2. Die Brutalisierung der alliierten Luftangriffe

Unter Chamberlain beschränkten die Engländer ihre Luftangriffe auf rein militärische Ziele in Deutschland. Erst nachdem Churchill am 10. Mai 1940 Premierminister von England geworden war, änderte sich die englische Luftpolitik. Es wurden nicht mehr vorrangig Zielpunkte angegriffen, sondern man beschritt den einfacheren Weg der rücksichtslosen „Flächenbombardierung" durch Abwurf und Legen von „Bombenteppichen".

Als die Angriffe auf militärische und industrielle Objekte nicht den gewünschten Erfolg brachten, entschloß sich Churchill, nunmehr in erster Linie Wohnsiedlungen anzugreifen. In der am 14. Februar 1942 vom englischen Kriegskabinett erlassenen Direktive wird erklärt: „Es ist beschlossen worden, daß das Hauptziel der Operationen die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, vor allem der industriellen Arbeiterschaft, sein soll. Ihre Aufgabe ist es, die deutsche industrielle Bevölkerung heimat- und mutlos zu machen und sie - soweit möglich -zu töten." (J. M. Spaight, „Bombing vindicated", 1944.) Es ist bemerkenswert, mit welcher Offenheit dieses Kriegsziel hier ausgesprochen wird. Man stelle sich einmal vor, die Deutsche Reichsregierung hätte so etwas von sich gegeben! Es war reiner Vernichtungswille, der nicht mehr die Entscheidung im Kampf der bewaffneten Kräfte suchte, sondern durch systematische Zerstörung von Wohngebieten und Menschenleben von Nichtkombattanten den Widerstandswillen des deutschen Volkes brechen wollte. Diesen Auftrag führte der Luftmarschall Sir Arthur Harris im Sinne des Kriegspremiers Churchill und dessen Berater F. A. Lindemann, als Oberbefehlshaber über das englische Bomberkommando mit brutaler und rücksichtsloser Härte durch. Unter diesen Angriffen kamen viele hunderttausend Menschen, fast nur Frauen, Kinder und ältere Leute, auf grauenvolle Weise ums Leben. Sie wurden von Bomben zerrissen, in Kellern oder zusammenstürzenden Häusern begraben, verbrannten als lebende Fackeln oder erstickten in verschütteten Schutzräumen.

Ihre Zahl ist schwer zu ermitteln. Das Statistische Bundesamt nennt überaus vorsichtig eine Gesamtzahl von 539000 deutschen Zivilisten

233


als Opfer des Bombenterrors. Die Züricher Zeitung „Die Tat" bezifferte am 19. Januar 1955 die Zahl der Toten durch Bombardierung mit 2050000.

Nach zweiundzwanzig Monaten blindlings durchgeführter Experimente mit den Terrorbomben Churchills wurde die Periode der massiven Zerstörung in der Nacht vom 28. zum 29. März 1942 mit einem Angriff auf Lübeck eröffnet (sog. 1000-Maschinen-Schläge). Bei diesem verheerenden Luftangriff wurden etwas weniger als eintausend schwere Bomber eingesetzt; der erste Angriff der Royal Air Force mit mehr als tausend schweren Bombern war in der Nacht vom 30. zum 31. Mai 1942 auf Köln erfolgt.

Im Januar 1943 wurde eine neue Phase eingeleitet, als die amerikanische Luftwaffe mit schweren Bombenangriffen am Tage, die weniger gefährlichen nächtlichen Bomberflüge der RAF unterstützte. In dieser Zeit bis zum Ende des Krieges kam es zu vierhundert kleineren und zu vierzig sehr großen Angriffen. Dabei wurden vier-undvierzig deutsche Großstädte, größere Städte und Ortschaften mehr oder weniger zerstört, teilweise noch in den letzten Tagen vor ihrer Besetzung.

