Alle Rechte bei:
Verlag für Volkstum und Zeitgeschichte, 1975
vorm.: E. Bierbaum Verlag
6 Frankfurt am Main 56, Talstr. 45
B 3 ISBN 3-88043-017-9
Reihe: Verschwörung gegen die Wahrheit
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Den Angehörigen der Justiz, die sich mit der "Sühne für Naziverbrechen" zu beschäftigen haben, ins Stammbuch. Insbesondere aber den Angehörigen der "Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen" in Ludwigsburg. Bei der "Aufklärung" hätte sich so manches NS-Verbrechen als antideutsche Greuellüge aufklären lassen müssen, das mit Meineiden und gefälschten Dokumenten die Greuelpropaganda zu gerichtsnotorischen "Tatsachen" umfälschte. Da eine solche Aufklärung von der "Zentralstelle" nicht erfolgte, werden ihre Angehörigen von vielen Deutschen als die Erfüllungsgehilfen von Robert Max Wassili Kempner, Heinz Galinski und Simon Wiesenthal angesehen. Der Verfasser |
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Grundgesetz — Artikel 5, (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemeinen zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. |
Juristen machen zwischen einer "Tatsachenbehauptung" und einer "Meinungsäußerung" einen gewaltigen Unterschied. Die persönliche Meinungsäußerung ist durch Artikel 5 des Grundgesetzes als ein Grundrecht geschützt. Bei einer Tatsachenbehauptung, durch die sich jemand herabgesetzt oder beleidigt fühlt und Klage erhebt, kann man dagegen sogar noch verurteilt werden, wenn man den Wahrheitsbeweis erbringt (Formalbeleidigung).
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Unterschiede kaum gemacht. Ehrliche Menschen sind selbstverständlich davon überzeugt, daß ihre Meinungsäußerung den Tatsachen entspricht. Selbst ein Lügner versucht seine Lüge so darzustellen. Man sagt meist : "Es ist so ..." und nicht "Meiner Meinung nach ...", wenn man eine persönliche Meinung äußert. Aber gerade darin finden Sprachwissenschaftler und Juristen den Unterschied zwischen "Tatsachenbehauptung" und "Meinungsäußerung". Dieser Umstand führt manchmal dazu, daß aus solch formellen Gründen eine unbequeme Meinungsäußerung abgewürgt werden kann.
Da diese Gefahr auch für dieses Buch bestehen könnte, wollen wir ausdrücklich auf folgendes hinweisen :
Es besteht weder die Absicht, eine Person oder eine Gruppe zu beleidigen, zu verleumden oder herabzusetzen. Wir nehmen aber für uns das Recht zur freien Meinungsäußerung in der allgemein üblichen Weise in Anspruch. Nach den formellen Maßstäben, wie sie nur bei einigen Sprachwissenschaftlern und Juristen üblich sind, wurde dieses Buch nicht geschrieben.
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Simon Wiesenthal, der "Eichmann-Jäger", ist eine bekannte Persönlichkeit. Man weiß allgemein, daß ihm die Auffindung von Adolf Eichmann zugeschrieben wird. Mit der Entführung Eichmanns aus Argentinien, einer völkerrechtswidrigen Straftat, die von mancher Seite als Skandal angesehen wurde, will Wiesenthal aber nichts zu tun gehabt haben. Dafür übernahm der Staat Israel die Verantwortung.
Die Aufspürung Eichmanns ist an sich eine nachrichten- bzw. geheimdienstliche Aufgabe und es wird so falsch nicht sein, wenn man annimmt, daß Wiesenthal einen Dienst dieser Art führt.
Unter "Jüdischer Dokumentationszentrale" stellt man sich dem Namen nach eher ein "wissenschaftliches Archiv" vor, und dieser Eindruck wird durch die allgemein wohlwollende und befürwortende Berichterstattung in Presse, Rundfunk und Fernsehen noch verstärkt. Was in der Kurzform "Dokumentation" oder "Dokumentationszentrale" bekannt ist, heißt eigentlich "Dokumentationszentrum des Bundes jüdischer Verfolgter des Naziregimes".
Der "Bund jüdischer Verfolgter des Naziregimes" müßte etwas Ähnliches sein wie die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN), die Internationalen KZ-Komitees oder Lagergemeinschaften. Der "Bund" und seine "Dokumentation" sind dagegen exklusiv jüdisch.
Dieser jüdische Bund ist mir nicht weiter bekannt, und ich nehme sogar an, daß er nur als Hilfsorganisation und formeller Träger für die "jüdische Dokumentation" gegründet worden ist.
Meine besondere Aufmerksamkeit zog Wiesenthal auf sich, als er gegen den Bensheimer Rechtsanwalt Roeder, wegen dessen Vorwort zur "Auschwitz-Lüge" von Christophersen, ein Ehrengerichtsverfahren vor der Anwaltskammer in Gang brachte. Dies trug wesentlich dazu bei, daß ich mich entschloß, das Buch "Die Endlösung der Judenfrage" zu schreiben.
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Zum Beweis der Fälschung des sogenannten "Wannsee-Protokolles" (Planung der Judenausrottung) richtete ich eine Anfrage an Wiesenthals "Dokumentation". Eine vernünftige und sachgerechte Antwort hätte die Fälschung deutlich gemacht. Mit einer Antwort, die die Echtheit des Protokolles untermauern würde, konnte die "Dokumentation" nicht aufwarten und würde sich wohl der Lächerlichkeit preisgeben. Trotz wiederholter Anfrage erhielt ich keine Antwort.
Simon Wiesenthal war für mich nun so interessant geworden, daß ich mir einmal die Bücher ansah, die er geschrieben hat. Da wurde mir dann klar, welche Schlüsselrolle die Jüdische Dokumentation und speziell Simon Wiesenthal seit Kriegsende für den "Beweis" der Ermordung von 6 Millionen Juden gespielt hat. Zunächst sollen aber einige Zitate folgen, die bei kritischer Betrachtung Aufklärung geben über Wiesenthal und seine Dokumentation.
Simon Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", Droemer Knauer, München/Zürich 1967, S. 7, 8 :
Simon Wiesenthal — Der Mann und seine Aufgabe. Von Joseph Wechsberg
Kurz nach meiner Ankunft in Wien, vor einigen Jahren, hörte ich zum ersten Mal von Simon Wiesenthal. Im Jahre 1960 erhielt er in den Schlagzeilen der Wiener Zeitungen, wie überall auf der Welt, den Beinamen "Der Eichmann-Jäger". Er war es gewesen, der den israelischen Behörden geholfen hatte, Adolf Eichmann aufzuspüren, den obersten Planer bei Hitlers "Endlösung der Judenfrage". Und im Jahre 1963 stand Wiesenthals Name erneut in den Zeitungen, als er die darob peinlich berührten Leiter der Wiener Polizei darüber aufklärte, daß der Gestapo-Mann, der im Jahre 1944 Anne Frank in Amsterdam verhaftet hatte, jetzt völlig unangefochten als Polizist in Wien Dienst tat. Ich wußte, daß zahlreiche andere prominente Nazis in Deutschland und Österreich nur dank Wiesenthals verbissenen Anstrengungen verhaftet werden konnten. All das machte mich neugierig auf den Mann und seine ungewöhnliche "Detektiv-Agentur". Er selbst, so erfuhr ich, war von den Nazis aus seiner Heimat Polen durch mehr als ein Dutzend Kon-
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zentrationslager bis nach Österreich verschleppt worden und verdankte sein Leben nur einer Reihe von Umständen, die fast wie Wunder anmuten. Seine Mutter und nahezu alle Verwandten waren umgebracht worden. Im Jahre 1945, nach seiner Befreiung, begann er aus eigenem Antrieb für die amerikanische Armee mitzuarbeiten bei der Suche nach Kriegsverbrechern in Österreich und war nacheinander beim Geheimdienst (US Office of Strategic Services — OSS) und bei der Spionageabwehr (Counter Intelligence Corps — CIC) beschäftigt. 1947 hatte er in Linz mit wenigen freiwilligen Helfern ein kleines Dokumentationszentrum aufgebaut, das der Zusammenführung auseinandergerissener jüdischer Familien diente, von Linz aus begann er auch, einige der Tausende von Nazimördern, die noch auf freiem Fuß waren, aufzuspüren. Um das Jahr 1954 schien sich die Entnazifizierung sowohl in Deutschland wie auch in Österreich totgelaufen zu haben. Wiesenthal schloß das Dokumentationszentrum und beschäftigte sich nur noch mit der Vertriebenenhilfe. Gegen 1961, nach der Gefangennahme Eichmanns und dem Ende seines Prozesses, hatte sich die öffentliche Meinung in den Ländern, die einst unter Naziherrschaft standen, auf recht rätselhafte Weise gewandelt — Grund für Wiesenthal, sein Dokumentationszentrum wieder zu eröffnen, diesmal in Wien, und sich voll und ganz der Fahndung nach denen zu widmen, die nun Aussicht hatten, auf Grund der gesetzlichen Verjährungsfristen dem Zugriff der Gerechtigkeit zu entkommen. ....
Im folgenden wird Wiesenthal selbst zitiert und es wird deutlich, daß er in der Verfolgung von sogenannten Naziverbrechen eine politische Aufgabe sieht. Die Verhinderung des "Aufschwunges des Neonazismus" bewerkstelligt Wiesenthal mit der Strafjustiz.
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 14 :
... Schon bevor ich ausreichend Gelegenheit hatte, alles richtig zu durchdenken, wurde mir einiges eindringlich klar : Wir durften nicht vergessen. Wenn wir alle vergessen, kann genau das gleiche in zwanzig, fünfzig oder hundert Jahren wieder geschehen. Ich weiß, daß die Deutschen und
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Österreicher von "all diesen Dingen" nichts mehr wissen wollen. Richtig, aber die Umfragen der Meinungsforscher beweisen, daß eine bestimmte gegenläufige Beziehung zwischen der Verfolgung von Naziverbrechen und dem Aufschwung des Neonazismus besteht : Je mehr Prozesse, desto schwächer das Wiedererstehen des Nazismus. Der Prozeß gegen Adolf Eichmann in Jerusalem 1961 bedeutete den bisher schwersten Rückschlag für die neonazistische Bewegung in Deutschland und Österreich. Millionen Menschen, die die Wahrheit nicht kannten oder nicht kennen wollten, mußten da zum erstenmal Tatsachen zur Kenntnis nehmen. Heute kann niemand mehr behaupten, er habe von "diesen Dingen" nie etwas gehört. Wenn einer dann immer noch mit den Verbrechern sympathisiert, so hat er sich dadurch unzweifelhaft auf die Seite des Unrechts geschlagen. Es gibt nicht viele Menschen, die so etwas aus sich heraus tun. ...
Bei den mittelalterlichen Hexenprozessen wurde auch bekannt, daß es Hexen gibt und es wird auch viele Menschen gegeben haben, die nicht auf der Seite des Unrechts — auf Seiten der Hexen — stehen wollten.
Im weiteren stellt Herr Wechsberg Wiesenthal weiter vor :
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 14, 15 :
... Es war ihm klar, daß die Naziverbrechen niemals "gerächt" werden konnten. Selbst tausend Jahre würden nicht zur Sühne ausreichen. Und selbst wenn alle Naziverbrecher, die noch auf freiem Fuße lebten, vor Gericht gestellt würden, was vollkommen unwahrscheinlich ist, konnten ihre Strafen nicht einmal zu einem geringen Bruchteil die von ihnen begangenen abscheulichen Verbrechen aufwiegen. Elf Millionen Tote — darunter eine Million Kinder. Wie soll der Mord an einer Million Kinder je durch irdische Gerechtigkeit gesühnt werden ? ...
Hier schlägt wieder die alttestamentarische Vorstellung von Rache und Sühne an Kindern und Kindeskindern durch, die der Strafjustiz sonst fern liegt. Außerdem wird die irdische Ge-
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rechtigkeit zwar für geeignet gehalten, das Ausmaß ungeheuerlicher und abscheulicher Schuld festzustellen, aber zur Sühne wird sie nicht für geeignet angesehen. In dieser Hinsicht sind die "Naziverbrechen" veniger ein strafrechtliches Problem als ein Glaubensproblem.
Über Wiesenthals Laufbahn und seine Tätigkeit verraten die folgenden Zitate einiges.
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 18–22.
... Wiesenthals Laufbahn als Nazijäger begann kurz nach seiner Befreiung aus dem KZ im Jahre 1945, als er bei der Abteilung zur Ermittlung von Kriegsverbrechen eine Anstellung fand, die von der amerikanischen Armee in Österreich eingesetzt worden war. Er half bei der Suche nach SS-Männern, die ihn und Tausende seiner Kameraden brutal mißhandelt hatten ...
