VIERTES KAPITEL
Sowjetische Juden im deutschen Einflußbereich
Der jüdischen Bevölkerungsgruppe wurde eine ganz besondere Beachtung im Rahmen der sowjetischen Räumungsaktionen zuteil. So schreibt z.B. das zionistische Institute of Jewish Affairs (Institut): »In vielen Städten und Städtchen, ganz besonders in der Ukraine und Weißrußland, waren die Juden unter den ersten, die evakuiert wurden«[1].
Den Grund für diese Bevorzugung sah das Institut in dem hohen Anteil der Juden in der sowjetischen Verwaltung, unter den Angestellten, Arbeitern und der Intelligenz. Wörtlich bemerkte es dazu: »Aus diesen Gründen wurden Tausende von Zügen trotz des dringenden Bedarfs der Roten Armee für die Evakuierung bereitgestellt. Dadurch wurden nicht nur viele Hunderttausende von Menschenleben gerettet, gleichzeitig kamen Millionen von Flüchtlingen von den militärischen Hauptstraßen herunter«. Das Institut betont ausdrücklich, daß es nicht an Zeit mangelte, die Zivilbevölkerung, insbesondere auch die der großen Städte wie Kiew, Odessa, Smolensk usw. zu evakuieren: »..es blieb genug Zeit, die Zivilbevölkerung zu evakuieren«[2].
Die technischen Voraussetzungen waren ja gegeben, und die gleichen Transportmittel, die die Massen der Roten Armee und deren Ausrüstung nach Westen beförderten, wurden auf dem Rückweg für die Evakuierung bzw. Deportation der Zivilbevölkerung benutzt. Sicher muß man auch davon ausgehen, daß die Sowjets, wie schon bei der Deportation der jüdischen Flüchtlinge aus Ostpolen im Frühjahr 1940, nicht sonderlich auf die Bequemlichkeit der zu evakuierenden Bevölkerung Rücksicht nahmen.
Als Beispiel für die hohe prozentuale Evakuierung der Juden führt das Institut die Stadt Schitomir an, wo vor dem Krieg 50.000 Juden lebten. Davon sind 44.000 (88 %) mit den sowjetischen Truppen abgerückt; in Anbetracht der Tatsache, daß von den mindestens 95.000 Einwohnern etwa 53.000 evakuiert worden sind, stellte der jüdische Bevölkerungsanteil also ca. vier Fünftel aller Evakuierten dar![3]
Zionistische Meldungen, die von einer Bevorzugung der Juden durch die Sowjets bei der Evakuierung nach Osten sprechen, sehen sich auch im Falle Minsks bestätigt. Als Minsk innerhalb weniger Tage nach Kriegsausbruch eingenommen wurde, fand General Halder nur 100.000 der früheren 240.000 Einwohner (1939) vor; der Rest war entweder geflohen, evakuiert oder deportiert worden[4]. Kube, der deutsche Reichskommissar für Weißrußland, meldete, daß außer einigen Tausend alle Minsker Juden die Stadt mit der Roten Armee verlassen hatten[5]. Vor dem Krieg soll Minsk annähernd 90.000 Juden beherbergt haben[6]. Nimmt man einmal an, daß mit den Worten »einigen Tausend« die Zahl 5.000 gemeint gewesen ist, dann ergibt sich für Minsk folgendes Bild: ca. 60 % aller Evakuierten (85.000 von 140.000) waren Juden, obwohl sie nur 38 % der Bevölkerung darstellten; die jüdische Bevölkerung wurde fast in ihrer Gesamtheit entfernt, dagegen nur etwas mehr als ein Drittel der restlichen Bevölkerung.
Ein Sowjetunion-Spezialist, Joshua Rothenberg von der Brandeis Universität/USA, sagt gerade heraus: »Die Masse der jüdischen Bevölkerung im [deutsch] besetzten Gebiet entzog sich der Vernichtung durch die Flucht vor der Ankunft der erobernden [deutschen] Armeen[7].
Von Libau berichtet die Judaica, daß es den meisten der dort lebenden Juden - mehr als 7.000 - gelungen sei, vor der Besetzung der Stadt (28.6.1941) durch deutsche Truppen zu entkommen. Auch in Litauen, das innerhalb einer Woche vom sowjetischen Joch befreit wurde, konnte eine beträchtliche Zahl der Juden noch während der deutschen Invasion ins Innere der Sowjetunion entfliehen[8].
In Baranowitz, eine Stadt mit einem sehr hohen jüdischen Bevölkerungsanteil, blieben nur 10 % der Bevölkerung zurück, obwohl auch diese Stadt schon in den ersten Tagen der Kampfhandlungen besetzt wurde[9]. Witebsk, das vor dem Krieg 100.000 Juden beherbergte, wurde, als das deutsche Heer einrückte, von nicht mehr als 22.000 Juden bevölkert, schreibt der Sowjetjude und Schriftsteller David Bergelson vom Jüdischen Antifaschistischen Komitee in der Moskauer Zeitung Eynikeyt vom 5.9.1942[10]. Reitlinger, der die jüdische Bevölkerung des sowjetischen Weißrußland (Grenzen von 1941) auf 861.000 schätzt, meinte, die Deutschen hätten aber nur 172.000 ausfindig machen können[11].
Kischinew in Bessarabien wurde von den Achsenmächten am 17.7.1941 besetzt. Von den 70.000 Juden dieser Stadt fand die am 16.8.1941 durchgeführte rumänische Zählung aber nur 201[12]. Von der nicht-jüdischen Bevölkerung waren anscheinend etwa 15.000 deportiert worden; dies entspricht einer Deportationsziffer von «nur» 20-25 %. Insgesamt hatten die Sowjets von den 200.000 Juden Bessarabiens alle bis auf 6.882 evakuiert, weniger als 5 % sind also zurückgeblieben[13].
Ähnlich war es in der Ukraine in der grenznahen, weitgehend von Juden bewohnten Stadt Nowograd-Volynsk, wo ebenfalls nur noch ca. 10 % der Bevölkerung vorhanden waren, als deutsche Truppen sie am 25.6.1941 besetzten. In bezug auf Kiew berichtete das Institut: »In Kiew hatte praktisch die gesamte jüdische Jugend die Stadt mit der Roten Armee verlassen. Nur Ältere blieben zurück«[14].