So mancher aus der jüngeren Generation mag fragen: Warum überhaupt derartige Schilderungen? Nun, so lange darf der „alles vernichtende und alle ausrottende Luftkrieg" nicht vergessen werden, bis die bekannte Gegenseite mit ihrem Haß aufhört, immer aufs Neue in allen Massenmedien der Weltöffentlichkeit vorzuspiegeln, nur die Deutschen hätten eine „Vergangenheit zu bewältigen". So werden die Nachgewachsenen dahin manipuliert, im Bombenterror überhaupt kein Thema zu sehen. - Daher hier nur zwei Beispiele, stellvertretend für den Bombenterror des Zweiten Weltkrieges. „Unternehmen Gomorrha" sollte die Millionenstadt Hamburg bis auf den Grund auslöschen, und die alte Hansestadt erlebte die schwerste Katastrophe während ihrer 1000jährigen Geschichte. Denn die Luftangriffe vom 25. Juli bis 3. August 1943 mit über dreitausend Bombern, mit einem bisher nicht bekannten Masseneinsatz von schweren Luftminen, neuesten „Wohnblockknackern", Brandabwurfmitteln aller Art in den dichtbewohnten Stadtbezirken bewirkten eine grauenhafte Ermordung von über sechzigtausend Menschen, Verwundung

234


und Verstümmelung von über hunderttausend, wovon natürlich, wie immer beim Bombenterror, der allergrößte Teil Frauen, Kinder und alte Leute waren. Von militärischen Einwirkungen keine Spur. Die Furchtbarkeit und das Ausmaß dieser Greuel, der allergrausigsten Schreckenszenen müssen unbeschreiblich gewesen sein. Nicht genug damit, wurde Unternehmen „Gomorrha" auch noch ausgedehnt auf die jammervolle, elende Menge von nahezu einer Million Menschen, die aus der Hölle der zerbombten und brennenden Stadt in kleine Nachbarstädte und Dörfer flüchteten, dort erneut bombardiert sowie durch Tiefflieger mit Maschinengewehren einer weiteren Auslöschung unterzogen wurden. (Hans Rumpf, „Der rote Hahn" und Brunswig, „Der Feuersturm über Hamburg".)

Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie hatten sich die Westalliierten auf die Fahnen geschrieben. Müssen nicht die eingesetzten Mittel in etwa dem hehren Ziel entsprechen, oder heiligt auch hier der Zweck die Mittel? Über die entsetzlichen Folgen des von Churchills Chefberater Frederick Lindemann empfohlenen Terrorbombardements deutscher Arbeiterwohnviertel ist folgender Augenzeugenbericht des italienischen Konsuls von Hamburg überliefert:

„Die Phosphorbomben hatten ganze Viertel der Stadt in Brand gesteckt und eine große Zahl von Todesopfern gefordert. Aber Tausende und Abertausende von Unglücklichen, mit brennendem Phosphor übergössen, hatten sich, in der Hoffnung, auf diese Weise das sie verzehrende Feuer löschen zu können, in die Kanäle gestürzt, in den Fluß, in den Hafen, in die Teiche und selbst in die Brunnen der öffentlichen Anlagen. . .

Dort krallten sie sich an die Uferböschung oder an Boote und Kähne fest. Sie hielten sich bis zum Munde unter Wasser getaucht, oder sie hatten sich in den Splittergräben bis zum Hals mit der Erde zuschütten lassen. So warteten die Unglücklichen auf Hilfe, auf irgendein Mittel gegen dieses heimtückische Feuer. Denn Phosphor wirkt in der Art, daß er sich wie ein klebriger Aussatz in die Haut einfrißt und nur bei Berührung mit Luft sofort zu brennen anfängt. Sobald diese Unglücklichen einen Arm aus der Erde oder aus dem Wasser herausstreckten, loderte dieser Arm wie eine Fackel auf. Um sich gegen diese Marter zu schützen, waren die Unglücklichen ge-

235


zwungen, unter Wasser getaucht oder in der Erde eingegraben zu bleiben wie die Verdammten in Dantes Inferno. Rettungskommandos zogen von einem zum ändern und gaben ihnen zu trinken und zu essen. Sie banden sie mit Tauen am Ufer fest, damit sie nicht, von Müdigkeit überwältigt, untergingen und ertranken. Man versuchte es mit Salben. Doch alles war vergeblich. Sobald man einen Arm oder ein Bein oder eine Schulter behandelte, die einen Augenblick aus dem Wasser oder aus der Erde herausgestreckt wurde, leckten die Flammen sofort wieder empor, gleich züngelnden Schlangen, und es gab kein Mittel, um das Weiterfressen dieses brennenden Aussatzes einzudämmen . . .

