Die Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz, Teil 2

Von Dipl.-Ing. Hans Lamker

Nachdem der Beitrag von Dr.-Ing. Hans Jürgen Nowak über die »Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz« (VffG, Heft 2/1998, S. 87-105) auf so außerordentlich große und positive Resonanz bei unseren Lesern traf, insbesondere auch bei der erfreulicherweise stetig wachsenden Zahl professioneller Historiker, die sich abseits ausgetretener Pfade durch die Lektüre unserer Zeitschrift weiterbilden, hat sich die Redaktion entschlossen, das Thema noch einmal aufzugreifen und dem interessierten Leser einen etwas tiefergehenden Einblick in die damaligen Ereignisse und ihre Zusammenhänge mit der technologischen Entwicklung in den dreißiger und vierziger Jahren zu geben. Dieses Thema wird damit vorerst abgeschlossen. Es ist allerdings vorgesehen, in noch nicht absehbarer Zeit zum Thema »Entlausung in Auschwitz« einen Sonderband herauszugeben, in dem nicht nur dieses Thema, sondern auch noch andere Aspekte der Hygiene und Seuchenvorsorge im KL Auschwitz abgehandelt werden.


Einführung

Unter den verschiedenen in den Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern in Auschwitz eingesetzten Verfahren zur Bekämpfung des Flecktyphus war die bislang nahezu unbekannte, jedoch erfolgreichste Art die Anwendung von elektromagnetischen Hochfrequenzfeldern. Wie alle anderen Verfahren zur Entwesung von Decken, Bettwäsche und Kleidungsstücken zielte es darauf ab, die den Flecktyphus übertragenden Kleiderläuse und deren an Gewebefasern angeheftete Eikapseln (Nissen) zu töten. Im folgenden wird dieses Hochfrequenzverfahren entsprechend technischer Gepflogenheit in abgekürzter Schreibweise zumeist mit KW-Entlausung, KW-Anlage usw. bezeichnet, wobei KW für Kurzwellen steht. Ebenso wird Hochfrequenz oft mit HF abgekürzt.

Nach R. Faurisson[1] wurde dieses HF-Verfahren bereits im Jahre 1946 durch den ehemaligen Auschwitz-Häftling Marc Klein, Professor an der medizinischen Fakultät Straßburg, unter der Bezeichnung »Kurzwellenentlausung« erwähnt. J.-C. Pressac führt es in seinem zweiten Buch[2] ebenfalls an, handelt jedoch Bestellung, Fertigung und Betrieb der seiner Meinung nach zu »Versuchszwecken« gebauten neuartigen Entlausungsanlage sehr oberflächlich, herabsetzend und aus technischer Unkenntnis oder aus Unwillen irreführend ab. Er bezieht sich dabei ausschließlich auf etwa zehn Dokumente (Baupläne, Bilder, Schriftverkehr) aus den von der deutschen Lagerverwaltung beim Abzug 1945 zurückgelassenen und von den Sowjets nach Rußland geschafften Unterlagen, die sich nun im Zentralarchiv in Moskau (ZAM) befinden.

Für die vorliegende Untersuchung standen anfangs etwa 60 Ablichtungen von Dokumenten zur Verfügung, die sich direkt mit der Einführung oder dem Betrieb dieser neuartigen Entlausungstechnik befassen oder sie in irgend einem Zusammenhang erwähnen. Die Archivnummern dieser Dokumente weisen darauf hin, daß die Originale ebenfalls im Zentralarchiv Moskau liegen. Zum kleinen Teil scheinen diese Dokumente identisch mit den von Pressac angeführten zu sein.

Aus den bis dahin vorliegenden Unterlagen ergab sich von dem neuartigen Entlausungsverfahren das folgende, etwas verwirrende Bild:

Aus diesen ZAM-Dokumenten waren - abgesehen von andauernden Schwierigkeiten der Materialbeschaffung - keine konkreten Ursachen für die enormen Verzögerungen bei Fertigung und Einbau der stationären KW-Entlausungsanlage zu entnehmen, auch ging daraus nicht hervor, weswegen die mobile Anlage erst so spät nach Auschwitz verlegt wurde. Unbekannt blieben ebenso technische Details, wie Konstruktionsmerkmale jeweils der gesamten Anlage in der stationären und der mobilen Ausführung, und besonders die Bauart des zentralen, die Hochfrequenzfelder erzeugenden Bereichs, in dem auf irgendeine Weise physikalisch auf das Entlausungsgut eingewirkt wurde. Es waren daher auch keine konkreten Anhaltspunkte darüber zu finden, welche Schwierigkeiten beim Hersteller, außer Überlastung, Verzögerungen verursacht haben konnten. Allein der enorme Preis von 75.000 Reichsmark für die stationäre Anlage ließ die Anwendung höchst komplizierter Technik vermuten. Dafür sprach auch die für die damalige Zeit ungewöhnliche Kombination von hohem elektrischen Energiebedarf der Anlage (85 Kilowatt Anschlußleistung, was der Motorleistung eines Mittelklassewagens von 115 PS entspricht!) mit hoher Betriebsfrequenz im Bereich von 30 Megahertz, entsprechend einer Wellenlänge von 10 Meter. Dieser Arbeitsbereich im Grenzbereich zwischen Kurzwellen (KW) und Ultrakurzwellen (UKW) ließ sich aus den beiden für diese Entlausungsanlage gleichzeitig benützten Bezeichnungen, Kurzwellen- als auch Ultrakurzwellen-Entlausung, vermuten. Medizintechnische Literatur über den Einfluß von Hochfrequenzfeldern auf Organismen sprach für einen thermischen Wirkungsmechanismus bei der Tötung der Kleiderläuse. Das elektromagnetische Wechselfeld hätte demnach nur zur schnellen Erzeugung ausreichend hoher Temperaturen im Entwesungsgut gedient. Beide Vermutungen haben sich als richtig erwiesen.

Ein Zweiggebiet der Hochfrequenztechnik befaßt sich mit der Behandlung, vorzugsweise Erwärmung von Stoffen in elektrischen oder magnetischen Wechselfeldern, welche mit Hilfe spezieller Hochfrequenz-Generatoren erzeugt werden. Die Sichtung einschlägiger deutscher Fachliteratur der näheren Nachkriegszeit ergab jedoch keine Hinweise auf den Einsatz von thermischen Hochfrequenzanwendungen sehr großer Leistung im KW-UKW-Übergangsbereich. Auch aus angelsächsischer Literatur, soweit erreichbar, ließ sich nur entnehmen, daß bis 1950 im Megahertz-Bereich (KW und UKW) in der Regel nur niedere Hochfrequenzleistungen von wenigen Kilowatt Anwendung fanden.[3] Allerdings zeichnete sich im folgenden Jahrzehnt ein langsamer Übergang zu noch kürzeren Wellenlängen entsprechend höheren Frequenzen ab, der dann mit der Einführung der militärischen Höchstfrequenztechnik aus Funkmessung und Radar, das heißt der Dezimeterwellen, in den zivilen Bereich unter anderem zum heute alltäglichen Mikrowellenherd führte. In der Regel war das mit einem weiteren Absinken der Nutzleistung bei den eingesetzten Hochfrequenz-Wärmeerzeugungsanlagen verbunden, denn aus prinzipiellen technischen und physikalischen Gründen wird es mit kürzerer Wellenlänge und damit steigender Frequenz immer kostspieliger, Hochfrequenz-Generatoren großer Leistung zu bauen.[4] Die begrenzenden Bauteile sind dabei die die elektrischen Schwingungen erzeugenden Senderöhren, im Megahertzbereich in der Regel Trioden (Verstärkerröhren mit drei Elektroden), im Mikrowellenbereich meist sogenannte Magnetron-Röhren.

Die Bauweise der KW-Entlausungsanlagen konnte erst geklärt werden, als aus einem Privatarchiv Ablichtungen von technischen Unterlagen zur Verfügung standen, die aus dem Nachlaß eines ehemaligen Mitarbeiters der Firma Siemens-Schuckertwerke, Berlin, stammen dürften, der wahrscheinlich an Bau und/oder Entwicklung der Anlagen beteiligt war. Die Echtheit dieser Dokumente als auch solcher, die aus dem Zentralarchiv Moskau (ZAM) stammen, konnte durch Übereinstimmung von benannten Personen, Datumsangaben, des beschriebenen Geschehens sowie von Gebäudezeichnungen und zahlreichen technischen Einzelheiten nachgewiesen werden. Weitere Ablichtungen von Dokumenten über die Entwicklung von HF-Generatoren für medizinische Anwendungen aus dem Öffentlich zugänglichen Siemens-Archiv für Medizintechnik gaben wichtige Hinweise zur Entwicklungsgeschichte der HF-Entlausungsanlagen und rundeten das technische Bild von ihnen ab. Sie bestätigten ebenfalls die Echtheit der übrigen Dokumente. Unter diesen Voraussetzungen war, wie nachfolgend dargestellt, eine Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte, Wirkungsweise, konstruktiven Ausführung, Fertigung und Montage der KW-Entlausungsanlagen weitgehend möglich.

Die Vorgeschichte

Die Siemens-Reiniger Werke (SRW) in Erlangen entwickelten und bauten elektromedizinische Geräte. Ein wichtiger Zweig war in den dreißiger Jahren die Herstellung von Geräten für die »Kurzwellentherapie«, mit deren Hilfe man zu Heilzwecken mittels hochfrequenter elektrischer oder magnetischer Wechselfelder einzelnen Körperteilen von Patienten oder deren gesamtem Körper dosiert Wärme zuführen konnte. Wichtigstes Bauteil dieser Geräte waren mit speziellen Senderöhren ausgerüstete KW-Generatoren. Sie erzeugten Nutzleistungen bis maximal ein Kilowatt bei Wellenlängen im Bereich von 1 bis 20 Meter.[5]

In einem Werksbereich der Siemens Schuckertwerke (SSW), Berlin, befaßte man sich mit industriellen Hochfrequenzanwendungen, im Sommer 1940 auch versuchsweise mit dem Einsatz von »Kurzwellenenergie« zum Trocknen und Heißverleimen von Hölzern, zum Trocknen von Zigaretten und der Vulkanisation von Buna und Gummi.[6] Zu diesem Zwecke wurden medizinische KW-Geräte der SRW benutzt sowie eigenentwickelte »Versuchsapparaturen«, die bis zu 3 Kilowatt HF-Leistung abgeben konnten. Mit anscheinend geringerem Erfolg wurde sogar mit weit leistungsstärkeren Apparaturen experimentiert. Die Schwierigkeit bestand darin, die erforderlichen großen Hochfrequenzleistungen bei möglichst kurzen Wellenlängen zu erzeugen, was nicht nur geeignete Elektronenröhren, sondern auch deren gutes Zusammenwirken mit der übrigen Apparatur erforderte. Man bewegte sich im Grenzbereich des damals technisch Möglichen, mußte diesen Weg aber gehen, weil die Übertragung von Energie auf einen Werkstoff, der elektrischen Wechselfeldern ausgesetzten ist, proportional zur Frequenz anwächst, oder - anschaulicher ausgedrückt - sich bei halbierter Wellenlänge verdoppelt.

Seit Kriegsbeginn, als die Flecktyphusgefahr aktuell wurde, liefen bei SSW auch Versuche zur Vernichtung von Kleiderläusen. Bei SRW waren zuvor schon Versuche zur Tötung von Kornkäfern durchgeführt worden. Nun bemühte man sich bei SSW in Zusammenarbeit mit den im Bau von Kurzwellengeneratoren erfahrenen SRW um die Entwicklung eines einsatzfähigen Gerätes zur Entlausung von Uniformen, bei dem »die Soldaten an der einen Seite ihre ganze Ausrüstung abgeben und sie an der anderen Seite empfangen« konnten.[7] Die vorhergehenden Versuche waren von militärischen Stellen (Heeres-Sanitätsinspektion) und Öffentlichen Einrichtungen (u. a. Biologische Reichsanstalt in Dahlem) mit Interesse verfolgt worden, der Bau einer betriebsfähigen Anlage konnte von ihnen materiell aber nicht unterstützt werden, da sie weder über »Rohstoffkontingente noch über Arbeitskräfte« verfügten. So entschloß man sich, eine solche »Groß-Anlage« aus eigenen Mitteln herzustellen, wurde aber nie damit fertig, »weil nach Beendigung des Polenfeldzuges auch die Notwendigkeit der Schaffung von Entlausungsanlagen nachgelassen hatte«. Zwei Jahre später (1942) »bemühte sich die Reichsführung SS, das beste Entlausungsverfahren ausfindig zu machen«. Auf das Kurzwellenverfahren aufmerksam gemacht, bestellten »die zuständigen Herren der SS«, nachdem ihnen »Kleinversuche« vorgeführt worden waren, »sofort 5 Betriebsanlagen unter Stellung von Rohstoffkontingenten, Dringlichkeiten und auch von Arbeitskräften« (Anhang 1).

Die Großleistungs-Senderöhren

Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit der SSW projektierten die SRW 1940 den elektrischen Teil »eines Hochfrequenzaggregates zur Entlausung von Uniformen«.[8] Darin wurden als Generator-Röhren zwei wassergekühlte elektronische Verstärkerröhren mit der Siemens-Typenbezeichnung RS 257g vorgesehen. Die Vorläufertype RS 257 (ohne »g«) dieser Röhre wird 1934 in einem Fachaufsatz in der Auflistung »Die Wasserkühlröhren der Rundfunksender der Deutschen Reichspost« aufgeführt und konnte 11 Kilowatt Hochfrequenzleistung liefern,[9] die nachfolgende g-Ausführung aber bereits 20 Kilowatt.[10] Diese Röhren entstammten einer Familie von »Großleistungs-Senderöhren«, die während der stürmischen Entwicklung der Rundfunktechnik seit den zwanziger Jahren bei Siemens entwickelt und gefertigt, jedoch von der Schwesterfirma Telefunken vertrieben bzw. in von ihr gebauten Rundfunksendern eingesetzt wurden.[11] Die RS 257 war speziell für den Kurzwellenbereich entwickelt worden und war in der 20 Kilowatt-Ausführung die Endverstärker-Röhre in den acht deutschen Kurzwellensendern in Zeesen, südlich Berlin,[12],[13] welche es 1936 ermöglichten, die Olympischen Spiele erstmals weltweit zu übertragen.[14]

Abbildung 1: Die Wasserkühlröhre RS 254 (10 Kilowatt HF-Leistung)[15]

Die mit 6 Meter Grenzwellenlänge sogar UKW-taugliche RS 257 sah ähnlich aus wie ihre in Abb. 1 zu sehende, nur mittelwellentaugliche ältere Schwester RS 254. Sie war ein etwa 60 cm hohes hochvakuumdichtes Gefäß aus Glas und Kupfer, mit Einbauten aus Wolfram, Molybdän und anderen exotischen Materialien, wurde mit etwa 10.000 Volt Spannung betrieben und konnte eine interne Verlustleistung von 12 Kilowatt - der Wärmeleistung von 12 kleinen Kochplatten! - vertragen, die über ein aufwendiges Kühlsystem abgeführt werden mußte. Teil dieses Kühlsystems war ein in Abb. 1 nicht dargestellter Kühltopf, in welchem das kupferne Unterteil der Röhre steckte und von Druckwasser umströmt wurde. Da es in Deutschland keine andere Röhre mit vergleichbaren Kenndaten bezüglich Frequenz- und Leistungsbereich gab, kann nur die Röhre RS 257g - wie früher von SRW auch projektiert - in den verwirklichten Entlausungsanlagen eingebaut worden sein. Es ist aber wahrscheinlich, daß diese Röhre in der seit etwa 1941/42 verfügbaren, noch leistungsstärkeren Ausführung von 30 Kilowatt verwendet wurde, deren »thorierte Kathode« trotz höherer Emission bei niedrigerer Temperatur und damit weit größerer Lebensdauer betrieben werden konnte.[11],[12] Hierfür sprechen die Berichte vom störungsfreien Langzeitbetrieb der KW-Anlagen (Anhang 1) und die Angabe des SSW-Ingenieurs Franke, die HF-Leistung der stationären Anlage habe 30 Kilowatt betragen (Anhang 2), was bei Verwendung zweier nicht-thorierter 20-Kilowatt-Röhren aufgrund eines gewissen Anteils innerer Verluste des HF-Generators nur sehr knapp erreichbar gewesen wäre. Zwei dieser Elektronenröhren in sogenannter Gegentaktschaltung waren die zentralen Bauteile jeder der KW-Entlausungsanlagen.

Der Hochfrequenzgenerator und der Wirkungsbereich

In Anhang 1 wird im Zusammenhang mit »Bild 2« (siehe Abb. 5) der schematische Aufbau des »Hochfrequenzerzeugers« mit den beiden »HF-Röhren«, dem »Behandlungskondensator« und den als »Lecherleitung« bezeichneten U-förmigen Verbindungsrohren, die Teil des elektronischen Schwingkreises waren, vorgestellt. Diesen Bereich geometrisch genau auszubilden, mit den Röhrenkennwerten, den übrigen, hier nicht dargestellten Schaltungsteilen und der Einrichtung zur Leistungsregelung abzustimmen, so daß bei der kurzen Wellenlänge von etwa 10 Meter der HF-Generator auch bei veränderlicher Last stabil schwingen konnte, darin bestand die große Leistung der Siemens-Ingenieure.

Konstruktionszeichnung der HF-Entlausungsanlage Auschwitz

Abbildung 2: Zeichnung der SSW zum Einbau der Gesamtanlage in 4 Entlausungszellen des BW 160. Kopie aus Privatarchiv.

Durch das Hochfrequenzwechselfeld zwischen den - wahrscheinlich inwändig Kühlwasser führenden - sehr dicken und zur Verminderung der Überschlagsgefahr abgerundeten Kondensatorplatten wurde das in Säcke gepackte Entlausungsgut (Decken, Bettwäsche, Kleidung) zwischen zwei Förderbändern (siehe »Bild 3« in Abb. 5) hindurchgeführt und dabei, ähnlich wie Speise im Mikrowellenherd, kurzzeitig stark erhitzt. Die dabei ausdampfende Feuchtigkeit wurde mit der Abluft von ca. 60 °C durch einen Lüfter im Luftschacht abgesaugt. Ein »Hochfrequenzkasten« aus Blech umgab als Wärmeschutz und zur Abschirmung der Streufelder den gesamten Hochfrequenzteil der Anlage. Dieses eigentliche Entlausungsgerät ist in Abb. 3 zu sehen. Zwischen den beiden hellen Rollen wurden die Pakete entwester Kleidung etc. ausgeworfen.

Die Gesamtanlage

Einen Überblick über die gesamte KW-Anlage gibt Abb. 2. In dieser Zeichnung der SSW bedeuten die schraffierten Bereiche Mauern in einem Gebäudeteil des Baukomplexes BW 160 des KGL Auschwitz-Birkenau, in welchem ursprünglich eine Blausäure-Entwesungsanlage mit 19 Begasungszellen betrieben werden sollte. In zwei der im Rohbau schon vorhandenen und nun umgebauten Zellen wurden der Regel-Transformator, der Haupt-Transformator und die Hochspannungsgleichrichter sowie die Bedienungseinrichtungen eingebaut, in die dritte die gesamte Rückkühlanlage, welche die Verlustwärme von insgesamt 24 Kilowatt aus den wassergekühlten Generatorröhren abzuführen hatte. Das Entlausungsgerät stand im Bedienungs- oder Ausgaberaum (Abb. 3), der als lausfreie »Reine Seite« durch eine Mauer von der »Unreinen Seite«, dem Annahmeraum (Abb. 4), getrennt war. Auf dem dort zu sehenden Tisch wurde das Entlausungsgut angefeuchtet, in Säcke gepackt und in die »Beschickungsöffnung« in der Wand gesteckt, wo es von den Förderbändern erfaßt und durch den Erhitzungsbereich gezogen wurde.

Die anderen Hochtechnik-Bauteile

Die außergewöhnliche Forderung, große Hochfrequenzleistung bei kürzester Wellenlänge zu erzeugen, machte es nicht nur erforderlich, als elektronische Röhren für den HF-Generator solche aus der modernsten Technik der Rundfunk-Großsender zu verwenden, sondern aus diesem Bereich auch andere Bauteile und Techniken zu entlehnen.

In der Übersichtszeichnung (Abb. 2) wird ein Gerät der Länge von etwa einem Meter mit »Keramik-Drossel« bezeichnet, welches durch eine Rohrleitung mit einer »Wasser-Pumpe« verbunden ist und von dem aus zwei Wasserschläuche anscheinend direkt in den Generatorbereich (Hochfrequenzkasten) der Anlage führen, womit dieses Gerät der Rückkühlanlage zugeordnet werden muß. In Anhang 1 wird das entsprechende Gerät als »Wasserdrossel« sowie »aus Keramik gefertigte Wasserdrossel« bezeichnet und in den zugehörigen Skizzen jeweils als längliches Gebilde angedeutet. In der Fachliteratur über Rundfunksender der dreißiger Jahre tritt das entsprechende Bauteil als »Wasserwiderstand« oder »Porzellan-Widerstand« in der Rückkühlanlage von wassergekühlten Röhren von Sender-Endstufen auf.[15],[16] Er befand sich im Wasserkreislauf je einmal in der Hin- und Rücklaufleitung vom Kühler zu den Röhren. Seine Aufgabe war, den auf hohem Spannungspegel von rund 10.000 Volt liegenden Teil der Röhre - die zu kühlende Anode - von dem auf Nullspannung liegenden übrigen Teil des Kühlsystems elektrisch zu trennen. Er mußte ein guter Isolator sein und wurde deshalb aus Keramik hergestellt. Das ihn durchströmende Kühlwasser durfte ebenfalls nur eine extrem niedere elektrische Leitfähigkeit besitzen. Es wurde deshalb hochreines, meist destilliertes Wasser verwandt, so auch in den KW-Entlausungsanlagen.

Wasserwiderstände aus Porzellan wurden Anfang der dreißiger Jahre in Rundfunksendern erstmals eingesetzt.[16] Sie waren damals zylindrische Körper in Metergröße mit eingeformten Wasserkanälen[17] und lösten auf ebenso große Trommeln aufgewickelte Gummischläuche ab, welche unzuverlässig waren, weil sie wegen hochfrequenter Restströme zur Versprödung neigten. In späteren Jahren erschienen Keramikwiderstände in der neuartigen Form etwa ein Meter langer und fast ebenso hoher aber schmaler Gebilde mit mäanderförmig eingelagerten Wasserkanälen. Geräte dieser modernen Bauweise wurden in den Entlausungsanlagen eingesetzt.

Elektrische Regelungsprobleme, die heute elegant mit Leistungshalbleitern gelöst werden können, waren vor sechzig Jahren oft nur auf elektromechanische Weise zu bewältigen. Ein solcher Fall war die in Anhang 1 als »selbsttätiger Regler (Thomaregler)« bezeichnete Einrichtung, welche durch Verschieben eines Bauteils, vermutlich einer Spulenwindung, »die Rückkopplung in Abhängigkeit der Belastung des HF-Feldes verstellt«, womit die Anpassung der Hochfrequenzleistung der Anlage an die Energieaufnahme der einzelnen, den Feldbereich durchlaufenden Entlausungsgut-Pakete gemeint ist. Dieser »Thomaregler« konnte ebenfalls nur in Fachliteratur über Rundfunksender gefunden werden.[18] Er bot 1934 die neuartige Möglichkeit, in den neu errichteten »Großrundfunksendern Berlin und Hamburg« unerwünschte Spannungsschwankungen in der Stromversorgung der Senderöhren von plus/minus 5 % auf den zehnten Teil zu verringern:

»Da dieser Regler mit Öldruck arbeitet, geht die Regelung nicht nur schnell, sondern auch pendelfrei vor sich.«[18]

Es hat sich anscheinend um eine erstaunliche Kombination von Elektromechanik und Ölhydraulik gehandelt.

Die verwendeten Hochspannungs-Glühkathoden-Gleichrichter zur Versorgung des Hochfrequenzgenerators mit Gleichstrom auf dem Spannungspegel von 10.000 Volt müssen ebenfalls als Hochtechnik-Bauteile angesehen werden. Es waren evakuierte Röhren in Glas-Metall-Bauweise mit geringem Edelgas- oder Quecksilberdampfdruck. Gleichrichter-Röhren dieser Art wurden erst Anfang der dreißiger Jahre technisch eingeführt und auch in der Hochspannungsversorgung von Rundfunksendern eingesetzt, bald darauf allerdings in einer Ausführung mit Gitterelektrode, die bei Kurzschlüssen eine automatische Stromunterbrechung ermöglichte und die Röhren vor Überlastung schützte. Eine derartige Einrichtung wäre in der KW-Anlage wegen der im Behandlungskondensator auftretenden hohen Spannungsspitzen im Bereich von 20 bis 30 tausend Volt (wie auch in Anhang 1 genannt) sehr nützlich gewesen, ihre Verwirklichung kann aber trotz eines Hinweises[19] nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden.

Natürlich war die KW-Entlausungsanlage im Vergleich zu einem Rundfunksender ein äußerst primitiver Apparat, der heute einfach HF-Wärme-Anlage genannt würde und sein Wärmeerzeuger HF-Industrie-Generator. Apparate dieser Art befinden sich seit den sechziger Jahren in vielfältigem Einsatz und es gibt dafür als Katalogware verlustarme Generator-Röhren in den verschiedensten Ausführungen und Leistungsgrößen, für die eine Kühlung nur durch Luftgebläse meist sogar ausreicht. Auch machen hochspannungsfeste Halbleitergleichrichter heute Glühkathodengleichrichter überflüssig. Bei Entwicklung und Bau der KW-Entlausungsanlagen gab es jedoch solche hochwertigen Bauteile noch nicht. Man nahm diese hygienischen Einrichtungen aber so wichtig, daß man sich mangels anderer Möglichkeiten nicht scheute, auf teuerstes Gerät aus der damals modernsten Rundfunk-Sendetechnik zurückzugreifen.

Die mobile KW-Entlausungsanlage

Sie wird in den vorliegenden Dokumenten das erste Mal in einem »Aktenvermerk« der »Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz« über eine Besprechung am 7.5.1943 mit dem Amtsgruppenchef des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes (SS-WVHA) Dr.-Ing. Kammler erwähnt.[20] Während dieser Besprechung klagte der SS-Standortarzt Dr. Wirths, die höchste medizinische Instanz der Lager in Auschwitz, über unzureichende sanitäre Einrichtungen im KGL Birkenau und forderte für die neuen Bauabschnitte

»10 neue komplette Entwesungsanlagen, einschliesslich Bademöglichkeit zu schaffen.«

Ihm versprach Kammler daraufhin, »einen neuen Kurzwellen-Entlausungszug leihweise zur Verfügung« zu stellen.[20] Zum Betrieb dieser in einen LKW-Spezialanhänger eingebauten KW-Anlage wurden, wie aus 12 Dokumenten (Auftragsscheine, Materialaufstellung, Arbeitskarten etc.) hervorgeht, bis Mitte August 22 Masten nebst Zubehör für eine Starkstrom-Freileitung gesetzt.[21] Die vier mal 500 Meter »Aluseil« als Stromleitungen konnten jedoch erst am 21.10. ausgefaßt werden. Als Grund für diese zweimonatige Verspätung lassen sich Lieferschwierigkeiten und Materialengpässe vermuten, was aus den vorliegenden ZAM-Dokumenten immer wieder hervorgeht. Doch erst am 26.5.1944, also über ein Jahr später als versprochen, kündigt Kammler per Fernschreiben den sofortigen Abgang des KW-Entlausungszugs (die fahrbare Anlage nebst Bedienungsmannschaft) von Breslau nach Auschwitz an.[22] In einem lagerinternen Schreiben vom Juli wird vermerkt, daß diese fahrbare KW-Anlage »im KGL zur Zufriedenheit arbeitet«,[23] und in einem Schreiben der Zentralbauleitung an die SS-Bauinspektion vom 7.11.1944 wird auf Anfrage mitgeteilt, es

»wird die fahrbare Entlausungsanlage bis zum 10. November 1944 zur Entlausung von Steppdecken im B.A.II. und nachher, lt. Angabe des Lagerarztes SS-Hauptsturmführer Mengele, im Frauen-KL. benötigt.«[24]

Die Gründe für die verspätete Überstellung der mobilen Anlage in das Lager Birkenau sind nicht bekannt. Nach Anhang 2 war sie »eine Zeitlang in Auschwitz eingesetzt worden, nachdem sie von Lublin weggebracht werden mußte.« War sie dort im KL Majdanek eingesetzt und bis zur Überstellung unabkömmlich? Weswegen »mußte« sie von dort weggebracht werden? Wegen Annäherung der Ostfront? Ab Herbst 1944 soll sie, ebenfalls nach Anhang 2, im KL Gusen/Mauthausen eingesetzt worden sein. Konstruktion und Fertigung kann Anhang 1 zufolge erst ab Sommer 1942, nach Auftragserteilung durch die SS, begonnen haben. Über den Zeitpunkt ihrer Fertigstellung und Inbetriebsetzung ist nichts bekannt.

