Eine Fallstudie früher integrierter Kriegführung

Eine Analyse des Krimfeldzuges der Wehrmacht im Jahre 1942

Von Dr. Joel S. A. Hayward

Die meisten Militärtheoretiker und Kommentatoren glauben, daß die Durchführung integrierter Militäroperationen - also Einsätze unter Einbindung von zwei oder mehreren Teilstreitkräften unter einem vereinten Oberkommando - unter den meisten Umständen der modernen Kriegführung effektiver sind als Einsätze, an denen nur eine Teilstreitkraft beteiligt ist oder auch mehrere Teile ohne systematisch integriertes bzw. vereintes Kommando kämpfen. Viele betrachten die Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschland als frühen Pionier einer "Integration". Die Wehrmacht, so behaupten sie, führte routinemäßig Einsätze durch, an denen Elemente von zwei oder mehr Teilstreitkräften in enger Kooperation und mit untereinander vereinbarten Zielsetzungen kämpften, und zwar mit relative wenig Rivalitäten und einer Kommandostruktur, die zumindest am "scharfen Ende" der jeweiligen Unternehmen den Integrationsgeist förderte, anstatt ihn zu behindern. Als Ergebnis dessen stieg die Kampfkraft der Wehrmacht.

Ohne anachronistisch werden zu wollen - immerhin ist das Konzept der Integration sehr neu - untersucht dieser Artikel das Ausmaß und die Auswirkung der Bemühungen der Wehrmacht, ihre Wirksamkeit durch die Integration der Einsätze ihrer Teilstreitkräfte zu erhöhen. Abgesehen von einer mehr allgemeinen Diskussion des Themas Integration ruht diese Arbeit auf einer Fallstudie: Der Einsatz der Wehrmacht während des Krimfeldzuges vom Mai und Juni 1942, der zwei erfolgreiche deutsche Offensiven umfaßt (die Schlachten von Kertsch und Sewastopol), die zu Land, zu Wasser und aus der Luft durchgeführt wurden. Anlaß für die Wahl dieses Feldzuges für die Fallstudie war nicht nur die Tatsache, daß er rasch den Ruhm einer frühen integrierten Kriegführung erwarb, sondern mehr noch wegen seiner unvergleichlichen Tauglichkeit für eine solche Analyse: Er umfaßte eine substantielle Planung, den Einsatz bedeutender Kräfte, die Teilnahme aller drei Teilstreitkräfte, und er endete mit einem schlüssigen Ergebnis.

Dieser Artikel zeigt auf, daß die Wehrmacht den Wert der Integration ihrer Land-, See- und Luftstreitkräfte verstand und diese Teilstreitkräfte daher unter ein Einsatzkommando stellte, das zumindest ein rudimentäres Verständnis von der jeweiligen Taktik, Technik, den Anforderungen, Fähigkeiten und Beschränkungen der in ihrer Kampfzone eingesetzten Teilstreitkräfte hatte. Er zeigt zudem, daß die Bemühungen der Wehrmacht in diese Richtung zur erwünschten Steigerung der Kampfkraft führte. Er schlußfolgert aber auch, daß es der Wehrmacht an Elementen fehlte, die von heutigen Theoretikern als Voraussetzung angesehen wird, um eine wirklich effektive integrierte Kriegführung zu erzielen - ein einziger Oberkommandierender, ein integrierter Stab sowie die Abwesenheit von Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften - und daß sie daher als Ergebnis dessen im Kampf mit unnötigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.


I

Die Analyse der Integrationspraktiken der Wehrmacht - insbesondere bezüglich des Krimfeldzuges - umfaßt die aufeinanderfolgende Betrachtung der Integrationsfragen auf allen drei kriegstechnischen Ebenen: der strategischen, der operativen und der taktischen. Die strategische Ebene bezieht sich hier auf den Planungsprozeß des Feldzuges und auf die Personen an der Spitze der militärischen Kommandostruktur, die eine Strategie entwickelten und Pläne in Taten umsetzten. Im Falle des Dritten Reiches sind das Adolf Hitler und sein kleiner Kreis von Beratern.

Hitler hat weder einen integrierten Stab übernommen noch ihn geschaffen, zumindest nicht im modernen Sinne wie etwa die Joint Chiefs of Staff in den USA. Am 4. Februar 1938 verstärkte er seinen Einfluß auf die Streitkräfte, indem er das alte Reichskriegsministerium durch das neue, folgsamere Oberkommando der Wehrmacht, oder OKW, ersetzte, von dem Walther von Brauchitsch, Hermann Göring und Erich Raeder, die jeweiligen Befehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine, ihre Befehle entgegennahmen. Hitler ernannte sich selbst zum Obersten Befehlshaber und Wilhelm Keitel, mit dem Titel Chef, als seinen wichtigsten Militärberater und Verwaltungschef des Oberkommandos. Am 19. Dezember 1941 ernannte sich Hitler nach der vorzeitigen Pensionierung von von Brauchitsch selbst zum Befehlshaber des Heeres.

Das OKW funktionierte niemals als ein integrierter Stab mit regelmäßig anberaumten Treffen der Kommandeure der Teilstreitkräfte und ihrer Stabschefs und einem selbstverständlichen Grundprinzip der Gleichheit der Teilstreitkräfte sowie einem integrierten Einsatzplanungsprozeß. Auch wenn sich die Kommandeure der Teilstreitkräfte regelmäßig in Hitlers Hauptquartier oder auf seinem Sommersitz in Berchtesgaden trafen, fanden die meisten OKW-Sitzungen unter Abwesenheit ranghoher Repräsentanten von einer oder zwei Teilstreitkräften statt. Das war typisch für die Art, in der Hitler seine Angelegenheiten erledigte. Er haßte die Routine und unterwarf sich ungern dem Zeitplan anderer. Statt dessen hielt er seine Treffen - einschließlich der Kabinettssitzungen - dann ab, wenn er sie für nötig hielt, und er beorderte nur jene dazu, von denen er etwas hören wollte bzw. denen er etwas zu sagen hatte. Wenn er zum Beispiel Luftwaffenangelegenheiten besprechen wollte, so zog er Göring oder Hans Jeschonnek hinzu, den jungen Stabschef der Luftwaffe. Er kümmerte sich dann nicht darum, Vertreter des Heeres kommen zu lassen, es sei denn, die anliegenden Probleme hätten beide Teilstreitkräfte betroffen. Natürlich förderte dies nicht die Integration.