Bisweilen wurden einige der unschuldig Betroffenen von Verzweiflung übermannt und versuchten, aus dem Wasser oder aus dem Erdloch herauszukommen, um der Qual dieses entsetzlichen Wartens ein Ende zu machen. Doch sogleich, bei der geringsten Luftzufuhr, loderten ihre Glieder in Flammen auf, und grausige Schlägereien begannen zwischen diesen Verzweifelten und ihren Angehörigen, die sich abmühten, die grausigen Körper und Köpfe wieder ins Wasser und in die Erde hineinzudrücken.

Das furchtbarste aber waren die Nächte, wenn die unglücklichen Köpfe mit angsterfüllten Blicken den Himmel betrachteten, aus dem ihre Peiniger gekommen waren und noch immer kamen." (DSZ-Ar-chiv)

Mitte der 30er Jahre erfuhr die Reichsregierung, daß England an einer Vernichtungsbomber-Flotte baute, zum Einsatz gegen das Reich. Darauf schlug der Generalstabschef der Luftwaffe im Dritten Reich, General Wever, vor, ebenfalls für eventuelle Vergeltungsmaßnahmen eine solche Luftflotte zu bauen. Aus Menschlichkeitsgründen bestanden jedoch Hitler und Göring darauf, daß Bombenflugzeuge nur auf die Unterstützung tatsächlicher militärischer Operationen in ihren Einsatz begrenzt sein und niemals zu reinen Mordinstrumenten degradiert werden sollten. Der Gedanke der Menschlichkeit ist in England niemals aufgetaucht. Deutschland, Italien und auch die Sowjetunion begannen den Zweiten Weltkrieg ohne eine derartige Luftflotte. (David L. Hoggan, „Der unnötige Krieg", Seite 593.)

236


Bekanntlich wurde die britische Luftwaffe im Gegensatz zur deutschen bereits ab 1936 in ihrer Zielsetzung für eine strategische Luftkriegführung aufgebaut. Und wenn der Erste Weltkrieg aufgrund von Überlistung der Deutschen Heeresleitung durch die vertrauensvolle Annahme des Vierzehn-Punkte-Programms Wilsons nicht so abrupt geendet hätte, wären schon 1919 britische Bomber über Deutschland erschienen und hätten das Hinterland bombardiert. Die ab 1936 in steigenden Zahlen gebauten schweren mehrmotorigen Bomber hatten nicht nur eine große Reichweite, sondern waren auch in der Lage, eine große Bombenlast zu transportieren. Etwas ähnliches konnte die deutsche Luftwaffe nicht dagegensetzen, die, nach taktischen Gesichtspunkten gebaut, mit einer geringeren Bombenlast auch nicht weit ins gegnerische Hinterland eindringen konnte. Deshalb konnte auch die in Mittelengland liegende Rüstungs- und Flugzeugproduktion nicht wirksam angegriffen werden. Dazu kam, daß bereits im Juni 1940, also anderthalb Jahre vor Amerikas Kriegseintritt, der amerikanische Präsident Franklin Roo-sevelt den Bau von fünfzigtausend strategischen Bombenflugzeugen anordnete, was dafür spricht, daß er schon damals entschlossen war, „dabei zu sein".

Anderthalb Jahre nach der Zerstörung von Hamburg bereiteten die „Christian Soldier" das furchtbarste Einzelmassaker in der Geschichte, den Höhepunkt weiterer Entartung und Brutalisierung des zügellosen Bombenkrieges, den Untergang der abendländischen Kulturmetropole Dresden vor.

Dresden - eine der schönsten Städte Europas - ein Kleinod des deutschen Barock und Rokoko mit berühmten Kunstsammlungen und Gemäldegalerien, unersetzliche Werte der zivilisierten Menschheit, ein Zeugnis deutschen Geistes und deutscher Kultur, fiel einer barbarischen Zerstörungswut zum Opfer.

