Ingrid Weckert

Auswanderung der Juden
aus dem Dritten Reich

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Europäische Stiftung zur Förderung freier historischer Forschung
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B-2600 Berchem 2
Belgien (Flandern)
Verantwortlich für Ausgabe und Verbreitung:
Herbert Verbeke, Antwerpen, Belgien

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Einführung

Die zeitgenössische Geschichtsschreibung hat es sich angewöhnt, alles, was mit dem Dritten Reich zusammenhängt, nur in negativen Farben zu malen, völlig unbeeinflußt von den tatsachlichen historischen Ereignissen. Das trifft besonders dann zu, wenn von der Bevölkerungsgruppe der Juden die Rede ist. So wird auch die Auswanderung der Juden aus Deutschland oft völllg entstellt dargestellt.

Es gibt immer noch Publikationen, in denen die Dinge so geschildert werden, als sei die Auswanderung der Juden eine Art Geheimaktion gewesen. Als hätten die Juden, die Deutschland verlassen wollten, sich gegen den Willen der deutschen Behörden, oft bei Nacht und Nebel, heimlich über die Grenze schleichen und dabei ihre gesamte Habe und ihr Vermögen zurücklassen müssen. In anderen Darstellungen kann man lesen, daß Deutschland sich die Auslandsvisa habe teuer bezahlen lassen. Sowohl der Erfindungsgeist wie die Dummheit der Autoren kennen auf diesem Gebiet keine Grenzen.

Die Wahrheit ist, daß die Auswanderung von der deutschen Regierung gewünscht wurde und vielfach unter einem immer stärker werdenden Druck stattfand. Die antisemitische Gesetzgebung im Dritten Reich ist ein Faktum, das von niemandem bestritten werden kann. Der seelische Druck, unter dem die Juden seit 1933 in Deutschland lebten, und die oft tragischen Folgen für die betroffenen Personen oder Familien sollen mit keinem Wort bagatellisiert werden.

Aber das alles ist bereits in zahllosen Publikationen, in

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Rundfunk- und Fernsehsendungen in das Bewußtsein der Öffentlichkeit getragen worden. Wir brauchen darauf hier nicht einzugehen.

Entgegen zahlreichen Erlebnisberichten oder Lebenserinnerungen muß jedoch festgehalten werden: Die Auswanderung war keine wilde Flucht, sondern ein durch rechtliche Bestimmungen geregeltes Geschehen. Der Zweck dieser Ausführungen ist, diese Bestimmungen näher zu erläutern und so zu dem überlieferten Bild der jüdischen Auswanderung aus Deutschland die fehlende Ergänzung zu liefern.

Die deutschen Behörden und die jüdischen Organisationen haben zum Zweck der Auswanderung eng zusammengearbeitet. Die an einer Auswanderung interessier-ten Juden wurden von allen Seiten ausführlich beraten und ihnen wurde zahlreiche Hilfe zuteil. Von einer geheimen Flucht, bei Nacht und Nebel über irgendeine Grenze kann gar keine Rede sein. Im Gegenteil. Der deutschen Regierung lag daran, die Juden aus dem Land zu bekommen. Es wäre widersinnig gewesen, wenn sie sie daran gehindert hatte.

1. Die jüdische "Kriegserklärung"

Nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und der darauf folgenden Machtübernahme durch die nationalsozialistische Partei glaubte die überwiegende Mehrheit der 500.000 in Deutschland lebenden Juden durchaus nicht, daß die neue politische Konstellation für sie zu einer grundsätzlichen Änderung ihres Lebens führen müßte. Allenfalls rechneten sie mit temporären Behinderungen, aber nicht mit einer generellen Ausschaltung aus dem öffentlichen Leben oder gar mit einer Abdrängung aus Deutschland. So packten zunächst lediglich politisch exponierte Personen ihre Koffer und verlegten ihr Domizil ins Ausland, zumeist in der Überzeugung, früher oder später zurückkommen zu können.

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Bereits am 24. März 1933, also keine 2 Monate nach der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten, erklärte die "Judenheit der Welt", wie sie sich nannte ("World Jewry"), Deutschland den Krieg. Da die "Judenheit der Welt" über kein Staatswesen verfügte, setzte sie die Macht ein, die ihr zur Verfügung stand, nämlich ihren Einfluß auf die Weltwirtschaft und verhängte einen weltweiten Boykott über Deutschland.

Nach dieser spektakulären Erklärung, die im Londoner "Daily Express" erschienen war, hätte es eigentlich nicht nur der "Judenheit der Welt", sondern auch den in Deutschland lebenden Juden klar sein müssen, daß das für sie nicht ohne Folgen bleiben kann. Kein Land der Welt, das etwas auf sich hält -- und das damalige Deutschland hielt viel auf sich! -- kann eine solche Herausforderung unbeantwortet lassen. Zudem traf uns der Wirtschaftsboykott an unserer schwächsten Stelle.

Die wirtschaftliche Lage war katastrophal genug. über 6 Millionen Arbeitslose, unzählige in Konkurs gegangene Betriebe, ein zusammengebrochenes Wirtschaftssystem bildeten für die neue deutsche Regierung eine fast untragbare Last und unlösbar scheinende Aufgaben. Der zusätzliche Boykott deutscher Waren durch das Ausland hätte uns eigentlich den Todesstoß versetzen müssen. Daß das nicht geschah, daß sich Deutschland im Gegenteil in unglaublich kurzer Zeit wirtschaftlich erholte und beispielgebend für andere Länder wurde, war allein dem Genie der damaligen Führung zuzuschreiben. Das bestätigen nicht nur zahlreiche zeitgenössische Berichte, sondern auch einige Studien der neueren Zeit, die sich in ihren Darstellungen den Tatsachen verpflichtet fühlen. In diesem Zusammenhang sei ganz besonders auf das Werk von Rainier Zitelmann ("Hitler") hingewiesen, in dem er der wirtschaftlichen Gesundung Deuitschlands zwei Kapitel widmet.(1)

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2. Juden in Deutschland

Eine Folge der feindseligen Haltung des sogenannten Weltjudentums waren die Bestrebungen der deutschen Regierung, jüdische Bürger aus einflußreichen staatlichen Stellen zu entlassen; später erst erwuchs vor allem aus der jüdischen Kriegserklärung der Wille, sie aus Deutschland zu entfernen, sie zur Auswanderung zu bringen. Dies führte dann folgerichtig zur staatlichen Förderung der Auswanderung der Juden aus Deutschland.

Zweifellos war das für die deutschen Juden eine tragische Entwicklung. Denn unbeschadet der Tatsache, daß die sogenannte Weltjudenheit Deutschland den Krieg erklärt hatte, war Deutschland die Heimat für Hunderttausende von ihnen. Die meisten lebten hier bereits seit mehreren Generationen. Für sie war "Auswandern" eine zunächst nicht vorstellbare Alternative. Viele konnten sich lange Zeit nicht zu diesem Schritt entschließen.

Es gab unter den deutschen Juden eine Vielzahl von Gruppen und Untergruppen mit zahlreichen voneinander abweichenden politischen Meinungen. Neben rein religiösen Vereinigungen existierten die unterschiedlichsten Verbäinde mit oft entgegengesetzten Ansichten zu bestimmten Fragen.

Die vier größten jüdischen Vereinigungen waren: 1. Der "Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", kurz "Zentralverein" oder CV genannt. Er bestand seit 1893. Er wurde 1935 umbenannt in: "Central-Verein der Juden in Deutschland". Mitglieder ca. 70 000. Sein politisches Organ war die "C.V.-Zeitung".

2. Die "Zionistische Vereinigung für Deutschlan(f' (ZVfD), gegründet 1897. Mitglieder ca. 10 000. Sie gab die 'Jüdische Rundschau" heraus.

Im Jahr 1925 hatte sich die "Zionistische Vereinigung" gespalten. Es entstand eine "Neu-Zionistische Bewegung",

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die sich auch "Revisionisten" oder "Staatszionisten" nannten. Der Name "Staatszionisten" kennzeichnete das Streben nach einem eigenen, jüdischen Staat. Gründer und Leiter der Revisionisten war Vladimir Jabotinsky. Sein Vertreter in Deutschland wurde Georg Kareski.

Der "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" (RjF), gegründet 1919. Mitglieder ca. 10 000, Zeitung:'"Der Schild"

Der "Verband nationaldeutscher Juden', (VNJ), gegr. 1921, Mitglieder ca. 10 000, Zeitung: "Der nationaldeutsche Jude".

Um die jüdischen Interessen gegenüber der Regierung besser vertreten zu können, wurde 1933 ein Dachverband gegründet mit dem Namen 'Reichsvertretung der deutschen Juden' (RV). Die "Relchsvertretung" wurde 1935 umbenannt in "Reichsvertretung derJuden in Deutschland' und 1939 umbenannt in 'Reichsvereinigung der Juden in Deutschland'. Der VNJ weigerte sich jedoch, diesem Dachverband beizutreten.

Trotz aller Differenzierungen lassen sich zwei Grundrichtungen unterscheiden: eine, deren das Deutschtum die Hauptsache und Judentum nur Religionsangelegenheit war, und eine andere, die mit der jüdischen Religion auch das Bewußtsein einer anderen Volkszugehörigkeit verband. Diese zweite Gruppe waren die Zionisten. Innerhalb der deutschen Juden waren sie zwar in der Minderheit, gewannen aber im Laufe der Zeit den größten Einfluß.

Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Juden lebte schon sei weit über hundert Jahren hier. Mit dem Judenedikt (1812) war die politische Gleichstellung der Juden erreicht und waren die bis dahin geltenden Restriktionen aufgehoben worden. Sie fühlten sich demnach als Deutsche und nicht als Fremde. Die Anhänglichkeit an Deutschland führte, zumindest in den ersten Jahren nach 1933, nicht nur zu Sympathiekundgebungen und positiven Stellungnahmen für ihr deutsches Vaterland und die nationalsozialistische Bewegung,

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sondern teilweise auch zu einer ausgesprochenen Feindschaft gegenüber den Zionisten, die im Laufe der Zeit immer stärker auf Unterbindung jeder Assimilierung und auf Auswanderung drängten.

Zunächst hatte es auch in der zionistischen 'Jüdischen Rundschau " noch geheißen:

"Das deutsche Volk soll wissen, geschichtliche Verbundenheit von Jahrhunderten ist nicht so einfach zu lösen" (13.4.1933).

Und etwas später schrieb die gleiche Zeitung:

"Wir glauben, daß auch die deutschen Juden ihren Platz und ihre Eingliederung in diesem Staate finden müssen und wir hoffen, daß sich noch die Form hierfür, die mit den Grundsätzen des neuen Staates in Einklang steht, wird finden lassen" (29.8.1933).

Noch nach den sogenannten "Nürnberger Gesetzen" schrieb die "Jüdische Rundschau ", daß es jetzt die Aufgabe der Juden sei, ihre Sonderstellung innerhalb des deutschen Volkes nach der positiven Seite zu entwickeln (17.9.1935).

Hier sollen noch einige weitere Zitate folgen, die dokumentieren, wie sehr sich in jenen Jahren auch jüdische Bürger mit Deutschland identifizierten. Natürlich soll das nicht den Eindruck erwecken, als hätten die Juden in der Mehrheit nicht eine mißtrauische oder ablehnende Haltung gegenüber der nationalsozialistischen Regierung eingenommen. Aber es gab auch andere Standpunkte, die heute in der Regel verschwiegen werden.

