HEINZ ROTH
Wieso waren wir Väter Verbrecher ?
Auf der Suche nach der Wahrheit
1972
3. unveränderte Auflage
Copyright Heinz Roth, 6301 Odenhausen/Lumda, Postfach
Erschienen im Selbstverlag
Meiner Frau gewidmet,
die es für notwendig hielt
daß besonders unsere Söhne
von diesen Dingen
Kenntnis erhielten.
INHALT
| Seite | ||
| Vorwort | 9 | |
| I. | Der Anlaß zu meinen eigenen Forschungen, Schriftwechsel betreffend Dachau und Bergen-Belsen |
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| II. | Charakterisierung verschiedener Historiker: Rassinier, Grenfell, Taylor, Hoggan. Der Leser möge sich selbst ein Urteil bilden |
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| III. | Nochmals Konzentrationslager: Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz | 50 |
| IV. | Über die Glaubwürdigkeit von Filmen und Fotos | 66 |
| V. | Der Kronzeuge für die Gaskammern: Gerstein, sowie weitere Zeugen | 76 |
| VI. | Über das Verhältnis der SS zu den Konzentrationslagern | 96 |
| VII. | Über die Zahl der ermordeten Juden | 105 |
| VIII. | Über die Kriegschuldfrage | 120 |
| IX. | Über Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit | 141 |
| Nachwort | 163 | |
| Quellenverzeichnis | 167 | |
| Personenverzeichnis | 169 | |
VORWORT
Dieses Buch wurde geschrieben, weil es notwendig ist, oder besser gesagt: weil es notwendig erscheint.
Weil es notwendig erscheint, daß ein Durchschnittsbürger, sozusagen ein „Normalverbraucher“ schildert, wie er im Jahre 1965 – zwanzig Jahre nach der großen Katastrophe – angefangen hatte, für sich und seine heranwachsenden Kinder Klarheit über die Geschehnisse der letzten Jahrzehnte zu erhalten.
(Sollte der Leser, der sich überwunden hat und der bis zur letzten Seite des Buches gelangt ist, anderer Meinung sein, bitte ich ihn dringend, es mir zu sagen.)
Dieses Buch wurde geschrieben, weil es notwendig erscheint, die Dinge aus einer Sicht zu schildern, die nicht dem Herkömmlichen entspricht. Aus der Sicht eines Menschen, der bis zu diesem Zeitpunkt völlig unpolitisch war und der sich auch, beispielsweise mit geschichtlichen Dingen nur insoweit befaßt hatte, daß er – bis zu diesem Zeitpunkt – gerade so eben noch von der Schule her wußte, wie lange der Dreißigjährige Krieg gedauert hat und daß Christoph Kolumbus irgendwann einmal Amerika entdeckt hatte.
Es wurde geschrieben, weil es (vielleicht) notwendig ist, die Dinge nicht nur mit den Augen des Wissenschaftlers, des Politikers oder des Historikers zu sehen, sondern auch mit den Augen eines normalen Sterblichen. Dies erscheint besonders aus dem Grunde notwendig, weil ein Wissenschaftler wohl sein eigenes Sachgebiet mit äußerster Genauigkeit beherrschen kann, aber unter Umständen nicht die Fähigkeit besitzt, Zusammenhänge zu sehen, die zwischen seiner Arbeit und anderen Sachgebieten bestehen, wie zum Beispiel wirtschaftswissenschaftliche Probleme in Verbindung mit geschichtlichen Ereignissen.
Es wurde nicht zuletzt geschrieben, um unserer Jugend Anregungen zum Nachdenken zu geben, und ihr zu zeigen, daß manches anders war, als es seither in den Publikationsmitteln, in der Schule oder auch im Elternhaus dargestellt wurde, sei es aus kommerziellen Gründen, aus zweckdienlichen Gründen, aus Unwissenheit oder auch nur aus Bequemlichkeit. –
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Dieses Buch wurde nicht geschrieben um anzuklagen, zu richten oder zu verteidigen. Es soll keine Propaganda für oder gegen eine politische Partei oder staatliche Einrichtung sein. Es erhebt auch nicht den geringsten Anspruch, auf Wissenschaftlichkeit, dies bleibt den hierzu Berufenen überlassen, und vor allem: es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und darauf, daß alles, was darin steht, nicht doch noch hier und da der Revision bedürfte, dazu gibt es noch viel zu viel Unklarheiten allein dadurch, daß noch sehr viele und anscheinend nicht bedeutungslose Dokumente noch nicht veröffentlicht werden konnten, weil sie noch nicht freigegeben worden sind (beispielsweise die „Kent“-Dokumente), wie man aber noch sehen wird.
Dieses Buch soll einzig und allein die Gedanken und Überlegungen aufzeigen, die sich dem Verfasser aufdrängten, als er anfing, über die Ereignisse der jüngsten Geschichte nachzudenken und als er versuchte, verborgene Zusammenhänge zu finden, aus der Erkenntnis heraus, daß man nur dann eine klare Sicht für die Gegenwart und auch für die Zukunft haben kann, wenn man die Vergangenheit kennt.
Die Geschichte ist eine ununterbrochene Kette von Ereignissen, von denen eines auf dem anderen aufbaut, und wenn eines dieser Ereignisse falsch oder verzerrt dargestellt ist, kann das nachfolgende einfach nicht im richtigen Licht erscheinen.
Es ist zwar sehr bequem für Angehörige der älteren Generation, aber falsch, zu sagen: „Was geschehen ist, ist nun einmal geschehen, wir wollen nicht in der Vergangenheit herumwühlen, sondern neu beginnen. Was auch an Entsetzlichem geschehen ist, soll vergeben und vergessen sein.“
Die Bereitschaft, begangene Untaten zu vergeben, ist gut und anerkennenswert, aber die Bereitschaft, diese Untaten vergessen zu wollen, ist nicht gut, denn damit erwacht in den Seelen der heranwachsenden jungen Generation die Frage: „Warum verschweigt man uns diese Dinge, warum will man vergessen? Anscheinend stimmt also doch alles, was wir in der Schule gelernt haben.“ Die jetzt bereits bestehende Kluft zwischen den Generationen muß und wird durch ein solches Verhalten nur immer noch größer.
Ein großer Teil der heute bestehenden Unsicherheit bei der Jugend ist darauf zurückzuführen, daß diese Jugend fühlt, es wird ihr etwas verheimlicht und die Älteren (Eltern) sagen nicht die Wahrheit, weil sie ein schlechtes Gewissen haben. –
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Dieses Buch entstand, als die Lebensgefährtin des Verfassers eines Tages sagte: „Du hast dich jetzt so viel mit diesen Dingen beschäftigt, du weißt so viel darüber, schreib doch mal ein Buch.“ – Und als der so Herausgeforderte dieses Ansinnen lachend von sich wies mit der Bemerkung, daß er absolut kein Talent dazu hätte, ein solches Werk in die Tat umzusetzen, obwohl es – zugegebenermaßen – vielleicht notwendig sei, sagte sie: „Dann versuch’s doch wenigstens einmal, schildere mit einfachen Worten das, was du bis jetzt erkannt hast, und wenn du es nur für deine Söhne aufschreibst, damit sie es einmal im Zusammenhang lesen können.“
Ich begann nun über diesen Vorschlag nachzudenken. Und je mehr ich nachdachte, um so mehr kam ich zu der Überzeugung, daß es richtig wäre und gut, etwas Derartiges zu unternehmen.
Nun gibt es Leute, die dieses viel besser können als ich, die auch besser schreiben können als ich, deren Werke aber nicht gelesen bzw. vor der breiten Öffentlichkeit verschwiegen werden, weil die Verfasser suspekt sind, weil sie in der Zeit vor 1945 in irgendeiner Form politisch tätig waren, oder daß sie – aus einem unbegreiflichen Grunde – deshalb verdächtig sind, weil sie glaubten, als Soldaten ihre Pflicht tun zu müssen und ihren Eid nicht brachen wie andere, die der Gegenseite wertvolle Informationen lieferten, die vielen ihrer Kameraden das Leben kostete. Dies aber war jenen Leuten gleich, wenn es ihnen nur gelang, mit ihrem verräterischen Tun einen deutschen Sieg zu verhindern. –
Es gibt wunderbare Werke von Leuten, die während des Krieges unsere Gegner waren, die aber nicht wollten, daß das Geschichtsbild derart verzerrt wurde, indem es angeblich nur einen einzigen Schuldigen für das ganze Elend geben soll, das durch diesen unseligen Krieg entstanden ist. Leute, wie beispielsweise Maurice Bardèche, der sagte („Die Politik der Zerstörung“, S. 13):
„Die Grundlage für den Nürnberger Prozeß, jene, die man nicht zu nennen gewagt hat, dürfte wohl, so fürchte ich, nichts anderes sein als Furcht: Der Anblick der Ruinen versetzte die Sieger in Panik. Die Anderen müssen Unrecht haben, sie müssen, denn, man bedenke nur, was wäre, wenn sie etwa keine Ungeheuer sind. Man bedenke, wie schwer dann diese zerstörten Städte und diese Tausende von Phosphorbomben auf den Siegern lasten würden.“
Diese Leute bemühten sich nun, Klarheit zu bekommen. Nicht, um etwas zu verteidigen oder beschönigen zu wollen, sondern ganz einfach um der geschichtlichen Wahrheit willen.
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Die Werke dieser Leute waren und sind aber der breiten Masse in unserem geteilten Land unbekannt. Einmal, weil kaum ein Verleger den Mut hatte, sie übersetzen und drucken zu lassen, zum anderen, weil sie, wenn sie wirklich gedruckt wurden, zu wenig bekannt gemacht werden konnten, um nicht zu sagen: durften, sondern ganz einfach totgeschwiegen wurden.
Es soll aber auch den Ausspruch eines Historikers geben:
„Was diese Leute wollen, ist heute noch viel zu früh. Ein Geschichtsbild, wie sie es anstreben, ist frühestens im Jahre 2000 möglich.“
Solche und ähnliche Aussprüche machten mich natürlich nur um so neugieriger, tiefer in die Materie einzudringen. Ich sagte mir, daß die Jahreszahl beim Suchen nach der Wahrheit keine Rolle spielen kann. Was im Jahre 2000 als historische Wahrheit erkannt werden wird, muß logischerweise auch heute schon Wahrheit sein.
So sollen also Tatsachen verheimlicht werden, weil sie anscheinend nicht in die Tagespolitik passen, wie folgendes entlarvende Bekenntnis beweist:
„Leider ist der Anschlußwille (der Österreicher und Sudetendeutschen) an das Reich echt gewesen. Die Dokumente, die uns hierüber vorliegen, dürfen niemals dem deutschen Volk zur Kenntnis gebracht werden, denn das käme einer Brüskierung von Bonn und Wien gleich.“ (Ein Mitarbeiter des „Instituts für Zeitgeschichte“, zitiert nach „Deutsche Hochschullehrer-Zeitung“, 15. Jhrg., 4, S. 13.)
Selbst wenn hier und da einmal eines dieser Bücher von einem „Normalverbraucher“ gelesen wurde, so war dieses „eine Buch“ doch nicht genug, um ein Gesamtbild zu vermitteln. Es war eben nur ein „Mosaiksteinchen“ in dem Gesamtbild, das sich ergab, wenn man die Möglichkeit hatte, sehr viele „Mosaiksteinchen“ zusammenzusetzen.
Es war also immer nur ein sehr kleiner Kreis, der die Möglichkeiten hatte, sich ein Gesamtbild zu verschaffen, das keine oder nur noch sehr kleine Lücken hatte.
Aus Gesprächen mit Bekannten wußte ich, wie unterschiedlich die Reaktionen waren, wenn ich mit ihnen über diese Dinge sprach. Ich wußte aber auch, wie groß allgemein die Unwissenheit und auch Unsicherheit, wie dicht der Nebel war, der seit 1945 über den Geschehnissen lag und der nur ganz ganz langsam sich zu lichten beginnt. Verschiedentlich wurde mir gesagt, es müßten sich nur noch viel mehr Leute mit diesen Dingen befassen, damit sie der Allgemeinheit mehr
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bekannt würden, wobei gleichzeitig bedauert wurde, daß zu wenig Möglichkeiten hierzu vorhanden seien.
Als ich mich dann entschloß, doch wenigstens einen Versuch zu unternehmen, um den Vorschlag meiner Frau in die Tat umzusetzen, wurde ich derart von der Materie gepackt, daß ich nicht eher davon loskam, bevor die letzte Zeile geschrieben war.
Besonders betonen möchte ich, daß es nicht meine Absicht ist, eine vorgefaßte Meinung zu vertreten. Meine eigene Meinung kann ich erst dann mit Sicherheit zum Ausdruck bringen, wenn mir noch mehr Fakten bekannt sind, wenn noch mehr, bis jetzt noch nicht veröffentlichte Dokumente freigegeben sind.
Meine Absicht ist, zu berichten, zu zitieren, das heißt: Auszüge aus Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte miteinander zu vergleichen, wobei noch zu bemerken ist, daß ein Zitat aus einem Buch keineswegs immer mein Einverständnis mit dem gesamten Inhalt der erwähnten Veröffentlichung bedeutet.
Und wenn es gelungen sein sollte, auch nur einen einzigen Menschen zum Nachdenken anzuregen, dann hat sich meine Arbeit gelohnt.
Der Verfasser
Odenhausen (Lumda), im September 1969
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Wer sich nicht aus der Zeit
mit jähem Ruck erhebt,
der sieht nicht, was er sieht,
und lebt nicht, was er lebt.
I.
Der Anlaß zu meinen eigenen Forschungen,
Schriftwechsel betreffend Dachau und Bergen-Belsen
Meine „Suche nach der Wahrheit“ begann in den Februartagen des Jahres 1965, zu der Zeit, als in Frankfurt der Auschwitz-Prozeß verhandelt wurde. –
Zum besseren Verständnis muß ich vorausschicken, daß ich dem Jahrgang 1913 angehöre, also der Generation, die mit am stärksten beschuldigt wird, das Unglück, das seit dem zweiten Weltkrieg über die ganze Welt hereingebrochen ist, mitverschuldet zu haben. Meine politische Belastung besteht darin, daß ich von 1937 ab in der Marine-SA war (auf Drängen eines Freundes hin) und im September 1938 am Reichsparteitag in Nürnberg teilgenommen habe, kurz bevor das Münchener Abkommen zustande kam. Im Oktober 1947 wurde ich entnazifiziert, wofür ich eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 10,– RM zu entrichten hatte. Eine weitere politische oder weltanschauliche Betätigung liegt bis zum heutigen Tage nicht vor. Dies zu betonen ist mein besonderes Anliegen, aber nicht, um mich verteidigen oder entschuldigen zu wollen, sondern lediglich zur Klarstellung.
Ich habe zwei Söhne und eine Tochter. Der ältere, Jahrgang 1941, war bei Kriegsende etwa vier Jahre alt, während der jüngere erst zwei Jahre nach dem Zusammenbruch zur Welt kam. Diese beiden jungen Leute, die regen Anteil an dem Tagesgeschehen nehmen, waren selbstverständlich – wie könnte es auch anders sein – der festen Überzeugung, sich auf Grund ihrer Schulbildung bzw. den Aussagen von Presse, Rundfunk und Fernsehen ein eigenes, hieb- und stichfestes Urteil bilden zu können, während unser Nesthäkchen, ihr damals zehnjähriges Schwesterchen, sich noch jeglicher Meinung enthielt.