... Nachdem Wiesenthal in der frühen Nachkriegszeit den Entschluß gefaßt hatte, eine Suche zu beginnen, deren Ende nicht abzusehen war, machte er sich seine Erfahrung als Architekt zunutze : Er plante und schuf erst einmal ein Fundament für seine Aufgabe. Als erstes stellte er, solange die Erinnerung der Augenzeugen noch frisch genug war, eine Dokumentation zusammen. Bei Kriegsende gab es mehr als hunderttausend Überlebende der Konzentrationslager; die meisten von ihnen wohnten in den rund zweihundert Lagern für Verschleppte, die die Alliierten in Deutschland und Österreich eingerichtet hatten. Mit der Unterstützung einiger Freunde schuf Wiesenthal ein Netz von Korrespondenten in den Lagern und Sammelstellen. Sie hatten den Auftrag, jeden ehemaligen Häftling zu befragen und eidesstattliche Erklärungen über brutale SS-Wachen, Augenzeugenberichte über Morde und Folterungen sowie andere persönliche Erlebnisse zusammenzustellen. Immer wieder deutete Wiesenthal dabei auf die Notwendigkeit genauer Namens- und Datenangaben hin; Berichte, die nur auf Hörensagen beruhten wurden nicht angenommen. (Anmerkung des Autors : Dies ist ganz unverständlich, denn damals wurden Berichte vom Hörensagen als Beweismittel gelten gelassen). Die beglaubigten eidesstattlichen Erklärun-
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gen wurden numeriert und später in dem kleinen jüdischen Dokumentationszentrum gesammelt, das Wiesenthal im Jahre 1947 in Linz errichtet hatte, nachdem er nicht mehr in amerikanischen Diensten stand.
Noch vor Gründung dieses Dokumentationszentrums begann Wiesenthal mit der Sammlung von eidesstattlichen Aussagen über Naziverbrechen, begangen an rund eintausend verschiedenen Orten. Von vielen SS-Männern besaß er Fotos, die vervielfältigt und an alle Verschleppten-Sammelstellen verteilt wurden. Oft kannten die Überlebenden die Namen der Verbrecher nicht; so lieferten jetzt die Bilder einen Anhaltspunkt. Wiesenthal legte ein alphabetisches Verzeichnis aller Orte an, wo Naziverbrechen geschehen waren; in ein zweites Verzeichnis nahm er die Namen aller Verbrecher auf, in ein drittes die Namen aller Zeugen. Wiesenthals Akten wurden zunächst bei der Vorbereitung der Nürnberger Prozesse verwendet; die Nürnberger Anklagebehörden übersandten ihm dafür ihre Listen von Kriegsverbrechern. Im Jahre 1947 wertete ein amerikanisches Militärgericht in Dachau Wiesenthals Verzeichnisse bei der Aburteilung von SS-Leuten aus, die im KZ Dienst gemacht hatten. Die von Wiesenthal für seine Verzeichnisse entwickelte Methode funktioniert sehr präzis : Wenn ihm von einem Verbrechen berichtet wird, das an einem bestimmten Ort begangen worden ist, braucht er nur ein paar Minuten, um die Namen und Anschriften von Zeugen und von den beteiligten SS-Männern aufzufinden. Eine Reihe von Zeugen hat über Verbrechen aussagen können, die an mehreren Orten begangen worden sind. Und die Namen bestimmter Verbrecher tauchen an verschiedenen Orten auf.
Wiesenthals Kartei von Naziverbrechern enthält heute etwa zweiundzwanzigtausendfünfhundert Namen. Die meisten der hier geführten SS-Männer sind des Mordes beschuldigt; von einer großen Zahl ist anzunehmen, daß sie Massenmord begangen haben. (Seine Kartei ist klein gegenüber der, die von der Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen zur Verfolgung von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in Ludwigsburg geführt wird und hundertsechzigtausend Namen enthält. Diese
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Zentralstelle wurde im Jahre 1958 von den Regierungen der Länder der Bundesrepublik gegründet, in der etwas verspäteten Erkenntnis der ungeheuerlichen Schreckenstaten, die noch ungesühnt geblieben waren. Die Stelle hat die Einleitung von Strafverfahren in bisher mehr als tausend Fällen veranlaßt.) ...
.... Das Dokumentationszentrum in Linz war bald in ganz Europa bekannt. Berichte, Zeugenaussagen, Briefe und Anfragen kamen von überall her. Die Jewish Agency stellte Wiesenthal ihre Liste gesuchter Naziverbrecher schon 1945 zur Verfügung. Das bis jetzt wertvollste Dokument, das er besitzt, stammt jedoch von der SS selbst : Eines Tages im Jahre 1961 bot ihm ein früherer "Kunde" eine SS-Dienstalterliste an; sie enthielt Namen, Dienstrang, Auszeichnungen, besondere Bemerkungen und Einsatzorte für fünfzehntausend SS-Männer. Nur 40 solcher Listen waren überhaupt gedruckt worden — für jeden der 40 Gauleiter Hitlers. (Anmerkung des Autors : Die Liste erscheint wie für Wiesenthal gemacht. Was Gauleiter damit anfangen sollten, weiß ich nicht. Wenn die Liste echt sein sollte, wäre sie für Erpresser interessant. Es wäre auch eine Veröffentlichung anzuraten. So ist sie nur eine Art "geheimer Wunderwaffe" für Wiesenthal.). Sie hatten strikten Befehl, die Listen bei Kriegsende zu vernichten. Wiesenthals "Kunde" hatte es damals in der allgemeinen Verwirrung fertiggebracht, die Liste an sich zu bringen. Er brauchte Geld und verlangte von Wiesenthal fünfhundert Dollar für das Heft. Wiesenthal erwarb es — er hat den Kauf bis heute nicht bereut. Wenn Naziverbrecher, die er ausfindig gemacht hatte, behaupteten, sie seien niemals Mitglieder der SS gewesen, zeigte Wiesenthal ihnen ihren Namen in der Rangliste — sie mußten einsehen, daß Leugnen keinen Zweck hatte. ....
Im folgenden wird die Finanzierung des Wiesenthal-Netzes dargestellt und Zuschüsse vom "internationalen jüdischen Finanzkapital" dementiert. Bemerkenswert ist auch, daß zeitweise und teilweise die Finanzierung der Dokumentation erheblich von der persönlichen Wiedergutmachung für Simon Wiesenthal getragen worden sein soll.
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Wiesenthal : "Doch die Mörder leben", S. 22–25
.... Die Finanzierung dessen, was man in Zeitungen das "Wiesenthal-Netz" genannt hat, ist ständiger Anlaß für Vermutungen abenteuerlichster Art unter Wiesenthals "Kunden" und Gegnern. Man munkelt, er habe verschiedene Regierungen sowie die geheimnisvolle Macht des "Internationalen jüdischen Kapitalismus" als Geldgeber. Die Wahrheit ist keineswegs so romantisch. Im Gegensatz zu den Agenten der Spionage und Geheimdienstromane lebt Wiesenthal nicht von Kaviar und Dom-Perignon-Champagner. Bei Gründung seines Dokumentationszentrums im Jahre 1947 hatte er eine Anzahl begeisterter ehrenamtlicher Hilfskräfte und erhielt als monatliche Zuwendung fünfzig Dollar von Dr. A. Silberschein, einem ehemaligen Mitglied des polnischen Parlaments, der in Genf lebte. Wiesenthal ergänzte seinen mageren Etat, indem er Zeitungsartikel verfaßte und durch andere Gelegenheitsarbeiten. Als sich die Bundesrepublik zu Anfang der fünfziger Jahre bereiterklärt hatte, den Juden Wiedergutmachung zu leisten, weigerte Wiesenthal sich, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Da er unter der Nazibesatzung sein Heim, seinen Beruf und sein gesamtes Vermögen verloren hatte, wäre er ohne weiteres dazu berechtigt gewesen, aber er konnte sich einfach nicht mit dem Gedanken befreunden, von den Deutschen Geld anzunehmen. (Anmerkung des Autors : An diesem ehrenwerten Grundsatz hielt der angebliche Architekt oder auch Diplom-Ingenieur, der in der Nazizeit u.a. auch seinen Beruf "verlor", nicht lange fest. Für den "guten Zweck" nahm er Geld.) Wesentlich später erklärte er sich dann doch bereit, wollte aber die Hälfte des ihm zustehenden Betrags zur Finanzierung des Dokumentationszentrums verwenden, und seit der ersten Zahlung im Jahre 1958 hat er tatsächlich mehr als die Hälfte dafür verbraucht. In den sechzehn Jahren, die er am Fall Eichmann arbeitete, trug er seine sämtlichen Auslagen selbst.
Nachdem 1961 in Jerusalem der Eichmann-Prozeß stattgefunden hatte, beschloß der Verband der Jüdischen Gemeinden in Österreich die Finanzierung eines Dokumentationszentrums in Wien und bat Wiesenthal, die Leitung zu übernehmen.
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Er erhielt einen monatlichen Betrag von eintausendsechshundert Deutsche Mark. Davon behielt er sechshundert Deutsche Mark als Gehalt und verwendete den Rest für Miete, Bürohilfskräfte, Telefon- und Postauslagen. Die Zahlung des Betrags wurde jedoch im darauffolgenden Jahr eingestellt, als Wiesenthal, der nie ein Blatt vor den Mund zu nehmen pflegt, die Verbandspolitik heftig angegriffen hatte. Er war also wieder auf sich selbst angewiesen und gründete den Bund Jüdischer Verfolgter des Naziregimes, dessen zwölfhundert Mitglieder nun kleine Monatsbeiträge leisten. Als die Öffentlichkeit mehr von seiner Arbeit erfuhr, begannen ganz unregelmäßig freiwillige Zahlungen einzutreffen. Ein Australier sandte einen kleinen Betrag per Scheck, "weil Sie mein Herz gerührt haben". Eine alte Dame aus New York schickte zwei Dollar. ("Ich werde zwei Wochen lang nicht ins Kino gehen, lieber Herr Wiesenthal, aber Sie können das Geld besser gebrauchen.") In einer amerikanischen Kleinstadt sammelte der Rabbiner von achtzehn Mitgliedern seiner Gemeinde je achtzehn Dollar. (Im Hebräischen, das Zahlen durch Buchstaben ausdrückt, entspricht "achtzehn" dem Wort "chai" = Leben.) Die bedeutendste Zuwendung, ein Scheck über tausend Dollar, kam von einem unbekannten Spender aus Kalkutta. Verschiedene jüdische Gemeinden der Bundesrepublik senden gelegentlich Geld. In Holland, wo seine Arbeit viel Beachtung gefunden hat, wurde ein besonderer Wiesenthal-Fonds gegründet. Das Dokumentationszentrum besitzt Freunde in Brüssel, Frankfurt, Johannesburg, Mailand, München und Turin. Alle Spenden werden auf ein Sonderkonto eingezahlt. Jede Zahlung von Unkosten muß durch vier Mitglieder eines Prüfungsausschusses genehmigt werden.
In der letzten Zeit hat die Tätigkeit des Dokumentationszentrum erheblich zugenommen. Die normalen administrativen monatlichen Aufwendungen liegen heute bei einer Höhe von sechstausend Mark. Alle wichtigen Angelegenheiten erledigt Wiesenthal selbst. Ihm stehen zwei Sekretäre zur Seite und ein Mitarbeiter, der zwölf Sprachen in Wort und Schrift beherrscht, sich um die ständig wachsende Kartei
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kümmert und den gemieteten Xerox-Apparat bedient. Die Telefonrechnung ist der größte Ausgabeposten in der Monatsberechnung. Wiesenthal geht nicht gern irgendwo hin, wo kein Telefon zur Hand ist. Für seine Ferngespräche gibt er regelmäßig im Monat etwa sechshundert Mark aus, meist um Behörden vom Aufenthalt eines gesuchten Nazis zu verständigen, bevor dieser erfährt, daß Wiesenthal ihm auf der Spur ist. ...
.... Er hat noch immer eine Anzahl freiwilliger ehrenamtlicher Helfer, denen er bei wichtigen Aufträgen die Auslagen vergütet.
"Unsere Finanzlage wird von vier grundsätzlichen Umständen bestimmt", sagt Wiesenthal. "Erstens : Das Dokumentationszentrum besitzt keine regelmäßige Einnahmequelle; ich versuche immer so viel Geld auf der Bank zu haben, daß wir wenigstens sechs Monate weiterarbeiten können. Wenn der Kontenstand sinkt, bitte ich meine Freunde, Geldspenden zu sammeln. Zweitens : Keine Regierung oder Behörde hat uns je einen Pfennig gezahlt. (Anmerkung des Autors : Die deutsche "Wiedergutmachung" ist offenbar schon wieder vergessen.) Drittens : Wir bekommen kein Geld aus Israel, wo für die eigenen Ermittlungen von Naziverbrechen große Summen ausgegeben werden; wir stehen aber im besten Einvernehmen mit den dortigen Ermittlungsbehörden. Viertens : Wir erhalten keinerlei Zuschüsse von dem, was einige meiner Nazi-"Kunden" als das "internationale jüdische Finanzkapital" zu bezeichnen pflegen." ....
Nun weiß man es also ganz genau. Es gibt kein internationales jüdisches Finanzkapital und auch keine jüdischen Organisationen, die Wiesenthal finanziell unterstützen.
Dagegen muß das jüdische Volk in aller Welt von einer ganz erstaunlichen Spendenfreudigkeit für die Wiesenthalsche Sache erfüllt sein, der ihm ohne Schwierigkeiten einen zugegebenen Etat von 6.000.- DM monatlich ermöglicht.
Mit den bisherigen Zitaten ist die rühmliche Vorstellung Wiesenthals beendet und in den nun folgenden Zitaten kommt er
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selbst zu Wort.
Über seine Beziehungen zu den "Widerstandskämpfern des 20. Juli 44" berichtet er :
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 102, 103
.... Beim Nürnberger Prozeß lernte ich einen Deutschen kennen, der dort als Zeuge auftrat. Ich will ihn hier Hans nennen. Er war und ist ein ausgesprochener Antinazi, der heute in Deutschland lebt, weshalb es zweckmäßig ist, seinen vollen Namen nicht zu nennen. Amerikanische Freunde hatten ihn mir empfohlen. Hans stammte aus einer guten Familie und war Mitglied der Abwehr gewesen, des Geheimdienstes der Wehrmacht. Wie viele Männer der Abwehr war er hoher Offizier, der auf die verbrecherischen Elemente im Sicherheitsdienst (SD) der Nazipartei zuerst mit Abscheu hinabgesehen und sie später fürchten gelernt hatte. Die Rivalität zwischen dem Geheimdienst der Wehrmacht und dem der Partei endete, wie nicht anders zu erwarten, mit einer schweren Niederlage der Abwehr. Admiral Canaris, der Chef der Abwehr, starb in einem Konzentrationslager. Viele Mitglieder der Abwehr wurden hingerichtet. Die Überlebenden vergaßen die Demütigung nie. Einige von ihnen gehörten zu meinen zuverlässigsten Helfern. Ein paar Wochen nach unserer Begegnung in Nürnberg, wo Hans recht schweigsam gewesen war, traf ich ihn im Hotel "Goldener Hirsch" in Salzburg wieder. Diesmal sprach er offener; ich vermutete, daß er in der Zwischenzeit Erkundigungen über mich eingeholt hatte. Wir sprachen über die politische Lage. Hans war pessimistisch, und den Alliierten stand er sehr kritisch gegenüber. "Ich sehe genau, was passieren wird. Jetzt nachdem ein paar von den hohen Nazis verurteilt worden sind, werden die meisten weniger großen Verbrecher von den Alliierten nach einer nominellen Verurteilung freigelassen werden. Niemand mag sich mit dem Nazigesindel herumplagen. Warten Sie nur ab — bald werden sie wieder in hohen Stellungen sitzen, und niemand wird ihnen etwas anhaben können, weil man keinen zweimal für dasselbe Verbrechen bestrafen kann."
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Es waren prophetische Worte.
"Die Alliierten haben einen Fehler gemacht, als sie beschlossen, Deutschland zu säubern" sagte Hans. "Was sie getan haben, war löblich, aber aussichtslos. Sie werden die Mentalität der Nazis nie verstehen. Wie sollten sie auch ? Sie hätten diese Arbeit lieber den anständigen Deutschen überlassen sollen. Es gibt solche Deutsche — obwohl nach dem Krieg alle Deutschen für schlecht gehalten wurden. Deutsche Gerichtshöfe hätten die Naziverbrecher verurteilen sollen. ....
Die "prophetischen Worte" des ungenannten Widerstandskämpfers stimmen übrigens überein mit den Ansichten des Ex-Bundeskanzlers und auch Ex-Widerstandskämpfers Willy Brandt, wie er sie in seinem Buch "Verbrecher und andere Deutsche" niedergelegt hat. Aber bei dem "Abwehr"-Mann denkt man natürlich sofort an Otto John.
Über seine Zusammenarbeit mit Hermann Langbein vom Auschwitz-Komitee berichtet Wiesenthal :
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 195 und 197
.... 1959 fragte ich meinen Freund Hermann Langbein, den Generalsekretär des Internationalen Auschwitz-Komitees, mit dem ich in verschiedenen Fällen zusammengearbeitet hatte, ob er zufällig Mengeles Adresse wisse. Langbein erwiderte : "1954 hat Mengele Scheidungsklage eingereicht gegen seine Frau in Freiburg im Breisgau, ihrem letzten gemeinsamen Wohnsitz, und verschiedene Briefe mit seinem Rechtsanwalt, Dr. Hans Laternser, gewechselt. ....
.... Nachdem ich mit Langbein gesprochen hatte, setzte ich mich mit einem Bekannten in Buenos Aires in Verbindung, dem ich die zwei letzten Adressen des "Arztes" gab. Am 30. Dezember 1959 teilte mein Gewährsmann in meinem Auftrag der deutschen Botschaft in Buenos Aires mit, Mengele wohne jetzt unter seinem richtigen Namen in Vertiz 968, Olivos, FCNGMB. Offenbar hielt Mengele es nicht mehr für notwendig, seine Identität zu verheimlichen.
Mengeles neue Adresse gab ich Langbein zur Kenntnis, der
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daraufhin den Staatsanwalt in Freiburg anrief. Zwischen den Botschaften, dem Auswärtigen Amt und dem argentinischen Außenministerium, den Justizministerien und der Staatsanwaltschaft wurden Akten hin- und hergesandt. Anfang Januar 1960 richtete Bonn telegrafisch an Buenos Aires das dringende Ersuchen (nun schon das zweite) um Mengeles Auslieferung. ....
Nicht nur als "Eichmann-Jäger", sondern auch als Verfolger des Verfolgers von Anne Frank wurde Wiesenthal bekannt.
Die angebliche Ermordung von 6 Millionen Juden und die damit verbundenen Greuelgeschichten waren so ungeheuerlich, daß sie die menschliche Vorstellungskraft häufig überspannt haben. Da es sich dabei aber um Tatsachen handeln soll, für die Sühne erwünscht war, hatte es eine ungünstige Wirkung, daß phantastische Geschichten natürlicherweise nicht ohne weiteres als Tatsachen anerkannt wurden. Es mußte also etwas für die Glaubhaftigkeit und für die Sühne getan werden. Das Stichwort hieß "Vermenschlichung des Massenmord-Prozesses".
Das Gebot der Stunde erfüllte in besonderem Maße "Das Tagebuch der Anne Frank". Fernsehen und Rundfunk überschlugen sich fast, und das große Rauschen im Blätterwald begleitete es.
Beim Harster-Prozeß in München überreichte der Nebenkläger Dr. Robert Max Wassili Kempner Bild und Aufzeichnungen der Nonne Edith Stein und das Tagebuch der Anne Frank.
Kempner berichtete von den Goldzähnen und Goldplomben der Opfer von Auschwitz, die er selbst im Gewölbe der ehemaligen Reichsbank besichtigt hat. Meines Wissens soll es darüber sogar einen Film gegeben haben. Wenn ich mich recht entsinne, ist dies einer der ersten Schwindel, der aufgeflogen ist. Aber nicht einmal diese Geschichte ließ Kempner fallen, unter "Vermenschlichung" verstand man etwas anderes.
Robert M.W.Kempner, "Edith Stein und Anne Frank"
Herder Bücherei, Freiburg 1968, S. 17, 18
Die Rolle des Nebenklägers : Für Zwei von Hunderttausend
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"Vermenschlichung des Massenmord-Prozesses".
Jetzt kurz zur Bedeutung der Nebenklage : Gewiß hat sich die Staatsanwaltschaft durch ihren Vertreter, Oberstaatsanwalt Benedikt Huber, in diesem Verfahren als die objektivste Behörde der Welt erwiesen. Und wir, Nebenkläger für die Opfer der Angeklagten, wollen uns als die fairste juristische Einrichtung beweisen. Wir sind völlig unabhängig von staatlichen, religiösen oder anderen Einrichtungen. Wir sind nämlich die Toten. Wir lassen uns nicht mehr einschüchtern — und die Toten sprechen durch mich. Es sind wichtige Dinge, die hier zur Sprache kommen, wichtig auch vom Standpunkt der Bundesrepublik. Sie betrachtet es als ihre patriotische Haltung, das NS-Gift auch mittels der Justiz auszuscheiden. Wir leben heute nicht mehr zwanzig Jahre nach dem Ersten
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Weltkriege, um 1938, als bereits die Synagogen brannten. Wir leben heute zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriges und sind immerhin ein gutes Stück weitergekommen. Heute sind Geschichtsklassen der Schulen in unserem Gerichtssaal anwesend. Heute sind in München die Bilder der Anne Frank und der Edith Stein ausgestellt, wie ich gestern
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abend zufällig in der Stadt gesehen habe. Fast 25 Jahre nach dem Tod von Anne Frank und der Edith Stein, meine Herren Richter und Geschworenen, kann sich die heutige Generation schwer das Ausmaß dieses ganzen Prozesses klarmachen. Woran liegt das ? An der Ungeheuerlichkeit. Wir sind nun einmal menschliche Wesen. Wenn hier jemand im Saal in Ohnmacht fällt, unmittelbar vor uns, dann interessiert uns das mehr, als wenn es jenseits des Stachus passiert. Und wenn nicht allzuweit von uns, im Vorort Pöcking, eine einzige Frau Ilona von der Bühne umgebracht wird, dann interessiert man sich mehr dafür als bei hunderttausend Opfern in Holland und Auschwitz. Diese sind unfaßbar. Daher ist es meine Aufgabe, den Prozeß zu vermenschlichen. Die Nebenklage ist gerade die juristische Einrichtung, um einen solchen Prozeß zu vermenschlichen. Diese Klage der Opfer ist im Gesetz vorgesehen. Ein Nebenkläger kann sogar selbständig Revision einlegen. Wir könnten auch Schadenersatz verlangen, als Geschädigte im Sinne des Paragraphen 403 der Strafprozeßordnung. Aber wir wollten hier materielle Dinge nicht mit den ideellen Werten vermischen, die im Prozeß auf dem Spiele stehen. ....
An materiellen Dingen wird bei den drei Angeklagten nicht so furchtbar viel zu holen gewesen sein. Da hält man sich zweckmäßiger an die Bundesregierung.
Wenn Kempner anfangs die besten Zensuren an das Gericht verteilt, hat er von seinem Standpunkt sicher recht. Aber es geht für Unkundige doch etwas weit, wenn er auch noch den Standpunkt der Bundesregierung sich zu vertreten anmaßt. Und für die Toten spricht er auch noch.
Kempner, "Edith Stein und Anne Frank", S. 19
.... Bei der Humanisierung dieses Verfahrens stelle ich besondere Personen heraus, obwohl meinem Herzen alle hunderttausend Opfer gleich nahe sind. Aber ich tue dies zur besseren menschlichen Erfassung des Stoffes. Ich selbst kannte
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eine Reihe der Opfer persönlich. So denke ich an einige mir befreundete Juristen — ich habe eine ganze Liste von Namen bekommen — darunter sind frühere Freunde von mir, mit denen ich zusammen wie Sie hier oben auf der Gerichtsbank — vor vielen Jahren als Beisitzer gesessen habe. Ich denke, um nur einige zu nennen, an mehrere jüdische Juristen aus Berlin, die nach 1933 nach Holland geflüchtet sind, u.a. den Senatspräsidenten a.D. Dr. Alfred Unger oder den jungen Referendar Martin Herzfeld oder die umgekommenen Eltern von Lady Hanna Vasey, Tochter des jüdischen Bingener Anwaltsehepaares Richard Strauß oder die Franziskanernonne Mirjam (Else Michaelis) aus Berlin. Es hat sich prozessual erübrigt, auch für diese Hinterbliebenen meiner anderen zahlreichen Bekannten, die die Opfer der Angeklagten wurden, noch besondere Anträge als Nebenkläger zu stellen. ....
Das Zitat steht auch noch unter der Überschrift "Morde vor unseren Augen".