In Punkt 1. der Satzung des "Verbandes Nationaldeutscher Juden" (VNJ) hieß es:

"Der VNJ ist eine Organisation der Deutschen jüdischen Stammes, die bei offenem Bekennen ihrer Abstammung sich mit deutschem Wesen und deutscher Kultur so unauflöslich verwachsen fiihlen, daß sie nicht anders als deutsch empfinden und denken können. " (Zit. bei Herrmann, S. 74.)

Dr. Max Naumann, der Vorsitzende des VNJ, hatte schon

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über ein Jahrzehnt vorher, in den Jahren 1920 und 1924 also lange vor dem Aufkommen des Nationalsozialismus wiederholt Aufsätze zur Judenfrage veröffentlicht. In diesen Arbeiten vertrat er folgende Positionen: Er unterscheidet zwischen "Deutschjuden" und "Fremdjuden" und sagt:

"Die Deutschjuden gehören zum deutschen Volke, die Fremdjuden zu einem in alle Winde zerstreuten Volk ohne Land, denn auch das englische Palästina ist keineswegs ihr Land und wird es niemals sein."

Die Fremdjuden definiert er welterhin als eine Gruppe, die sich auszeichnet

"durch die krampfhaft aufrecht erhaltene Rückständigkeit", "durch den Wahn, eine Gemeinschaft von Auserwählten und für die anderen ein 'Problem'zu sein".

Zu den "Fremdjuden" rechnet er auch die Zionisten. Und hier unterscheidet er wiederum zwischen zwei Gruppen. Die "ehrlich und gerade denkenden Zionisten" sind die, die ihre Andersartigkeit erkennen und bereit sind, als Fremde in Deutschland zu leben, gegebenenfalls auch unter Fremdgesetzgebung. Wer aber weder zu den einen, also den "Deutschjuden", noch zu den andern, den bewußten Zionisten, gehört, ist:

"der Rest, der wert ist, zugrundezugehen. Denn es ist immer noch besser, daß ein kleiner Rest von Wurzellosen zugrundegeht, als daß Hunderttausende von Menschen zugrundegehen, die wissen, wohin sie gehören. - Nicht zugrundegehen darf unser deutsches Volk. " (Zit. bei Herrmann, S. 30.)

Man kann sagen, das ist die Ansicht eines einzelnen, aber dieser Mann, mit diesen Ansichten, wurde Jahr für Jahr zum Vorsitzenden des Verbandes der nationaldeutschen Juden gewählt. Das wäe ja kaum möglich gewesen, wenn der Verband sich von der Meinung des Dr. Naumann hätte distanzieren wollen. Man kann also mit Recht davon ausgehen, daß es eine Gruppe von Juden gab, die eine solche sehr extreme Ansicht in bezug auf ihr Judentum besaß.

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Wie schon oben erwähnt, weigerte sich der Verband Nationaldeutscher Juden, sich dem Dachverband der anderen jüdischen Gruppen anzuschließen. Seine Mitglieder fühlten sich so sehr als Deutsche, daß sie meinten, in einem jüdischen Dachverband nichts verloren zu haben.

Noch radikaler war die Einstellung einer deutsch-nationalen Jugendgruppe, das "Schwarze Fähnlein". Es löste sich 1934 auf, nachdem ein Teil seiner Mitglieder aus dem Judentum ausgetreten war, um, wie es in der offiziellen Erklärung hieß, "die restlose Trennung vom Judentum in jeder Form" zu demonstrieren (Herrmann, S. 41).

Nicht nur dem Deutschtum, sondern auch dem Nationalsozialismus gegenüber gab es eine Reihe von positiven Stellungnahmen.

In der Zeitschrift "Der Nationaldeutsche Jude" wurde schon 1931 die Frage gestellt: "Können Juden Nationalsozialisten sein?" und sie wurde uneingeschrankt bejaht. Die Zeitung schrieb:

'Haben nicht wir Juden unser Blut auf den Kampffeldern für Deutschland vergossen? War nicht ein Jude Präsident des ersten deutschen Parlaments in der Paulskirche? (2) War nicht der Gründer der konservativen Partei ein Jude? Wem verdanken die Parteien, welche ein einiges deutsches Vaterland zu ihrer Losung erheben, ihr Entstehen und ihre Organisation? Den Juden! Wer hat die Forderungen, die heute die Hauptpunkte des nationalsozialistischen Programms ausmachen, zuerst mit voller Schärfe und Deutlichkeit formuliert? Ein Jude - - Walter Rathenau. " (Nr. 1. Januar 1931.)

Nach der Machtübernahme durch Hitler schrieb die gleiche Zeitung:

"Das Deutschland der Zukunft steht vor ganz neuartigen Aufgaben, und diese können nur durch ein von Grund auf erneuertes Volk gelöst werden. Dieses Volk zu schaffen, es zu schaffen in der Gestalt einer nationalen Gemeinschaft, die im Laufe der deutschen Geschichte noch niemals bestanden hat, ist die größe und, wenn sie im rechten Sinn unternommen

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wird, wahrhaft befreiende Aufgabe der nationalen Führer. (1933, Mitte Mai, Sondernummer.)

Herr Naumann vom VNJ erklärte 1934:

"Wir haben stets das Wohl des deutschen Volkes und Vaterlandes, dem wir uns unauflöslich verbunden fühlen, über unser eigenes Wohl gestellt. Deshalb haben wir die nationale Erhebung vom Januar 1933 begrüßt, trotzdem sie für uns selbst Härten brachte, denn wir sahen in ihr das einzige Mittel, den in vierzehn Unglücksjahren von undeutschen Elementen angerichteten Schaden zu beseitigen. " (Zit. bei Herrmann, S. 22.)

Ein orthodoxer Rabbiner aus Ansbach, ebenfalls 1934:

"Ich lehne die Lehren des Marxismus vom jüdischen Standpunkt aus ab und bekenne mich zum Nationalsozialismus, natürlich ohne seine antisemitische Komponente. Ohne den Antisemitismus würde der Nationalsozialismus in den überlieferungstreuen Juden seine treuesten Anhänger finden. (Zit. bei Herrmann, S. 3.)

Wie bereits gesagt, waren das natürlich nicht die Ansichten einer ins Gewicht fallenden Anzahl von Leuten, aber es gab eben auch diese Haltung -- eine Einstellung übrigens, die den Nationalsozialisten überhaupt nicht paßte. Sie wollten keine Zustimmung zu ihren Ideen durch jüdische Bürger, sie wollten, daß die Juden möglichst zahlreich aus Deutschland verschwanden.

Dieser von den Nationalsozialisten eingenommenen Haltung entsprach im Prinzip die Einstellung der Zionisten. Sie traten für ein volksbewußtes Judentum ein und bestritten aus diesem Grund das innere Verhaftetsein der Juden an Deutschland. Aber sie befürworteten den Nationalsozialismus, mit dem sie die gleiche Grundeinstellung verband: das Bekenntnis zum eigenen Volk und Staat.

Im Dezember 1935 wurde Georg Kareski, der Vorsitzende der deutschen Staatszionisten, von einem Mitarbeiter der Goebbels-Zeitschrift 'Der Angriff ' im Zusammenhang mit den "Nürnberger Gesetzen" interviewt. Seine Meinung zu

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der Art, wie einzelne Fragen in diesen Gesetzen behandelt worden waren, war durchaus positiv. Kareski sagte, daß die Nürnberger Gesetze alte zionistische Forderungen erfüllen. So z.B. die Trennung von deutschem und jüdischem Volkstum, die Einrichtung von Schulen nur für jüdische Schüler, Pflege und Förderung einer spezifischjüdischen Kultur und vor allem das staatliche Verbot von Mischehen, die nach dem jüdischen Gesetz ohnehin nicht zugelassen waren. ('Der Angriff", 23. Dezember 1935.) (3)

Das Kareski-Interview blieb auch in jüdischen Kreisen nicht unumstritten. Aber es gab sowohl orthodoxe als vor allem zionistische Gruppen, die Kareski zustimmten.

3. Auswanderung

Für die Zionisten war eine Zukunft für Juden nur in einem eigenen Land, dem damaligen Palästina, denkbar. Allerdings war auch für sie die Idee, daß alle Juden Deutschland verlassen sollten, nicht vorstellbar. Sie wollten vor allem jüngere Juden für die Auswanderung gewinnen, die auch die schwere Arbeit in Palästina leisten konnten. Zur Förderung ihrer Idee hielten sie eine Zusammenarbeit zwischen der nationalsozialistischen Regierung und ihrer Organisation nicht nur für möglich, sondern für die einzig-realistische Perspektive überhaupt. Und sie behielten mit ihrer Prognose recht. Im Laufe der Jahre kam es zu einer immer engeren und für die Juden, die nach Palästina auswandern wollten, überaus positiven Kooperation.

Den deutschen Institutionen lag daran, die Auswanderung so schnell wie möglich abzuwickeln. Wie bereits gesagt, fanden sich die jüdischen Gruppen und Organisationen erst nach einer gewissen Zeit bereit, aufgrund der Zeitumstände die Notwendigkeit einer Auswanderung einzusehen.

Es gab drei jüdische Auswandererorganisationen, die zum Teil schon seit Beginn des Jahrhunderts in Berlin

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bestanden.

Der "Hilfsverein für deutsche Juder" war zuständig für die Auswanderung in alle Länder mit Ausnahme Palästinas. Er unterhielt zahlreiche Korrespondenten im Ausland, die die Möglichkeiten von Einwanderung und Ansiedlung, bzw. Unterbringung deutscher Juden prüften und Kontakte mit den dortigen jüdischen Organisationen aufnahmen, um den Neueinwanderern die Eingewöhnung zu erleichtern.

Das "Palästinaamt" beschäftigte sich ausschließlich mit der "Alija" -- wörtlich: "Aufstieg", gemeint ist der Aufstieg nach Jerusalem als Synonym für die Einwanderung nach Palastina. Seine "Kunden" waren vor allem jüngere Juden, die für die schwere körperliche Arbeit, die eine Ansiedlung in Palästina mit sich brachte, geeignet waren.

Eine dritte Einrichtung war die "Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge". Damit waren ursprünglich jüdische Personen gemeint, die sich auf der Wanderschaft durch Deutschland befanden. Später wurde die Betreuung und Rückführung nichtdeutscher Juden ihr Hauptaufgabengebiet. (4)

Die nationalsozialistische Regierung versuchte ihrerseits die Auswanderung der ihr unerwünschten jüdischen Bevölkerung weitgehend zu fördern. Es waren vor allem zwei Abkommen, die die Auswanderung staatlich regelten: die "Haavara!' und das "Rublee-Wohlthat-Abkommen". Die Haavara galt von 1933 bis 1941 und betraf die Auswanderung nach Palästina. Dieses Abkommen wird inzwischen in der einschlägigen Literatur regelmäßig erwähnt. Der ehemalige Direktor der Haavara, Werner Feilchenfeld, gab 1972 eine eigene Broschüre darüber heraus, die aber offensichtlich von den meisten Leuten, die über die Haavara schreiben, nicht gelesen wurde, sonst würden sie nicht soviel Unsinn darüber publizieren.

Das Rublee-Wohlthat-Abkommen hingegen wird allgemein totgeschwiegen (5).

Es betraf die Mehrzahl der auswandernden Juden, all jene, die nicht nach Palästina gingen,

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sondern in ein anderes europäisches oder überseeisches Land. Das waren ca. zwei Drittel aller Auswanderungen. Leider war das Abkommen nur 8 Monate in Geltung, dann brach der Krieg aus und die geregelte Auswanderung fand ihr Ende. Wenn wir es hier erwähnen, so deshalb, weil es die Absichten der deutschen Regierung klarmacht, der damals nichts ferner lag, als die 'Vernichtung der Juden".

4. Haavara

Bereits im Februar 1933 traten die ersten Abgesandten aus Palästina, Vertreter der Zitrus-Pflanzengesellschaft "Hanotea Ltd.", an die deutsche Regierung heran und versuchten herauszufinden, wie man die beiderseitigen Interessen -- von deutscher Seite: Auswanderung, von jüdischpalastinensischer Seite: Einwanderung -- unter einen Hut bringen könnte. Die jüdische Seite versuchte, möglichst vorteilhafte Auswanderungsbedingungen zu erreichen, die dann Palästina zugute kommen sollten. Die deutschen Behörden waren mit den jüdischen Vorschlägen weitgehend einverstanden, und es kam schon im Mai 1933 zu den ersten wirtschaftspolitischen Abschlüssen, die dann im Laufe des Jahres zu dem Haavara-Abkonnnen führten. - Das Wort "Haavara" (sprich: Ha-avara mit Betonung auf der letzten Silbe) ist hebräisch und bedeutet "der Transfer" bzw. "die Oberführung". In diesem Fall die Überführung von Vermögen und Waren. Unter diesem hebräischen Namen ist das Abkommen in die deutschen Akten eingegangen. (6)

Die Havaara sah folgende Regelung vor: Juden, die nach Palästina auswandern wollten, konnten ihr Vermögen auf ein oder mehrere Konten von zwei bestimmten jüdischen Banken in Deutschland einzahlen. Sie konnten es auch dann einzahlen, wenn sie zunächst noch in Deutschland bleiben wollten, die Ausreise also nur in Erwägung gezogen, aber noch nicht fest geplant war. Über dieses Geld konnten sie

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zunächst zugunsten von bereits in Palästina ansässigen jüdischen Siedlern frei verfügen. Sie konnten aber auch das Geld in Palästina anlegen. Sie konnten sogar ihre eigene, später vielleicht einmal anfallende Krankenversicherung bis zu zehn Jahre im voraus davon bezahlen. Damit erhielten die deutschen Juden Rechte, die den übrigen deutschen Reichsbürgern verwehrt waren. Feilchenfeld schreibt:

"Die Vorbereitung einer Heimstätte in Palästina für in Deutschland noch (..) verbliebene Personen stellte eine im Rahmen der deutschen Devisenbeschaffung ungewöhnliche Durchbrechung des Verbots der Vermögensanlage von Deutschen im Ausland dar" (S. 48).

In das Haavara-Abkommen wurde, in Zusammenarbeit mit einem Reisebüro in Tel Aviv, auch ein Reisekreditabkommen eingebaut, mit dessen Hilfe deutsche Juden vor ihrer Auswanderung eine Erkundungsreise nach Palästina unternehmen und sich im Land über Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten orientieren konnten. Sie zahlten dafür ihre Unkosten in Reichsmark ein und bekamen in Palästina Gutscheine für alle anfallenden Ausgaben. (Feilchenfeld, S. 49.) Auch das war eine Ausnahmeregelung, da zur Zeit der Devisenbewirtschaftung Auslandsreisen für Deutsche normalerweise nicht möglich waren. (Die Gruppenreisen mit der KdF würden auf dem Weg des Clearing verrechnet.)

Wenn es soweit war, daß sie auswandern wollten, bekamen sie von der deutschen Bank, zum jeweiligen Marktwert, das notwendige sogenannte Vorzeigegeld von 1.000,- Palästina-Pfund (entsprach dem englischen Pfund Sterling) in Devisen ausbezahlt. Die Zuteilung von Devisen stellte unter den damaligen Devisenbestimmungen eine ausgesprochene Ausnahme dar, deren nur die auswandernden jüdischen Bürger teilhaftig wurden, betont der israelische Historiker Avraham Barkai in seiner Studie "Vom Boykott zur 'Entjudung"' (S. 63). Das Geld mußten sie bei der Einreise in Palästina vorweisen. In einer vor einigen Jahren erschienenen Arbeit wird das so dargestellt, als hätten sie mit den

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1.000,- Pfund das Einreisevisum bezahlen müssen.(7) Das ist kompletter Unsinn. Das Geld gehörte ihnen und sie sollten damit nur beweisen, daß sie imstande waren, sich selbst zu ernähren und eine neue Existenz aufzubauen und somit nicht der jüdischen Gemeinschaft in Palästina zur Last fallen würden.

Der Rest ihres Geldes blieb zu ihrer Verfügung auf ihrem Haavara-Konto. Bei der Auswanderung konnten sie ihren gesamten Hausrat mitnehmen, dazu Maschinen und Geräte für die Berufsausübung bzw. die Gründung einer neuen Exisstenz und was sie sonst zu ihrem normalen Leben brauchten. Die für alle übrigen deutschen Staatsbürger damals geltende "Reichsfluchtsteuer" -- das war eine von Reichskanzler Heinrich Brüning 1931 eingeführte Abgabe, die jeder deutsche Bürger zu leisten hatte, der Deutschland für immer verlassen wollte -- mußten die über die Haavara auswandernden Juden nicht bezahlen.

Von den Haavara-Konten wurden Waren bezahlt, die palastinensische Kaufleute aus Deutschland importierten. In Palästina erhielten die Einwanderer den Gegenwert in Häusern, Grundstücken, Zitruspflanzungen oder auch das gesamte Guthaben in bar ausbezahlt. Durch Zusatzabkommen konnten auch Kaufleute aus Agypten, Syrien und dem Irak über die Haavara Importe aus Deutschland finanzieren. (Feilchenfeld, S. 54f.)

Es gab eine Reihe von Zusatzregelungen und weiteren Erleichterungen. Darunter die, daß alle Versorgungsbezüge und Renten ohne Abzüge an die ausgewanderten Juden in Palästina überwiesen wurden (Feilchenfeld, S. 49).

Auch konnten in Palästina ansässige Juden Zahlungen an Verwandte und Freunde in Deutschland über die Haavara vornehmen.

"Die Unterstützungsspender zahlten den Gegenwert in palästiniensicher Währung zu einem verbilligten Kurs bei der Haavara zugunsten der Unterstützten in Deutschland ein. Der Unterstützungsempfänger erhielt dann den Gegenwert

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in Reichsmark durch die Paltreu (8) in Berlin. Dieses System eines privaten Clearings von Unterstützungszahlungen nach Deutschland wurde von 1937 an zu einer weltweiten Organisation ausgebaut, deren Aufgabe es war, die ausländischen Unterstüngszahlungen an Juden in Deutschland aus allen Ländern durchzuführen und die anfallenden Devisen für den jüdischen Kapitaltransfer nach Palästina zu verwenden." (Feilchenfeld, S. 61f.)

Von einer anderen Art des Clearings berichtete der Reichsbankrat Walther Utermöhle, der damalige Leiter der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung im Reichswirtschaftsrninisterium.

"Daneben wurde eine Clearing zwischen auswandernden Juden (...) und aus dem Ausland zurückwandernden Deutschen ermöglicht. Wenn zum Beispiel ein Deutscher sein Haus oder sein Geschäft (wegen des Boykotts im Ausland) nicht verkaufen konnte und in Deutschland einen Juden fand, der ähnliche Vermögenswerte besaß, so wurde eine Tauschgenehmigung erteilt, bei der keine Seite einen ungerechtfertigten Gewinn machen konnte. " (Leserbrief in "Deutsche Wochen-Zeitung", 16.12.1977.)

Außer den offiziellen Bestimmungen, die die Mehrzahl der Juden betraf, gab es also noch eine Unzahl von Einzelfällen, die über die Haavara zugunsten der Auswandemden geregelt werden konnten.

Einen sehr großen Vorteil bot die Haavara für minderbemittelte Juden, die von sich aus nicht in der Lage gewesen wären, die eintausend Pfund "Vorzeigegeld" aufzubringen. Sie konnten über die Haavara ohne weiteres Kredite aufnehmen, die sie erst nach einer Reihe von Jahren zurückzahlen mußten (Adler-Rudel, S. 102f ). Außerdem wurden die Transfer-Kosten für diese Leute um 50 % ermäßigt. Praktisch war es dadurch jedem Juden in Deutschland möglich, auszuwandern -- sofern er nach Palästina wollte.

Das Haavara-Abkommen, bzw. die sich darin äußernde Positive Grundhaltung der deutschen Regierung zur Förde-

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rung der jüdischen Auswanderung, ermutigte so manchen deutschen Verantwortlichen zu Aktionen am Rande der Legalität. Rolf Vogel, der ehemalige Bonner jüdische Korrespondent und Herausgeber der "deutschlandberichte", die der deutsch-jüdischen Verständigung gewidmet waren, berichtet in seinem Buch "Ein Stempel hat gefehlt" folgendes:

"Zahlreich waren einzelne Hilfsaktionenjen jenseits der Legalität,vor allem dann, wenn die betreffenden Juden nicht nach Palästina wollten und sonst nicht zu helfen war. So kam es vor, daß Juden ihre Betriebe verkaufen mußten und den Erlös verloren, weil sie ihn nicht transferieren konnten. Um dies zu verhindern, boten die Beamten einer Reihe jüdischer Inhaber an, zunächst pro forma nicht auszuwandern, sondern für ihren alten Betrieb als Vertreter im Ausland tätig zu werden. Mit Hilfe von hohen Provisionen und Beteiligungen am Verkaufserlös konnten die jüdischen Kaufleute im Ausland dann einen Teil ihrer verlorenen Gelder in Devisen herausbekommen.

Ein anderer Transfer-Trick, der mit Wissen und Wohlwollen der Devisenbeamten zuweilen weiterhalf, war der Geldtransfer via Amtsgericht: Jemand hinterlegte beim Amtsgericht einen Umschlag mit der Verfügung 'Mein letzter Wille'. Der betreffende wanderte anschließend aus und ließ nach einigen Monaten über die ausländischen Justizbehörden seinen letzten Willen -- einen Umschlctg mit Geld und Wertpapieren -- ins Ausland nachsenden.

Ähnlich reibungslos funktionierte hin und wieder der Geldtransfer per Zeitungsannonce. Ein Jude inserierte beispielsweise von Zürich aus im "Vö1kischen Beobachter': 'Vertreter gesucht'. In Deutschland ließ er dann mit Geld oder Aktien gefüllte Briefumschläge unter der angegebenen Chiffre an den 'Völkischen Beobachter' senden, der die Briefe gesammelt nach Zürich weiterleitete. " (Vogel, S. 48f.)

In gewissem Umfang trug die Haavara zur Entwicklung des deutschen Außenhandels bei. Allerdings war dieser

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Punkt kaum ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung für das Abkommen, wie man das gelegentlich lesen kann.(9)

Insgesamt darf man die Folgen für die deutsche Wirtschaft nicht überschätzen. Der Warenverbrauch einer Gemeinschaft von 200.000 his 300.000 Menschen -- und mehr umfaßte der Jischuw (die jüdische Gemeinschaft Palätinas) damals nicht der zudem noch auf bestimmte Produkte beschränkt war, konnte kaum in der Lage sein, einem 60Millionen-Volk wesentliche Exporthilfe zu leisten. Außerdem kamen für den Verkauf nach Palästina keine Devisen ein, sondern er wurde mit dem deutschen Geld aus den Haavara-Konten bezahlt. Auch Feilchenfeld betont, daß die Exportförderung durch die Haavara keinen eigentlichen Vorteil für Deutschland bedeutete, da "die Haavara kein Deviseneinkommen für Deutschland darstellte" (S. 29).