In diesen Februartagen ereignete sich nun etwas, was sich wohl in ähnlicher Form, früher oder später, in hunderttausenden deutscher Familien ereignet hat bzw. noch ereignen wird: Es kam zu Auseinandersetzungen mit meinen Söhnen über die ungeheuren Verbrechen, die an den Juden begangen wurden, und zwar mit Wissen und Willen des gesamten Volkes. Wir unterhielten uns über den Auschwitz-Prozeß und
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ich sagte, man sollte doch jetzt – zwanzig Jahre nach Ende des Krieges – so langsam Schluß machen mit diesen Prozessen. Mir wurde entgegengehalten, daß Verbrechen von diesem Ausmaß doch auf jeden Fall bestraft werden müßten, oder ob ich vielleicht mit einem Menschen, der unter Umständen Zehntausende unschuldiger Juden umgebracht hätte, im gleichen Haus leben wollte? Als ich darauf sagte, ich könnte mir einfach nicht denken, daß so viele Menschen verbrecherisch getötet worden sein sollen, wie wir heute wissen, wurde mir gesagt: „Was, ihr wollt nicht gewußt haben, daß die Juden alle umgebracht werden sollten?“ Auf meine Antwort, daß wir tatsächlich nichts davon gewußt hatten, entgegnete mir mein Ältester in einem aufreizend ungläubigen Ton: „Das glaube ich euch nicht!“ –
Diese Antwort und vor allem der Ton, in dem dies vorgebracht wurde, brachte mich derart in Harnisch, daß ich mir vornahm, mich nunmehr eingehend mit diesen Dingen zu beschäftigen. Leider hatte ich mich – wie wohl viele, um nicht zu sagen, die meisten meiner Alterskollegen – wenig um politische Dinge gekümmert. Vor dem Krieg nicht und nach dem Krieg beinahe noch weniger. –
Heute weiß ich, daß dies ein Fehler war. Man sollte sich auf jeden Fall, wenn auch nicht unbedingt aktiv tätig (und auch nicht schon im Alter von 13 Jahren, wie mir kürzlich allen Ernstes gesagt wurde), so doch wenigstens um die politischen Geschehnisse kümmern und, was noch wichtiger erscheint, nicht nur aus einseitiger Sicht, d. h. also, nicht nur aus der Sicht der Tagespresse, des Fernsehens und des Rundfunks, sondern sollte sich auch extreme andere Richtungen anhören. Erst nach Vergleich vieler Meinungen über eine Sache oder ein Ereignis ist man in der Lage, sich ein einigermaßen genaues Bild zu machen. Wie sagt Mao-Tse-tung: Die Dinge in der Welt sind sehr kompliziert, man muß sie von allen Seiten betrachten und nicht nur von einer einzigen. –
Zufällig sprach ich in dieser fraglichen Zeit mit einem Bekannten über die Meinungsverschiedenheiten, die ich mit meinen Söhnen hatte. Er nannte mir die Titel von zwei Büchern und riet mir, sie zu beschaffen, da manches Interessante zu dem betreffenden Thema darin zu finden sei.
Die Titel waren: „Was ist Wahrheit“ von dem französischen Publizisten Professor Paul Rassinier und „Schuld und Schicksal“ von dem jüdischen Schriftsteller J. G. Burg. –
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein Leben gelebt, ohne mir außer beruflichen und familiären Dingen allzuviel Gedanken zu machen über
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das, was draußen in der Welt vor sich ging, wie wahrscheinlich Millionen anderer. Man sprach wohl über politische Ereignisse, aber nur in sehr oberflächlicher Form und ohne sie in Bezug zu geschichtlichen Entwicklungen zu bringen. Ich wußte von Konzentrationslagern nicht mehr und nicht weniger als das, was alle wußten, was eben „allgemein bekannt“ war. Man hörte von ungeheuren Verbrechen, an die zu glauben sich der Verstand sträubte, aber er mußte glauben, da ja alle glaubten, da es ja, wie gesagt, „allgemein bekannt“ war! – Nur das Gefühl sträubte sich, derart unfaßbare Dinge zu glauben, aber mit „Gefühl“ läßt sich nichts beweisen.
Auf den Gedanken zu fragen, welche Beweise es denn für diese Verbrechen gäbe – denn ohne Beweise darf ja nach Recht und Gesetz kein Verbrechen bestraft werden –, auf diesen Gedanken kam man einfach nicht.
Ich wußte zu diesem Zeitpunkt noch nichts von „orthodoxen“ und „revisionistischen“ Historikern, ich lebte im Glauben, daß unsere Jugend von der Schule her einigermaßen objektiv an die geschichtlichen Ereignisse herangeführt wird, soweit dies – nach dem relativ kurzen zeitlichen Abstand, besonders im Hinblick auf die letzten Jahrzehnte – möglich ist.
Ich hatte noch keine Ahnung von einer „re-education“ und kannte auch damals noch nicht die „Anweisungen 1945“ für die „re-education“ („Nation Europa“ 8/58, Seite 10):
„What to do with Germany. 1945. Distributed by Service Division, Army Service Forces, U. S. Army. Not for Sale.
,Die re-education wird für alt und jung gleichermaßen erzwungen und sie darf sich nicht auf das Klassenzimmer beschränken. Die gewaltige überzeugende Kraft dramatischer Darstellung muß voll in ihren Dienst gestellt werden. Filme können hier ihre vollste Reife erreichen. Die größten Schriftsteller, Produzenten und Stars werden unter Anleitung der ‚Internationalen Universität’ die bodenlose Bosheit des Nazismus dramatisieren und dem gegenüber die Schönheit und Einfalt eines Deutschlands loben, das sich nicht länger mit Schießen und Marschieren befaßt. Sie werden damit beauftragt, ein anziehendes Bild der Demokratie darzustellen, und der Rundfunk wird sowohl durch Unterhaltung wie auch durch ungetarnte Vorträge in die Häuser selbst eindringen. Die Autoren, Dramatiker, Herausgeber und Verleger müssen sich der laufenden Prüfung durch die ‚Internationale Universität‘ unterwerfen; denn sie sind alle Erzieher. Von Beginn an sollen alle nichtdemokratischen Veröffentlichungen unterbunden werden. Erst nachdem das deutsche Denken Gelegenheit hatte, in den neuen Idealen gestärkt zu werden, können auch
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gegenteilige Ansichten zugelassen werden, im Vertrauen darauf, daß der Virus keinen Boden mehr findet; dadurch wird größere Immunität für die Zukunft erreicht.
Der Umerziehungsprozeß muß ganz Deutschland durchdringen und bedecken. Auch die Arbeiter sollen im Verlauf von Freizeiten vereinfachte Lehrstunden in Demokratie erhalten. Sommeraufenthalte und Volksbildungsmöglichkeiten müssen dabei Hilfestellung leisten.
Viele deutsche Gefangene werden nach Kriegsende in Rußland bleiben, nicht freiwillig, sondern weil die Russen sie als Arbeiter brauchen. Das ist nicht nur vollkommen legal, sondern beugt auch der Gefahr vor, daß die zurückkehrenden Kriegsgefangenen zum Kern einer neuen nationalen Bewegung werden. Wenn wir selbst die deutschen Gefangenen nach dem Krieg nicht behalten wollen, sollten wir sie nichtsdestoweniger nach Rußland senden.
Die ‚Internationale Universität‘ ist am besten dazu geeignet, die Einzelheiten des deutschen Erziehungswesens, der Lehrpläne, der Schulen, der Auswahl der Lehrer und der Lehrbücher, kurz: alle pädagogischen Angelegenheiten zu regeln. Wir brauchen ein ‚High Command‘ für die offensive re-education. Besonders begabte deutsche Schüler erhalten Gelegenheit zur Fortbildung an unseren Schulen; sie werden als Lehrer nach Deutschland zurückkehren und eine neue kulturelle Tradition, verbunden mit internationalem Bürgersinn, begründen.
Die Professoren sollen nach Möglichkeit deutsche Liberale und Demokraten sein. Das Eindringen von ‚Fremden‘ könnte aufreizend wirken und muß auf ein Minimum beschränkt werden; aber das darf nicht dazu führen, daß uns die Kontrolle verlorengeht.
Jedes nur denkbare Mittel geistiger Beeinflussung im Sinn demokratischer Kultur muß in den Dienst der re-education gestellt werden. Die Aufgaben der Kirchen, der Kinos, der Theater, des Rundfunks, der Presse und der Gewerkschaften sind dabei vorgezeichnet.
Die re-education tritt an Stelle des Wehrdienstes und jeder Deutsche wird ihr zwangsläufig unterworfen, so wie früher der gesetzlichen Wehrpflicht.
Uns ist die Aufgabe zugefallen, Frieden und Freiheit zu retten; jene Freiheit, die am Berg Sinai geboren, in Bethlehem in die Wiege gelegt, deren kränkliche Kindheit in Rom, deren frühe Jugend in England verbracht wurde, deren eiserner Schulmeister Frankreich war, die ihr junges Mannesalter in den Vereinigten Staaten erlebte und die, wenn wir unser Teil dazu tun, bestimmt ist zu leben – all over the world!‘“
Ich wußte auch nichts von dem „Pocket Guide to Germany (Taschenführer für Deutschland)“, der, wie Hans Grimm in „Warum – woher – aber wohin?“ schreibt, „jedem nach Deutschland hereinmarschierenden Soldaten mitgegeben wurde“. Hans Grimm schreibt auf Seite 447:
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„Aus diesem ‚aufklärenden Führer‘ erfuhr der amerikanische Soldat, warum eigentlich er mit Deutschland zu kämpfen habe. Er las da: ‚Seit 1933 nach Hitlers Machtübernahme wurde der deutsche junge Mann sorglich und gründlich zur Welteroberung, zum Töten und zum Verrat erzogen (S. 7).‘ Er bekam mitgeteilt: ,Die Deutschen hörten nur das, was die Nazis sie hören und lesen lassen wollten. Unter anderen ihnen vorgetragenen Märchen hielten sie unerschüttert an dem Glauben fest, die deutsche Luftwaffe habe New York bombardiert und z. T. zerstört, Polen habe die Deutschen angegriffen, und England und Amerika hätten Krieg gewollt, um Deutschland zu zerstören (S. 10).‘ Er wurde belehrt: ‚Deutschland hat sich wiederum auf einen seiner alldeutschen bluttriefenden Eroberungs- und Beutezüge begeben. Unter ‚alldeutsch‘ verstehen die Deutschen ihren Traum der Welteroberung ... Du als intelligenter Amerikaner weißt sowieso, warum du in diesem Krieg deinen Mann stehst. Aber auch die Geschichte bestätigt dir deine Überzeugung vom guten Recht und der Würde unserer Sache. Die Geschichte beweist dir, daß deutsche Angriffslust und deutscher Eroberungswille nichts Neues sind. Durch Jahrhunderte konnte sich die deutsche Streitsucht nur gegenüber deren nächste Nachbarn geltend machen. Aber seit kurzem wurde dank der modernen Erfindungen und dank der Möglichkeit, die Entfernungen auf der Erdoberfläche zu überwinden, dem Deutschen die Gelegenheit verschafft, seinen Traum einer Versklavung der Welt wirklich werden zu lassen. Von dem Augenblick an warst du und dein Land betroffen ... Die Faschisten der ganzen Welt schlossen einen Bund gegen die Gläubigen der Freiheit, und wo die Gelegenheit zur Eroberung günstig schien, überfielen sie ein friedfertiges Land. Solches aber konnte die freie Welt nicht auf die Dauer geschehen lassen, die Deutschen z. B. hätten niemals aufgehört, sich in andere Länder hineinzudrängen ...‘ (S. 27/28) usw. (von mir übersetzt).
Dieser ‚Führer zur Kenntnis Deutschlands‘, der den ahnungslosen jungen amerikanischen Männern als geistige Vorbereitung auf Deutschland mitgegeben wurde und der ausdrücklich nicht in deutsche Hände gelangen sollte, lernten wir in Deutschland erst nach dem Einmarsch der Amerikaner kennen; und daß ein Entwurf in Quebec vorgelegen hatte und von der ‚Morgenthaumannschaft‘ ausgegangen war, erfuhren wir noch später.“
Ich hatte auch – zu diesem Zeitpunkt – noch nicht die leiseste Ahnung, auf welche Ungeheuerlichkeiten ich in den nächsten Jahren stoßen würde, da ich, wie wohl die meisten meiner Landsleute, einfach zu gutgläubig war.
François-Poncet, französischer Botschafter in Berlin vor dem zweiten Weltkrieg, nach 1945 Hoher Kommissar und von 1953–55 wieder Botschafter in Bonn, sagte im Jahr 1953:
„Einer der größten Fehler der Deutschen ist, nicht glauben zu wollen, daß ihre Regierung auch lügen kann.“
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Aber ich will ohne Zorn und Eifer berichten. –
Ich begann also mit der Lektüre des Buches von Professor Rassinier. Zu dieser Zeit wußte ich noch nicht, daß dieser Mann als überzeugter Linkssozialist und Widerständler gegen die Nationalsozialisten vom 30.1.44 bis 5. 4. 45 Häftling im Konzentrationslager Buchenwald, Außenstelle „Dora“, war, im gleichen Lager, in dem Professor Eugen Kogon inhaftiert war. Ich wußte noch nicht, daß er später, nach 1945, als er es wagte, gegen die öffentliche Meinung anzugehen und die „Erlebnisberichte“ anderer KZ-Häftlinge um der Wahrheit willen unter die Lupe nahm, jahrelangen Diffamierungen ausgesetzt war. Er selbst sagt darüber, „Was ist Wahrheit“, S. 86:
„Selbstverständlich wurde ich ausgiebig verunglimpft und sogar verklagt, aber dann natürlich freigesprochen. Von diesem Tage an war die Partie gewonnen.“
Ich wußte auch nicht, daß Professor Rassinier 1963 als Beobachter am Auschwitz-Prozeß in Frankfurt teilnehmen wollte. Da er selbst KZ-Häftling war, hätte er manches zur Klärung der Dinge beitragen können. Anscheinend sollte dies aber nicht sein, denn Professor Rassinier wurde am 18. Dezember 1963, von Paris kommend, in Saarbrücken auf Weisung des Bundesinnenministeriums von deutschen Kriminalbeamten aus dem Zug geholt und als unerwünschter Ausländer nach Frankreich abgeschoben. Seine Proteste beim Innenministerium sowie beim deutschen Botschafter in Paris blieben unbeantwortet. –
Beim Durchblättern des Buches fesselte mich zunächst das Kapitel „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, in dem Dinge stehen, die ich – damals noch absolut ahnungslos – mehrmals lesen mußte, um die Tragweite dessen, was damit ausgesagt wurde, ganz erfassen zu können.
So zum Beispiel der Absatz (S. 85):
„Heute weiß man, daß die Dachauer Gaskammer erst nach dem Ende des Krieges von SS-Häftlingen, die auf die bisherigen Lagerinsassen gefolgt waren, fertiggestellt wurden und daß dort niemals eine Vergasung stattgefunden hat“. –
Ich glaubte zunächst, nicht richtig gelesen zu haben: in Dachau keine Gaskammer?! – Dabei wußte doch alle Welt, daß in Dachau und vielen anderen Konzentrationslagern Menschen vergast worden sind. Mehrere Bekannte hatten mir doch erzählt, daß sie die Gaskammer in Dachau mit eigenen Augen gesehen hätten. Und das sollte jetzt auf einmal nicht mehr wahr sein? Unmöglich! –
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Doch halt, ein paar Zeilen weiter steht:
„Im August 1960 hatte das Münchner ‚Institut für Zeitgeschichte‘, wahrscheinlich veranlaßt durch das Aufsehen, das meine sehr aufmerksam verfolgte damalige Vortragsreise durch Deutschland erregte, in der Presse folgendes mitgeteilt:
‚Weder in Dachau, noch in Bergen-Belsen, noch in Buchenwald sind Juden oder andere Häftlinge vergast worden. Die Gaskammer in Dachau wurde nie ganz fertiggestellt und in Betrieb genommen ... Die Massenvernichtung der Juden durch Vergasung begann 1941/42 und fand ausschließlich in einigen wenigen hierfür ausgewählten und mit entsprechenden technischen Einrichtungen versehenen Stellen, vor allem im besetzten polnischen Gebiet (aber nirgends im Altreich) statt‘.“ (,Die Zeit‘, Hamburg, 19. 8. 1960.)
Das heißt also, daß diese (für mich) ungeheuerliche Meldung bereits im Jahr 1960 in einer deutschen Zeitung erschienen ist, ohne daß (anscheinend) irgendeine andere Zeitung hiervon Notiz genommen hat? (Mit einer Ausnahme allerdings, soweit mir bekannt ist).
Ich konnte es zuerst einfach nicht glauben, daß hier schwarz auf weiß zu lesen war, es hätten im Reichsgebiet keine Gaskammern bestanden und versuchte, ein Exemplar dieser Zeitung zu bekommen. Ich hatte Glück und konnte mich so persönlich von der Richtigkeit der Angabe Rassiniers überzeugen. –
Jahre später erfuhr ich, daß in der Zeitung „Christ und Welt“ noch am 14. 7. 1960 ein ergreifender Bericht über den Tod in den Dachauer Gaskammern stand:
„Zwei einfache, gar nicht große Schuppen, ganz primitiv aus Ziegeln und Balken errichtet, bergen die Stätte der Vernichtung ... Sehr sachgemäß ist der größere Schuppen eingerichtet. In einem Umkleideraum entledigten sich die für den Tod Bestimmten ihrer Kleider. Im Raum links sind gleich die Desinfektionskammern dafür angeordnet. Eine Tür führt nach rechts in das geflieste ‚Brausebad‘. Die Öffnungen, aus denen das tödliche Gas austrat, sehen wie Duschen aus. Die kleinen Fenster sind stark vergittert. Man ahnt und man wagt es nicht zu Ende zu denken, welche Todeskämpfe in diesem Raume stattgefunden haben. Die nächste Tür führt zum Aufbewahrungsort der Leichen, dann geht es zu den Verbrennungsöfen. Das ist alles.“
Am 12. 8. 1960 erschien in der „Zeit“ ein Artikel von R. Strobel „Weg mit ihm“, über den früheren deutschen General Unrein, der in Dachau die deutschen zivilen Bewachungsmannschaften amerikanischer Militäreinrichtungen unter seiner Leitung hatte und der behauptet haben soll, daß keine Vergasung in Dachau stattgefunden hätte:
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„Die Gaskammer – für ihn ist sie ein Duschraum. Über der Tür steht ja ‚Brausebad‘. Daß das nur zur Täuschung der unglücklichen Opfer, die dort hingeführt wurden, angeschrieben worden war, läßt er nicht gelten. Wäre es eine Gaskammer gewesen, dann hätten die Amerikaner einen entsprechenden Vermerk gemacht.“
Peinlich für die „Zeit“, bereits eine Woche später zugeben zu müssen, daß die Behauptung, in Dachau hätte es keine Vergasung gegeben, doch richtig war.
