Vor 25 Jahren: Ein anderer Auschwitzprozeß
Baumeister von Auschwitz in Wien vor Gericht

Von Dipl.-Ing. Michael Gärtner


Dejaco und Ertl

Walter Dejaco (links) und Fritz Ertl (rechts): Die Baumeister der Krematorien von Auschwitz-Birkenau. Dank eines Sachgutachtens wurden sie freigesprochen.

Vor dem Landesgericht für Strafsachen in Wien fand zwischen dem 18.1. und dem 10.3.1972 unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrats Dr. Reisenleitner der Strafprozeß gegen Walter Dejaco und Fritz Ertl statt.[1] Beide Angeklagte waren im Krieg Offiziere der Waffen-SS und als solche zeitweise während des Bestehens des Lagers Auschwitz-Birkenau in der dortigen Bauleitung führend am Entwurf, der Errichtung und Wartung der Krematorien beteiligt. Da nach heute offiziell gültiger Geschichtsschreibung diese Gebäude dem Massenmord an den europäischen Juden gedient haben sollen, wurde beiden Angeklagten seitens der Staatsanwaltschaft der Vorwurf gemacht, zumindest mittelbar an der Planung und Durchführung dieses Verbrechens beteiligt gewesen zu sein.
Die Prozeßakten sind angeblich im Wiener Landesgericht nicht mehr greifbar. Anhand von Zeitungsmeldungen während dieses Verfahrens soll jedoch ein kurzer Rückblick versucht werden.
Nach diesen Berichten zu urteilen, fügt sich dieses Verfahren bezüglich der äußeren Umstände in die Reihe der anderen Prozesse um tatsächliche oder nur angebliche NS-Gewaltverbrechen ein, wie sie von Köhler beschreiben wurden:[2]

Im Gegensatz zu vielen anderen NSG-Verfahren war das Interesse der Öffentlichkeit an diesen Prozessen relativ gering. So hat offenbar die Wiener Zeitung Die Presse gar nicht über ihn berichtet, und die Verhandlungen selbst fanden vor überwiegend leeren Rängen statt.[11]
Einige interessante Aussagen von Presse, Angeklagten, Zeugen und des Gerichts seien zusätzlich erwähnt:
Diese letzte Meldung ist insofern interessant, als sie ein Hinweis darauf ist, daß die von revisionistischer Seite oft vorgetragene Behauptung, vor Strafkammern werde nie ein Sachbeweis erhoben, falsch ist. Zumindest in diesem Verfahren wurde ein Bausachverständiger um seine Expertise gebeten. Nach dessen Aussage dem Autor dieses Beitrages gegenüber hatte der Bausachverständige in jenem Verfahren über mehr zu befinden als über die Übereinstimmung der Originalpläne mit den Kopien, die der Staatsanwaltschaft zur Verfügung standen. Er hatte im wesentlichen zwei Fragen zu beantworten:
  1. Ist den Plänen zu entnehmen, daß es sich um Gaskammern gehandelt hat? Seine Antwort darauf lautete: Nein.

  2. Konnten die Angeklagten den Plänen entnehmen, daß man später daraus Gaskammern machen könnte? Auch darauf lautete die Antwort: Nein.

Walter Dejaco und Fritz Ertl wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt kündigte zwar Berufung an,[19] berief aber nachfolgend nicht. Trotz Protesten kam es zu keinen weiteren Maßnahmen gegen die Freigesprochenen.
Im Wiener Auschwitzprozeß gab ein renommierter Bausachverständiger ein Gutachten ab. Der Sachbeweis ergab keinen Hinweis auf Massentötungen mittels Giftgas.
Frage: Ist deswegen der Akt des hier beschriebenen Verfahrens unauffindbar?


Anmerkungen

[1]Az. 20 Vr 6575/72 (Hv56/72).
[2]M. Köhler, "Der Wert von Aussagen und Geständnissen zum Holocaust", in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 61-98.
[3]Kurier, 19.1.1972.
[4]Wiener Zeitung, 19.1.1972.
[5]Kurier, 27.1.1972, Wiener Zeitung, 4.2.1972.
[6]Wiener Zeitung, 26.1.1972.
[7]ebenda, 29.1.1972.
[8]ebenda, 10.3.1972.
[9]ebenda, 19. & 20.1.1972.
[10]ebenda, 22.1.1972.
[11]Kurier & Wiener Zeitung, 19.1.1972.
[12]Kurier, 18.1.1972; Wiener Zeitung, 19.1.1972.
[13]Wiener Zeitung, 19.1.1972.
[14]ebenda, 20.1.1972.
[15]Vgl. J.C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz, Piper, München 1994, Anhang.
[16]Wiener Zeitung, 11.2.1972.
[17]ebenda, 10. & 23.2.1972.
[18]Niederösterreichisches Volksblatt, 2.3.1972.
[19]Wiener Zeitung, 11.3.1972.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), S. 24f.
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