Einen hemmungslosen Höhepunkt auch dessen, was alliierte Politiker schon Jahre, teils Jahrzehnte vor Hitler verkündet hatten. Wie der Franzose Clemenceau, der „Tiger", sagte: „Es gibt zwanzig Millionen Deutsche zuviel auf der Welt." Ferner von britischer Seite: „Achtzig Millionen fleißige, disziplinierte Deutsche werden immer ein unbequemer Faktor in Europa bleiben."

237


Noch nie ist soviel Blut geflossen, noch nie sind in einer so kurzen Zeit soviel Menschen getötet worden, noch nie wurden mit derart ungeheuerlichen Mengen von Eisen, Feuer und MG-Garben wehrlose, gänzlich unschuldige Menschen unter grausamsten Qualen ermordet! Noch dazu ohne jeden Einfluß auf militärisches Kriegsgeschehen, ganz kurz vor dem genau vorhersehbaren Sieg der Alliierten. „Nur weil es Deutsche waren, die als unbequemer Faktor vernichtet werden mußten." Auch bedeutungslos für die Unterstützung der russischen Front, die ohnehin im sicheren Heranrücken war. Die Stadt, als Lazarettstadt ausgewiesen, war gänzlich schutzlos, da die Flak längst zur Front abgezogen war. Eiskalt geplant, ganz präzise zu dieser Zeit, wurde von den Kreuzzüglern das Fegefeuer, eine unbeschreibliche Hölle, ein infernalischer Auslöschungsschlag über die Flüchtlingsstadt Dresden verhängt. „Obliteration bombings" - Auslöschungsbombardierungen - wie sie ihren Bombenterror auf Zivilisten selbst im Radio nannten!

In wenigen Nachtstunden, am 13. Februar 1945, verwandelte ein britischer Super-Großangriff von tausend viermotorigen, fliegenden Festungen mit Sprengminen, Brand-Phosphor-Flammenstrahlbomben die Stadt mit näherer Umgebung in ein grauenhaftes Flammenmeer, risikolos aus niedrigster Höhe. Nicht genug damit, drei Stunden später kam die zweite Angriffswelle mit gleichstarken Bombengeschwadern, um mit Splitterbomben, mit den überschweren Maschinengewehren und Bordkanonen der Tiefflieger den Rest der flüchtenden zusammengeballten Menschenmassen, grell beleuchtet von den wütenden Bränden, möglichst restlos zu zerfetzen.

Die Straßen in Dresden mit Trecks aus dem Osten, die Bahnhöfe mit Flüchtlingszügen, freie Plätze und Eibwiesen trotz Kälte und Nässe mit Zehntausenden verzweifelter Menschen überfüllt, jedes Haus bis zum letzten Platz besetzt, alles natürlich vornehmlich Frauen, Kinder, ältere und alte Leute, wie immer bei allem Terror. Der Generalstabsplan der Auslöschung ging noch weiter, denn die Rachefurien aus „Gottes eigenem Land" wollten in ihren „Heldentaten" ihren britischen Waffenbrüdern keinesfalls nachstehen. Am nächsten Mittag luden eintausenddreihundertfünfzig viermotorige US-Bomber mit neunhundert Jägern, kurz darauf eine weitere Welle von eintau-

238


sendeinhundert US-Bombern ihre barbarischen Lawinen ab, gaben den Flüchtlingen und der Bevölkerung den Rest und machten Dresden endgültig zur zerstörtesten Stadt aller Kriege, wie die Weltgeschichte nie zuvor eine gesehen hatte.

Dieser Massenmord an schuld- und schutzloser Zivilbevölkerung in einer Stadt mit zahllosen Krankenhäusern und Lazaretten unter Mißachtung des internationalen Symbols des Roten Kreuzes war lähmend, grauenhaft, einmalig und fassungslos unsinnig, da der Krieg ohnehin in aller Kürze für uns Deutsche verloren war, aber eben noch nicht genug Deutsche ermordet waren, die „einen unbequemen Faktor in Europa darstellten"!

