Abraham Bomba, der Friseur von Treblinka

Von Bradley R. Smith*

Nun habe ich den ganze 91/2 Stunden umfassende Dokumentarfilm Shoah gesehen, der vorgibt, eine »mündliche Geschichte der Holocaust« zu sein (»An Oral History of the Holocaust«). Claude Lanzmann, der zugleich Produzent, Regisseur und Erzähler ist, vermarktet den Film nun auch. Zeitungsmeldungen entnahm ich, daß Lanzmann ein assimilierter französischer Jude ist, der weder hebräisch noch jiddisch spricht. Er ist zur Zeit 60 Jahre alt. Als er 1970 anfing, sich dem Filmemachen zuzuwenden, hatte er bereits viele Jahre lang als Journalist zusammen mit Jean Paul Satre für die Monatszeitschrift Les Temps Modernes gearbeitet.

Somit arbeitete Claude Lanzmann 25 Jahre lang im Auge des intellektuellen Sturms, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über Frankreich hereingebrochen war. Als Journalist hat er während dieser 25 Jahre sicherlich gelernt, wie man professionelle Interviews führt. Er hat durch seine Verbindungen mit Satre, de Beauvoir, Camus und all jenen, die diese große Triade kritisierten, bestimmt gelernt, wie man einen Gedankengang weiterspinnt, zumal wenn man seine hochintellektuellen Freunde bedenkt. Es öffnet einem daher wahrlich die Augen zuzusehen, wie Lanzmann seine intellektuelle Korrumpiertheit in diesem Film, der nach seinen Angaben 10 Jahre bis zu seiner Fertigstellung brauchte, Szene für Szene offenlegt.

Mein Lieblingsinterview in Shoah ist das mit Abraham Bomba, dem Friseur von Treblinka. Und ich bin nicht allein in meiner Zuneigung zu Bomba. Viele Kritiker haben seinen Auftritt kommentiert. Er wurde wütend besprochen. George Will von ABC Television schrieb zum Beispiel in der Washington Post, daß Bombas Erzählung »die phänomenalste Episode des ganzen erschütternden Films« sei (»the most stunning episode in this shattering film«).

Einige Augenzeugen angeblicher Gaskammerschrecken berichten Geschichten, die derart unglaubwürdig sind, daß sie ohne weiteres verworfen werden können. Andere wiederholen Geschichten, die nicht so einfach als falsch abgewiesen werden können, die aber die Charaktere in den Erzählungen als derart wehleidig und schamlos darstellen, daß man schon vom bloßen Zuhören peinlich berührt ist. Bomba ist eine wichtige Figur in der Szene der Augenzeugen der Holocaustüberlebenden, da er beide genannte Charaktere in sich vereinigt.

Nach den Angaben Bombas war er bereits vier Wochen in Treblinka interniert gewesen, als die Deutschen bekanntgaben, daß sie für eine Sonderaufgabe einige Friseure suchten. Bomba meldete sich - natürlich - freiwillig und half der SS, 16 weitere Friseure unter den Häftlingen auszumachen. Sie wurden alle in das zweite Teil des Lagers gebracht, in dem sich angeblich die Gaskammern befanden. Sie wurden in die Gaskammer geführt, wo ein Kapo (fast immer ein Jude) erklärte, daß die 17 Friseure den zur Vergasung ankommenden Frauen die Haare scheren mußten. Lanzmann frug Bomba bezüglich der größten Mordwaffe aller Zeiten, der deutschen Menschen-Giftgaskammer, folgendes:

Lanzmann: »Wie sah sie aus, die Gaskammer?«

Bomba: »Es war kein großer Raum, etwa zwölf mal zwölf Fuß.«[1] [etwa 4 m × 4 m, 16 m2]

Und das war's! Claude Lanzmann ist fertig mit seiner tiefgehenden Untersuchung, wie die Gaskammer von Treblinka aussah. Man kann es nicht fassen. Mir wären an Lanzmanns Stelle ein paar Fragen mehr darüber eingefallen, »wie sie aussah«. Insbesondere dann, wenn mich der Bericht emotional berühren würde, weil womöglich eine Million meiner Glaubensgenossen darin ausgerottet worden sind. Vielleicht hätte ich von Bomba wissen wollen, aus welchem Material die Wände und das Dach der Gaskammer gebaut waren. Wie würde Bomba das Lüftungssystem beschreiben? Wie und genau wo trat das Gas in die Gaskammer ein? Vielleicht konnte sich Bomba daran erinnern, ob der Raum beleuchtet war oder nicht. Wenn ja, wie? Woraus waren die Türen gemacht? Wie waren sie abgedichtet, damit das Giftgas nicht entweichen konnte? Da sich die Historiker nicht darum kümmerten, solche Fragen zu stellen, hätte Lanzmann deren Arbeit tun können. Er hätte das große Geheimnis des 20. Jahrhunderts lüften können: Wie sahen sie denn nun wirklich aus, die legendären Nazi-Gaskammern?

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Abraham Bomba, der Friseur von Treblinka, hier während seines Interviews zu Claude Lanzmanns Film Shoah in Tel Aviv (VHS-Video).

Zur Überprüfung, ob Bomba mit seiner Aussage, er habe in Treblinka eine Gaskammer gesehen, ehrlich ist, vergleiche man Rachel Auerbachs Beschreibung dieser angeblichen Gaskammer in ihrem Buch The Death Camp Treblinka.[2] In diesem umfassendsten aller Bücher über dieses Lager wurde Frau Auerbach ein Ehrenplatz gegeben. Da sie ein ständiges Mitglied der Forschungsabteilung des Jerusalemer Yad Vashem Holocaust Museums war (sie starb 1976), sollte man ihre Beschreibung der Gaskammer nicht einfach von der Hand weisen:

»Der Boden der Gaskammer war abschüssig und rutschig. Die Ersten würden ausrutschen und nie mehr wieder aufstehen. Die Nachfolgenden würden über sie drüber purzeln. [...] Etwa 25 bis 45 Minuten später [nach Beginn der "Vergasung"] konnten die Rutschen auf der anderen Seite geöffnet werden, und die Leichen fielen heraus.«

Es scheint so, als habe Bomba während seines Interviews für den Film Shoah vergessen, wie rutschig der Fußboden in seiner kleinen Gaskammer war. Es scheint, daß er vergaß, wie steil der Boden in Richtung der Rutschen abfiel. Tatsächlich vergaß Herr Bomba die Rutschen überhaupt zu erwähnen. Wenn Lanzmann die Literatur auch nur oberflächlich gelesen hätte, wäre ihm bewußt gewesen, daß Bomba in seiner Geschichte ein paar Dinge übergeht. Da Lanzmann angibt, er habe 10 Jahre für Shoah gearbeitet, schätze ich, daß er Auerbachs Beschreibung der Treblinka-Gaskammer zwar kannte, es aber für besser hielt, sie zu übergehen.

Nachdem Lanzmanns Neugier bezüglich des Aussehens der Gaskammer befriedigt worden war (»kein großer Raum«), wollte er jedenfalls wissen, was als nächstes passierte:

Lanzmann: »Können Sie das genau beschreiben?«

Bomba: »Genau beschreiben [...] Wir warteten da [...] in der Gaskammer [...] bis der Transport kam. Frauen mit Kinder wurden in den Raum gestoßen [...] Sie waren entkleidet, nackt, ohne Kleider, ohne irgend etwas - völlig nackt - weil sie von den Auskleidebaracken kamen [...] wo sich sich selbst ausgekleidet hatten.«

Lanzmann: »Was fühlten Sie, als Sie zum ersten Mal all diese nackten Frauen sahen?« [so etwas nennt man Holo-Pornographie]

Bomba: »Ich fühlte, daß ich gemäß dem, was sie [die Deutschen] mir sagten, zu handeln hatte, nämlich ihre Haare zu schneiden [...].«

Hier haben wir auf engstem Raum die Art und Weise, wie die Augenzeugen der Gaskammer-Greuel typischerweise ihr Verhalten beschreiben. Sie taten, was immer die Deutschen oder sonst jemand verlangte. Wenn verlangt wurde, daß sie ihre Glaubensgenossen, ja sogar ihre eigenen Familien, wie wir bald sehen werden, für die Ausrottung, den Völkermord oder was auch immer vorbereiten sollten, meinen diese Burschen, sie wären immer sofort dabei gewesen. Ich glaube ihnen nicht, aber derart sind die Persönlichkeiten, für die sie sich entschieden und die sie der ganzen Welt groß vorführen. In der Gegend, in der ich aufwuchs, hätte man auf Männer gespuckt, die sich verhalten hätten, wie Bomba behauptet, sich verhalten zu haben. In der auf dem Kopf stehenden Welt der Holocaust-Überlebenden aber werden die Abraham Bombas als Märtyrer und sogar Helden angesehen. Dies ist eine sonderbare psychologische Einstellung gegenüber mannhaftem Verhalten.

Lanzmann zeigte ein wenig mehr Neugierde für die Art und Weise, mit der Bomba die Haare seiner Opfer[3] schnitt, als er für das Aussehen der Gaskammer hatte. Er fragte, ob Bomba sie rasierte, ob er Scheren benutzt habe und ob ihm in der Gaskammer Spiegel zur Verfügung standen. Bomba meint, daß er die Frauen nicht rasierte und daß die Deutschen den Friseuren keine Spiegel zur Verfügung stellten:

Lanzmann: »Es gab dort keine Spiegel?«

Bomba: »Nein, da waren keine Spiegel. Da waren nur Bänke - keine Stühle, nur Bänke [...]«

Hier nun einige Anmerkungen. Gemäß Bomba haben die Deutschen Bänke in der kleinen Gaskammer aufgestellt, damit die Damen sich mit ihren Kindern darauf setzen konnten. Es wird nicht erwähnt, wieviele Bänke es waren. Es könnten 17 gewesen sein, aber Bomba hätte wahrscheinlicher von vier, fünf oder vielleicht von einem halben Dutzend gesprochen - wenn Lanzmann ihn nur gefragt hätte. Zwei oder mehr Damen hätten mit ihren Kindern auf jeder Bank sitzen können. Wie auch immer man es dreht, es wird eng: 17 Friseure, Bänke für 17 zu Scherende und die 17 Frauen mit ihren Kindern, alle waren zusammen in der Gaskammer, die so groß war wie ein kleines Zimmer - und das Haar flog. Aber wir sind noch nicht fertig:

Lanzmann: »Sie sagten, Sie waren ungefähr 16 Friseure? [Lanzmann hat vergessen, daß Bomba der siebzehnte war] Wievielen Frauen schnitten sie auf einmal das Haar?«

Bomba: »An einem Tag hatten wir, würde ich sagen, gingen in diesen Raum zwischen sechzig und siebzig Frauen zur gleichen Zeit in diese Kammer.«

Vielleicht glauben Sie, Claude Lanzmann würde Zweifel darüber äußern, wie Bomba ihm die Szene ausmalt. Sechzig bis Seibzig nackte Frauen, 17 scherende Friseure und einige Bänke in einem 16 m2-großen Raum. Aber Lanzmann äußert an nichts Zweifel, was ihm von einem Überlebenden erzählt wird. Lanzmann ist ein Holocaust-Fundamentalist. Die Rolle eines Fundamentalisten in jedem Kult ist es, die Aussagen jener als absolute Wahrheit hinzunehmen, die behaupten, dem heiligen Ereignis als Augenzeuge beigewohnt zu haben. Wenn die Geschichte erst einmal lanciert ist, können die elegantesten Geister endlos und im guten Glauben daran herumarbeiten.

Vor zweitausend Jahren glaubten einige Juden fest daran, daß der Sohn Gottes ans Kreuz genagelt und hingerichtet wurde, und daß er aus seinem Grab auferstand und von diesem Planeten hinweg in die Himmel entschwebte. Diese Offenbarung war ein absoluter Hit. Nun haben wir überall Juden, die daran glauben, daß Millionen von ihnen in den schröcklichen Gaskammern vernichtet und eingeäschert wurden und daß sie als Rauch gen Himmel stiegen. Diese Geschichte hat alle Eigenschaften, um ebenfalls ein Renner zu werden. Wir Nichtjuden sind aus etwas hartnäckigerem Zeug gemacht. Es brauchte mehr als dreihundert Jahre, bevor die Jesus-Geschichte vom Staat als Wahrheit akzeptiert wurde. In unserer Zeit hat der Staat die Holocaust-Story gleich bei seinem ersten Auftauchen gekauft. Warum die Eile, fragt man sich?

Lanzmann drängte Bomba nachfolgend, etwas näher zu berichten, wie er sich fühlte, als er die Frauen und ihre Kinder für die Vernichtung vorbereitete. Offenbar wollte er mehr hören als Bombas simples »Ich fühlte, daß ich [...] zu handeln hatte [...]