Für Palästina hingegen brachte die Haavara unermeßbare Vorteile mit sich. In der von Feilchenfeld herausgegebenen Broschüre wurde Dr. Ludwig Pinner, ehemaliges Direktionsmitglied der Haavara-Gesellschaft, nicht müde, das Loblied dieses Abkommen zu singen.

"Palästina war bis in den Anfang der dreißiger Jahre im wesentlichen ein Agrarland, auf primitiver Entwicklungsstufe" (S. 99).

Erst die aus Deutschland kommenden Einwanderer haben "die wirtschaftliche Struktur und das gesellschaftliche Gepräge des Jischuw tiefgreifend verändert und einen ausschlaggebendenBeitrag zu seinerEntwicklung geleistet. Unter ihrer Beteiligung und Einwirkung hatte sich die industrielle Produktion verdoppelt, die Technik modernisiert, und die erzeugten Waren kamen allmählich in Auswahl und Qualität auf ein europäisches Niveau "(S. 107).

"Die Betätigung der deutschen Juden als Industrielle und Investoren war ausschlaggebend für die Entwicklung, die die Wirtschaft des Jischuw aus dem vorindustriellen und vorkapitalistischen Stadium herausführte" (S. 102).

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Ihr Einfluß

"auf die Entwicklung des jüdischen Palästina fand seinen Ausdruck jedoch nicht nur in der wirtschaftlichen, und gesellschaftlichen Sphäre; er war auch bedeutungsvoll im kulturellen Bereich, auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet. Die moderne Ausstattung der Krankenhäuser, die der Transfer ermöglicht hatte, machten Palästina zu einem medizinischen Zentrum ersten Ranges" (S. 106). "Der Einsatz dieser Menschen in Forschungs- und Lehrstätten, in Wirtschaft und Verwaltung, im öffentlichen Leben und in der Verteidigungsorganisation war von unermeßlicher Bedeutung für die Vorbereitung des Jischuw auf die schicksalhaften Aufgaben, die ihm bevorstanden" (S. 108).

Das Geld der "Kapitalisten", die durch die Haavara praktisch unbeschränkt nach Paldstina einwandern konnten, ermöglichte auch die Arbeitereinwanderung.

"Palästina als Land des Aufbaus kann neue, arbeitsuchende Einwanderer in demselben Verhältnis aufnehmen, wie durch einströmendes Kapital und Unternehmungsgeist neue Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden",

erklärte Dr. Georg Landauer, Leiter der deutschen Abteilung der Jewish Agency und Mitglied des "Board of directors" der Haavara, in einem Gespräch mit der "Jüdischen Rundschau." Es bestünde aber die Furcht, daß begüterte Juden mit ihrem Kapital in andere Länder abwandern und nach Palästina nur die armen Juden kommen. Landauer warnte:

"Es kann keine Einwanderung von Arbeitnehmern ohne eine Einwanderung von Arbeitgebern stattfinden" (Jüdische Rundschau, 18.2.1936.)

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4.1. Widerstand gegen die Haavara

4.1.1. …auf jüdischer Seite

Trotz der für die Juden und für Palästina durchaus positiven Seite des Haavara-Abkommens war der Widerstand dagegen auf jüdischer Seite erheblich. Das Hickhack hinter den Linien beschreibt ausführlich Edwin Black in seinem Buch: "The Transfer Agreement". Die Tatsache, daß es zwischen dem Dritten Reich und der zionistischen Organisation ein Abkommen zum Vorteil Israels gegeben hat, scheint ihm unbegreiflich und unentschuldbar und er klagte die betroffenen jüdischen Stellen der "Nazi-Mittäterschaft" an. Das ist um so weniger verständlich, als er überzeugt ist, daß alle in Deutschland zurückgebliebenen Juden dem Holocaust zum Opfer fielen.

Jüdische Organisationen in aller Welt beklagten den Bruch des Boykotts gegen Deutschland durch die eigenen Leute. Der Vorteil für die aus Deutschland auswandernden Juden galt ihnen nichts im Vergleich zum Verrat der allgemein-jüdischen Interessen.

Aber auch in Palästina selbst gab es Schwierigkeiten. Die Monopolstellung der Haavara bei der Einfuhr deutscher Waren erregte den Neid palästinensischer Kaufleute, die ihre eigenen Aktivitäten gefährdet sahen. Vor allem die junge jüdische Industrie in Palästina, die den Absatz eigener Waren erstrebte, meuterte gegen die Einfuhr besserer und billigerer Artikel aus Deutschland. Die Haavara mußte schließlich den Forderungen jüdischer Unternehmer nachgeben und verhängte einen Einfuhrstop für bestimmte Waren. Sie garantierte dadurch den "Tozeret Haarez"-Schutz (Schutz für einheimische Produkte). Gerissene Unternehmer lavierten geschickt zwischen den unterschiedlichen Möglichkeiten und nutzten sie zu ihrem Vorteil aus. Es kam vor, daß sich ein Unternehmen zunächst seinen Maschinenpark durch die Haavara beschaffte und anschließend für die damit erzeugten Waren den "Tozeret-Haarez"-Schutz in

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Anspruch nahm. Dadurch verringerte sich der Warenbedarf im Land und die Transfermöglichkeiten auf den Haavara-Konten lagernder Gelder. (Feilchenfeld, S. 54.)

Die "Jüdische Rundschau" beklagte einmal dieses wenig Solidarität mit den deutschen Juden zeigende Verhalten:

"Bei der Palästinawanderung von Juden aus Deutschland und auch bei der Überweisung der Gelder für die jüdischen Fonds spielt die Frage des Transfers eine finanztechnisch wichtige Rolle. Ohne Kapitaltransfer ist eine Auswanderung großen Stils unmöglich. ( .. ) Wenn es trotzdem immer wieder in der palästinensischen Öffentlichkeit zu Diskussionen über diese Sache kommt, so dürfte dies teilweise der Unkenntnis der wirklichen Zusammenhänge, teilweise der Einwirkung von Interessenten zuzuschreiben sein, die aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen die Konkurrenz der Haavara gerne ausschalten möchten." (12.11.1935.)

4.1.2. …auf deutscher Seite

Das Haavara-Abkommen fand auch bei deutschen Stellen nicht ungeteilten Beifall. Tatsächlich bedeutete es ja nicht nur eine erhebliche Belastung für den deutschen Devisenhaushalt, sondern brachte uns auch politische Nachteile ein. Der deutsche Generalkonsul in Jerusalem, Hans Döhle, betonte in einer Studie vom 22. März 1937, daß die deutsche Regierung durch das Haavara-Abkommen "all die Gesichtspunkte, welche in anderen Ländern für die Wahrung des deutschen Interesses maßgebend sind, zurückgestellt" hat, hinter der "Förderung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland und der Seßhaftmachung der ausgewanderten Juden in Palästina". Die Stärkung der jüdischen Wirtschaft, die wir "durch die Erleichterung der Verpflanzungsmöglichkeit deutsch-jüdischer Industrieunternehmungen nach Palästina erst ermöglicht haben", muß sich auf dem Weltmarkt gegen uns auswirken. Döhle betonte, "die Gegnerschaft der palästinensischen Juden dem Deutsch

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tum gegenüber tritt bei jeder Gelegenheit in Erscheinung". (Zit. in: Vogel, S. 110f.)

Großbritannien fühlte sich durch die deutsche Wareneinfuhr in sein Mandatsgebiet benachteiligt und startete in seiner Presse Angriffe gegen Deutschland. Nach der Studie Döhles sah die Negativbilanz des Haavara-Abkommen wie folgt aus:

  1. Devisenverlust durch Warenausfuhr ohne Devisenerlös.
  2. Durch Aufbau der jüdischen Wirtschaft Stärkung des antideutschen jüdischen Einflusses in Palästina.
  3. Lenkung der deutschen Einfuhr nach Palästina durch die Jewish Agency ohne Berücksichtigung der deutschen Verkaufsinteressen.
  4. Verärgerung der im Lande ansässigen arabischen und deutschen Kaufleute, die nur noch über die Jewish Agency mit Deutschland Geschäfte abschließen können.
  5. Verärgerung der britischen Mandatsmacht, die ihre Vorrangstellung durch die deutschen Konkurrenten gefährdet sieht.

Die Skepsis Döhles war nicht unberechtigt, wenn man bedenkt, daß er vor Ort täglich antideutsche Ausfälle erleben mußte und sich gleichzeitig bewußt war, wie-viel das Land den deutschen Einwanderern verdankte. Palästina glich einem Tier, das die Hand beißt, die es füttert. Die feindselige Einstellung der Juden Palästinas gegen Deutschland äußerte sich auf vielen Ebenen. So wurde z.B. in einem Purim-Umzug (10) Deutschland als giftgrüner, mit Hakenkreuzen übersäter, feuerspeiender Drache dargestellt und ein Schild forderte den "Tozeret-Haarez"-Schutz und den Boykott gegen deutsche Waren (Mildenstein in: 'Der Angriff' ' 1.10.1934).

Trotz all dieser Bedenken entschied Adolf Hitler wiederholt, daß die Auswanderung der Juden mit allen Mitteln zu fördem seil und eine Aufhebung des Haavara-Abkommens nicht in Frage käme.

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Der Vermögenstransfer über die Haavara war auch noch nach Kriegsausbruch, durch Einschaltung neutraler Länder, möglich. Erst im Dezember 1941, als die USA in den Krieg eintraten, brachen die Verbindungen ab.

Die Abwicklung der Haavara in Deutschland lag in den Händen der beiden jüdischen Banken Warburg in Hamburg und Wassermann in Berlin. Bei Kriegsende befanden sich noch Beträge der Haavara auf den Konten. Sie waren von der deutschen Regierung als Feindvermögen sichergestellt worden und wurden den Eigentümern nach 1945 in voller Höhe zurückgezahlt (Feilchenfeld, S. 71).

5. Auswanderung und die SS

Von den deutschen Stellen war es -- neben dem Reichswirtschaftsministerium - paradoxerweise (11) ausgerechnet die SS und ihre Einrichtungen, die die jüidische Auswanderung unterstützten und förderten.

Die SS hatte sich von Anfang an darum bemüht, Einfluß auf die deutsche Judenpolitik zu nehmen. Sie empfahl die Förderung der jüdischen Massenauswanderung, warnte aber gleichzeitig davor, Druck auf diejenigen Juden auszuüben, die sich in erster Linie als deutsche und dann erst als jüdisch empfanden. Man müsse erst einmal ein jüdisches Bewußtsein und jüdisches Selbstverständnis in ihnen wecken. Das sollte durch die Förderung jüdischer, kultureller Einrichtungen geschehen. Erst ein sich seiner Identität bewußt gewordener Jude würde auch bereit sein, Deutschland zu verlassen und in ein zukünftiges jüdisches Heimatland auszuwandern.(12)

Unter diesen Auspizien standen alle Förderungs- und Schutzmaßnahmen, die SS und Gestapo jüdischen Einrichtungen zuteil werden ließen. So seltsam es sich anhört, aber die Gestapo war damals die Adresse, an die sich viele Juden wandten, wenn ihnen von einer anderen deutschen Behörde

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eine Benachteiligung ins Haus stand oder sie sonst Hilfe brauchten. Als z.B. im Verlauf der sogenannten Kristallnacht, im November 1938, auch das jüdische Auswanderungsbüro in der Berliner Meinekestraße beschädigt wurde, war es die SS, die Mannschaften zum Aufräumen schickte und alles daransetzte, das Büro so schnell wie möglich wieder arbeitsfähig zu machen (Nicosia, S. 244).

