Bilanz der Affäre Garaudy/Abbé Pierre
Januar bis Oktober 1996

Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson

 

Die Garaudy-Affäre begann im Januar 1996 und die Abbé Pierre-Affäre im April desselben Jahres. Die beiden miteinander vermengten Affären haben bis zu dem am 23. Juli verkündeten Widerruf Abbé Pierres eine wichtige Rolle in den nichtdeutschen Medien gespielt. Ihre bedeutsamste Auswirkung besteht in zwei Artikeln des Historikers Jacques Baynac, die am 2. und 3. September 1996 in der Lausanner Zeitung Le Nouveau Quotidien erschienen sind.

Es ist bedauerlich, daß Roger Garaudy und Abbé Pierre nicht mehr Mut gezeigt haben. Sobald die Medien in Frankreich ihren Sturm gegen sie entfachten, bliesen sie zum Rückzug. Ihre finanziellen Möglichkeiten und die vielfältige Unterstützung, die sie seit Jahren im Ausland genossen, ermöglichten ihnen, Frankreich eine Zeitlang zu verlassen: Garaudy begab sich in arabische Länder, Abbé Pierre nach Italien und in die Schweiz. Zu streng darf man sie deswegen nicht verurteilen. Man muß sich vor Augen halten, wie rauh diese Stürme sind; selbst die Stärksten überkommt da Angst, und erst recht Männer vom Alter Garaudys und Abbé Pierres. Bisher hatten beide einige harte Prüfungen bestehen müssen. Sie wußten, was Haß bedeutet, um so mehr, als sie beide den Haß auf den Feind selbst gepredigt hatten. R. Garaudy hat nämlich die Antikommunisten und selbst die Antistalinisten lange Zeit als Untermenschen betrachtet, und Abbé Pierre hat bei seiner politischen Tätigkeit einen bemerkenswerten Mangel an Nächstenliebe gegenüber seinen Widersachern an den Tag gelegt. Doch schließlich standen beide auf der Sonnenseite des Lebens. Und nun, ganz plötzlich, im Jahre 1996, brach das Unwetter über sie herein, und sie waren im wahrsten Sinne des Wortes wie vom Blitz getroffen.

 

Die erste Ausgabe von R. Garaudys Buch

Im Dezember 1995 veröffentlicht Pierre Guillaume, verantwortlicher Herausgeber der Zeitschrift La Vieille Taupe, R. Garaudys Les Mythes fondateurs de la politique israélienne (Die Gründermythen der israelischen Politik). Er trifft dabei alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen, um den fatalen Konsequenzen des antirevisionistischen Gesetzes Fabius-Gayssot (auch Lex Faurissonia genannt) zu entgehen. Das Buch wird außerhalb des Buchhandels als »vertrauliches, den Freunden der La Vieille Taupe vorbehaltenes Bulletin« verkauft; der ganze revisionistische Teil des Buchs greift immer wieder auf offensichtliche Entlehnungen aus meinen eigenen Texten zurück, doch wird mein Name sorgsam verschwiegen; er erscheint nur einmal (S. 119), und auch da nur als der eines Professors, welcher der antirevisionistischen Repression zum Opfer gefallen ist, ohne daß man genau erfährt warum; kein einziges Buch und kein einziger Artikel dieses Professors werden zitiert.

Die religiösen und politischen Darlegungen in R. Garaudys Buch mögen manche Anhänger der jüdischen Religion sowie die Mehrzahl der Zionisten vor den Kopf stoßen, doch was zuerst in Frankreich und dann in einem guten Teil der westlichen Welt den Ingrimm der Judenorganisationen und der Medien erweckte, sind jene rund 75 revisionistisch geprägten Seiten, die den zentralen Teil des Werks ausmachen (S. 72-147). Sie beziehen sich auf den »Mythos von der Gerechtigkeit in Nürnberg«, auf »die Endlösung«, auf »die Zeugenaussagen«, auf »die Prozesse«, auf »die Tatwaffe« (d.h. die Nazigaskammern) und auf den »Mythos vom Holocaust«. Hinsichtlich der Gaskammern, des Herzstücks dieses brandheißen Themas, verleiht der Verfasser seinem Zweifel »und sogar [seinem] Skeptizismus« Ausdruck (S. 135). Diese 75 Seiten sind hastig geschrieben worden; sie bestehen aus nicht zueinander passenden Stücken; die Darlegung ist ziemlich unzusammenhängend; es wimmelt von Nachlässigkeiten; schließlich kommen auch Irrtümer vor, insbesondere bezüglich David Irvings, der – dies hätte der Verfasser wissen sollen – weder für den "Holocaust" noch für das Tagebuch der Anne Frank als Autorität zitiert werden kann: D. Irving hat sich nie ernsthaft mit dem "Holocaust"-Thema auseinandergesetzt und niemals auch nur die geringste Analyse des Anne-Frank-Tagebuchs vorgenommen, ja er ging sogar soweit, ein Gerücht zu übernehmen, dem ein grobes Mißverständnis zugrunde liegt: das Buch sei von einem gewissen Meyer Levin geschrieben worden!

Doch auch so, ungeachtet all seiner Unzulänglichkeiten, mußte R. Garaudys Buch die Judenorganisationen beunruhigen, die ohnehin allzusehr dazu neigten, überall Revisionisten auftauchen zu sehen und nun in deren Rängen einen Mann entdeckten, dessen politische Ansichten einfach nicht als faschistisch qualifiziert werden konnten. Schließlich war R. Garaudy einer der orthodoxesten stalinistischen Apparatschiks gewesen! Er war auch Protestant gewesen, dann Katholik, ehe er in den achtziger Jahren zum Islam übertrat. Als Vertreter all dieser Religionen erwies er sich als Gegner eines jeden Rassismus.

Die zweite Ausgabe wird umgestaltet

Im Januar 1996 eröffnen Le Canard enchainé und Le Monde das Feuer. Antirassistische Organisationen reichen Strafanzeigen ein. Ein guter Teil der französischen und internationalen Presse geht nun auf die "Garaudy-Affäre" ein.

Am 11. März bemüht sich P. Guillaume im Auftrage R. Garaudys, bei seinem üblichen Drucker den – im Bulletin des Verlags La Vieille Taupe angekündigten – Druck einer diesmal öffentlichen Ausgabe von Les Mythes fondateurs de la politique israélienne zu erreichen. Aus einem mir unbekannten Grund lehnt der Drucker die Arbeit ab. Nun beschließt R. Garaudy, sein Werk als Samisdat zu veröffentlichen.

Am 3. April hinterlegt P. Guillaume ein Exemplar dieses Samisdat-Buchs bei einem Notar. Es ist mit einem Vorwort sowie mit einem Anhang versehen, der insbesondere ein fälschlicherweise »Bibliographie« genanntes Verzeichnis der Werke desselben Autors enthält. Der Originaltext ist umgestaltet worden, um seinen revisionistischen Charakter abzumildern. Doch nichts weist den Leser darauf hin, daß es sich um eine umgestaltete Ausgabe handelt. Manche Passagen wurden entfernt, andere hinzugefügt, wieder andere umgeschrieben. Auf den Seiten 119-120 der ersten Ausgabe waren neun Absätze der Politik des Totschweigens oder der Verfolgung gewidmet, welcher die führenden Revisionisten ausgesetzt sind; an dieser Stelle erscheint mein Name ein einziges Mal, zusammen mit dem von Arthur Butz und Wilhelm Stäglich; auf den Seiten 134-135 der zweiten Ausgabe verschwinden diese neun Absätze, und an ihre Stelle tritt eine Schilderung der (in Wirklichkeit sehr glimpflichen) Ärgernisse, die der Verfasser selbst über sich ergehen lassen mußte – zunächst 1982-1983 aufgrund einer Stellungnahme zugunsten der Palästinenser, und dann zu Beginn des Jahres 1996 aufgrund der außerhalb des Buchhandels von La Vieille Taupe besorgten Veröffentlichung von Les Mythes fondateurs. Die Namen Butz, Stäglich und Faurisson verschwinden vollkommen aus dem Buch. Was den Namen Serge Thions anbelangt, so erscheint dieser weder in der ersten noch in der zweiten Ausgabe, was für ein von La Vieille Taupe publiziertes revisionistisches Werk eine Anomalie darstellt.

 

Karikatur Konk

 

Karikatur Konk

Karikatur von Konk in National Hebdo, 9.5.1996, S. 18

Karikatur von Konk, National Hebdo, 16.5.1996, S. 14

Abbé Pierre betritt die Szene

Am 15. April schreibt Abbé Pierre seinem Freund Garaudy (»Mein lieber Roger«) einen langen Brief, in dem er ihm seine Unterstützung versichert. Nur Auszüge dieses Schreibens erschienen hier und dort, und man muß sich bis Juni gedulden, um den vollständigen Text kennenzulernen (vgl. den untenstehenden Text Droit de réponse – Gegendarstellung – von R. Garaudy).

Die folgenden Abschnitte daraus erscheinen mir interessant:

»– Es ist mir unmöglich, von deinem neuen Buch mit der ganzen Sorgfalt zu sprechen, welche nicht nur sein fundamentales Thema, sondern auch die erstaunliche, ins Auge springende, peinlich genaue Gelehrsamkeit erfordert, auf der jede Aussage fußt, wie ich beim Überfliegen feststellen konnte. – Einige Personen aus meinem Umkreis, die ebenso anspruchsvoll wie kompetent sind und das Buch vollständig gelesen haben, haben mir berichtet, wie bedeutsam das war, was sie ihm entnommen haben. – Man muß alles tun, und dafür setze ich mich ein, damit schon bald echte Historiker, die sich durch dieselbe leidenschaftliche Wahrheitsliebe auszeichnen wie du selbst, eine Debatte mit dir aufnehmen. – Die gegen dich gerichteten Beschimpfungen, von denen ich erfahren habe, entehren ihre Urheber [...].

– Wie wir hören, beabsichtigt der Papst im Jahre 2000 (wird es derselbe Papst sein?) die historischen Ungerechtigkeiten [gegen die Juden] zu bekennen, die den Eifer der christlichen Missionen begleitet haben. – Möge er [der Papst, in seiner künftigen Erklärung] den Anteil nicht unterschätzen, den die Worte "Volk der Gottesmörder" beim Antisemitismus gespielt haben – was ein Wahnsinn ist, denn Jesus hat sich für alle Völker, für alle Menschen geopfert!

[...] Entnimm diesen Zeilen [...] die Kraft und die Treue meiner hingebungsvollen Achtung und meines Respekts für die enorme Arbeit deines neuen Buchs. Es mit dem zu verwechseln, was man als "Revisionismus" bezeichnet hat, ist ein Betrug und [eine] regelrechte Verleumdung seitens Unwissender.«

Aus diesem Brief geht hervor, daß Abbé Pierre das Buch seines Freundes nur vom »Überfliegen« kennt und sich dadurch von jenen unterscheidet, die es »vollständig gelesen« haben; dies ist sein gutes Recht, denn man hat in der Tat das Recht, ein Buch zu beurteilen, das man nur überflogen hat, immer vorausgesetzt, man gibt zu, es nicht vollständig gelesen zu haben. Doch der Abbé erscheint naiv oder verblendet, wenn er von einer »enormen Arbeit« und von einem Buch spricht, das mit dem »Revisionismus« überhaupt nichts zu tun habe; möglicherweise sind die "Revisionisten" für ihn nur eine Kategorie von Nazis, die – wer weiß? – die Existenz der Konzentrationslager bestreiten; in Wirklichkeit ist das Kernstück des Werks rein revisionistischen Inhalts.

Der einer möglichen Erklärung des Papstes gewidmete Abschnitt ist wichtig. Er beweist, daß Abbé Pierre keinesfalls antijüdisch gesinnt ist, und man darf ihn unter keinen Umständen beschuldigen – wie man es im folgenden dann tatsächlich so oft getan hat –, eine Art rückständiger Katholik zu sein, der die in seiner Jugend empfangene, von religiösem Antijudaismus geprägte Unterweisung nicht überwinden konnte.

Abbé Pierre rückt ins Rampenlicht

Am 2. Februar veröffentlicht die Zeitung La Croix einen aus der Feder Michel Crepus stammenden Artikel mit dem Titel: »Terminal Garaudy«. Die darin enthaltene Beleidigung seines lieben Freundes Garaudy kränkt Abbé Pierre zutiefst.

Am 18. April enthüllt Garaudy anläßlich einer Pressekonferenz zusammen mit seinem Verteidiger Jacques Verges die Namen einiger der Persönlichkeiten, deren Unterstützung er sich gesichert hat; darunter befinden sich Pater Michel Lelong, der schweizerische Schriftsteller Jean Ziegler sowie Abbé Pierre. Nicolas Weill vermeldet diese Information in seinem Stil in Le Monde vom 20. April (in Paris erscheint die Zeitung bereits am Nachmittag des 19.).

Ich sende unverzüglich per Fax folgendes Kommuniqué an Le Monde, Libération sowie Agence France-Presse:

 

»PRESSEKOMMUNIQUE

Ich nehme in der auf den 20. April datierten Ausgabe von Le Monde Kenntnis vom Artikel Nicolas Weills mit dem Titel "L’Abbé Pierre soutient les aberrations négationnistes de Roger Garaudy" (Abbé Pierre unterstützt Roger Garaudys negationistische Verirrungen). Vorausgesetzt, die Aussagen N. Weills entsprechen der Wahrheit, halte ich zum Inhalt dieses Artikels folgendes fest:

  1. Ich freue mich, daß sich so viele Menschen seit einigen Monaten dem Siegeszug des Revisionismus anschließen;
  2. Ich bedaure, daß man bis zum Jahre 1996 warten mußte, ehe diese Personen begannen, allmählich zu erkennen, was bereits 1979 für jedermann sonnenklar hätte sein müssen: der angebliche Völkermord an den Juden, der insbesondere mittels der angeblichen Gaskammern begangen worden sein soll, ist nichts anderes als eine Geschichtslüge; ich erinnere daran, daß ich auf die technische Unmöglichkeit dieser angeblichen chemischen Schlachthäuser hingewiesen habe; doch in Le Monde vom 21. Februar 1979 haben vierunddreißig französische Historiker gemeinsam eine Erklärung abgegeben, die einer Kapitulation gleichkam; sie antworteten mir mit dem jämmerlichen Ausspruch: "Man darf sich nicht fragen, wie solch ein Massenmord technisch möglich war. Er war technisch möglich, weil er stattgefunden hat";
  3. Ich warte darauf, daß die im Artikel N. Weills angegriffenen Personen wie in solchen Fällen üblich vorgeben, nicht gesagt zu haben, was sie gesagt haben, nicht geschrieben zu haben, was sie geschrieben haben; ich warte darauf, daß sich diese Personen mit feurigen antinazistischen Erklärungen überbieten (wie mutig!);
  4. Ich bin der Ansicht, daß diese Personen um den heißen Brei herumreden. Man muß das Kind beim Namen nennen: dieser Völkermord und diese Gaskammern sind ein Schwindel. Ich füge hinzu, daß ich, wäre ich Jude, Scham beim Gedanken empfände, daß seit mehr als einem halben Jahrhundert so viele Juden einen solchen – von den großen Medien der ganzen Welt gedeckten – Schwindel propagiert oder seine Propagierung geduldet haben.

R. Faurisson«

Bereits am nächsten Tag und in den darauffolgenden Tagen blasen die fünf Betroffenen (R. Garaudy, Abbé Pierre, Jacques Verges, Pater Lelong und J. Ziegler) zum Rückzug. R. Garaudy geißelt den »absoluten Horror des Nazismus« und präzisiert, man dürfe nicht von einem "Holocaust" sprechen, weil dies hieße, daß Gott für das Massaker an den Juden verantwortlich wäre, während doch einzig und allein die Nazis daran schuld sind – und haben letztere übrigens nicht den Tod von 50 Millionen Menschen verschuldet? Abbé Pierre sagt, man habe die Zahl der Auschwitz-Opfer übertrieben, da die Zahl von 4 Millionen offiziell durch jene von einer Million ersetzt worden sei (das Auschwitz-Museum hat sich für 1,5 Millionen entschieden), brandmarkt jedoch »alle Formen von Negationismus und Revisionismus als intellektuelle und moralische Betrügereien, die man um jeden Preis bekämpfen muß«. J. Verges erklärt hinsichtlich des Buchs von R. Garaudy: »Dieses Buch als negationistisch einzustufen ist ein Betrug.« Pater Lelong distanziert sich im folgenden ebenfalls. J. Ziegler erklärt, der Revisionismus sei »eine infame Dummheit«.

Abbé Pierre verleiht zwar immer und immer wieder seiner Zerknirschung Ausdruck und beteuert seinen guten Willen, sagt jedoch Dinge, welche die von Pierre Aidenbaum geführte LICRA (Ligue internationale contre le racisme et l’antisemitisme; Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus) verärgern.

Er schenkt seinem Freund R. Garaudy weiterhin Vertrauen und wünscht sich ein Kolloquium, bei dem Personen mit verschiedenen Ansichten auftreten. Er erklärt sich überzeugt, wenn man seinem Freund den Beweis vorlege, daß er sich getäuscht habe, werde dieser seinen Irrtum eingestehen.

Abbé Pierres Anwandlungen zum Widerstand

Am 27. April veröffentlicht die Wochenzeitschrift Le Point einen gut dokumentierten Artikel über den Revisionismus und die ganze Affäre. Sie zitiert einen Auszug aus meinem Pressekommuniqué vom 19. April. Der Artikel endet mit einem Satz von Abbé Pierre, der in La Croix erschienen ist: »Kein kritisches Wort mehr über die Welt des Judentums im Verlauf der Jahrtausende sagen zu können, ohne als Antisemit abgekanzelt zu werden, ist unerträglich.«

Der Oberrabbiner Sitruk schlägt eine Debatte über die Shoa (hebräisches Wort für "Katastrophe" und von vielen Juden bevorzugter Ausdruck für den "Holocaust") vor. Henri Roques und ich selbst erklären uns sofort öffentlich damit einverstanden. Am folgenden Tag nimmt er seinen Vorschlag zurück.

Am 29. April veröffentlicht Libération die Schlagzeile: »Abbé Pierre weigert sich, die negationistischen Thesen Garaudys zu verurteilen.« In der Tat hat der alte Mann noch einmal Widerstandswillen erkennen lassen. Er sagt von der LICRA und anderen Gruppen: »Sie akzeptieren den Dialog absolut nicht, im Gegensatz zu Garaudy.« Man fragt ihn: »Sind sie nicht schockiert darüber, daß ein Negationist wie Faurisson sich über Ihre Unterstützung für Garaudy ‘gefreut hat’?« Er entgegnet: »Das erfahre ich von Ihnen. Natürlich tut mir das weh. [Faurisson] vertritt das pure Gegenteil dessen, wofür ich mich mein Leben lang eingesetzt habe.« Der Abt spielt – dies ist zumindest wahrscheinlich – ebenso auf meinen Atheismus wie auf meinen Revisionismus an. Er sagt, er habe auf dem Flugplatz von Brüssel zum ersten Mal seit langer Zeit Menschen gesehen, die spontan auf ihn zugingen, um ihm zu danken; diese Leute sagten ihm: »Danke dafür, daß Sie den Mut gehabt haben, ein Tabu in Frage zu stellen.« Er fügt hinzu, er sei »überzeugt, daß man erleichtert aufgeseufzt habe: Das Tabu ist gebrochen! Man wird sich nicht mehr als antijüdisch oder antisemitisch abkanzeln lassen, wenn man sagt, daß ein Jude falsch singt!« Er fügt hinzu: »Wenn der Sturm vorbei ist, werden viele normale Franzosen sagen: ‘Er hat uns geholfen, klar zu sehen.’«

Allgemeine Offensive gegen Abbé Pierre

Anfangs erklärt die katholische Hierarchie, sie wolle sich nicht in eine Polemik verwickeln lassen. Dann bedauert die Bischofskonferenz die Einstellung Abbé Pierres und bestätigt, daß die Judenausrottung eine unbestrittene Tatsache sei; sie prangert den Skandal an, den jede Infragestellung der Shoa darstelle.

R. Garaudy, der sich in einer »Notlage« befindet, beschwört Abbé Pierre in zahlreichen Telefonanrufen, ihm zu Hilfe zu eilen.

Am 1. Mai ruft P. Guillaume mich an, um mich um Hilfe zu bitten: R. Garaudy benötigt dringend ein Dokument. Ich antworte ihm, sein Mandant brauche nichts weiter zu tun, als diese Bitte an mich persönlich zu richten. »Das wird er nicht tun«, sagt mir P. Guillaume zweimal. Ich verleihe meinem Erstaunen darüber Ausdruck, so behandelt zu werden und nicht einmal ein Exemplar von Les Mythes fondateurs… erhalten zu haben. Ich weise ihn darauf hin, daß, wie er weiß, der revisionistische Teil des Buchs nichts anderes als eine Zusammenstellung meiner eigenen Schriften ist. »Das ist offensichtlich«, meint er. Später, am 9. Mai, sagt eine Hörerin bei einer Sendung von Radio Courtoisie: »Das Verhältnis zwischen Faurisson und Garaudy ist das zwischen dem Bestohlenen und dem Dieb.« Guillaume erwidert: »Na ja… Das weiß ja jeder!«

Am 2. Mai wählt Jean-François Kahn für seine Chronik in der Wochenzeitschrift L’Evénement du Jeudi folgenden Titel: »Wie man mit Abbé Pierre ein Süppchen für Le Pen und Faurisson kocht.« Am gleichen Tag gibt die Tagespresse bekannt, die LICRA habe Abbé Pierre aus ihrem Ehrenvorstand ausgeschlossen.

Am 9. Mai erklärt Jean-Luc Allouche in Libération, R. Garaudy, Abbé Pierre und R. Faurisson verfolgten »nur ein Ziel: Den Staat Israel immer und immer wieder als illegal darzustellen«. Er zitiert einen Auszug aus meiner im August 1989 erschienenen Einleitung zum Zweiten Leuchter-Bericht:

»Künftig werden jene, die den "Holocaust" aufrechterhalten, ihr Geld, ihre Macht, ihre Fähigkeit zum Herstellen von Filmen, zum Feiern von Zeremonien, zum Bau von Museen beibehalten: Filme, Zeremonien, Museen, die immer sinnentleerter sein werden. Sie werden die Mittel der Unterdrückung gegen die Revisionisten vervielfachen: Schläge, tätliche Angriffe, Pressekampagnen, Prozesse, die Verabschiedung von Sondergesetzen. Sie werden auch, fünfzig Jahre nach dem Krieg, die Verfolgungen gegen jene steigern, die sie "Kriegsverbrecher" nennen. Die Revisionisten werden ihnen mit historischen Studien oder wissenschaftlichen und technischen Werken antworten. Diese Werke werden unsere Steine, unsere Intifada sein.«

Am 9. Mai schreibt der Amerikaner Joseph Sobran in The Wanderer: »If [Abbé Pierre] had denied the divinity of Christ, the press would be hailing him for his fierce independence of mind« (Hätte [Abbé Pierre] die Göttlichkeit Christi geleugnet, so würde ihn die Presse angesichts seiner unbeugsamen geistigen Unabhängigkeit feiern).

Am 9. und 16. Mai publiziert der Karikaturist Konk in National Hebdo zwei Zeichnungen, welche die aktuelle Lage trefflich widerspiegeln; auf der ersten sieht man die Wächter der offiziellen Wahrheit, die per Feldstecher einen Betonklotz beobachten, unter dem man den Revisionismus begraben zu haben wähnt, doch der Sarkophag zeigt Risse; er droht zu explodieren und die ganze Welt zu verseuchen. Die zweite Zeichnung zeigt Friedhofswächter, die an drei Gräbern vorbeigehen jenen von Faurisson, Garaudy und Abbé Pierre, während ein Wärter dem anderen zuflüstert: »Das ist die Ecke der lebendig Begrabenen.« Die Angst der Zensoren wird anschaulich dargestellt: Trotz der gewaltigen Pressekampagnen, trotz der Prozesse, trotz der tätlichen Ausschreitungen bleibt der historische Revisionismus bestehen und entwickelt sich sogar noch. Die braven Seelen beginnen sich nach Nutzen des Gesetzes Fabius-Gayssot zu fragen, das »ein wahrhaftiges Geschenk für die Revisionisten« (sic) darstelle.