Das Trommelfeuer der Massenmedien überzeugte aber nicht alle. Es gab sogar eine gewisse Gegenreaktion. Sie zu brechen, durch die Herbeischaffung von Beweisen und die Ingangsetzung der Strafjustiz, fühlte sich Wiesenthal aufgerufen.
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 222–224
.... Einige Wochen vorher hatte ein Lehrer an einer Lübecker Oberschule, Studienrat Lothar Stielau, öffentlich erklärt, das Tagebuch der Anne Frank sei eine Fälschung. Er war vom Vater des Mädchens verklagt worden; drei Sachverständige hatten die Authentizität des Tagebuches bestätigt. (Anmerkung des Autors : Inzwischen hat sich herausgestellt, daß ein jüdischer Drehbuchautor aus New York das Tagebuch der Anne Frank "gemacht" hat.) Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hatte der Beklagte "sechs Stunden lang um den Wortlaut eines Widerrufs gefeilscht... Die deutsche Jugend sollte vor solchen "Erziehern" bewahrt bleiben."
Die Unruhen in Linz schienen mir insofern bedenklich, als sie ein Symptom waren : Diese jungen Rowdys hatten keine
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Schuld, wohl aber ihre Eltern und Lehrer. Die Älteren waren schon wieder dabei, den Geist der jungen Generation zu vergiften, weil sie ihre eigene zweifelhafte Vergangenheit zu rechtfertigen suchten. Viele von ihnen waren noch immer Gefangene des Vergangenen mit all der Unwissenheit, dem Haß, der Blindgläubigkeit. Sie hatten aus der Geschichte nichts dazu gelernt. Meine Erfahrungen während der vergangenen zwanzig Jähre haben mich zu der Überzeugung gebracht, daß man die Bevölkerung Deutschlands und Österreichs in drei Gruppen aufteilen kann : die Schuldigen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, obwohl man ihnen diese Verbrechen manchmal nicht beweisen kann; ihre Mitschuldigen — jene, die zwar selbst keine Verbrechen begangen haben, aber davon wußten und nichts dagegen getan haben; und die Schuldlosen. Ich glaube, es ist absolut notwendig, die Unschuldigen und die anderen auseinanderzuhalten. Die junge Generation ist unschuldig. Viele junge Menschen, die ich kenne, sind bereit, den langen Weg zu gehen, der zu Toleranz
und Versöhnung führt. Aber nur wenn klar und deutlich Rechenschaft abgelegt worden ist, wird es der Jugend Deutschlands und Österreichs möglich sein, sich mit den jungen Menschen auf der anderen Seite des Weges zu treffen — mit jenen, die sich noch der Schrecken der Vergangenheit erinnern, aus persönlichem Erleben oder aus dem, was ihre Eltern ihnen erzählt haben. Keine Ausrede kann die Stimme von elf Millionen Toten zum Schweigen bringen. Die jungen Deutschen, die am Grab von Anne Frank beten, haben das schon lange eingesehen. Eine Aussöhnung ist nur auf der Grundlage von Wissen möglich. Alle müssen es wissen, was wirklich geschehen ist. Ein paar Tage nach den Demonstrationen in Linz hielt ich einen Vortrag über den Neonazismus im Wiener Katholischen Akademikerverband. Die anschließende Diskussion dauerte bis zwei Uhr nachts. Ein Professor berichtete von einem Vorfall, den ein Freund erlebt hatte, ein Geistlicher, der am Gymnasium in Wels (Oberösterreich), nicht weit von Linz, Religionsunterricht erteilte. Der Geistliche sprach von den Greueln der Nazis in Mauthausen. Einer der Schüler stand auf.
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"Hochwürden, es ist sinnlos, über diese Dinge zu sprechen. Wir wissen, daß die Gaskammern in Mauthausen nur zum Desinfizieren der Kleidung diente". Der Geistliche war erschüttert. "Ihr habt doch die Wochenschauen gesehen und die Fotos. Ihr habt die Leichen gesehen." (Anmerkung des Autors : In Mauthausen hat es meines Wissens nicht einmal Attrappen von Gaskammern gegeben. Der Schwindel von den Gaskammern in Mauthausen ist längst aufgeflogen.)
"Alles nur Papiermaché", sagte der Junge. "Nur eine gerissene Propaganda, um die Nationalsozialisten zu Schuldigen zu machen."
"Wer sagt das ?"
"Jeder weiß das. Mein Vater könnte Ihnen viel darüber erzählen."
Der Geistliche berichtete dem Leiter der Schule über diesen Vorfall. Eine Untersuchung wurde eingeleitet und eine Umfrage in der nächsten Umgebung veranstaltet. Und dies war das Ergebnis : Die Eltern von mehr als der Hälfte der Schüler dieser Klasse hatten sich aktiv an der Nazibewegung beteiligt. ...
Die Mär von den Gaskammern in Mauthausen hat Wiesenthal schon in seinem Buch "KZ Mauthausen" 1946 verbreitet, hat diese Greuelgeschichte auch später aufrecht erhalten und sich meines Wissens nie von diesem blühenden Blödsinn distanziert.
Seit Jahren bestätigt selbst das "Institut für Zeitgeschichte" — wenn auch ungern — die Tatsache, daß es auf dem Gebiet des deutschen Altreiches keine Gaskammern zum "Vergasen von Menschen" gegeben hat. Die Tatsachen hindern aber Wiesenthal und auch andere nicht, längst widerlegte antideutsche Greuelpropaganda auch dann noch zu verbreiten, wenn der Schwindel längst aufgeflogen ist.
Vor dem Internationalen Militärtribunal wurde durch viele Zeugeneide und Dokumente die "Vergasung" gerade für Mauthausen in Überfülle "erwiesen". Dieser Lug und Trug ist peinlich. Der Herbeischaffung von Beweismaterial gerade über Mauthausen, rühmt sich Wiesenthal und die jüdische Dokumentation. Das tat aber Simon Wiesenthal keinen Abbruch. Als Spezialist im Herbeischaffen von Zeugen, Angeklagten und Beweismitteln scheint er immer noch die Rolle der Feuerwehr zu spielen, die da eingesetzt wird, wo es
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brennt.
Er schaffte auch die "Ehrenrettung" für das Tagebuch der Anne Frank spielend. Neben dem Bild des von ihm "aufgespürten" Herrn Silberbauer verkündet er den Triumph seines Erfolges über seine Gegner, die, da er selbst "Antinazi" ist, natürlich Nazis oder Neonazis sein müssen.
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 225, oben
Daß das Tagebuch Anne Franks echt ist und kein "Schwindel", wie auf neonazistischen Flugblättern anläßlich der Störung einer Aufführung des Stückes "Anne Frank" von Ernst Schnabel im Linzer Landestheater behauptet wurde, bewies Simon Wiesenthal, indem er den Mann aufspürte, der Anne Frank im Jahre 1944 verhaftet hatte : Karl Silberbauer.
Darunter bringt er sogar den Text des Flugblattes, das er für widerlegt hält.
Wiesenthal, Doch die Mörder leben", S. 225, unten
"Dieses Stück ist ein Schwindel. Anne Frank hat niemals gelebt. Die Juden haben die ganze Sache erfunden um mehr Wiedergutmachung herauszuschlagen. Glaubt nicht ein Wort davon ! Es ist reine Erfindung !"
Nun kann ich mich mit dem Flugblatt, soweit es im juristischen Sinne als Tatsachenbehauptung gewertet werden kann, nicht identifizieren. Dafür verhängen die Gerichte zu drakonische Strafen, und mit der Humanität, die Wiedergutmachungsbetrügern und Sexualverbrechern gewöhnlich entgegengebracht wird, darf man nicht rechnen.
Trotzdem erlaube ich mir die persönliche Meinungsäußerung, daß mir das "Tagebuch der Anne Frank" als ein groß aufgelegter Wiedergutmachungsschwindel erscheint. Daran kann auch ein Polizeiinspektor Karl Silberbauer nichts ändern.
Bei der Wiener Polizei halte ich viele Dinge für möglich. Ein Häftlingsgenosse, der wie Wiesenthal im KZ Mauthausen gewesen
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sein will, wurde 1945 in die politische Polizei in ¥Wien aufgenommen. Dieser Hans Marsalek leistete sich in Nürnberg einen Eid, der ganz tolle Schauermärchen enthält. "Vergasungen" in Mauthausen und Schloß Hartheim sind natürlich auch dabei. Listigerweise stützt sich Marsalek aber dabei nicht auf eigene Kenntnis, sondern auf Aussagen von zwei namentlich genannten ehemaligen Mauthausen-Häftlingen, sowie — makabererweise — auf den Lagerkommandanten Franz Ziereis. Als Ziereis nach der Einnahme des Lagers durch die Amerikaner mit Bauchschüssen im Sterben lag, will Marsalek ihn vernommen haben, und die faustdicke antideutsche Greuelhetze will Marsalek von Ziereis erfahren haben.
Diesen Auswurf des Deutschenhasses findet man noch weiter ausgeschmückt und ausgewalzt, als das "Totenbett-Geständnis" in Wiesenthals Buch "KZ Mauthausen" verewigt. Da ist auch ein schönes Selbstbildnis von Wiesenthal zu bewundern, auf dem er mager und in KZ-Kleidung mit dem Finger auf den Betrachter zeigt. Darunter steht "j'accuse !" (Ich klage an).
Auf seiner Brust ist eine ganz unmögliche Häftlingskennzeichnung zu bewundern, ein rotes Dreieck in der Größe der Häftlingsnummer mit einem J. Das läßt sich nur, wie manches bei Wiesenthal, mit dichterischer oder schöpferischer Freiheit erklären. Würde man dies nicht tun, müßte man annehmen, daß Wiesenthal niemals im KZ war und deshalb eine falsche Häftlingskennzeichnung erfunden hat.
Politische Häftlinge aus Frankreich oder Spanien wurden zwar mit einem roten Dreieck gekennzeichnet, in dem ein F oder S angebracht war. Aber ein rotes Dreieck mit einem J gab es nicht.
Nach Eugen Kogon wurden jüdische politische Häftlinge durch einen Stern gekennzeichnet, der durch ein gelbes Dreieck mit der Spitze nach oben, sowie einem davor gesetzten roten Dreieck gleicher Grüße mit der Spitze nach unten gebildet wurde.
Im Gegensatz zu Wiesenthal macht Kogon für den KZ-Terror die SS nicht allein verantwortlich. In dem Vorwort zu seinem Buch schreibt er über radikale Antifaschisten :
(Fortsetzung S. 24)
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Dieses Kunstwerk ist ein Selbstbildnis des verhinderten Dichters Simon Wiesenthal. Ein bemerkenswertes Produkt schöpferischer Phantasie ist die völlig unmögliche Häftlingskennzeichnung. Da es diese Kennzeichnung nie gegeben hat, dürfte feststehen, daß Wiesenthal nie in einem KZ war und sich nicht einmal über die Kennzeichnung der Häftlinge informiert hat.
Die Nummern waren wesentlich kleiner als die Dreiecke. Vor allem aber gab es kein Dreieck mit einem J. Rot waren die Dreiecke für politische Häftlinge. Grün für Kriminelle. Schwarz für Asoziale. Bei Juden wurde das Dreieck vor ein gelbes Dreieck mit der Spitze nach oben gesetzt, sodaß sich ein Stern ergab.
(Bild entnommen aus : "KZ Mauthausen", Bild und Wort von Dipl.-Ing. S. Wiesenthal, ehem. pol. KZ-Häftling Nr. 127 371, Ibis-Verlag, Linz-Wien 1946.)
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Eugen Kogon, "Der SS-Staat", Verlag Karl Alber, München, 1946, S. IX, X :
.... Zehntausende Überlebender, die in den Lagern unter dem Terror und der Arroganz ihrer Mithäftlingsherren manchmal noch mehr gelitten haben als unter den Gemeinheiten der SS, werden mir dankbar dafür sein, daß ich auch diese Seite der Lager aufgehellt, daß ich nicht aus Angst vor gewissen politischen Typen, die heute als radikale Antifaschisten ein großes Wort angeben, ihre Rolle in den Lagern verschwiegen habe. Ich weiß, daß es Kameraden gibt, die beinahe verzweifelten, als sie damals erkennen mußten, wie sehr gewisse SS-Praktiken in den Reihen der Unterdrückten Schule gemacht hatten, erst recht aber, als sie sahen, daß Ungerechtigkeit und Brutalität von einer ahnungslosen, gutgläubigen Umwelt hinterher auch noch mit dem Nimbus des Heroentums bekleidet wurden. Solche KZ-Profitierer werden von gewissen Partien meines Berichtes nicht erbaut sein, denn er bietet die Mittel, falsche Gloriolen zum Erblassen zu bringen : In welchem Lager warst Du ? In welchem Kommando ? In welcher Funktion ? Mit welcher Farbe ? In welcher Parteizugehörigkeit ? Wie lange ?, und was dergleichen Fragen mehr sind, die von nun an jeder stellen kann, der dieses Buch gelesen hat und dann über die nationalsozialistischen Konzentrationslager Bescheid weiß. Ich halte den Säuberungsprozeß, zu dem hier hoffentlich ein Beitrag geleistet ist, für notwendig, damit der Mißkredit, in den die Sache durch so manche Person und so manches falsche Propagandawort bereits gekommen ist, nicht noch zunimmt, um schließlich jenen großen, alles verhüllenden Wandschirm abzugeben, hinter dem sich ein dumpfes Schuldgefühl oder gar die Böswilligkeit hartgesottener Chauvinisten bequem verbergen könnten.
Wenn man Fragen, wie sie Kogon hier anregt, sich beim Lesen von Wiesenthals Büchern vorlegt, kann es einem recht unwahrscheinlich vorkommen, daß der Schriftsteller Wiesenthal praktische KZ-Erfahrung hat. Dabei will er in vielen KZs und sogar beim Sonderkommando 1005 gewesen sein. Außer Mauthausen sind keine sehr bekannten Namen von KZs darunter. Mir erscheinen manche weniger be-
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kannte KZs, wie auch das Sonderkommando 1005, wie Schöpfungen dichterischer Phantasie.
Phantasiebegabt erscheinen mir aber nicht nur Wiesenthal und seine "jüdische Dokumentation", sondern auch Kommunisten oder Kommunistenfreunde und deren Organisationen. Da bestehen vielfache Verbindungen, und man arbeitet Hand in Hand.
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 232, 233
.... Am Morgen des 11. November (1963) veröffentlichte die "Volksstimme", das Organ der Kommunistischen Partei Österreichs, eine sensationelle Geschichte : Inspektor Karl Silberbauer von der Wiener Polizei war vom Dienst suspendiert worden "wegen eines schwebenden Verfahren und möglicher gerichtlicher Verfolgung" — die Untersuchung gelte der Rolle, die er im Fall Anne Frank gespielt habe. Die Kommunisten holten aus ihrer sensationellen Nachricht heraus, was herauszuholen war. Radio Moskau meldete, der Mann, der Anne Frank verhaftet habe, sei endlich "durch die Wachsamkeit österreichischer Widerstandskämpfer und anderer fortschrittlicher Elemente" entlarvt worden. Die "Iswestija" pries die Ermittlungsarbeit der österreichischen Genossen.
Ich rief Dr. Wiesinger an. Er war in großer Verlegenheit. "Natürlich wäre es uns lieber gewesen, wenn Sie die ganze Geschichte aufgedeckt hätten und nicht die Kommunisten. Wie konnten wir ahnen, daß Silberbauer quatschen würde. Man rechnete doch damit, daß er seinen Mund hält."
Ich jedenfalls war gewillt, den meinen nicht zu halten. Ich rief den Chefredakteur einer holländischen Zeitung in Amsterdam an und gab ihm die Geschichte durch. Sie machte Schlagzeilen in allen Zeitungen der ganzen Welt. Ich erhielt mehr Telegramme und Briefe als nach der Festnahme Eichmanns. Es gab Radio- und Fernseh-Interviews. Paul Kraler, heute in Kanada, erzählte der Welt, wie die Franks da oben in dem Dachgeschoß gelebt hatten. Und in der Schweiz sagte Herr Frank, er habe immer gewußt, daß der Gestapo-Mann, der sie verhaftet hatte, ein SS-Mann namens Silberbauer gewesen sei.
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Alle Welt war erregt, nur die österreichischen Behörden nicht, die sich dahingehend äußerten, man könne gar nicht verstehen, "warum so viel Aufhebens von der Sache gemacht wird" (wie mir ein hoher Beamter sagte). Die Journalisten wollten mit Silberbauer sprechen, aber der Innenminister lehnte es ab, Fotos von Silberbauer zur Veröffentlichung freizugeben, und versuchte, ihn von der Außenwelt fernzuhalten. Da war ich nun allerdings anderer Ansicht. Ich übergab Silberbauers Privatadresse einem holländischen Journalisten, denn meiner Meinung nach stand den Holländern in erster Linie das Recht auf ein Exklusiv-Interview zu. ....
Simon Wiesenthal scheint mir nicht nur gute Verbindungen zur Strafjustiz und zu Presse, Rundfunk und Fernsehen zu haben, sondern er weiß wohl auch, wie erfolgreich Propaganda gemacht wird. Aber darüber hinaus scheint er die Fähigkeit zu besitzen, auf die heute geübte Art der Geschichtsschreibung befruchtend zu wirken.
Hier beginnt nun die schauerlichste und mir am unwahrscheinlichsten vorkommende Geschichte, die ich bei Wiesenthal gefunden habe. Sie beginnt mit der Euthanasie und endet mit den Massenvernichtungslagern für Juden und hat beste Aussichten, als "ewige Wahrheit" in die Geschichtsbücher einzugehen. In Wiesenthals Buch steht sie unter dem Kapitel "Schule für Massenmord".
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 389
.... Von Schloß Hartheim hörte ich erstmals während der letzten Wochen meiner Haft im KZ Mauthausen. Die Krematorien liefen auf höchsten Touren. Wenn einmal ein Ofen wegen einer Panne ausfiel, kam zur Reparatur ein "Fachmann aus Hartheim". Und von Zeit zu Zeit wurden Gruppen von Häftlingen "nach Hartheim" geschickt, von wo sie nie zurückkamen. Irgend jemand erzählte mir, Hartheim sei ein altes Schloß, nicht weit von Mauthausen. Dieses "Hartheim" war offenbar gleichbedeutend mit Tod. ....
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Auch hier ist listigerweise von "Vergasung" keine Rede. Aber diese Behauptung ist an so vielen Stellen im schriftstellerischen Schaffen von Wiesenthal enthalten, daß man sie hier als selbstverständlich voraussetzen soll.
Wer aus dem Zitat entnimmt, daß hier die "Judenvernichtung" in ihrem vollen Betrieb dargestellt wird, ist ganz gewaltig getäuscht. Gleich zwei verschiedene und von einander unabhängige, heute bereits als allgemein bekannte Tatsachen geltende Gründe schließen aus, daß die im Zitat beschriebene Massenvernichtung von Juden oder anderen Menschen stattgefunden hat.
Zuerst steht heute nun einmal fest, daß es Massenvernichtungen, insbesondere durch "Vergasungen" auf dem Gebiet des alten deutschen Reiches überhaupt nicht gegeben hat. Die Behauptung, daß es Massenvernichtungslager auf polnischen Gebiet gegeben haben soll, kann hier nicht groß erörtert werden. Aber Simon Wiesenthal bekommt das Kunststück fertig, diese Behauptung dadurch lächerlich zu machen, daß er, wie sich später zeigen wird, diese Lager auf angebliche "Euthanasie-Vergasungen" aus der Schule von Linz (Hartheim) zurückführt.
Der zweite Grund, der ausschließt, daß die beschriebenen Massenvernichtungen tatsächlich stattgefunden haben können, liegt im Zeitpunkt. So kurz vor Kriegsende hat es keine Massenvernichtung in diesem Sinne gegeben. Der sogenannte "Stop der Endlösung", die Einstellung der angeblichen Massenvernichtung, wurde bereits vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg von Zeugen wie Rudolf Höß, Kurt Becher und dem Juden Rudolf (Reszö) Kastner (Kaszner) bezeugt und offiziell anerkannt. Da man keinen Befehl zur Massenvernichtung feststellen konnte — übrigens bis heute — begnügte man sich mit dem Rückschluß, daß der Einstellungsbefehl einen Befehl voraussetze. Dem trat aber der Angeklagte vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg, Ernst Kaltenbrunner, entgegen. Er bestritt entschieden, daß ein solcher "Ausrottungsbefehl" je vorgelegen habe und behauptete, den "Einstellungsbefehl" bei Hitler selbst erwirkt zu haben, als er von Morden an Juden hörte, die unter der Verantwortung seines direkten Vorgesetzten Heinrich Himmler in relativ geringem Aus-
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maß vorgekommen sein sollen. Außerdem hörte Kaltenbrunner von der Entlassung von Juden ins Ausland, angeblich gegen Lösegeld.
Meiner Meinung nach hat es den Einstellungsbefehl gegeben, aber er war vorsorglicher Art. Wahrscheinlich sind auch einige Juden durch Himmlers Eigenmächtigkeit in Feindesland entlassen worden. Aber Geschichten von Lösegeld (Juden gegen Lastwagen) oder gar von eigenmächtigen Morden im Auftrag Himmlers, erscheinen mir zu phantastisch, um nicht den Ausdruck absurd zu gebrauchen.
Damit ist das Stichwort gegeben, um zu Simon Wiesenthal und seiner Euthanasie-Story zurückzukehren.
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 389–391
.... Von Euthanasie — bei den Nazis als "Gnadentod" bezeichnet — ist erstmals im Januar 1940 die Rede. Damals fand auf Hitlers Befehl in Brandenburg an der Havel ein Treffen zwischen Reichsleiter Philipp Bouhler, Reichs"gesundheits"führer Dr. Leonardo Conti und Hitlers Leibarzt Dr. Karl Brand statt. Sie hatten den Auftrag, ein Programm zur Vernichtung lebensunwerten Lebens aufzustellen. Das Projekt galt als "Geheime Reichssache" und stand unter unmittelbarer Aufsicht der Kanzlei des Führers, (Anmerkung des Autors : Die Kanzlei des Führers dürfte Philipp Bouhler unterstanden haben. Heß und später Bormann unterstand die "Partei-Kanzlei"), die zunächst von Rudolf Heß und, nach dessen Englandflug, von Martin Bormann geleitet wurde. Bormann bestellte einen Ausschuß von medizinischen Sachverständigen unter Vorsitz von Professor Dr. Werner Heyde, der für den Tod von mindestens einhunderttausend Menschen verantwortlich war, tauchte nach Kriegsende als "Dr. Sawade" unter, wurde 1962 verhaftet und beging im Untersuchungsgefängnis kurz vor Beginn des Prozesses gegen ihn Selbstmord.
Während der ersten Phase der "Euthanasie-Morde" waren die Opfer bestimmte Gruppen von Menschen : die Geistesgestörten, die unheilbar Kranken, die sehr Alten — also alle, die man für "unnütze" Esser hielt. Wer nichts leistete und dennoch
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Essen brauchte, hatte kein "Recht auf Leben". Die meisten der Unglücklichen waren Christen — Patienten deutscher und österreichischer Krankenhäuser und Heilanstalten. Juden waren nicht darunter — die meisten hatte man ja schon in die Konzentrationslager gebracht. Die Nazis betrachteten "Euthanasie" als eine quasi-ethische Art des Mordes, die den Angehörigen der eigenen "Rasse" vorbehalten blieb. Amtlich wurde das Unternehmen unter dem Decknamen "T 4" geführt, nach einer eleganten Villa in der Berliner Tiergartenstraße 4, wo sich die Zentrale befand.
Die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen trafen Ärzte — die "T 4-Sachverständigen". Sie erhielten die Akten der "nutzlosen Esser" von Krankenhäusern und Heilanstalten in Deutschland, Österreich und anderen Ländern zugesandt und überflogen die Aufzeichnungen, ohne die dazu gehörigen Menschen auch nur je gesehen zu haben. Hatte ein solcher "Sachverständiger" die Akte mit einem Kreuz gekennzeichnet, so bedeutete dies das Todesurteil.
Anschließend gingen die Unterlagen an eine Spezialtransporteinheit, deren kräftige "Pfleger" die dem Tod überantworteten Männer und Frauen zu der nächstgelegenen "Klinik" oder dem entsprechenden "Sanatorium" brachten. Dort erhielten die Opfer eine Injektion von schnellwirkendem Gift. In den mir bekannten Berichten werden vier solcher Stätten des Mordes genannt : drei in Deutschland, nämlich Hadamar bei Limburg, Sonnenstein bei Pirna in Sachsen und Schloß Grafenegg in der Mark Brandenburg. Nummer vier war Schloß Hartheim bei Linz.