Die Fertigung der stationären KW-Entlausungsanlage

Das zeitlich erste unter den vorliegenden ZAM-Dokumenten, in welchem die stationäre Anlage erscheint, ist ein Aktenvermerk des SS-WVHA, Berlin, vom 12. 6. 1943, in welchem mitgeteilt wird, »Der Reichsminister für Bewaffnung und Munition« habe »auf Antrag des Amtes C III die für Auschwitz bestimmte stationäre Kurzwellen-Entlausungsanlage jetzt in die höchste Dringlichkeitsstufe eingereiht, so daß diese Anlage bevorzugt vor allen anderen Anlagen, außer DE-Stufe, gebaut werden muß«, infolge dessen sei deren schnellste Fertigstellung sichergestellt.[25] In einem Schreiben desselben Amtes C III vom 22.7. wird der Befehl zur Errichtung dieser Anlage erteilt und mitgeteilt, der genannte Reichsminister habe »die Anlage in die Sonderstufe SS mit der bevorrechtigten Wehrmachtsauftragsnummer SS 4950 - 0007/43 eingestuft«, und es müsse bis zum 10. 8. ein entsprechender Bauantrag vorgelegt werden.[26] Dieser offensichtlich nach eingefahrenem Schema erstellte Bauantrag der SS-Zentralbauleitung Auschwitz enthält aufgelistet auf drei Seiten die geplanten Kosten für die Umbauarbeiten an dem vorhandenen Gebäude, für die KW-Anlage und für die Installation zweier großer Heizkessel. Beizufügen waren dem Antrag die Abschriften vom Baubefehl aus Berlin sowie der Mitteilung des Amtes C III über den Preis der eigentlichen Anlage. Vorangestellt wurde diesen dreifach ausgefertigten Antragspapieren noch ein Anschreiben an die SS-Bauinspektion in Posen mit der Bitte, die erforderlichen Mittel von »RM 98.000,00« bereitzustellen.[27] Zwei Monate später antwortete diese SS-Baubehörde mit einem eigenen Baubefehl, erteilte die Kennummer für dieses Bauvorhaben und teilte mit, die »benötigten Baumittel in Höhe von RM. 98 000,- (in Worten: Achtundneunzigtausend Reichsmark) werden bereitgestellt«. Als Anlage kam »1 Bauantrag doppelt« zurück.[28]

Foto der HF-Entlausungsanlage Auschwitz 1944

Abbildung 3: Foto S10362 aus Anhang 2: Der Ausgaberaum mit dem eigentlichen Entlausungsgerät

Parallel zu diesem bürokratischen Aufwand, der an die Umständlichkeit einer staatlichen Behörde erinnert, wurde bei der praktischen Einleitung der Arbeiten erstaunlich schnell gehandelt. Schon zwei Wochen nach Mitteilung der Baugenehmigung und der Dringlichkeitseinstufung durch das o. g. Reichsministerium und sogar drei Wochen vor Erteilung des Baubefehls durch Amt C III fand am 30.6. der in einem Aktenvermerk dokumentierte Besuch des Dipl.-Ing. Franke von den Siemens-Schuckertwerken (SSW), des Verfassers des Berichts von Anhang 2, in Auschwitz statt, um technische Fragen (räumliche Verhältnisse, notwendige Bauwerksänderungen, Starkstrombedarf etc.) zu klären. Weil einer raschen Erstellung der KW-Anlage »als Schwierigkeiten die Überlastung der Siemens-Fabriken und der Mangel an genügend guten Monteuren und Feinmechanikern« entgegenstanden, wurde vereinbart, daß in den in Auschwitz vorhandenen Werkstätten Teile der KW-Anlage mit »Häftlingsfachkräften« gefertigt werden sollten und dafür von Siemens »für die Beaufsichtigung der Arbeiten ein entsprechender Fachmann abgestellt wird«.[28]

Vier vorliegenden ZAM-Dokumenten zufolge gab es zwischen Siemens (SSW) und der SS-Zentralbauleitung in Auschwitz bis Anfang August zwei Briefwechsel mit Beilage einer Zeichnung zur Klärung technischer Einbaufragen. Daraus geht hervor, daß bei SSW gegen Ende Juli die Maße des »Hochfrequenzkastens noch nicht festgelegt werden« konnten und man noch in Verhandlung mit dem Lieferanten der »Rückkühler« stehe, deshalb einige Maße für die baulichen Änderungen, für welche die SSW die Zeichnungen erstellte, noch nicht festgelegt werden konnten.[29] Bei einem zweiten Besuch am 28.10.1943 überbrachte SSW-Ingenieur Franke sechs weitere Zeichnungen, klärte wiederum vorwiegend bauliche Fragen und kündigte den Versand der »Hauptteile für die Kurzwellen-Entlausung« von Berlin aus in drei Wochen an.[30] Das kurz bevorstehende Eintreffen dieser Teile wurde dann am 22.11. in einem SS-internen Schreiben angekündigt[31] und am 11.12. in einem Aktenvermerk festgestellt, daß »das Material und die Apparate für die Kurzwellen-Entlausung« bereits angeliefert worden seien, doch der »Einbau der Apparate« durch SSW »wegen der erst fertig zu stellenden Bauarbeiten frühestens am 16.1.1944 beginnen« könne.[32] Unklar bleibt, in welchem Umfang letztlich die Werkstätten des KL an der Fertigung von Teilen für die KW-Anlage beteiligt waren. Es spricht manches dafür, daß dies gar nicht möglich war, da konstruktive Änderungen durch die SSW bis zum Schluß erfolgten und die Schlosser des Lagers aufgrund der elektrophysikalischen Konzeption der Gesamtanlage nur einfache Blechteile oder Unterbauteile des Hochfrequenzkastens oder dergleichen hätten fertigen können.

Die Schwierigkeiten beim Umbau des BW 160

Anhand der nur lückenhaft vorliegenden ZAM-Dokumente lassen sich die Ursachen der aufgetretenen großen Verzögerungen bisher nicht vollständig erkennen. Die SSW haben die Einbaupläne für die KW-Anlage, nach welchen die Zentralbauleitung »die endgültigen Bauzeichnungen ausführen« wollte, sehr spät (28.10.1943) geliefert und per Kurzschreiben mit beigefügter Skizze noch am 14.12. eine letzte Änderung eingebracht.[33] Anscheinend mußte die SSW, abgesehen vom reinen HF-Teil, die stationäre Anlage im Vergleich zu der im Vorjahr gebauten mobilen Ausführung völlig neu entwerfen, um sie an die baulichen Gegebenheiten und sicherlich auch an verschiedene, aufgrund von Lieferengpässen geänderte Kaufteile anzupassen. Mit Sicherheit waren auch ihre Konstruktionsabteilungen wegen kriegsbedingtem Personalmangel genauso überlastet wie der Fertigungsbereich. Die schweren Luftangriffe Ende August und Anfang September auf Berlin, bei welchem in der Nacht vom 3. zum 4.9. das Siemens-Röhrenwerk völlig zerstört wurde[11] und die anderen in Siemensstadt angrenzenden Werke vermutlich auch in Mitleidenschaft gezogen wurden, führten wohl zur verstärkten Verlagerung von Werksteilen zu weniger gefährdeten Standorten und all den damit verbundenen Schwierigkeiten, die sich aus dem Auseinanderreißen eingespielter Betriebsteile und der Verwendung berufsfremder Arbeiter am neuen Standort ergaben. Wie noch zu sehen ist, hat dieses Schicksal auch die mit der Fertigung der KW-Anlage befaßten Werkstätten der SSW getroffen.

Eine weitere Ursache der Verzögerung der Umbauarbeiten am BW 160 war der letztlich gescheiterte Versuch, die entsprechenden Räume noch vor Einbau der KW-Anlage zu beheizen. Dies war wegen deren frostgefährdetem Kühlkreislauf unbedingt notwendig. Die vorgesehene Heizung sollte ursprünglich der Teil einer umfangreichen »Niederdruckdampfheizungs-, Warmwasserbereitungs- und Brausebadanlage« sein, zu welcher zwei 5.000 Liter große (vermutlich mit Kohle beheizbare) Boiler und zwei als »Entnebelungsapparate« bezeichnete große »Abluftventilatoren für die Entnebelung [Wasserdampfablüftung] im Häftlings- und Entlausungsbad« gehörten. Wegen des später geplanten Anschlusses an »die Leitung des Fernheizwerkes« sollte einstweilen nur eine »prov. Kesselanlage erstellt werden«. Hierfür waren einem Mitarbeiter der Lieferfirma bei Köln schon im August 1943 »12 068 kg in Eisenscheinen persönlich übergeben worden«.[34] Diese Scheine wurden während des Krieges als Instrument der Rohstoffkontingentierung je nach Dringlichkeit, das heißt Kriegswichtigkeit der Projekte, als sog. »Eisenbezugsrechte« zugeteilt und erfüllten beim Metalleinkauf eine ähnliche Funktion wie Lebensmittelkarten bei der Nahrungsbeschaffung. Hinweise, weswegen es auch bei der Fertigstellung der provisorischen Heizung Verzögerungen gab, können einem Schreiben der SS-Zentralbauleitung vom 12.2.1944 an die Kölner Firma entnommen werden, worin es u. a. im Zusammenhang mit fehlenden Armaturen für die KW-Anlage heißt:

»Ihre Herren [...] verweisen ständig auf das angeblich schon lange zum Versand gekommene Material, welches jedoch bis jetzt z. T. noch nicht eingetroffen ist.«

und weiter:

»[...] daß von hier aus ein Kurier dieserhalb nach Berlin beordert ist, damit die verlangten [Eisenbezugs-]Scheine rechtzeitig in den rechtmäßigen Besitz gelangen.«[34]

Mit Sicherheit waren auch hier kriegsbedingte Schwierigkeiten bei Materialbeschaffung und Transport die Ursache für erhebliche Verzögerungen.

Die Inbetriebsetzung der KW-Anlage

Einem Fernschreiben vom 15.2.1944 zufolge, könne mit dem Einbau der KW-Anlage »sofort begonnen werden«.[35] In Betrieb gesetzt wurde die stationäre Kurzwellen-Entlausungsanlage jedoch erst am 30.6.1944. Hinweise für die weiteren Verzögerungen gibt ein Aktenvermerk der SSW vom 30.6.1944 über eine Besprechung in Breslau am 26./27.6. zur Untersuchung der »ungewöhnlichen Schwierigkeiten«, mit denen die Inbetriebsetzung der ersten stationären KW-Anlage verbunden war.[19] Daraus geht hervor, daß die Fertigung wesentlicher Teile der Anlage in einem Auslagerungsbetrieb der SSW in Groschowitz bei Breslau erfolgte und anscheinend der gesamte Stromversorgungsteil mit Transformatoren, Gleichrichtern, Steuerung und Instrumentierung vom Siemens-Stromrichterwerk hergestellt wurde. Es werden etwa 60 aufgetretene Fehler aufgelistet und beschrieben. Neben kleineren Konstruktionsfehlern und Fehlern, die für erstgebaute Anlagen typisch sind, treten in bezeichnender Weise mit großer Häufigkeit Fehler auf, die auf mangelhafte Fachkenntnis beim Montagepersonal, also auf die Verwendung berufsfremder Kräfte schließen lassen. Weiter werden ausdrücklich Schwierigkeiten beim HF-Generator angeführt, die auf »Unsymmetrie der Röhrenkennlinien«, das heißt auf unterschiedliches Verhalten der beiden Röhren zurückzuführen waren. Dies läßt auf Schwierigkeiten des ausgebombten und nach Wien verlegten oder noch in Verlegung begriffenen Röhrenwerks bei der Herstellung der nur in kleinsten Stückzahlen gefertigten Wasserkühlröhren wie der RS 257 schließen, bei welchen schon geringste geometrische Abweichungen der Einbauten zu unterschiedlichem elektrischen Verhalten führen mußten. Nach dem Einbau der KW-Anlage und Beendigung der Montage habe ein Laborfachmann mit Doktorgrad noch »über 50 Tage für die Inbetriebsetzungsarbeiten aufwenden müssen«.[19]

Beschickungsraum der HF-Entlausungsanlage in Auschwitz

Abbildung 4: Foto S10360 in Anhang 2: Der Annahmeraum mit der Beschickungsöffnung

Dieser Aktenvermerk steht in Widerspruch zu den Aussagen im Anhang 1, in dem von »nur ganz wenig Schwierigkeiten« bis zum »befriedigenden Dauerbetrieb« gesprochen wird. Die Erklärung dafür dürfte sein, daß der vermutlich im Raum Berlin verbliebene oder anderswohin ausgelagerte Verfasser wenig Kontakt mit der in den Raum Breslau ausgelagerten Fertigungsgruppe hatte, welche sich im Frühjahr 1944 mit den Montagefehlern bei der Inbetriebnahme in Auschwitz befassen mußte. Die dem Aktenvermerk zugrunde liegende Besprechung fand nach Beseitigung der Fehler Ende Juni in Breslau statt. Vielleicht war der Verfasser des Anhang 1 mittlerweile mit anderen Aufgaben befaßt und bei der Niederschrift eineinhalb Jahre später überwogen in der Erinnerung dann die positiven Nachrichten. - Vielleicht wollte der Verfasser auch bewußt beschönigen, in der Hoffnung, daß die russische Besatzungsmacht einen Weiterbau solcher Anlagen gestatten würde, denn in Pommern und Mecklenburg wütete zu dieser Zeit der Flecktyphus.

Um der bürokratischen Pflicht zu genügen, ließ sich die SS-Zentralbauleitung Auschwitz vom SS-Standortarzt Dr. Wirths ein Quittierungsschreiben über den Erhalt der Kurzwellen-Entlausungsanlage, die wie alle anderen Entwesungsanlagen unter dessen Zuständigkeit fiel, ausstellen und sandte dieses zur eigenen Entlastung nebst Begleitschreiben am 4.7.1944 an die SS-Bauinspektion.[36] Der Entlausungsbetrieb wurde »nach Einarbeitung der bis dahin ungeschulten Arbeitskräfte« dann einen Tag später aufgenommen. Zusammenfassend muß festgestellt werden, daß, wie hier dargelegt, der größte Teil der 14-monatigen Bauzeit und der damit um etwa ein dreiviertel Jahr verzögerten Inbetriebnahme den kriegsbedingten Schwierigkeiten anzulasten sind.

Der schnelle Tod der Läuse und Bakterien

Am 10.8.1944 meldet der SS-Standortarzt Dr. Wirths an das SS-WVHA, Amtsgruppenchef C, Dr.-Ing. Kammler, dem Initiator der Kurzwellen-Entlausungsanlage, den erfolgreichen Einsatz derselben während der ersten 32 Arbeitstage:

»Die durchschnittliche tägliche Leistung der Anlage betrug 1441 Wäsche- und Bekleidungsgarnituren und 449 Woll- oder Steppdecken. [...]«

In 32 Arbeitstagen wurden

»insgesamt 46.128 Menschen mit ihrer Bekleidungs- und Wäscheausrüstung und Bettwäsche entlaust. Das Entlausungsgut dieser Menschen ist im allgemeinen umfangreicher als beispielsweise das Entlausungsgut eines auf dem Marsch befindlichen Soldaten.«

Die nach der Entlausung in der Wäsche vorgefundenen Läuse und Nissen wären immer abgetötet gewesen.

»Untersuchungen durch das Hygiene-Institut SS und Polizei Südost, die in Auschwitz vorgenommen wurden, zeigen, dass bei der normalen Bestrahlungsdauer von 3 Minuten pro Sack, das heisst etwa 45 Sekunden pro Einzelstück, eine vollständige Abtötung der geprüften Staphylokokken-, Typhus- und Diphtherietestproben erzielt wurde«.[37]

Wichtig für die zuverlässige Tötung der Läuse, so Dr. Wirths, wäre ein ausreichendes Anfeuchten des Entlausungsgutes. Diese damalige Erfahrung läßt sich nach dem heutigen Kenntnisstand über die Wirkung elektrischer Hochfrequenzfelder auf Organismen physikalisch erklären. Sehr vereinfacht dargestellt gehört Wasser zu den Stoffen, die im Hochfrequenzfeld am leichtesten Energie aufnehmen, sich also am schnellsten erwärmen. Darum werden feuchte Textilien eher heiß als trockene. Die Feuchtigkeit im Entlausungsgutpaket, das sich im Wirkungsbereich der HF-Anlage befand, verdampfte sehr schnell und durchdrang als Heißdampf das gesamte Paket. Dazu kam, daß im Gegensatz zu den Heißluft-, Heißdampf- oder Backofen-Entlausungsverfahren das Entlausungsgut wegen der alles durchdringenden elektrischen Felder von innen heraus erwärmt wurde und in allen Gewebebereichen gleichzeitig. Es bedurfte daher keiner langen Wartezeit, bis die Wärme von den Außenbereichen eines Kleidungsstücks ins Innere von dicken Stofflagen in Nahtbereichen, in welchen sich oft Läuse in Ruhestellung sowie Nissen befanden, eingedrungen war. Auch diese Stellen erreichten im Hochfrequenzfeld in kurzer Zeit eine tödliche Temperatur. Ausreichend hitzeempfindliche Bakterien wurden dabei in der kurzen Zeit auch vernichtet.

Das Entlausungsgut soll sich nach Anhang 1 auf 80 bis 90 Grad erhitzt haben, wurde nach drei Minuten aus dem Hochfrequenzkasten heiß ausgeworfen und Anhang 2 zufolge »zum Abdampfen und Trocknen« ins Freie geschafft. Ein Teil der Feuchtigkeit dampfte schon in der Apparatur aus dem zwischen den Transportbändern eingeklemmtem Stoffpaket aus und mußte als feuchte Abluft von 60 Grad abgesaugt werden. Im Gegensatz zu der in Dr. Wirths' Bericht und auch in Anhang 1 anklingenden Auffassung gibt es nach heutiger Erkenntnis in dem verwendeten Frequenzbereich nur eine thermische Wirkung auf Organismen.[38]Dies wurde auch schon von Dr. Pätzold, einem der damals führenden Medizintechniker bei SRW in Erlangen, so gesehen.[5] Er war es auch, der das Befeuchten des Entlausungsgutes vorschlug.[7]

Die weiteren HF-Entlausungs-Anlagen

In den Siemens-Dokumenten wird die mobile Anlage mit »Osten II« und die erste stationäre Anlage mit »Osten III« bezeichnet. In den ZAM-Dokumenten ist die Bezeichnung »Osten 3« nur einmal zu finden und zwar im Erfolgsbericht des Standortarztes vom 10.8.1944.[37] Es scheint sich um Werksbezeichnungen der SSW zu handeln, wobei sich der nirgends auftretende Name »Osten I« vermutlich auf die nicht fertiggestellte »Groß-Anlage« bezieht und zur Unterscheidung von dieser der ersten Auftragsanlage die Bezeichnung »Osten II« gegeben wurde. Hinweise über das Schicksal der weiteren stationären Anlagen Osten IV bis VI sind in den Anhänge 1 und 2 zu finden.

Sehr interessant in Anhang 1 sind die beiden Sätze:

»Bereits vorher hatten wir den Auftrag auf weitere 10 stationäre Anlagen erhalten, über deren Einsatzort uns noch nichts bekannt gegeben worden war. Die Arbeiten an diesen 10 Anlagen waren bei Kriegsende noch im Anfangsstadium.«

Das »vorher« kann sich, im Zusammenhang mit dem Vorhergehenden gesehen, nur auf das Frühjahr 1945 beziehen. Dieser Auftrag auf 10 Anlagen scheint die Reaktion des SS-WVHA auf das Auftreten von Flecktyphus-Epidemien in den sich überfüllenden Konzentrationslagern in Mittel- und Süddeutschland zu sein, die verlauste Häftlinge auslösten, welche aus den zahlreichen Arbeitslagern im Osten - aus welchen Gründen auch immer - zurückgeführt wurden.

Schlußbetrachtung

Diese Kurzwellen-Entlausungsanlagen wurden von Ingenieuren zum Zwecke der Bekämpfung des Flecktyphus unter Einsatz modernster Technik in den Kriegsjahren 1939 bis 1944 entwickelt und gebaut, konnten aber von hygienischen Institutionen mangels finanzieller Mittel nicht gefördert werden, wurden von der Wehrmacht kaum beachtet und wurden schließlich von der SS für den Einsatz bei den Truppen der Ostfront mit Nachdruck und materieller Unterstützung in Auftrag gegeben, jedoch nach Fertigstellung ausschließlich in Konzentrations- und Arbeitslagern eingesetzt.

Einer dieser Ingenieure schrieb im Herbst 1945 (Anhang 1):

»Wir bedauerten, daß diese Anlagen ihrem ursprünglichen Verwendungszweck, nämlich der Entlausung militärischer Ausrüstung für die Front, nicht zugeführt werden konnten, da sie dem Auftraggeber in den Lagern notwendiger erschienen, da immer wieder Flecktyphusfälle unter den Lagerinsassen beobachtet wurden.«

Man mag sich - in Anbetracht der Zehntausenden an der Ostfront an Flecktyphus gestorbenen deutschen Soldaten - dem Bedauern dieses Ingenieurs anschließen oder es empört zurückweisen. Man kann aber auch zu begreifen versuchen, um wieviel komplizierter das damalige Geschehen war im Vergleich zu dem, wie es von der heutigen weitverbreiteten Geschichtsschreibung dargestellt wird. Und man kann auch ernsthaft über die Frage nachdenken, inwieweit ein simplifiziertes Geschichtsbild uns daran hindert, aus der Geschichte zu lernen.


Anhänge, aus einem Privatarchiv

Konstruktionsskizzen der HF-Entlausungsanlage Auschwitz

Abbildung 5: Skizzen zu Anhang 1

Bild 1: Die fahrbare Entlausungsanlage auf dem Kfz-Anhänger

Bild 2: Die räumliche Gestaltung des HF-Schwingkreises mit dem Arbeitskondensator

Bild 3: Die Transporteinrichtung für die Entlausungsgut-Pakete

Bild 4: Schema des Einbaus der KW-Entlausung in die umgebauten Begasungszellen des BW 160

Anhang 1 (schreibmaschinenschriftlich):

Den 24.9.1945

Entwurf zum Bericht über die elektrischen Entlausungsanlagen der Siemens-Schuckert-Werke A.G.

Im Verfolg unserer Aufgaben auf dem Gebiet der technisch-industriellen Anwendung Elektromagnetischer Schwingungen, insbes. von Kurzwellen und Ultrakurzwellen, wandten wir uns schon vor dem Krieg auch Versuchen auf dem biologischen Gebiet zu. Insbesondere beschäftigten wir uns mit der Konservierung von Nahrungsmitteln durch Töten der Bakterien unter dem Einfluss kräftiger Kurzwellenfelder. Wir konnten frühere, von anderer Seite durchgeführte Versuche bestätigen, dass Kleinlebewesen, insbes. Bakterien im Kurzwellenfeld rasch absterben. Es gelang uns besonders, Bedingungen herzustellen, unter denen diese Tötung von Bakterien ohne wesentliche Erwärmung derselben erfolgt.

Bald nach Kriegsbeginn (1939) hörten wir, dass in Polen Fälle von Flecktyphus festgestellt wurden, der bekanntlich nur durch Läuse übertragen wird. Wir beschlossen deshalb, Versuche durchzuführen mit dem Ziel, eine Entlausungsanlage auf Kurzwellenbasis zu entwickeln, da wir glaubten, dass eine derartige Anlage radikaler, schneller und für die Kleidungsstücke schonender arbeitet, als die bekannten Anlagen.

Wir wandten uns an die biologische Reichsanstalt in Dahlem, Herrn Prof. Hase, ein bekannter Spezialist auf dem Gebiet der Ungezieferbekämpfung. Er sagte uns seine Unterstützung zu, wenn ein Vorversuch erfolgversprechend ablief. Dieser Vorversuch wurde im September oder Oktober 1939 in unserem Laboratorium in der Motardstr. durchgeführt. Verwendet wurde ein medizinisches Kurzwellengerät der Siemens-Reiniger-Werke (Typ Ultra-Pandorus), Wellenlänge etwa 10 m. Das Ergebnis war überraschend gut: Läuse und Wanzen mit deren Eiern und Brut, die in Mullbeuteln und Glasbehältern in das Kurzwellenfeld gebracht wurden, starben unmittelbar nach dem Einschalten des Feldes in 1 - 2 Sekunden.

Diese Vorversuche wurden einem grösseren Kreis von Ärzten der Wehrmacht, der Marine und der Luftwaffe, insbesondere Herren der Heeressanitätsinspektion vorgeführt. Alle diese Herren äusserten sich optimistisch und sprachen für eine Weiterführung der Arbeiten.

Wir versuchten nun, diese Ergebnisse im Laboratorium in grösserem Massstab zu reproduzieren. Wir verwandten dabei ein im Stromrichterwerk gebautes Kurzwellengerät von etwa 8 kW HF-Leistung bei einer Wellenlänge von 25 - 30 m. Der Behandlungskondensator bestand aus 2 Platten von etwa 25 x 35 cm Fläche, die in einem Abstand von etwa 10 cm einander gegenüber standen. Die Läuse wurden in Mullsäckchen gepackt und in militärische Kleidungsstücke (Hosen und Jacken) gelegt. Die Kleidungsstücke wurden auf einem Transportband zwischen den Kondensatorplatten langsam durchgeführt und dabei 10 - 30 sek und länger dem Kurzwellenfeld ausgesetzt. Die Ergebnisse dieser Versuche, die den praktischen Verhältnissen nahe kamen, waren nicht ganz so gut wie die Ergebnisse der ersten Kleinversuche. Doch erkannten wir im wesentlichen die Gründe der Verschlechterung der Wirkung und glaubten, sie beim Bau von Betriebsanlagen beseitigen zu können.

Wir baten die interessierten militärischen Stellen um Zurverfügungstellung von Rohstoffen und Arbeitskräften für den Bau einer wirklichen Gross-Betriebsanlage. Da es sich herausstellte, dass die Heeressanitätsinspektion weder über Rohstoffkontingente noch über Arbeitskräfte verfügte, erklärten wir uns im Interesse der Sache bereit, die Rohstoffe aus den der Firma für Entwicklungsarbeiten zur Verfügung stehenden Kontingenten zu entnehmen und eine Grossanlage ohne Unterstützung personeller Art für die Heeressanitätsinspektion zu bauen.

Diese dem St.W. [Stromrichter-Werk] in Auftrag gegebene Grossanlage ist nie fertig geworden, da der notwendige Druck fehlte und nach Beendigung des Polenfeldzugs auch die Notwendigkeit der Schaffung von Entlausungsanlagen nachgelassen hatte.

Im Frühjahr 1942 (?) bemühte sich die Reichsführung SS, das beste Entlausungsverfahren ausfindig zu machen, um Anlagen in grösserem Masstab zu beschaffen. Durch Herrn Prof. Hase (biol. Reichsanstalt Dahlem) auf unser Verfahren als das seiner Ansicht nach beste aufmerksam gemacht, liessen sich die zuständigen Herrn der SS die Kleinversuche vorführen und bestellten anschliessend sofort 5 Betriebsanlagen unter Stellung aller Rohstoffkontingente, Dringlichkeiten und auch von Arbeitskräften.

Die Anlagen sollten fahrbar ausgeführt werden, so dass sie bis zur vordersten Front fahren konnten. Sie sollten in der Lage sein, stündlich die Ausrüstung von etwa 400 Mann zu entlausen.

Vor Beginn des Baues sollten noch einmal Grossversuche im Labor vorgeführt werden. Diese Vorführung fand - nach einigen Vorarbeiten, insbes. nachdem es gelungen war, die erforderliche kurze Wellenlänge von 10 m bei der notwendigen hohen Spannung von 20 - 30 kV und der Leistung von 40 kW darzustellen - im Mai 1942 statt mit sehr gutem Erfolg. Es wurde nachgewiesen, dass nicht nur die Läuse samt Eiern und Larven vernichtet wurden, sondern auch die den Flecktyphus erzeugenden Bazillen, die sich im Darm der Läuse aufhalten. Die Kleidungsstücke und Decken wurden dabei besonders geschont, so dass sie nicht mehr strapaziert wurden, als eine Hose beim Einbügeln von Bügelfalten. Die Dauer, während der die Kleidungsstücke dem Ultra-Kurzwellenfeld ausgesetzt waren, betrug 30 - 40 sek. Ein leichtes Anfeuchten der Kleidungsstücke durch Bestäubung mit Wasser erwies sich als nützlich.

Nach Vorführung dieses Grossversuchs wurde der Bau der Anlagen freigegeben. Allerdings sollte zunächst eine Anlage geliefert werden um bei den weiteren Anlagen aus den Erfahrungen mit dieser Erstanlage lernen zu können.

Der ungefähre, schematische Grundriss dieser ersten, fahrbaren Betriebsanlage geht aus Bild 1 hervor. Die Dromos-Werke, Leipzig, entwickelten das Spezialfahrzeug (Anhänger). Die el. Leistung wurde entweder einem 380 V-Netz entnommen, oder einem fahrbaren Stromerzeuger, den eine Firma aus Ulm lieferte. Leistung etwa 80 kW bei 380 V (Drehstrom). In einem Trafo (8) mit Stufenregler (7) wurde die Spannung hochgeformt und in Glühkathodengleichrichtern (9) gleichgerichtet. Spannung in Stufen regelbar bis 10 000 V. Die Gleichspannung wurde dem Hochfrequenz-Erzeuger (16) zugeführt, dessen schematischer Aufbau aus Bild 2 hervorgeht. Es handelte sich um eine Art Lechersystem, bestehend aus einer U-förmig gebogenen Lecher-Rohrleitung (17), an deren beiden Schenkeln die Kondensator-Elektroden (18) angeordnet waren, zwischen denen die Kleidungsstücke behandelt wurden. Die HF-Röhren (19) waren an bestimmten Stellen der U-förmigen Lecherleitung angeordnet.

Das HF-System befand sich in einem eisernen Abschirmkasten (1) (Bild 1), um Rundfunkstörungen und Leitungsverluste zu vermeiden. Eine Transporteinrichtung (20) brachte die Kleidungsstücke vom Aufgabetisch (3) zum Abnahmetisch (2) und führte sie dabei durch das HF-Feld. Die Bedienungstafel (4) befand sich neben dem Abnahmetisch. (5) bedeutet eine Relaistafel, (6) den Hauptschalter. (10) ist ein selbsttätiger Regler (Thomaregler), der die Rückkopplung in Abhängigkeit der Belastung des HF-Feldes verstellt. (11) stellt eine aus Keramik gefertigte Wasserdrossel dar, (12) eine Kühlwasserpumpe für die Senderöhren, (13) 2 Automobil-Kühler zur Kühlung des Kühlwassers, (14) einen Lüfter für die Kühlluft und (15) eine Verteilungskammer für die Abluft des Kühlers. Sie ermöglichte es, die Abluft entweder im Sommer ins Freie zu schicken oder im Winter ganz oder teilweise in den Wagen zurückzugeben.

Die Kleidungsstücke wurden, nachdem sorgfältig alle grösseren Metallteile wie Messer, Nägel, Nadeln usw. entfernt waren, mit Wasserzerstäubern angefeuchtet und in Säcke gestopft. In diesen Säcken gelangten sie in das Hochfrequenzfeld. Aus Abb. 5 ist zu erkennen, wie die Säcke auf den Aufgabetisch gelegt, von den Förderbändern erfasst und zwischen den Kondensatorelektroden durchgeführt werden. Die Förderbänder werfen die Säcke auf den Abnahmetisch, von wo sie weggenommen werden.

Es war ursprünglich beabsichtigt, diese fahrbaren Anlagen für die Fronttruppe zu verwenden. Zunächst wurde die Erstanlage zur Erprobung nach Lublin geschickt, wo ausschliesslich Zivil-Kleider entlaust wurden. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten kam die Erstanlage dort in Dauerbetrieb und entweste lange Zeit mit bestem, stets nachgeprüftem Erfolg Kleidungsstücke aller Art von Männern und Frauen, ebenso Decken usw. Später wurde die Anlage nach Auschwitz transportiert, wo sie ebenfalls längere Zeit arbeitete. Ob sie noch existiert, ist mir nicht bekannt.

Nachdem diese Erstanlage ihre Eignung erwiesen hatte, wurde der Bau der übrigen vier Anlagen freigegeben. Doch sollten sie im Gegensatz zur Erstanlage und im Gegensatz zur seinerzeitigen Bestellung nicht mehr fahrbar, sondern stationär gebaut werden, jedoch so, dass sie jederzeit in wenigen Stunden oder höchstens Tagen abgebaut und verlegt werden konnten. Man dachte daran, sie an Truppenumschlageplätzen und in Lägern einzusetzen.

Der grundsätzliche Aufbau der Anlagen blieb derselbe. Die Gesamtanordnung war dagegen wesentlich anders: s. Bild 4! Dieses Bild zeigt die Anordnung, wie sie bei einer in Auschwitz aufgestellten Anlage gewählt wurde. Die angelieferten Kleidungsstücke kamen in dem mit »unreine Seite« bezeichneten Raum auf Vorbehandlungstische, auf denen sie nach Metallteilen untersucht und befeuchtet wurden. In Säcke gesteckt, wurden sie auf den Aufgabetisch (2) gelegt, der in den Raum »unreine Seite« hereinragte. Sie wurden dann auf dem Transportband durch die im Abschirmkasten (1) befindliche Hochfrequenzanlage befördert, die sich von der der fahrbaren Anlage kaum unterschied. Auf dem Abnahmetisch (6) verliessen die entwesten Kleider den Abschirmkasten auf der »reinen Seite«.

Konstruktionsskizze der HF-Entlausungsanlage in Auschwitz

Abbildung 6: Skizze I in Anhang 2

Der Transformator (7) und der Regeltransformator (8) befanden sich mit der Gleichrichtertafel (4), Relaistafel (5) und der Rückseite der Schalttafel (3) in einer bes. Zelle. Die Bedienungsseite der Schalttafel (3) bildete einen Teil der Wand des Raumes »unreine Seite«. Die Rückkühleinrichtung des Röhrenkühlwassers (10) und die Wasserdrossel (9) standen in einer Nachbarzelle neben der Hochspannungserzeugungsanlage.

Diese Auschwitzer Anlage kam mit nur ganz wenig Schwierigkeiten schnell in befriedigenden Dauerbetrieb und arbeitete bis zuletzt segensreich. Ausführliche Untersuchungen von medizinischer Seite bestätigten immer wieder die vollkommene, durch andere Verfahren unerreichte Entlausungswirkung, die Schonung der Stoffe und die rasche Arbeitsweise der neuartigen Entlausungsanlage. Es wurde berichtet, dass Fälle von Flecktyphus, die vor Eintreffen der Anlage festgestellt worden waren, nach ihrem Einsatz rasch zum Verschwinden gebracht werden konnten.

Die nächste Anlage wurde in Mauthausen aufgestellt. Sie machte noch weniger Schwierigkeiten, da die Erfahrungen der vorhergehenden Anlagen ausgenützt werden konnten. Die Gesamtanordnung dieser weiteren stationären Anlage war der in Auschwitz ähnlich.

Die letzten beiden der bestellten 5 Anlagen sollten in Dachau und in einem Lager in Mitteldeutschland aufgestellt werden. Während die Anlage »Dachau« noch an Ort und Stelle eintraf und m. W. auch noch montiert wurde, fiel die letzte der 5 Anlagen schon auf dem Transport einem Luftangriff zum Opfer.

Bereits vorher hatten wir den Auftrag auf weitere 10 stationäre Anlagen erhalten, über deren Einsatzort uns noch nichts bekanntgegeben worden war. Die Arbeiten an diesen 10 Anlagen waren bei Kriegsende noch im Anfangsstadium.

Wir bedauerten, dass diese Anlagen ihrem ursprünglichen Verwendungszweck, nämlich der Entlausung militärischer Ausrüstung für die Front, nicht zugeführt werden konnten, da sie dem Auftraggeber in den Lagern notwendiger erschienen, da immer wieder Flecktyphusfälle unter den Lagerinsassen beobachtet wurden. Versuchstechnisch war jedoch nachgewiesen, dass das Verfahren für militärische Kleidungsstücke ebenso geeignet ist wie für Zivilkleidung, vorausgesetzt, dass Winkel, Achselstücke usw. aus Stoff und nicht aus Metall bestanden, wie es auch an der Front üblich war. Notfalls mussten die Achselstücke abgenommen werden. Die Temperatur, die die Kleidungsstücke annahmen, betrug in der Grössenordnung von 80 - 90°. Dabei war diese Temperaturerhöhung so kurzzeitig, dass irgend eine Schädigung der Kleider unmöglich war. Nur ganz gelegentlich kamen, wenn z.B. spitze Metallgegenstände nicht entdeckt und entfernt worden waren, Überschläge mit lokaler Verbrennung der Kleider vor, die leicht repariert werden konnten. Gänzliche Vernichtung eines Kleidungsstücks wurde nie beobachtet im Gegensatz zu Warmentlausungsanlagen älterer Bauart, in denen oft ganze Einsätze verbrannten.

[gez.] Bay


Anhang 2 (handschriftlich):

16. 9. 45

Bericht über die H-F.-Entlausungsanlagen

A.) Auschwitz = »Osten III«

Die stationäre Anlage in A. wurde in einen bereits vorhandenen Rohbau mit schätzungsweise 20 - 24 Begasungszellen (siehe Skizze I) eingebaut. Es war vorgesehen, späterhin eine 2. Anlage spiegelbildlich in dem abgegrenzten Raum aufzustellen. Die Zellen waren für Beschickung v. Kleidungsstücken gedacht, die mit Blaugas oder einem ähnl. Stoff entlaust werden sollten. Dazu ist eine umfangreiche Heizungsanlage erforderlich, die seinerzeit noch nicht eingebaut war u. meines Wissens auch nicht eingebaut wurde. Wegen der giftigen Gase war die Halle nach allen Seiten offen, jedoch überdacht. Wir haben deshalb unseren Raum f. die H.F.-Anlage als abgeschlossenen Raum ausführen lassen, der dann auch durch die Abwärmeluft od. elektrisch beheizbar gewesen wäre.

Der gesamte Rohbau gehörte zu einem groß angelegten Gebäudekomplex, der auch die Einrichtungen für die Körperentlausung mit Bädern, Scherräumen usw. enthielt. Von einer Einrichtung die evtl. zur Vernichtung von größeren Lebewesen hätte dienen können, ist mir in diesem Bau nichts bekannt. Der Rohbau wurde nur für die HF.-Entlausung benutzt, da Blaugas seinerzeit schwer zu bekommen war und wegen der Giftwirkung unerwünscht war. Auch als Heißluftanlage wurde der Bau nie verwendet, da die Heizungsanlage fehlte.

Der blau umrandete Teil diente zur Aufnahme der eigentlichen, elektr. Anlage. Er war vollkommen verschließbar u. »reine« u. »unreine« Seite war durch eine Mauer, die ledigl. durch ein Fenster unterbrochen war, getrennt. Zelle 1, 2, 3 enthielt die elektr. Teile der Anlage »Osten III«, während Zellen 4, 5, 6 für eine spätere Anlage vorgesehen waren. Diese Zellen dienten einstweilen als »Büro« u. Abstellraum. Die roten Pfeile zeigen den Lauf der Kleidungsstücke. Sie wurden meist nach der H.F.-Behandlung auf dem offenen Umgang zum Abdampfen u. Trocknen ausgebreitet, bevor sie an die Kleiderkammer zurückgingen.

Die grünen Pfeile zeigen die Blickrichtungen für die beiden beigefügten Fotos S10360 u. S10362 (bitte vervielfältigen lassen, da voraussichtlich die einzigen u. letzten Aufnahmen!).

Konstruktionsskizze der HF-Entlausungsanlage in Mauthausen

Abbildung 7: Skizze II in Anhang 2: Die KW-Entlausungsanlage »Osten IV« in Mauthausen. Zum Vergrößern Dokument anklicken.

Foto S10362 zeigt den vollk. geschlossenen überdachten Raum, auf Foto S10360 sieht man den Rohbau mit der Dachkonstruktion der offenen Halle. Eine Tür z. einer Zelle hinter dem einspritzenden Mann wurde zugemauert.

Die Anlage wurde mit etwa 15 Häftlingen betrieben, die zum Zutragen, Einspritzen, Aufgeben u. Abnehmen u. Forttragen der Kleidungsstücke bezw. Kleidersäcke eingeteilt wurden. Die Zahl erscheint hoch, war aber infolge genügend freier Arbeitskräfte unwesentlich bezügl. der Betriebskosten der Anlage.

Beifolgend 2 Berichte über meinen Besuch in Auschwitz, die die seinerzeitigen Verhältnisse vor dem Bau u. der Aufstellung der H.F.-Anlage widerspiegeln. (Bitte an mich zurückgeben!)

B.) Mauthausen/Linz = »Osten IV«

Diese Anlage ähnelt der Auschwitzer Anlage sehr. Sie wurde Herbst 44 geliefert u. in einer Holzbaracke untergebracht. Sie war bezügl. der Aufstellung der elektr. Teile günstiger angeordnet, da alles in einem gemeinsamen Raum - außer dem H.F-Generator selbst - untergebracht war. Nach Aussage der SS (Herrn Pambor!) machte sie einen sehr guten Eindruck; einige Aufstellungsfehler der Auschwitzer Anlage waren vermieden worden. Fotos sind leider nicht in meinem Besitz, obwohl Aufnahmen angefertigt wurden.

Vor der Inbetriebnahme unserer H.F.-Anlage war bereits eine Heißdampfanlage vorhanden, die aber bei weitem nicht ausreichte. Auch hier war der »Gas«-Betrieb eingestellt.

Im Herbst 44 wurde auch die fahrbare Anlage in einen Zweigbetrieb v. Mauthausen, nämlich nach Gusen gebracht, nachdem dort der Flecktyphus ziemlich stark zugenommen hatte. Die fahrbare Anlage war eine Zeitlang in Auschwitz eingesetzt worden, nachdem sie von Lublin weggebracht werden mußte.

C.) »Osten V« sollte nach dem Muster »Osten IV« in Dachau/München eingesetzt werden. Sie kam jedoch nicht mehr zur Aufstellung, obwohl der größte Teil der aus Groschowitz geretteten Teile dort noch ankam.

D.) Über die 5. bestellte Anlage war noch nicht verfügt. Evtl. wäre sie als zweite Anlage nach Auschwitz oder nach Thüringen gekommen.

Auf Veranlassung des SS-Standortarztes fand am 29.7.44. in Auschwitz eine Prüfung der bakterientötenden Wirkung der stat. Kurzwellen-Entlausungsanlage durch den Leiter des Hygiene-Instituts Dr. Weber statt. In dem Bericht des Standortarztes an das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (Amtsgruppenchef Dr. ing. Kammler) heißt es u. a.:

»Die Entlausungsanlage arbeitet sehr prompt u. zuverlässig, wie zahlreiche Probeuntersuchungen ergeben haben. Sowohl die in Beutel eingenähten lebenden Läuse als auch die nach der Entlausung in der Wäsche vorgefundenen Läuse u. Nisse waren immer abgetötet.«

»In 32 Arbeitstagen bis zum 6.8.44 wurden insgesamt 46 122*) Menschen mit ihrer Bekleidungs- und Wäscheausrüstung und Bettwäsche entlaust. Das Entlausungsgut dieser Menschen ist im allgem. umfangreicher als beispielsweise das Entlausungsgut eines auf dem Marsch befindl. Soldaten.«

Von der Fa. Siemens wurde der stündl. Durchsatz mit ~ 400 - 450 kg Kleiderstoff angegeben, bei einer H.F.-Leistung von ~ 30 KW.

[gez.] Franke

*) Diese Zahlen hätten noch wesentlich gesteigert werden können....


Anmerkungen

[1]R. Faurisson, in: H. Verbeke (Hg.), Auschwitz: Nackte Fakten, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem, Belgien, 1995, S. 63.
[2]J.-C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz, Piper, München 1994, S. 105ff., 113ff.
[3]E. May, Industrial high frequency electric power, Wiley, New York 1950.
[4]Vgl. z. B.: H. Püschner, Wärme durch Mikrowellen, Philips techn. Bibliothek, Eindhoven 1964.
[5]J. Pätzold, Erlangen, »Die Hochfrequenztechnik in der Medizin«, in: F. Vilbig, J. Zenneck (Hg.), Fortschritte der Hochfrequenztechnik, Band 2, Akademische Verlagsgesellschaft Becker & Erler KG, Leipzig 1945.
[6]Aktennotiz des E-Laboratoriums der SRW, Erlangen, 24. Mai 1940, Besprechung mit SSW, in Berlin-Siemensstadt ... über die industrielle Anwendung von Ultraschall- und Kurzwellenenergie. (Siemens-Archiv für Medizintechnik).
[7]Aktennotiz des E-Laboratoriums der SRW, Erlangen, 23. Juli 1940, Bericht über eine Besprechung mit Herren von SSW, u. a. zur Klärung von Fragen betreffend Lebensdauer von Kleiderläusen im Hochfrequenzfeld. (Siemens-Archiv für Medizintechnik).
[8]Aktennotiz: Projektierung eines Hochfrequenzaggregates zur Entlausung von Uniformen für S.S.W., E-Laboratorium der SRW, Erlangen, 13.8.1940 (Siemens-Archiv für Medizintechnik).
[9]F. Banneitz, A. Gehrts, Berlin, »Wassergekühlte Senderöhren (Großleistungsröhren)«, in: Mitteilungen aus dem Reichspostzentralamt, Bd. XVIII, Berlin 1936, S. 117.
[10]Gehrts, A. Semm, »Neuere Senderöhren«, in: Mitteilungen aus dem Reichspostzentralamt, Bd. XXI, Berlin 1939, S. 273.
[11]50 Jahre Entwicklung und Fertigung von Elektronenröhren im Hause Siemens, Sonderdruck aus der SIEMENS-Zeitschrift, Heft 2, 1962, S. 15.
[12]W. Burkhardtsmaier, »75 Jahre Sendertechnik bei AEG-Telefunken«, AEG-Telefunken, Ulm, o. J. (1978?), S. 33.
[13]Semm, »Der gegenwärtige Stand der deutschen Rundfunksendertechnik«, Mitteilungen aus dem Reichspostzentralamt, Bd. XXI, Berlin 1939, S. 60.
[14]S. Hermann, W. Kahle, J. Kniestedt, Der deutsche Rundfunk, Heidelberg 1994, S. 60, 263.
[15]Gehrts, A. Semm, Berlin, »Verstärker- und Senderöhren für Großrundfunksender«, in: Die Naturwissenschaften, 23(33) (1935), S. 567
[16]Semm, »Der Ausbau des deutschen Rundfunksendernetzes«, in: Telegraphen- und Fernsprech-Technik, 1932, Nr. 8, S. 225.
[17]Elektrotechnische Rundschau, 1932, Heft 50, S. 1205f. (Fernmeldetechnik)
[18]Dr. A. Semm, »Der Ausbau des deutschen Rundfunksendernetzes (III. Teil)«, in: Telegraphen- und Fernsprech-Technik, 1934, Nr. 4, S. 79.
[19]Aktennotiz über die Besprechungen am 26. und 27. 6. in Breslau über Osten III und IV, Mohlsdorf, den 30. 6. 1944, AJE/1740 070/zM, Fehlerliste, Pkt. D. 9. (Privatarchiv).
[20]ZAM 502-1-233-33 bis 38.
[21]ZAM 502-1-316-356 bis 367; 502-1-333-100; 502-1-336-100.
[22]ZAM 502-1-333-45.
[23]ZAM 502-1-332-7.
[24]ZAM 502-1-332-1.
[25]ZAM 502-1-333-34.
[26]ZAM 502-1-337-24.
[27]ZAM 502-1-337-23, 26 bis 30.
[28]ZAM 502-1-333-103.
[29]ZAM 502-1-337-36 u. 37; 502-1-333-98 u. 104.
[30]ZAM 502-1-337-18.
[31]ZAM 502-1-337-17.
[32]ZAM 502-1-333-72.
[33]ZAM 502-1-337-9 u. 10.
[34]ZAM 502-1-333-4, 60, 63, 92; 502-1-337-13.
[35]ZAM 502-1-333-64.
[36]ZAM 502-1-333-16.
[37]ZAM 502-1-333-7.
[38]N. Leitgeb, Strahlen, Wellen, Felder, dtv, München 1991, bes. Abschnitt 5.3: »Biologische Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung«.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(4) (1998), S. 261-273.
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