Die zionistischen Quellen sind sich gleichfalls darüber einig, daß auch schon einige Zeit vor Kriegsausbruch mit der Evakuierung oder Deportation der baltischen Juden und einheimischen Bevölkerungsteile begonnen wurde. Das Institut datierte die in Litauen von den Sowjets durchgeführten Massenarreste und -deportationen auf zehn Tage vor Beginn der Feindseligkeiten[15]. Die Judaica erklärt, »die Zeit vor dem deutschen Angriff auf Litauen war durch Deportationen nach Sibirien gekennzeichnet. ... Mitte Juni 1941, also eine Woche vor Ausbruch des deutsch-sowjetisehen Krieges, wurde eine große Zahl der Einwohner, einschließlich Juden, hastig abtransportiert ..«[16]. Und das Year Book beklagte sich: »Die Evakuierung der baltischen Juden wurde erst eine Woche vor der eigentlichen Invasion begonnen«[17]. Deutsche Ermittlungen nach der Eroberung der baltischen Länder bestätigen diese zionistischen Meldungen. Es stellte sich heraus, daß die Sowjets schlagartig in der Nacht vom 13. zum 14. Juni 1941 massenweise Verhaftungen, Verschleppungen und Morde einleiteten, die sich bis zur Befreiung dieser Länder durch die deutsche Wehrmacht fortsetzten[18].
Wenn also in Städten wie Dnjepropetrowsk von den dort lebenden 100.000 Juden nur 20.000 zürückblieben[19] - deutsche Berichte allerdings sprechen von weniger als 1.000[20] -, dann ist dies in Anbetracht der sowjetischen Vorbereitungen für einen Massenabtransport im Kriegsfalle und des zeitlichen Intervalls bis die deutschen Truppen die größeren Städte erreicht hatten, nicht weiter verwunderlich. Ebenso wenig überrascht die Tatsache, daß Melitopol und Mariupol - zwei größere Städte am Asowschen Meer, die von deutschen Einheiten in einer Überraschungsaktion besetzt wurden und die dadurch nur ungefähr ein Viertel ihrer Gesamtbevölkerung eingebüßt hatten - im einen Fall nur 18 % ihrer jüdischen Vorkriegsbevölkerung aufwiesen und im anderen die jüdische Einwohnerschaft gänzlich verschwunden war[21].
Was aber ganz besonders auffällt, ist, daß sogar in den ganz westlich gelegenen Städten, die oft einen ausgesprochen jüdischen Charakter hatten, die jüdische Bevölkerungsschicht fast gänzlich verschwunden war. Dies war nur deshalb rnöglich, weil, wie zionistische Quellen belegen, die Evakuierungsmaßnahmen schon lange vor Kriegsausbruch angelaufen waren und das sowjetische Räumungsprogramm auch noch eine Evakuierung oder Deportation zuließ, als der deutsche Angriff in vollem Gang war.
Ausschlaggebend war dabei sicher auch der hohe Grad der Verstädterung und Konzentration der jüdischen Bevölkerung. In der »Alt«-Ukraine wohnten allein 39 % der Juden in nur vier Großstädten - Kiew, Odessa, Charkow und Dnjepropetrowsk[22]; keine dieser vier Städte wurde vor 71/2 Wochen nach Kriegsausbruch besetzt oder eingeschlossen. Insgesamt lebten 1939 85,5 % der jüdischen Bevölkerung der Ukraine in den Städten; in Weißrußland waren es sogar 87,8 %.
Dazu kommt, wie das Institut bekundet, daß der evakuierte Personenkreis aus Beamten und Funktionären, Facharbeitern und Angestellten zusammengesetzt war, also eine Bevölkerungsgruppe, die einen überproportional großen jüdischen Anteil aufwies[23].
Kein Wunder also, wenn David Bergelson Ende 1942 erklärte, daß 80 % der Juden aus den von den Deutschen besetzten Gebieten entkommen sind. Wörtlich schreibt er in der Moskauer Eynikeyt vom 5. Dezember 1942 (!), immerhin 11/2 Jahre nach Kriegsausbruch, weiter: »Die Evakuierung hat die entscheidende Mehrheit der Juden der Ukraine, Weißrußlands, Litauens und Lettlands gerettet. Nach Informationen aus Witebsk, Riga und anderen Großstädten, die von den Faschisten erobert wurden, blieben dort nur wenige Juden zurück, als die Deutschen eindrangen. ... Dies bedeutet, daß die Mehrheit der Juden dieser Städte noch rechtzeitig von der Sowjetregierung gerettet wurde«[24].
Der sowjetisch-jüdische Dichter Itzik Feffer stellte während des Krieges in New York in aller Form fest, daß die Rote Armee »einige Millionen Juden gerettet habe«! Laut Eynikeyt vom 15.3.1943 berichtete D. Zaslavsky auf einer Plenarsitzung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees: »Die Rote Armee hat das jüdische Volk in der kritischsten Stunde seiner Geschichte gerettet«[25].
Auch die Tatsache, daß in den Städten, für die jüdische Evakuierungsziffern gesichert werden konnten, teilweise beträchtlich mehr als 80 % der jüdischen Bevölkerung verschwunden waren - z. B. Baranowitz, Libau, Nowograd-Volynsk, Minsk, Kischinew -, obwohl diese Städte innerhalb weniger Tage nach Eröffnung der Feindseligkeiten vom deutschen Heer besetzt worden waren, deutet auf eine fast totale Evakuierung durch die sowjetischen Behörden. In diesem Zusammenhang sei auch auf die im dritten Kapitel gemachte Feststellung hingewiesen, daß die Evakuierungszahlen der baltischen Städte deutlich unter denen der slawischen Städte lagen. Bemerkenswert war der enge Zusammenhang zwischen dem Prozentsatz der Evakuierungs- bzw. Deportationsverluste der städtischen Bevölkerung und dem Anteil nationaler Minderheiten innerhalb dieser Städte. Auf Karte 2 ist der jüdische Bevölkerungsanteil für einzelne sowjetische Städte - soweit auffindbar - festgehalten. Auffallend ist auch hier, daß gerade in dem Mittelabschnitt, wo ein ausgesprochen hoher Prozentsatz der Bevölkerung der Städte vor dem Eintreffen der deutschen Truppen evakuiert worden war (vgl. Karte 1), auch der jüdische Bevölkerungsanteil außerordentlich hoch gewesen ist.
Die Evakuierung Wolhyniens
Der Generalbezirk Wolhynien-Podolien im RK Ukraine umfaßte neben den »alt«-sowjetischen Gebieten in Podolien auch die frühere polnische Wojewodschaft Wolhynien und den größten Teil der Wojewodschaft Polesien. Nördliche Teile Polesiens waren jedoch dem RK Ostland einverleibt worden. Das einzige Gebiet, für das ziemlich vergleichbare Bevölkerungsziffern für die Zeit vor und nach der deutschen Besetzung vorliegen, ist Wolhynien.
Das im Generalbezirk Wolhynien-Podolien des RK Ukraine erfaßte Territorium des ehemaligen polnischen Wolhynien schloß die Gebiete Dubno, Gorochow, Kostopol, Kowel, Luck, Kremianez, Lubomil, Rowno, Sarny und Wladimir-Volynsk ein[26]; für dieses Gebiet wies die polnische Volkszählung vom 9.12.1931 eine Gesamtbevölkerung von 2.085.574 aus, einschließlich 207.792 Juden[27].