Bomba: »Ich sage Ihnen mal was. Gefühle darüber zu haben [...] Es war sehr schwierig etwas zu fühlen [...] deine Gefühle verschwinden, du warst tot. Du hattest überhaupt kein Gefühl mehr.«

Dies ist eine universelle Antwort von Augenzeugen über die angeblichen Gaskammermorde. Die Behauptung Bombas, daß seine Gefühle »tot« waren, daß er »überhaupt kein Gefühl mehr« hatte, ähnelt der Behauptung von der "temporären Unzurechnungsfähigkeit", die von Mördern benutzt wird, um vor Gericht ihre Verantwortung für ihr Verhalten zu minimieren. Der gewöhnliche Mörder behauptet, daß seine geistigen Fähigkeiten zur Zeit des Mordes derart reduziert waren, daß er für seine Tat nicht verantwortlich sei. Der Augenzeuge der angeblichen Gaskammermorde behauptet, daß seine Aufnahmefähigkeit während seiner Tätigkeit als Glied im Völkermordprozeß derart reduziert gewesen sei, daß er für sein Verhalten nicht verantwortlich sei. Der Mörder war ohne "Verstand", während dem Gaskammer-Augenzeugen die Gefühle fehlten. Wenn Bomba sich selbst als innerlich tot beschreibt, meint er, er könne nicht für schuldig erklärt werden für seine Komplizenschaft am Massenmord. Er kann gleichwohl die Deutschen mit allem Beliebigem beschuldigen - etwa der Teilnahme an Verbrechen, die er ihnen vorwirft. Doch er bleibt für immer unschuldig, wogegen die Deutschen für immer schuldig sind. Was für ein schönes Arrangement!

In dem Film fährt Bomba mit seiner Erklärung fort, wie tot er innerlich war, während er für die SS in Treblinka arbeitete. Er beschreibt, wie er das Haar von Frauen scherte, die er persönlich aus seinem Heimatdorf, aus seiner eigenen Straße kannte: »[...] und einige von ihnen waren meine engen Freunde.« Sie würden Abraham fragen: »Was wird mit uns geschehen?« Doch Abraham hält seinen Mund. Abraham machte nur schnipp, schnipp, schnipp. »Was hätte man ihnen sagen können?« fragte er Lanzmann. »Was hätte man ihnen sagen können?« Schnipp, schnipp, schnipp...

Anschließend berichtet Bomba Lanzmann jene Geschichte, die den Rezensoren von Shoah mehr alles andere auffiel:[4]

Bomba: »Ein Freund von mir arbeitete als Friseur [in Treblinka] - er war ein guter Friseur in meiner Heimatstadt - als seine Frau und seine Schwester in die Gaskammer kamen [...] Ich kann nicht. Es ist zu schrecklich. Bitte.«

Lanzmann: »Wir müssen es tun. Sie wissen das.«

Bomba: (hält Tränen zurück) »Ich kann es nicht tun.«

Lanzmann: (sehr schnell) »Sie müssen es tun. Ich weiß, es ist sehr hart. Ich weiß und ich bitte um Verzeihung.«

Bomba: (kämpfend) »Lassen Sie mich nicht weiter machen, bitte.«

Lanzmann: »Bitte. Wir müssen weiter machen.«

Bomba: (unfähig, seine Tränen zu unterdrücken, verläßt den Schirm für einen Augenblick und kehrt zurück) »Ich sagte Ihnen, daß es sehr schwierig sein würde. Sie taten das [Haar] in Säcke und schickten es nach Deutschland.«

Lanzmann: »Okay, mach weiter. Was war seine Antwort, als seine Frau und seine Schwester herein kamen?«

Bomba: »Sie versuchten, mit ihm und dem Mann der Schwester zu sprechen. Sie konnten ihm nicht sagen, daß dies die letzten Momente ihres Lebens seien, weil hinter ihnen die deutschen Nazis, SS-Männer, waren und weil sie wußten, daß, wenn sie nur ein Wort sagten, nicht nur die Ehefrau und die Schwester, die bereits tot waren, sondern daß auch sie das gleiche Schicksal mit ihnen teilen würden. Auf bestimmte Weise versuchten sie, das Beste für sie zu tun, mit ein paar Sekunden länger, einer Minute länger, mit Umarmen und Küssen, weil sie wußten, daß sie sie niemals wiedersehen würden.«