Nachdem man die meisten "unnützen Esser" aus den Kranken-und Heilanstalten beseitigt hatte, wurde das Unternehmen unter der Tarnbezeichnung "14 f 13" erweitert. Es bezog nun auch deutsche und österreichische KZ-Häftlinge ein, die bei der zermürbenden Zwangsarbeit erkrankt oder invalide geworden waren.(Der österreichische Altbundeskanzler, Dr. Alfons Gorbach, ein Invalide, war für Schloß Hartheim bestimmt gewesen. Nur seine schöne Handschrift rettete ihn — er wurde
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in die Schreibstube des KZs Dachau abgestellt.) Die "Aktion 14 f 13" begann 1941 und hielt bis Kriegsende an. Nach 1943 kamen auch viele französische KZ-Häftlinge nach Schloß Hartheim, um dort zu sterben. ....
Bei Fragen an Ältere nach der "Ausrottung unnützer Esser" bin ich noch nie auf eine andere Reaktion gestoßen, als auf verständnisloses Kopfschütteln. Die Älteren, die die "Nazizeit" selbst erlebt haben, können sich überhaupt nicht vorstellen, was man unter diesem Schlagwort verstehen soll. Sehr schnell habe ich Fragen danach unterlassen, ich kam mir einfach selbst zu dumm vor, reale Fragen nach solchen Phantasiegebilden zu stellen.
Euthanasie oder Gnadentod wurde mir häufig erklärt als die Möglichkeit, Contergan-Typen zum Wohle aller eine Spritze geben zu dürfen, so wie dies meinem eigenen Empfinden entspricht. Selbst Hitler-Gegner priesen dies als etwas Vorbildliches. Mit einem Vergleich über den tagespolitischen Streit um den Abtreibungsparagraphen, der wohl doch auf einer etwas anderen Ebene liegt, will ich mich hier garnicht erst abgeben.
Abgesehen von diesem allen, erscheint mir das nun folgende längere Zitat in so vielen Einzelheiten in höchstem Maße unglaubwürdig, daß ich später nur zu den auffälligsten Unglaubwürdigkeiten Stellung nehmen werde.
Der anfangs oft genannte Bruno Bruckner, ein Informant Wiesenthals, erscheint mir ebenso vertrauenswürdig wie Wiesenthal selbst.
Wiesenthal, "Doch die Mörder leben", S. 393–398
.... Im Schloß angelangt, wurde Bruckner zum Leiter des "Sanatoriums", Hauptmann Christian Wirth, geführt. Bruckner beschrieb ihn so : "Nett nach Dienstschluß, aber sehr streng im Dienst. Nicht eine Sekunde hätte er gezaudert, einen zu erschießen, wenn etwas nicht klappte." Wirth erklärte Bruckner, er müsse "von jedem Patienten drei Fotos" machen, zeigte ihm die Dunkelkammer, die wirklich erstklassig ausgestattet war, und brachte ihn in seine Unterkunft.
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Bruckner fotografierte täglich etwa dreißig Patienten, manchmal auch mehr. Es war Schwerarbeit. "Einige Patienten waren gefährliche Irre, die von den Pflegern in Zwangsjacken gesteckt werden mußten. Ein- oder zweimal riß sich ein Patient los, bevor er die tödliche Spritze erhielt, und sprang mich an. Es war schlimm. Das schlimmste aber war, daß ich nichts essen konnte. Ein schrecklicher Gestank von den Krematoriumsöfen lag in der Luft bei Tag und Nacht. Nach einigen Tagen ging ich zu Hauptmann Wirth und sagte, ich könne es hier nicht aushalten und bäte deshalb um Entlassung."
Hauptmann Wirth hat das nicht sehr freundlich aufgenommen. Er ließ Bruckner die Wahl unter drei Möglichkeiten : "Entweder bleiben Sie hier und halten Ihr Maul, Bruckner, oder Sie kommen nach Mauthausen, oder, wenn Ihnen das lieber ist, werden Sie gleich hier erschossen."
Niedergeschlagen ging Bruckner in seine Unterkunft zurück. Am Abend sandte Hauptmann Wirth eine Flasche Schnaps. Bruckner betrank sich und vergaß dabei den Gestank um sich her.
Nach und nach erfuhr Bruckner immer mehr Einzelheiten über Hartheim. Das war gar nicht so einfach, weil die hier Beschäftigten sich ausschwiegen und ihm rieten, keine Fragen zu stellen, wenn ihm sein Leben lieb sei. Aber Bruckner war kein Dummer. Ihm fiel auf, daß die beiden leitenden Ärzte, Dr. Rudolf Lohnauer aus Linz, der Chefarzt, und sein Stellvertreter, Dr. Georg Renno, seine Fotografiererei gar nicht gerne sahen. Er hatte seinen Auftrag jedoch direkt von Wirth. Nach ein paar Wochen hatte der ihm befohlen, er solle im Keller die neuesten "Experimente" aufnehmen.
"Was für Experimente ?" fragte der Polizist. "Die Patienten wurden nun mit Gas getötet. Ich mußte während des Todeskampfes von ihnen Nahaufnahmen machen. Wenn sie tot waren, hatte ich ihr Gehirn zu fotografieren. Wirth nannte das "wissenschaftliches Material" und schickte alles nach Berlin. Keines von den Bildern durfte ich behalten. Direkt neben dem Experimentierraum befand sich das Krematorium. Ich stellte keine Fragen. Es war ein gut bezahlter
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Posten. Dreihundert Mark bekam ich im Monat, und dazu hatte ich noch etwas Nebenverdienst, indem ich mit Hauptmann Wirths Erlaubnis Bilder von den Angestellten machte. Das Essen war ordentlich, und wir hatten immer ausreichend Alkohol. Und abends wurden Feste gefeiert. Jeder ging mit jedem ins Bett. (Anmerkung des Autors : Letzteres soll doch wohl eine "Errungenschaft" von mündigen Bürgern in der freiheitlichen Demokratie sein, die von nazistischer Strafjustiz unterdrückt worden ist. Alte "Nazis" bestreiten jedenfalls, daß solche "Schweinereien" damals möglich waren.)
Bruno Bruckner machte seine Arbeit und schwieg. Später wurde Hauptmann Wirth versetzt, sein Nachfolger war ein gewisser Franz Stangl. Irgendwann 1941 war dann die schöne Zeit für Bruno vorbei. Er wurde zur Wehrmacht eingezogen und kam an die Ostfront.
"Gab es sonst noch etwas, was Ihnen in Hartheim besonders aufgefallen ist ?", fragte der Beamte.
"Ja, eines habe ich nicht enträtseln können. Jeden Tag wurden etwa dreißig bis fünfzig Patienten im Keller vergast, und trotzdem waren mindestens achtzig Angestellte da. Manche kamen zum Zuschauen in den Keller. Wozu brauchten die so viel Personal ?"
Einige Wochen später, nach gründlichen Ermittlungen, konnte ich Bruckners Rätsel lösen. Schloß Hartheim war nicht nur eine Institution des "Euthanasie"-Programms, wie ich zunächst angenommen hatte, sondern noch viel mehr.
Verschiedene scheinbar in keinem Zusammenhang stehende Tatsachen fügten sich zu einem Bild zusammen. Wirth, der seinerzeitige Kommandant von Hartheim, hatte später die oberste Leitung von drei polnischen Ausrottungslagern : Belzec, Sobibor und Treblinka, wo von 1941 bis 1943 eineinhalb Millionen Männer, Frauen und Kinder vergast wurden. Sein Nachfolger in Hartheim, Franz Stangl, wurde später Kommandant und Gustav Wagner, ein weiterer "Schüler" von Hartheim, Kommandant des KZs Sobibor. (Heute hält sich Wagner vermutlich unter einem falschen Namen in Argentinien verborgen.) Der
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Chefarzt von Hartheim, Dr. Rudolf Lohnauer aus Linz, beging nach dem Krieg mit seiner ganzen Familie Selbstmord. Sein Stellvertreter, Dr. Georg Renno, wurde 1963 in Frankfurt verhaftet und sieht dort seinem Prozeß entgegen. Und schließlich : Viele SS-Leute, die in den Gaskammern und Krematorien verschiedener Konzentrationslager technische Arbeiten verrichteten, waren vorher einige Zeit in Hartheim gewesen oder in einer der übrigen "Euthanasie-Kliniken".
Und dies ist die furchtbare Wahrheit : Die "Euthanasie"-Zentren waren regelrechte Schulen für Massenmord. Ich habe mich zwar nur mit Hartheim beschäftigt, das für mich leicht erreichbar war, aber es gibt gleichartiges Beweismaterial über die anderen drei "Institute" in Deutschland — alle waren sie Ausbildungsstätten für Hitlers Völkermordprogramm.
Diese Entdeckung liefert auch die Antworten auf Fragen, die sich seit Kriegsende Historiker und Kriminologen immer wieder gestellt haben : Wie sind die Leute ausgesucht und geschult worden, die den Mord an elf Millionen zu begehen hatten ? Und wie konnten sie ihr Geheimnis so gut wahren, daß noch Jahre nach Kriegsende nichts darüber bekannt war ? Fraglos mußten diejenigen, die in den Gaskammern tagein, tagaus, Woche um Woche dem Tod von Zehntausenden von Menschen beizuwohnen hatten, technisch und psychisch gedrillt sein, wenn sie nicht unter der ständigen starken Belastung zusammenbrechen sollten.
1947 begann ich, dieses Problem mit verschiedenen Fachleuten zu diskutieren, die die Akten der nazistischen Vernichtungsmaschinerie studiert hatten. Ich fragte Historiker, Kriminologen, Ärzte und die Forscher am Yad-Vashem-lnstitut in Jerusalem : Wie läßt es sich erklären, daß der Mechanismus der Ausrottung in den Todeslagern nie zusammengebrochen ist ? Wir wissen, daß die Nazis im Januar 1941 auf der Wannseekonferenz (Anmerkung des Autors : Tatsächlich ist da auch ein schlampig fabriziertes Machwerk, das "Protokoll der Wannseekonferenz" als historisches Dokument in die Welt gesetzt worden. Damit habe ich mich in meinem Buch "Die End-
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lösung der Judenfrage" Band 1, ausführlich auseinandergesetzt. Die Konferenz soll übrigens nach Kempner und anderen am 20.1.1942 stattgefunden haben.) die systematische Vernichtung von elf Millionen europäischer Juden beschlossen haben und daß dann verschiedene Methoden dafür erprobt worden sind. Wir wissen, daß es technische Pannen gegeben hat. So war einmal Himmler anwesend, als Experimente mit der Anwendung der Auspuffgase von Unterseebootmotoren mißlangen, worauf der "Reichsführer SS" einen Wutausbruch hatte und drakonische Strafen verhängte. Maschinen waren ausgefallen, ihre Bedienungsmannschaften jedoch niemals. Wie konnte es geschehen, daß die Menschen, die Gaskammern und Verbrennungsöfen in Gang zu halten hatten, zuverlässiger waren als die Maschinen ? Waren sie technisch und psychisch gedrillt worden, um die schreckliche Belastung zu ertragen ? Diese Rätselfragen plagten mich jahrelang. Die Nazis hatten gewußt, daß ihre Zeit zu Ende ging. Aber die Pläne für die Ausrottung der Zigeuner, der Polen, der Russen und so weiter lagen vor, und dies bedeutete, daß die Mordmaschinerie auf vollen Touren laufen mußte. Alle Tatsachen führten auf einen Schluß hin : Irgendwo sind Sonderkader von technisch ausgebildeten und bis zum letzten gefühllos gemachten Henkern ausgebildet worden. Schloß Hartheim und die anderen "Euthanasie"-Zentren lieferten die Lösung des Problems. Dort hatte die Ausbildung stattgefunden.
Hartheim war eingerichtet wie ein medizinisches Hochschulinstitut — nur daß die "Studenten" dort nicht lernten, Menschenleben zu retten, sondern sie so rationell wie möglich auszulöschen. Das Sterben der Opfer war Gegenstand klinischer Studien, es wurde genauestens fotografiert und "wissenschaftlich" perfektioniert. (Bei späteren Prozessen in Deutschland stellte es sich heraus, daß auch in den Todeslagern von Belzec, Sobibor und Treblinka Fotografen Aufnahmen von Sterbenden machen mußten). Verschiedene Gasgemische wurden ausprobiert, um das wirksamste zu finden. Mit laufenden Stoppuhren beobachteten die "Ärzte" in Hartheim die Opfer durch die Gucklöcher in der Kellertür; dabei stellten sie die
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Länge des Todeskampfes auf Zehntelsekunden genau fest. Zeitlupenaufnahmen der Sterbenden wurden eingehend studiert, die Gehirne der Toten fotografiert, um exakte Daten über den Eintritt des Todes zu gewinnen. Nichts blieb dem Zufall überlassen.