Am 13. Mai publizieren die Bewegungen Emmaus France und Emmaus International eine teure Annonce mit einem Kommuniqué, in dem die "Emmaus-Bewegung" mitteilt, »jede Unterstützung der revisionistischen Thesen, woher sie auch komme«, sei »unerträglich«, und bedauert, daß der »Mann des totalen und großherzigen Kampfes von dem Feld weggelockt wurde, das seines und unseres ist«.

R. Garaudy sucht Unterstützung

R. Garaudy gibt bekannt, er besitze unter den Rabbinern Freunde, und einer davon, Rabbi Elmer Berger, 88 Jahre alt und in Florida lebend, habe »einen Text verfaßt, der eine sehr gute Einleitung zu meinem Buch darstellen wird, wenn dieses in den USA veröffentlicht wird« (Tribune juive, 16. Mai). Er sucht auch bei seinen arabischen Freunden Zuflucht.

Ebenfalls am 16. Mai veröffentlicht François Brigneau in National Hebdo einen Artikel über »Garaudys Samisdat«, in dem er die unaufhörlichen Verfolgungen schildert, die als "rechtsextrem" stigmatisierte Schriftsteller in Frankreich erleiden. Er vermerkt dabei:

»Ich werde nicht auf die Grundaussagen des Buchs eingehen. Herr Garaudy gehört weltanschaulich nicht zu uns. Gewisse Aspekte seines Buchs sind unerfreulich. Ich denke etwa daran, wie er die Entdeckungen Prof. Faurissons ausgenutzt hat (insbesondere hinsichtlich der Anne-Frank-Geschichte), seine Forschungsarbeiten und die Gesamtheit seines Werks, für das Faurisson so teuer bezahlt hat, während ihm Garaudy [in der ersten Ausgabe seines Buchs] nur ganz beiläufig drei Zeilen widmet… Das ist ziemlich peinlich.«

Am 23. Mai verweist Libération auf einen Leitartikel in Al-Ahram, einem renommierten Blatt, welches als offizielles Sprachrohr der ägyptischen Regierung gilt. Diese Zeitung erklärt sich »stolz«, R. Garaudy, dem Verfasser eines in Frankreich verfolgten Buchs, seine Spalten geöffnet zu haben, und betont, eine »Medienkampagne« habe ihn »daran gehindert, seinen Standpunkt offen darzulegen«. In seinem Leitartikel wirft die Zeitung dem französischen Blatt Libération seine »zionistischen Propagandamanöver« gegen R. Garaudy vor, während dieselbe Zeitung – Libération – Salman Rushdies Recht verteidige, den Islam zu attackieren.

Am 31. Mai schickt R. Garaudy seinen Freunden ein Rundschreiben, das wie folgt beginnt:

»Liebe Freunde, ich danke euch für das Vertrauen, das ihr mir im Zusammenhang mit meinem Buch Les Mythes fondateurs de la politique israélienne erwiesen habt, in dem ihr keine Spur von ‘Negationismus’ entdecktet. – Jene, die mir diese barbarische Etikette aufgeklebt haben, haben mein Buch entweder gar nicht gelesen oder aber es mit vorsätzlich böser Absicht getan.«

Am gleichen Tage publiziert Le Figaro Ausschnitte aus einem Interview mit R. Garaudy. Will man dem Journalisten Elie Marechal Glauben schenken, so lautete eine Frage und die darauf erteilte Antwort wie folgt: »Weshalb haben Sie die erste Auflage Ihres Buchs bei La Vieille Taupe [einem Verlag, der Faurisson publiziert hat] veröffentlicht?« – »Aus Notwendigkeit. Aber ich kannte diesen Herausgeber nicht. Sonst hätte ich mich nie mit ihm zusammengetan.« Da aber jedermann weiß, wie es die großen Zeitungen mit der Wahrheit halten, sind Zweifel daran erlaubt, ob Garaudy bei seinem Widerruf wirklich so weit gegangen ist.

Am 29. Mai hatte die Presse bekanntgegeben: »Abbé Pierre hat Frankreich endgültig verlassen und sich in ein italienisches Kloster begeben.« R. Garaudy wird Abbé Pierre im Kloster von Praglia besuchen. Er erklärt der Presse gegenüber, letzterer habe endlich Zeit gefunden, sein Buch zu lesen:

»Diese Lektüre hat [Abbé Pierre] getröstet. Er stellt fest, daß kein in der Presse erschienener Artikel meine Thesen widerlegt hat.«

Die Affäre verschärft sich unversehens

Abbé Pierre erklärt (laut Le Figaro vom 1./2. Juni) der italienischen Zeitung Corriere della Sera gegenüber:

»Die Kirche in Frankreich hat [...] interveniert, um mich unter dem Druck der Presse, die von einer internationalen zionistischen Lobby inspiriert ist, zum Schweigen zu bringen.«

Die Formulierung ruft ein weltweites Getöse hervor.

Im Juni veröffentlichen die Journalisten Michel-Antoine BURNIER und Cécile Romane ein kleines Werk mit dem Titel Le Secret de l’Abbé Pierre ("Das Geheimnis von Abbé Pierre"; erschienen bei éditions Mille et Une Nuits), in dem sie enthüllen, daß sie schon vor über drei Jahren, am 27. März 1993, mit Abbé Pierre ein Gespräch an dessen Wohnort geführt haben, und zwar in Gegenwart der Juden Bernard Kouchner und Marek Halter. Er ging darum, die Dialoge zwischen Abbé Pierre und seinem Freund Kouchner für das Buch Dieu et les hommes ("Gott und die Menschen"; Laffont, 1993) zu rekonstruieren und in druckreifer Form darzustellen. Nun hatte sich Abbé Pierre bereits damals über gewisse Bücher des Alten Testaments sowie über den Zionismus in äußerst strengen Worten geäußert. Die beiden Journalisten hatten diese Aussagen in ihrem Buch zensiert. Heute erklären die beiden Zensoren – die stolz sind, welche zu sein –, sie hätten ihre Arbeit als verantwortungsbewußte Journalisten getan. Was ihnen erlaubt, Abbé Pierre und den Revisionisten eine moralische Lektion zu erteilen.

Garaudy flüchtet sich in wilden Antinazismus

Gleichfalls im Juni erscheint ein anderes kleines Buch: Droit de réponse/Réponse au lynchage médiatique de l’Abbé Pierre et de Roger Garaudy (Gegendarstellung/Antwort auf die Medienhetzkampagne gegen Abbé Pierre und Roger Garaudy) (Samizdat R. Garaudy). R. Garaudy stellt klar, was er behauptet, was er bestreitet und was er leugnet. Er schreibt, sein "Revisionismus" ähnele einfach demjenigen orthodoxer Historiker wie François Bedarida. Was die Gaskammern betrifft, erinnert er daran, daß kein Gericht je eine Untersuchung der Tatwaffe verlangt hat, daß das Leuchter-Gutachten sowie die »Krakauer und die Wiener Gegenexpertise« vorliegen und äußert sein »Erstaunen« darüber, daß »diese Gutachten nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und diskutiert worden sind«. Er fügt hinzu:

»Was leugne ich also? – Ich leugne das Recht, das sich die Zionisten anmaßen, die Verbrechen Hitlers zu verharmlosen, indem sie diese auf die unbestreitbare Judenverfolgung reduzieren. Sein Expansionsdrang hat 50 Millionen Opfer gefordert, darunter 16 Millionen Slawen, russische oder polnische, wie Papst Johannes Paul II in Miami hervorgehoben hat.«

Wie man feststellen kann, flüchtet sich R. Garaudy in einen wilden Antinazismus, so wie sich der Rechtsanwalt J. Verges 1987 beim Prozeß gegen Klaus Barbie in wildem Antirassismus erging. J. Verges war damals über Frankreich hergezogen, das sich, wie er sagte, anmaßte, den Rassismus K. Barbies zu verurteilen, während es selbst einen kriminellen Rassismus gegen die schwarzen, gelben oder arabischen Kolonialvölker praktiziert hatte.