Professor Rassinier berichtet in „Die Lüge des Odysseus“ auf Seite 154 eine ähnliche Begebenheit über Gaskammern in Buchenwald: Ein Mitgefangener, Abbé Jean-Paul Renard, habe geschrieben:
„Ich habe Tausende und aber Tausende in die Duschen gehen sehen, aus denen an Stelle des Wassers Erstickungsgase sich ergossen.“
Zur Rede gestellt, da weder in Buchenwald, noch in dem Nebenlager „Dora“ Gaskammern vorhanden waren, antwortete er:
„Einverstanden, aber dies ist doch nur eine literarische Wendung, und da diese Dinge doch irgendwo vorgekommen sind, ist es kaum von Bedeutung.“
So wurde also mit der Wahrheit gespielt! Weil es angeblich irgendwo vorgekommen ist, behauptet der Abbé, er hätte es persönlich erlebt! –
Um nun selbst eine Bestätigung über die Gasanlage von Dachau zu bekommen, habe ich das „Institut für Zeitgeschichte“ (von dem der Artikel in der „Zeit“ stammte) angeschrieben und erhielt folgende Antwort:
„... daß sie 1944 gebaut, aber nicht mehr benutzt wurde, so daß also in Dachau selbst kein Häftling vergast wurde. Wohl aber gingen von Dachau Häftlings-Transporte ab (sogenannte Invalidentransporte), von denen bekannt war, daß sie zur Vergasung nach Hartheim bei Linz gebracht wurden ...“
An anderer Stelle teilte mir das Institut mit, daß die Häftlinge nur „selten genaue Kenntnis von den Vorgängen in den Lagern hätten“. – Dies kann doch nur bedeuten, daß man den Zeugenaussagen bei den KZ-Prozessen nur mit größter Vorsicht Glauben schenken darf, denn wenn sie teilweise selbst keine genaue Kenntnis hatten ...?
Zufällig habe ich nun in Linz einen Bekannten, den ich bat, sich der Sache anzunehmen und für mich Erkundigungen einzuziehen. – Nachdem er sich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Alkoven, in deren Bereich das Schloß Hartheim liegt, in Verbindung gesetzt hatte, erhielt ich folgende Antwort:
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„Vor der NS-Ära diente das Renaissanceschloß zur Aufnahme Schwachsinniger und Idioten, die hier auch betreut wurden. Nach der Einverleibung Österreichs in das Großdeutsche Reich wurde das Schloß eine Euthanasieanstalt in der zunächst unheilbar Kranke oder Versorgungsbedürftige aus dem ganzen Reich euthanasiert wurden. Die Asche der Verbrannten wurde nachts in Lastwagen zur Donau gefahren. Später wurden auch aus dem Konzentrationslager Mauthausen Häftlinge zur gleichen Behandlung nach Hartheim gebracht. Konzentrationslager war in Hartheim keines. Die Zahl der in Hartheim ums Leben gebrachten Menschen kann auch schätzungsweise nicht angegeben werden. Das Schloß hatte einen Fassungsraum bis zu 150 Menschen.“
Nichts also von Häftlingen aus Dachau und nichts von Vergasungen. – Das Institut, dem ich dies mitteilte, antwortete mir, daß diese Auskunft des Bürgermeisters keineswegs der Aussage widerspricht, daß dort Häftlinge vergast worden sind:
„Die Euthanasiemaßnahmen wurden teils mit Medikamenten (vor allem Spritzen), teils durch Hunger, teils mit Gas durchgeführt. Von daher ist die Methode der als Duschräume bekannten Gaszellen bekannt gewesen, die dann bei der ‚Endlösung der Judenfrage‘ in den Vernichtungslagern im großen nachgeahmt wurde ... Außerdem sei in der Untersuchung über Dachau auch belegt, daß in Hartheim schon Anfang 1940 eine Vergasungsanlage für Euthanasiemaßnahmen geschaffen wurde, die Ende Dezember 1944 dort abgerissen worden ist.“
(Sollte dies tatsächlich dem heutigen Bürgermeister von Alkoven unbekannt geblieben sein?) –
Freundlicherweise legte man mir die Fotokopie eines Briefes des SS-Arztes Dr. Sigmund Rascher bei, der an Himmler gerichtet ist und in dem u. a. steht:
„Wie Sie wissen, wird im KZ Dachau dieselbe Einrichtung wie in Linz gebaut. Nachdem die ‚Invalidentransporte‘ sowieso in bestimmten Kammern enden, frage ich, ob nicht in diesen Kammern an den sowieso dazu bestimmten Personen die Wirkung unserer verschiedenen Kampfgase erprobt werden kann? Bis jetzt liegen nur Tierversuche bzw. Berichte über Unfälle bei Herstellung dieser Gase vor.“
Sollte es sich bei den „Gaskammern“ etwa um Menschenversuche handeln, d. h. also um Versuche mit Medikamenten bzw. Kampfgasen, die an lebenden Menschen durchgeführt werden?
Damit wäre manches geklärt, auch beispielsweise die Aussage des tschechischen Arztes Dr. Blaha, die Professor Rassinier in „Was ist Wahrheit“ erwähnt, S. 83:
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„... Die Gaskammer in Dachau wurde im Jahr 1944 vollendet; ich wurde zu Dr. Rascher gerufen, um die ersten Opfer zu untersuchen. Von den acht oder neun Personen, die sich in dieser Gaskammer befanden, waren noch drei am Leben, die anderen waren tot. Ihre Augen waren schon rot usw.“ (IMT Band V, Seite 198).
Professor Rassinier bezeichnet Dr. Blaha als Falschzeugen, da sich inzwischen herausgestellt habe, daß keine Gaskammer in Dachau existiert habe, wie auch vom „Institut für Zeitgeschichte“ bestätigt wird. Es wäre aber durchaus möglich, daß beide Recht haben, sowohl Professor Rassinier, als auch Dr. Blaha. –
Professor Rassinier insofern, als keine verbrecherische Absicht vorgelegen hat, Menschen zu Tausenden zu vergasen und Dr. Blaha, indem Versuche an lebenden Menschen durchgeführt wurden, was sich beinahe aus dem von ihm geschilderten Vorgang schließen läßt. –
Nun gibt es Versuche am lebenden Menschen (freiwillig oder unfreiwillig) schon seit sehr langer Zeit und in vielen Ländern. Sollte dies vielleicht des Rätsels Lösung sein? Des Rätsels, daß ein Teil der Gaskammern, in denen „Tausende und aber Tausende“ vergast worden sein sollen, nur in der Phantasie vorhanden gewesen ist, wie beispielsweise in der des Abbé Renard? – Es wäre immerhin eine Erklärung.
Um Versuche mit Kampfgasen, wie sie Dr. Rascher erwähnt, durchführen zu können, bedarf es luftdicht abgeschlossener Kammern, also „Gaskammern“ und daß zumindest die Kammer in Dachau anscheinend nur ein geringes Fassungsvermögen hatte, also nicht für verbrecherische Tötungen im Großen geeignet gewesen sein kann –, ergibt sich aus der Aussage des Dr. Blaha (8–9 Personen). Es könnte also durchaus möglich sein, daß es sich hierbei tatsächlich um rein wissenschaftliche Versuche gehandelt hatte.
In diesem Zusammenhang dürfte es nicht unwesentlich sein, eine Parallele zu dem Konzentrationslager Buchenwald zu ziehen. Über Versuche am Menschen, die dort in den Jahren 1942–1945 durchgeführt wurden, sollen Aussagen von Häftlingen während des Nürnberger Ärzteprozesses vorliegen, wonach ein grundsätzlicher Befehl vorgelegen habe, daß nur deutsche Häftlinge und zwar Berufsverbrecher und Sicherungsverwahrte, also Personen mit einer größeren Anzahl erheblicher krimineller Vorstrafen, vor allem Sittlichkeitsverbrecher und Zuhälter zu diesen Versuchen herangezogen werden dürften. Im Kreuzverhör soll einer dieser Häftlinge ausdrücklich bestätigt haben, daß er sich durch Einsichtnahme in die schriftlichen Unterlagen in der Häft-
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lingsschreibstube selbst davon überzeugt habe, daß tatsächlich nur deutsche Berufsverbrecher und Sicherungsverwahrte von Berlin aus für diese Versuche vorgesehen waren.
Professor Mitscherlich erwähnt in „Medizin ohne Menschlichkeit“ auf Seite 128 der Fischer-Ausgabe einen Brief an Himmler, in dem um Freigabe von 8 zum Tode verurteilten Verbrechern zu Versuchszwecken gebeten wird. (Erforschung der Ursachen der ansteckenden Gelbsucht.)
Himmler genehmigte:
„... , daß 8 zum Tode verurteilte Verbrecher in Auschwitz (8 zum Tode verurteilte Juden der polnischen Widerstandsbewegung) für die Versuche verwendet werden.“
Aus einer Zeugenaussage im Nürnberger Prozeß, von der ich hörte, geht hervor, daß dieser Versuch anscheinend nicht durchgeführt worden ist. Aber dies erscheint mir in diesem Zusammenhang unwesentlich. Wesentlich dürfte sein, daß in Berlin angefragt werden mußte, wenn es darum ging, 8 Menschen – die bereits zum Tode verurteilt waren – zu Versuchszwecken zur Verfügung gestellt zu bekommen, wo andererseits doch Millionen auf Befehl umgebracht worden sein sollen!? –
Aber nicht nur die ärztliche Wissenschaft, auch die chemische Industrie benötigt für manche Versuche luftdicht abgeschlossene Kammern (Gaskammern?).
Professor Rassinier schreibt in „Was ist Wahrheit“ S. 118:
„In Auschwitz war ein eigener Sektor des Lagers – laut Höß: Auschwitz III (Monowitz) – an das dort im Bau befindliche Werk der IG-Farbenindustrie angegliedert. Man weiß, daß die Chemiker zur Herstellung ihrer Farben auch giftige Stoffe verwenden.
Außerdem gab es da Kammern, in denen Kleider desinfiziert wurden, wozu man ausgerechnet Zyklon B (das Gas, womit die Juden in Auschwitz getötet wurden. Anmerkung des Verf.) verwendete ... Was lag da näher, als anzunehmen, daß die Gaskammern zur Vergasung der Juden bestimmt wären ...“
Es liegt mir fern, zu behaupten, daß in Auschwitz keine Juden vergast worden sind, dafür liegen zu viele Zeugenaussagen vor, die das Gegenteil behaupten, es gibt nur so manche Dinge, die Grund zum Nachdenken geben. So ist z. B. in dem Bericht von Bernd Naumann „Auschwitz“ auf Seite 540 ein Lageplan von dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau abgebildet, auf dem zwar 4 Krematorien als solche gekennzeichnet sind, wobei aber keine Gaskammern erwähnt sind. Nun ist es durchaus möglich, daß man diese Bezeichnung weggelassen hat,
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weil es „allgemein bekannt“ ist, daß Krematorien und Gaskammern miteinander verbunden waren, zumal dies auch in dem Begleittext erwähnt ist. Dies allein wäre auch nichts Besonderes, wenn nicht auf dem Lageplan – außerhalb des Lagergeländes – ein einzelnes Haus („Rotes Haus“ = Bunker) eingetragen wäre, bei dem in Klammern „Gaskammer“ steht. In dem Begleittext ist vermerkt, daß von der Ortschaft Birkenau nur zwei Häuser stehen blieben, die später als „Gaskammern“ benutzt wurden.
Höß schreibt selbst hierzu („Kommandant in Auschwitz“, Seite 129):
„Im Frühjahr 1942 gingen Hunderte von blühenden Menschen unter den blühenden Obstbäumen des Bauerngehöftes, meist nichtsahnend, in die Gaskammern, in den Tod.“ –
Dies alles könnte sich mit der Aussage von Eichmann decken, der in Jerusalem ausgesagt haben soll, daß man ihm einmal bei einem Besuch in Auschwitz aus der Ferne „die kleinen Häuschen“ gezeigt habe, in denen, wie man ihm mitteilte, Vergasungen stattfanden. –
Nebenbei bemerkt müssen in diesem Vernichtungslager Birkenau – nach dem Lageplan zu schließen – Hunderte von Baracken gestanden haben, die zur Aufnahme von Zehntausenden von Häftlingen gedient haben müssen, da ein anderer Zweck nicht ersichtlich ist. War also Birkenau vielleicht gar kein reines „Vernichtungslager“? –
Wenn man sich überlegt, daß Auschwitz mit seinen Nebenlagern zuletzt etwa 158.000 Menschen faßte (Höß), daß große Industriewerke angeschlossen waren, die Zehntausende von Arbeitern benötigten, dann bekommen die Dinge vielleicht ein etwas anderes Aussehen! –
Aber hiervon später. Zunächst möchte ich meine eigenen Beobachtungen schildern und die Schlüsse, die ich daraus zog.
Im Jahre 1967 berichtete das Fernsehen über die Enthüllung eines Mahnmals in Bergen-Belsen. Hierbei wurde erwähnt, daß dort 50.000 Opfer des Nationalsozialismus zu beklagen seien. 50.000 ist eine entsetzliche Zahl, wenn es sich darum handelt, daß diese Menschen verbrecherisch getötet worden sind, sie bekommt jedoch ein anderes Gewicht, wenn man erfährt, wie diese Zahl entstanden ist.
Ein Bekannter, gebürtig aus Bergen, mit dem ich mich einige Tage nach dieser Sendung unterhielt, sagte mir, daß früher ein Schild dort gestanden hätte, auf dem die Zahl 500.000 stand! –
Diese Differenz: 500.000 gegenüber 50.000 erschien mir nun derart gewaltig, daß ich mir vornahm, einmal von mir aus in dieser Richtung zu
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recherchieren. Eine Anfrage bei einer Monatszeitschrift ergab nichts, da mir geantwortet wurde, ohne genaue Angaben, Fotos oder Dokumente, könne man die Sache nicht verwerten.
Ich schrieb nun an den Stadtdirektor von Bergen und bat um Auskunft. Seine Antwort: wissenschaftlich erarbeitet sei die Zahl 50.000, er hoffe, daß mir diese Auskunft genügen wird. – Ich schrieb zurück, daß mir diese Antwort nicht genügt, da ich ja wissen wollte, ob früher die Zahl mit 500.000 angegeben worden sei.
Die Antwort:
„... Die von Ihnen gestellte Frage kann ich leider nicht beantworten. Das ehemalige KZ-Lager liegt nicht im Verwaltungsbereich der Stadt, sondern im Gemeindefreien Bezirk Loheide, also im Gebiet des Truppenübungsplatzes. Zuständig für die Betreuung des ehemaligen Lagers ist der Regierungspräsident von Lüneburg, der auch über Zahlenangaben Auskunft geben könnte.“
Auf meine Anfrage beim Regierungspräsidenten wurde mir die Lektüre des Buches „Bergen-Belsen“ von Dr. Kolb empfohlen, aus dem ich alle näheren Angaben entnehmen könnte:
„... Im übrigen kann ich Ihnen die Richtigkeit der Ihnen zugegangenen Information nicht bestätigen.“
Ich fragte zurück, ob diese Antwort so zu verstehen sei, daß die Richtigkeit nicht bestätigt werden könnte, da mein Bekannter die Unwahrheit gesagt hätte, oder ob er keine Möglichkeit hätte, die Sache nachzuprüfen. In diesem Fall wäre ich dankbar, wenn er mir eine Stelle nennen könnte, die mir Klarheit verschaffen kann.