Zuerst sahen die "Studenten" den Experimenten zu, dann führten sie sie selbst durch. Jeden "Studenten" hatten hohe Naziwürdenträger, die sogenannten Gauinspekteure, sorgfältig ausgesucht. Die Geheimhaltungspflicht war in diesen Dingen so streng, daß die Gauinspekteure darüber persönlich und unmittelbar an die Kanzlei des "Führers" zu berichten hatten. Die Nazis wußten, daß ihnen dabei kein Fehler unterlaufen durfte. Man brachte Deutsche und Österreicher um — das konnte erhebliche Schwierigkeiten geben. Aber trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kam es doch in den "Sanatorien" von Sonnenstein und Grafenegg zu Pannen. Bei der Bevölkerung wurden Gerüchte laut, sodaß die beiden Vernichtungsstätten geschlossen werden mußten. In Hadamar und Hartheim hingegen war die Organisation perfekt. Die Orte lagen streng abgeschlossen, und es gab kein Gerede.
Es wird nie genau festzustellen sein, wieviele Menschen in dem Renaissanceschloß mit den wunderschönen Kolonnaden ermordet worden sind. Für die Opfer von Hartheim — zumeist deutsche und österreichische Christen — gibt es kein Denkmal. Die Listen der "Patienten" sind nie gefunden worden. Beim Dachauer Prozeß 1947 sagten Zeugen aus, jeden Tag seien dreißig bis vierzig menschliche Versuchskaninchen in den Kellern "behandelt" worden. Das ergibt eine Gesamtzahl von etwa dreißigtausend Menschen in drei Jahren. Gegen das Ende zu war Hartheim nur noch eine weitere Stätte der Vernichtung : Wenn die Henker im nahen Mauthausen überlastet waren, schickten sie die überzähligen Opfer nach Hartheim.
Die "Absolventen" von Hartheim wurden später selbst Lehrer von "wissenschaftlich" ausgebildeten Mördern. Nach einer gewissen Zeit der Übung waren die "Studenten" gegen das Schreien der Opfer abgehärtet, wie die "Lehrer" an den Reaktionen ihrer "Schüler" beobachten konnten. Es war ein psy-
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chologisch wohldurchdachter Schachzug, bei der Ausbildung der Massenmörder Deutsche und Österreicher als Opfer zu verwenden. Wenn ein "Student" beim Mord an seinen eigenen "Volksgenossen" nicht zusammenbrach, dann konnte man sicher sein, daß er auch keine moralischen Bedenken hatte, Tausende von "Untermenschen" auszurotten. Und ein "Student", der nicht durchhielt, kam an die Front.
Ich übergab mein Beweismaterial zum Geschehen in Hartheim dem damaligen österreichischen Justizminister, Dr. Christian Broda. Am 20. Februar 1964 konnte ich der Presse mitteilen, daß der Minister mir in Anwesenheit des Generalstaatsanwalts, Dr. Franz Pallin, versichert hatte, mein Material werde unverzüglich bearbeitet, "damit die neuen Erkenntnisse bei der Abwicklung sämtlicher anhängiger Verfahren Anwendung finden können." Die Akten enthalten die Namen einiger österreichischer Bürger, die in Hartheim tätig waren. Während ich diese Worte schreibe, im Sommer 1967, befinden sie sich noch immer auf freiem Fuß. ....
Eine solche Story bringt natürlich Staatsanwälte in Trab. Wenn es manchmal lange dauert, bis es zu Verurteilungen kommt, oder gar, wenn Verurteilungen beim besten Willen nicht möglich sind, liegt dies sicher nicht an der mangelnden Bereitschaft der Staatsanwaltschaften, Wiesenthal behilflich zu sein.
In manchen Einzelheiten ist die Geschichte Wiesenthals auch nicht so ganz neu. Der in England lebende Jude Gerald Reitlinger, der als Historiker auf diesem Gebiet beinahe allseits öffentliche Anerkennung genießt, hat für eine ganz ähnliche Story sogar einen Zeugen gefunden.
Gerald Reitlinger, "Die SS", Tragödie einer deutschen Epoche,
Verlag Kurt Desch, München 1956, S. 266 :
... Erst gegen Ende des großen Nürnberger Prozesses, am 7. August 1946, stieß man durch die Aussagen des SS-Zeugen Konrad Morgen auf den Ursprung der größten Mordorganisation der Geschichte. In dem folgenden "Ärzteprozeß" wurde diese Entdeckung weiterverfolgt, und es zeigte sich, daß die ganze
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Geschichte im Namen der Sozialhygiene mit der Beseitigung der unheilbar Geisteskranken begonnen hatte. Zwischen Oktober 1939 und August 1941 wurde diese Aktion in großem Maßstab in Deutschland durchgeführt. Später wurde die Organisation, die hiermit beauftragt war, nach Polen verlagert, um dort den Massenmord an den Juden zu vollziehen. ....
Die Nürnberger Aussage von Dr. Konrad Morgen habe ich in meinem Buch "Die Endlösung der Judenfrage" Band 1, Zeugen, ausführlich wiedergegeben. Morgen erzählte eine Schauergeschichte von "Judenausrottung durch Juden" in Lublin, bei der Wunder geschehen sein müssen, wenn die eidliche Aussage wahr sein soll.
Außerdem will Morgen Ende 1943, Anfang 1944 nach Auschwitz gekommen sein, um als SS-Richter dort Untersuchungen zu führen und will dabei mit dem Kommandanten Höß zu tun gehabt haben, der nur bis zum 1. Dezember 1943 Lagerkommandant war. Im Gegensatz zu Höß, der Birkenau als das Vernichtungslager nannte, bezeichnete Morgen Monowitz als das Vernichtungslager. Dort soll eine in SS-Uniformen gesteckte Spezialtruppe von Esten, Litauern und Ukrainern unter Leitung von Höß und einem "Hauptsturmführer Hartenstein oder so ähnlich" die Judenvergasungen durchgeführt haben.
Aber auch im großen Frankfurter Auschwitz-Prozeß war Morgen Zeuge und sagte aus :
Bernd Naumann, "Auschwitz", Fischer-Bücherei, April 1968, S. 112
... Im Hof der Krematorien seien jüdische Häftlinge wie Hunde um ihn herumgeschlichen, um ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen zu können, damit sie nur ja nicht beim nächsten Transport mit vergast wurden, sagt Morgen. Die Gaskammern und Krematorien seien so diabolisch eingerichtet gewesen, daß die Opfer wirklich erst im letzten Augenblick ihr Schicksal erkannt hätten. In dem riesigen Krematorium sei alles spiegelblank gewesen; nichts habe darauf hingedeutet, daß dort noch eine Nacht zuvor Tausende von Menschen vergast und verbrannt worden seien.
"Nichts ist von ihnen übriggeblieben, noch nicht einmal ein
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Stäubchen auf den Ofenarmaturen."
In der Wachstube habe er dann die SS-Männer, die in der vorangegangenen Nacht die Massenmorde verübten, noch halbbetrunken auf den Sofas herumliegen sehen. Mitten im Raum habe ein riesiger Hotelküchenherd gestanden, an dem ausgesuchte hübsche jüdische Häftlingsmädchen für ihre Henker, "die sich wie Paschas bedienen ließen", Kartoffelpuffer gebacken hätten. ....
Die Justiz ist auf diesem Gebiet nicht kleinlich und läßt solche Widersprüche unbestandet durchgehen.
Nicht weniger "wundervoll" ist die Lublin-Geschichte von Morgen. Da sollen einem gewissen Wirth, Kriminalkommissar aus Stuttgart, der auf Befehl der Kanzlei des Führers zuerst "Euthanasie-Morde" durchgeführt haben soll, später vier "Judenvernichtungslager" in Polen unterstanden haben, in denen er "Judenvernichtung durch Juden" betrieben haben soll. Den Betrieb des Lagers Lublin schildert Morgen eingehend. Von den drei anderen Lagern wird nur Treblinka namentlich erwähnt. Angeblich sind die Leichen nach einem besonderen Verfahren von Wirth in der freien Luft verbrannt worden, ohne Zuhilfenahme von Brennmaterial.
Der Kriminalkommissar Wirth, auf den sich Morgen beruft, dürfte mit Wiesenthals Hauptmann Christian Wirth identisch sein.
Als Beweis für die Existenz von KZ-Lagern zur "Vergasung" von Menschen in Polen, wird von mancher Seite auch ein sogenannter Bericht eines SS-Obersturmführers Kurt Gerstein vorgebracht.
Das ist ein angeblicher Augenzeugenbericht über "Vergasungen" in Belzec. Das Lager soll dem Polizeihauptmann Wirth unterstanden haben. Auch dieser Bericht steckt voller "Wunder".
Selbst das Internationale Militärtribunal in Nürnberg scheute sich, den ihm vorgelegten "Gerstein-Bericht" als Anklagedokument abzudrucken. Es entnahm ihm lediglich zwei Rechnungen über die Lieferung von je 555,75 kg Zyklon B für Auschwitz und Oranienburg, die es im Dokument 1553-PS als Beweismaterial annahm.
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Das ist auch noch erstaunlich, da nach dem Gerstein-Bericht die "Vergasungen" in Belzec mit Motorenabgasen durchgeführt worden sein sollen und in Oranienburg überhaupt nicht "vergast" wurde.
Es fanden sich aber genügend andere Leute, die diese schöne Schauergeschichte als wahr weiterverbreiteten, sodaß zum Beispiel Paul Rassinier und Emil Aretz sich damit ernsthaft auseinandergesetzt haben.
Die Geschichten von Gerstein, Wiesenthal und Morgen sind — vorsichtig ausgedrückt — wundersam und widersprüchlich. Aber darüber sieht man im allgemeinen gern hinweg, denn die Geschichten haben eine unüberbietbare "antifaschistische Tendenz". Jeder, der heute seine antifaschistische und antinazistische Gesinnung unter Beweis stellen will, tut gut daran, an diese Geschichten zu glauben, so wie man früher an die biblischen Geschichten mit all ihren Wundern geglaubt hat.
Obwohl Reitlinger ausdrücklich und Wiesenthal, ohne seinen Namen zu nennen, auf der Aussage von Morgen aufbauen, ist bei keinem Lublin als Vernichtungslager genannt.
Wieweit Wiesenthal an der "Aufspürung" von Zeugen für Massenvernichtung und Judenvergasung in Auschwitz, Belzec, Sobibor und Treblinka beteiligt war, kann ich nicht beurteilen. Bei der Beibringung von Beweismitteln und Zeugen für Mauthausen halte ich Wiesenthals "jüdische Dokumentation" jedoch für führend.
Bemerkenswert ist jedoch, was auf die Anregung von Wiesenthal in einem Ehrengerichtsverfahren die gegen Rechtsanwalt Roeder tätige Staatsanwaltschaft in Frankfurt als "Beweismittel" gegen Roeder anbot. In der Anschuldigungsschrift vom 25.9.73 lautet der wichtigste Punkt der angegebenen Beweismittel :
111. Verlesung der auf die Judenvergasungen bezüglichen Abschnitte (einschließlich Beweiswürdigung) aus folgenden Schwurgerichtsurteilen :
4 Ks 2/63 LG Ffm. (Auschwitz)
110 Ks 3/64 LG München (Belzec)
11 Ks 1/64 LG Hagen (Sobibor)
8 Ks 1/69 LG Düsseldorf (Treblinka)
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Urteile solcher Art sind nicht nur der Weisheit letzter Schluß für die einschlägige Justiz, sondern haben auch heute beste Chancen als "ewige Wahrheit" in die Geschichtsbücher einzugehen.
Wiesenthals Schauergeschichte "Schule für Massenmord" steht damit auf solide strafrechtlich abgesichertem Grund, und wenn er nicht wieder solch einen Reinfall wie mit Mauthausen, Hartheim und dem Tagebuch der Anne Frank erlebt, kann er sich rühmen, Geschichte geschrieben zu haben. Dabei wird Wiesenthal von Dr. Konrad Morgen und Gerald Reitlinger gestützt.
Morgen erwähnte in seiner eidlichen Aussage in Nürnberg auch ein KZ Plaschow. Dies erscheint mir genau so dubios wie Plaszow, ein KZ, in dem Wiesenthal gewesen sein will und das Reitlinger erwähnt.
Die Koppelung von Euthanasie mit Judenvergasungen, wie sie bei Morgen, Wiesenthal und Reitlinger erscheint, ist auch recht fragwürdig. Der angebliche Einsatzgruppenführer Otto Ohlendorf koppelte in seiner Nürnberger Aussage die Judenausrottung an den Kommissarbefehl. Andere wie der Auschwitz-Kommandant Höß, berichteten von Judenmorden im Rahmen von Morden an KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen oder Zigeunern. Der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Aber die "absolute Geheimhaltung" dieser Dinge setzt allem die Krone auf. Je nach Bedarf wird sie ganz ernsthaft behauptet bis total bestritten.