Hitler hatte ranghohe Stabsoffiziere des Heeres gewöhnlich immer in seiner Nähe, aber diese waren gleichermaßen wegen ihres willfährigen Charakters wie wegen ihrer Kompetenz ausgesucht worden, und ihr Rat erwies sich häufig als wenig hilfreich. Seine engsten Berater (die ihn während des Krieges selten alleine ließen) waren Keitel und Alfred Jodl, Chef des Einsatzstabes des OKW. Keitel war ein "Jasager", unfähig, Hitler zu widersprechen. Jodl war ein ehrenwerter Mann, der Hitler gelegentlich gegenübertrat, insbesondere wenn er es für nötig hielt, einen Kammeraden vor unfairen Angriffen zu schützen, aber gewöhnlich fand er es "leichter", den Standpunkt des Führers zu unterstützen.[1] Zumindest für diese Studie ist weit wichtiger, daß beide Heeresoffiziere waren, eine Tatsache, die sich in den von ihnen gegebenen Ratschlägen niederschlug, in denen das Heer häufig der Luftwaffe und der Marine vorgezogen wurde und die ihr Unwissen über die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Leistungsgrenzen der Luft- und Seestreitkräfte allgemein bloßlegten.

Sogar noch nachdem er nach der Katastrophe von Stalingrad in Ungnade gefallen war, behielt Hermann Göring in Hitlers Hof ein merkliches Ansehen und erreichte, daß die Bedürfnisse der Luftwaffe bei den Treffen oben auf der Tagesordnung standen. Tatsächlich läuft der angehobene Status Görings allen Vorstellung der Integration zuwider. So informierte zum Beispiel Hitler am 6. Februar 1943, weniger als eine Woche nach der Kapitulation von Stalingrad den frustrierten Feldmarschall Erich von Manstein darüber, daß die Bildung eines neuen Kommandos aller drei Teilstreitkräfte oder auch nur die Ernennung eines gemeinsamen Kommandierenden, wie von Manstein es sanft befürwortet hatte, völlig außer Frage stehe. Hitler erklärte, daß sich Göring als sein Stellvertreter und einziger Reichsmarschall in Deutschland leider keiner anderen Autorität unterordnen werde als ihm selbst, und daß er sich sicherlich niemals bloß auf gleicher Ebene sehen möchte wie die Kommandierenden im OKW oder die der Teilstreitkräfte.[2]

Der Führer hatte bezüglich Görings Überheblichkeit recht, aber er nutzte dies nur als Vorwand, um jede Auseinandersetzung um den wahren Grund zu vermeiden, weshalb er keinen Oberkommandierenden der drei Teilstreitkräfte ernannte: er spürte, daß eine solche Ernennung den überwiegend selbstgeschaffenen Mythos des "Größten Feldherrn aller Zeiten" erschüttern und sein Ansehen verringern könnte.

Hitlers Kommentar legt aber nur offen, was die Verhaltensmuster während des Krieges auch sonst gezeigt haben: daß es einfach keine Gleichheit unter den Repräsentanten der Teilstreitkräfte auf höchster Ebene gab. Der Einfluß im OKW ergab sich nicht nur aus dem Rang, der Position oder den persönlichen Verdiensten, sondern auch aus der Persönlichkeit und aus Hitlers häufig fehlgeleiteter Loyalität. Als Ergebnis dessen verschärfte sich unter Hitlers Höflingen der Wetteifer um seine Gunst, einschließlich seiner eigenen militärischen Berater und den Chefs der Land-, See- und Luftstreitkräfte: Dadurch wurde eine Situation geschaffen, in der sich die Spannungen zwischen den Teilstreitkräften sogar noch verschlimmerten.

Jene Stabsoffiziere und Einsatzkommandeure, die ihre Chancen auf einen Erfolg wirklich vergrößern wollten, mußten mit diesen Spannungen leben, Parteilichkeiten beseiteschieben und direkt miteinander als informelle "Partner" arbeiten. Sie versuchten, einen Integrationsgeist zu beschwören. Dies war eine schwierige Aufgabe, zumal es kein formalisiertes Konzept der Gleichwertigkeit gab und auch keinen Zusammenhalt durch eine Führung, in der alle Teilstreitkräfte vertreten waren. Sie erreichten dabei aber gewöhnlich ein höheres Maß an Einheit als es den Teilstreitkräften der anglo-amerikanischen Mächte vor 1944 gelang, aber sie handelten von wenigen Ausnahmen abgesehen dennoch nicht als Gleiche. Fast immer forderte und erreichte das Heer die Unterordnung der Luftwaffe, wodurch sie auf Kosten ihrer strategischen Möglichkeiten in eine bloße taktische Unterstützerrolle gedrängt wurde.

Es existierte daher niemals ein vereinigtes Kommando in Form eines integrierten Kommandeurs mit untergeordnetem Stab, teils wegen Görings einzigartigen Status und seines mächtigen Ego, vor allem aber, weil Hitler die Zügel, die er gewöhnlich so eng hielt, lockern wollte. War daher der Führer angesichts der - tatsächlich von ihm selbst geschaffenen - Unzulänglichkeiten dieser Situation in der Lage, eine effektive Führung im Geist der Integration an den Tag zu legen? Ironischerweise ist die Antwort darauf, daß ihm das zumindest manchmal tatsächlich gelang. Er erreichte dies, indem er informell und unabsichtlich in die Rolle schlüpfte, die wir heute als einen Kommandeur integrierter Streitkräfte bezeichnen: Er hatte auf strategischer Ebene die volle Autorität über den Einsatz der Teilstreitkräfte, deren Kommandeure und obere Einsatzbefehlshaber er persönlich so einsetzte, wie seinen eigenen Vorstellungen zufolge der Einsatz abzulaufen hatte. Der hier betrachtete Feldzug ist dafür tatsächlich ein gutes Beispiel: Der Krimfeldzug vom Mai und Juni 1942 bedeutete einen signifikanten Schritt vorwärts in Richtung Integration, auch wenn dies damals nur von wenigen verstanden wurde.

II

Hitlers Weisung für den 1942er Sommerfeldzug im Osten, erlassen am 5. April dieses Jahres, reflektiert deutlich den unvollständigen Charakter des Unternehmens Barbarossa, also des Feldzuges des vergangenen Jahres. Auch wenn der Führer Mussolini gegenüber am 30. April 1942 behauptete, daß sich die Krim, mit Ausnahme weniger Schönheitsfehler, die bald ausgemerzt würden, in deutscher Hand befände, sah die Wirklichkeit ganz anders aus.[3] Zu dieser Zeit war die Halbinsel Krim weder fest noch völlig in deutscher Hand, was Hitler sehr wohl wußte. Sie war bestimmt nicht jene "Bastion im Schwarzen Meer", als welche er sie seinem italienischen Gegenpart beschrieb. Im Gegenteil: Sewastopol, der Hauptmarinestützpunkt der Sowjetunion mit den wichtigsten Werften, wurde immer noch von starken sowjetischen Kräften gehalten, genauso wir die strategisch wichtige Halbinsel Kertsch, die Hitler als Sprungbrett in die erdölreiche Kaukasusregion vorgesehen hatte. In seiner Weisung für den 1942er Sommerfeldzug gab Hitler daher vor, daß es notwendig sei, die Halbinsel Kertsch und die Krim zu säubern und Sewastopol zu Fall zu bringen, bevor mit der Hauptoffensive in den Kaukasus begonnen werden könne.[4]

Hitler war zuversichtlich, daß seine Heeresformationen in der Krim - die Achte Armee und einige rumänische Einheiten - nach geringen Auffrischungen und Verstärkungen in der Lage seien, die massiven Angriffe durchzuführen, die sie in Kürze an beiden Seiten der Krim beginnen sollten. Er vertraute deren Kommandeur, Generaloberst von Manstein, dem Vernehmen nach sein bester operativer Heereskommandeur, ein Ansehen, dem er im Privaten beipflichtete. Hitler, der in allen strategischen und in den meisten operativen Dingen das letzte Sagen hatte, forderte, daß Manstein ihm und seinem Einsatzstab einen vorbereitenden Plan entwerfe. Ihnen gefiel, was der General ihnen vorlegte, so daß nur geringe Änderungen angebracht wurden. Mansteins Plan sah zwei aufeinanderfolgende Offensiven vor, die erste mit dem Decknamen Unternehmen Trappenjagd, um die Halbinsel Kertsch einzunehmen, und die zweiten mit dem Decknamen Unternehmen Störfang, um in das stark befestigte Sewastopol einzubrechen und es einzunehmen.

Am 16.4.1942 legte Manstein seinen fertigen Trappenjagd- Plan Hitler vor, der mit Ausnahme des Luftwaffeneinsatzes alles genehmigte. In Abweichung vom Üblichen und unwissend als integrierter Befehlshaber handelnd kündigte er an, sich selbst um den Einsatz der Luftwaffe zu kümmern.[5] Seiner Vorliebe und seinen Erfahrungen gemäß war der Führer ein "Mann der Heeres", der trotz seiner eindrucksvollen Auffassungsgabe für technische Details anfänglich wenig Verständnis für die Taktiken und Strategie der Luftwaffen hatte.[6] Während der erfolgreichen ersten Kriegsjahre hatte er sich selten in Luftwaffenangelegenheiten eingemischt. Er begnügte sich damit, die meisten Entscheidungen Göring, als dem Befehlshaber der Luftwaffe, und Feldmarschall Erhard Milch, Görings fähigen und engagierten Stellvertreter zu überlassen. Im Winter 1941/42 allerdings hatte der Führer ein klares Verständnis für die Taktiken, Möglichkeiten und Grenzen der Luftwaffe entwickelt und lernte die Schlüsselrolle der Luftunterstützung bei Bodenschlachten zu schätzen. An zahlreichen Stellen entlang der Ostfront sah er, wie die Luftwaffe Schwierigkeiten der Front behob und manchmal sogar deutlich zum Ausgang von Schlachten beitrug.

Davon beeindruckt begann er, sich in Luftangelegenheiten einzumischen und gemeinsame Heer-Luftwaffe-Unternehmen zu koordinieren, oft ohne Göring zu konsultieren. Im späten Februar 1942 hatte beispielsweise Generaloberst Georg von Küchler, der Befehlshaber der Heeresgruppe Nord, Pläne für einen Gegenangriff nahe Wolkhow weit im Norden vorgelegt. Am 2. März ordnete Hitler persönlich eine mehrere Tage andauernde intensive Vorbereitung des Angriffes aus der Luft vor.[7] Allerdings war das Wetter so ungünstig, daß nur wenige Flugzeuge abheben konnten. Konsequenterweise befahl der Führer Küchler, der darauf drängte loszuschlagen, die Offensive zu verschieben bis die Wetterbedingungen den vollen Einsatz der Luftwaffe erlauben.[8] Einen Monat später hielt er ihm einen Vortrag über die Wichtigkeit massiver Luftunterstützung. Er meinte, man hätte im Januar Toropets und damit zentrale deutsche Treibstoff- und Nachschublager nicht aufgeben müssen, wenn der Gruppenkommandeur die Möglichkeiten dieser Unterstützung wirklich verstanden hätte.[9] Womöglich entschied sich Hitler aufgrund dieses Fehlschlages, den Einsatz der Luftwaffenverbände in der wichtigen Kertsch-Offensive selbst zu organisieren.

Diese Offensive, so Hitler Ende Februar 1942, bedürfe einer massiven Luftunterstützung.[10] Am 17. April führte er eine lange Unterredung mit Jeschonnek und anderen ranghohen Luftwaffenbediensteten - aber anscheinend ohne Göring - um Art und Ausmaß dieser massiven Luftunterstützung sowie Methoden zur Verbesserung der Integration von Heer und Luftwaffe auszuarbeiten.[11] Bevor er die Lage mit Generaloberst Wolfram Freiherr von Richthofen besprechen konnte, dessen mächtiges Fliegerkorps VIII[12] er neben Generaloberst Alexander Löhrs Luftflotte 4 auf der Krim einzusetzen gedachte,[13] plante Hitler zunächst nur den Einsatz von Löhrs Luftflotte. Die erhalten gebliebenen Akten dieser Unterredung enthüllen, daß Hitler sich mit den Schlüsselproblemen des Einsatzes der Luftwaffe während des Krimfeldzuges vertraut gemacht hatte. Bevor der Feldzug begann, erließ er einen deutlichen Satz von Anweisungen bezüglich der Hauptaufgaben, die die Luftwaffe zu erfüllen hatte, forderte den Bau neuer Flugplätze, erließ Befehle zu deren Sicherung und entwarf ein innovatives Schema, um die gesamte operative Schlagkraft der 4. Luftflotte zu erhöhen.[14] Er diskutierte sogar die Herstellung, Beschaffung und Verteilung von Splitterbomben, deren Einsatz durch die Luftwaffe er unter gewissen Umständen vorgesehen hatte.

Wenn man all dies in Betracht zieht, so machen Hitlers Anweisungen an die Luftwaffe deutlich, daß er deren wesentliche Anforderungen, Möglichkeiten und Beschränkungen verstanden hatte und daß er somit die Gesamtverantwortung sowohl für die Luft- als auch für die Bodenoperationen inne hatte. Er hatte die Wichtigkeit der Luftunterstützung für Bodenangriffe sehr gut begriffen, und er machte Jeschonnek und seinem Stab klar, daß der Kertsch-Feldzug für seine Pläne für Südrußland derart wichtig war, daß er für die bestmögliche Luftunterstützung dieses Feldzuges sorgen würde, und daß bei dessen Fortschreiten andere Sektoren in der südlichen Zone womöglich sogar ganz ohne Luftunterstützung auskommen müßten.

Hitler kümmerte sich nicht nur um den Einsatz von Boden- und Luftverbänden, sondern ebenso um den von Marineverbänden. In Marineangelegenheiten war er noch weit weniger ein Experte als in Fragen der Luftwaffe. Dennoch begriff er, daß die mächtige sowjetische Schwarzmeerflotte, die ein Schlachtschiff, einige Kreuzer, eine Anzahl anderer großer Kriegsschiffe und eine Menge U-Boote umfaßte,[15] zerstört werden müßte, um den Schiffsverkehr der Achsenmächte im Schwarzen Meer zu sichern und um die Südflanke des deutschen Vormarsches zu sichern. Diese von Vizeadmiral Oktyabrskii kommandierte Flotte hatte bereits seine Pläne in Südrußland vereitelt, indem sie mehrere große Landungen auf der Halbinsel Kertsch durchgeführt hatte.

Die ursprüngliche Strategie des Führers bezüglich des Umgangs mit der sowjetischen Flotte war durchkreuzt worden. Der Großteil der Flotte sollte durch plötzliche Luftangriffe vernichtet werden, wie er und seine militärischen Planer (einschließlich Großadmiral Raeder) es vor Beginn des Unternehmens Barbarossa vorgesehen hatten, und die übriggebliebenen Schiffe sollten durch Minenfelder und leichte Marineeinheiten in ihren Häfen eingeschlossen werden, bis alle sowjetischen Häfen von Bodentruppen besetzt worden wären.[16] »Auf diesem Kriegsschauplatz«, so schrieb ein sowjetischer Admiral später, »war ein solcher Plan vergleichsweise vernünftig, da der Feind nur begrenzte Marineeinheiten zur Verfügung hatte und daher die sowjetische Schwarzmeerflotte nicht zum offenen Kampf herausfordern konnte.«[17] Tatsächlich hatte Deutschland zu Beginn des Unternehmens Barbarossa im Juni 1941 keine Marineeinheiten in der Schwarzmeerregion mit Ausnahme einiger Fluß-Kanonenboote und Minensucher der Donauflottille.

Feldmarschall Erich von Manstein

Feldmarschall Erich von Manstein

Allerdings erwies sich die deutsche Luftwaffe im Winter 1941/42 in und um die Krim als erbärmlich unfähig, auch nur auf die Operationen der sowjetischen Flotte zu reagieren. Während Einheiten der Luftwaffe zwar versuchten, die von ihr bemerkten größeren sowjetischen Truppenbewegungen um das Assowsche Meer und entlang der Küste am Kaukasus nahe der Meerenge von Kertsch zu unterbinden, versagte sie völlig bei dem Versuch, die Verladung dieser Truppen auf die Schiffe Oktyabrskiis zu verhindern sowie die sich daran anschließenden größeren Landungsunternehmen auf der Halbinsel Kertsch und an anderen Schlüsselstellungen der Krim.

Auf die fortgesetzten Störungen der Sowjetischen Flotte reagierte Hitler im Januar 1942 nach einer langen Planungszusammenkunft mit Beratern von Luftwaffe und Marine mit der Ernennung eines neuen Marinekommandos, dem Admiral Schwarzes Meer, das in enger Zusammenarbeit und sorgfältiger Koordination mit der Luftwaffe die sowjetische Flotte angreifen und verhindern sollte, daß sie weitere offensive Unternehmen durchführen könne. Er bat Raeder, dieses Kommando mit leichten Schiffen von anderen Schauplätzen auszurüsten, was sich aber als ein langwieriger Prozeß herausstellte. In den letzten Tagen des Jahres 1941 befahl Raeder die Überführung leicht überführbarer Kriegsschiffe aus der Nord- und Ostsee an (anfänglich eine Schwadron von sechs Torpedobooten und verschiedene kleine Patrouillenboote), aber es dauerte einige Monate, bis sie im Schwarzen Meer ankamen - darunter auch ein Marinebeitrag Italiens, anfänglich vier Torpedoboote, vier kleine Motorboote, je mit einem Torpedo ausgestattet, und vier kleine U-Boote umfassend.[18]

Diese Überführungen resultierten in einer langsamen, aber stetig wachsenden Stärke der Einheiten der Achse im Schwarzen Meer während der ersten Monate des Jahres 1942. 1941 noch hatten die Schiffe der Achse nur begrenzte Begleit- und Transportoperationen unternommen. Mitte 1942 konnten sie im Kielwasser des Vormarsches des Heeres derartige Aufgaben bereits effektiver durchführen und die Pflichten des Küstenschutzes und der Hafenverteidigung in den besetzten Gebieten annehmen und sogar kleinere offensive Operationen gegen die sowjetische Flotte durchführen. Auch wenn Hitler den Aufbau seiner Schwarzmeerflottille mit Interesse verfolgte und ihr befahl, während des Krimfeldzuges integrierte Aktionen durchzuführen, mischte er sich selten in die Angelegenheiten der Marine ein. Er beschränkte sich darauf, Raeder einen allgemeinen Umriß seines Willens hinsichtlich der Flottille darzulegen, die der Admiral und sein Stab mit Datum vom 23.2.1942 in eine detaillierte Direktive umsetzte.[19]

Auch wenn Hitler auf politisch-strategischem Gebiet weit mehr zur Erleichterung der Integration hätte machen könne, etwa indem er das OKW zu einer in geordneter Weise arbeitenden, integrierten Befehlsautorität für alle drei Teilstreitkräfte hätte erheben können, so existierte dennoch ein bestimmter Grad an integrierter Kontrolle. Hitler selbst wirkte wie ein abwesender oder zumindest geographisch weit entfernter einheitlicher Befehlshaber, eine Situation, die sich einerseits aus der Rivalität zwischen den Hauptquartieren der Teilstreitkräfte wie auch aus Görings einzigartigem Status ergab (die seine Unterordnung unter jemand anderen als den Führer verhinderte), aber hauptsächlich in Hitlers Unwillen zu delegieren und seinem Wunsch, alle wichtigen Dinge zu kontrollieren, begründet lag. Er mag niemals ernsthaft erwogen haben, jemand anderen als integrierten Befehlshaber zu ernennen, wie es einige seiner etwas mutigeren Generäle gelegentlich höflich vorschlugen, aber dies vor allem weil er erkannt hatte, daß er bereits diese Funktion ausfüllte, indem er die volle Autorität über die an einem integrierten Unternehmen teilnehmenden Teilstreitkräfte besaß und sicherstellte, daß die übergreifenden Planungen wichtiger waren als die Wünsche und Erwartungen der einzelnen Teilstreitkräfte.

III

Auf operativer Ebene allerdings tat Hitler wenig, um die Integration zu fördern. Insbesondere gab er nur sehr wenigen Kommandeuren auf den Kriegsschauplätzen die Autorität über alle drei Wehrmachtsteile. Die bekannteste dieser Ernennungen war die von Feldmarschall Albert Kesselring, den er zum Oberbefehlshaber Süd mit der Befehlsgewalt über alle Streitkräfte der Wehrmacht und der anderen Achsenmächte im Mittelmeerraum machte, eine Stellung, die er seit dem 2.12.1941 bis kurz vor Ende des Krieges in Europa inne hatte.[20]

Kesselring kam der Funktion eines modernen Befehlshabers integrierter Streitkräfte näher als irgend ein anderer Befehlshaber der Wehrmacht. Er schuf einen gemeinsamen Stab aller drei Teilstreitkräfte und einen multinationalen Stab (die Italiener einschließend), wobei einige Positionen mit Bedacht besetzt wurden, um sicherzustellen, daß Kesselring voll über die Bedürfnisse, Möglichkeiten und Grenzen aller ihm zur Verfügung stehenden Land-, See- und Luftstreitkräfte unterrichtet war. Er sorgte sogar für einen - nach heutigem Standard rudimentären - integrierten Planungsprozeß - ein System, das es ihm erlaubte, die beste Methode zur Erreichung ihm auferlegter Ziele herauszufinden und jene Streitkräfte zu befehligen und zu kontrollieren, denen die Durchführung aufgetragen wurde. Der machtbesessene Hitler gab Kesselring allerdings nie freie Hand, mischte sich ständig in seine Planungsvorgänge ein und unterstützte ihn nur selten, wenn Untergebene Kesselrings einzigartige Befehlsgewalt in Frage stellten.[21] Besonders aufmüpfig gegenüber Kesselring war Rommel, und er erhielt vom Führer nur wenig Hilfe, dem es Spaß zu machen schien, die Kommandeure gegeneinander auszuspielen. Alles in allem empfand Kesselring, daß seine Möglichkeiten, im Mittelmeerraum eine richtige integrierte Befehlsgewalt auszuüben, schwer eingeschränkt waren.

Dennoch gelang dies Kesselring besser und viel länger als jedem anderen integrierten Befehlshaber auf dem Kriegsschauplatz. Hitler machte derartige Ernennung meist nur, um bestimmte Probleme durch zeitweilige Maßnahmen zu lösen. Auf dem Höhepunkte der Stalingrad-Krise zum Beispiel befahl er Feldmarschall Milch, sich nach Südrußland zu begeben, um dort die ganzen Lufttransportmaßnahmen zu übernehmen. Er gestand ihm Sondervollmachten zu und die Befehlsgewalt, jeder Abteilung der bewaffneten Streitkräfte in dieser Region Befehle und Anweisungen zu geben.[22] Milch war ein dynamischer Führer und ein hervorragender Verwalter. Er zeigte auch in den letzten Tagen der Stalingrader Luftbrücke seine vorzüglichen organisatorischen Fähigkeiten. Er kam aber dennoch zu spät, um den Lauf der Dinge entscheidend zu ändern. Trotz seiner Sondervollmachten als integrierter Befehlshaber war er nicht besser in der Lage, die ungünstigen Wetterbedingungen sowie die massive Überlegenheit des Feindes am Boden und in der Luft zu überwinden, als es bereits die Kommandeure der Örtlichen Boden- und Luftstreitkräfte waren. Sein Kommando über alle drei Wehrmachtsteile im Sektor Stalingrad dauerte weniger als drei Wochen. Nachdem sich die Sechste Armee ergeben hatte, rief Hitler ihn zurück nach Berlin.

Sogar Kesselring erhielt eine dieser kurzfristigen "tu-was-Du-kannst"-Ernennungen. Im März 1945 schickte Hitler Feldmarschall von Rundstedt in den "Ruhestand" und ernannte Kesselring, dessen italienischer Kriegsschauplatz inzwischen verloren war, zum neuen Oberbefehlshaber West, mit der Befehlsgewalt über alle Land- und Luftstreitkräfte entlang der sich schnell zurückziehenden deutschen Westfront. Angesichts der sich fast am Rhein befindenden anglo-amerikanischen Verbände, die das Reichsgebiet jederzeit zu betreten drohten, wußte Kesselring, daß er alle Hände voll zu tun haben würde. »Mein Auftrag war klar: Aufhalten!«, schrieb er später.[23]

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Die Seltenheit derartiger Ernennungen, sowohl kurz- als auch langfristig, haben ihre Ursache nicht nur in Hitlers Selbsteinschätzung als militärisches Genie, das die meisten Operationen selbst leiten konnte und sollte, sondern ebenso in seinem Unwillen, unnötigen Wirbel zu verursachen, etwas, was er immer gehaßt hatte. Der Norwegen-Feldzug von 1940 - Deckname Weserübung - ist ein Beispiel dafür. Hitler, der sich dieses eine Mal ein wenig unsicher war ob seiner eigenen Fähigkeiten und daher die Hilfe von jemandem suchte, der mit der Kriegführung in Skandinavien vertraut war, sah anfangs vor, alle Land-, See- und Luftstreitkräfte unter einem einzigen, integrierten Kommandeur zusammenzufassen. Tatsächlich erwog er, Kesselring diesen Auftrag zu übergeben,[24] aber entschloß sich schließlich auf Jodls Rat hin für einen Heeresoffizier mit Skandinavien-Erfahrung, dem General der Infanterie Nikolaus von Falkenhorst.[25]

Trotz seiner Allmacht als Führer und den offensichtlichen operativen Vorteilen eines vereinigten Befehlshabers entschied sich Hitler, Görings heftige Beschwerden nicht zu übergehen (auch wenn er ihn anschließend für einen Monat von allen Planungen ausschloß[26]) und sich auch nicht über die starken Einwände seiner höheren Stabsoffiziere aus Marine und Luftwaffe hinwegzusetzen, die sich gegen die Unterordnung ihrer Streitkräfte unter einen Heereskommandeur wandten. Sie befürchteten, daß Falkenhorst keine ausreichenden Erfahrungen mit ihren Teilstreitkräften habe. Konsequenterweise behielt Hitler dieses Unternehmen unter seiner persönlichen Befehlsgewalt, die er durch das OKW durchführte, und überließ dem armen Falkenhorst den gutklingenden, aber wertlosen Titel des Oberbefehlshabers, da er keine direkte Befehlsgewalt über die an diesem Unternehmen teilnehmenden Marine- und Luftwaffeneinheiten hatte.

Hitler fiel es leichter, integrierte Kommadeure in befriedeten Besatzungszonen zu ernennen, da er dort nicht riskierte, von diesen in den Hintergrund gedrängt zu werden (was er oft von erfolgreichen Gefechtskommandeuren befürchtete) und weil die Chefs der dortigen Teilstreitkräfte der Unterordnung ihrer Streitkräfte unter einen integrierten Kommandeur leichter zustimmten, zumal es dort keinen Ruhm auf dem Gefechtsfeld zu erringen gab. Bei der Vorbereitung größerer Operationen zankten sie sich häufig um die Ausrichtung ihrer Streitkräfte und wetteiferten nicht nur um höhere Zuweisungen aus Deutschlands beschränkten Ressourcen, sondern auch noch um Gelegenheiten, sich in den Schlachten Ruhm zu erwerben. In den ruhigen Besatzungszonen hingegen stritten sie sich selten um derartige Dinge. So gab es zum Beispiel keinen Widerspruch gegen Hitlers am 8.8. 1942 erfolgte Ernennung von Generaloberst Löhr, dem vormaligen Kopf der 4. Luftflotte, zum Wehrmachtsbefehlshaber Südost, mit der Befehlsgewalt über alle deutschen Kräfte (aber nur beschränkten Vollmachten über die anderen Achsenkräfte) auf dem relativ ruhigen Balkan. Diese Ernennungen zu Befehlshabern der Besatzungsgebiete kamen den Ernannten später allerdings teuer zu stehen. Nach der Befreiung sannen die jeweiligen Völker im allgemeinen auf Rache gegen ihre vormaligen Herrscher. Löhr fiel diesem Wunsch zum Opfer. Nach einem durchsichtigen Gerichtsverfahren wurde er wegen angeblicher Kriegsverbrechen 1947 durch die Jugoslawen gehängt.

IV

Es ist daher nicht überraschend, daß Hitler sich die Kontrolle über den Krimfeldzug im Jahr 1942 vorbehielt und sich entschied, an diesem Kriegsschauplatz keinen integrierten Kommandeur mit der Befehlsgewalt über alle daran teilnehmenden Land-, See- und Luftstreitkräfte zu ernennen. Er hielt diesen Feldzug für entscheidend - so teilte er beispielsweise einem Kommandeur mit, daß das Risiko eines Fehlschlages auf der Krim beseitigt werden müsse, weil der erste Schlag in diesem Jahr erfolgreich sein muß[27] - und daher konsequenterweise entschied, die Gesamtkontrolle zu behalten. Damit soll nicht behauptet werden, Hitler habe die Rolle operativer Kommandeure für unwichtig gehalten. Im Gegenteil: er selbst wählte jene Kommandeure aus, die er für die fähigsten hielt, um sicherzustellen, daß der erste Schlag gegen die Sowjets im Jahr 1942 tatsächlich ein Erfolg werden würde. Er hatte bereits Manstein mit Absicht gewählt und wollte nun noch einen Luftkommandeur von ähnlichem Talent haben und den Fähigkeiten, in enger Koordination mit Manstein zusammenzuarbeiten. Er verschwendete keine Zeit und rief den besten Fachmann der Luftwaffe für enge Luftunterstützung zu seinen Diensten: Generaloberst Richthofen.

 
Baron Manfred von Richthofen, der "Rote Baron", erfolgreichster Kampfflieger des Ersten Weltkrieges. Sein Vetter, der spätere Generaloberst Wolfram Freiherr von Richthofen, ist heute weit weniger bekannt, obwohl er als Kommandeur noch weitaus erfolgreicher war.

Unten: Des Roten Barons Flugzeug, die Fokker DR-1 (Nachbau)

Baron Manfred von Richthofen

Fokker DR-1

Ein Historiker behauptet, daß nach Hitlers Besprechung mit den Planern der Luftwaffe am 17. April 1942 (wie oben beschrieben) das Potential zur Konzentrierung deutscher Luftstreitkräfte auf der Krim dramatisch angewachsen sei. Richthofen, der bei Hitler persönlich Fürsprache eingelegt habe, habe den Führer von der Notwendigkeit des Einsatzes des Fliegerkorps VIII während dieses Unternehmens überzeugt.[28] Richthofen hat Hitler in jener Zeit sicherlich getroffen, und seine mächtige Luftunterstützungseinheit wurde anschließend auf die Krim verlegt, um die Angriffe der 4. Luftflotte und der Elften Armee gegen die Halbinsel Kertsch und gegen Sewastopol zu unterstützen. Aber schon das flüchtige Lesen von Richthofens persönlichem Tagebuch ergibt, daß die Entscheidung für seine Verlegung auf die Krim in seiner Abwesenheit und ohne sein Wissen von Hitler und Hans Jeschonnek gefällt wurde. Am 18. April 1942 schrieb Richthofen, er sei am 12. April in Lüneburg zu einem vierwöchigen Urlaub angekommen. Endlich, so schreibt er, habe er am 18. April, während er Gäste zu Besuch hatte, einen Telefonanruf von Jeschonnek erhalten: Auf Befehl des Führers solle er sofort aufbrechen, um auf Kertsch zum Einsatz zu kommen. Er solle schnell dorthin kommen und alles in Gang setzen.[29] Am nächsten Tag flog er nach Berlin und rief in Jeschonneks Begleitung Hitler vom Luftfahrtministerium aus an. Der Führer, so schrieb er in jener Nacht, habe in einer sehr respektvollen Weise darauf bestanden, daß er in Kertsch teilnehmen solle, weil er der einzige sei, der diesen Auftrag erfüllen könne.[30]

Hitler war davon überzeugt, daß die Überführung von Richthofens Fliegerkorps VIII an die Krim, einer spezialisierten Luftunterstützungseinheit mit einer unvergleichlichen Liste von Kampfeinsätzen, den Erfolg des ersten Schlages des Jahres 1942 gegen Stalin garantieren könne. Seine Entscheidung für Richthofen zeigt zudem, für wie wichtig er diese Offensive hielt. Richthofen war ein arroganter und aggressiver Mann, aber er war der erfolgreichste und einflußreichste taktische Luftwaffenkommandeur der Wehrmacht. Ein Historiker schrieb, er sei »sicherlich einer der besten Taktiker in der Geschichte der Luftkriegführung«.[31] Ein anderer nannte ihn »außergewöhnlich«.[32] Er war sogar schon während des Krieges außerhalb der Achsenmächte hoch angesehen. So pries in beispielsweise das britische Luftfahrtministerium im Jahr 1943 für seine überragenden Fähigkeiten und bemerkte, er sei entschlossen, hart und effektiv, und daß »er mit seinem guten Namen und seinem Auftreten, mit seiner brutalen Energie und seinem großartigen persönlichen Mut das deutsche Vorbild für einen Luftwaffengeneral ist.«[33]

Richthofen - ein Vetter des legendären »Roten Barons« - konnte eine lange und bemerkenswerte militärische Karriere aufweisen, die bis zum Großen Krieg zurückreichte und Dienste in der kaiserlichen Luftwaffe der Kavallerie, Infanterie und Artillerie der Reichswehr umfaßt.[34] 1933 trat er dem flügge gewordenen Reichsluftfahrtministerium bei, aus dem zwei Jahre später die Luftwaffe entstand. Als der letzte Kommandeur der Legion Condor experimentierte er während des spanischen Bürgerkrieges mit der Taktik und den entsprechenden Flugzeugtypen der engen Luftunterstützung (einschließlich der ersten Ju 87 Stukas). Zweifellose gestützt durch seine Erfahrungen sowohl als Soldat als auch als Pilot während des Ersten Weltkrieges entwickelte er Taktiken und ein Boden-Luft-Verbindungssystem, die die Wirksamkeit der engen Luftunterstützung verbesserten.

Wegen seines Erfolges in Spanien und seiner Kompetenz beim Einsatz der Sturzkampfbomber und der neuen Methoden des taktischen Luftwaffeneinsatzes, die einen signifikanten Einfluß auf die deutschen Luftwaffenplaner hatten, wurde Richthofen bald als der Luftwaffenexperte für gemeinsame Heer-Luftwaffen-Taktiken umjubelt. Im Juli 1939 baute er eine spezielle Luftunterstützungseinheit auf (Fliegerführer z.b.V.), die schnell zum mächtigen Fliegerkorps VIII ausgeweitet wurde. Unter seinem Kommando machte diese besondere Bodenangriffseinheit in Polen und Frankreich durch ihre hervorragende Unterstützung der vorstoßenden Panzerspitzen schnell von sich reden (wofür er das Ritterkreuz gewann und zum General der Flieger befördert wurde).

Andererseits erwiesen sich seine trägen Stukas in Gegenden, wo man keine Lufthoheit erringen konnte, als dermaßen verwundbar gegenüber feindlichen Jägern, daß er gezwungen war, sie von Jägern eskortieren zu lassen. Während der Luftschlacht über England wurden sie aber dennoch von britischen Jägern dermaßen verprügelt, daß sich das Luftflottenkommando rasch gezwungen sah, sie abzuziehen. In Abwesenheit feindlicher Jäger jedoch bot Richthofens Einheit eine beispielhafte Unterstützung während des Balkanfeldzuges und der Luftlandeinvasion auf Kreta. Im Genuß der fast vollständigen Luftüberlegenheit konnten seine Stukas den alliierten Truppen, ihren Transport- und Marineverbänden schwere Verluste zufügen. Für seine dynamische Führerschaft erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Richthofens Luftwaffeneinheit gewann während des Ostfeldzuges weitere Ehrungen, insbesondere auf dem Höhepunkt der schweren Winterkrise, als sie nach dem Abzug von Kesselrings Einheiten ans Mittelmeer ganz auf sich gestellt war. Die Unterstützung des Heeres in der kritischen Zone vor Moskau durch dieses Korps erwies sich als hervorragend. In Anerkennung dieser Leistungen beförderte Hitler ihn am 1. Februar 1942 zum Generaloberst. Dies war eine einmalige Ehrung für einen Kommandeur eines Luftkorps; dadurch erhielt er den gleichen Rang wie ein Kommandeur einer Luftflotte und die höchsten Stabsoffiziere der Luftwaffe, etwa wie Jeschonnek und Ernst Udet am Ende seiner Karriere. Jetzt wollte Hitler, daß er beim integrierten Unternehmen auf der Krim Seite an Seite mit Manstein zusammenarbeitete, seinem gleichermaßen bemerkenswerten Gegenstück im Heer.

Wie aber sollten Richthofen und Manstein ihre Einheiten integrieren und sie gemeinsam einsetzen, wenn keiner von beiden, aber auch sonst niemand, von Hitler zu einem integrierten Befehlshaber ernannt wurde mit der Befehlsgewalt über alle teilnehmenden Kräfte? Die Antwort war klar: nachdem sie alle denkbaren Streitigkeiten zwischen den Verbänden begraben haben würden, sollten sie - in der sonst auch für die operativen Kommandeure üblichen Weise - direkt miteinander als Gleiche unter Gleichen arbeiten und versuchen, sich über den besten Einsatz ihrer jeweiligen Einheiten zu einigen. Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges schwankte der Erfolg dieser Bemühungen außerordentlich und hing stark von den teilnehmenden Persönlichkeiten und der Professionalität der jeweiligen Befehlshaber ab.

In Stalingrad zum Beispiel konnten der Heereskommandeur, Generaloberst Friedrich Paulus, und der lokale Luftkorps-Kommandeur, General der Flieger Martin Fiebig, schlicht nicht miteinander auskommen. Dementsprechend blieb die Kooperation zwischen diesen Teilstreitkräften, die jede für sich genommen eigentlich eine angemessene Leistungsfähigkeit besaß, auf relativ niedrigem Niveau. Rommel und sein Luftwaffen-Gegenstück, General Otto Hoffman von Waldau, brachten in Nordafrika auch nicht mehr zustande. Im Falle des Krimfeldzuges jedoch ermöglichte die von Richthofen und Manstein geschaffene harmonische Kooperation ein vereinigtes Kommando und einen Grad an Kooperation zwischen den Teilstreitkräften, der während des Krieges selten erreicht wurden.

Am 22.4.1942 flog Richthofen auf die Krim und hatte dort sein erstes planerisches Treffen mit Manstein.[35] Trotz der Möglichkeit eines größeren Zusammenpralls dieser beiden zwar brillanten aber ebenso eingebildeten Persönlichkeiten verlief diese Konferenz überraschend gut. Manstein sei überraschend sanft und entgegenkommend gewesen, notierte der Luftkommandeur an diesem Abend. Er habe alles verstanden. Es sei äußerst erhebend gewesen. Bei vielen anderen Gelegenheiten beschreibt der sein Heeres-Gegenstück in ähnlich glänzender Weise. Der Respekt beruhte eindeutig auf Gegenseitigkeit. Baron Richthofen, erinnert sich der Heeres-General später, sei sicher einer der hervorragendsten Luftwaffenführer gewesen, den die Deutschen im Zweiten Weltkrieg hatten.[36]

Die Partnerschaft dieser beiden Männer, zwei der talentiertesten operativen Kommandeure des Zweiten Weltkrieges, blieb wahrscheinlich während dieses ganzen Konfliktes unerreicht. Sie arbeiteten auf höchst professionelle Weise zusammen, ohne Neid und Rivalitäten zwischen ihren Einheiten, die von vielen Beobachtern, einschließlich Göring und manchmal sogar Hitler, erwartet wurden. Das Gespenst kleinlicher Rivalität tauchte nur äußerst selten auf, und selbst dann nur auf den Seiten ihrer privaten Tagebücher. Während der vielen Schlachten, die sie gemeinsam im Osten ausfochten (einschließlich Kertsch, Sewastopol, Stalingrad und Charkow) stritten sie selten miteinander, und nie über entscheidende Fragen.

Ihr einzige berufliche Uneinigkeit (im Gegensatz zum Persönlichen) bezog sich auf den Einsatz der Flakbatterien, ein Thema von relativ geringer Bedeutung. Die Flakeinheiten gehörten formell zur Luftwaffe, auch wenn sie häufig neben den Artilleriebatterien des Heeres eingesetzt wurden. Während der Belagerung von Sewastopol beschwerte sich Richthofens Flakführer bei ihm, daß seine Kameraden vom Heer versucht hätten, sich ihrer Kanonen zu bemächtigen. Richthofen entschied sich, diese Beschwerde, die er für gerechtfertigt hielt, anzunehmen, und informierte das Heer am 3. Juni 1942 schroff darüber, es solle die Einmischungen in die Operationen der Luftwaffe einstellen. Es sei seine Aufgabe, die Flakeinheiten einzusetzen, nicht die des Heeres. Am nächsten Tag diskutierte er die Angelegenheit in herzlicher Weise mit Manstein, doch trotz des gegenseitigen Bandes der Freundschaft und des Respekts konnten sie zu keiner Lösung kommen, die sowohl für die Flakführer als auch für die Artillerieführer des Heeres annehmbar waren.

Die Streitigkeiten über die Kontrolle der Flakkanonen dauerten bis zum Fall von Sewastopol im Juli an. So bemerkte Richthofen zum Beispiel am 13. Juni in seinem Tagebuch, es habe einen großen Krach mit Heeres-Kommandeuren (Division, Korps und Armee) wegen des Flakeinsatzes gegeben. Er habe alle Flakkanonen unter seinem Kommando behalten, erklärte er, und sie alle zusammen in großer Konzentration an Schwerpunkten gegen Bodenziele eingesetzt. Das Heer habe sie aber formell kontrollieren und über die Divisionen verteilen wollen, wodurch sie aber - wie immer, so zuletzt auf Kertsch - vergeudet würden. Er sei stur geblieben und habe die Heeres-Kommandeure sich austoben lassen.

Natürlich tobten die Artillerieoffiziere nicht lange, auch wenn sie Richthofen seine Entscheidung übelnahmen und sie revidiert sehen wollten. Die Flakmannschaften vollbrachten allerdings mit ihrer frontalen Feuerwalze gegen feindliche Befestigungen, Stützpunkte, Panzer und Fahrzeuge - und unter dem Kommando ihrer eigenen Offiziere - ein so gute Leistung, daß die Artillerieoffiziere des Heeres nach dem Fall von Sewastopol ihre Anerkennung für diese von ihnen entwickelte zusätzliche Feuerkraft aussprachen und eingestanden, daß der Einsatz richtig war. Abgesehen von dieser einen Uneinigkeit jedenfalls blieb die professionelle Beziehung zwischen Richthofen und Manstein exzellent.

Aber selbst ihr schwerster persönlicher Streit verursachte nur kleine blaue Flecken auf ihrem Ego und hatte keine Konsequenzen. Am 28.4.1942 - um zu zeigen, wie unerheblich diese Kabbelei war - schrieb Richthofen in sein Tagebuch, er habe sich an diesem Tag von Manstein brüskiert gefühlt: »Warten auf FM v. Bock [Kommandeur der Heeresgruppe Süd]. Ihm guten Tag gesagt, nachdem scheinbar Manstein Zusammentreffen mit ihm hindern wollte[37] Anstatt darüber verärgert zu sein, daß Manstein ihn von einem weiteren Gespräch mit Bock abhalten wollte, sagte und tat Richthofen nichts, um die Lage anzuheizen, aber einige Tage später triumphierte er, als er in einer Debatte über Taktiken Manstein am Kommandoposten des 30. Heereskorps geschlagen hatte. »Sieg!«, schrieb er jubilierend an jenem Abend, »Es ist pathetisch dies zu sagen, aber ich bin "der beste General"!«[38]Er hatte Manstein also seine Unsensibilität heimgezahlt (die er womöglich noch nicht einmal bemerkt hatte), ohne auch nur ein Wort über dieses Problem erwähnt zu haben.

Richthofen und Manstein richteten weder ein vereintes operatives Hauptquartier noch einen integrierten Stab im modernen Sinne ein. Sie haben dies wahrscheinlich nie in Erwägung gezogen. Dieses Maß an Integration auf operativer Ebene lag noch in der Zukunft und wurde noch nicht vorweggenommen. Allerdings verstanden sie die zentrale Wichtigkeit, ihre Streitkräfte zu integrieren und sie in ergänzender Weise zur Erreichung von gemeinsam vereinbarten Zielen einzusetzen. Um dies zu erleichtern, schlug Richthofen sein operatives Hauptquartier neben Mansteins in Simferopol auf, im Zentrum der Krim. