Aus der Forschung

Hgg. von Dipl.-Ing. Michael Gärtner, Dr. Ing. Andreas Niepel, Dipl.-Ing. Werner Rademacher, Dr. phil. Wolfgang Meier und Dr. jur. Franz Schumacher

In dieser Rubrik berichten wir über neue Ergebnisse unserer Arbeit und geben Hinweise auf neue Erkenntnisse. Wir bitten unsere Leser um rege Beteiligung durch Hinweise auf weitere Informationen. Wir bitten weiter um Quellenangaben, in denen Ergänzungen zu finden sind. Wichtig ist hierbei, wo sie zu finden sind. Großen Wert legen wir auf Veröffentlichungen aus den Jahren unmittelbar nach Kriegsende, auch in
Fremdsprachen (möglichst mit Übersetzungen). Wer unsere Tätigkeit unterstützen will, wende sich an den Verlag. Wir können nicht alle Dokumente beschaffen, von denen wir Kenntnis haben, weil uns das Geld dazu fehlt. Wer hierzu Schwerpunkte setzen will, gebe als Verwendungszweck jeweils nur das Thema an, die am Anfang des jeweiligen Punktes genannt sind.


Dänisches Zeugen-Potpourri

In Dänemark erschienen viele Bücher um das Ende des Zweiten Weltkrieges mit zum Teil äußerst interessantem Inhalt, von denen wir hier einige kurz ansprechen wollen:

1. Stefan Tadeusz Norwid, Landet uden Quisling, Det Danske Forlag, København 1945.

Das Buch ist eine Übersetzung aus dem Schwedischen. Der Autor stellt sich selbst als einen polnischen Industriellen vor, der Polen 1943 verließ (S. 153, 173) und am 8. August in Schweden ankam (S. 346). Er übermittelt schreckliche Berichte über Belzec, Tremblinka (sic!, p. 141), Majdanek und Sobibor. Belzec sei die »größte Leichenfabrik« (S. 136). Es habe Gaskammern in Tremblinka(!) und Belzec gegeben (S. 144). Die SS würde dort zudem mobile Gaskammern – Lastwagen oder Eisenbahnwaggons – für den Betrieb mit Giftgas oder »Dampf« verwenden (S. 89). Auf diese Weise seien in den Jahren 1942 und 1943 2.500.000 Juden ermordet worden (S. 92). Viele entsetzliche Details werden in dem Buch berichtet. Das Lager Auschwitz wird darin als ein schrecklicher Ort dargestellt, in das die Verdammten durch einen Tunnel eintreten müßten, der mit einer ein Meter hohen Schicht von Dreck und Schlamm angefüllt sei (S. 87). Bis zum Herbst 1943 hätten die Deutschen in Auschwitz 1.000.000 Polen ermordet. Allerdings: »Dorthin werden keine Juden geschickt«! (S. 86) Dieses 366 Seiten umfassende Buch erschien erstmalig im Jahr 1944 in Stockholm unter dem Titel Landet utan Quisling (vgl. Lars Magnuson, Holocaust. Bakgrund, frågor och problem, Nordland Forlag, Aalborg 1989, S. 295). Gemäß diesem frühen polnischen Propagandabericht war Auschwitz also kein Ort der Vernichtung. Diese Schlußfolgerung stimmt mit jener von E. Aynat überein, derzufolge es bis zum Mai 1945 nicht die geringsten Enthüllungen über eine Vernichtung der Juden in Auschwitz gegeben hat (The Journal of Historical Review 11(1) (1991), S. 296.) Auschwitz war also nach diesen polnischen Quellen bis zu dieser Zeit noch für die Polen und andere Gruppen „reserviert", nicht aber für die Juden.

2. Hugo Valentin, Det Jødiske Folks Skæbne, Gyldendal Forlag, København 1947.

Dies ist eine Übersetzung des schwedischen Originals Det jüdiska Folkets Öde (Das Schicksal des jüdischen Volkes), dessen Vorwort auf November 1944 datiert ist (S. 9). Indem er sich vorwiegend auf das erste, oben angeführte Buch bezieht, berechnet Hugo Valentin im November 1944 »die Zahl der ermordeten auf etwa 6.000.000« Juden (S. 146). Daher scheint auch dieses Buch eine wichtige Quelle für den Ursprung dieser berühmten Zahl zu sein. Selbstverständlich werden bezüglich Auschwitz keine Vergasungen erwähnt.

3. Helene Weiser, Mine erindringer fra fem koncentrationslejre under 2. verdenskrig, undatiert, ohne Ort (wahrscheinlich Kopenhagen um 1945), 31 S.

