Revisionisten haben Luftüberlegenheit

Von Dr. Myroslaw Dragan

Novoje Russkoje Slowo (Das Neue Russische Wort) nennt sich das älteste und einzige in New York täglich erscheinende Blatt, das die 1.000.000 Seelen starke Gemeinde russischsprachiger Juden in den USA und in der Welt mit Nachrichten versorgt. Es ist in den letzten Jahren nach der Wochenzeitung Jewish World zum zweitwichtigsten Presseorgan der jüdischen Diaspora geworden. Es ist nun etwa 2½ Jahre her, daß sich diese russisch-jüdische Zeitung mit den Argumenten des Holocaust-Revisionismus intensiv auseinandersetzte. Vom 26. Februar bis 29. Februar 1995 brachte Das Neue Russische Wort in drei Fortsetzungen eine 9.000 Worte umfassende Abhandlung, wobei jede dieser drei Fortsetzungen eine der großen Seiten dieser Zeitung fast zur Gänze füllte. Dieser nüchterne, auf Tatsachen beruhende Aufsatz, ohne Schmähungen und Falschdarstellungen geschrieben wie man sie aus schriftlichen Darstellungen von führenden Anti-Revisionisten wie Prof. D. Lipstadt kennt (Betrifft: Leugnen des Holocaust, Rio Verlag, Zürich 1994), erklärte genau und ausführlich verschiedene revisionistische Argumente sowie auch die von Anti-Revisionisten wie zum Beispiel Abraham Foxman.

Unter anderem wird von dem anonymen Verfasser (Pseudonym Y. Manin) Prof. Raul Hilberg wie folgt zitiert:

»Die Nazis haben aus menschlichem Fett keine Seife hergestellt und ihre Opfer nicht mit Dieselgas getötet. All diese Gerüchte wurden 1942 verbreitet, doch wir haben die Pflicht, diese Gerüchte und Fälschungen gründlich von den Tatsachen und der Wahrheit zu trennen. Kleine Lügen liefern den Leugnern Stoff gegen uns.«

Y. Manin fährt anschließend fort:

»Dieses Bekenntnis stammt von dem am höchsten anerkannten und geachteten Holocaustgelehrten und nicht von einem haßverbreitenden Antisemiten. Wenn Juden den "Revisionisten" eine Leugnung in Bausch und Bogen vorwerfen, geißeln und verunglimpfen sie damit andere [achtbare] Juden [wie Hilberg]. Diese Antirevisionisten lehnen es ab, auf Tatsachen zu hören, die von ihren eigenen achtbaren Historikern vorgebracht werden, weil sie Angst vor der Diskussion haben. Das erzeugt den folgenden Teufelskreis: jüdische Führer und Gelehrte wollen wohl an der revisionistischen Debatte teilnehmen, weigern sich aber, das zu tun, weil dies revisionistisches Gedankengut zu legitimieren hieße und ein großer Triumph für die Antisemiten sein würde – etwas, wonach die Antisemiten verlangen. Andererseits – erzwungenes Stillschweigen und eine umfassende Verurteilung und Verunglimpfung aller revisionistischen Argumente, gefolgt von der Veröffentlichung [antirevisionistischer] Bücher, welche die veralteten [unrichtigen und ungenügenden] Argumente enthalten – führen nicht allein dazu, das die Revisionisten die Initiative ergreifen, sondern verschafft ihnen auch, bildlich gesprochen, die "Luftüberlegenheit" [hospodstwo w wosduche]

Der Verfasser hat sich den Ausdruck "Luftüberlegenheit" (»air superiority«) aus dem amerikanischen militärischen Wortschatz geliehen, was in diesem Fall den intellektuellen Sieg der Revisionisten bedeutet. So geißelt der jüdisch-russische Verfasser auf Grund seiner Erfahrung als Emigrant das Versäumnis der Diaspora, den Antisemitismus zu bekämpfen (auch wenn dieser nicht mit der Erforschung des Holocaust zusammenhängt). Aus seiner sowjetischen Erfahrung spielt er darauf an, daß die Unterdrückung der Debatte über den Holocaust nach hinten losgehen wird, genau wie die Unterdrückung des Denkens der Dissidenten durch den KGB in der Sowjetunion nach hinten losging. Die Anspielung weist darauf hin, daß die Unterdrückung der Dissidenten diese nicht nur nicht zum Schweigen brachte, sondern im Gegenteil in der Gesellschaft größeres Interesse an ihren Ideen erzeugte – als Folge der natürlichen Faszination verbotener Früchte. Der Verfasser schließt seinen langen Artikel mit der Feststellung, daß die jetzigen Maßnahmen gegen den Holocaust-Revisionismus völlig unwirksam sind und unterbreitet den Vorschlag, weltweit einen Wettbewerb einzuführen, um den Versuch zu machen, bessere Lösungen zu finden. Mit unterbewußtem Zittern schließt der Verfasser seinen Artikel wie folgt ab:

»Diese Lösungen werden dem Holocaust-Revisionismus Paroli bieten. Sie müssen es!«

Das Neue Russische Wort

Das Neue Russische Wort gesteht offen ein: Die Revisionisten haben die Luftüberlegenheit; Dieselabgase taugen nicht zum Massenmord! Hier die Ausgabe vom 28.2.1995: »Weltanschauung Holocaust« (Proverka Katastrofoy)


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(3) (1997), S. 138.
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