Die Geburtenziffer der nicht-jüdischen Bevölkerung bewegte sich seit Jahren bei 2,7 % oder leicht darüber, während die der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1931 nur noch 1,8 % erreichte - ein Rückgang um 33 % seit Anfang der 20er Jahre. Setzt man eine Sterbeziffer von 1,2 % dagegen, dann ergibt sich im Jahre 1931 ein Geburtenüberschuß von 1,5 % für die nicht-jüdische und 0,6 % für die jüdische Bevölkerung. Man kann davon ausgehen, daß dieser Geburtenüberschuß im Laufe der wirtschaftlichen Krise der 30er Jahre weiter zurückging; dies trifft insbesondere für die jüdische Bevölkerung zu. Für die Zeit ab 1932 sollte man deshalb durchschnittliche natürliche Bevölkerungsveränderungen von 1,4 % bzw. 0,5 % zugrunde legen.
Weiterhin wurde schon im ersten Kapitel auf die enorme Auswanderung jüngerer Juden männlichen Geschlechts in der Zwischenkriegszeit hingewiesen. Zwischen 1932 und 1939 errechnet sich für die jüdische Bevölkerung insgesamt ein Auswanderungsverlust von ca. 15 %. Zwar gibt es keine genauen Daten darüber, ob diese Auswanderungsverluste unter den ostpolnischen Juden ebenso hoch lagen, jedoch zeigt das noch ungünstigere Mann/Frau-Verhältnis von 86 zu 100 (nach Berichtigung für Militärangehörige) unter den 15- bis 29jährigen der Wojewodschaft Wolhynien, daß die Auswanderung unter den Juden Ostpolens möglicherweise noch höher lag als bei den polnischen Juden insgesamt, jedenfalls aber nicht niedriger.
Aus Tabelle 8 kann man die Aufgliederung der Bevölkerung Wolhyniens, wie von der polnischen Volkszählung ermittelt, sowie eine Berichtigung der Bevölkerungsziffern für den nach 1931 eingetretenen Geburtenüberschuß und die jüdische Auswanderung entnehmen. Beide Bevölkerungsteile wurden außerdem nach Altersgruppen aufgegliedert, um die für die spätere sowjetische Wehrpflicht in Frage kommenden Jahrgänge gesondert herauszustellen. Auf dieser Berechnungsgrundlage sind 1942 unter »normalen« Umständen in Wolhynien 2.374.663 Einwohner zu erwarten gewesen, einschließlich 186.585 Juden und 585.134 männlicher Einwohner (jüdisch und nicht-jüdisch) der Jahrgänge 1897-1926.
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Tabelle 8: Entwicklung der Bevölkerung Wolhyniens: 1931 bis zur deutschen Besetzung |
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Gesamtbevölkerung |
Nicht-Juden |
Juden |
|||||
| Jahrgänge |
Summe |
Männlich |
Weiblich |
Männlich |
Weiblich |
Männlich |
Weiblich |
|
A) Lt. Polnischer Volkszählung vom 9.12.1931: |
||||||||
| Jahrgänge 1897-1926 |
1.217.412 |
595.630 |
621.782 |
539.427 |
559.007 |
56.203 |
62.775 |
|
| Andere Jahrgänge |
868.162 |
425.418 |
442.744 |
382.515 |
396.833 |
42.903 |
45.911 |
|
| Insgesamt |
2.085.574 |
1.021.048 |
1.064.526 |
921.942 |
955.840 |
99.106 |
108.686 |
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B) Bevölkerungsstand nach Berichtigung für Geburtenüberschüsse von 1931 bis 1942 (1,4 % bzw. 0,5 % p.a. für nichtjüdische und jüdische Geburtenüberschüsse): |
||||||||
| Jahrgänge 1897-1926 |
1.217.412 |
595.630 |
621.782 |
539.427 |
559.007 |
56.203 |
62.775 |
|
| Andere Jahrgänge |
1.190.176 |
586.425 |
603.751 |
537.663 |
551.981 |
48.762 |
51.770 |
|
| Insgesamt |
2.407.588 |
1.182.055 |
1.225.533 |
1.077.090 |
1.110.988 |
104.965 |
114.545 |
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C) Bevölkerungsstand nach Berichtigung für die jüdische Auswanderung von 1932 bis 1939, wobei zwei Drittel den Jahrgängen 1897-1926 und ein Drittel den anderen Jahrgängen angerechnet wurden: |
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| Jahrgänge 1897-1926 |
1.195.461 |
585.134 |
610.327 |
539.427 |
559.007 |
45.707 |
51.320 |
|
| Andere Jahrgänge |
1.179.202 |
581.177 |
598.025 |
537.663 |
551.981 |
43.514 |
46.044 |
|
| Insgesamt |
2.374.663 |
1.166.311 |
1.208.352 |
1.077.090 |
1.110.988 |
89.221 |
97.364 |
|
Quelle: Drugi Powszechny Spis Ludnogci Z Dn. 9.XII 1931 R.; Mieszkania 1 Gospodarstwa Domowe. Ludnogé. Stosunki Zawodow; Wojewödztwo Wolyiiskie; Glowny Urzed Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej, Statystyka Polski, Seria C, Zeszyt 70 (Deuxième Recensement Général de la Population du 9 Décembre 1931; Logements et Ménages. Population. Profession, Warschau 1938. |
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Die deutschen Ermittlungen ergaben aber per 1. 1. 1943 nur 1.984.406 Einwohner[28]; über 16 % oder 390.257 fehlten also. Da in der für den 1.1.1943 ermittelten Bevölkerungszahl auch die schon während des Krieges aus deutscher Kriegsgefangenschaft entlassenen ehemaligen Angehörigen der Roten Armee enthalten waren, muß die tatsächliche Vermißtenzahl gleich nach der Eroberung durch deutsche Truppen in der ersten Woche nach dem 22.6.1941 noch um einiges höher gewesen sein! Die Frage ist, welche Nationalitäten oder welche Jahrgänge wohl den Hauptteil dieser 390.257 Vermißten ausmachten.
Wenn, wie heute oft behauptet wird, die Sowjets infolge der schnellen deutschen Vorstöße gar nicht in der Lage waren, die Zivilbevölkerung zu evakuieren, dann müßten alle oder der überwiegende Teil der 390.257 Vermißten den damals wehrpflichtigen jungen Männern der Jahrgänge 1897-1926 zugerechnet werden. In diesem Fall können von den 585.134 dieser Altersgruppe nur ca. 200.000 zurückgeblieben sein; die Mehrheit, oder zwei Drittel der Männer dieser Gruppe, wäre somit von den sowjetischen Behörden mitgenommen worden. Auf alle Altersgruppen bezogen, hätten die Sowjets ein Drittel der gesamten männlichen Bevölkerung vor ihrem Rückzug mitgeschleppt; anstatt wie früher mit 49 % wäre das männliche Geschlecht nur noch mit 39 % an der Zivilbevölkerung vertreten gewesen.