Um ehrlich zu sein, das sind Geschichten wie ich sie liebe: einfach und unheimlich. Zudem haben wir einige neue Informationen. Zusätzlich zu den 60 bis 70 Frauen und ihren Kindern, den Friseuren und Bänken waren da noch "SS-Männer" in der 16 m2 großen Gaskammer. Wir wissen nicht wieviele, aber da Bomba im Plural spricht, muß er mindestens zwei gemeint haben. Wenn Lanzmann daran gedacht hätte, ihn das zu fragen, hätte Bomba vielleicht gesagt, es seien dort 10 oder 15 SS-Männer gewesen. Und dann haben wir die willkommene Neuigkeit, daß die SS den Friseuren erlaubte, in der Gaskammern bestimmte nackte Frauen zu umarmen und zu küssen. Bomba spricht nur von verheirateten Paaren. Lanzmann hätte fragen könne, wie die SS hätte in der Lage sein können zu bestimmen, welche der nackten Frauen mit welchem der Friseure verheiratet war. Es ist zweifelhaft, daß die nackten Frauen die Gaskammer mit ihren Ehedokumenten betraten. Womöglich hatten die Friseure zuvor die SS gebeten, ihre eigenen Dokumente bei sich behalten zu dürfen für den Fall eines zufälligen Wiedersehens, wie es Bomba behauptet erlebt zu haben? Vielleicht verließen sich die SS-Männer aber auch nur auf das Wort der Friseure, wer mit wem verheiratet war und wer nicht. Wenn sie dies taten, würde dies eine Großzügigkeit seitens der SS offenbaren, die ihr ansonsten von jüdischen Überlebenden nicht zugeschrieben wird.

Man versuche sich die Szenerie vom Standpunkt der Ehefrau aus vorzustellen. Man möge sich vorstellen, was ihr in dem Moment durch den Kopf gegangen sein mag, da sie ihren Gatten erblickte. Die Hoffnung, die sie plötzlich gefühlt haben muß. Und dann ihre Gedanken, als ihr Mann ihre Haare schur, ohne mit ihr zu sprechen. Man stelle sich vor, was sie gefühlt haben muß, als er die Ahnungslose für eine Minute oder so schweigend in den Armen hielt, seine Backe liebevoll auf ihren Skalp gepreßt, um sich dann mit Schere und Kamm dem Nächsten zuzuwenden. Mag seine Frau mit den Fingern über ihren Schädel gefahren sein und gedacht haben: "Ah, ich wußte schon immer, was für ein Mann Du bist. Ein Blödmann, als ich dich geheiratet habe, und ein Blödmann heute."

 

Claude Lanzmann, Meister der filmischen Holocaust-Propaganda und erklärter radikaler Gegner jeder an Fakten orientierten Geschichtswissenschaft.

Man kann über meine Darstellung von Lanzmanns Präsentation von Bombas Aussage selbst einige Betrachtungen anstellen. Man könnte feststellen, daß Rachel Auerbachs Forschungen zwar nahelegen, daß Bomba seine Gaskammer-Geschichte frei erfunden hat, daß man aber behaupten kann, daß Auerbachs akademische Beschreibung der Gaskammer von Treblinka bestehen bleibe. Bombas Ausführungen mögen daher seine eigene Glaubwürdigkeit als Zeuge zerstören, die Gaskammergeschichte von Treblinka selbst aber bleibe, was sie war: eine umfangreich dokumentierte Geschichte einer Waffe, die für die Tötung von etwa einer Million Juden verwendet wurde. Um rasch einen Eindruck von Frau Auerbachs akademischen Instinkt und ihrer unparteiischen Objektivität zu vermitteln, möchte ich aus ihrem berühmten Essay »In the Fields of Treblinka« (Auf den Feldern Treblinkas) zitieren.

Wenn ich derartige Passagen in Rachel Auerbachs Essay lese, muß ich mich immer daran erinnern, daß sie nach dem Kriege »eines der ersten aktiven Mitglieder des Jüdisch-Historischen Komitees in Polen« war sowie nach ihrer Emigration nach Israel ein »ständiges Mitglied des Forschungsstabes des Yad Vashem Holocaust Memorial Museums«. Dieses Essay wurde für wertvoll genug befunden, um 1979 durch die Holocaust Library nachgedruckt zu werden, einer Bücherei, die von Überlebenden gegründet und geleitet wird. Es wird von dem großen jüdischen Verlag Schocken Books vertrieben:

»Das polnische Volk spricht immer noch über die Art, in der aus den Leichen der Juden Seife erzeugt wurde. Die Entdeckung von Prof. Spanners Seifenfabrik in Langfuhr bei Danzig bewies, daß ihre Vermutung wohl begründet war. Zeugen berichten uns, daß bei der Verbrennung der Leichen auf Scheiterhaufen Pfannen unter die Gerüste aufgestellt wurden, um das herabfließende Fett aufzufangen, doch dies wurde nicht bestätigt. Aber selbst wenn die Deutschen es in Treblinka oder in einer anderen Todesfabrik zuließen, daß dieses wertvolle Fett verschwendet wurde, so kann dies nur ein Versehen ihrerseits gewesen sein. Sie waren absolut in der Lage, derartige Dinge zu tun. Es paßte völlig zu ihren Neigungen. Nur die Neuheit dieser Produktionsbranche war schuld an dieser Auslassung. Wenn die Deutschen jemals noch einmal Europa überfallen würden, würden sie diesen Fehler nicht wieder machen.«[5]

Professors Spanners »Seifenfabrik« in Langfuhr nahe Danzing war anscheinend eine Erfindung aktiver Mitglieder des selbsternannten jüdisch-historischen Komitees, basierend auf wichtigtuenden Berichten professioneller Verleumder, und wurde lange Zeit durch den Forschungsstab des jüdischen Holocaust Memorials weltweit am Leben gehalten. Eine Fotografie dieser »Fabrik« ohne Dokumentation erschien in der wissenschaftlichen Encyclopedia Judaica, veröffentlicht in Israel und archiviert in vielen der größeren Bibliotheken der Vereinigten Staaten. Anfang der neunziger Jahre jedoch wurde alles dementiert und als Irrtum hingestellt (Juden lügen bekanntlich nie!)[6]

Doch damit nicht genug. Bei Frau Auerbach lesen wir zudem:

»In Treblinka, wie auch in anderen ähnlichen Lagern, wurden entscheidende Fortschritte in der Vernichtungstechnologie gemacht wie z.B. die neuartige Entdeckung, daß weibliche Leichen besser brannten als männliche.

"Männer brennen nicht ohne Frauen" [...] Frauenleichen wurden benutzt, um das Feuer in den Leichenhaufen anzuzünden [...] Auch Blut stellte sich als erstklassiges Brennmaterial heraus [...] Junges Fleisch brenne schneller als altes [...] mit Hilfe von Benzin und den Leichen fetter Frauen flammte der Leichenhaufen schließlich auf.«[7]

Bedarf es eigentlich einer wissenschaftlichen Beweisführung, daß menschliche Körper, die zu 60-70% aus Wasser bestehen, nicht von selbst brennen (und natürlich erst recht nicht Blut)? Für manche Personen offenbar schon.[8]

Auch über die Funktionsweise der Gaskammer kolportiert Rachel Auerbach technisch Unmögliches. Ihrer Forschung zufolge soll in den Gaskammern von Treblinka vor dem Einlassen der - übrigens zum Massenmord ungeeigneten[9] - Dieselabgase die Luft herausgepumpt (!) worden sein.[10] Daß allein schon dieser Vorgang die Opfer getötet hätte, kommt Frau Auerbach nicht in den Sinn: Im Vakuum stirbt man nämlich augenblicklich. Außerdem wäre die Gaskammer von dem atmosphärischen Außendruck zerquetscht worden.

Polnische Juden wie Rachel Auerbach waren Zeugen der Vernichtung ihrer Kultur durch die Deutschen. Sie waren Zeugen, wie die Deutschen ihre Familien im Laufe eines titanischen, brutalen Umsiedlungsprogrammes auseinanderrissen. Diesen Juden kann man ihre Leichtgläubigkeit und in gewissem Maße auch ihren Haß verzeihen, der sich in ihrer Neigung ausdrückt, alle gegen Deutsche erhobenen Anklagen zu glauben, egal, wie verzerrt diese auch sind. Amerikaner jedoch, die nicht wie die Juden unter den Handlungen der Deutschen litten, haben kaum das Recht, sich dem hinzugeben. Was mich zu Herrn George Will bringt, Kolumnist der Washington Post und Kommentator bei ABC Television.

Ich bin gewillt, Herrn Wills Selbsteinschätzung zu akzeptieren. Er ist ein brillanter Mann mit hohen Grundsätzen. Ich stimme zwar mit einigen seiner Ansichten nicht überein, wie etwa seine zwanghaft-besessene Anlehnung an den Staat Israel, aber ich kann diese Anlehnung nicht als moralisch falsch hinstellen. Wie es der Zufall will, hat Herr Will eine Kolumne über Shoah geschrieben, in der er eine bemerkenswerte Beobachtung macht:

»Die überwältigendste Episode dieses erschütternden Filmes dauert etwa fünf Minuten und umfaßt "nur" die Rede eines jetzt in Israel lebenden Friseurs. Während er einem Kunden die Haare schneidet, spricht er, ohne je die Stimme anheben zu müssen, um bei den leisen Geräuschen der gewohnten Umgebung gehört zu werden. Er beschreibt seine Pflichten in Treblinka, wo er nackten Frauen auf der Schwelle zur Gaskammer das Haar schnitt, und den Tag, an dem ein befreundeter Friseur seine Frau und Schwester den Raum betreten sah.«[11]

Bemerkenswert, nicht? Haarschnitt von nackten Frauen auf der »Schwelle« zur Gaskammer. Erkennen Sie es? Die Schwelle ist der Ort direkt unter der Tür zu einem Raum. Ein Schwellbalken vielleicht. Ein Eingang oder ein Zugang. Gemäß Websters Wörterbuch ist dies ein »Platz oder Punkt des Anfangs«. Nach Herrn Wills offensichtlicher Selbsteinschätzung ist er stolzer Besitzer eines hervorragend organisierten Intellekts. Ein Mann, der immer sorgfältig zwischen ähnlichen, aber doch unterschiedlichen Punkten einer Sache unterscheidet. Herr Will liebt diese Unterscheidungen, weil er so die einfacheren Menschen, die selbst dazu nicht fähig sind, vorführen und somit zornig machen kann, und deshalb macht Herr Will dies regelmäßig. Da dies nun so ist, frage ich mich, was ich aus der Tatsache schließen soll, daß Herr Will den Wortlaut von Bombas Aussage verändert hat:

Lanzmann: »Verzeihung. Wie ging das vor sich, als die Frauen in die Gaskammer kamen? Waren Sie selbst bereits in der Kammer? «

Bomba: »Ich sagte, wir waren schon in der Gaskammer und warteten dort darauf, daß der Transport hereinkommt. Innerhalb der Gaskammer - wir waren schon drinnen.«

Wenn Herr Bomba schwört, daß er zu jener bestimmten Zeit innerhalb der Gaskammer war, warum schreibt dann Herr Will, daß er die nackten Frauen auf der »Schwelle« der Gaskammer schor? Man kann Herrn Bomba im Film sehen, wie er sagt, daß er innerhalb der Gaskammer war, als er es tat. Im von Lanzmann veröffentlichten Text des Films besteht Herr Bomba wiederum darauf, daß er in diesem Ding war. Was geschah in Herrn Wills Gehirn, als er »Schwelle« schrieb anstatt »innerhalb« oder »in«? Ist es möglich, daß Herr Will fand, daß Bombas Geschichte absurd ist? Er würde es natürlich nicht öffentlich sagen wollen, da Herr Will einer der glänzendsten und besten Holocaust-Fundamentalisten ist. Nichtsdestoweniger scheint Herrn Will mit seinem schonungslos rationalen Geist irgend etwas an der Geschichte des Herrn Bomba nicht gepaßt zu haben, so daß er sie ihm nicht so abkaufte, wie der sie gerne verkauft hätte. Womöglich schlug irgendeiner der Millionen verschlungenen Nervenbahnen in den Tiefen von Wills Gehirn quer. Vielleicht wollte Herr Will einen Zweifel an Bombas Geschichte äußern, aber er konnte sich dann doch nicht dazu durchringen. Er mag sich an jener seltsamen Stelle befunden haben, wo sich Schreiber gelegentlich wiederzufinden pflegen - klug genug, um zu wissen, daß etwas gesagt werden muß, aber ohne Charakterstärke, es dann auch wirklich zu sagen. Wenn so etwas passiert, verursacht dies eine psychologische Fehlfunktion, die man Schreibblockade nennt. Herr Will ist nicht von der Art, der sich um Schreibblockaden kümmert. Er ist immer in voller Produktion. Aber wenn er nicht auspacken wollte, mußte er irgendwie die Kurve kriegen. Es sieht so aus, als sei er auf Erfindungen ausgewichen. Ich nehme an, daß es für einen Mann, der wie Herr Will verdrahtet ist, einfach war, ein Schwellen-Bild zu erfinden und damit das Bild zu ersetzen, daß Bomba erfunden hatte. Man kann erkennen, wie viel intelligenter Herr Will im Vergleich zu Herrn Bomba ist, wenn man die Vernüftigkeit ihrer beiden gegensätzlichen Bilder vergleicht.