Eine Art Propagandaschrift für die Auswanderung nach Palästina hatte schon 1934 Leopold Edler von Mildenstein, der spätere Judenreferent der SS, verfaßt. Mildenstein fuhr 1934 nach Palästina und blieb ein halbes Jahr dort. Sein Reisebericht unter dem Titel "Ein Nazi fährt nach Palästina" erschien in mehreren Folgen in der Goebbels-Zeitschrift "Der Angriff ' (26. Sept. - 9. Okt. 1934). Der Bericht ist sehr lebendig und anschaulich geschrieben und gibt ein interessantes Bild der Zustände im englischen Mandatsgebiet und der politischen Strömungen in Palästina Anfang der dreißiger Jahre. Er ist noch heute lesenswert. Als Verfassername benutzte Mildenstein das Pseudonym "Lim", die ersten drei Buchstaben seines Namens, auf hebräische Art von rechts nach links gelesen.

SS und Gestapo beteiligten sich an der Einrichtung und Finanzierung von Umschulungslagern, die inzwischen in ganz Deutschland von der Zionistischen Organisation angelegt worden waren. Hier sollten vor allem junge Juden landwirtschaftliche und handwerkliche Berufe erlernen und auf das völlig andere Leben in Palästina vorbereitet werden. Teilweise stellte die SS sogar Grund und Boden für die Errichtung solcher Lager zur Verfügung. Nicosia bringt in seinem Buch "Third Reich", eine Karte mit dem Stand vom August 1936, auf der 40 solcher Einrichtungen verzeichnet sind, die sich über das ganze Reich erstrecken, vom äubersten Norden (Flensburg bzw. Gut Lobitten, Krs. Königsberg/ Ostpr.) bis in den Süden, nahe der Schweizer Grenze (Gut Winkelhof) (S. 217). (13)

Auch in Österreich, der damaligen Ostmark, wurden

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nach dem staatlichen Anschluß solche Umschulungslager eingerichtet. Adolf Eichmann, der Leiter des Wiener "Hauptamtes für jüdische Auswanderung" setzte sich persönlich dafür ein. Er hat auch spater die illegale Auswanderung zusammen mit dem Mossad (s. weiter unten) tatkräftig gefördert. Gelegentlich eskortierten SS-Einheiten jüdische Auswanderergruppen über die Grenze und sorgten dafür, daß sie ungehindert passieren konnten. Hannah Arendt war der Meinung, daß seine Bemerkung vor dem Jerusalemer Tribunal, im Jahr 1960, er habe Hunderttausende von jüdischen Leben gerettet, durchaus den Tatsachen entsprach, wenn sie auch im Gerichtssaal rnit Hohngelächter quittiert worden sei.(14)

6. Das Rublee-Wohlthat-Abkommen

Die Haavara bezog sich ausschließlich auf die Auswanderung nach Palästina, Die zweite staatliche Regelung, das Rublee-Wohlthat-Abkommen, betraf die Auswanderung in andere Länder und damit die Mehrzahl der auswandernden Juden. Ähnlich wie in Palästina wurde auch in anderen Ländern der Nachweis der finanziellen Unabhängigkeit verlangt, was für Deutschland erhebliche Probleme mit sich brachte. Denn die Deutsche Reichbank war dadurch gezwungen, große Mengen der an sich schon knappen Devisenbestände für die Auswanderung zur Verfügung zu stellen. Viele Länder verhängten darüberhinaus Einwanderungsstops für Juden.

Dieses Problem war das Thema einer internationalen Flüchtlingskonferenz, die im Sommer 1938 im französischen Kurort Evian-les-Bains am Genfer See tagte Vertreter von 32 Staaten trafen sich vom 6. bis 15. Juli im Hotel Royal zu gemeinsamen Besprechungen über Hilfsmöglichkeiten für die deutschen Juden. Alle Teilnehmer der Konferenz waren sich einig: Sie verurteilten den in Deutschland

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herrschenden Antisermitismus, sie waren voll Mitgefühl für die armen Juden, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, sie stimmten Resolutionen zu, daß es unbedingt notwendig sei, Orte zu finden, an denen die Juden unterkommen konnten -- aber jeder einzelne Redner betonte, daß gerade sein Land leider nicht in der Lage sei, ihnen durch Aufnahme einer größeren Anzahl von Einwanderern zu helfen.

Das einzige Ergebnis der Konferenz war schließlich die Einrichtung eines "Zwischenstaatlichen Komitees", das sich in London etablierte. Sein Präsident wurde der Washingtoner Rechtsanwalt George Rublee.

Rublee versuchte von Anfang an, rnit der deutschen Regierung in Kontakt zu kommen. Diese Bemühungen, die der deutsche Botschafter in London, Herbert von Dirksen und der Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Ernst Woermann, unterstützten, wurden monatelang von dem damaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ernst von Weizsäcker, dem Vater des letzten deutschen Bundespräsidenten, erfolgreich torpediert. Es gibt dazu ausführliche Aufzeichnungen in den deutschen Aktenbeständen.

Weizsäcker ließ Rublee sagen, daß er sich keinerlei Hoffnungen auf eine irgendwie geartete Mitarbeit der deutschen Seite zu machen brauche. Er wies wiederholt die Versuche anderer Diplomaten zurück, die Rublee mit deutschen Behörden in Verbindung bringen wollten. Er verbot sogar der deutschen Botschaft in London, auf die Kontaktversuche Rublees irgendwie zu reagieren, oder sie auch nur Berlin gegenüber zu erwähnen. Er erkundigte sich beim britischen Geschäftsträger in Berlin, ob Rublee überhaupt Arier sei. Als Rublee von sich aus nach Berlin fahren wollte, wies Weizsäcker dieses Angebot schroff zurück, weil das, nach seiner Meinung, keinen Wert habe.(15)

Schließlich erfuhr Hitler auf Umwegen von den Eigenmächtigkeiten Weizsäckers und bestellte kurzerhand Reichsbankpräsident von Schacht zu sich. Er beauftragte ihn, einen Finanzierungsplan auszuarbeiten, der die Auswande-

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rung der noch in Deutschland lebenden Juden ermögliche. Schacht entwarf einen Vorschlag, und Hitler sandte ihn damit Mitte Dezember 1938 nach London zu Gesprächen mit Rublee und anderen Persönlichkeiten.

Nach dem Krieg hat Schacht das so dargestellt, als seien der Plan und die Englandreise seine Ideen gewesen, die er Hitler hätte mühsam einreden müssen. Die Dokumente der damaligen Zelt beweisen das Gegenteil. Nach seiner Rückkehr aus London war in der Berliner BZ vom 19. Dezember 1938 eine von ihm initiierte Notiz erschienen: "Schachts Gespräche in London, der Zweck der Reise". Das Auswärtige Amt reagierte darauf sauer und Weizsäcker bekam den Auftrag, Schacht zur Rede zu stellen. Das geschah in einem Telefongespräch vom 20. Dezember 1938, über das Weizsäcker eine Notiz anfertigte (ADAP Serie D, Bd. V, S. 768f., Dok. 655). Darin heißt es, Weizsäcker habe Schacht gefragt, ob ein Auftrag des Führers vorgelegen, oder ob er, Schacht, die Zeitungsmeldung veranlaßt habe.

"Präsident Schacht gab unumwunden zu, daß der Artikel von ihm stamme. Es handle sich um einen Auftrag des Führers, den er, der Präsident, in dem ihm gesteckten Rahmen in London ausgeführt habe. Der Führer wiinsche von ihm Berichterstattung nach Riickkehr. Er, Schacht, habe sich daher jetzt beim Führer zum Vortrag gemeldet, hoffe diesen in ein bis zwei Tagen erstatten zu können und werde danach umgehend sich auch bei dem Herrn Reichsminister (Ribbentrop) zur Berichterstattung einfinden. Ehe er dem Führer Meldung gemacht habe, möchte er sich in dieser Sache nicht weiter äußern. "

Schachts späte Erinnerungen an diese Phase seiner Tätigkeit wurden offensichtlich von den historischen Ereignissen beeinflußt und getrübt. Er hat verschiedenes völlig anders dargestellt, als es die Dokumente belegen.

Jedenfalls wurde 1938 der Schacht-Plan vom Zwischenstaatlichen Komitee als Diskussionsbasis angenommen. Im Januar darauf wurde Rublee, unter Umgehung des Auswär-

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tigen Amtes, nach Berlin eingeladen. Er verhandelte dort zunächst mit Schacht, dann mit Görings Ministerialdirektor Helmut Wohlthat. Innerhalb von vier Wochen kam es zum Abschluß des Rublee-Wohlthat-Abkommens.

Die Grundidee dieses Abkommens war: Ein international überwachter Treuhandfonds sollte gegründet werden, dem 25 % des sich in Deutschland befindlichen jüdischen Vermögens zugeführt würde. Ausländische Kreditgeber sollten ihrerseits Auswanderungshilfen leisten, die die Reichsregierung mit 20 Jahresraten in ausländischer Valuta zurückzahlen würde. So sollte jeder Auswanderer außer dem notwendigen "Vorzeigegeld" ein Mindestkapital zur Errichtung einer Existenz erhalten. Zur Auswanderung sollten zunächst 150.000 arbeitsfahige Juden kommen, deren Angehörige später folgen sollten. Rublee bzw. das Zwischenstaatliche Kornitee wollten sich um Länder bemühen, in die die Juden einwandern könnten. Alle über 45 Jahre alten Juden sollten in Deutschland bleiben können und von Diskriminierungen verschont werden. Wohn- und Arbeitsbeschränkungen für diese Juden sollten aufgehoben werden.

Der Text des Memorandums über die zwischen Rublee und Wohlfahrt getroffenen Vereinbarungen galt offiziell als Vertrag. Dieses Memorandum hatte Rublee nach seiner Rückkehr nach London verfaßt und an Wohlthat geschickt. Weizsacker weigerte sich jedoch, das Abkommen zu paraphieren (16), weil das Auswärtige Amt in die Verhandlungen nicht eingeschaltet worden war -- was er ja selbst verhindert hatte.

Daraufhin legte Hermann Göring den Text Adolf Hitler vor, der dem Abkommen ausdücklich zustimmte. Rublee seinerseits unterbreitete den Text einer internationalen Kommission, die aus den Regierungsvertretern von 30 Staaten bestand. Rublee wurde von dieser Kommission beauftragt, Wohlthat mitzuteilen, daß diese Länder das zwischen ihnen getroffene Abkommen mit Interesse zur

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Kenntnis genommen hätten, und daß sie alles tun würden, um die Auswanderung der Juden aus Deutschland aufgrund dieses Abkommens weitgehend zu fördern. -- In der Praxis sah das mit der Förderung dann freilich anders aus, aber das lag nicht an den von deutscher Seite initiierten Vereinbarungen.

Nach erfolgreichem Abschluß der Verhandlungen legte der 72jährige Rublee sein Amt als Direktor des Zwischenstaatlichen Komitees aus Altersgründen nieder.

In England wurde eine Finanzierungsgesellschaft mit einem Startkapital von 1 Million Dollar gegründet. In den Vereinigten Staaten verpflichteten sich jüdische Bankiers, die genügenden Mittel aufzubringen, um die Durchführung jedes einzelnen Siedlungsprojektes zu garantieren. Der neue Direktor des Zwischenstaatlichen Komitees, Sir Herbert Emerson, war überzeugt, daß die Auswanderung der Juden gesichert sei und in drei bis fünf Jahren abgeschlossen werden könne. (Vogel, S. 252ff.)