Eine solche Interpretation widerspricht der Tatsache, daß -obwohl deutsche Berichte zwar von großen Lücken in der männlichen Bevölkerung der besetzten Ostgebiete sprechen - ein derartiges Ausmaß einer Verschleppung der wirtschaftlich aktivsten Bevölkerungsgruppe nirgends erwähnt wird.
Weiterhin haben die deutschen Zählungen in den baltischen Ländern, die genau wie Ostpolen erst kurz vor dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges zum sowjetischen Machtbereich kamen, die zurückgebliebene Bevölkerung auch geschlechtermäßig erfaßt und dabei festgestellt, daß zwar Tausende von Familien von den Sowjets vor dem Eintreffen der deutschen Verbände nach Osten verschickt worden waren, die Mehrzahl der Verschleppten aber männlichen Geschlechts war.
Trotzdem hat der männliche Anteil der baltischen Bevölkerung nach der deutschen Besetzung immer noch knapp über 46 % betragen[29] und dies, obwohl große Teile des Baltikums, insbesondere Estland, erst Wochen, nachdem Wolhynien schon besetzt war, erobert wurden.
Die Sowjets deportierten vor allem städtische Minderheiten - und zwar familienweise - , die zu den Trägern einer industriellen Gesellschaft gehörten; in Wolhynien war dies hauptsächlich die städtische jüdische Bevölkerung. Die enormen Evakuierungsziffern für die ehemaligen ostpolnischen Städte - z.B. Brest-Litowsk, Wladimir-Volynsk, Kowel, Baranowitz, Luck, Rowno, Sdolbunow und Pinsk, die alle zwischen 25 und 90 % Evakuierte aufwiesen (Tabelle 6) und, unter Berücksichtigung eines seit 1931 eingetretenen Wachstums der städtischen Bevölkerung, zusammen im Schnitt weit über 50 % Evakuierungsverluste erlitten -machen deutlich, daß die ca. 400.000 Vermißten Wolhyniens nicht überwiegend unter den wehrpflichtigen männlichen Jahrgängen zu suchen sind.
Alles spricht dafür, daß die oben angegebenen städtischen Evakuierungsziffern für die ehemaligen ostpolnischen Städte typisch waren. Zählt man zu der seit 1931 möglicherweise um 50.000 angewachsenen städtischen Bevölkerung Wolhyniens noch die Bevölkerung der jüdischen »Schtetls«, dürfte die gesamte Stadt- und »Schtetl«-Einwohnerschaft dieser ehemaligen polnischen Wojewodschaft Mitte 1941 etwa 400.000 betragen haben, von denen mehr als 200.000 von den Sowjets verschleppt wurden.
Die geschlechtermäßige Zusammensetzung der Bevölkerung Wolhyniens dürfte nach der deutschen Besetzung in etwa der der baltischen Bevölkerung entsprochen haben; deren Mann/Frau-Verhältnis war 46 zu 54. Die in Wolhynien zurückgebliebene Bevölkerung gliederte sich vor und nach der deutschen Besetzung somit wie folgt auf:
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Gesamt | (%) | Männlich | (%) | Weiblich | (%) |
| Vor der Besetzung | 2.374.663 | (100) | 1.166.311 | (49) | 1.208.352 | (51) |
| Nach der Besetzung | 1.984.406 | (100) | 912.827 | (46) | 1.071.579 | (54) |
| Vermißte | 390.257 | (100) | 253.484 | (65) | 136.773 | (35) |
Die Frage ist nun, wie sich diese Vermißtenzahl zwischen Juden und Nicht-Juden aufgeteilt haben mag. Zwischen 1931 und Kriegsbeginn hatte sich die Verstädterung in Ostpolen wie überall fortgesetzt; andererseits war eine große Zahl ostpolnischer Juden ausgewandert. Während die jüdische Bevölkerung Wolhyniens 1931 daher noch ca. 50 % der Stadtbevölkerung stellte, war dies bei Kriegsbeginn kaum noch der Fall; ihr Anteil muß wesentlich geringer gewesen sein. Dagegen ist bekannt, daß der Anteil der Evakuierten unter den Juden ungleich höher war als bei den anderen Bevölkerungsgruppen.
Der große Anteil der Frauen an der Vermißtenzahl (35 %) weist auf eine Evakuierung von Zehntausenden Familien hin. Die davon betroffene Bevölkerungsgruppe dürfte vor allem unter der Intelligenz, den Handwerkern, Ärzten, Angestellten, Facharbeitern usw. zu suchen sein, also einer Schicht, die an sich schon einen großen, wenn nicht vielleicht mehrheitlich jüdischen Anteil in Wolhynien hatte. Weiterhin dürfte die Bereitwilligkeit zur Evakuierung bei den jüdischen Familien Wolhyniens ebenfalls beträchtlich größer gewesen sein als bei den polnischen oder ukrainischen.
im Hinblick auf das in sowjetischen Städten geradezu groteske Verhältnis zwischen evakuierten Juden und Nicht-Juden - z.B. Minsk, Schitomir, Libau, Dnjepropetrowsk - und auf die politische Unzuverlässigkeit der polnischen und ukrainischen Bevölkerungsschichten Wolhyniens wäre es in der Tat verwunderlich, wenn von den 136.773 vermißten bzw. evakuierten weiblichen Zivilisten - hauptsächlich Stadtbewohnern - weniger als 60 % der jüdischen Gruppe angehört hätten, ganz besonders, da beinahe 50 % der Stadtbevölkerung jüdisch war. Setzt man dem einen männlichen Anteil entsprechend der Zusammensetzung der jüdischen und nicht-jüdischen Vorkriegsbevölkerung gegenüber und subtrahiert die auf diese Weise ermittelten evakuierten Familienangehörigen von der Gesamtzahl der Vermißten von 390.257, dann erhält man einen Restbestand von 125.243 vermißten Einwohnern Wolhyniens, die mehrheitlich den wehrpflichtigen männlichen Jahrgängen angehörten und wahrscheinlich direkt vom flachen Land in die Rote Armee eingezogen wurden. Im einzelnen ergibt sich folgendes Bild:
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Bevölkerung |
davon: | ||||
|
Vermißte |
(%) |
Männlich |
Weiblich |
Bevölkerungsgruppe |
|
|
2.374.663 |
390.257 |
(16) |
253.484 |
136.773 |
(weibliche Vermißte: 60% jüdisch, 40% nicht-jüdisch) |
|
186.585 |
157.265 |
(84) |
75.201 |
82.064 |
Jüdische Zivil. |
|
2.188.078 |
232.992 |
(11) |
53.040 |
54.709 |
Nicht-jüd. Zivil. |
|
|
|
|
125.243 |
|
Wehrpflichtige |
|
(Die ermittelte Zahl der Wehrpflichtigen ist natürlich zu niedrig, da die männlichen »Zivilisten« teilweise ebenfalls Rotarmisten darstellen). |
|||||
Über 80 % der jüdischen Bevölkerung Wolhyniens sind demnach evakuiert worden. In Anbetracht der Tatsache, daß in vielen sowjetischen Städten, die in den ersten zehn Tagen von deutschen Truppen erobert wurden, die überwiegende Mehrheit der dortigen Juden mit den sowjetischen Truppen abgezogen war, ist der ermittelte Prozentsatz von mehr als 80 % für die jüdischen Evakuierten im Falle Wolhyniens realistisch. Verglichen mit den »alt«sowjetischen Städten, die einen jüdischen Evakuiertenanteil von über 80 % aufwiesen (Tabelle 9), ist die sowjetische Evakuierung der jüdischen Bevölkerung dieser grenznahen wolhynischen Städte zwar beeindruckend, aber nicht überraschend (vgl. Karte 1).
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Tabelle 9: Sowjetische Evakuierung der jüdischen Bevölkerung |
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Jüdische Bevölkerung |
|||
| Städte |
vor derEvakuierung |
nach derEvakuierung |
Evakuierung |
| Minsk[5/[6] |
90.000 |
5.000 (gesch.) |
94% |
| Schitomir[3] |
50.000 |
6.000 |
88 % |
| Nowograd-Volynsk[14] |
? |
? |
90% |
| Witebsk[10] |
100.000 |
22.000 |
78 % |
| Dnjepropetrowsk[19] |
100.000 |
20.000 |
80 % |
| Nikolajew[30] |
30.000 |
5.000 |
83 % |
| Cherson[30] |
30.000 |
5.000 |
83 % |
| Poltawal[31] |
35.000 |
1.500 |
96 % |
| Odessa |
180.000[32] |
30-60.000[33] |
67-83 % |
| Melitopol[21] |
11.000 |
2.000 |
82 % |
| Charkow |
130.000 (a) |
20.000[31] |
85 % |
| Kirowograd |
18.400 (b) |
6.000[36] |
mind. 67 % |
| Tschernigow |
10.600 (b) |
300[21] |
97 % |
| Mariupol |
7.300 (b) |
keine[21] |
100 % |
| Taganrog |
2.700 (b) |
keine[21] |
100 % |
| Winniza |
21.800 (b) |
}50-62.000[35] |
75-80 % |
| Kiew |
175.000[34] |
||
| Uman |
25.300 (b) |
||
| Berditschew |
28.400 |
||
|
|
1.045.500 |
173-215.000 |
79-83 % (c) |
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Anmerkungen zu Tabelle 9 |
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In den von deutschen und verbündeten Truppen besetzten »alt«-sowjetischen Gebieten lebten vor Kriegsausbruch 2,03 Millionen Juden (Zweites Kapitel). Mehr als die Hälfte war in den in Tabelle 9 aufgeführten Städten konzentriert; davon wiederum fiel weniger als ein Fünftel in die Hand der Achsenmächte. Reitlinger schreibt dazu: »Ins Innere des Landes war nicht nur der größte Teil der drei Millionen Juden der Vorkriegs-Sowjetunion entflohen, sondern auch ein sehr großer Teil der 1.800.000 Juden der annektierten Gebiete. ...in den historischen Städten der vorindustriellen Ukraine - Winniza, Schitomir, Berditschew, Uman, Nikolajew und Cherson - blieb nur ein Viertel oder Fünftel der jüdischen Bevölkerung zurück. Das gleiche gilt für die ungeheueren jüdischen Bevölkerungszentren weiter Östlich, in den Städten am Dnjepr -Kiew, Charkow und Dnjepropetrowsk. Noch weiter Östlich - im Donezbecken, am Kuban und nördlich des Kaukasus -wartete nur ein kleiner Teil der Juden, bis die Deutschen kamen«[37].
Das Bild, das sich hier abzeichnet, bringt zum Ausdruck, daß Wolhynien sich nahtlos in das allgemeine Räumungsprogramm der sowjetischen Führung einfügte. Ganz gleich, ob im Baltikum, im ehemaligen Ostpolen, in Weißrußland oder in der Ukraine, die jüdische Bevölkerung dieser sowjetischen Gebiete war zum überwiegenden Teil entweder schon vor Kriegsausbruch evakuiert worden oder ist mit der sich zurückziehenden Roten Armee mehr oder weniger freiwillig nach Osten ausgewichen. Reitlingers Eingeständnis ist sicher unverdächtig und paßt genau zu den Evakuierungsziffern für die jüdische Bevölkerung der in Tabelle 9 aufgeführten »alt«-sowjetischen Städte.
Die Tatsache, daß das Siedlungsgebiet der verstädterten sowjetischen Juden bei Kriegsbeginn immer noch überwiegend in der westlichen Sowjetunion konzentriert war, wirkte sich keineswegs negativ auf die sowjetischen Bemühungen, insbesondere die jüdische Bevölkerung nach Osten mitzunehmen, aus. Im Gegenteil, da der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung nach Westen ziemlich rasch abnahm und die Masse der Industrie in der Östlichen Ukraine angesiedelt war, konnten sich die Sowjets der Evakuierung der Stadtbevölkerung der westlichen Gebiete noch gründlicher widmen.
Für die Ermittlung der Zahl der Zurückgebliebenen ist Reitlingers Zahlenmaterial recht aufschlußreich. Unter Angabe von zahlreichen Beispielen mit entsprechenden Evakuierungsziffern schreibt er, daß »der größte Teil« (»the bulk«) der Juden der Vorkriegs-Sowjetunion entkommen sei. Da ein Drittel der in der sowjetischen Volkszählung von 1939 ermittelten Juden außerhalb des von deutschen Truppen im Laufe des Krieges besetzten Gebietes lebte, sind also nur absolut und relativ wenige der restlichen Juden der Vorkriegs-Sowjetunion in deutsche Hände gefallen. Auch von den von ihm mit 1,8 Millionen angegebenen Juden in den annektierten Gebieten ist, wie er sagt, »ein sehr großer Teil« dem deutschen Zugriff entronnen. Die Schlußfolgerung ist daher zwingend, daß Reitlinger selbst die Zahl der in deutsche Hand geratenen Juden in der Sowjetunion unter einer Million sieht. Damit steht Reitlinger eigentlich in ziemlich krassem Widerspruch zur gewöhnlichen Nachkriegsliteratur über die sowjetischen Juden.
