Die Erstausgabe des Rudolf Gutachtens auf vho.org/D/rga1
Vgl. auch die revidierte Fassung dieses Abschnittes, Stand Frühjahr 1999


1.3.3. Die Bauernhäuser I und II

Die zwei westlich bis nordwestlich des Lagers Birkenau gelegenen umgebauten Bauernhäuser nebst Auskleidebaracken sind der Lage und Konstruktion nach nicht genau bestimmt - Pressac spricht hier von widersprüchlichen Zeugenaussagen[66]. Über die Aussage von P. Broad schreibt er z.B.: »[...] not exploitable [...], since it has been rewritten by and for the Poles [...]« ([...] nicht verwertbar [...], da es von den Polen und für die Polen umgeschrieben wurde), und: »It is impossible to make a synthesis of all these accounts« (Es ist unmöglich, aus all diesen Erzählungen ein sinnvolles Ganzes zu machen). Der Bericht von Höß ist nur oberflächlich[67] - doch sind die dortigen Vorgänge bei den angeblichen Menschenvergasungen sehr anschaulich geschildert. So wird auf Seite 99 des Frankfurter Auschwitz-Urteils[68] ausgeführt, daß die in die Bauernhäuser geführten Menschen auf ähnliche Weise getötet wurden wie in den zuvor beschriebenen Kammern der Krematorien IV und V. Verdeutlicht wird das Verfahren insbesondere durch die Aussage des R. Böck[69], in gewissem Umfang auch durch die von M. Buki[70].
Vom Bauernhaus II veröffentlicht Pressac ein Foto der angeblichen Grundmauerreste[71]. Den Analysen alliierter Luftaufnahmen zufolge ist in der Nähe des für das Bauernhaus II bezeugten Ortes nur zeitweise ein Gebäude vorhanden gewesen, vom Bauernhaus I fehlt jede Spur[54,72]. Zur Entstehungszeit der Luftbilder soll die Vernichtung der ungarischen Juden auf Hochtouren gelaufen sein, mit vielen tausend Opfern täglich und stark rauchenden Verbrennungen in großen offenen Gruben genau im analysierten Bereich[73]. Von großen Verbrennungsgruben, großen Brennstofflagern und stark rauchenden Feuern ist auf den Aufnahmen keine Spur zu finden. Erst nach der Befreiung durch die Sowjets entstanden westlich des Krematoriums III Gräber, wahrscheinlich für die Opfer der chaotischen Zustände im Lager zur Zeit des Rückzuges der deutschen Armee.
Unter diesen Umständen erscheint eine weitere Behandlung dieser Gebäude wenig sinnvoll. Dennoch wird hier auf die oben zitierten Schilderungen Bezug genommen, wie es außer Pressac auch andere Autoren tun.


Anmerkungen

  1. J.-C. Pressac, aaO., S. 161 ff.
  2. R. Höß, in: M. Broszat (Hg.), Kommandant in Auschwitz, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1958.
  3. Urteil des sog. Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Aktenzeichen 50/4 Ks 2/63, S. 99.
  4. Vernehmung des Zeugen R. Böck im sog. Frankfurter Auschwitz-Prozeß, Az 4 Js 444/59, Blätter 6878 ff. Zitiert: Blatt 6881 f.
  5. J.-C. Pressac, aaO., S. 163.
  6. J.-C. Pressac, aaO., S. 176.
  7. Pfeiffer, Hansa Luftbild GmbH, Luftbildanalyse der alliierten Aufnahme vom 25.8.44 [67], Schreiben vom 17.7.91.; J. Konieczny, The Soviets, but not the Western Allies, should have bombed the Auschwitz camp, Polish Historical Society, im Druck.
  8. J.-C. Pressac, aaO., S. 253.

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