An die Schlaumeier der reiferen Jugend

oder

Wie Ihr Eure Lehrer zur Verzweiflung bringen könnt

Rat und Vorlesung eines frisch gebackenen Abiturienten
an die traurigen Hinterbliebenen der Oberstufe

Eisen rostet langsam aber sicher. Warum? Weil es sich mit dem Sauerstoff der Luft verbindet, wenn zumindest ein wenig Feuchtigkeit vorhanden ist.

Was kommt raus? Etwas Rotbraunes oder Rostbraunes – der altbekannte Rost, chemische Formel: Fe203 (oder FeOOH, meist ein kunterbuntes Gemisch). Einwendungen? Keine?!? Ihr seid weiter als ich dachte!

Wann rostet Eisen nicht? Dumme Frage. Wenn kein Sauerstoff oder keine Feuchtigkeit ’ran komrnt. Wenn es sich z.B. in einem Gehäuse befindet, das man leer gepumpt hat.

Wenn Ihr also in einem Glasgehäuse schönes hellgraues Eisen liegen seht, eingelagert mit dem Datum Eurer Geburt, was schließt Ihr daraus messerscharf?

Rasiermesserscharf: Die Flasche muß anno 1975 (oder so) leer gepumpt worden sein und dichtgehalten haben oder vollkommen trocken gehalten worden sein. Gut.

Wann färbt sich Eisen blau? Wißt Ihr nicht? Solltet Ihr aber wissen. Hat z.B. mit der blauen Farbe von Autolacken und den farbigen Bildern in Zeitschriften zu tun. Wenn Eisen mit Blausäure, einem Gift (HCN), zusammenkommt, wird es blau (deswegen der Name der Säure, die mitnichten blau ist). Blausäure ist gefräßig, tausend Mal mehr als Sauerstoff. Den verdrängt sie z.B. aus dem Rost (genauer: das Oxid-Ion).

Nun machen wir einen Versuch. Wir suchen uns ein Materialstück aus, in dem Rost enthalten ist. Wir nehmen ein Stück Mörtel aus einer Wand. In Mörtel ist gewöhnlich zwischen 2 und 4 % Rost enthalten. Wir legen dieses Mörtelstück in ein Glasgehäuse und lassen gasförmige Blausäure ein.

Die Blausäure ist so gefräßig, daß sie den porösen Mörtel durchdringt und mit der Zeit die darin gebundenen Eisenionen zu Eisencyanid, genauer Eisenblau (Fe4[Fe(CN)6]3) vereinnahmt und blau färbt.

Da der Mörtel länger hält als ein Auto oder eine farbige Zeitschrift, hält auch das Blau in und an ihm hunderte Male länger als ein Auto oder eine Zeitschrift.

Seht Ihr also in einer Flasche ein Stück bläulich gefärbtes Mauerwerk liegen, so schließt Ihr daraus leicht und elegant: das Stück muß sich mit Blausäure eingelassen haben.

Auf die Gefahr hin. daß ich langweile: Ihr seht in der Flasche ein Stück Mauerwerk in Naturfarbe, was schließt Ihr daraus? Blausäure hat sich daran nicht versucht. Richtig! Der Kandidat hat 10 Gummipunkte!

Der Versuch in kleinerer oder größerer Flasche ist Jacke wie Hose. Alles hübsch proportional.

Wir ändern jetzt die Namen. Wir nehmen zwei Flaschen, ab hier genannt: Kammer (aus Mörtelwänden). Eine Kammer wird unter Blausäure gehalten, die zweite an frischer Luft.

Es ist ätzend langweilig, ich weiß. Aber es muß sein. Wir stehen am Vorabend einer großen Entscheidung, und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen.

Wir ändern nun die Namen noch etwas. Die Kammern heißen jetzt, da mit unterschiedlichen Gasen behandelt, logischerweise Gaskammern.

Wir sind in Auschwitz gelandet: Oh Schreck! Aber keine Panik! Es geht alles sachlich cool weiter. Die eine Gaskammer ist diejenige, von der uns seit je berichtet wird, hier seien über Jahre hinweg Tag für Tag insgesamt Millionen von Menschen getötet worden, indem man Blausäure (unter dem Handelsnamen Zyklon B) eingeleitet hat. Wir nennen sie eine Menschengaskammer.

Dann gab es in Auschwitz noch andere Gaskammern. In diesen sind die Kleidung und andere Gegenstände der Häftlinge regelmäßig mit Blausäure entlaust worden. Daß in diesen Gaskammern keine Menschen hineingebracht wurden, um sie zu töten, wird ganz allgemein und ohne Widerspruch zugegeben. Wir nennen diesen Typ eine Entlausungsgaskammer.

Jetzt kommt die Preisfrage: Welche dieser beiden Gaskammer-Typen hat blaue Wände?

 

1. Keine

 

2. Beide

3. Nur eine und zwar:

 

a) die Entlausungsgaskammern

 

 

 

 

 

 

b) die Menschengaskammern

Richtig ist die Antwort 3.a)

Überrascht? Verwirrt? Gibt es Zweifel, welche Schlußfolgerungen daraus zu ziehen sind? Ich hatte welche. Ich ging in den Ferien der Sache nach und traf einen Fachmann.

Dieser ging nach Auschwitz und nahm einige Gemäuerproben aus dem Mauerwerk beider Gaskammer-Typen und auch anderer Gebäude mit nach Hause und analysierte sie im Labor. Und siehe da: in den Entlausungsgaskammer-Proben fand er riesige Mengen des Eisencyanids, in den Menschengaskammer-Proben aber nichts.

Nun sagt Ihr Eurem Lehrer: Wir haben in Auschwitz die Gaskammern gesehen und untersucht. Kein Blausäuregas wurde jemals eingeleitet. Aber diese Kammern, Herr Lehrer, nennt man die Menschengaskammern, und in ihnen sollen unsere Großväter auf höchsten Befehl mit Blausäuregas 4 Millionen Juden vergast haben. Was sagen Sie dazu, Herr Lehrer?

Müssen wir darüber in unserem freien Staat den Mund halten? Wird man uns einlochen, wenn wir mit Ihnen darüber reden? Bitte, erzählen Sie nichts dem Direktor davon! Wir wollen schließlich unser Abitur machen.

Vorsicht, Vorsicht, meine Freunde. In diesem unserem Lande dürft Ihr nicht jede Wahrheit sagen! Vorsicht! Umsicht! Laßt niemanden mithören!

Und schweigt über Chöre, Ballettgruppen, Theater, über Fußballspiele, Schwimmbad und Röntgenstation, auch über zwei Mal Postkarten im Monat. Und ungern ließen sich die Häftlinge in andere Lager kommandieren. Das alles war Auschwitz. Aber ich rate: Schweigt!

Wenn Ihr probieren wollt zu reden, haltet besser die Klappe!

Wer es aber nicht lassen kann und es unbedingt besser wissen will, dem möchte ich eine Broschüre nennen sowie die Adresse, bei der diese erhältlich ist: R. Kammerer, A. Solms, Wissenschaftlicher Erdrutsch durch das Rudolf Gutachten, Cromwell Press, 27 Old Gloucester Street, London WC1N 3 E, 1993. Die Broschüre kostet ganze 5 Ohren! (Vorauszahlung verlangt.)

Die darin enthaltenen Infos behandeln zwar nur technische und naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse der neueren Zeit. Aber lest diese Infos nur bei Euch daheim! Jedes öffentliche Vorzeigen könnte Euch riesen Ärger bereiten! Folgt bitte meinem Rat! 


LG Stuttgart, KLs 83/94, Urteil S. 84 »e) Großen Zynismus offenbart auch ein ebenfalls anonymes Flugblatt mit dem Titel "An die Schlaumeier der reiferen Jugend", welches sich im Computer des Angeklagten (Germar Rudolf) fand. Die Datei, die im Sommer 1993 im Zusammenwirken mit Rechtsanwalt Herrmann erstellt wurde, hat folgenden Inhalt:«