Nun, da Herr Will Herrn Bomba an der Schwelle zur Gaskammer statt darin sitzen hat, konnte Herr Will fortfahren, sich seinen Phantasien über Lanzmanns Shoah hinzugeben. Eine Schwelle zu einer Ausgangstür führt bekanntlich nicht nur ins Innere, sondern umgedreht auch nach außen und somit zu den Überlebenden, die behaupten, tatsächlich eine Menschengiftgaskammer gesehen zu haben.

Mit diesem Szenario, da nun die Zeugenaussage nicht mehr hinterfragt werden darf, darf auch die Theorie vom Völkermord nicht mehr herausgefordert werden.

Und wenn dem so ist, dann hatten die europäischen Juden jedes Recht, Palästina zu erobern und die US-Regierung moralisch zu zwingen, den Staat Israel für immer und ewig zu beschützen. Dies ist die Argumentationslinie, die den Amerikanern nun seit über vierzig Jahren so erfolgreich eingetrichtert wurde. Wills Schwellen-Kapriole ist ein kleines Beispiel dafür, wie es unsere intellektuellen Eliten für richtig halten, einerseits Erfindungen zu benutzen und andererseits den gesunden Menschenverstand zu unterdrücken, um eine Weltsicht zu stützen, die, unglaublich aber wahr, auf einer Handvoll Geschichten beruht, erzählt von einer Handvoll Abraham Bombas.

Ich glaube, daß die weltweite jüdische Gemeinde durch die Verknüpfung solcher Menschen wie Abraham Bomba und George Will betrogen wird. Juden werden von ihren Sprechern betrogen, und sie werden von Nichtjuden betrogen, die vorgeben, Freunde und Verbündete der jüdischen Gemeinden

zu sein, die aber in Wirklichkeit nur Unterstützer der zionistischen Führerschaft sind, gefangen durch die Rhetorik der Holocaust-Lobby und zu beschämt, um diesen immensen Schwindel und diese Falschheit zu entlarven, auf denen so viel ihres Einflusses errichtet wurde.


Anmerkungen

*Dieser Text ist die zuletzt am 20.2.1997 modifizierte Fassung des 11. Kapitels von Bradley R. Smiths Buch Confessions of a Holocaust Revisionist, Prima Facie, Los Angeles 1987; auch erschienen in The Journal of Historical Review, 1986, 7(2), S. 244-253.
[1]Claude Lanzmann, Shoah: An Oral History of the Holocaust, Pantheon Books, New York, 1985. Wenn nicht anders vermerkt, entstammen alle hier genannten Zitate aus diesem Buch, S. 111-117.
[2]Rachel Auerbach, »In The Fields of Treblinka«, in: Alexander Donat (Hg.), The Death Camp Treblinka, Holocaust Library, New York, 1979.
[3]War Bomba gemäß seiner eigenen Geschichte nicht zu einem Gehilfen beim Völkermord an seinem Volk geworden?
[4]Die Beschreibungen von Bombas Reaktionen in Klammern entstammen nicht dem veröffentlichten Text. Ich habe sie aus dem Gedächtnis hinzugefügt. Während ich den Film ansah, konnte ich mich nicht dagegen wehren, von Bombas ehrlichem Schmerz ergriffen zu sein. Seine Tränen trieben mir Tränen in die Augen. Zugleich war mit aber klar, daß ich diese Geschichte für lächerlich hielt. Dieses Phänomen zu erklären, wäre Aufgabe eines Psychologen.
[5]R. Auerbach in: A. Donat, Anm. 2, S. 32f.
[6]M. Weber, The Journal of Historical Review 11(2) (1991) S. 217-227; D. Deborah E. Lipstadt, Betrifft: Leugnen des Holocaust, Rio, Zürich 1994, S. 105, 227; dpa, »"Juden-Seife" gefälscht«, Eßlinger Zeitung, 5.4.1995; jöb »"Eine furchtbare Angelegenheit"«, FAZ, 5.4.1995 (in letzterer erstaunlicherweise ohne den Fälschungshinweis!)
[7]R. Auerbach in: A. Donat, Anm. 2, S. 38.
[8]Arnulf Neumaier, dem ich auch die hier eingefügten zusätzlichen Anmerkungen über R. Auerbach verdanke, hat diesen Beweis geführt in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, erhältlich bei VHO.
[9]Vgl. Friedrich Paul Berg, »The Diesel Gas Chambers - Myth within a myth«, The Journal of Historical Review (JHR) 5(1) (1984) S. 15-46.
[10]R. Auerbach in: A. Donat, Anm. 2, S. 35, 50.
[11]The Washington Post, 15.11.1985.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(3) (1997), S. 191-195.


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