Bevor sie aus dem KL Bergen Belsen kommend am Ende in Schweden in Freiheit gelangte, hatte sie auch in Auschwitz eingesessen:

»Ich fing in Auschwitz I an zu arbeiten. Ich mußte einen riesigen Stein einige Kilometer einen Berg hinauftragen, und ich mußte dabei schnell gehen. An beiden Seiten folgten uns SS-Frauen mit Gummiknüppeln. In den Augen der SS war mein Stein nicht groß genug, und so erhielt ich unter Knüppelschlägen einen noch größeren Stein.« (S. 8)

Heute scheint Helene Weisers Berg verschwunden zu sein, denn Auschwitz liegt in einer Ebene. Der Glauben versetzt eben auch hier Berge! Sie berichtet ausgiebig über die Gaskammer, nach der sie sich so sehnte:

»Ich stand nackt in einer langen Schlange vor der Gaskammer mit großer Sehnsucht, gierig darauf, daß endlich ich in die Gaskammer gehen durfte. Es war Herbst, wir froren, obwohl wir nahe wie so möglich beieinander standen und uns gegenseitig die Rücken rieben. Aber weder die Gaskammern noch das Krematorium packten diese Menschenmenge, denn die Schlange war sehr lang. Daher mußte die SS die Vergasungen bei Anbruch der Dämmerung abbrechen. Wir zogen uns wieder an und gingen zurück in unsere Baracken in der Hoffnung, daß wir das nächste Mal mehr Glück hatten, wenn wir vor der Gaskammern standen« (S. 9)

Statt vergast zu werden, erhielt sie die Nummer »A-19129« eintätowiert (S. 9), und sie überlebte, so daß sie diese Geschichten erzählen konnte, etwa wie die von »der schönen jungen blonden SS-Frau Irma Greese, die es einfach liebte, ihre Opfer zu erschießen und zu ermorden.« (S. 8)

4. Iboja Wandall-Holm, Morbærtræet – en beretning, Gyldendal Forlag, København 1991.

Iboja Wandall-Holm wurde in Vrbové in der Slowakei geboren und gelangte letztlich nach Dänemark, wo sie dieses Buch verfaßte und im Fernsehen auftrat. Im Höchstfalle hätten die Gaskammern »30.000 Menschen jeden Tag« fassen können (S. 122). Aus menschlichen Knochen und aus menschlicher Haut wurde Seife hergestellt (S. 122). Auf den dicken, schwarzen Rauch, der aus den Schornsteinen quoll, zeigend, erklärte ihr ein Freund:

»Der Gestank stammt von verbranntem Fleisch, verbrannten Knochen und Haaren. Die Kamine gehören zu den Krematoriumsöfen, wo diejenigen verbrannt werden, die in den Gaskammern vergast worden sind. Alle, die mit Dir gekommen sind und die mit den Lastern abtransportiert wurden, sind dort gestorben. Millionen sind derart gestorben.« (S. 129)

Das verwendete Gas habe »Cykon B« (sic!) geheißen (S. 130). Weiterhin berichtet sie von einem griechischen Mädchen namens Stella:

»Der Lagerkommandant selbst holte sie aus der Gaskammer. Er wickelte sie in ein Laken. Sie war sehr schön. Gott weiß, was ihn dazu veranlaßte. So viele andere schöne Mädchen sind vergast worden.« (S. 130)

Eine Zeit lang lebte diese Zeugin unglaublicherweise im Dachgeschoß des Krematoriums im Lager Auschwitz I (S. 124). Dies ist ein neuer und wichtige Beitrag für die Baugeschichte von Auschwitz I, dessen Krematorium nach bisheriger Auffassung gar kein Dachgeschoß, sondern nur ein Flachdach besaß. Die Rezensenten waren voll des Lobes für Iboja Wandall-Holm, auch als Poetin: Eine der starken Frauen dieses Jahrhunderts, wie eine kommunistische Zeitung schrieb (Land og Folk).

5. Herman Sachnowitz, Det angår også dig, Samlerens Forlag, København 1977.

Diese Memoiren des aus Norwegen deportierten Juden Sachnowitz erschienen im Original unter dem Titel Det angår også deg 1976 im J.W. Cappelens Forlag in Oslo. Nach diesem Zeugen wurden 6-7.000.000 Juden systematisch in deutschen Konzentrationslagern ermordet (S. 213).

»In Auschwitz wurden mehr als 10.000 Menschen innerhalb von 24 Stunden zu Tode vergast.« (S. 113)

»Die Gaskammer und das Krematorium befand sich in Birkenau« (S. 69)

Sachnowitz wurde am 26.11.1942 aus Norwegen deportiert (S. 14). Schon wenige Tage später, Ende November oder Anfang Dezember, wurde er nach Birkenau verlegt:

»Wir kamen an einem Grundstück vorbei, auf dem riesige Betongebäude mit hohen, quadratischen Kaminen standen. Später wurde uns gesagt, dies seien die Gaskammern. Innen drinnen [in diesem Gebäude] sahen wir Hunderte von Gefangenen in gestreifter Kleidung, und ganz weit hinten, in der Nähe der düsteren Türöffnungen, sahen wir, wie nackte Menschen vorwärts getrieben wurden, als seien sie Tiere.« (S. 23)

Dies wäre ebenfalls ein Stück neuer und revolutionärer Information. Es wird gewöhnlich angenommen, daß die Gaskammern von Birkenau nicht vor März 1943 funktionsfähig waren. Und dennoch sollen laut Aussage dieses Zeugen bereits vier Monate vor Fertigstellung der Gaskammern darin Menschenvergasungen durchgeführt worden sein! Interessanterweise gibt dieser Zeuge zu, sein Wissen nicht aus erster Hand zu haben. Er bezieht sich häufiger auf die Memoiren von Rudolf Höß.

6. Ilja Ehrenburg, For Menneskets Skyld, Forlaget Pergamon, København 1946.

Dieses interessante Buch wurde von Georg Sarauw direkt aus dem Russischen übersetzt. In einem im März 1944 verfaßten Essay (S. 23) führt Ehrenburg aus, daß die Deutschen schon »vor ihrem Angriff auf andere Länder« anfingen, deutsche Juden umzubringen.

»In den von ihnen besetzten Ländern töteten die Nazis Millionen von Juden und verschonten dabei weder Alte noch Kinder. Niemals hat es in der Geschichte ein derartiges systematisches Verbrechen gegeben.« (S. 18)

In diesem seltenen Buch wird über viele weitere Schrecken berichtet. Dabei scheint Ehrenburg Auschwitz nicht gekannt zu haben.

7. Das Tagebuch der Anne Frank.

Selbstverständlich ist das Tagebuch der Anne Frank auch in dänischer Übersetzung erhältlich – oder besser: die Tagebücher, denn die letzte Fassung wurde merklich erweitert. Seit seinem ersten Erscheinen im Jahr 1952 war dieses Buch ungeheuer populär. Am interessantesten ist hier der Eintrag zum 9. Oktober 1942. In der dänischen Fassung steht: »Den engelske radio taler om gaskamre«, zu deutsch: »Das englische Radio spricht von Gaskammern«. In der letzten französischen Ausgabe steht: »asphyxie par les gaz« (mit Gas erstickt), in der aktuellen englischen: »The English radio says they ’re being gassed.« (Das englische Radio sagt, sie werden vergast.) Selbstverständlich kommt in der originalen niederländischen Fassung das Wort Gaskammer nicht vor. Derartige Fälschungen durch interpretierende Übersetzungen sind leider üblich (aus Leichenkeller wird Gaskammer, aus Sonderbehandlung Mord usw. usf.) Hier wäre es nützlich, die tatsächliche damalige Meldung des englischen Radios zu überprüfen.

8. M. Friediger, Theresienstadt, J. Fr. Clausens Forlag, København 1946; Johannes Fosmark (Hg.), Dansker i Tyske Koncentrationslejre, Gyldendal Nordisk Forlag, København 1945.

Häufig ist in den Quellen nicht von Gaskammern oder Gaswagen die Rede, sondern von Gasöfen, einem interessanten Konzept. Auf ähnliche Weise wird in einigen Quellen berichtet, die Juden würden »ins Gas geschickt«, als wäre das Gas bereits vorhanden. Vielleicht hängen diese Berichte mit traumatischen Erlebnissen von Selbstmordversuchen zusammen, bei denen das Gas aus dem Ofen gelassen wird oder man den Kopf in den Stadtgasofen steckt, wie man es häufiger in Filmen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sehen kann. Auch die dänischen Quellen sind sich nicht einig darüber, wo die Gasöfen dieser Gaskammern nun wirklich waren. Der Autor des ersten hier angesprochenen Buches schreibt, daß einige Männer nach Sachsenhausen gebracht wurden, wo sie »früher oder später in den Gasöfen endeten« (S. 56). Zudem habe es in Sachsenhausen eine »Gaskammer« gegeben (S. 57). In den Gebäuden Theresienstadts wurde ab und zu »vergast« – allerdings keine Menschen:

»Alle Insassen mußten das Gebäude verlassen, sie mußten sich einige Meter abseits aufstellen. Alle Türen, Fenster und sonstigen Öffnungen wurden gasdicht versiegelt, und anschließend wurde das Gebäude mit einem Gas gefüllt, daß alle Schädlinge tötete. Diese Vernichtung war nicht effizient, sie mußte dann und wann wiederholt werden.« (S. 73)

Nach den im zweiten hier behandelten Buch aufgeführten Zeugenaussagen soll es in den Lagern Dachau, Sachsenhausen und Auschwitz Gaskammern gegeben haben (S. 64f., 186). Ebenso sind Gaskammern für das Lager Stutthof vermerkt, die angeblich im März/April 1944 errichtet wurden. Sie sollen erstmals am 22. Juni 1944 benutzt worden sein. Es soll sich dabei um ein Steingebäude mit nur einer hermetisch verschließbaren Tür gehandelt haben. Im Dach befand sich angeblich ein Loch, daß mittels eines Ventils verschließbar war.

»Gasbomben – das schreckliche Cyklon Gas – wurde eingeworfen und das Ventil geschlossen.« (S. 198)

Die einzige für diesen Bericht angegebene Quelle ist die Aussage von Martin Nielsen, einem kommunistischen Parlamentsmitglied. Er war am 2. Oktober 1942 deportiert worden und kehrte über Bromberg und Moskau am 10. März 1945 zurück (S. 174).

9. Isak Levi, Paa Vej til GASKAMRENE, Forlaget Frigjort, Odense 1945.

Der Autor dieses Buches ist unseren Wissens anderweitig unbekannt. Er bezieht sich vage auf Gaskammern, Vernichtungsöfen und Feueröfen (S. 50, 57f., 61, 63, 76), die er allerdings nie selbst gesehen hat. Im Buch wird ohne jede Quellenangabe ein angeblicher Ausschnitt aus einer Zeitung auf dänisch wiedergegeben, der sich auf die Berliner Zeitung bezieht. Dieser deutschen Zeitung zufolge habe ein bestimmter Pastor Lösche ausgeführt, Himmler sei persönlich anwesend gewesen und habe die vier Öfen im Lager Auschwitz eingeweiht:

»An diesem Tag wurden 14.000 Leichen kremiert. Am 17. September [1944] wurde mit 17.000 Kremierungen der Rekord erreicht. Normalerweise konnten aber „nur" 12.000 Leichen täglich verbrannt werden.«

Zudem seien im Sommer 1944 die ungarischen Juden – Männer, Frauen und Kinder – auf dem Schienenwege zu den Krematoriumsöfen gebracht worden. Im Frühling 1943 wurden 53.000 griechische Juden verbrannt. Die SS bevorzugte allerdings die »Knick-Knack«-Methode: Es wäre ein Spaten auf dem Hals des Opfers plaziert und dann auf den Spaten gesprungen worden, wodurch der arme Mann enthauptet worden sei.

10. Hans Kirchhoff (Hg.), Hitlers krig 1939-1941, Gyldendal, København 1995.

Kirchhoff lehrt an der Universität Kopenhagen das Fach Geschichte. Der Holocaust ist sein Spezialgebiet. Nach seinen Ausführungen gab es in Auschwitz 5 Öfen, und die Gaskammern konnten 2.000 Menschen auf einmal fassen. 1944 war es allerdings seiner Auffassung nach möglich, 10.000 Leichen pro Tag zu verbrennen (S. 303).

Als Beweise für die Vorgänge im angeblichen Vernichtungslager Belzec führt er den absolut verläßlichen Zeugen Kurt Gerstein an:

»7-800 Juden auf 25 m²« (S. 304)

Wie absurd auch immer die Angaben des Zeugen sein mögen, Kirchhoff denkt nicht im geringsten daran, Quellenkritik zu üben. Kirchhoff gilt allgemein als der »große alte Mann« der dänischen Holocaust-Forschung. Es wird nicht erklärt, wie 30 Menschen auf einer Fläche von 1 m² untergebracht werden können. Wenig später auf der gleichen Seite verändert Kirchoff die Zahl stillschweigend auf 45 m², als ob er die offensichtliche Absurdität durch diese Manipulation abmildern wollte, auch wenn im Original klar von Kubikmetern die Rede ist (vgl. Henri Roques, The»Confessions« of Kurt Gerstein, IHR, 1989, S. 62). Man könnte daher hier von »Holocaust-Metaphysik« sprechen – eine Art indirekte, – da naturwissenschaftlich Unmögliches berichtende – Holocaust-Leugnung.

Free Historians, Denmark


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(4) (1998), S. 309ff.
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