Die meisten Einzelheiten in ihrer unvorstellbaren Schrecklichkeit waren kaum je zu erfahren. Bestattungen waren nahezu unmöglich. Haufen mit Abertausenden von Toten wurden mit Benzin übergössen und verbrannt, viele Keller einfach zugeschüttet oder mit Flammenwerfer ausgeglüht. Allein auf einem Friedhof wurden Leichenteile mit 28746 gezählten Köpfen bestattet. Vom Elend der verletzten, verstümmelten, wahnsinnig gewordenen Menschen, die nicht versorgt werden konnten, gar nicht zu reden. Auch nicht von den ungezählten Mädchen und Frauen, die den Freitod wählten, aus Angst vor noch Schlimmerem, das sie von den anrückenden Rotarmisten befürchten mußten. (Wolfgang Paul, „Der Endkampf' Esslingen 1976. - David Irving, „Der Untergang Dresdens", Gütersloh 1964. Hingewiesen sei ferner auf Hans Rumpf und E. Hughes.)

Erwiesen ist ferner, daß Winston Churchill der Verantwortliche auch für den höllischen Terror in Dresden war.

Als Opfer der Terrorangriffe auf Dresden durch die Engländer und Amerikaner werden in den Medien immer wieder fünfunddreißigtau-send Tote genannt. Das ist nachweislich falsch und den Opfern gegenüber beschämend ehr- und pietätlos.

Oberstleutnant der Bundeswehr a. D. Eberhard Matthes war ab dem 10. April 1945 Chef des Stabes im Verteidigungsbereich Dresden. Sein Vater war als Verwaltungsdirektor der Stadt unter anderem auch für die Baupolizei zuständig, von der die Opfer aussortiert, verbrannt und beerdigt wurden. Fünfunddreißigtausend waren voll identifizierte Opfer mit Namensangaben. Fünfzigtausend konnten teilweise identi-

239


fiziert werden (Eheringe mit gravierten Initialen oder andere Erkennungszeichen). Auch sie wurden verbrannt und gesondert beigesetzt. Dann gab es noch weitere einhundertachtundsechzigtausend Opfer, an denen es nichts mehr zu identifizieren gab. Auch diese wurden verbrannt und gesondert beigesetzt im beziehungsweise am Dresdener Heidefriedhof. Die Gesamtzahl der geborgenen Toten beträgt also zweihundertdreiundfünfzigtausend. (David Irving: „Und Deutschlands Städte starben nicht", 1976. G. Bergander: „Dresden im Luftkrieg", 1977. Askania Studiensammlung Nr. 19, Juli 1992. Seite 11.) Die Zahl der in unzähligen Kellern Verschütteten ließ sich nicht ermitteln. „Die Terrorangriffe gegen die deutschen Städte und ihre Einwohner hätten wenig zum Endsieg beigetragen, dafür aber innerlich den Sieg vergiftet . . . Insbesondere die Fortsetzung der Städtezerstörungen von einem Zeitpunkt an, wo für die Bomberwaffe die Möglichkeit des Einsatzes gegen spezifisch militärische Ziele gegeben war, muß als mongolische Zerstörungswut gebrandmarkt werden . . . Die Barbarei des Luftterrors habe nicht dazu beigetragen, den Sieg zu erringen, sondern nur, den Frieden unmöglich zu machen. ,Städte, nicht die Trümmerhaufen, sind die Grundlagen der Zivilisation!'" (Füller, „Der Zweite Weltkrieg".)

1963 veröffentlichte der britische Zeitgeschichtler Richard Cross-mann einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „War Crime" (Kriegsverbrechen). Nach eingehender Prüfung der Vorgeschichte des Bombenangriffs auf Dresden kam er zu folgendem Schluß: „Die Zerstörung von Dresden im Februar 1945 war eines jener Verbrechen gegen die Menschlichkeit, deren Urheber in Nürnberg angeklagt worden wären, wenn jener Gerichtshof nicht in ein bloßes Instrument alliierter Rache pervertiert worden wäre." (In: „New Statesman", 3. Mai 1963; DSZ-Archiv.)

Der frühere Innenminister Frankreichs, D'Astier, über seinen Besuch bei Churchill während des Krieges: „Churchill führte mich zigarrenrauchend in ein weiträumiges Zimmer, in dem eine Reihe von Stereoskopen wie Meilensteine nebeneinander aufgebaut waren. Jedes einzelne war einer zerstörten Stadt gewidmet. Churchill schleppte mich von einem zum anderen . . . damit ich die Schreckensbilder von Köln, Düsseldorf oder Hamburg vor meinen Augen vorüberziehen

240


lassen konnte. Er selber war begeistert wie beim Fußballspiel. Er jubelte, pries die Verwüstungen und rühmte die Treffer." (Hennig, „Zeitgeschichtliche Aufdeckungen", Seite 124.)

