»Prawda«: Der Holocaust ist ein Mythos

Von Andres W. Studer

Prawda

Laut dem Zentralorgan der russischen KP ist es an der Zeit, dem »Gerede von den besonderen Leiden der Juden ein Ende zu bereiten

In Rußland hat Geschichtsrevisionismus seit Jahren Hochkonjunktur. Die stärksten Emotionen hat Viktor Suworow (Der Eisbrecher, Der Tag M) mit seiner These ausgelöst, beim deutschen Einmarsch in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 habe es sich um einen Präventivschlag gegen einen seinerseits zum Angriff entschlossenen Gegner gehandelt; der Verantwortliche für den deutsch-sowjetischen Krieg sei also nicht Hitler, sondern Stalin gewesen. Bei der Diskussion des ersten Suworow-Buches überwogen noch die ablehnenden Stimmen, doch niemandem wäre es in den Sinn gekommen, das Verbot des Werkes zu fordern und die Befürworter der Suworow-Thesen vor Gericht zu stellen. Eine derart schamlose Einmischung von Politik und Justiz in die freie Geschichtsforschung gibt es in Rußland nicht, sondern lediglich in einigen "Demokratien" des Westens, nämlich Frankreich, Österreich und der BRD. Auch in der Schweiz ermittelt die Staatsanwaltschaft Baden seit nun bald zwei Jahren aufgrund eines nebulös formulierten "Antirassismusgesetzes" gegen den Würenloser Verleger Gerhard Förster und den Buchautor Jürgen Graf; weitere Verfahren wurden gegen A. Vogt, A. Ferraglia, G.-A. Amaudruz und E. Indlekofer eingeleitet, denen ebenfalls Abweichungen vom polizeilich vorgeschriebenen Geschichtsbild vorgeworfen wird. Dergleichen totalitäre Erscheinungen sind Rußland heute fremd; Revisionisten aller Couleur riskieren dort – wie es in einer offenen Gesellschaft normal ist – zwar Kritik, aber keine staatliche Verfolgung.

Unbekannt war in Rußland bis vor kurzem der Holocaust-Revisionismus; auch die patriotischen und antizionistischen Kräfte griffen das Thema nie auf. Das ist seit dem Herbst 1996 anders.

In einer Sonderausgabe (Nr. 32-34, 1996) veröffentlichte die nationalistische Zeitung Russkij Vjestnik (Der russische Bote) auf sechzehn Seiten einen Text des schweizer Revisionisten Jürgen Graf, der den Titel »Der Mythos vom Holocaust. Die Wahrheit über das Schicksal der Juden im 2. Weltkrieg« trug. Die Arbeit liegt noch nicht in deutscher Sprache vor, wird aber demnächst von VHO als Buch verlegt werden. Eingeleitet und kommentiert wurde der Aufsatz von Dr. Oleg Arkadijevitsch Platonov, dem Verfasser des zweibändigen Werkes Ternovij Vinjez Rossii (Rußlands Dornenkranz), das die Hintergründe der bolschewistischen Schreckensherrschaft in der UdSSR (1917-1953) beleuchtet und klar darlegt, welcher ethnischen und religiösen Minderheit die Henker des russischen Volkes größtenteils angehörten.

Bis Ende Januar 1997 war die betreffende Sonderausgabe von Russkij Vjestnik 200.000 mal verkauft; sie soll demnächst auch in Buchform erscheinen. Die Übersetzung weiterer holocaustrevisionistischer Werke ins Russische ist in Vorbereitung, da das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Thema überwältigend ist. Auch Roger Garaudys revisionistisches (im Jargon unserer Medien: "holocaustleugnendes") Werk Les mythes fondateurs de la politique israélienne findet in Rußland reißenden Absatz.

In ihrer Ausgabe vom 24. Januar 1997 wandte sich die Prawda dem Thema zu. An jenem Tag erschien im Organ der russischen KP aus der Feder Valentin Prussakovs unter dem Titel »Jevrei u istokov nazisma« (Juden an der Quelle des Nazismus) ein Beitrag, der sich hauptsächlich mit der Zusammenarbeit zwischen Nationalsozialisten und Zionisten befaßt, jedoch auch auf den Holocaust einging und sich dabei ausdrücklich auf die Sonderausgabe von Russkij Vjestnik bezog. Wir zitieren Auszüge des betreffenden Abschnittes:

Man soll nicht mit Pistolen auf die Vergangenheit schießen, denn sonst kommen Kanonenkugeln zurück.

General Alexander Lebed, wahrscheinlich zukünftiger russischer Präsident, Eintrag in das Gedenkbuch der Gedenkstätte des KZ Dachau

laut Süddeutsche Zeitung, 20.1.97.

»Es ist schwierig, nicht mit der Ansicht des russischen Historikers Oleg Platonovs übereinzustimmen, der […] schreibt: "Der Mythos vom Holocaust beleidigt die Menschheit, denn er stellt das jüdische Volk als Hauptopfer des vergangenen Krieges hin, obgleich die Juden tatsächlich nicht mehr, sondern weniger gelitten haben als andere Völker, die in den mörderischen Krieg hineingerissen wurden. […] Die Menschheit bezahlte für diesen Krieg mit 55 Millionen Menschenleben, wobei die wirkliche – nicht die mystifizierte – Zahl der jüdischen Opfer nicht 6 Millionen betrug, sondern ca. 500.000, wie die Berechnungen von Spezialisten zeigen. […] Der Mythos vom Holocaust beleidigt [auch] das Andenken der Millionen von Russen, welche der Neuen Weltordnung zum Opfer gefallen sind"

Offensichtlich ist es an der Zeit, dem Gerede von den "besonderen Leiden des jüdischen Volkes" ein Ende zu bereiten«

Soweit die Prawda vom 24. Januar 1997. Wir warten nun gespannt darauf, ob die auf die Verfolgung des Revisionismus spezialisierten Beamten wie H. Klein (Mannheim), S. Kalt (Schweiz) und H. Stephan (Frankreich) Ermittlungen gegen die Prawda und ihren Mitarbeiter Valentin Prussakov einleiten und Moskau um Rechtshilfe ersuchen werden.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), S. 40f.


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