»Die Nachricht von seiner Verhaftung hat mich mehr betroffen als eine Todesanzeige.«

Von Erwin Kessler, über Ernst Indlekofer

Jubelnde Denunziantenpresse bei der Verhaftung eines Oppositionellen in der Schweiz: Ernst Indlekofer

SonntagsBlick, 23.8.998, S. 23: Stinkendes Eigenlob der Berufsdenunzianten. Ein »Nazi« ist Indlekofer indes gewiß nicht. Zum Vergrößern anklicken (199 KB)

Ich gehörte zu den regelmäßigen Lesern von RECHT+FREIHEIT und habe darin nie etwas rassistisches, dafür viele interessante, von den regimetreuen Medien unterdrückte Informationen gefunden, wie die Öffentlichkeit in Bezug auf einen EU-Beitritt und bezüglich des Anti-Rassismusgesetzes manipuliert wurde. Weil Indlekofer solche Machenschaften in Staat und Politik aufdeckte, war er für das Regime gefährlich. Und die Vernichtung solcher Kritiker erfolgt nach einem immer gleichen Rezept, das schon Hitler gegen seine Gegner und die Juden angewendet hat: zuerst eine verleumderische Hetzkampagne der regimetreuen Medien solange, bis die systematisch indoktrinierte öffentlichkeit tatsächlich glaubt, es handle sich um gefährliche Feinde des Staates, die dringend liquidiert werden müssten. Dann wird überraschend zugeschlagen, ohne daß sich in der einseitig falsch informierten Öffentlichkeit eine wesentliche Entrüstung bemerkbar machen würde. Mit dem Antirassismus-Paragraphen können solche Gestapo-Aktionen mit dem Mäntelchen der Legalität bekleidet werden.

Die Medien haben nie wiedergegeben, was Indlekofer angeblich Rassistisches schreibt, denn Rassistisches war in RECHT+FREIHEIT gar nicht zu finden. So wurde einfach immer und immer wieder behauptet, Indlekofer sei ein schlimmer Rassist. Der Leser hatte das einfach zu glauben, denn den regimehörigen Medien ging es überhaupt nicht darum, Informationen zu vermitteln, sondern schön gehorsam den gegen Indlekofer inszenierten Rufmord zu unterstützen, um seine "Stillegung" massenpsychologisch vorzubereiten. Aufhänger der ganzen Rufmord-Kampagne war die Bezeichnung Indlekofers, Graf und anderer als "Holocaustleugner", obwohl sie - aber das erfuhr die indoktrinierte Öffentlichkeit nie - diesen überhaupt nicht leugnen. (Abgesehen davon ist es typisch für faschistische Systeme, Menschen wie Verbrecher ins Gefängnis zu werfen, nur weil sie ein vom Staat per Gesetz festgelegtes historisches Ereignis abstreiten.)

Da (echter) Rassismus tatsächlich etwas sehr Verwerfliches ist, hatte die ganze Hetzkampagne das hinterhältige Ziel, die öffentliche Meinung aufzubauen, Indlekofer sei ein Rassist, solange bis diese immer wiederholte Vorstellung so selbstverständlich wurde, daß niemand mehr fragte, warum eigentlich. Nachdem dieses Ziel nun erreicht schien, wurde Indlekofer verhaftet und RECHT+FREIHEIT damit liquidiert. Die Rechnung ging auf; diese Gestapo-Aktion bewirkte kaum Aufsehen. In meiner Tages-Zeitung wurde darüber nichts gemeldet; ich erfuhr erst durch ein Schreiben von Jürgen Graf davon. Daß es soweit kommen würde, war voraussehbar, und doch hat mich die Nachricht von seiner Verhaftung mehr betroffen gemacht als eine Todesanzeige.

In diesem Zusammenhang ist es lehrreich, einmal den Bericht von Xaver März über die Gerichtsverhandlung gegen Förster/Graf (auf dieser Website abrufbar) zu lesen und mit den Vorstellungen zu vergleichen, die man aus den Medien vermittelt bekommen hat! Ich habe diesen Bericht der zuständigen Bezirksgerichtspräsidentin Andrea Staubli, welche die Verhandlung geleitet hat, zugestellt mit dem Ersuchen, mir allfällige Unrichtigkeiten darin zu nennen oder das Protokoll der öffentlichen Verhandlung zum Vergleich zuzustellen. Sie hat weder das eine noch das andere getan, sondern nur pauschal behauptet, der Bericht sei unwahr.

Diese Justizwillkür ist es, die ich interessant und publikationswürdig halte, nicht die historischen Ansichsten von Förster, Graf und Indlekofer. Das interessiert mich weniger, kann sowieso nicht mehr geändert werden. Der heutige Holocaust an den Tieren, der hier und jetzt abläuft, interessiert mich viel mehr. Die Fälle Indlekofer und Förster/Graf sind in diesem Zusammenhang aufschlußreich, weil sie aufzeigen, wie heute Andersdenkende und Kritiker, die niemandem etwas zu leide tun, sondern nur ihre kritische Meinung äußern, ähnlich verfolgt, verhaftet und ins Gefängnis geworfen werden wie damals unter dem Hintler-Regime. Ironischerweise verhält sich das heutige Regime, das offiziell und lauthals vorgibt, die moralischen Fehler aus dem Zweiten Weltkrieg aufzuarbeiten, mit scheinheiligen Lippenbekenntnissen, während in Tat und Wahrheit ein erschreckend ähnlicher Geist und Staatsterror gegen Regimekritiker besteht, hier und jetzt in der Schweiz.

Das Regime arbeitet mit der gleichen Methode wie gegen Indlekofer, Förster und Graf auch gegen mich. Meine große Popularität macht es etwas schwieriger, mich unter so fadenscheinigen Vorwänden zu liquidieren, aber es war für mich vom ersten Tag an klar, daß mich die übermächtigen, staatsbeherrschenden Gegner eines Tages mundtot machen werden. Bis dahin geht mein Einsatz gegen den Holocaust an den Tieren unerschrocken weiter. Die vielen politischen Willkürurteile hätten einen Einzelkämpfer schon lange finanziell und moralisch erledigt. Diesen bisherigen massiven staatlichen Repressionen konnte ich aber dank der finanziellen und moralischen Unterstützung durch den VgT [Vereins gegen Tierfabriken] widerstehen. Der VgT gehört heute mit seinen bald 9000 Mitgliedern zu den größten Tier- und Umweltschutzorganisationen der Schweiz. Die Liquidation der "VgT-Nachrichten" braucht deshalb etwas mehr Zeit als die Liquidation von RECHT+FREIHEIT.

Dr. Erwin Kessler,
Präsident des Vereins gegen Tierfabriken (VgT)


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(4) (1998), S. 299f.


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