Wie die englische Zeitung „Guardian" 1987 berichtete, erwog Churchill, Milzbrand-Bomben auf sechs deutsche Großstädte zu werfen, unter anderem Hamburg, Berlin, Frankfurt und Stuttgart. Wegen Verzögerung bei der Produktion in den USA scheiterte das Vorhaben. (Telex der „Austria-Presse-Agentur" vom 10. Januar 1987.) Schon sieben Monate vor Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg haben amerikanische Wissenschaftler vorgeschlagen, Nahrungsmittel in Deutschland und Japan mit Hilfe von Strontium radioaktiv zu verseuchen. Darüber berichtete Professor Barton J. Bernstein in der kalifornischen Universität Stanford aus freigegebenen Regierungsdokumenten. Beteiligt an diesem Vorhaben waren die bekannten Physiker Robert Oppenheimer und Edward Teller.

Der Plan sah die Verseuchung der Milchvorräte mit Strontium vor. Innerhalb von zwei Monaten wären die Betroffenen an Zersetzung des Knochenmarks qualvoll gestorben. Die geringe Menge von einigen Dutzend Kilogramm, von Flugzeugen abgeworfen, wären ausreichend gewesen. Zum Glück ist das Projekt jedoch an technischen Schwierigkeiten gescheitert. Außerdem hätten sich die Wissenschaftler auf die Entwicklung der Atombombe konzentrieren müssen (Udo Wa-lendy, „Historische Tatsachen Nr. 29", Seite 34.) Der bedingungslose Haß in Washington auch Japan gegenüber, erreichte seinen Höhepunkt im Abwurf der Atombomben nach Deutschlands Kapitulation und nach Verkündung japanischer Kapitulationsbereitschaft und beweist, daß die antijüdischen Untaten zur Begründung der antideutschen Vernichtungspolitik der US-Mächtigen nicht ausreiche. „Auch ohne die Judenverfolgungen hätte man, ähnlich wie 1918, Deutschland nur einen karthagischen Frieden gewährt. Japans Regierung war nie antisemitisch und bis zum Dezember 1941 bereit, die Achse zu verlassen, wenn Roosevelt ihre Kompromißangebote akzeptiert hätte. Man hat auf die Bevölkerung Japans dennoch jene Atombomben geworfen, die ursprünglich deutsche Städte vernichten sollten .. ." Der britische General Füller habe Truman bescheinigt, daß er mit Hiroshima den Bombenterror ins Extrem ge-

241


trieben habe, auf den Stand einer Kriegführung, die - so Füller -„einen Tamerlan entehrt haben würde". (Tamerlan, asiatischer Despot und Eroberer, 14. Jahrhundert.) (Härtle, „Amerikas Krieg gegen Deutschland", Seite 316 f.)

Auch der britische Historiker F. J. P. Veale berichtet über die Kapitulationsbereitschaft Japans, die Josef Stalin dem amerikanischen Präsidenten Truman im Juli 1945 bei der Potsdamer Konferenz übermittelte. Sogar der König von Schweden war von Japan um Vermittlung gebeten worden. Trotzdem gab Truman den Befehl zum Abwurf der Atombomben.

Veale abschließend: „Die Wahrheit ist, daß der Abwurf der ersten Atombombe auf Japan ebensowenig diplomatische wie militärische Vorteile bringen konnte ... Im Grunde genommen war der Abwurf der ersten Atombombe einfach Vivisektion, wobei die Einwohner Hiroshimas die Rolle spielten, wie sie bei wissenschaftlichen Experimenten für gewöhnlich Meerschweinchen zufällt." (Veale, „Der Barbarei entgegen", Seite 317 und Seite 319.)

