eröffnungsansprache hat sie dem Ansehen unseres obersten Gerichts, das sich durch mehrere spektakuläre Urteile wie "Soldaten sind Mörder", das Blockade- und Kruzifix-Urteil "ausgezeichnet" hat, erneut schweren Schaden zugefügt. Im Dritten Reich fällten zahlreiche Richter Urteile nach dem "gesunden Volksempfinden". Heute scheinen sich vor allem die Richter des obersten Gerichts verpflichtet zu fühlen, sich dem Zeitgeist des Linkskartells anzubieten.

Als promovierte Volljuristin ist Frau Limbach zweifelsohne mit den Paragraphen des Strafgesetzbuches vertraut. Offenbar ist ihr aber der 189 StGB entgangen, der die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener- hierzu zählen natürlich auf die Gefallenen - mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bedroht. Der Karlsruher Vorfall macht einmal mehr deutlich, daß vor allem die höchsten Richterstellen nicht nach Parteiproporz sondern nach Fähigkeit besetzt werden sollten, wenn man nicht der Staatsverdrossenheit Vorschub leisten will.

• Was sagen eigentlich unsere Politiker zur Ausstellung über die "Wehrmachtverbrechen" und die Auslassungen von Frau Limbach? Der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, stellte sich stets eindeutig vor die Wehrmacht, wenn es die Stunde erforderte. Der jetzige Bundeskanzler, dem die "Gnade der späten Geburt" zuteil wurde, ließ durch einen Beamten des Bundeskanzleramtes mitteilen, daß "den Soldaten, die ehrenhaft gehandelt und tapfer gekämpft haben, Anerkennung und Respekt gebührt". Immerhin scheint es also in der "verbrecherischen Wehrmacht" auch einige "anständige" Soldaten gegeben zu haben. Angesichts der Hetzpropaganda gegen die Wehrmacht - schließlich waren ja auch die Väter unserer jetzigen Politikergeneration Angehörige dieser "Verbrecherbande" - erscheint die Erklärung des Bundeskanzlers über einen untergeordneten Beamten etwas dürftig.

Nicht sehr viel couragierter ist die Äußerung des vergangenen Bundespräsidenten: "Die Auffassung der verantwortlichen Aussteller über die Verbrechen der Wehrmacht teile ich nicht".

Und der jetzige Bundespräsident? Angesichts der Vermutung, daß böse Deutsche Brandstifter in Lübeck seien, fand er flammende Worte der Empörung. Sobald sich herausstellte, daß ein Ausländer das Feuer gelegt haben könnte, verstummte er. Hat er nichts zur ungeheuerlichen Anschuldigung zu sagen, daß Wehrmachtsverbrechen "die Regel" gewesen seien? Macht sich die moralische Entrüstung unserer Politiker nur dann Luft, wenn vermutlich verblendete Jugendliche sich extremistisch betätigen?

• Und wie steht es um den Dienstherrn der Bundeswehr, dem ja nicht nur die " Gnade der späten Geburt", sondern auch die, um Wehr- bzw. Zivildienst herumzukommen, zuteil wurde? Weiß er nicht, daß die Bundeswehr von über 10000 Wehrmachtsoffizieren und einer noch größeren Anzahl von Unteroffizieren aufgebaut wurde? 1997 jährt sich der 100. Geburtstag der Generale Heusinger und Dr. Speidel. Wird man diese Gedenktage mit Stillschweigen übergehen, um der political correctness zu genügen? Bisher hat sich Herr Rühe noch nicht öffentlich zur ehrenrührigen Ausstellung über die "verbrecherische Wehrmacht" geäußert. Hat ihm dies vielleicht sein Persönlicher Referent geraten, den er geschmackvoller Weise aus der Masse der Kriegsdienstverweigerer wählte?

Kriege und bewaffnete Konflikte werden nicht von Soldaten, sondern von den Politikern ausgelöst. Erstere haben dafür das Privileg, für die Politiker ihre Haut zu Markte tragen zu dürfen, während diese im sicheren Bunker ihre Befehle geben. Wäre es nicht ein Zeichen menschlichen Anstandes, wenn sich die Politiker vor die Soldaten stellten, wenn diese ungerecht pauschal angegriffen werden - vgl. die "Erlaubnis" ungestraft äußern zu dürfen "Soldaten sind Mörder" - oder sind wir mit der politischen Moral bereits völlig am Ende?

P. Lothar Groppe S. J.


Quelle: Der Freiwillige 43(11) (1997), S. 16ff.

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