Vorwort

Dieses Buch ist eine Antwort auf die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1945", die von einem Hamburger Privatinstitut für Sozialforschung in mehreren Städten der Bundesrepublik Deutschland und Österreichs gezeigt wird. Ihr Organisator Hannes Heer will mit der Schau eine Debatte "über das - neben Auschwitz - barbarischste Kapitel der deutschen und Österreichischen Geschichte" eröffnen. Barbarei hat viele Gesichter. Sie drückt sich verbal in geiferndem Haß und faktisch in der Bestialität von Mordtaten aus.

Die "Wucht der Bilder", die der Ausstellung zugute gehalten wird, spricht auch aus der Zusammenstellung des vorliegenden Bandes. Was Menschen anderen Menschen antun können, macht schaudern. Der Körper bietet zwar auch der perversesten Phantasie nur eine beschränkte Anzahl von Foltervarianten, aber der Gequälte stirbt tausend Tode. Die meisten Opfer der sowjetischen Mordtaten hätten gewünscht, ihrem Leben würde schnell mit einer Kugel vor der Friedhofsmauer oder mit dem Strick am Galgen ein Ende bereitet werden, wie es die Deutschen bei ihren Hinrichtungen praktizierten. Die Verstümmelungen lassen ahnen, was die deutschen Opfer der Roten Armee litten, bevor sie starben. Wenn der Betrachter der Bilder versucht, sich in ihre Lage zu versetzen, als sie gemartert, gepeinigt, erschlagen und so zugerichtet wurden, wie ihre Kameraden sie fanden, wird er ahnen, wozu Menschen ohne Moral fähig sind.

Diese Dokumentation sowjetischer Kriegsgreuel läßt im Unterschied zur Anti-Wehrmachtausstellung keinen Raum für Verfälschungen, textliche Irreführungen und willkürliche Behauptungen.

Im Unterschied zu der Anti-Wehrmachtausstellung, dem dazugehörigen Katalog und dem gleichnamigen Aufsatzband kann dieses Buch nicht "politisch korrekt" sein. Es liegt nicht im Trend der Zeit, weil es die Soldaten nicht verunglimpft, - auch die der Wehrmacht nicht.

Nur wer mithilft, die bewaffnete Macht des damaligen Deutschen Reiches zur kriminellen Bande zu stempeln, findet das Wohlwollen der Stimmungs- und Meinungsmacher. Wer Soldaten generell als Mörder bezeichnet, handelt sogar in Übereinstimmung mit dem Bundesverfassungsgericht. Wer dagegen die Wehrmacht als Opfer darstellt, tut etwas Zeitgeist-Ungehöriges.

Was in Deutschland politisch korrekt ist, entscheiden im allgemeinen die Medien. Wer z. B. sagt: "Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein", handelt politically correct. Wer dagegen sagt: "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein", ist ein "Nazi . Wer sagt: "Die verbrecherische Hitler-Wehrmacht hat im Juni 1941 die friedliebende Sowjetunion heimtückisch und verräterisch überfallen", macht eine politisch korrekte Aussage, auch wenn sie wissenschaftlich unhaltbar ist. Man spricht landauf landab von "Hitler-Soldaten", aber niemand nimmt Wörter wie "Stalin-Soldaten", "Churchill-Bomberpiloten" oder "Truman-Atombombenwerfer" in den Mund. Wer sich für die Errichtung von Denkmälern für die Deserteure aus der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs einsetzt, handelt politisch korrekt, selbst wenn wissenschaftlich nachgewiesen ist, daß mit den Deserteuren aus vielen Gründen kein Staat zu machen ist. Wer aufzeigt, daß fast zwei Millionen Ausländer in deutscher Uniform mit der Wehrmacht gegen den Stalinismus kämpften, ist fürchterlich unkorrekt, auch wenn die Aussage nicht widerlegt werden kann. Derzeit ist es politisch sehr korrekt, den Zivildienst als höherwertig als den Wehrdienst und keinesfalls als Ersatzdienst zu preisen und die militärischen Tugenden als Sekundärtugenden zu verunglimpfen, mit denen man auch ein KZ leiten könne.

Die Medien sagen dem Bürger, welche Themen den Anforderungen der "politischen Korrektheit" entsprechen, mit welcher volkspädagogischen Ausrichtung er die Diskussion zu führen hat und welche Ausdrücke er meiden muß. Die Wortwahl lenkt die Gedanken. Nicht umsonst nennt man die Medien die "vierte Gewalt" im Staat neben Legislative, Judikative und Exekutive. In der Politikwissenschaft spricht man gelegentlich von "Mediokratie".

Die Wissenschaft kann sich aber - wenn sie wirkliche Wissenschaft sein will -nicht darum kümmern, ob ihre Erkenntnisse politisch opportun sind oder nicht. Allein der Wahrheit verpflichtet, ist es ihre Aufgabe, Unbekanntes ans Licht zu ziehen, Fakten darzustellen, Legenden aufzudecken und Falschaussagen zu revidieren. Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes sichert die Freiheit des Wissenschaftlers.

Im Kreis der Sozialwissenschaftler haben es die Historiker besonders schwer. Sie wissen, daß vieles falsch ist, was in den Schulbüchern steht. Aber das war wohl auch früher so. Schopenhauer faßte schon vor 150 Jahren sein Urteil über diese Wissenschaft in folgende Worte: "Die Geschichte ist mit der Lüge infiziert wie eine Hure mit der Syphilis." Anders ausgedrückt: Die Geschichte hat der Statistik den Rang abgelaufen, was die Unseriosität der Erhebungen und die Manipulation der Ergebnisse angeht.

München, November 1997
Prof. Dr. Franz W. Seidler


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