Einen Befehl Hitlers zur "Ausrottung der Juden", dessen Existenz offiziell angenommen wird, hat man bis heute nicht vorlegen können. Aber das ist leicht zu ersetzen.
IMT Band XLII, S. 563–565
AFFIDAVIT SS–67
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG DES DR. KONRAD MORGEN VOM 19. JULI 1946 : HITLER HABE DEN BEFEHL ZUR JUDENVERNICHTUNG GEGEBEN; KRIMINALKOMMISSAR WIRTH, DER KEIN SS-MITGLIED WAR, HABE MIT EINEM KLEINEN KOMMANDO DIE AKTION ORGANISIERT UND DURCHGEFÜHRT; ER WIRKTE BIS ZUM HERBST 1943 IM OSTEN (DECKNAME "AKTION REINHARDT"); ER ERHIELT SEINE WEISUNGEN AUS HITLERS KANZLEI; DIE MASSENVERNICHTUNG IN AUSCHW1TZ UNTER HOESS
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ERFOLGTE SPÄTER NACH ÄHNLICHEN METHODEN; DIE ORGANISATION EICHMANN HATTE DIE AUFGABE, DIE JUDEN IN DIE KONZENTRATIONSLAGER UND VERNICHTUNGSLAGER ZU SCHAFFEN; HIMMLER HABE GEÄUSSERT, ER SEI AN DER JUDENFRAGE NICHT INTERESSIERT, HANDLE ABER ALS SOLDAT WIDERSPRUCHSLOS AUF BEFEHL HITLERS.
Nicht SS — Hitler selbst
Urheber der Judenvernichtung
Eidesstattliche Erklärung
Ich, der ehemalige SS-Sturmbannführer und SS-Richter d.Res. Dr. Konrad Morgen
geb. am 8.6.1909 in Frankfurt a.M.
erklaere nach Einschwoerung :
Im Zuge meiner Ermittlungen der KZ-Verbrechen kam ich mit ausfuehrenden Organen der Massenvernichtung wiederholt zusammen und habe ueber den Befehlsgeber von den verschiedensten Seiten folgendes erfahren.
1. Der Reichsarzt SS, SS Gruppenführer Dr. Gravitz erklaerte mir, Hitler selbst habe den Befehl zur Judenvernichtung gegeben.
2. Historisch begann die Judenvernichtung mit der Vernichtung der Ostjuden in Polen. Das erfolgte nach derselben Methode mit Gas und von demselben Kommando, das vorher die Vernichtung der unheilbaren Geisteskranken in Deutschland durchgefuehrt hatte. Mit diesem Kommando und seinem Chef, Kriminalkommissar Wirth habe ich wiederholt eingehend gesprochen. Wirth war kein SS Angehoeriger. Bekannt als Mordkommissar fuer skrupellose Untersuchungsmethoden wurde er von der Kripo Stuttgart für einen Sonderauftrag des Fuehrers dauernd abkommandiert. Sein Auftrag war zuerst Massenvernichtung der Geisteskranken. Dann erfolgte der fuer die Juden. Er hatte die technische Organisation und Apparatur aufzubauen und das Unternehmen nach außen voellig abzuschirmen. Seine Erfahrungen im Spurenaufdecken von Toetungsdelikten wurden benutzt, um hier alle Spuren zuzudecken. Wirth stellte sich selbst seine Helfer zusammen. Das Unter-
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nehmen lief außerhalb einer SS Organisation oder Dienststelle. Es hatte seinen ständigen Sitz in der Kanzlei des Fuehrers, Berlin, Tiergartenstraße. Von dort erhielt Wirth seine Weisungen und dorthin berichtete er.
Bei der Judenvernichtung aenderte sich grundsaetzlich nichts am Unterstellungsverhaeltnis. Die Zentrale blieb weiter Kanzlei des Führers. Nur um sich im rueckwaertigen Heeresgebiet bewegen zu koennen erhielt das Kommando Uniform und Dienstausweis der Sicherheitspolizei. Verstaerkt wurde das Kommando durch ostvoelkische Balten, die ihre Familie durch juedische Sowjetkommissare verloren hatten. Der Stab war weiterhin ganz unwahrscheinlich klein. Die Vernichtung wurde ausgefuehrt durch eine große Gruppe von Juden selbst, die fast in voelliger Freiheit lebten und alle nur denkbaren Verguenstigungen und Versprechungen erhielten.
Ich habe Anlaß zu glauben, daß selbst der oertliche KDS (Anmerkung des Autors : Kommandeur der Sicherheitspolizei) von der Taetigkeit dieser Organisation nicht unterrichtet war.
Das Kommando lief unter dem Decknamen "Aktion Reinhart". Vor Beginn der Aktion hat Himmler persoenlich die Vereidigung der Mitglieder vorgenommen. Dabei hat er ihnen gesagt, er mute ihnen Uebermenschlich-Unmenschliches zu. Es sei aber Befehl des Fuehrers. Wer das geringste ueber diese Aktion verlauten lasse oder sich daran bereichere sei des Todes.
Das Kommando mußte seine Taetigkeit im Herbst 43 beenden und die oestlichen Vernichtungslager bis zum Grunde zerstören. Es wurde geschlossen danach zur Straßensicherung im Partisanengebiet Istrien eingesetzt. Wirth ist dort im Fruehjahr 44 aus dem Hinterhalt erschossen worden, die Mehrzahl der Uebrigen duerften auch gefallen sein.
3. Hoess ist mit Auschwitz zu einem sehr viel spaeteren Zeitpunkt in die Massenvernichtung eingetreten. Hoess vernichtete nur die arbeitsunfähigen Juden. Wegen seiner Methoden bezeichnete ihn Wirth als seinen unbegabten Schueler.
Es ist mir bekannt, daß Hoess mit Bormann wegen der sogenann-
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ten Fememorde jahrelang zusammen im Zuchthaus gesessen haben. Aus dieser Zeit stammt die unverbruechliche Freundschaft der beiden. Hoess hatte jederzeit Zutritt bei Bormann und damit Einfluß auf Hitler. Dies kann nur die Erklaerung dafuer sein, daß Hoess von Himmler und Pohl stets wie ein rohes Ei behandelt wurde. (Anmerkung des Autors : Die Verbindung von Bormann und Höß bei der sogenannten "Kadow-Feme-Affäre — Verrat an Schlageter — Freikorps Roßbach — wird von der offiziellen Geschichtsschreibung heruntergespielt, wenn nicht unterschlagen. Was tatsächlich daran ist, habe ich noch nicht feststellen können.)
Ich halte es sehr wahrscheinlich, daß Bormann bei Hitler den direkten Auftrag für Hoess erwirkte, ohne daß hierzu die Initiative von Himmler ausging.
Von diesen Kommandos getrennt war die Organisation Eichmann, dessen Aufgabe lediglich darin bestand, die europäischen Juden in die KZ bezw. Vernichtungslager zu schaffen.
3. 1) als sich Himmler darum bemuehte, das Vertrauen der Wehrmacht zu seiner Person zu gewinnen, sprach ihn ein Heerfuehrer wegen der Behandlung der Juden an. Himmler sagte ihm, er persoenlich sei an der Judenfrage gar nicht interessiert. Von ihm aus koennten die Juden machen was sie wollten. Er sei aber Soldat genauso wie der Fragesteller und habe daher widerspruchslos die Befehle des obersten militaerischen Vorgesetzten auszufuehren, so schwer ihm dies auch werde. In aehnlicher Weise hat er sich zu einem anderen General geaeussert. Beide habe ich gesprochen. (Anmerkung des Autors : Warum werden die Namen nicht genannt ?).
|
Dr. Morgen | |
| Subscribed and sworn to before me on this 19 of July Nuremberg 1946. | |
|
Robert B. Starnes | |
I, Corkans being thoroughly conversant with the English and German languages certify that I have acted as interpreter for the swearing of this affidavit. | |
|
Marion J. Corkans | |
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Jetzt wissen wir es ganz genau. — Hitler selbst gab den Befehl. Dr. Konrad Morgen bezeugt es und Wiesenthal und Reitlinger bauen darauf.
Bei allen, die Rang und Namen haben, hat dies längst das Ansehen von "alten längst bekannten Tatsachen". In welch guter Gesellschaft sich Wiesenthal mit seinen Auffassungen befindet, macht das folgende Inhaltsverzeichnis deutlich.
Simon Wiesenthal, "Die Sonnenblume", Hamburg 1970
| DIE SONNENBLUME | 5 | |
| VON SCHULD UND VERGEBUNG | 109 | |
| Es gibt keine Antwort auf diese Frage | 111 | |
| Saul Friedländer 111, Albrecht Goes 112, Roger Ikor 116, Joseph Kessel 122, Gabriel Marcel 123, Friedrich Torberg 124, Vercors 125, Hermann Wouk 126. | ||
| Niemand kann vergeben, was andere erlitten | 128 | |
| Herbert Gold 128, Abraham J. Heschel 129, Jacob Kaplan 131, Robert M. W. Kempner 135, Hermann Kesten 137, Primo Levi 143, Jacques Maritain 145, Martin Niemöller 145, Kurt von Schuschnigg 146, Paul Henri Spaak 151 | ||
| Kein Recht und Gesetz ohne Gnade | 153 | |
| Stefan Andres 153, Gustav Heinemann 155, Christopher Hollis 156, Leon Poliakov 162, Michel Riquet 162, Leopold Sédar Senghor 165 | ||
| Sühne als Voraussetzung des Verzeihens | 167 | |
| Hans Habe 167 | ||
| Richtet nicht... | 172 | |
| Salvador de Madariaga 172, Hans Werner Richter 175, Luise Rinser 176 | ||
| Schon die Reue ist eine gnädige Wirkung des göttlichen Geistes in uns | 181 | |
| Petru Dumitriu 181, Helmut Gollwitzer 186, Rudolf Hagelstange 190, Paul Gerhard Linhardt 193 | ||
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| Sie haben das Menschenmögliche getan | 197 | |
| Friedrich Heer 197, Ernst Simon 200, Carl Zuckmayer 202 | ||
| Verzeihen aus Schwäche ? | 205 | |
| Golo Mann 205, Manés Sperber 206 | ||
| Verzeihen fördert indirekt solche verbrecherischen Praktiken | 210 | |
| René Cassin 210, Constantine Fitz Gibbon 213, Herbert Marcuse 216 | ||
| So etwas darf nicht wieder geschehen | 217 | |
| Jean Améry 217, Bischof Bluyssen 221, Carlo Schmid 228 | ||
| Anhang | 231 | |
| Die Autoren | 233 | |
Da ich mich selbst nicht so sehr mit moralischer Schuld, Vergebung, Sühne, Reue und Verzeihung beschäftige, da ich in den vorgegebenen angeblichen Tatsachen und Fakten außer antideutscher Greuelpropaganda nichts Handfestes gefunden habe, ist meine Einstellung gegenüber Wiesenthal eine von den Autoren der "Sonnenblume" wesentlich abweichende. Selbstverständlich erhielt ich auf den folgenden Brief keine Antwort :
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Die beiden folgenden Flugblätter der "Deutschen Bürgerinitiative" in Bensheim wurden dem offenen Brief als Anlage beigefügt.
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Die letzte Frage scheint ein wenig unrealistisch. Sicherlich ist die Staatsanwaltschaft mit Anzeigen und Haussuchungen gegen Rechtsanwalt Roeder, Thies Christophersen und meinen Verleger, den 1. Vorsitzenden des KDS, Erwin Schönborn, beschäftigt. Außerdem erscheint mir die Staatsanwaltschaft nicht nur im Falle Roeder wie eine "Wiesenthal-Hilfstruppe".
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Für diese elektronische Auflage wurden die folgenden Korrekturen vorgenommen :
S. 15 : Vermanschlichung des Massenmord-Prozesses — Vermenschlichung
S. 24 : KZ-Erfarung — KZ-Erfahrung
S. 33 : furchbare — furchtbare
S. 42 : im (...) Heeresgebiet gebiet bewegen — im (...) Heeresgebiet bewegen
S. 43 : suscribed — subscribed
S. 43 : befor — before
S. 43 : thouroughly — thoroughly
S. 48 : Ich gestette mir — gestatte
S. 49 : Ecrasez d'Autriche — Ecrasez l'Autriche
S. 49 : Neue Züricher Zeitung — Zürcher
S. 50 : den 1. Vorsitzendes des KDS — Vorsitzenden