In den von deutschen und verbündeten Truppen im Laufe des Krieges besetzten Gebieten lebten Anfang 1941 3.646.000 Juden (s. zweites Kapitel). Wenn davon nur 80 % evakuiert wurden, entspricht dies einer Zahl von 2.877.000. Von den 3,61 Millionen in Abzug gebracht, sind also 720.000 nach dem Rückzug der Roten Armee zurückgeblieben. In diesem Zusammenhang ist der Bericht von Arthur Raymond Davies, einem kanadisch-jüdischen Journalisten, interessant, der während des Zweiten Weltkrieges in der Sowjetunion als Korrespondent arbeitete und seine Eindrücke und Erfahrungen nach dem Krieg in New York veröffentlichte. Neben seinen lobenden Worten über die Tapferkeit der jüdischen Rotarmisten und Partisanen, erwähnte er eine im Herbst 1944(!) stattgefundene Plenarsitzung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, auf der dessen Sekretär Shachne Epstein von der Evakuierung von 3,5 Millionen Juden aus den von den deutschen Truppen im Laufe des Krieges besetzten sowjetischen Gebieten berichtete[40]. Auch Epsteins 3,5-Millionen-Evakuierungsziffer, die wohl auch die im Frühjahr 1940 nach Sibirien deportierten jüdischen Flüchtlinge aus Polen - ca. eine dreiviertel Million - miteinschloß, deckt sich also ziemlich genau mit unseren Berechnungen über die Zahl der von sowjetischen Machthabern bis 1941 und 1942 evakuierten Juden.
Außerdem muß an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen werden, daß die 720.000 zurückgebliebenen Juden größten Teils den älteren Jahrgängen angehörten, da die Sowjets wenig Interesse an der Evakuierung zusätzlicher Esser hatten und da, Zeugenberichten zufolge, viele »ältere Juden, die die deutsche Armee schon während des Ersten Weltkriegs kennengelernt hatten, der Ansicht waren, mit den Deutschen besser auskommen zu können als mit den Sowjets«[41]. Die natürliche Sterberate einer Bevölkerungsgruppe, die überwiegend aus älteren Leuten bestand, war offensichtlich unvergleichlich höher als bei einer normalen Altersstruktur. Dies sollte man bei der Betrachtung jener Ereignisse mitberücksichtigen, insbesondere da in diesem Fall so gut wie keine Geburten möglich waren.
Ein großer Teil der ca. 700.000 zurückgebliebenen sowjetischen Juden hat den Krieg sicher nicht überlebt. Die Altersstruktur allein muß sich in einer beträchtlichen negativen natürlichen Entwicklung niedergeschlagen haben. Die extrem harten, oft fanatischen Kämpfe zwischen deutschen und sowjetischen Truppen spielten sich außerdem zum größten Teil in und um die Städte herum ab; da beinahe 90 % der sowjetischen Juden in den Städten wohnten, ist es wahrscheinlich, daß die zurückgebliebene ältere jüdische Bevölkerung auch überproportional hohe Zivilverluste hinnehmen mußte. Weiterhin fanden nach dem Rückzug der Sowjettruppen in vielen Orten des Baltikums, Weißrußlands und in der Ukraine Pogrome der einheimischen Bevölkerung gegen die Juden statt; erst das harte Eingreifen deutscher und verbündeter Truppen setzte diesem mörderischen Treiben ein Ende[42]. Erschießungen jüdischer Geiseln als Vergeltung wegen Mordtaten an deutschen Soldaten durch die Partisanen[43], unter denen die Juden nach eigenem Eingeständnis sehr stark vertreten waren - nach sowjetischer Statistik wurden 500.000 deutsche Landser von Partisanen ermordet[44] -, waren auch nichts Ungewöhnliches.
Inwieweit die Geiselnahme jüdischer Zivilisten im Sinne einer systematischen Vernichtungsaktion gegen die Juden durchgeführt wurde, steht hier nicht zur Debatte. Man braucht aber nur die einschlägige Literatur der Nachkriegszeit heranzuziehen, um die herausragende Position der Juden im Partisanenkampf gegen die deutsche Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges kennenzulernen. Sogar jener Dr. Robert M.W. Kempner[45] stellt die Geiselnahme als »völkerrechtlich erlaubt« nicht in Frage. Er schreibt: »Geiseln werden in Besatzungszeiten gestellt, um die Bevölkerung besetzter Gebiete von Verbrechen gegen die Besatzungsmacht abzuschrecken«[46]. Letztlich dürften Hunger, Kälte, Epidemien und fehlende ärztliche Betreuung unter den meist älteren verbliebenen Juden viele Opfer gefordert haben.
Der Zionist Gregor Aronson berichtet, der Sowjetjude Lev K. Zinger habe in seinem jiddisch verfaßten Buch Dos Oifgekumene Folk, Moskau, 1949 gemeldet, daß Anfang 1946 Zehntausende von Juden die verschiedenen größeren und kleineren Städte der Ukraine, Weißrußlands, der Moldau, Lettlands und Litauens bevölkerten; er nannte folgende Städte[47]:
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Charkow |
30.000 |
| Dnjepropetrowsk |
50.000 |
| Odessa |
80.000 |
| Mogilew-Podolsk |
3.000 |
| Nowograd-Volynsk |
3.000 |
| Malin |
1.000 |
| Tschernowitz |
70.000 |
Reitlinger, der sich auf die Moskauer jüdische Zeitung Eynikeyt beruft, erwähnt die gleichen Zahlen für Odessa und Dnjepropetrowsk, aber außerdem noch
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Kiew |
100.000 |
| Winniza |
14.000 |
| Schitomir |
6.000 |
und bemerkt anschließend, »diese Zahlen wurden zu einer Zeit veröffentlicht, als die große Rückwanderung aus dem Innern des Landes erst begonnen hatte«[48]. Interessant ist außerdem, daß die jüdische Bevölkerungszahl Schitomirs im Jahre 1946 genau den im Jahre 1941 zurückgebliebenen Juden entspricht[49].
Mit anderen Worten, diese nur auszugsweise aufgeführten Städte, die allein schon ca. 360.000 Juden in den früher deutsch besetzten Teilen der Sowjetunion ausweisen, stellen zu einem überwiegenden Teil diejenigen Juden dar, die den Krieg und die deutsche Besatzung überlebten. Weiterhin ist eine Rückwanderung wohl nur so zu verstehen, daß diese Menschen vorher geflohen waren oder von den Sowjets deportiert wurden; auch hier also widerspricht Reitlinger der gängigen Version, der zufolge der schnelle deutsche Vormarsch eine nennenswerte Flucht der sowjetischen Juden unmöglich gemacht habe.
Wie groß die Zahl der Juden in den westlichen Teilen der Sowjetunion war, als die Rote Armee das Land zurückeroberte, wissen wir nicht, doch dieser Auszug von nur zehn Städten mit einer jüdischen Bevölkerung von ca. 360.000 (Anfang 1946 !) sowie die Tatsache, daß andere Provinzen wie z.B. die Moldau, Litauen und Lettland, die Zinger zwar erwähnte, aber nicht spezifizierte, ebenfalls Städte mit vielen Überlebenden beherbergten, deutet ganz klar darauf hin, daß die große Masse der unter deutsche Herrschaft gekommenen dreiviertel Million Juden den Krieg überlebt hat.
Wie hoch die Verluste unter den zurückgebliebenen sowjetischen Juden veranschlagt werden müssen, ist sicher umstritten. Auf Grund der Altersstruktur kann man wohl davon ausgehen, daß die in deutsche Hand gefallene, überwiegend aus älteren Menschen sich zusammensetzende jüdische Bevölkerung einen natürlichen Sterbeüberschuß von mindestens 3 % pro Jahr verzeichnete[50]; in drei Jahren entspricht dies einer natürlichen Reduzierung um ca. 65.000. Damit würde die ohnehin mit 720.000 wahrscheinlich zu hoch angesetzte zurückgebliebene jüdische Bevölkerung auf 655.000 verringert. Verluste durch schon oben angeführte Einwirkungen, sowie durch Teilnahme an den völkerrechtswidrigen Partisanentätigkeiten gegen die deutsche Wehrmacht, lassen eine weitere Schrumpfung um ca. 10 %, oder 65.000, auf 590.000 möglich erscheinen. Wenn daher Anfang 1946 360.000 Juden in nur zehn Städten wiedergefunden wurden und außerdem noch viele Tausende nicht näher genannte jüdische Einwohner in anderen während des Krieges besetzten sowjetischen Städten überlebten, scheint die Zahl von 590.000 überlebenden Juden nach dem deutschen Rückzug realistisch.
Noch schlimmer spielte das Schicksal den im sowjetischen Herrschaftsbereich lebenden Juden mit. Unter den 750.000 polnisch-jüdischen Flüchtlingen erlagen 150-250.000 den Strapazen auf dem Weg nach Osten und Norden. In Asien angekommen steckten die Sowjets die Überlebenden in Arbeits- und Konzentrationslager; wie schon erwähnt, gehörte zu diesen Unglücklichen auch Menachem Begin, der nachmalige jüdische IRGUN-Terrorist in Palästina und spätere Friedensnobelpreisträger.
Sogar die im Jahre 1943 schon sehr sowjetfreundliche Universal spricht von »Sibirien, wo sie großen Strapazen ausgesetzt waren«[51]. Etwas deutlicher war das Joint Distribution Committee, das den jüdischen Gestrandeten in Sibirien und im russischen Norden während des Krieges einige Zeit mit Lebensmitteln und Medikamenten zu Hilfe eilte. In dessen Bulletin vom Juni 1943 teilt es uns mit, daß die Überlebenden der Deportationen weitere Entbehrungen auf sich nehmen mußten: »Die [sowjetische] Regierung gibt den Flüchtlingen täglich nur ein halbes bis ganzes Pfund Brot. ... Lebensmittel können nur im Tausch gehandelt werden. Geld hat seinen Wert verloren«[52].
Ganz abgesehen von der Einseitigkeit dieser »Verpflegung« erhielten die geplagten Menschen also weniger als ein Drittel der zum Überleben nötigen Kalorien, und das bei den unmenschlichen Verhältnissen sibirischer Konzentrations- und Arbeitslager. Der jüdische Publizist Reitlinger stellte dazu trocken fest: Am südlichen Sibirien war die Sterblichkeit unter den ...Juden sehr hoch«[53].
Wenn also 1945/1946 nur 157.500 dieser polnisch-jüdischen Flüchtlinge aus Sibirien nach Polen zurückkehrten, kann man ahnen, welch furchtbares Schicksal die jüdischen Deportierten aus Polen unter den Sowjets ereilte. 600. 000 sind verschwunden. Auch wenn man die wenigen dagegen anrechnet, die es unvorstellbarerweise vorzogen, in der Sowjetunion zu bleiben, dürfte es die Gesamtzahl der jüdischen Opfer in sowjetischen Arbeitslagern kaum berühren. Der Einwand, die Sowjets hätten die meisten zurückbehalten, ist nicht glaubhaft. Die 157.500 Rückkehrer sind schon bald nach ihrer Ankunft in Polen nach Westen weitergezogen. Von ihnen jedenfalls hätte man es erfahren können, wenn eine größere Anzahl ihrer Leidensgenossen von den sowjetischen Machthabern zwangsweise zurückgehalten wurde. Unseres Wissens aber gibt es in der Nachkriegsliteratur keine Indizien dafür. Alles weist darauf hin, daß 600.000 polnisch-jüdische Flüchtlinge in und auf dem Weg nach Sibirien umkamen[54].
Weitere 2,9 Millionen waren in den Wochen kurz vor und nach Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges von den Sowjets nach Osten evakuiert worden. Das Schicksal dieser Menschen ist unbekannt, doch läßt der Opfergang der jüdischen Flüchtlinge aus Polen auf wenig Gutes schließen. Gewiß, 1940 waren es Ausländer, die sich geweigert hatten, die Staatsbürgerschaft des Arbeiter- und Bauernparadieses anzunehmen und sich aus sowjetischer Sicht auf diese Weise klar als Feinde der ruhmreichen Sowjetunion zu erkennen gaben, während 1941 die eigenen Staatsbürger in »Sicherheit« gebracht wurden. Andererseits zwangen 1941 die Umstände die Sowjets mancherorts zu überstürzten Maßnahmen; das Ziel war schließlich in erster Linie, den Deutschen so wenige ausgebildete Arbeitskräfte wie möglich zu überlassen und, an zweiter Stelle, gute Werktätige für die eigenen Kriegsanstrengungen zu retten. Millionen Menschen in wenigen Wochen über ein ausgedehntes und zudem noch relativ primitives Transportnetz nach Osten zu befördern, konnte nur unter denkbar verlustreichen Umständen durchgeführt werden. Auch diese Menschen erwartete in Sibirien ein Leben voller Entbehrungen und Strapazen.
Wie schlimm es den im Jahre 1941 nach Sibirien evakuierten und deportierten Sowjetbürgern erging, kann man den Worten des sowjetischen Hofhistorikers Telpuchowski entnehmen: »Ein ernstes Problem bildete die Unterbringung der Millionenmassen, die aus den vom Feind besetzten und aus den frontnahen Gebieten evakuiert worden waren, in den Gebieten des Hinterlandes«. Bei der Wiedererrichtung der evakuierten Betriebe »arbeiteten [die verschleppten Menschen] unter offenem Himmel, nicht selten bei Regen und Schneefall. Die elementarsten Wohnbedingungen fehlten; man lebte in Zelten und Erdhütten. Die Ernährung war dürftig. Den ganzen Tag über wurde gearbeitet. Der Arbeitstag dauerte 12-14 Stunden und mehr«[55]. Kommentar überflüssig.
Bezugnehmend auf die in Litauen eine Woche vor dem 22. Juni 1941 einsetzende Massendeportation, schreibt die Judaica, daß die verschleppten Menschen in Zwangsarbeitslager gesteckt und in Kohlebergwerken, beim Holzschlag und anderer Schwerstarbeit eingesetzt wurden[56]. Daß der Tod unter solchen Umständen eine furchtbare Ernte einbrachte, steht außer Zweifel.
Nach ihrer Befreiung vom sowjetischen Joch berichtete die schockierte baltische Bevölkerung von unvorstellbaren Begleiterscheinungen der sowjetischen Deportations- und Evakuierungsmaßnahmen, die am 13./14. Juni 1941 eingesetzt hatten. Ungezählte Tausende wurden ganz einfach erschossen. Wenn der Gesuchte nicht zu finden war, wurde der nächstbeste Familienangehörige oder ein anderer Hausbewohner an seiner Stelle mitgenommen. Die Sowjets steckten die Verhafteten zu 50 bis 60 in Viehwagen, die Männer wurden von den Frauen, die Kinder von den Müttern getrennt. Die Türen und Luftklappen der Waggons wurden vernagelt, es gab keine Bänke. Um die Eingeschlossenen kümmerte sich niemand, es gab weder Essen noch Trinken. Zahllose Menschen starben unterwegs. In einem auf der Station Oger zurückgelassenen Waggon wurden 60 zusammengepferchte Kinder erstickt aufgefunden. Das Vieh wurde besser behandelt als die Menschen[57]. Vereinzelte Verschleppte, die sich zurück nach Estland, Lettland und Litauen durchschlugen, berichteten von furchtbaren Zuständen im sowjetischen Gebiet. In der eisigen Kälte des Nordens und Ostens mußten sie lediglich in den Kleidern und Schuhen arbeiten, in denen sie aus ihren Heimatorten verschleppt worden waren. Jegliche ärztliche Hilfe fehlte und die ständige Unterernährung führte dazu, daß die Menschen massenweise starben[58].
Eine Ziffer für die Gesamtzahl der jüdischen Opfer in Sibirien und Ural einzusetzen, ist aber so gut wie unmöglich. Man darf nicht vergessen, daß die Aussagen westlicher zionistischer Kreise über die jüdischen Verluste in Sibirien kaum objektiv sind. Die Sowjets würden sich niemals moralisch oder finanziell dazu bekennen. Die Versuchung, diese Zahl möglichst niedrig zu halten, liegt auf der Hand; schließlich hatte man in dem besiegten Deutschland einen bequemen Sündenbock, dem man alle vermißten, gefallenen oder von den Sowjets ermordeten Juden zur Last legen konnte.
Einen Eindruck von der Verfassung der jüdischen Rückkehrer aus Sibirien nach Kriegsende vermittelte uns der ungarische Minister in Moskau, Professor Skekfu, der sich 1946 gegenüber Dr. Zoltan Klar vom Rat der Budapester Jüdischen Gemeinde wie folgt geäußert hat: »Diese Leute, die aus Sibirien kommend in Moskau eintrafen, befanden sich in einer verzweifelten Lage; sie waren krank und entkräftet, ausgehungert und ramponiert, in Lumpen, ohne Kleider und sonstige Habe«[59].
Wenn der Zustand der Juden in Sibirien im Jahre 1946 noch so fürchterlich war, wie mögen die Verhältnisse dann wohl während des Zweiten Weltkrieges ausgesehen haben? Man trägt also den Opfern aus der Deportation von 1941 immer noch nicht genügend Rechnung, wenn man von jüdischen Zivilverlusten von insgesamt 700.000 im sowjetischen Herrschaftsbereich ausgeht.
Aber auch der Krieg selbst riß große Lücken in die männliche jüdische Bevölkerung. Von 1939 bis 1942 waren 200.000 Juden in den alliierten Armeen gefallen[60]. Wenn davon die 31.000 gefallenenen polnischen und die unbekannte Zahl der jüdischen Gefallenen in den britischen, französischen und amerikanischen Streitkräften abgezogen werden - in der U.S. Army sollen im Zweiten Weltkrieg 550.000 Juden gedient haben -, dann hatte die Rote Armee in den verlustreichen ersten 11/2 Jahren Krieg gegen Deutschland vielleicht 100-150.000 gefallene jüdische Rotarmisten aufzuweisen gehabt. Jedenfalls berichtete auch die Judaica noch im Jahre 1971, daß 200.000 jüdische Rotarmisten während des Zweiten Weltkriegs »im Kampf« ihr Leben ließen[61].
Den »Verlust« von 157.500 zurückgekehrten polnisch-jüdischen Flüchtlingen nach Kriegsende kompensierten die Sowjets, indem sie dagegen »Gewinne« anderer europäischer Juden verbuchten. Wie noch im Sechsten Kapitel erläutert wird, sind 65.500 ungarische Juden in der Sowjetunion verschollen. Außerdem annektierten die Sowjets 1945 die Karpatho-Ukraine mit einer jüdischen Bevölkerung von wahrscheinlich weniger als 100.000.
Zusammengefaßt sehen die Dinge dann wie folgt aus: Von den 5,3 Millionen Juden, die 1939/1940 in sowjetischer Gewalt waren, haben mindestens 700.000 ihr Leben auf der Deportation nach Osten und in den sibirischen »Unterkünften«, in Arbeits- und Konzentrationslagern verloren. 200.000 fielen als Rotarmisten für das sowjetische Vaterland und weitere 120.000 können durch Kampfhandlungen, Pogrome der einheimischen Bevölkerung, Hunger, Epidemien, Mangel an ärztlicher Betreuung, auf Grund natürlicher Reduzierungen im Zusammenhang mit der ungünstigen Altersstruktur und den im Krieg befindlichen Männern, aber auch durch deutsche Maßnahmen umgekommen sein. Alle diese Einwirkungen können einen Blutzoll von über einer Million abverlangt haben. Es ist daher nicht zu erwarten, daß mehr als 4,3 Millionen Juden den Krieg in der Sowjetunion überlebten - ein Verlust von 20 % gegenüber dem Stand von 1940. Tabellarisch zusammengefaßt sieht die Entwicklung der sowjetisch-jüdischen Bevölkerung wie folgt aus:
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Unter sowjetischer Oberhoheit - 1939/1940 |
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5.337.000 |
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abzüglich: |
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Kriegs- und Deportationsverluste |
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- gefallene jüdische Rotarmisten |
200.000 |
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- Deportations- und Lagerverluste in Sibirien |
700.000 |
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900.000 |
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Verluste auf dem sowjetisch-deutschen Kriegsschauplatz |
130.000 |
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Gesamtverluste |
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1.030.000 |
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Verbleiben |
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4.307.000 |
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Sonstige Veränderungen: |
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Zurückgehaltene ungarische Juden[62] |
65.500 |
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Annektion der Karpatho-Ukraine[62] |
86.000 |
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151.500 |
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Zurückgekehrte polnisch-jüdische Flüchtlinge aus der UdSSR |
157.500 |
6.000 |
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Jüdische Bevölkerung in der Sowjetunion bei Kriegsende - maximal |
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4.301.000 |