Im Anhang zu seinem kleinen Werk scheut sich R. Garaudy nicht, die »Zeugenaussage eines protestantischen Pastors« (S. 33/34) sowie den »Schrei eines Deportierten« (S. 35/36) abzudrucken. Von Pastor Roger Parmentier gibt er ohne den geringsten Vorbehalt oder die geringste Korrektur folgenden Satz wieder: »Als ‘Negationisten’ bezeichnet man die Nazis von heute, welche die Geschichte revidieren wollen, um den Nazis von gestern recht zu geben.« Der Pastor fügt hinzu: »Man wird mich (nach meiner Lektüre der Erklärungen Abbé Pierres und des Buchs von R. Garaudy) niemals davon überzeugen können, daß diese Brüder zum Nazismus konvertiert sind.« Und der "Deportierte" schreibt, indem er sich wie R. Garaudy selbst in einen wilden Antinazismus flüchtet: »Die Journalisten sollen eines wissen: Die übergroße Mehrheit der Deportierten in den Nazilagern waren keine Juden, auch wenn alle Medien die These stützen, daß nur die Juden deportiert und ausgerottet worden sind.« Und der "Deportierte" hausiert mit phantastischen Ziffern von »ausgerotteten« sowjetischen Soldaten, Zigeunern und Polen.

Eine islamische Publikation eilt R. Garaudy zur Hilfe, der seine muselmanischen Freunde außerhalb Frankreichs mobilisiert hat; sie schreibt:

»Garaudy hat die Existenz der Gaskammern niemals in Frage gestellt; er hat niemals versucht, den Judenvölkermord während des Zweiten Weltkriegs zu verfälschen oder zu banalisieren. Die Zionisten erheben da haltlose Beschuldigungen gegen Garaudy, denn das einzige, was der Autor bestreitet, ist die Zahl der ausgerotteten Juden« (Le Message de l’Islam, Juni 1996, S. 21).

Gegen P. Guillaume und R. Garaudy wird wegen der ersten Auflage der Mythen… ein Verfahren eingeleitet. Außerdem wird gegen R. Garaudy ein weiteres Verfahren wegen der zweiten Auflage der Mythen… sowie seiner Gegendarstellung eröffnet.

Die Ultralinke gerät in Wallung

In einem kleinen, im Juni von den Radikaldemokraten und Ultralinken veröffentlichten Werk (Libertaires et "ultra-gauche" contre le négationnisme, Radikaldemokraten und "Ultralinke" gegen den Negationismus, éditions Reflex, Juni 1996) finden sich konfuse Schreibereien über – oder vielmehr gegen – jene Radikaldemokraten oder Ultralinke, die zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben Sympathie für den Revisionismus an den Tag gelegt haben. Das Vorwort stammt von Gilles Perrault, der todernst schreibt, die »Negationisten« hätten »mit der Loi Gayssot ein unschätzbares Geschenk erhalten« (S. 9); er brandmarkt das »Revisionistengesindel« (S. 9). Im Werk selbst wird Pierre Guillaume als »Lügner«, »Perverser« und »Schweinehund« betitelt (S. 57), und man kommt auf die Prozesse zurück, »die ironischerweise den Revisionisten eine ganz unverhoffte öffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden ließen« (S. 60). Allerdings werden auch »zweifelhafte Zeugen wie Elie Wiesel« und die LICRA angegriffen, der man die »Veruntreuung von Leichen zugunsten Israels« vorwirft (S. 47), und man prangert auch die »Asphalt-Konzentrationslagerliteratur von Leuten wie Bernadac, Steiner, Gray und Konsorten an, die an die niedrigsten menschlichen Instinkte appelliert, um Käufer anzulocken [und] der historischen Forschung viel Schaden zugefügt hat« (S. 66). In den Reihen der Linken und der Ultralinken breitet sich die Zwietracht aus. Ein Kriminalromanverfasser, Didier Daeninckx, schwenkt das Banner der antirevisionistischen Säuberung in den Reihen der Linksintellektuellen. Der Universitätslehrer Philippe Videlier, der einen starken Hang zum Denunzieren hat, greift auch wieder zur Feder.

Abbé Pierres Appell vom 18. Juni

Ein von Louis Harris für die in Lyon erscheinende Zeitschrift Golias (Ausgabe vom 7. und 8. Juni) durchgeführte Meinungsumfrage ergibt, daß Abbé Pierre, wie Libération am 11. Juni schreibt, »bei den Katholiken seinen Kredit beibehält«. R. Garaudys Buch findet trotz der Schwierigkeiten, es zu verbreiten, guten Absatz. Doch in der Schweiz wird es beim Besitzer einer Buchhandlung in Montreux, Aldo Ferraglia, auf Anordnung einer Lausanner Instruktionsrichterin, Valerie Barth, beschlagnahmt. Beim selben Anlaß treibt diese Person den Eifer soweit, auch zwei Bücher beschlagnahmen zu lassen, die von mir stammen und 1982 bzw. 1983 erschienen sind und in Frankreich oder im Ausland niemals Gegenstand von Strafanzeigen oder Verurteilungen waren; ebenso verfährt sie mit François Brigneaus Buch Mais qui est donc le professeur Faurisson? (Wer ist eigentlich Professor Faurisson?). Schließlich ergreift sie die Initiative, Polizisten in sämtliche Buchhandlungen zu schicken, um die Buchhändler vor dem Verkauf jeglicher revisionistischen Werke zu warnen. Nun trifft es sich, das Abbé Pierre Italien verlassen und sich in die Schweiz begeben hat. Von »Zermatt, am 18. Juni« sendet er einem Journalisten von Le Monde ein zwölfseitiges Fax mit der Überschrift: »Es lebe die Wahrheit.«

Diese Zeitung reitet eine giftige Attacke nach der anderen gegen ihn. Im Prinzip hat Abbé Pierre das Recht, Gegendarstellungen auf diese Artikel zu publizieren. Die Leser von Le Monde stellen Tag für Tag fest, daß ihre Tageszeitung keinen einzigen Text des Angeklagten veröffentlicht. Ein Le Monde-Journalist läßt schließlich nach Absprache mit der Redaktion dem Abbé gegenüber durchblicken, es bestehe die Möglichkeit zur Publikation eines Textes. Der Abbé macht sich ans Werk. Binnen drei Tagen verfaßt er zwölf maschinengeschriebene Seiten, von denen das Blatt, getreu seiner Tradition der tugendhaften Zensur, keine einzige Zeile abdruckt. In diesem Text versichert der Abbé, sein Freund Garaudy habe »in fünfzig Jahren Dialog [...] niemals aufgehört, seinem Horror vor den wissenschaftlich organisierten Verbrechen der Nazis, vor allem gegen die Juden, Ausdruck zu verleihen«. Er schreibt, der »erlebe die grausamste Prüfung seines langen Lebens«; er spricht von einer »regelrechten Totschlagkampagne, die auffallenderweise gleichzeitig und immer in den gleichen Tönen, wie auf Kommando (von wem?) von allen Medien betrieben« werde, und fügt hinzu: »Zweifellos wird man mir niemals wieder soviel Unrecht antun, mich so verleumden, beschimpfen, des Antisemitismus zeihen.« Er verweist auf seine guten Beziehungen zu Shimon Peres und ihrem gemeinsamen Freund André Chouraqui. Er beteuert seine Liebe zu den Juden, die er als eine Art Elite betrachtet, als »Ferment«, wie er sich ausdrückt, geißelt aber die »zionistische Trunkenheit«. Er spricht so gut wie gar nicht vom Inhalt von R. Garaudys Buch. Er beteuert:

»Ich persönlich konnte das angeklagte Buch im Kloster in aller Ruhe lesen und mir Notizen dazu machen. Ich habe darin nichts Tadelnswertes gefunden, doch da ich weiß, daß ich alles andere als ein Gelehrter bin, habe ich die Rektoren von zwei der größten katholischen Universitäten in Europa gebeten, das Buch – in die jeweiligen Sprachen übersetzt – drei erstrangigen Spezialisten auf dem Gebiet der Geschichte, der Theologie und der Bibelkunde zu übergeben. Ihre Meinung wird für mich von größerer Bedeutung sein als jene der LICRA und auch als jene einiger ausgezeichneter Freunde, die erklären, sie seien angesichts dieses Buchs ‘niedergeschmettert’.«

Professor Albert Jacquard, Hätschelkind der Kaviar-Linken, sendet Le Monde einen Brief, in dem er Abbé Pierre seine Unterstützung versichert, doch die Zeitung lehnt es ab, ihn abzudrucken.