Im Januar 1939 wurde in Berlin die "Reichszentrale für die Auswanderung der Juden" gegründet. Ihre Arbeit basierte auf dem Rublee-Wohlthat-Abkommen. Sie arbeitete eng mit der jüdischen "Reichsvereinigung der Juden" zusammen, um die Abwicklung der Auswanderung zu vereinfachen.

Die Arbeit lief zuerst nur langsam an, weil sich die meisten Länder weigerten, jüdische Einwanderer aufzunehmen. Aber durch das Rublee-Wohlthat-Abkommen war wenigstens die finanzielle Barriere beseitigt worden. Rublee sagte später über diese Zeit:

"Die Deutschen erfüllten alle ihre Verpflichtungen (...) In den Monaten zuischen meiner Abreise aus Deutschland und dem Ausbruch des Krieges kam es kaum noch, wenn überhaupt, zu Judenverfolgungen in Deutschland. Einige reisten aus, und die übrigen hatten es in Deutschland leichter. Ich erhielt eine ganze Anzahl von Briefen, aus Deutschland, in denen (...) mir (Juden) (...) ihren Dank für das, was ich für sie

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getan hätte, zum Ausdruck brachten." (Zit. in: Vogel, S. 238f.) Mit Kriegsbeginn wurden allerdings die Aussichten für die Auswanderer, ein Zielland zu finden, immer geringer. Zudem sperrte die englische Blockade den bis dahin benutzten Seeweg. Palästina wurde von England durch verschärfte Einwanderungsbedingungen ebenfalls so gut wie geschlossen.

Die Auswandererrouten führten ab dann vor allem auf Landwegen, z.B. über Griechenland und die Türkei. Das "Jüdische Nachrichtenblatt" veröffentlichte in seinen Ausgaben vom 18. und 21.6.1940 eine abenteuerliche Route "über Yokohama nach Amerika". Eine Landkarte zeigte die neuen Reisewege: Berlin - Warschau - Moskau - Tschita - Schanghai - Yokohama - San Francisco/Los Angeles. Ab hier entweder in östlicher Richtung nach Chicago - New York oder nach Süden: Mexiko - Panama - Santiago de Chile. Die deutsche Regierung bot Auswanderern mit gültigem Visum einen Weg über das besetzte Frankreich nach Spanien und Portugal an, von wo aus sie dann Schiffe in ihr Zielland nehmen konnten ("Jüdisches Nachrichtenblatt" 10.12.1940).

Daß die Auswanderung auch nach Kriegsbeginn, wenn auch in geringerem Umfang, weiterging, lag erstens an den internationalen Verbindungen der Juden, die in zahlreichen Einzelfällen mit Phantasie und Einfallsreichtum genutzt werden konnten, zweitens an der fördernden Hilfe deutscher Dienststellen und schließlich drittens an einer Einrichtung, die später für eine ganz andere Aufgabe eingesetzt werden sollte, dem "Mossad le Aliyah Bet".

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7. Der Mossad le Aliyah Bet und die illegale Einwanderung

"Mossad le Aliyah Bet" heißt wörtlich: "Büiro für die zweite Einwanderung". Damit war die illegale Einwanderung nach Palästina gemeint. Aus diesem Büro entwickelte sich später der israelische Geheimdienst "Mossad". Dieses Büro war schon 1937 von Juden aus Palästina in Paris gegründet worden. Die Notwendigkeit dafür ergab sich aus der britischen Palästina-Politik. Die Engländer gaben nur eine beschränkte Anzahl von Einwanderungs-Zertifikaten aus, jedenfalls viel weniger, als Juden nach Palästina einwandern wollten.

Die Einwanderer wurden, entsprechend ihrem Vermögen, Beruf und Stand, in bestimmte Kategorien eingeteilt und die Zertifikate wurden auf diese Kategorien, je nach Wünschbarkeit der Einwanderung, verteilt. Wenn man also das Pech hatte, einer Kategorie anzugehören, die die Mandatsmacht als nicht notwendig erachtete, konnte man mit keinem Visum rechnen.

In den Jahren von 1932 bis 1945 waren folgende Einwanderungskategorien in Geltung:

Kategorie A: Personen mit eigenem Vermögen

A 1: Kapitalisten mit Eigenkapital von LP (Palästina-Pfund) 1000.

A 2: Angehörige freier Berufe mit LP 500, soweit die wirtschaftliche Lage nach Ansicht der Einwanderungsbehörde die Einwanderung rechtfertigt.

A 3: Handwerker mit mindestens 250 LP.

A 4: Rentenempfänger mit Mindestrente von LP 4 monatlich. (17)

A 5: Personen, die einen "seltenen", im Lande wenig vertretenen Beruf ausüben, mit Kapital von mindestens LP 500.

Kategorie B: Personen mit gesichertem Lebensunterhalt.

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B 1: Waisenkinder unter 16 Jahren, deren Lebensunterhalt durch öffentliche Institutionen gesichert ist.

B 2: Personen religiöser Berufe.

B 3: Studenten und Schüler, deren Lebensunterhalt bis zur Berufsausübung gesichert ist.

Kategorie C: Arbeiterzertifikate

Für Arbeiter zwischen 18 und 35 Jahren. Die Zahl dieser Zertifikate wurde zweimal jährlich von der Palästina-Regierung bestimmt.

Kategorie D waren Ehefrauen, Kinder und Eltern von in Palästina lebenden Juden vorbehalten, sofern diese nachweisen konnten, daß sie für den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen sorgen können.

Dann gab es noch die Kategorie "Jugendalia" für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren. (Aus: Philo-Atlas, Sp. 141-144, zit. in: Eckert, Emigration, 143.)

Man kann verstehen, daß jüdische Führer vom Zorn übermannt wurden bei einer solchen Katalogisierung jüdischer Bürger nach Nützlichkeitsstandpunkten. Zumal das Mandat über Palästina vom 24. Juli 1922 von England forderte, die jüdische Einwanderung -- unter Wahrung der Rechte anderer Volksgruppen im Land -- weitgehend zu erleichtern und zu unterstützen. Sie suchten daher von Anfang an nach Wegen, diese Bestimmungen zu umgehen, und Judentransporte nach Palästina auf -- nach britischem Verständnis -- illegalen Wegen zu organisieren.

Am 17. Mai 1939 veröffentlichten die Briten ein neues Weißbuch, mit dem die Einwanderungsbestimmungen wieder einmal verschärft wurden.

Die Mitarbeiter des Mossad richteten also ab 1937 in allen Ländern Europas ihre Büros ein und nahmen auch sofort Kontakt mit Berliner Dienststellen auf, vor allem mit der SS und der Gestapo. Von da ab begann eine lebhafte Zusammenarbeit zwischen Gestapo und Mossad.

Entsprechend ihrer Grundeinstellung zur jüdischen Aus-

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wanderung waren SS und Gestapo den Mossad-Agenten vielfältig behilflich. Im Dezember 1938 hatte Himmler angeordnet, daß jüdische Häftlinge aus den Konzentrationslagern entlassen werden sollten, wenn sie ihre Auswanderung vorbereiten wollen. (18) Darüber hinaus wurde Mossad-Agenten erlaubt, in die Lager zu gehen und dort Juden anzuwerben, die bereit waren, auf illegalen Auswandererschiffen nach Palästina zu gehen. Ihrer Entlassung stand dann nichts im Wege. Kimche schreibt:

"Weil er (Pino, der Beauftragte des Mossad) der Gestapo eine Garantie dafür gab, daß er für ihre sofortige Auswanderung sorgen würde, war Pino in der Lage, eine große Anzahl junger Juden aus den Konzentrationslagern zu erlösen. Eine von ihm unterschriebene Bescheinigung reichte aus, ihre Freigabe zu erwirken " (S. 30.)

Da die Palästinaroute inoffiziell war, benötigten die Auswanderer Visa von anderen Landern, z.B. bei Kontrollen in Häfen, die unterwegs angelaufen werden mußten. Die Gestapo setzte sich dafür ebenso ein, wie für die Charterung geeigneter Schiffe, deren Kosten sie teilweise sogar übernahm. Im Jahr 1939 fuhren zahlreiche Schiffe von Europa nach Palästina und brachten Tausende von Einwanderern illegal ins Land.(19)

Auch mit Kriegsausbruch hörte die Zusammenarbeit zwischen Mossad und Gestapo nicht auf, sondern wurde eher noch forciert. Aber die Auswanderungspapiere wurden oft auf andere Länder ausgestellt und den Auswanderern wurde eingeschärft, daß sie über das wirkliche Ziel nichts erzählen dürften. Ohne die Mithilfe von SS und Gestapo und ohne stillschweigende Duldung deutscher Behörden wäre die Arbeit des Mossad nicht möglich gewesen.

Noch vor Kriegsbeginn, im Sommer 1939, hatte man geplant, auf einen Schlag zehntausend Juden von deutschen Häfen aus nach Palästina zu verschiffen. Aber noch ehe die Schiffe auslaufen konnten, brach der Krieg aus und die Engländer sperrten den Kanal.

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8. Vorschläge der "Irgun"

Dieser Plan wurde zwei Jahre später, im Sommer 1941, noch einmal von Abraham Stern, damals einer der Führer der "Irgun", der jüdischen antibritischen Widerstands- und Freiheitsorganisation (20) , aufgegriffen. Er sagte den Deutschen Hilfe im Kampf gegen England zu und schlug als Gegenleistung vor, die Ausschiffung der zehntausend Juden aus Deutschland jetzt, mitten im Krieg, durchzuführen (Katz, S. 85f.). Er war der Meinung, die deutschen Schiffe seien in der Lage, die englische Blockade zu durchbrechen und die Juden nach Palästina zu bringen. Und wenn sie erst einmal dort seien, könnten die Engländer sie nicht mehr zurückbringen.

Ob dieser Vorschlag jemals an die richtige Adresse gelangte, ist fraglich, da die von Stem ausgesandten Unterhändler später in Syrien gefangengenommen wurden. Jedenfalls mußte Berlin es für aussichtslos halten, die Seeblokkade brechen zu wollen. Ein Konvoi von Schiffen mit Zivilisten, vor allem auch Frauen und Kindern, hätte kaum Chancen gehabt, unverletzt Palästina zu erreichen. Dafür hätte die deutsche Regierung nicht die Verantwortung übernehmen können.

Dies war bereits der zweite Kontaktversuch, den Stern unternahm. Ein halbes Jahr vorher, im Januar 1941, hatte die "Irgun" schon einrnal versucht, mit der deutschen Regierung Kontakt aufzunehmen.(21)

In einem Schreiben unterbreitete sie ihr den Vorschlag, auf deutscher Seite gegen England zu kämpfen, und zwar sowohl in Palästina, durch Sabotage und Agententätigkeit, als auch im Ausland. Als Gegenleistung verlangte sie die "Anerkennung der (... ) nationalen Aspirationen der Israelitischen Freiheitsbewegurig seitens der Deutschen Reichsregierung" und die Aufstellung einer jüdischen Brigade ("mi-

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litärische Ausbildung und Organisation der jüdischen Manneskraft Europas, unter Leitung und Führung der N.M.O., in militärischen Einheiten und deren Teilnahme an Kampfhandlungen zum Zwecke der Eroberung Palästinas, falls eine entsprechende Front sich bilden sollte"). (Kompletter Text dieses historischen Dokuments im Anhang.)

Dieser Brief wurde öffensichtlich zur gleichen Zeit abgesandt, als zwei von Stern ausgesandte Agenten sich bei Wemer Otto von Hentig in Beirut einfanden. Hentig war Gesandtschaftsrat im Auswärtigen Amt und befand sich Anfang 1941 auf einer Dienstreise in dem damaligen französischen Mandatsgebiet. Das Gespräch muß einen ähnlichen Inhalt wie der Brief gehabt haben, denn Hentig schreibt darüber:

"In Beirut nahm ich (...) (im)Hotel ‘Monopol' Quartier.(...) Die merkwiirdigste Delegation kam aus Palästina selbst. Der Führer, ein vorzüglich aussehender jüngerer Offizierstyp, erbot sich, mit den Nationalsozialisten gegen die eigenen Leute, vor allem die orthodoxen Zionisten, zusammenzuarbeiten,wenn ihnen Hitler die Eigenstaatlichkeit eines jüdischen Palästina gewährleiste." (Hentig, S. 338f.)

"Der jüdischen Delegation aber hatte ich auf ihr Bündnisangebot nur sagen können, daß die von ihr gestellte Bedingung ganz bestimmt niemals, mit Rücksicht auf unsere arabischen Freunde und unsere allgemeinen Grundsätze, angenommen werden könne" (a.a.0., S. 399).

Der Brief der "Irgun", der in deutscher Sprache abgefaßt war, ist sicher nach Berlin gelangt (22), aber ob eine deutsche Reaktion darauf erfolgt ist, Iäßt sich aus den Akten nicht ersehen..

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9. Schluß

Die illegale Einwanderung nach Palästina ging auch noch nach Kriegsende bis zur Staatsgründung Israels weiter, da die Briten die Grenzen Palästinas für Juden weiterhin gesperrt hielten. Insgesamt konnten im Verlauf von zehn Jahren, also von 1938 bis 1948, weit über hunderttausend Juden illegal nach Palästina einwandern (Nicosia, S. 245).

Die Gesamtzahl aller Juden, die Deutschland (und Österreich) nach 1933 verließen, ist statistisch nicht festzustellen, da weder bei den Auswanderungsstellen noch bei den Einwanderungsbehörden Zählungen erfolgten. Schätzungen belaufen sich auf Zahlen zwischen 200.000 und 507.000, eine Diskrepanz, die die Fragwürdigkeit dieser Zahlen aufweist. (23)

Tatsächlich beruhen alle diese Zahlen -- mit einer Ausnahme -- auf bloßen Vermutungen und beziehen sich zudem auf unterschiedliche Gruppen und Zeiten. Zuverlässige, alle Auswanderungen umfassende Statistiken gibt es nicht. Unter Auswanderung aus Deutschland verstehen manche Autoren Deutschland in den Grenzen des Altreichs, also bis März 1938. Andere rechnen Österreich hinzu. Einige wollen nur die Jahre 1933 bis 1939 zugrundelegen, obwohl feststeht, daß nach Kriegsbeginn die Auswanderung weiterging und die illegale Auswanderung nach Palästina erst 1938 richtig einsetzte.

Es gibt nur eine Zahl, die auf einer offiziellen deutschen Angabe beruht. Aber gerade diese Zahl wird von allen Autoren abgelehnt, weil sie zu hoch erscheint. Kurioserweise ist diese Zahl in einem Dokument enthalten, das ansonsten höchstes Ansehen genießt, weil man mit ihm den deutschen Plan einer "Judenvernichtung" beweisen will: dem "Wannseeprotokoll". Alle Angaben dieses Dokuments werden als glaubwürdig und beweiskräftig eingestuft, nur nicht die genannten Auswanderungszahlen.

Es heißt dazu auf S. 4 des Protokolls, daß "seit der

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Machtübernahme bis zum Stichtag 31.10.1941 insgesamt rund 537 000 Juden zur Auswanderung gebracht" wurden.

"Davon

vom 30.1.1933 aus dem Altreich rd. 360.000

vom 15.3.1938 aus der Ostmark rd. 147.000

vom 15.3.1939 aus dem Protektorat Böhmen und Mähren rd. 30. 000 ".

Wir wollen hier nicht die Frage der Echtheit oder Unechtheit des Protokolls aufwerfen und auch nicht die der Bedeutung des Treffens in der Wannsee-Villa, die neuerdings divergent beurteilt wird. Es geht hier nur darum, wieder einmal auf die Tatsache aufmerksam zu machen, daß von der Zeitgeschichtsschreibung willkürlich bestirnmte Inhalte eines Dokuments als echt und richtig akzeptiert werden während andere für unglaubwürdig gelten.

Für unser Thema bleibt es also bei der zuerst gemachten Feststellung, daß genaue Zahlen für die Auswanderung nicht vorliegen.

Von den Auswanderern gingen ca. 1/4 bis 1/3 nach Palästina, 1/3 in europäische Länder und der Rest nach Übersee, vor allem Nord- und Südamerika.

Die Haavara wird, wie schon zu Anfang gesagt, gelegentlich in der Fachliteratur erwähnt, in den öffentlichen Methen jedoch kaum. Das Rublee-Wohlthat-Abkommen ist so gut wie unbekannt. Die Mehrzahl der Deutschen wird mit Sicherheit über den Holocaust ausreichend unterrichtet sein, von einem Auswanderungsplan, durch den die überwiegende Mehrzahl der deutschen Juden das Land unbehelligt verlassen konnten, jedoch kaum etwas gehört haben. Das ist offensichtlich eine der "volkspädagogisch unerwünschten Wahrheiten", wie der Schweizer Professor Walther Hofer es einmal formulierte.

Die Aufgabe von Historikern wird es jedoch immer bleiben, auch gegen die Zeitströmung, Wahrheiten. ans Licht zu verhelfen, deren Kenntnis die Vergangenheit in einem klareren Licht zu sehen erlaubt.

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Anhang

Grundzüge des Vorschlages des Nationalen Militärischen Organisation in Palästina (Irgun Zewai Leumi) betreffend der Lösung der jüdischen Frage Europas und der aktiven Teilnahme der N.M.O. am Kriege an der Seite Deutschlands.

Es ist des öfteren von den leitenden Staatsmännern des nationalsozialistischen Deutschlands in ihren Äusserungen und Reden hervorgehoben worden, daß eine Neuordnung Europas eine radikale Lösung der Judenfrage durch Evakuierung voraussetzt ("judenreines Europa").

Die Evakuierung der jüdischen Massen aus Europa ist eine Vorbedingung zur Lösung der jüdischen Frage, die aber nur einzig möglich und endgültig durch die Übersiedlung dieser Massen in die Heimat des jüdischen Volkes, nach Palästina, und durch die Einrichtung eines Judenstaates in seinen historischen Grenzen sein kann.

Das jüdische Problem auf diese Weise zu lösen und damit das jüdische Volk endgültig und für immer zu befreien, ist das Ziel der politischen Tätigkeit und des jahrelangen Kampfes der Israelitischen Freiheitsbewegung, der nationalen Militärischen Organisation in Palästina (Irgun Zewai Leumi).

Die N.M.O., der die wohlwollende Einstellung der deutschen Reichsregierung und ihrer Behörden zu der zionistischen Tätigkeit innerhalb Deutschlands und zu den zionistischen Emigrationsplänen gut bekannt ist, ist der Ansicht, daß

1. eine Interessengemeinschaft zwischen den Belangen einer Neuordnung Europas nach deutscher Konzeption und den wahren nationalen Aspirationen des jüdischen Volkes, die von der N.M.O. verkörpert werden, bestehen könne;

2. eine Kooperation zwischen dem Neuen Deutschland und einem erneuerten, völkisch-nationalen Hebräertum möglich wäre und

3. die Errichtung des historischen Judenstaates auf nationaler und totalitärer Grundlage, der in einem Vertragsverhältnis mit dem Deutschen Reiche stünde, im Interesse der Wahrung und

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Stärkung der zukünftigen deutschen Machtposition im Nahen Orient sei.

Ausgehend aus diesen Erwägungen tritt die N.M.O. in Palästina, unter der Bedingung einer Anerkennung der oben erwähnten nationalen Aspirationen der Israelitischen Freiheitsbewegung seitens der Deutschen Reichsregierung, an dieselbe mit dem Angebote einer aktiven Teilnahme am Kriege an der Seite Deutschlands heran.

Dieses Angebot seitens der N.M.O., deren Tätigkeit auf das militärische, politische und informative Gebiet in, und nach bestimmten organisatorischen Vorbereitungen auch außerhalb Palästinas, sich erstrecken könnte, wäre gebunden an die militärische Ausbildung und Organisierung der jüdischen Manneskraft Europas, unter Leitung und Führung der N.M.O., in militärischen Einheiten und deren Teilnahme an Kampfhandlungen zum Zwecke der Eroberung Palästinas, falls eine entsprechende Front sich bilden sollte.

Die indirekte Teilnahme der Israelitischen Freiheitsbewegung an der Neuordnung Europas, schon in ihrem vorbereitenden Stadium, im Zusammenhange mit einer positiv-radikalen Lösung des europäischen Judenproblems im Sinne der erwähnten nationalen Aspirationen des jüdischen Volkes, würde in den Augen der gesamten Menschheit die moralischen Grundlagen dieser Neuordnung ungemein stärken. (24)

Die Kooperation der Israelitischen Freiheitsbewegung würde auch in der Linie einer der letzten Reden des deutschen Reichskanzlers liegen, in der Herr Hitler betonte, daß er jede Kombination und Koalition benutzen werde, um England zu isolieren und zu schlagen.

Kurzer Überblick über die Entstehung, das Wesen und die Tätigkeit der N.M.O. in Palästina.

Die N.M.O. ist zum Teil aus dem jüdischen Selbstschutze in Palästina und der Revisionistischen Bewegung (Neue Zionistische Organisation) hervorgegangen, mit der die N.M.O.durch die Person des Herm V. Jabotinsky bis zu seinem Tode in einer losen Personalunion sich befand.

Die pro-englische Haltung der Revisionistischen Organisation in Palästina, die eine Erneuerung der Personalunion unmöglich

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machte, führte im Herbst dieses Jahres zu einer darauf folgenden Spaltung der Rev(isionistischen) Bewegung.

Das Ziel der N.M.O. ist die Errichtung des Judenstaates in seinen historischen Grenzen.

Im Gegensatz zu sämtlichen zionistischen Strömungen lehnt die N.M.O. die kolonisatorische Infiltration als das einzige Mittel zur Erschließung und allmählichen Besitzergreifung des Vaterlandes ab und erhebt zu ihrer Devise den Kampf und das Opfer als die einzig wahren Mittel zur Eroberung und Befreiung Palästinas.

Durch ihren militanten Charakter und ihre anti-englische Einstellung ist die N.M.O. gezwungen, unter ständigen Verfolgungen seitens der englischen Verwaltung ihre politische Tätigkeit und die militärische Ausbildung ihrer Mitglieder in Palästina im Geheimen auszuüben.

Die N.M.O., deren Terroraktionen schon im Herbst des Jahres 1936 begannen, ist besonders im Sommer 1939, nach der Veröffentlichung des engl(ischen) Weißbuches, durch die erfolgreiche Intensivierung ihrer terroristischen Tätigkeit und Sabotage an englischem Besitz hervorgetreten. Diese Tätigkeit, sowie die täglichen geheimen Radiosendungen, sind ihrerzeit fast von der gesamten Weltpresse registriert und besprochen worden.

Bis zum Kriegsbeginn unterhielt die N.M.O. selbständige politische Büros in Warschau, Paris, London, Genf und New-York.