Nach etwa 6 Wochen kam die Antwort:
„Auf Ihr Schreiben v. 15. 6. 67 kann ich Ihnen mitteilen, daß die Behauptung Ihres Bekannten nicht aus der Luft gegriffen sein dürfte. Mit einiger Mühe habe ich feststellen können, daß im Jahre 1946 am Eingang der heutigen Gedenkstätte ein großes Holzschild gestanden haben soll. Weitere Einzelheiten hierzu, insbesondere von wem die Aufstellung des Holzschildes veranlaßt wurde, konnten nicht ermittelt werden.“
Über den ähnlich gelagerten Fall des Lagers Dachau existiert eine Erklärung des ehemaligen KZ-Insassen Walter Neff, Dachau, Hermann-Stockmann-Straße 47, die sich im Original bei den Akten in Dachau befinden soll:
„Das Krematorium des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau wurde vom Mai 1945 bis Ende 1949 von der amerikanischen Kommandantur des Camp Dachau verwaltet. Es wurden 1945 vor dem Krematoriumsgebäude ein
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Kreuz, ein Davidsstern und eine Gedenktafel aufgestellt, mit dem Hinweis, daß in dem KZ über 250.000 Menschen ihr Leben lassen mußten. Wie die Amerikaner auf die Zahl 250.000 kommen, ist vollkommen unverständlich und kann in keiner Weise mit der tatsächlichen Todeszahl übereinstimmen, da die amtlich bekannte Zahl bei etwa 21.000 liegt, wozu allerdings noch eine geschätzte Zahl von circa 5000 Toten kommt, welche nicht registriert wurden.
Durch die Auffindung eines großen Aschengrabes auf dem Gelände des Krematoriums Ende 1949 wurde die Bayerische Regierung von den Amerikanern beauftragt, eine würdige Gedenkstätte zu gestalten und die Verwaltung über das Krematorium zu übernehmen. Beauftragt wurde hiermit das Bayerische Landesentschädigungsamt (Dr. Auerbach). Die von den Amerikanern aufgestellten Kreuze und Tafeln wurden von diesen selbst entfernt auf ausdrücklichen Befehl des damaligen Kommandanten Oberst Weißberg.
Das gesamte Krematoriumsgebäude, das mehr einer Kiesgrube glich, wurde gärtnerisch gestaltet und von Prof. Vorhölzer mit dem jetzigen Denkmal, der Mensa und Gedenkplatten ausgestaltet. Da eine amtlich genaue Zahl der im Lager Verstorbenen nicht existiert, wurde von der Aufstellung einer Tafel mit Angabe der Totenzahl, die immer nur geschätzt sein konnte, abgesehen, nicht etwa, um die Zahl der Toten möglichst zu verschweigen, sondern deshalb, weil die von der Besatzungsmacht angegebene unverständlich hohe Zahl der alten Tafel in keiner Weise der tatsächlichen Zahl entspricht. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Zahlen war zu groß und heute zu unverständlich, um nicht auf der einen Seite einen Sturm der Entrüstung und auf der anderen Seite unerquickliche Schlußfolgerungen hervorzurufen.
Im Streit um die Zahl möge man nie vergessen, daß etwa 25.000 Menschen ums Leben gekommen sind im Kampf und Glauben für eine Welt in Frieden und Freiheit. Die erschütternde Tatsache, daß diese Toten immer wieder von gewissenlosen Hetzern dazu dienen sollen, Haßgesänge anzustimmen, hat das Bayerische Landesentschädigungsamt nach Rücksprache mit einer Reihe prominenter politischer Häftlinge bewogen, die Anbringung einer Tafel mit der Zahl der Toten zu unterlassen.
gz. Walter Neff.“
Wenn man nun bedenkt, daß die Zahl der Toten des Lagers Dachau von Pastor Niemöller in einer am 3. Juli 1946 gehaltenen Rede mit 238.756 angegeben wurde, während Mgr. Neuhäusler in seinem Buch „So war es in Dachau“ Zahlen nennt, die bei etwa 26–27.000 liegen, so stellt man fest, daß die Zahlen der Toten in diesen beiden Fällen (Bergen-Belsen und Dachau) ursprünglich zehnmal so hoch angegeben wurden, als sie tatsächlich waren, wobei noch fraglich ist, ob die dort begrabenen Toten alle KZ-Häftlinge waren. So ist z. B. von Buchenwald bekannt, daß dort Opfer eines Angriffs auf Weimar begraben wurden,
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da man in Weimar keine Möglichkeit dazu hatte. Könnte es in Dachau, das in der Nähe von München liegt, nicht vielleicht ähnlich sein? –
Es liegt mir fern, etwas derartiges behaupten zu wollen, aber unwillkürlich drängt sich hierbei der Gedanke auf, ob nicht bei den 6.000.000 ermordeter Juden etwas ähnliches angenommen werden könnte! –
Das Lager Bergen-Belsen, von dem früher auch behauptet wurde, es sei eine Vergasungsanlage dort gewesen, begann nun, mich zu interessieren und ich kümmerte mich um Einzelheiten.
In der Lagerchronik, die in der Gedenkstätte einzusehen ist, steht:
| 1940–43 |
„Verwendung und Ausbau einer bestehenden Barackensiedlung als Kriegsgefangenenlager (Stalag 311). Seit Sommer 1941 Belegung mit russischen Kriegsgefangenen. Massensterben durch Fleckfieberepidemie.“ |
Das Lager war also gar nicht von Anfang an ein Konzentrationslager, wie man unwillkürlich geneigt ist, anzunehmen, wenn man die Bezeichnung KZ hört, sondern wurde erst später, wie sich noch aus der Lagerchronik ergeben wird, dazu umgewandelt.
Es ist überhaupt interessant, sich in diesem Zusammenhang ein wenig mit der Entstehung der Konzentrationslager zu beschäftigen.
Im „Spiegel“, der gewiß nicht verdächtigt werden kann, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu verteidigen, oder zu beschönigen, steht in Heft 48 v. 21.11.1966, auf Seite 96, daß es in den Jahren 1936/37 insgesamt vier Konzentrationslager mit 7500 Häftlingen und 4833 Bewachern im Deutschen Reich gegeben hat. Nach Bronder „Bevor Hitler kam“, Seite 158, gab es bei Kriegsausbruch im Jahre 1939 sechs Lager mit etwa 20.000 Insassen, von denen rund 9.000 politische Häftlinge, die übrigen mehr oder weniger kriminelle Elemente gewesen sein sollen. In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der Lager um das Drei- bis Vierfache (nach H. G. Dahms „Der Zweite Weltkrieg“). Es war also gar nicht so, daß ganz Deutschland mit Konzentrationslagern übersät war, wie man beinahe den Eindruck haben könnte, wenn man beispielsweise die Übersichtskarte aus Zentner „Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ ansieht. Allerdings muß eingeräumt werden, daß dieser Eindruck vielleicht auch dadurch entsteht, daß die Lager im Verhältnis zum Maßstab der Karte überdimensional wirken.
Nun weiter in der Chronik des Lagers Bergen-Belsen:
| April 1943 |
„Übergabe eines Lagerkomplexes an die SS und Einrichtung des sogenannten ‚Aufenthaltslagers Bergen- |
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|
Belsen‘. Sammellager für einige tausend Juden, die eventuell gegen internierte Deutsche ausgetauscht werden sollen. Ständiges Anwachsen der Lagerstärke.“ |
Bergen-Belsen war also, zumindest einige Zeit, ein Lager für prominente Juden, die ausgetauscht werden sollten und teilweise wohl auch ausgetauscht worden sind. Daß diese Juden nicht schlecht behandelt worden sein konnten – schon allein um des Eindrucks willen gegenüber dem Ausland, da sie ja ausgetauscht werden sollten – dürfte sich wohl von selbst verstehen.
Professor Rassinier schreibt in „Was ist Wahrheit“, S. 232: Dr. Reszo Kasztner (von 1942–1945 Vorsitzender des Budapester Komitees zur Rettung der Juden) würde nachgesagt, er habe sich dem Nationalsozialismus verkauft und hätte seine Familie dadurch retten können, daß er sie nach Bergen-Belsen schicken ließ. Anmerkung von Professor Rassinier:
„War man dann also gerettet, wenn man nach Bergen-Belsen geschickt wurde? Wie war es doch mit den dortigen Gaskammern?“
Dr. Kasztner wurde, nebenbei erwähnt, im März 1957 in Tel Aviv ermordet. Ob er zu viel über die Hintergründe der Verbrechen an den Juden wußte? –
| Seit März 1944 |
„Unterbringung arbeitsunfähig gewordener Insassen verschiedener Konzentrationslager in einem abgesonderten Lagerabschnitt des ‚Aufenthaltslagers‘.“ |
Professor Rassinier schildert in „Die Lüge des Odysseus“, S. 190, ein persönliches Erlebnis hierzu: Ein Mithäftling aus dem Lager Dora sei bei einer „Selektion“, bei der Kranke und Arbeitsunfähige ausgesondert wurden, abtransportiert worden. Man nahm an, er sei mit dem gesamten Transport, an dem er teilnahm, den Erstickungstod gestorben, d. h. also, sie seien vergast worden. Im September 1946 traf er ihn jedoch wieder, als er zu ihm kam und ihn (Rassinier) zu einer Veranstaltung einladen wollte:
„Als ich ihm sagte, welche Gedanken ich mir über sein Los gemacht hatte, erzählte er mir, der betreffende Transport sei nicht nach einer Gaskammer, sondern nach Bergen-Belsen geleitet worden, dessen besondere Aufgabe anscheinend darin bestand, die Verschickten aller Lager zur Genesung aufzunehmen. Er war tatsächlich nach einer Reise unter entsetzlichen Bedingungen in einem Bergen-Belsen angekommen, in dem aus ganz Deutschland Transporte Arbeitsunfähiger zusammenliefen, von denen man nicht wußte, wo
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man sie unterbringen und wie man sie ernähren sollte, was für die SS Veranlassung zur Aufregung und für die Kapos zum Gebrauch des Gummiknüppels war. Er verlebte dort schreckliche Tage und wurde schließlich dem Kreislauf der Arbeit wieder eingegliedert.“ –
Nun wieder zur Lagerchronik:
| Okt./Nov. 1944 | „Notdürftiger Ausbau eines Lagerabschnittes und Einlieferung von 8000 Frauen aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.“ |
Was mir nicht recht einleuchten will, ist der Umstand, daß man Ende des Jahres 1944, zu einer Zeit, als die Russen sozusagen schon vor den Toren des Lagers Auschwitz standen, aus dem Vernichtungslager Birkenau noch 8.000 Frauen, die doch offensichtlich zur Vernichtung bestimmt waren, denn sonst wären sie ja wohl nicht in diesem Lager gewesen, nach Bergen-Belsen transportiert hat. In ein Lager also, das, wie sich einwandfrei aus der Chronik ergibt, nicht zur Vernichtung von Menschen bestimmt war. Zudem wurde dieser Transport in einer Zeit durchgeführt, in der sämtliche Transportmittel ausgelastet und die Landstraßen ebenfalls stark in Anspruch genommen waren. Es dürfte doch, nach allem, was man an Entsetzlichem gehört hat, viel einfacher gewesen sein, die Frauen an Ort und Stelle zu liquidieren, als sie Hunderte von Kilometern in ein Lager für Arbeitsunfähige zu transportieren? Sollte nicht vielleicht doch manches ganz anders gewesen sein, als es heute dargestellt wird? –
| Dezember 1944 | „Abschluß der Umwandlung Bergen-Belsens in ein Konzentrationslager. Neuer Lagerkommandant SS-Hauptsturmführer J. Kramer, vorher Kommandant von Auschwitz-Birkenau. Lagerstärke am 1.12.1944: 15.257.“ |
Also im Dezember 1944 wurde das Lager erst zum Konzentrationslager umgewandelt und es war auch bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht überbelegt.
| Seit Januar 1945 | „Zahlreiche Häftlingstransporte aus frontnahen Konzentrationslagern nach Bergen-Belsen. Beginn des Infernos. Unerträgliche Überfüllung des Lagers. Hunger, Seuchen, sehr hohe Sterblichkeit.“ |
Das Lager, das eine Höchstbelegungsmöglichkeit von 15.000–18.000 Menschen hatte, wurde in nicht vorstellbarer Weise überfüllt, die Lagerstärke betrug
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| am am am am |
1. 2. 1945 1. 3. 1945 1. 4. 1945 15. 4. 1945 |
etwa | 22.000 41.520 43.042 60.000 |
Der Lagerkommandant Kramer soll sich geweigert haben, die während dieser Zeit ankommenden Transporte noch aufzunehmen, da das Lager bereits völlig überfüllt war. Hinzu kam, daß bereits die Ruhr wütete, dazu kam Typhus und durch Neuankömmlinge aus dem Osten auch Fleckfieber. Weiter kam hinzu, daß die Züge mit den KZ-Insassen durch die damaligen Verkehrsschwierigkeiten länger unterwegs waren, als vorgesehen, da die Strecken überfüllt waren durch Truppentransporte, die Bahnhöfe durch Bombenangriffe teilweise zerstört waren, so daß sie oft wochenlang unterwegs waren und, da sie unterwegs keine zusätzliche Verpflegung bekommen konnten, in völlig verhungertem und erschöpftem Zustand – soweit sie nicht während der Fahrt starben – in Belsen ankamen und so noch leichter den Krankheiten zum Opfer fielen. Außerdem war die sanitäre Betreuung, sowie die Verpflegung bei der dreifachen Überbelegung des Lagers nicht ausreichend und versagte zuletzt völlig infolge der Tran Sportschwierigkeiten, die durch den Luftkrieg entstanden waren. Zum Schluß soll noch die Wasserversorgung ausgefallen und sogar Abwasser und Unrat zurückgestaut sein, so daß sich unsagbare Zustände einstellten.
Erst wenn man diese ganzen Umstände kennt, die durch beeidigte Zeugenaussagen belegt sind, die aber hier nur in gedrängter Kürze wiedergegeben werden können, kann man die ungeheure Zahl der Sterbefälle Anfang des Jahres 1945 verstehen:
| im Februar 1945 etwa im März 1945 etwa 1. Aprilhälfte 1945 etwa |
7.000 18.168 9.000 |
| 15. April 1945 | „Befreiung Bergen-Belsens durch englische Truppen. Trotz großer Anstrengungen zur Rettung der Oberlebenden starben bis Ende April noch etwa 9.000, bis Ende Juni weitere 4.000 Menschen. Gesamtzahl der Opfer des Lagers Bergen-Belsen 1943–45 etwa 50.000.“ – |
So weit die Lagerchronik. –
Schon allein nach dieser Chronik könnte man also annehmen, daß noch bis zum Ende des Jahres 1944 in Bergen-Belsen, den Umständen entsprechend, einigermaßen tragbare Verhältnisse bestanden haben
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müssen, wenn es nicht außerdem noch Augenzeugenberichte gäbe, die dies bestätigen. Erst als am Kriegsende alles zusammenbrach und das Lager derart überfüllt war, gab es die vielen Sterbefälle, Verbrechen scheinen, wenn überhaupt, wenig vorgekommen zu sein. –
Interessant ist ein Bericht über Bergen-Belsen, den Hans Grimm in „Warum – woher – aber wohin?“ erwähnt, S. 500:
„Moorehead [ein englischer Journalist) besuchte kurz nach der Einstellung der Kämpfe 1945 das Konzentrationslager Belsen zusammen mit einer Gruppe anderer Journalisten. Belsen ist das Lager, wo infolge schwerer Bombenangriffe auf die Zufahrtswege ein Zusammenbruch der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser erfolgte und Typhus ausbrach, durch den Hunderte der Gefangenen umkamen. Die Alliierten erschienen und trafen auf die schauderhaften Zustände. Sie brachten Lebensmittel und Medikamente, sie verbrannten die Toten und die verseuchten Baracken. Sie setzten die Wachmannschaften gefangen und folterten sie: und sie waren so besessen von der Propaganda gegen die deutschen ‚Hunnen‘, daß sie selbst geradezu geschwelgt zu haben scheinen in Greuelhandlungen und mit Stolz ihr eigenes Handwerk den besuchenden Journalisten vorwiesen. Moorehead erzählt: ‚Ein junger britischer Militärarzt und ein Hauptmann der Pioniere verwalteten das Lager ... Der Hauptmann schien in besonders guter Laune ... Als wir uns den Zellen der gefangenen SS-Wachmannschaften näherten, brach beim aufsichtführenden Sergeanten die Wut aus. Der Hauptmann sagte: ‚Wir haben heute morgen eine Vernehmung stattfinden lassen. Ich fürchte, die Gefangenen sind nicht gerade hübsch anzusehen.‘ Den Journalisten wurden die Zellen geöffnet, wo die stöhnenden und blutenden Gefangenen lagen. Moorehead erzählt weiter: ,Der Mann, der mir zunächst lag und dessen Hemd und Gesicht blutverkrustet waren, machte zwei vergebliche Versuche, ehe es ihm gelang, in Kniestellung und dann auf die Füße zu kommen. Als er stand, zitterte er heftig und versuchte, die Arme abwehrend auszustrecken. Hoch, schrie der Sergeant. Alle kamen hoch und hielten sich aufrecht an der Wand! Weg von der Wand! Sie stießen sich ab von der Wand und standen frei schwankenden Körpers ... In einer anderen Zelle hatte der Militärarzt soeben eine Vernehmung beendet. Los, schrie der Sergeant, steh auf! Der Mann lag in seinem Blute auf der Erde ... Er stützte seine zwei Arme auf einen hölzernen Stuhl und gab sich einen Stoß, ein zweiter Versuch und ihm gelang es, auf die Füße zu kommen. Er reckte seine Arme uns entgegen. Warum macht Ihr mich nicht ganz tot, stöhnte er. Warum macht Ihr mich nicht ganz tot, ich kann nicht mehr ... Der dreckige Bastard hat das schon den ganzen Morgen gesagt.‘ – In dem Bericht, den Moorehead über Belsen und die schrecklichen Zustände dort vor der Befreiung gibt, heißt es: ,War da Sadismus am Werk bei den Deutschen? Im großen und ganzen nein. Greuelhandlungen sind in diesem Lager verhältnismäßig selten vorgekom-
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men ... Was die Häftlinge umbrachte, waren nicht Greuelhandlungen, sondern Vernachlässigung.‘ Moorehead fügt hinzu: ,So war das, bis die Alliierten kamen.‘ Gewiß waren die Wachmannschaften zum Teil schuld an den Zuständen im Lager, wennschon ihnen in den letzten Wochen alles über den Kopf gewachsen war, als Folgen der Bombenabwürfe, des fehlenden Wassers, der Seuche und der Überfüllung. Eine Untersuchung war vorzunehmen, was ihr Tun angeht. Aber die Verbrechen, die Herr Moorehead beschreibt, wurden von englischen Soldaten mit Bedacht begangen, und ihre SS-Gefangenen litten nicht an Vernachlässigung.“ –
So weit der Bericht aus „Warum – woher – aber wohin“. Bemerkenswert scheint mir, daß es heißt, es seien „Hunderte der Gefangenen“ umgekommen. Wäre es möglich, daß sogar die Lagerchronik nicht stimmt, die doch von „Tausenden“ spricht? Eine Erklärung hierfür dürfte sein, daß man zu der damaligen Zeit noch keinen genauen Überblick hatte und nur annahm, es seien „Hunderte“ gewesen, weil man die entsetzliche Wirklichkeit noch nicht in vollem Umfang kannte. –
Daß die Lagerchronik heute tatsächlich angezweifelt wird, ergibt sich aus einem Bericht aus „Nation Europa“ 5/68, S. 47:
„Nur nebenbei sei bemerkt, daß die Zahl 50.000 unrichtig ist: Heute berechnet man die Zahl der Gestorbenen auf 22.000, und auch diese Zahl wird angezweifelt.“ –
In „The European“, London, stand im März 1954 Folgendes:
„Die deutschen Angeschuldigten in Nürnberg konnten sich zu ihrer Entlastung darauf berufen, daß sie von völkerrechtswidrigen Untaten nichts gewußt hätten. Die Verantwortlichen auf britischer Seite sind dieser Unwissenheit durch Mr. Mooreheads Bericht enthoben worden. Werden sie nun Gericht halten über die englischen Kriegsverbrecher? Wir zweifeln daran, aber wir zweifeln nicht über das Urteil der Geschichte.“
Als ich in Mr. Mooreheads Bericht die Stelle las: Belsen ist das Lager, wo infolge schwerer Bombenangriffe auf die Zufahrtswege ein Zusammenbruch der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser erfolgte usw., mußte ich an ein Ereignis denken, das mir ein Bekannter erzählt hatte und wonach 8.000 auf Schiffen befindliche KZ-Häftlinge noch kurz vor Kriegsende von englischen Flugzeugen beschossen wurden, wobei der größte Teil der Häftlinge getötet worden sei. Er selbst hätte diesem Ereignis als Augenzeuge beigewohnt. (Es handelt sich um den Fall „Neustadt“, der später geschildert wird). Sollte hier irgendein Zusammenhang bestehen? – Ich weiß es nicht, aber ich meine, es gäbe Gründe, darüber nachzudenken! –
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Dies ist in großen Zügen das, was mir an dem Lager Bergen-Belsen erwähnenswert erscheint. –
Ich erkannte nun immer mehr, daß nur dann Klarheit über geschichtliche Vorgänge und auch über Tagesereignisse zu erhalten war, wenn man möglichst viele Informationsquellen ausschöpfte, und am besten schien es sogar, wenn man extrem entgegengesetzte Meinungen miteinander verglich. Zu Beginn meiner eigenen „Forschungen“ – wenn ich so sagen darf – und Überlegungen ahnte ich noch nicht, wie ungeheuer schwer, ja fast unmöglich es für einen einzelnen Menschen ist, die Geschehnisse in ihrer Vielfalt und Verzweigung ineinander und miteinander zu überschauen. Es wurde mir klar, daß dieses Ziel nur dann erreicht werden konnte, wenn man auf möglichst breiter Basis aufbaute, und ich, der sich früher nie mit derartigen Dingen beschäftigte, begann mich für Bücher über – im wesentlichen – zeitgeschichtliche Themen zu interessieren.
Es ist richtig, was mir einmal ein Buchhändler zitierte: „Ich fürchte den Leser eines Buches“, denn nur eine umfassende Kenntnis kann zur Erkenntnis führen. –
Ich erkannte, daß es ganz einfach unmöglich ist, aus einem einzigen Buch, also aus der Sicht eines einzigen Beschauers ein objektives Urteil zu erhalten, wenn es sich um zeitgeschichtliche Dinge handelt, bei denen der Abstand noch nicht groß genug ist, um sie ganz zu überschauen. Selbst von einer Gruppe von Leuten, die, um ein Beispiel zu nennen, ein Standbild beschreiben sollen und die auf der einen Seite des Standbildes nahe beieinander stehen, wird sich ein Unterschied in der Schilderung nur insoweit zeigen, als der Abstand zwischen ihnen ausmacht. Erst die Sicht dieser Leute mit der einer Gruppe auf der anderen Seite des Standbildes vereinigt, kann eher die Gewähr dafür bieten, es in seiner Gesamtheit zu erkennen.
Meine Bibliothek, die ständig weiter wächst – ich bin ja noch auf der „Suche nach der Wahrheit“ –, umfaßt inzwischen etwa 300 Bände, nicht eingerechnet verschiedene Monats- und Wochenschriften. In ihr sind nicht nur Bücher von Rassinier, Bardèche, Grenfell, Utley, Veale, Barnes, Nicoll und anderen enthalten, sondern auch solche von Reitlinger, Kogon, Hofer, Rothfels, Gisevius, Krausnick, Bullock, Shirer usw., aber es fehlen auch nicht die Werke von Taylor, Hoggan, Ribbentrop und Walendy sowie von Sündermann, Kubizek, Ziegler und Röhrs. Die erwähnten Namen sind wahllos herausgegriffen und es soll hierbei nicht in entferntester Weise ein Werturteil angedeutet werden. Mir ist jeder
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Autor lieb, wenn er mir ein kleines Stück weiterhilft bei meiner Suche nach der Wahrheit.
Ein Wissenschaftler kann sein eigenes Wissensgebiet wunderbar beherrschen, beispielsweise ein Historiker die Geschichte, es ist aber durchaus möglich, daß ihm die Gabe fehlt, weite und tief verflochtene geistige und politische Zusammenhänge zu sehen. Ebenso ist es möglich, daß ein Politologe kein Gefühl für geschichtliche und weltanschauliche Dinge hat.
Ganz besonders ergibt sich dann ein schiefes Bild, wenn Ereignisse der Vergangenheit verzerrt oder bewußt falsch dargestellt oder sogar verschwiegen werden, wie dies bereits erwähnt wurde: Dokumente, die den Anschlußwillen der Österreicher an das Reich beweisen.
Nach dieser Überlegung erscheint es mir nicht unwesentlich, einige Autoren etwas näher zu charakterisieren bzw. Werke oder Zitate von ihnen auf Glaubwürdigkeit zu untersuchen.
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II.
Charakterisierung verschiedener Historiker:
Rassinier, Grenfell, Taylor, Hoggan
Der Leser möge sich selbst ein Urteil bilden
Diese Untersuchung soll kein Werturteil in bestimmter Reihenfolge darstellen, sie wird wahllos durchgeführt und beansprucht auch nicht, vollständig zu sein, sie soll lediglich zum Ausdruck bringen, worauf es mir ankommt.
Beginnen möchte ich mit Professor Rassinier, da sein Buch „Was ist Wahrheit?“ es war, das mir Veranlassung gab, mich mit Dingen zu beschäftigen, von denen ich vorher kaum eine Ahnung hatte.
Was konnte Rassinier für Gründe haben, sich derart für das deutsche Volk einzusetzen, wie er es getan hat, wo gerade er doch am allerwenigsten Grund dazu hatte? Er wurde wegen seiner Tätigkeit als Widerstandskämpfer in KZ-Haft genommen und kam, nachdem er schreckliche Monate in Buchenwald verlebt hatte, bei Kriegsende als Invalide wieder in die Heimat. Es wäre also durchaus zu verstehen gewesen, wenn er, wie die meisten KZ-Häftlinge, nicht gut auf die Deutschen zu sprechen gewesen wäre, die ihn so schlecht behandelt hatten. –
Es wurde mir entgegengehalten, vielleicht habe Rassinier seine Bücher aus Geltungssucht geschrieben oder aus finanziellen Gründen, aber keiner dieser Gründe ist überzeugend, wenn man den Geist kennt, der aus seinen Büchern spricht. Dieser Geist ist so klar und man spürt so überzeugend den Mann, der nichts als die Wahrheit sucht – besonders eindringlich geht dieses Bemühen aus „Drama der Juden Europas“ bei der Schilderung über Gaskammern hervor –, daß jedes weitere Wort überflüssig ist.
Aber abgesehen davon: Wer setzt sich schon mutwillig einer Bestrafung aus, und mit einer solchen mußte er rechnen, wenn das, was er über seine Mithäftlinge sagte, nämlich daß das, was sie geschrieben hatten, zum größten Teil gelogen ist, nicht der Wahrheit entsprach. Ist es möglich, daß ein solcher Mann so etwas aus Geltungsbedürfnis oder aus Gewinnsucht macht? Niemals! – Er hätte es zudem ja viel einfacher gehabt, wenn er in das gleiche Horn geblasen hätte, wie beispielsweise Abbé Renard.
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Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen. Am Schluß seines Buches „Die Lüge des Odysseus“ schreibt er:
„Ich mache mir überhaupt keine Illusionen: ich, alter Sozialist, antimilitaristisch und antinationalistisch, aber ein europäischer Mann, werde wieder einmal des Versuchs beschuldigt werden, die Verbrechen des Nazismus zu beschönigen. Man wird mich der Judenfeindschaft, ja sogar des Rassismus bezichtigen, weil ich nicht ausreichend begründete Angaben eines jüdischen Gremiums kritisch untersucht habe. Man wird vielleicht so weit gehen, zu behaupten, daß meine Absichten einer Politik Vorschub leisteten, die für alle Zeiten von den großen Grundsätzen des herkömmlichen Humanismus verurteilt worden ist. Unter meinen Verleumdern wird niemand bemerken, daß die Ungeheuerlichkeit der Anklage, die in solchen Behauptungen gegen den Nazismus erhoben wird, dem deutschen Volk zur Last fällt. Noch weniger wird man erkennen, daß ich nur dieses deutsche Volk verteidige, das deutsche Volk, das – wie alle Völker der Welt – unschuldig ist und bleibt! ...
Und zum Schluß möchte ich mich auf Sokrates berufen, der sich nie darum gekümmert hat, ob seine Philosophie der Politik der Dreißig Tyrannen förderlich war oder nicht.“
Der Engländer Russel Grenfell, dessen Buch „Bedingungsloser Haß“ im Jahre 1954 erschien, wird vielleicht am besten durch einen Brief charakterisiert. Generaladmiral Hermann Boehm schreibt im Jahr 1952 darüber (Nation Europa, Okt. 52, 32):
„Der englische Militärschriftsteller Captain Russel Grenfell, bekannt durch sein faires Auftreten in einem Nürnberger Prozeß und sein mehrfaches Eintreten für die deutschen sogenannten ‚Kriegsverbrecher‘, hat auf einen Dankesbrief des Vorstandes des Bundes versorgungsberechtigter Wehrmachtsangehöriger folgendermaßen geantwortet:
Dear Admiral Hansen!
Bitte danken Sie mir nicht. Ich kämpfe nicht für die deutschen Soldaten, sondern mit den deutschen Soldaten und Seeleuten gegen das Unrecht, das Männern angetan wird, die im Kampf für ihr Heimatland – es sei, welches es sei – ihre Pflicht getan haben. Es ist die Höhe des Unrechts, Männer wegen Gehorsams gegenüber Befehlen zu bestrafen, wenn sie im gleichen Falle wegen Ungehorsams bestraft werden können. Schimpflich ist es darüber hinaus, deutsche Männer für die im Dienste des Staates durchgeführten Maßnahmen zu bestrafen, die von den Land-, See- und Luftstreitkräften der Sieger ebenfalls getroffen worden sind. Und es ist entehrend für mein eigenes Land, an dieser Straf-Heuchelei teilgenommen zu haben.
Daher bin ich und sind die Menschen in England (einst berühmt, weil es keinen mehr schlug, der am Boden lag), die in diesen Tagen so wie ich denken, Ihre und Ihrer Kameraden Mitstreiter im Kampfe für Gerechtigkeit
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gegenüber Soldaten allgemein. Trübe Kräfte sind am Werk, in dem Versuch, die Überlieferungen soldatischer Ehre und Haltung zu unterhöhlen. Diesen Einflüssen sich zu widersetzen, wird das Streben aller in Treue zu diesen Überlieferungen stehenden Männer sein.
Das ist alles, was ich zu tun mich bemühe; und ich wollte, ich könnte mehr tun.
Yours sincerely Russel Grenfell.“
Jedes weitere Wort zu der Haltung dieses Mannes dürfte überflüssig sein.
Was mir aber an der Einstellung Grenfells zu den Nürnberger Prozessen noch erwähnenswert erscheint, sind die Äußerungen von Richtern, die an maßgebender Stelle dort tätig waren.
Bundesrichter Clark, Miteinberufer des Nürnberger Gerichtshofes 1946:
„Ich glaube nicht, daß die Kriegsverbrecherprozesse überhaupt einen Sinn gehabt haben. Ich bin der Ansicht, daß sie vielmehr nur anderen Ländern einen Vorwand für die Legalisierung der Ermordung ihrer Gegner durch ein Gericht geben können.“ Seine Beteiligung nennt Clark den „Fehler seines Lebens“. (Stuttgarter Nachrichten, 12. 7. 66., S. 1)
Richter Charles T. Wennerstrum, der Vorsitzende des Gerichts, hatte vor seinem Abflug aus Nürnberg am 22. Februar 1948 einem Vertreter der „Chicago Tribune“ ein Interview gegeben, in dem er sagte (Rendulic „Glasenbach, Nürnberg, Landsberg“, S. 191):
„Wenn ich vor sieben Monaten gewußt hätte, was ich heute weiß, wäre ich niemals hierher gekommen. Die hohen Ideale, die bei der Schaffung dieses Gerichtshofes als Leitgedanke verkündet worden sind, haben sich nicht erfüllt. Die Sieger im Krieg sind nicht die besten Richter über Kriegsverbrechen. Die Anklagebehörde zeigte keine Objektivität, frei von Rachsucht und Ehrgeiz. Die meisten Beweismittel waren Dokumente, die aus Zentnern erbeuteter Dokumente ausgewählt wurden. Die Verteidigung hatte nur Zutritt zu Dokumenten, welche die Anklagebehörde als belangvoll für den Prozeß erachtete.“
Richter Jackson, US-Ankläger, erklärt später offenherzig, daß die Prozesse geführt wurden, um die Nachkriegspolitik der USA zu rechtfertigen. Es waren also politische Prozesse, die in der Illusion inszeniert wurden, den Vereinigten Staaten zu nützen.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. –
Und nun zu dem bekanntesten zeitgenössischen britischen Historiker A. J. P. Taylor.
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Professor Hoggan, der sehr stark angegriffene amerikanische Historiker – ob zu Recht angegriffen, wird später untersucht werden – sagt über ihn:
„Taylor ist Verfasser zahlreicher Bücher über deutsche Geschichte. Seine Einstellung hat dazu geführt, daß man ihn für einen lebhaften Deutschenfeind, wenn nicht buchstäblich für einen konsequenten Deutschenhasser hält. Wie er selbst zugibt, begann er aus dieser Einstellung heraus eine gründliche Quellenstudie über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges in der sicheren Erwartung, er werde dabei zu einer erdrückenden Anklage gegen Hitler als den allein Verantwortlichen für Ursachen und Beginn dieses katastrophalen Konfliktes gelangen. Zu welchem anderen Ergebnis konnte man auch schon kommen, wenn man sich mit dem angeblich bösartigsten, kriegerischsten, aggressivsten und unvernünftigsten Staatsmann der ganzen deutschen Geschichte zu beschäftigen hatte?! –
Doch Taylor hat bewiesen, daß er ein wirklicher Historiker ist. Sein Quellenstudium führte ihn zu der Erkenntnis, daß Hitler nicht einmal der in erster Linie Verantwortliche für 1939 war. Weit entfernt von Welteroberungsplänen, wollte Hitler nicht einmal mit Polen Krieg, viel weniger einen allgemeinen europäischen Krieg. Vielmehr war der Krieg das Ergebnis von Fehlern, die auf allen Seiten, von allen beteiligten Nationen begangen wurden.“
Hierzu möchte ich betonen, daß ich nur zitiere und daß ich mich nicht mit der Meinung Hoggans identifizieren kann, da ich auf meiner „Suche nach der Wahrheit“ noch nicht weit genug vorgeschritten bin.
Über Professor Hoggan, der wohl heute am meisten umstrittene und angefeindete amerikanische Historiker, existiert ein – auch in anderer Hinsicht sehr aufschlußreiches – Interview aus dem Jahre 1962 mit dem amerikanischen Historiker Professor H. E. Barnes, das im Wortlaut folgen soll und das für sich selbst spricht („Nation Europa“, 5/62, S. 55):
„Die unsachlichen Angriffe, die in der Bonner Zeitung ,Das Parlament‘ (21. 2. 62) gegen Professor Hoggans Standardwerk ,Der erzwungene Krieg‘ geführt wurden, haben uns veranlaßt, Herrn Professor Dr. H. E. Barnes nach seiner Meinung über diesen bedauerlichen, gegen einen amerikanischen Forscher gerichteten Diffamierungsversuch zu fragen.
Prof. Dr. Barnes Urteil hat Gewicht: Er ist berühmt geworden durch seine Untersuchung der Kriegsursachen von 1914 und die Widerlegung der Propagandathese von der deutschen Schuld am Ersten Weltkrieg. Heute ist er einer der besten Kenner des Inhalts und der Entstehungsgeschichte eines gleich bedeutungsvollen Werkes der amerikanischen Geschichtsforschung, eben des vom ‚Parlament‘ so völlig falsch rezensierten Buches von Prof. Dr. Hoggan über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges.
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Frage: Herr Prof. Barnes, wir sind Ihnen, dem Vorkämpfer für historische Wahrheit und Gerechtigkeit, dankbar dafür, daß Sie uns dieses Interview ermöglichen. Wir verehren in Ihnen einen Forscher hohen Ranges. Sie haben ja selbst zur Schuldfrage im Zweiten Weltkrieg durch Ihr Werk, das in Deutschland unter dem Titel ‚Entlarvte Heuchelei‘ herausgekommen ist, Stellung genommen. Dürfen wir fragen: Teilen Sie unsere Entrüstung über den Angriff auf die amerikanische Geschichtsforschung, den sich die Bonner Zeitung ,Das Parlament‘ durch die Diffamierung des Werkes von Prof. Hoggan geleistet hat? Teilen Sie die Auffassung amerikanischer Freunde, die in dieser leichtfertigen Rezension eine Beleidigung der amerikanischen Geschichtsforschung sehen?
Antwort: Nun meine Herren, es handelt sich hier in der Tat um eine der ungehörigsten und unwissenschaftlichsten Verunglimpfungen eines historischen Standardwerkes, die mir je begegnet ist. Ehe ich aber zu diesem Angriff auf die amerikanische Geschichtswissenschaft Stellung nehme, lassen Sie mich kurz darstellen, wie ich selbst zur historischen Wahrheit über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vorgestoßen bin.
Frage: Herr Professor, hatten Sie denn selbst Anlaß, Ihre Vorstellung über die Schuld am Zweiten Weltkrieg nach 1945 zu ändern?
Antwort: Aber gewiß! Wir Historiker, wenigstens wir amerikanischen, wissen, daß wir keine Dogmatiker sein dürfen. Wir bemühen uns ständig darum, festzustellen, wie die Vorgänge waren, nicht wie irgend jemand wünscht, daß sie gewesen sein sollen. Nach 1945 hatten mich meine Forschungen zwar sehr bald erkennen lassen, daß die Schuld an der Ausweitung des europäischen Krieges 1939 zu einem erneuten Weltkrieg vor allem Präsident Roosevelt trifft; ich blieb aber zunächst des Glaubens, daß für den Kriegsausbruch 1939 selbst Hitler fast ausschließlich verantwortlich zu machen sei. Dieser Irrtum ist verständlich, da ich mich ja zunächst nur mit den Vorgängen des Jahres 1941 befaßt hatte.
Frage: Wie kamen Sie nun zu der Erkenntnis, daß auch die Ereignisse der Jahre 1938/39 anders verlaufen waren, als nach 1945 allgemein behauptet wurde?
Antwort: Ich erkannte, daß meine und die allgemeinen Vorstellungen über die Jahre 1938/39 unmöglich stimmen konnten, als ich den wissenschaftlich unanfechtbaren Inhalt der Arbeiten des amerikanischen Wirtschaftshistorikers Dr. Burton Klein in seinem Buche ‚Deutschlands wirtschaftliche Kriegsvorbereitungen‘, das 1959 herauskam, kennenlernte.
Frage: Wir kennen dieses aufschlußreiche Buch und haben im Maiheft 1960 darüber ausführlich berichtet. Welche Erkenntnisse Dr. Kleins waren es denn, die Ihre Vermutungen über die Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges umstießen?
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Antwort: Nun, Dr. Burton Klein weist unwiderlegbar nach, daß Hitler sich wirtschaftlich überhaupt nicht auf einen Krieg vorbereitet hatte. Deutschland war für einen langen Krieg nicht gerüstet, erst recht nicht auf einen Welteroberungskrieg. Deutschland war noch nicht einmal auf einen Krieg gegen England und Frankreich vorbereitet, geschweige denn auf einen Kampf gegen England, Frankreich und Rußland.
Frage: Wir erinnern uns, daß Dr. Burton Klein diese Tatsachen in seinem Werk unter Mithilfe namhafter Forscher, darunter einige Dozenten der Stanford University und des Harvard College, unwiderleglich nachgewiesen hat. Wir begreifen auch, daß gerade die Forschungsergebnisse Dr. Burton Kleins Sie nachdenklich gemacht haben, da ja tatsächlich eine umfassende wirtschaftliche Vorbereitung absolut notwendig ist, wenn man einen Krieg plant.
Antwort: Ganz recht! Dr. Burton Klein entlarvt in vernichtender Weise die Propagandalüge von einem nationalsozialistischen Deutschland, das alle Kraft für den Aufbau einer auf Kriegführung gerichteten Wehrwirtschaft gerichtet habe, um dann den Krieg zu entfesseln.
Frage: Herr Professor, können Sie uns noch einige Einzelheiten darüber mitteilen?
Antwort: Recht bedeutsame sogar! Dr. Burton Klein weist nach, daß Frankreich und England, jedes für sich, vor 1939 stärker rüsteten als Deutschland. England stellte z. B. vor Kriegsbeginn monatlich 50 Panzer mehr her als Deutschland. Bei der Luftwaffe war es ebenso. Die Behauptung, Hitler habe Deutschland wirtschaftlich auf eine Eroberungspolitik vorbereitet, ist durch Dr. Burton Kleins Forschungen unwiderlegbar als Propagandalüge entlarvt. Übrigens hat auch General Marshall als Chef des Generalstabs den Präsidenten der USA dahin informiert, daß Hitler in keiner Weise auf einen langen, geschweige denn auf einen Welteroberungskrieg vorbereitet sei.
Frage: Herr Professor, erkannten Sie sogleich den direkten Zusammenhang der Forschungsergebnisse Dr. Burton Kleins mit der Kriegsschuldfrage?
Antwort: Gewiß! Denn wer Dr. Kleins wissenschaftlichen Nachweis des Fehlens einer wirtschaftlichen Vorbereitung Deutschlands auf einen Weltkrieg prüfte, der mußte schon 1959 – auch wenn er von Prof. Hoggans historischen Forschungen noch nichts wußte – zu der Erkenntnis kommen, daß der Zweite Weltkrieg nicht das Werk Hitlers sein konnte, daß also die Ereignisse um den Kriegsausbruch 1939 falsch dargestellt worden sind. Prof. Dr. Hoggan hat nun den Nachweis erbracht, daß der Krieg durch Lord Halifax und Oberst Beck entfesselt worden ist. Seine wissenschaftliche Leistung ist großartig! Um so mehr müssen wir uns über die merkwürdige Behandlung wundern, die diesem hervorragenden Werk der amerikanischen Geschichtsschreibung in Deutschland widerfährt. Wenn ich
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dagegen Stellung nehme, dann deswegen, weil ich vor allem der Verbreitung der geschichtlichen Wahrheit auch in Ihrem Lande dienen möchte.
Frage: Das freut uns sehr, Herr Professor, denn auch uns liegt ja vor allem an dem Durchbruch der historischen Wahrheit in unserem Lande. Und weshalb ist nach Ihrer Meinung jene Besprechung im ‚Parlament‘ so bedauernswert unwissenschaftlich und für die amerikanische Geschichtswissenschaft so beleidigend?
Antwort: In der Wochenzeitung ,Das Parlament‘ wird Prof. Dr. Hoggans ‚Erzwungener Krieg‘ hemmungslos und, wie ich fürchte, in diffamierender Absicht der wissenschaftliche Charakter abgesprochen, obwohl es sich bei seiner Arbeit um eine der größten geschichtswissenschaftlichen Leistungen der Nachkriegszeit handelt. Diese ‚Besprechung‘ ist in der Tat eine Beleidigung der amerikanischen Geschichtswissenschaft!
Frage: Weshalb, Herr Professor, empfinden Sie die merkwürdige Rezension des ‚Parlaments‘ als eine Beleidigung der gesamten amerikanischen Geschichtswissenschaft?
Antwort: Nun, den Herren im ‚Parlament‘ paßt es offenbar nicht, daß nicht Hitler der Kriegsurheber gewesen ist. Was nicht in ihr Schema paßt, das kann eben nicht sein. Es handelt sich hier um den typischen Fall von pseudohistorischem Propagandismus, der fast belustigend wirkt. Der Herr Rezensent im ‚Parlament‘ weiß offenbar nicht, wie sehr er sich selbst mit seiner ‚Kritik‘ bloßstellt.
Frage: Wir freuen uns, Herr Professor, daß Sie das Komische dieser pseudowissenschaftlichen Verrenkungen ebenso empfinden wie wir.
Antwort: Ja, meine Herren, es besteht wirklich Anlaß zur Belustigung. Sie wissen ja, daß Prof. Dr. Hoggans ‚Erzwungener Krieg‘ als Hauptergebnis seiner eingehenden und umfassenden Quellenforschung die Kriegsschuld des Lord Halifax und des Obersten Beck erwiesen hat. Und sehen Sie, genau dasselbe Ergebnis hat der Historiker Hoggan schon 1948 in seiner Doktor-Dissertation über die deutsch-polnischen Verhandlungen in den Jahren 1938–39 der Historischen Fakultät der Harvard-Universität vorgelegt!
Frage: Und diese Dissertation wurde von der Harvard-Universität anerkannt? Herr Professor, damit ist die Darlegung des Herrn im ‚Parlament‘ tatsächlich der Lächerlichkeit preisgegeben!
Antwort: Leider! Denn sehen Sie, es stimmt genau, was der Herausgeber des ‚Erzwungenen Krieges‘, Herr Dozent Dr. Grabert, kürzlich in der Deutschen Soldaten-Zeitung öffentlich ausgesprochen hat: Die Historische Fakultät der Harvard-Universität ist leidenschaftlich probritisch und antideutsch eingestellt. Harvard ist aber zugleich die maßgebliche Historische Fakultät der USA.
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Frage: Und diese Fakultät hat das Ergebnis der Hogganschen Doktor-Dissertation, daß der Zweite Weltkrieg von Lord Halifax und Oberst Beck herbeigeführt wurde, anerkannt? Das scheint uns allerdings ein ehrenvoller Beweis historischer Redlichkeit zu sein!
Antwort: Ja! Die Historische Fakultät der Harvard-Universität konnte nicht umhin: Sie mußte die Ergebnisse des Historikers Hoggan auf Grund der vorgelegten Quellen anerkennen.
Frage: Muß das dieser, wie Sie sagen, probritischen Historischen Fakultät nicht sehr schwer gefallen sein?
Antwort: Aber gewiß! Auch wir Historiker sind Menschen. Glauben Sie mir, wenn es möglich gewesen wäre, hätte der Prüfungsausschuß der Historischen Fakultät der Harvard-Universität Hoggans Dissertation in Fetzen gerissen und ihm den Doktortitel verweigert. Es ist mein Stolz als amerikanischer Historiker, daß die angesehenste Historische Fakultät meines Landes die Wahrheit über die Tendenz gestellt hat.
Frage: Herr Professor, um so mehr sind wir betroffen über die Leichtfertigkeit deutscher Kritiker!
Antwort: Nun, meine Herren, eine solche Fehlleistung gegenüber der historischen Wahrheit wie in dieser Rezension, über die wir sprechen, ist in der Tat bedauerlich; aber leichtfertige Urteile kommen heute im Zeitalter der alles verfinsternden Propaganda überall vor, nicht nur bei Ihnen in Deutschland. Freilich sind die Deutschen heute durch eine Propagandamauer des Verschweigens gegen die Ergebnisse der unabhängigen Geschichtsforschung in einer Weise abgesperrt, wie noch nie zuvor.
Frage: Hochverehrter Herr Professor, wir hoffen, daß dies Gespräch mit Ihnen dazu beitragen wird, diese Propagandamauer des Verschweigens zu durchbrechen und der historischen Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Wir danken Ihnen herzlich für dieses außerordentlich aufschlußreiche Gespräch.“
In der „Deutschen Hochschullehrerzeitung“ 3/62, S. 8, berichtet Professor David L. Hoggan von einer für die deutsche Zeitgeschichtsforschung bezeichnenden Begegnung. Es heißt dort:
„... Im Sommer 1958 habe ich nämlich Herrn Rothfels im Hoover-Institut der Universität Stanford, als er und seine Gattin sich dort studienhalber aufhielten, in aller Ausführlichkeit die Art meiner Forschungen über die Ursachen und Urheber des Zweiten Weltkriegs dargelegt. Dabei stellte er die erstaunliche Behauptung auf, der Schweizer Propagandahistoriker Walter Hofer hätte bereits ein endgültiges Werk über dieses Thema herausgebracht. Aus dieser Bemerkung mußte ich den Schluß ziehen, daß Rothfels, was die Ursachen des europäischen Krieges von 1939 angeht, an der Wahrheit nicht interessiert sei.“
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In der Hochschullehrerzeitung wird dann weiter ausgeführt:
„Das heißt nüchtern betrachtet, einer der angesehensten, von unserer Staatsführung am meisten ausgezeichneten Historiker erklärt ,den Hofer‘ für kanonisch, damit alle weitere Forschung zum Thema Kriegsschuldfrage für überflüssig, ja für unsinnig, da doch nichts mehr zu finden sei, im besten Falle noch Details geklärt werden müßten. Das ist eine völlige Verkehrung aller Grundprinzipien der Geschichtswissenschaft. Zu diesen Grundsätzen gehört u. a., daß der Geschichtswissenschaftler offen zu sein hat für eine Revision anscheinend gesicherter Ergebnisse, wenn etwa neue Quellenfunde das bis dahin gültige Bild infragestellen. Wenn diese Freiheit der Forschung nicht mehr bestehen darf, dann wird mit ihr gleich die notwendige Grundlage aller Geschichtswissenschaft, die geistige Redlichkeit, aufgegeben.“
Ein Zitat eines deutschen Historikers, zitiert nach Glaser „Der zweite Weltkrieg und die Kriegsschuldfrage“, möchte ich noch folgen lassen:
„Bei der Frage nach der Schuld am Zweiten Weltkrieg, die wissenschaftlich eindeutig beantwortet ist, handelt es sich nicht etwa lediglich um eine fachhistorische Angelegenheit. Die Erkenntnis von der unbestrittenen und alleinigen Schuld Hitlers ist vielmehr eine Grundlage der Politik der Bundesrepublik. Man braucht nur an die Erklärungen Adenauers gelegentlich seines Besuches in Moskau 1955 und seine an Polen gerichtete Kundgebung im vergangenen Jahr zu denken.“
Wenn man sich diesen Ausspruch richtig überlegt, dann bedeutet er doch nicht mehr und nicht weniger als: Wer die Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg bezweifelt, entzieht der Nachkriegspolitik ihr Fundament. –
Im Vorwort zu William S. Shirers „Aufstieg und Fall des Dritten Reiches“ steht Folgendes:
„Das Dritte Reich brach im Frühjahr 1945 so schnell zusammen, daß nicht nur eine Unmenge von Geheimakten, sondern auch anderes außerordentlich wertvolles Material im Stich gelassen wurde, z. B. private Tagebücher, vertrauliche Briefe, Protokolle von streng geheimen Reden und Konferenzen und sogar Aufzeichnungen von Telefongesprächen zwischen NS-Führern, die von einer besonderen Stelle in Hermann Görings Luftfahrtministerium abgehört worden waren.
So führte z. B. General Halder ein Tagebuch in Gabelsberger Kurzschrift, in das er nicht nur Tag für Tag, sondern sogar Stunde für Stunde stichwortartige Notizen eintrug. Für die Zeit vom 14. August 1939 bis zum 24. September 1942, in der Halder Generalstabschef des Heeres war und täglich mit Hitler und anderen NS-Größen zusammenkam, ist dieses Tagebuch eine einzigartige Informationsquelle. Außerdem sind noch sehr aufschlußreich die
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Tagebücher von Dr. Josef Goebbels, dem Reichspropagandaminister, und General Alfred Jodl, dem Chef des Wehrmachtführungsstabes, ferner das Kriegstagebuch des Wehrmachtführungsstabes und das Tagebuch der Seekriegsleitung. Die im Schloß Tambach bei Coburg erbeuteten Akten des deutschen Marinearchivs enthalten nahezu sämtliche Signalbücher, Logbücher, Kriegstagebücher, Denkschriften usw. der deutschen Kriegsmarine seit dem Jahr 1868, in dem der Grundstein für die deutsche Flotte gelegt wurde.
485 Tonnen Akten aus dem Auswärtigen Amt wurden von der 1. amerikanischen Armee in mehreren Schlössern und Bergwerken im Harz in dem Augenblick beschlagnahmt, als sie auf Befehl von Berlin verbrannt werden sollten. Diese Akten stammen nicht nur aus der Hitlerzeit, sie reichen über die Zeit der Weimarer Republik bis in die Anfänge des Bismarckreiches zurück. Noch viele Jahre nach dem Kriege lagen NS-Dokumente stapelweise verschlossen in einem großen Magazin der amerikanischen Armee in Alexandria (Virginia), ohne daß die amerikanische Regierung Interesse gezeigt hätte, die Kisten auch nur zu öffnen und nachzusehen, ob sie historisch wertvolles Material enthalten könnten. 1955 endlich, zehn Jahre nach ihrer Sicherstellung, wurden diese Kisten mit den Alexandria-Dokumenten dank der Initiative der American Historical Association und dank großzügiger finanzieller Hilfe einiger privater Stiftungen geöffnet. Dann begab sich eine ganz kleine Forschergruppe mit unzulänglichen Hilfskräften und unzureichender Ausrüstung daran, das Material zu sichten und zu fotografieren, ehe es die amerikanische Regierung – die hierbei große Eile an den Tag legte – an Deutschland zurückgab.“
Professor Rassiniers Kommentar hierzu in „Was ist Wahrheit?“, Seite 127:
„Diese Papiermassen sind also jetzt in Deutschland, und es hängt von der deutschen Regierung ab, ob nur eine kleine Forschergruppe von privilegierten Geschichtsschreibern – privilegiert, weil sie die offiziellen Thesen unterstützen – oder alle Historiker von Ruf Zugang zu ihnen haben werden.
Im Jahre 1960 habe ich im Verlauf einer Vortragsreise durch Deutschland und Österreich die deutschen Geschichtsschreiber aufgefordert, einen unabhängigen Ausschuß für diese Studien zu bilden.
Ich erlaube mir, daran zu erinnern.“
Shirer sagt weiter:
„Die Alexandria-Akten erwiesen sich als Fundgrube. Das gleiche gilt für andere Dokumente, z. B. für die teilweise erhaltenen stenographischen Protokolle von 51 ‚Lagebesprechungen‘ im Führerhauptquartier, die ein Nachrichtenoffizier der amerikanischen Luftlandedivision in Berchtesgaden aus den verkohlten Überresten von Hitlers Akten hervorholte, sowie für die umfangreichen Aufzeichnungen von Hitlers Tischgesprächen mit alten Parteigenos-
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sen, Sekretären und Sekretärinnen während des Krieges, die sich unter Martin Bormanns Papieren befanden.
Hunderttausende erbeutete Dokumente wurden in Nürnberg eilig als Beweisunterlagen für den Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher zusammengetragen.“
Und wieder Rassinier, Seite 126:
„Ich bitte den Leser, über diese Ziffern nachzudenken: Die Akten der Marine wurden auf 60.000 Stück geschätzt, die Dokumente des Auswärtigen Amtes wiegen 485 Tonnen, alles in allem hundert und aber hunderttausend Dokumente! Wen will man glauben machen, daß die ernannten Ankläger in der Zeit vom 8. August 1945 (Tag des Zusammentritts der Londoner Kommission) und dem 14. November 1945 – also in drei Monaten! – dieses Gebirge von Beweismaterial mit genügendem Ernst durcharbeiten konnten, um daraus eine historisch und juristisch stichfeste Anklageschrift zusammenzustellen? Und daß dreißig Tage für die Angeklagten genügten, um das ganze Entlastungsmaterial zu finden?
Denn die juristische Wahrheit, für die im vorliegenden Falle die historische Wahrheit die einzige Grundlage bietet, beruht gerade auf diesen Dingen. Um dieses ganze Material gründlich durchzuarbeiten, hätten sicher Tausende von Historikern Jahrzehnte – und vielleicht Jahrhunderte gebraucht.“
Und noch einmal W. S. Shirer; er sagt:
„Als Berichterstatter in Nürnberg sammelte ich in der ersten Zeit des Prozesses stapelweise hektografierte Abschriften der Unterlagen, dazu später die in 42 Bänden veröffentlichten Sitzungsprotokolle und Beweisurkunden, die noch ergänzt wurden durch zehn Bände mit vielen wichtigen, ins Englische übertragenen Dokumenten. Wertvoll war für mich auch die über die zwölf nachfolgenden Nürnberger Prozesse herausgegebene fünfzehnbändige Serie mit anderen Dokumenten, obwohl in dieser Ausgabe viele Urkunden und Aussagen fehlen. Neben dieser nie dagewesenen Dokumentenfülle standen mir schließlich noch die Niederschriften der eingehenden Vernehmungen deutscher Offiziere, Partei- und Regierungsbeamter zur Verfügung sowie die Niederschriften ihrer späteren eidesstattlichen Aussagen in den verschiedenen Nachkriegsprozessen. Sie stellen ein Quellenmaterial dar, wie es nach früheren Kriegen, soweit mir bekannt ist, niemals vorhanden war.“
Bemerkenswert erscheint mir, daß Shirer behauptet, in der fünfzehnbändigen Dokumentenserie über den Nürnberger Prozeß würden viele Urkunden und Aussagen fehlen. Selbstverständlich ist es durchaus möglich, daß man Unwesentliches weggelassen hat, aber schon allein die Tatsache, daß Shirer diesen Umstand erwähnt, könnte darauf schließen
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lassen, daß es nicht so ganz unwesentliche Dinge waren, die man weggelassen hat. Zumindest ist es fraglich, und da diese Dokumentenbände meines Wissens von den Historikern mit als Grundlage für ihre Forschungen verwendet werden, könnte schon allein hierdurch ein leicht gefärbtes Bild entstehen. –
Nun gibt es außer diesen, z. T. gesichteten und z. T. noch ungesichteten Dokumenten noch eine Reihe von Dokumenten und Aussagen, die überhaupt noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben worden sind.
Zu den nach meiner Meinung bemerkenswertesten dieser Gruppe gehören die sogenannten „Kent-Dokumente“. – Tyler Kent war Angestellter der amerikanischen Botschaft in London und hatte die Aufgabe, den geheimen Briefwechsel zwischen Churchill und Roosevelt vom September 1939 bis Mai 1940 zu entschlüsseln. Er machte sich Kopien, die er in seiner Wohnung verwahrte, wurde am 7. November 1940 verurteilt und verbüßte eine siebenjährige Gefängnisstrafe.
Hierzu schreibt Professor Barnes („Nation Europa“ 8/59, S. 18):
„... die sogenannten ‚Kent-Dokumente‘, nämlich die fast 2000 geheimen Nachrichten, die seit dem September 1939 in illegaler Weise zwischen Roosevelt und Churchill unter Mißbrauch des amerikanischen Codes ausgetauscht worden sind. Roosevelt benutzte dabei den Codenamen ,Potus‘ (President of the United States) und Churchill den Titel ‚Former Naval Person‘ (frühere Marine-Persönlichkeit). Churchill selbst hat uns erzählt, diese Dokumente enthielten die Masse der wirklich wichtigen Tatsachen über die Zusammenarbeit zwischen ihm und Roosevelt in dem vereinten Bemühen, die Vereinigten Staaten in den Krieg zu bringen – im Widerspruch zu Roosevelts öffentlichen Versicherungen und den eindeutigen und wiederholt zum Ausdruck gebrachten Wünschen der amerikanischen Bevölkerung. Churchill schrieb in ‚Their Finest Hour‘: ,Die wichtigsten Geschäfte zwischen unseren zwei Ländern wurden in Wirklichkeit durch diese persönliche Verbindung zwischen ihm und mir erledigt.‘
Daß die Kent-Dokumente diplomatischen und historischen Sprengstoff enthalten, wird deutlich angesichts der Beunruhigung, ja der Angst, der Churchill Ausdruck gegeben hat, als die Möglichkeit auftauchte, daß sie wissenschaftlich ausgewertet werden könnten. Selbst Historiker, von denen es bekannt ist, daß sie gegenüber der Roosevelt-Churchill-Politik und ihren Umtrieben wohlwollend eingestellt sind, sollen nach Churchills Willen nicht darüber verfügen dürfen. Die Professoren Langer und Leagson haben 150.000 Dollar dafür erhalten, daß sie einen halbamtlichen ‚Hofbericht‘ über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges und Amerikas Kriegseintritt verfertigten. Es war in historischen Fachkreisen und in Washington wohlbekannt, daß
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diese fähigen Forscher bis zu den äußerst denkbaren Grenzen gehen würden, um Roosevelt und Churchill zu entlasten.
Auch Churchill wußte dies, trotzdem hielt er es für notwendig, Langer zu warnen und ihm mit einer gerichtlichen Verfolgung zu drohen, falls er es wagen sollte, von den Kent-Dokumenten irgendwelchen Gebrauch zu machen.
Ob und wann diese Dokumente, die nach der Wahrheit suchen, zugänglich gemacht werden, weiß niemand; wir können aber sicher sein, daß das Urteil der Historiker Beard, Tansill, Sanborn, Chamberlain und Morgenstern sich geradezu wie eine Entschuldigungsrede für die Roosevelt-Churchill ausnehmen wird angesichts der Tatsachen, die in den Kent-Dokumenten ihren Niederschlag gefunden haben. Leider ist diese wichtige Quelle – falls sie überhaupt noch besteht – zusammen mit Roosevelts Mitteilungen an Eden im Dezember 1938 und an George VI. im Juni 1939 vielleicht das am schärfsten bewachte Geheimnis in unseren nationalen Archiven und in der Roosevelt-Bücherei.
Vielleicht hält man mir vor, daß ich die Kent-Dokumente nicht habe lesen können und deshalb auch nicht darüber sprechen dürfte. Aber – abgesehen davon, daß man sie nicht gelesen zu haben braucht, um zu begreifen, daß sie den Forschern schon längst zugänglich gemacht worden wären, wenn sie brauchbare Angaben zur Entlastung Roosevelts und Churchills enthielten – weiß ich mehr über diese Dokumente als mancher andere. Ich hatte eine tagelange Aussprache mit Tyler Kent unmittelbar nachdem er aus seiner gesetzwidrigen Haft in England entlassen und nach Amerika zurückgekehrt war, und auch später habe ich noch wiederholt mit ihm sprechen können. Nur die Bundesgesetze machen es sowohl Mr. Kent wie mir selber zunächst unmöglich, über den Inhalt der Dokumente weiteren Aufschluß zu geben.“
Da es nun außer diesen Kent-Dokumenten noch eine ganze Reihe weiterer Dokumente gibt, oder, um es vorsichtig auszudrücken, geben muß, wie z. B. die Vernehmung Himmlers bei seiner Gefangennahme – es ist doch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß er vernommen wurde –, oder die Aussage von Hitlers Leibarzt Dr. Morell bei seiner Gefangennahme, die heute wohlverwahrt in einem Safe liegen soll, ist doch mit Sicherheit anzunehmen, daß sich manches von dem heute gezeichneten Geschichtsbild ändern wird, ja ändern muß.
Daß man unter diesen Umständen erklären kann, eine Schuld sei eindeutig festgestellt, ist – zumindest mir persönlich – nicht recht erklärlich. Aber vielleicht irre ich mich. –
Ich frage mich überhaupt, ob man bei einer Katastrophe dieses Ausmaßes von einer einseitigen Schuld sprechen kann, oder ob diese Schuld nicht doch verteilt ist, wobei es sich vielleicht nur darum handelt, in welchem Maß sie verteilt ist!? –
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Ich bin kein Historiker, ich will und kann keinen Vergleich zwischen den bis jetzt vorliegenden Dokumenten ziehen, ich will und kann mich auch nicht in den Streit der Historiker einmischen, ich sage mir nur mit meinem gesunden Menschenverstand, daß es heute noch viel zu früh ist, von einer eindeutig einseitigen Schuld mit einer derartigen Sicherheit, wie manche deutschen Historiker, zu sprechen.
Ein kleines Beispiel, welches mir nicht unwesentlich erscheint, möchte ich am Rande noch erwähnen. Ein Jugendfreund Adolf Hitlers, August Kubizek, hat ein Buch über diese Jugendfreundschaft geschrieben. Dieses Buch erschien im Jahr 1953 und über dieses Buch schreibt Erich Kuby:
„... Bullock, Görlitz, Straßer, Heiden, Rauschning und alle anderen, die über Hitler geschrieben haben, würden vieles nicht geschrieben und vieles anders gesehen, vieles auch sorgsamer untersucht haben, wenn ihnen ein Buch bekannt gewesen wäre, das den Titel hat: ‚Adolf Hitler, mein Jugendfreund.‘“
Nicht, daß ich diesem Buch besondere Bedeutung für den Historiker beimesse, es wirft nur ein Schlaglicht auf die Jugendzeit Hitlers, aber man sollte doch etwas über Kubys Ausspruch nachdenken! Manches ist anders, wenn man es nicht nur von einer einzigen, sondern von allen Seiten betrachtet ! –
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III.
Nochmals Konzentrationslager:
Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz
Schon nach dem bis jetzt Gesagten dürfte zu erkennen sein, daß manches von dem, was heute noch als feststehende Tatsache angesehen wird, doch nicht so fest ist, wie es zu sein scheint. Manches dürfte auf einem Fundament aufgebaut sein, welches vielleicht einer stärkeren Belastung durch Gegenüberstellung mit noch unbekannten Dokumenten nicht gewachsen ist, aber ich glaube, dies überlassen wir besser den Historikern. –
Ich möchte jetzt noch etwas näher auf die Konzentrationslager eingehen, von denen ich bis jetzt nur – im wesentlichen – eigene Forschungen erwähnt hatte.
Bevor ich auf die – heute noch umstrittensten – Lager in den polnisch besetzten Gebieten komme, möchte ich noch einiges von anderen Lagern erwähnen.
Zunächst das Lager Flossenbürg: Von diesem Lager sagt Fabian von Schlabrendorf in „Offiziere gegen Hitler“, S. 171:
„Flossenbürg war eines der sogenannten Vernichtungslager. Hier wurden alle diejenigen ermordet, die entweder nicht vor den Volksgerichtshof gestellt wurden oder die ein freisprechendes Urteil erhalten hatten.“
Nun ein Leserbrief, der zwar nicht unbedingt als Dokument zu werten ist, aber hören wir trotzdem („Nation Europa“ 7/57, Seite 64):
„Ich hatte anläßlich einer Geschäftsreise Gelegenheit, das ehemalige KZ Flossenbürg kennenzulernen. Sie werden es verständlich finden, daß ich das Gelände des ehemaligen KZ-Lagers mit sehr gemischten Gefühlen betreten habe, da man doch in der Nachkriegszeit viel über die dortigen Greuel zu lesen bekam.
Die einzelnen Baracken, besonders die Häftlingsbaracken, sind im Notstand der Nachkriegszeit verheizt worden. Zu besichtigen ist die jetzige Anlage, die man nach dem Kriege neu geschaffen hat. Zur Erinnerung an die Toten wurde ein Mahnmal im sogenannten ‚Todestal‘ errichtet. Am Eingang steht eine kleine Kapelle, in der an der Stirnseite die Gesamtzahl der umgekommenen Häftlinge eingemeißelt wurde. Links und rechts an den Wänden sind die einzelnen Staaten mit ihrem Wappen verzeichnet und dazu die
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Noch Zitat:
Zahl der Angehörigen dieser Staaten, die in Flossenbürg umgekommen sein sollen.