Monseigneur Jean-Marie Lustiger, jüdischstämmiger Erzbischof von Paris, erklärt gegenüber der Wochenzeitung Tribune juive (Ausgabe vom 20. Juni), er habe »diese Polemik als ungeheure Schlammschlacht« erlebt; er erteilt Abbé Pierre eine Art von öffentlichem Tadel und erklärt die Kirche von jeder Verantwortung frei. Später, am 26. September, wird er anläßlich eines "Debattierabends über die Shoa" an der Sorbonne erklären:

»Der Negationismus ist die klassische Lüge eines Menschen, der seinen Bruder getötet hat und nun der Wahrheit entfliehen will«, und sein Freund Elie Wiesel wird ihm nachbeten: »Die Negationisten haben vielleicht keine Seele.«

 

Das Gesetz Fabius-Gayssot im Kreuzfeuer der Kritik

Was man in Frankreich vom antirevisionistischen Inquisitionsgesetz hält

»Dies ist, so sagte er, ein schwerer politischer und juristischer Fehler. […] ein Gesetz der Umstände […] es tendiert in Richtung eines Meinungsdelikts […] das Prinzip besteht darin, die geschichtliche Wahrheit per Gesetz zu fixieren, anstatt daß sie durch die Geschichte festgestellt wird […] dieses Gesetz, ich bin sicher, wird niemals angewendet werden.«

Frankreichs Junstizminister Toubon, Journal de Genève, 22.6.1991, S. 3571

»Dieser Text totalitären Geistes [des Gesetzes Gayssot gegen die Revisionisten] hat den Straftatbestand des Bestreitens geschaffen. Es obliegt dem Juristen, die Einhaltung der Grundfreiheiten zu überwachen, die durch das Gesetz Gayssot verletzt werden: Die Meinungsfreiheit und die freie Meinungsäußerung. […] Die Geschichte soll nicht vor den Tribunalen ihre Richter finden. […] Nun, wie soll man die Anwendung des Gesetzes Gayssot verhindern, wenn die, die es vor seinem Inkrafttreten durch den Verfassungsrat (Der Präsident der Republik, der Präsident der Nationalversammlung und des Senats, 60 Deputierte und 60 Senatoren) hätten annullieren können, dazu nicht den Mut hatten. […] [Man solle den Europäischen Gerichtshof anrufen, um diesem] abscheulicher Charakter eines Gesetzes, das das Meinungsdelikt wieder einführt [ein Ende zu bereiten]Prof. François Terré, Le Figaro, 15.5.1996

»Als Historiker bin ich erschüttert über diesen Geist des McCarthyismus und der Hexenjagd, jedesmal wenn der Holocaust tangiert wird.«

Georges André Chevallaz, Altpräsident der Schweiz, Journal de Genève, 2.5.1996

»Das ist kein Gesetz gegen den Rassismus, das ist eine Manipulation. […] dem Gesetz, das sie beschließen werden, ist eine einzigartige Antwort auf einen Angriff der Medien.«

Herr Toubon, heutiger französischer Justizminister (Journal officiel, 3.5.1990, S. 929 bzw. 936)

»Wir unterstützen heute eine außergewöhnliche Inszenierung. Selten sehen wir ähnlich viele Journalisten und Kameras während unserer Debatten. Man versucht zu beweisen, daß diejenigen, die "dagegen" stimmen [gegen das Antirevisionismus-Gesetz], sich weigern, den Rassismus zu bekämpfen.«

Französische Nationalversammlung, Debatte vom 2.5.1990 (Journal officiel, 3.5.1990, S. 905)

»[Dies ist] die gefährliche Schizophrenie eines

Landes, in dem Salman Rushdie ein Held ist,

während Roger Garaudy die Meinungsäußerung verwehrt und Abbé Pierre der öffentlichen Schmähung preisgegeben wird.«

Le Figaro, 15.5.1996

»Eine Art indirekten Druckes wurde [1990] auf die Parlamentarier ausgeübt: alle Deputierten, die dem [Antirevisionisten-]Gesetz nicht zu zustimmen würden, würden der Negierung verdächtigt. […] Einflußreiche Gruppen haben ein ungesundes Klima produziert. […] Es handelt sich […] um ein Gesetz, das eine offizielle Wahrheit einführe. Das ist eines totalitären Regimes würdig. Aber nicht einer Demokratie.«

Le Figaro, 3.5.1996

Die antirevisionistische Offensive

In seiner Ausgabe vom 26. Juni kündigt Le Monde an, »anonyme Hände« hätten in den vergangenen Nächten auf dem Boulevard der Pariser Peripherie Plakate angebracht, auf denen die Frage stehe: »Und wenn Abbé Pierre recht hätte?«.

Am 27. Juni entdeckt Frankreich Aushängeplakate der Wochenzeitschrift L’Evénement du Jeudi mit dem Titel: »Holocaust / Der Sieg der Revisionisten«. Natürlich beklagt das Blatt das, was es als »Sieg der Revisionisten« bezeichnet; es handelt sich da um eine Übertreibung, denn mehr als je zuvor herrscht der Terror, und die Revisionisten sind jeder Möglichkeit beraubt, ihre Argumente öffentlich darzulegen und auf die zahllosen Angriffe zu antworten, deren Zielscheibe sie sind; was Abbé Pierre und R. Garaudy betrifft, so achten diese mehr denn je darauf, sich von diesen "Revisionisten" zu distanzieren, die sie als Werkzeuge des Nazismus geschildert haben oder schildern ließen.

Am selben Tag, an dem L’Evénement du Jeudi unter dieser Titelschlagzeile erscheint, verurteilt das Obergericht von Bordeaux den in jener Stadt lebenden Buchhändler Jean-Luc Lundi, Vater von elf Kindern, zu einer Strafe von einem Monat Gefängnis mit Bewährung sowie einer Buße von 5000 Franken, weil er revisionistische Bücher ausgestellt und verkauft hat. Die Bewährungszeit wird auf fünf Jahre festgelegt, und laut Urteil müssen die in der Buchhandlung konfiszierten Bücher vernichtet werden.

Am 16. Juli wird Georges Piscoci-Danesco, ein politischer Flüchtling aus Rumänien, der im Quartier Latin die bescheidene Buchhandlung Librairie du Savoir besitzt (rue Malebranche 5, F-75005 Paris), wo man revisionistische Bücher und namentlich jenes von R. Garaudy kaufen kann, von Mitgliedern der extremistischen Judenorganisation Betar verletzt und seine Buchhandlung verwüstet; 2.000 Bände (von denen manche Seltenheitswert besitzen,) werden so zugerichtet, daß sie fortan unverkäuflich sind; der Schaden – den die Versicherung nicht mit einem einzigen Franc vergütet – wird auf 250.000 Francs geschätzt. Betar genießt die Unterstützung des Innenministeriums, und wie üblich rührt die Polizei keinen Finger, um die Verbrecher dingfest zu machen. In den letzten fünfzehn Jahren haben die jüdischen Stoßtrupps straflos über fünfzig solcher kriminellen Aktionen schwerwiegender Art verübt, während nie ein einziger "Antisemit" je einem Juden ein Haar gekrümmt hat (vgl. »Jewish Militants: Fifteen Years, and More, of Terrorism in France«, (Jüdische Militante: Fünfzehn Jahre Terrorismus und mehr in Frankreich) The Journal of Historical Review, März/April 1996, S. 2-13).

Simone Veil, "Auschwitz-Überlebende", ehem. Präsidentin des Europaparlaments:
»Man kann die historische Wahrheit nicht per Gesetz festschreiben. Dadurch können die Revisionisten mit der Debatte auf die Menschenrechte ausweichen.«
L'Evénement du jeudi
, 27.6.1996

 

Arno Klarsfeld, Sohn der Nazijäger von Serge & Beate Klarsfeld:
»Das Gesetz Gayssot wurde gemacht, um heikle Debatten zwischen Historikern und Pseudohistorikern zu verhindern«
Libération
, 17.7.1996

 

 

Jean-François Kahn, bekanntester französischer Journalist (jüdischer Abstammung):
»Was soll diese Art von Hexenjagd, die darin besteht, zwei Mal pro Woche einen neuen Revisionisten zu demaskieren?«
L'Evénement du jeudi
, 27.6.1996

 

Jorge Semprun, ehem. Deportierter, ehem. spanischer Kultusminister, Novellist:
»Die traditionellen Wurzeln des Antisemitismus sind die antikapitalistische Ideologie und das Argumentieren gegen das Geld«
Le Journal du dimanche
, 21.4.1996

Abbé Pierres Widerruf

Am 23. Juli veröffentlicht La Croix zwei auf den 22. Juli datierte Texte von Abbé Pierre.

Beim ersten handelt es sich um einen Brief an R. Garaudy. Abbé Pierre erinnert seinen Freund daran, in welcher »Notlage« dieser letzte sich im April befand: »Lieber Roger, sicherlich erinnerst du dich an die Notlage, in der du dich im vergangenen April befandest, als du mich in zahlreichen Telefonanrufen um Hilfe batest.« Er teilt ihm mit, damals habe er persönlich nichts vom »Revisionismus« und »Negationismus« gewußt. Er ahnte damals nichts von »der wahnsinnigen Entfesselung von Leidenschaft durch die Medien«, die sich auf sie beide ergießen werde. Er kündigt ihm an, er selbst müsse »jede Teilnahme an dieser grausamen Debatte einstellen«. Er behält sein ganzes Vertrauen in Garaudys Aufrichtigkeit bei, aber, so schreibt er, »gemäß den Worten des beigefügten Kommuniqués ist es mein absoluter und definitiver Beschluß, daß von diesem Tage an mein Name im Zusammenhang mit diesem Buch in keiner Weise mehr mit dem deinen verknüpft sein wird«.

Das an La Croix gerichtete Kommuniqué hat folgenden Wortlaut:

»In Sorge darum, die Wahrheit zu leben, und frei von jeglichem Zwang beschließe ich, da ich sehen muß, daß meine Aussagen über die Arbeiten Roger Garaudys – insbesondere des Buchs Les Mythes fondateurs de la politique israélienne – von Bewegungen ausgenutzt werden, die ein gefährliches Spiel mit den Gefahren des Antisemitismus treiben und die ich bekämpft habe und stets bekämpfen werde, meine Aussagen zurückzunehmen, indem ich mich voll und ganz den Ansichten der Experten der Kirche allein anvertraue; ich bitte jene um Verzeihung, die ich verletzt haben mag, und will Gott allein Richter über die Aufrichtigkeit der Absichten eines jeden sein lassen.«

Er zieht somit seine Aussagen zurück. Er legt sein Schuldbekenntnis ab. Er bittet um Verzeihung und geht soweit zu behaupten, dies geschehe »frei von jeglichem Zwang«! Das bezeichnet er als die »Sorge darum, die Wahrheit zu leben«. Später wird er gegenüber Professor Leon Schwartzenberg sagen: »Ich bitte dich um Verzeihung« (Le Figaro, 22. August). Noch später wird er einen typischen, medienwirksamen Weg wählen, um zu versuchen, die Verzeihung der Juden zu erlangen und die Gunst der Medien zurückzugewinnen. In Faits & Documents vom 15. Oktober schreibt Emmanuel Ratier nämlich:

»Abbé Pierre hat hinsichtlich seiner Unterstützung für Roger Garaudy wirklich seine Techouva (jüdische Reue) geleistet. Er gibt mit der Gruppe Planet Generation Global Move, einer "engagierten und humanitären" Musikgruppe, eine CD mit vier Titeln heraus, die Le Grand Pardon ("Das große Verzeihen") heißt. Diese Mini-CD, die sich als "Musik für ein planetarisches Bewußtsein gegen alle Nationalismen" versteht, umfaßt auch die Titel No Escape (Abbé Pierre/Dee Nasty, Vater des Hip-Hop in Frankreich), 2 Zion (King/MajaSutra) und Kaï in ze sky (King).«

In seiner Ausgabe vom 31. Oktober bis 6. November greift Le Nouvel Observateur diese Nachricht auf; in einem Artikel mit dem Titel »Le rap du repentif« (Der Rap der Reue) präzisiert die Zeitschrift, das Projekt dieser CD sei von der Assoziation »Les Anges presses« ("Die ungeduldigen Engel") entworfen worden und verstehe sich als »Hip-Hop-Richtigstellung zur Affäre Garaudy«.

Trotzdem erklären sich die jüdischen Maximalisten natürlich unzufrieden; der Widerruf Abbé Pierres überzeugt sie nicht. Das »Vertrauen«, das er in seinen Freund Garaudy beibehält, macht den CRIF (Conseil représentatif des institutions juives de France, Stellvertretender Rat der jüdischen Institutionen Frankreichs) und die LICRA ratlos.

Die Nebenwirkungen der Affäre

Die Affäre Garaudy/Abbé Pierre hat das übliche Klima der Hexenjagd geschaffen, das von den Medien im allgemeinen und von der Zeitung Le Monde im besonderen geschaffen wird. Während mehrerer Monate folgten in Frankreich allerlei andere Arten von "Affären" derselben Art, deren Opfer verdächtigt wurden, die Todsünde des Revisionismus auf sich geladen zu haben. Nennen wir beispielsweise die Affäre um Olivier Pernet, Philosophieprofessor in Lyon, jene um Marc Sautet, den Promoter des "Cafés de Philosophie", jene um Raymond Boudon und Bernard Bourgeois, Mitglieder der Société française de philosophie, jene um Noëlle Schuhman, Lehrerin für Physik und Chemie in einem College des Departement Yvelines, jene um die olympischen Schwimmerinnen, die für die Olympiade von Atlanta ein Schauspiel vorbereiteten, das der Erinnerung an den "Holocaust" dienen sollte, sowie jene um die korsische Wochenzeitschrift U Ribombu, das Organ einer korsischen Autonomistenbewegung, welches für R. Garaudy und den Abbé Pierre Partei ergriffen hat. Wie man oben gesehen hat, wurden die Ultralinke und die Linke von einer Raserei der gegenseitigen Anklagen und Selbstanklagen erfaßt. Das Gesetz Fabius-Gayssot wurde in Frage gestellt, außer von den linientreuen Kommunisten Jean-Claude Gayssot und Charles Lederman. Eine große Zahl von Politikern haben sich zu Wort gemeldet, wobei die meisten darauf bedacht waren, die Revisionisten zu beschimpfen, die wie üblich des Rechts beraubt sind, auf die Woge von Angriffen und Verleumdungen zu antworten, die auf sie niederprasselt. Die Wortführer der jüdischen Gemeinschaft haben wieder ihr Lied vom Wiederauftauchen des unreinen Tieres angestimmt; sie haben ihrem Zorn Ausdruck verliehen, jenem Gefühl also, in dem zu leben ihnen anscheinend gefällt.

Eine positive Konsequenz:
Das Geständnis Jacques Baynacs

Jacques Baynac, 57 Jahre alt, ist ein orthodoxer, linksgerichteter Historiker. Er ist der Verfasser von Ravachol et ses compagnons (1976), Mai [1968] retrouvé (1978), Les Socialistes révolutionnaires russes (1881-1917) (1979), La Révolution gorbatchévienne (1988). Als seit jeher überzeugter Antirevisionist hat er mit der Historikerin Nadine Fresco zusammengearbeitet, wobei er soweit ging, mit ihr zusammen in den Spalten von Le Monde insbesondere R. Faurisson und P. Guillaume anzuprangern. Ich erinnere mich an eine persönliche Auseinandersetzung, die ich im Oktober 1980 in Paris mit ihm hatte.