Das Büro in Warschau war hauptsächlich mit der militärischen Organisierung und Ausbildung der nationalen zionistischen Jugend betraut und stand in engem Kontakt mit den jüdischen Massen, die besonders in Polen den Kampf der N.M.O. in Palästina mit Begeisterung verfolgten und ihn auf jegliche Art unterstützten. In Warschau erschienen zwei Zeitungen ("Die Tat" und "Jerozalima wseljona"), die der N.M.O. gehörten.

Das Warschauer Büro unterhielt enge Beziehungen zu der ehemaligen polnischen Regierung und den militärischen Kreisen, die den Bestrebungen der N.M.O. größtes Interesse und Verständnis entgegenbrachten. So wurden während des Jahres 1939 geschlossene Gruppen der Mitglieder der N.M.O. aus Palästina nach Polen entsandt, wo sie in den Kasernen durch polnische Offiziere in ihrer militärischen Ausbildung vervollkommt wurden.

Die Verhandlungen, die zwischen der N.M.O. und der polnischen Regierung in Warschau, zwecks Aktivisierung und Konkre-

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tisierung ihrer Hilfe, geführt wurden und die aus den Archiven der ehemaligen poln(ischen) Regierung leicht zu ersehen sein werden, fanden durch den Kriegsbeginn ihr Ende.

Die N.M.O. ist ihrer Weltanschauung und Struktur nach mit den totalitären Bewegungen Europas eng verwandt.

Die Kampffähigkeit der N.M.O. konnte zu keiner Zeit, weder durch die rücksichtslosen Abwehrmaßnahmen seitens der englischen Verwaltung und der Araber, noch die der jüdischen Sozialisten, paralysiert oder ernstlich geschwächt werden.

Anmerkungen

(1) Rainer Zitelmann, "Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs", vor allem Kapitel IV und V.

(2) Das ist ein Irrtum. Der Präsident des ersten deutschen Parlaments in der Frankfurter Paulskirche war Heinrich Freiherr von Gagern. Er gehörte einem alten Adelsgeschlecht aus Rügen an, das bis in das 13. Jahrhundert zurückgeht. Möglicherweise ist der Artikelschreiber einer Verwechslung erlegen und meinte Martin Eduard von Simson,. einen getauften Juden, der 1871 der erste Präsident des Reichstages wurde.

(3) Vollständiger Text in: Udo Walendy, Historische Tatsachen Nr. 61, "Aspekte jüdischen Lebens im Dritten Reich I. Teil", Vlotho 1993, S. 17 - 18.

(4) Der Hilfsverein wurde im Jahre 1901 gegründet, dessen Auswandererabteilung 1904 eingerichtet. 1917 entstand die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge; das Palästinaamt der Zionistischen Vereinigung für Deutschland entwickelte sich Mitte der zwanziger Jahre.

(5) Der englische Originaltext wurde bisher nur veröffentlicht in: Weckert, "Flashpoint" (Feuerzeichen, engl.), S. 145-148. Eine deutsche Übersetzung findet sich in "Feuerzeichen", S. 275-281.

(6) Runderlaß 54/33 des Reichswirtschaftsministeriums vom 28.8.1933, Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes

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(PA/AA), Sonderreferat W, Finanzwesen 16, Bd. 2. Der Text des Haavara-Abkommens ist abgedruckt in: Weckert, Feuerzeichen, S. 219f.

(7) Kroh, David kämpft, S. 24. Diese Arbeit strotzt nur so von Ungenauigkeiten und Verzerrungen. Der gesamte Komplex der Auswanderung ist voller falscher Behauptungen: z.B. S. 28: "Die Nationalsozialisten ließen sich die Vertreibung bezahlen." Die Auswanderer nach Palästina hätten die Reichsfluchtsteuer zahlen und die Devisen zu einem Phantasiepreis tauschen müssen. Beides stimmt nicht.

(8) Die "Paltreu" war eine Art Schwesternorganisation der Haavara. Ihre Aufgabe war es, Vermögenstransfer über die Haavarabestimmungen hinaus durchzuführen. Sowohl die Leitung der Haavara wie auch der Paltreu lagen in jüdischen Händen.

(9) Z. B. bei Nicosia, Hitler und der Zionismus, (S. 83), der behauptet: "Die Furcht vor einem deutschen Warenrückgang auf den internationalen Märkten, auch auf denen des Nahen Ostens, beeinflußte die deutsche Regierung in ihrer Entscheidung, im Sommer 1933 mit zionistischen Vertretern das Haavara-Transferabkonnnen zu unterzeichnen."

(10) Purim: Im biblischen Buch Ester wird ein historisch nicht belegbares Ereignis geschildert. Die jüdische Frau des persischen Königs, Ester, hat erfahren, daß ein Plan zur Ausrottung der Juden in Persien bestehen soll, den ein Hofbeamter, Haman, ausführen will. Der Perserkönig Artaxerxes ist dem Plan zunächst nicht abgeneigt. Da greift Ester zu einer List, um ihr Volk zu retten. Anläßlich eines Festbanketts verführt sie Haman und läßt sich von dem König in eindeutiger Situation überraschen. Ihm gegenüber behauptet sie, Haman habe sie vergewaltigt. Jetzt wendet sich der Zorn des persischen Königs gegen Haman, und er läßt ihn aufhängen. Es gelingt Ester, den König zu überreden, im gesamten persischen Reich den Juden freie Hand gegen ihre Gegner zu lassen.

"In allen Provinzen des Königs Artaxerxes taten sich die

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Juden in den Städten zusammen und überfielen die, die den Untergang der Juden geplant hatten. Niemand konnte ihnen standhalten; denn alle Völker hatte Schrecken vor ihnen befallen" (Est 9,2).

Die Bibel berichtet, daß insgesamt in zwei Tagen 75.000 Menschen von den Juden ermordet wurden.

Die Geschichte hat, wie bereits gesagt, keine historische Grundlage. Ein theologisches Lehrbuch bemerkt dazu: "Das Judentum fand aber im Estherbuch die erzählte Wunscherfüllung dessen, was es real für Juden nicht gab" (Preuß/ Berger, Bibelkunde, S. 118).

Zum Gedächtnis an dieses jüdische Rachepogrom (wofür eigentlich Rache? Es war den Juden ja gar nichts geschehen!) wurde das Purim-Fest gestiftet und wird bis auf den heutigen Tag im Februar/März als grobes Freudenfest begangen und mit einer Art Karnevalsumzug gefeiert.

(11) Paradox muß das jedenfalls jedem erscheinen, der seine zeitgeschichtliche Bildung aus den Medien bezieht und in der SS eine organisierte Mörderbande des Dritten Reiches zu sehen gewohnt ist, die in erster Linie für den Holocaust an den Juden verantwortlich zeichnet.

(12) Reichsführer SS,. Chef des Sicherheitsamtes: Lagebericht Mai/Juni 1934, Die Judenfrage; zit. in: Nicosia, S. 106

(13) Nur in der englischen Originalausgabe. In der deutschen Übersetzung findet sich an dieser Stelle ein leeres Blatt.

(14) Arendt, S. 90. 91; Kimche, S. 17, 30; für die von Kimche aufgestellte Behauptung eines Kopfgeldes, das auswandernde Juden zu leisten gehabt hätten, gibt es keinen Beweis. Das scheint eine der Phantasiebehauptungen zu sein, ohne welche man offensichtlich solche Bücher, die die Wahrheit über ein sehr umstrittenes Thema behandeln, auf jüdischer Seite nicht schreiben kann.

(15) vgl. die Aufzeichnungen Weizsäckers, in: ADAP, Serie D, Bd. V. "27.7.1938: Der Amerikanische Botschafter sprach mich heute (...) darauf an, ob wir nicht in irgendeiner

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Weise dem Evian-Komitee (... ) unserer Mitarbeit leihen würden. Ich habe ihm gesagt, er möge sich darauf keine Hoffnungen machen." (Dok. 641, S. 754.) "18.10-1938: Der Britische Botschafter brachte heute bei rnir das anliegende Memorandum vor, welches das zwischenstaatliche Comite (... ) behandelt. In dem Memorandum wird - wie schon vor etwa zwei Monaten - angeregt, daß der in London residierende Direktor des Comites, der Amerikaner Rublee und sein Mitarbeiter Herr Pell nach Berlin kommen, um mit den deutschen Behörden in eine Besprechung (... ) einzutreten Ich habe dem Botschafter - wie schon einmal im Sommer auseinandergesetzt, daß eine Reise von Herrn Rublee nach Deutschland nach meiner persönlichen Auffassung keinen Wert habe." (Dok. 645, S. 758.) "7.11.1938: Der Britische Geschäftsträger fragte mich heute wieder nach dem Stande der Sache Rublee. Ich erklärte" ihm, (... ) "die Sache müsse ihre Zeit haben. (...) habe ich ihn gefragt, wie viel prozentig Rublee Arier sei (...) (Dok. 648, S. 761); ferner Dokumente 646, 647, 662. Weitere ablehnende Stellungnahmen von Weizsäcker und dem AA sind zitiert bei Vogel, S. 180-228.

(16) "Paraphierung von Vereinbarungen mit Mr. Rublee kommt nicht in Betracht", ADAP Serie D, Bd. 5, Dok. 662.

(17) An dieser geringen Summe, die offensichtlich zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten ausreichend war, kann man ermessen, welche Kaufkraft 1000,- Palästina-Pfund damals hatten.

(18) "Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei hat die Entlassungssperre für Juden, die auszuwandern beabsichtigen, aufgehoben." Runderlaß vom 8.12.1938, Bundesarchiv Koblenz (BA), R 58/'276, Bl. 165. Eine Anzahl ähnlich lautender Verfügungen bis in das Jahr 1942 findet sich in weiteren Dokumentenbänden.

(19) Ausführlich dazu der Band von Kimche, der allerdings einige sachliche Fehler aufweist. Interessante Einzelheiten finden sich auch im Aufsatz von Ball-Kaduri, der jedoch, ebenso wie Kimche, nicht immer ganz zutreffend ist.

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(20) Der komplette Name lautet "Irgun Zew Leumi" = "Nationale Militärorganisation". Abraham Stern hatte sich zwar bereits im September 1940 von der "Irgun" getrennt und eine eigene Gruppe, "Lechi" ("Lochamei Cherut Israel" = "Kämpfer für die Freiheit Israels") gegründet. Aber in den ersten Monaten nach der Trennung firmierte er noch mit dem alten Namen, da er sich als Vertreter der legitimen "Irgun" fühlte.

(21) Lt. Brenner, S. 267, hat Stern das betreffende Schreiben veranlaßt.

(22) Kopie dieses Schreibens befindet sich im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes, Bonn (PA/AA), Nr. E 234152-234 158.

(23) Rosenstock versucht etwas Licht in diese Verwirrung zu bringen, indem er wenigstens die Imponderabilien aufzeigt und damit klarmacht, daB alle Zahlen Vermutungen bleiben müssen.

(24) Dieser sich kompliziert lesende Satz heißt mit klaren Worten: Die deutsche Judenpolitik, d.h. die Ausweisung der Juden aus Deutschland ist möglicherweise in den Augen der Welt unmoralisch. Sie gewänne aber an moralischer Berechtigung, wenn durch diese Ausweisung ein Judenstaat entstehen würde. Der Zweck heiligt die Mittel, oder: Was den Deutschen eigentlich nicht erlaubt wäre, ist für die jüdischen Nationalisten eine willkommene Unterstützung ihres Kampfes und damit gerechtfertigt.

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