Im Zusammenhang mit der Fertigung der ersten Atombomben sollte man wissen, daß es der deutsche Physiker Otto Hahn war, dem es gelungen war, 1938 das Uran-Atom zu spalten und diese sensationelle Entdeckung im Dezember des gleichen Jahres der wissenschaftlichen Welt mitteilte. Der in die USA emigrierte Professor Albert Einstein griff diese Erkenntnis auf und empfahl Präsident Roo-sevelt in jenem „historischen Brief dringend, vier Wochen vor Ausbruch des europäischen Krieges, den Bau der Atombombe in die Wege zu leiten.

Man stelle sich einmal vor, Einstein und seine Kollegen wären nicht emigriert, und Hitler hätte es ihnen gestattet, die Atombombe in Deutschland zu bauen! Nicht auszudenken, welche „Schuld wir Deutschen für alle Generationen" auf uns zu nehmen hätten! Denn die Politiker, Journalisten hätten uns diese Erblast mit Sicherheit aufgebürdet! Einen erschütternden Erlebnisbericht schildert Shigetoshi Wakaki in seinem Buch „Hiroshima - die Maximierung eines Massenmordes": „Der Abwurf der beiden Atombomben auf das schon friedensbereite Japan im Sommer 1945 mit einhundertzwanzigtausend Todesopfern und dreihunderttausend Verletzten, die nach schwerem Siechtum

242


ebenfalls starben, stellt schon für sich ein großes Kriegsverbrechen dar. Die ganze Infamie dieses Massenmordes, wie sie vor allem beim ersten Bombenabwurf auf Hiroshima geplant und verübt wurde, wird erst in diesem Erlebnis- und Forschungsbericht eines damaligen technischen Offiziers offenbar, der 1945 mit der Untersuchung dieses Angriffs beauftragt war und heute noch lebt. Ist die Schilderung seines Erlebens der furchtbaren Stunden in der betroffenen Stadt schon eindrucksvoll, so sind die Ergebnisse seiner Nachforschungen noch interessanter: Die Amerikaner wollten möglichst viele Japaner töten. Dazu suchten sie die Großstadt aus, dazu flogen sie erst einen Scheinangriff, der die Bewohner in die Luftschutzkeller flüchten ließ, wohin sie auch in der vorangehenden Nacht durch Scheinangriffe getrieben waren. Und erst dann, als am Boden Entwarnung gegeben und die Bevölkerung aus den Kellern ins Freie zurückgekehrt war, warf ein schnell zurückkommendes Flugzeug die todbringende Bombe ab, die nur einen Bruchteil der wirklichen Opfer gefordert hätte, wenn die Japaner - wie noch eine halbe Stunde vorher - in den Schutzräumen gewesen wären. In wirklich infamer Weise wurde hier - leider mit Erfolg - ein Massenmord maximiert, für den, da ihn Sieger ausführten, nicht nur niemand zur Rechenschaft gezogen wurde, sondern den auch noch Jahre später US-Präsidenten verteidigten. In einer 50seitigen Einleitung stellt Dr. Dieter Bartling die japanischamerikanischen Verwicklungen dieses Jahrhunderts, insbesondere das Geschehen um Pearl Harbour und den nachfolgenden Krieg in Ostasien bis zur Kapitulation Tokios dar. Sicher war der Angriff auf Hiroshima auch als eine Rache der USA für die Tragödie in Pearl Harbour gedacht, die US-Präsident Roosevelt provoziert hatte und von der er vorher informiert war, ohne aber die Betroffenen zu benachrichtigen, da er einen Kriegsgrund brauchte. Die Welt weiß viel zu wenig von diesen Hintergründen. W. S." („Deutschland in Geschichte und Gegenwart", September 1992, Seite 41.)

„General McArthur, Admiral Nimitz und zahlreiche US-Wissenschaftler haben öffentlich erklärt, daß die Entfesselung der Atombombe nicht nötig gewesen ist. Wenn schon die Bombe eingesetzt werden mußte, hätte es zur Demonstration genügt, sie über einer Inselfestung oder Wäldern zu zünden.

243


Die Zerstörung Hiroshimas und Nagasaki und die Vernichtung Hunderttausender Zivilisten gehört zu den größten Greueltaten des 2. Weltkrieges."


Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zum nächsten Kapitel
Zum vorhergehenden Kapitel
Zurück zum Archive