Doch am 2. und 3. September veröffentlichte die Lausanner Zeitung Le Nouveau Quotidien eine von ihm stammende lange, sehr kenntnisreiche, gewissermaßen im Lichte der Affäre Garaudy/Abbé Pierre entstandene Studie über den Revisionismus. J. Baynac behauptet darin, die Revisionisten, die er »Negationisten« nennt, hätten allen Grund, sich über diesen Skandal zu freuen, der »die Atmosphäre zu ihren Gunsten geändert« hat. Er stellt fest, daß bei den Widersachern der Revisionisten »die Ratlosigkeit auf die Bestürzung« gefolgt ist, daß Pierre Vidal-Naquet »untröstlich«, Bernard-Henri Levy »rasend«, Pierre-André Taguieff »entsetzt« ist und daß die Historiker es seit dem Beginn der "Affäre Faurisson" in den Jahren 1978/1979 vorgezogen haben, sich zu drücken: Sie »haben gekniffen«. Er wirft diesen Historikern vor, Jean-Claude Pressac, einem Apotheker und »Amateurhistoriker«, ihr Vertrauen geschenkt zu haben. Er vertritt die Ansicht, um die Existenz der Gaskammern zu beweisen, habe man allzu großes Gewicht auf Zeugenaussagen gelegt, was »unwissenschaftlich« sei. Was die wissenschaftlichen Beweise betrifft, erinnert er zunächst an das im Jahre 1988 abgelegte Geständnis des jüdisch-amerikanischen Historikers Arno Mayer: »Die Quellen, über die wir zum Studium der Gaskammern verfügen, sind zugleich rar und unzuverlässig.« Anschließend wagt er sich noch weiter auf die Äste hinaus und meint, man müsse die Ehrlichkeit aufbringen, zuzugeben, daß es an Dokumenten, Spuren oder anderen materiellen Beweisen für die Gaskammern schlicht und einfach… nichts gibt! Er meint schließlich, die Historiker sollten sich künftig bemühen, einen anderen Weg zu begehen: Da es eindeutig unmöglich ist, die Existenz der Gaskammern zu beweisen, schlägt J. Baynac vor, die Historiker sollten versuchen zu beweisen, daß ihre Nichtexistenz unmöglich sei!

Diese Stellungnahme ist für die Kenner der Materie nicht wirklich neu. Seit mehreren Jahren haben die orthodoxen Historiker ähnliche Äußerungen von sich gegeben oder haben sich so verhalten, als versuchten sie, das Bleigewicht der Gaskammern abzustreifen. Aber es ist wahrscheinlich das erste Mal, daß ein orthodoxer Historiker öffentlich Geständnisse von solcher Freimütigkeit ablegt (zu den Einzelheiten vgl. den zweiten Beitrag von Robert Faurisson in diesem Heft).

Eine harte Lektion, ein Fortschritt

Zwei Männer in den Achtzigern, die glaubten, das Leben und die Menschen zu kennen, haben plötzlich, und mit kindlichem Erstaunen, entdeckt, daß ihre bisherige Existenz alles in allem leicht gewesen war. Beide sahen sich im Zeitraum einiger weniger Tage einer außergewöhnlichen Prüfung ausgesetzt: Jener nämlich, welche die Judenorganisationen Menschen aufzuerlegen pflegen, die das Unglück haben, ihren Ingrimm zu erwecken. Es liegt da seitens dieser Organisationen weder ein Komplott noch eine Verschwörung vor, sondern ein althergebrachter Reflex. Die Medien, die ihnen voll und ganz zu Willen sind und die es teuer zu stehen kommen kann, sie zu brüskieren, lassen sich leicht gegen die "Antisemiten" mobilisieren, d.h. gegen Personen, die, von Ausnahmen abgesehen, die Juden nicht hassen, sondern von diesen gehaßt werden. Der alttestamentarische Haß ist eine der furchtbarsten Formen von Haß, die es gibt: Er ist aus Angst geboren, fieberhaft, rasend und grenzenlos und überwältigt seine Opfer durch die Plötzlichkeit seines Aufflammens und die Dauerhaftigkeit seiner Intensität. Er ist unauslöschlich, weil jene, die ihn empfinden, sich nicht erlauben können, seinen wahren Grund zu enthüllen und so ihre Wut wenigstens teilweise zu mildern. Beispielsweise zog man monatelang gegen Garaudy wegen seiner "verharmlosenden" Schätzung der Zahl der während des 2. Weltkriegs umgekommenen Juden vom Leder. Aber das war nur ein Vorwand. Der wahre Grund lag woanders; er lag im blasphemischen Zweifel an der Existenz der Gaskammern. Hätte man diesen Zweifel allerdings bekanntgegeben, so hätte man riskiert, ihn in der Öffentlichkeit zu erwecken oder zu steigern. Darum sah man sich gezwungen, die Aufmerksamkeit auf ein anderes Gebiet zu lenken. Schon am 27. April schrieb ich:

»Ich bemerke bisher die Scheue, um nicht zu sagen das fast völlige Schweigen, der Journalisten zum Thema der Gaskammern. Alle hätten doch auf der Stelle den tiefen Skeptizismus Garaudys in dieser Frage anprangern müssen. Aber das ist gerade das Charakteristische am Tabu: Jene, denen die Aufgabe obliegt, es zu bewahren, wagen noch nicht einmal zu enthüllen, daß es verletzt worden ist. Garaudy ist bis ins Allerheiligste vorgedrungen und hat festgestellt, daß das Tabernakel, welches angeblich die magische Gaskammer enthielt, leer war. Schweigen wir die Nachricht tot!«

Diese vom 27. April datierende Bemerkung behielt während der ganzen folgenden Monate ihre Gültigkeit bei.

Was den Abbé Pierre betrifft, so spielte man dasselbe Theater. Man wetterte gegen seinen angeblichen Antisemitismus und gegen die Sturheit, mit der er einen alten, auf Abwege geratenen Freund verteidigte: In Wirklichkeit bestand sein Verbrechen darin, daß er… eine Debatte verlangte, und zwar beharrlich und naiv. Durch sein Verhalten enthüllte der alte Mann vor der Öffentlichkeit, daß es eben keine Debatte gab, und außerdem versetzte er die Historiker, die Journalisten und die Verantwortlichen der Judenorganisationen in die unbequemste aller Positionen: Sie mußten erbärmliche Ausreden schmieden, um einer Debatte zu entfliehen, die sie offensichtlich wie die Pest fürchteten.

R. Garaudy und Abbé Pierre hatten eine hohe Meinung von sich selbst; ihre Schriften oder ihre Aussagen strotzen vor falscher Demut; sie sprechen ein wenig zuviel vom Herzen, von ihrem Herzen; sie behaupten gerne, "vom Absoluten ergriffen" zu sein, was ein wenig viel ist, und bezeichnen sich als "von derselben Leidenschaft für die Wahrheit" beseelt, was anmaßend ist. Im hier geschilderten Fall sind sie mit der Wahrheit nicht eben zimperlich umgesprungen.

Die plötzliche Prüfung, die sie an ihrem Lebensabend über sich ergehen lassen mußten, sollte sie zu größerer Bescheidenheit anregen. Um einen Ausdruck aus der Umgangssprache zu verwenden: Sie haben "schlappgemacht". R. Garaudy führt seinen Kampf anerkennenswerterweise fort, aber er darf ihn nicht mehr als Kampf für die ganze Wahrheit bezeichnen, denn aus Angst und aus Opportunismus ließ er sich dazu bringen, den Kampf für die historische Wahrheit über das, was er in seinem Buch den »Mythos vom Holocaust« genannt hat, je nach Situation stark abzuschwächen oder völlig aufzugeben. Was Abbé Pierre betrifft, so hat er seine Würde voll und ganz geopfert. Persönlich kann ich beiden nicht wirklich grollen, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie kostspielig es ist, sich mit den Kräften des Hasses, der Lüge oder der Dummheit auf dem begrenzten Feld der historischen Forschung anzulegen. Aber ich bedaure, daß die Affäre Garaudy/Abbé Pierre schließlich diese Wendung genommen hat. Ich bedaure es für die beiden Protagonisten und für die französischen Revisionisten, obgleich für den Revisionismus selbst diese Affäre trotz allem einen neuen Fortschritt auf weltweiter Ebene bei der Suche nach der geschichtlichen Wahrheit gebracht hat.

So sah sich zum ersten Mal seit 1945 ein orthodoxer Historiker gezwungen, einzuräumen, daß es keinen Beweis für die Existenz der angeblichen Nazigaskammern gibt.


BIBLIOGRAPHIE


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), S. 9-18.


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