Wenn man addiert, ergibt sich die Gesamtzahl von 73.296 Toten. Diese schreckliche Zahl hat mich erschüttert. Vor ein paar Tagen mußte ich abermals zu einem Industriebetrieb nach Flossenbürg, und ich hatte bei dieser Gelegenheit das Glück, den jetzigen Bürgermeister in der Nähe des Mahnmals anzutreffen. Ich konnte mit einem Mann sprechen, der bestimmt ein Gegner des damaligen Regimes war, denn sonst wäre er heute nicht Bürgermeister. Durch diesen Herrn wurde ich auf den Verbrennungsofen aufmerksam gemacht, den ich nun erst, bei meinem zweiten Besuch, näher betrachtete. Die Größe dieses Verbrennungsofens entspricht nicht entfernt der genannten Zahl von 73.296 Toten, die dort eingeäschert sein sollen. Als Ingenieur greift man unwillkürlich zum Rechenstift: Ich errechnete mir in einer Grobrechnung die Leistung des Ofens und kam auf mindestens zwei Stunden Brenndauer, die benötigt wurden, um dort eine Leiche in Asche zu verwandeln. Multipliziert man die Zahl von 73.296 Toten mit zwei Stunden, so ergibt sich die beachtliche Zahl von 146.592 Stunden. Wenn nun der Ofen wirklich Tag und Nacht in Betrieb gewesen wäre, so müssen wir die Zahl durch 24 teilen und kommen auf 6108 Tage, das sind 16,9 Jahre. Selbst wenn man schon 1933 mit den Verbrennungen begonnen hätte, müßte also der Ofen bis 1950 geraucht haben, um den angeblichen Leichenbestand aufzuarbeiten.
Mein Einwand wurde bestätigt: Der Bürgermeister erklärte mir klipp und klar, daß diese hohe Zahl ‚natürlich‘ nicht stimme, und außerdem sagte er noch, daß man ja erst 1942 mit den Verbrennungen begonnen habe. Auf ausdrückliches Befragen bestätigte mir der Bürgermeister, daß nur dieser eine Ofen vorhanden war. Im weiteren Verlauf des Gespräches erzählte mir der Bürgermeister, daß von fünf ehemaligen KZ-Häftlingen, die dem Bürgermeister persönlich bekannt sind, weil sie nach ihrer Befreiung in Flossenbürg ansässig wurden, heute bereits vier wieder wegen Rückfallverbrechen hinter Gittern sitzen. Vor dem Kriege waren in Flossenbürg nur Kriminelle inhaftiert.
Ich ließ mir die Aufteilung des Lagers durch den Bürgermeister genau erklären. Das Verwaltungsgebäude stand außerhalb des elektrisch geladenen Zaunes; innerhalb des Zaunes war neben der Küche und dem Verpflegungslager ein Gefängnis untergebracht, weil vor dem Kriege die KZ-Insassen, die wegen ihrer kriminellen Veranlagung selbst im KZ noch rückfällig wurden, dort inhaftiert worden sind. Verblüfft war ich von der Mitteilung, daß innerhalb des Lagers auch ein Bordell für die Lagerinsassen eingerichtet war.
Niemand wird geneigt sein, Grausamkeiten zu beschönigen, aber man sollte auch nicht ins Uferlose übertreiben! Wie ich vom Bürgermeister erfuhr, wird das ehemalige KZ Flossenbürg aus krankhafter Neugierde von vielen Ausländern besucht. Diese Ausländer nehmen die große Zahl an Toten un-
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geprüft hin; es ist ja nicht jeder Techniker oder Ingenieur, daß er sich gleich die Kapazität des Verbrennungsofens errechnen kann. Die Ausländer fahren also mit der Erinnerung an eine Riesenziffer heim, die gar nicht stimmt. Ich halte es für unverantwortlich, die falschen Angaben dort zu belassen, da sie auf bewußte Lüge aufgebaut sind. Mit dieser unwahren Zahl wird bestimmt der Völkerversöhnung nicht gedient.
Wie ich aus dem Munde des Bürgermeisters erfuhr, wurden bis heute für die Nachkriegsanlage DM 250.000,– aufgewendet – um ein Mahnmal zu errichten, das auf unwahren Zahlen basiert. Nach meiner Auffassung hätte man diese Steuergelder für Zwecke verwenden können, die der dortigen sehr armen Bevölkerung dienlicher gewesen wären.“
Hierzu eine Stellungnahme von Dr. med. Hans-Dietrich Röhrs („Nation Europa“ 9/57, S. 61):
„Der Brief ,Ich war in Flossenbürg – 1957‘ aus NE 7/57 veranlaßt mich zu einigen Ergänzungen.
Da ich selbst 1945/46 als Kriegsgefangener der Amerikaner gemeinsam mit etwa 8000 Waffen-SS-Kameraden dort hinter dem elektrisch geladenen Stacheldraht saß, glaube ich Wesentliches berichten zu können. Als leitender Lagerarzt habe ich aber auch alle Möglichkeiten gehabt, nachzuprüfen, was Herrn Ing. E. G. mit vollem Recht als höchst unglaubwürdig aufgefallen ist.
Schon die an der Wand der Gedenkkapelle gemachten Zahlenangaben sind völlig aus der Luft gegriffen. Und wenn dabei sogar noch eine Unterteilung nach Nationen vorgenommen wurde, so beweisen damit die Urheber nur, daß sie sich der Unglaubwürdigkeit selbst bewußt waren. Es kam ihnen deshalb darauf an, ihren Zahlen den Anschein der Genauigkeit zu geben.
Da uns seinerzeit von den Amerikanern die vorgefundenen Akten zum Ordnen ins Lager gegeben wurden, ist uns auch die Lagerliste der KZ-Häftlinge in die Hände gefallen. Sie ergab, daß vor 1945 im ganzen überhaupt nur 20.000 Personen im Laufe des Bestehens durch Flossenbürg hindurchgegangen sind, also nicht viel mehr als ein Viertel der Zahl, die dort nach den erlogenen Zahlenangaben umgebracht sein soll!
Da diese Lagerliste hinter den meisten Namen mit Buntstift vermerkte Kreuzchen aufwies, wurde sie natürlich sogleich zu einer ‚Totenliste‘ gestempelt und spielte als solche auch im Nürnberger Prozeß eine entsprechende Rolle als ‚Beweismaterial‘. Nicht lange danach fand sich aber derjenige SS-Unterführer, der seinerzeit das Verzeichnis als Kammerverwalter des KZs Flossenbürg geführt hatte, und klärte die Sache auf. Die bunten Kreuzchen bedeuteten nur, daß der Betreffende von Flossenbürg in ein anderes Konzentrationslager, deren jedes seine besondere Farbe hatte, verlegt worden war. Davon ist allerdings dann in Nürnberg nicht die Rede gewesen.
Dort wurde sogar die blutrünstige Geschichte, daß am Weihnachtsabend 1944 in Flossenbürg fünf Häftlinge am Weihnachtsbaum aufgehängt worden
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seien, als Beweismittel gewertet, obwohl niemand unter den ehemaligen Häftlingen, die zusammen mit uns aus den verschiedensten Gründen von den Amerikanern eingesperrt worden waren, davon etwas gesehen hatte. Das Greuelmärchen stammt, wie manches andere über Flossenbürg, von einem früheren Angehörigen des SS-Bewachungskommandos. Dieser, ein Volksdeutscher aus Polen und hochgradiger Psychopath, benutzte derartige Erzählungen, um seinen, wie er meinte, gefährdeten Kopf bei den Amerikanern zu retten. Der mir persönlich genau bekannte Mann war ein Vertreter jenes nicht seltenen Typs, den die Psychiater mit der Diagnose: Pseudologia phantastica umschreiben. Er wurde von den Amerikanern für seine Abartigkeit nicht nur mit der Freilassung, sondern auch mit der Überführung in die polnische Wacheinheit belohnt, während seine fälschlich bezichtigten Kameraden nach Dachau und teilweise sogar aufs Schafott wanderten.
Diesen ‚Beweismitteln‘ gegenüber verschwand typischerweise auf dem Wege zum Nürnberger Gericht das einzig echte Beweisstück aus Flossenbürg – die von uns entdeckte Speiseliste der Häftlinge. Sie war von der Häftlingsverwaltung selbst geführt und gegengezeichnet worden und reichte bis zum März 1945. Sie besagte in nüchternen Zahlen, daß noch zu jenem Zeitpunkt, als bei der Zivilbevölkerung die Zuteilungen für den Normalverbraucher kaum noch 1400 Kalorien überschritten, die arbeitenden Häftlinge um 3600 Kalorien, die Lagerfunktionäre um 3000 Kalorien und die unbeschäftigten Häftlinge immerhin 2400 Kalorien zugeteilt erhielten! Diese Tatsache paßte natürlich nicht in die Nürnberger Optik, darum mußte die Speiseliste ‚verlorengehen‘.
Ein handgreiflicher Beweis, wie wenig die Häftlinge gehungert haben können, waren die großen Vorräte an Roggenbruch, die sie in den zu ihrer Verfügung stehenden Lagerkellern zurückgelassen hatten. Sie hätten bei ihrem Abzug das Korn auch kaum derart mit ihren Exkrementen besudelt, wie es geschehen ist, wenn sie gehungert hätten. Menschen, die wissen, was Hunger heißt, bringen eine solche Schädigung des Brotkorns nicht übers Herz.
Hätten wir diesen Roggenbruch nicht gehabt, der für Wochen den Hauptbestandteil der Lagerverpflegung bildete – ohne daß natürlich die Kameraden wußten, in welchem Zustand wir ihn gefunden –, so hätten wohl nicht allzu viele das Lager wieder lebend verlassen, denn bei dem, was die Amerikaner in jenen Monaten lieferten, hätten wir alle verhungern müssen. Nicht einmal für die Kranken bestand die Möglichkeit einer entsprechenden Ernährung, so daß ich selbst als Diphteriekonvaleszent – ich hatte mich gleich zu Anfang bei einem Patienten infiziert – mehrere Wochen als einzige Nahrung ein wenig Mondaminbrei zur Verfügung hatte und später viele Jahre brauchte, um gesundheitlich die Folgen dieser Zeit zu überwinden. Es besteht für mich kein Zweifel, daß die für dieses Lager verantwortlichen ‚amerikanischen‘ Dienststellen die Absicht hatten, uns auf diesem Wege so weitgehend
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zu dezimieren, wie nur möglich. Der Vertreter des Genfer Roten Kreuzes, der damalige Generalkonsul der Schweiz in München, hat mir später bestätigen müssen, daß ihm das Bestehen dieses Lagers bis zum Februar 1946 von den Amerikanern verheimlicht worden sei.
Auch General Patton, dem bekannten amerikanischen Heerführer, muß die Sache aufgefallen sein. Er kam eines Tages überraschend zur Besichtigung.
Als der General erst die Hälfte der ersten Gefangenenkompanie, die aus völlig ausgemergelten Gestalten bestand, abgeschritten hatte, drehte er sich plötzlich mit allen Zeichen der Empörung zu dem ihn begleitenden Oberst der Wachttruppe um.
‚Sind Sie Henker oder sind Sie amerikanischer Soldat?‘ herrschte er ihn an, und seine Reitpeitsche schwingend, fügte er hinzu, er habe nicht übel Lust, ihm diese durchs Gesicht zu ziehen weil er geduldet habe, ,daß tapferen Gegnern‘ – er brauchte wörtlich diesen Ausdruck – ‚eine derartige Behandlung zuteil geworden‘ sei. Er sehe nur deshalb von der Peitsche ab, weil er ,mit diesem Ding da‘ schon schlechte Erfahrung gemacht habe. Er spielte dabei auf jenen Zwischenfall in Sizilien an, wo ihm die Züchtigung eines pflichtvergessenen Lazarettkommandeurs beinahe das Ende seiner kriegerischen Laufbahn gebracht hätte.
Als der verdutzte Offizier seinen empörten Chef dadurch abzulenken versuchte, daß er sich erbot, ihm wenigstens die ‚Vergasungsanstalt‘ zu zeigen, brüllte der General ihn geradezu an. Er solle ihn mit solchem Unsinn verschonen. ,Ich lasse mich von diesen Boys‘ – mit einer verächtlichen Bewegung zu den jüdischen CIC-Offizieren – ‚nicht dumm machen.‘ Dann bestieg er mit zornrotem Gesicht seinen Wagen und fuhr davon.
Am nächsten Tag rollte ein großer Verpflegungstransport mit amerikanischen Rationen durch das Lagertor und brachte in letzter Minute die Wende, auf die wir schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatten. Genau wie General Patton erklärte mir einer der amerikanischen Regimentsärzte, als ich mich erbot, ihm zu zeigen, daß es sich bei der von den Amerikanern immer wieder fotografierten und bestaunten ‚Vergasungsanstalt‘ um eine hochmoderne und vorbildlich ausgestattete Entlausung handelte: ‚Völlig unnötig! Wir wissen doch alle, daß das nichts als Greuelpropaganda ist. Kein vernünftiger Amerikaner glaubt daran!‘
Natürlich ist, genau wie in Dachau, auch in Flossenbürg nicht ein einziger Häftling vergast worden. Die Leichen, die in dem 1942 errichteten Krematorium eingeäschert wurden, stammten aus den schweren, immer wieder auftretenden Fleckfieberepidemien, die von den Fremdarbeitern nach Deutschland und in die Lager eingeschleppt wurden. Diese Epidemien waren auch der einzige Grund zur Errichtung von Krematorien.
Wenn diese Epidemien solche Ausmaße angenommen haben, daß es beträchtliche Sterbeziffern gab, so kann dafür nur die Faulheit und Gleich-
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gültigkeit der Lagerinsassen verantwortlich gemacht werden. Die Einrichtung des Konzentrationslagers Flossenbürg war in hygienischer Hinsicht geradezu vorbildlich. Neben jener Entlausung gab es eine leistungsfähige Waschanstalt und eine Duschhalle, die es ermöglichte, selbst große Neuzugänge in wenigen Stunden vollkommen läusefrei zu machen. Die Anlagen waren alle noch so neu, daß sie ganz zweifellos erst dann errichtet bzw. ausgebaut waren, als jene kriminellen Fremdarbeiter, die in den letzten Jahren vor 1945 in Flossenbürg untergebracht werden mußten, wegen ihrer Verlausung besonderen Gesundheitsschutz erforderlich machten.
Die theoretischen Erwägungen über die Leistungskapazität des Krematoriums sind selbst bei Herrn Ing. E. G. noch utopisch. Nach Angaben des Dachauer Personals leisteten diese kleinen Öfen gerade zwei Leichen pro Tag.
Das Flossenbürger Krematorium hätte also in der ganzen Zeit seines Bestehens höchstens tausend Leichen einäschern können. Der Ofen ist aber nach Aussagen der früheren Heizer immer nur stoßweise in Epidemiezeiten in Betrieb gewesen. Da es im Lagerlazarett noch nicht einmal eine Leichenkammer gab, sondern nur zwei oder drei mit Zinkblech ausgeschlagene Särge, so wüßte ich auch nicht, wo man mit einer größeren Zahl von Leichen hätte bleiben sollen, ehe sie dem Brennofen übergeben werden konnten.
Flossenbürg also als ein ‚Vernichtungslager‘ zu bezeichnen, wie es der ehemalige Reichsminister Dr. Schacht in seinem Buch ‚Abrechnung mit Hitler‘ tut, und zu behaupten, das sei sozusagen ‚gerichtsnotorisch‘, ist völlig unbegründet. Daß es ein so kritischer Kopf getan hat, ist ein typisches Beispiel dafür, wie wirksam bei uns Deutschen die alliierte Propaganda war.
Andererseits ist Dr. Schacht selbst vorübergehend als Häftling in Flossenbürg gewesen. Gerade aber in dem, was er gesehen haben will, zeigt er jene für die ‚Lagersuggestion‘ typische Erscheinung des Verschwimmens von Tatsachenbild und Traumbild, dem oft gerade die hochintellektuellen Menschen erliegen. Mir ist jedenfalls unklar, wie er über die sehr hohe Gefängnismauer ‚Exekutionen‘ und ‚Leichenbestattungen‘ beobachtet haben will; vom Gefängnishof aus war nämlich – außer vom Wachtturm – keinerlei Beobachtung der Umgebung, selbst des Lagers, möglich. Der Hof dürfte absichtlich so angelegt worden sein. Auch habe ich nichts von dem von Schacht erwähnten Galgen im Gefängnishof feststellen können, obwohl wir schon bald nach der Kapitulation nach Flossenbürg kamen. Es kann sich also höchstens um eine provisorische Einrichtung zum Zwecke der Hinrichtung von Verurteilten der hier tagenden Standgerichte gehandelt haben, nicht aber um eine Einrichtung, die zum Konzentrationslager gehört hätte. Im übrigen dürfte Herr Schacht die Schießübungen der hier in den letzten Kriegstagen zusammengestellten Waffen-SS-Division ‚Nibelung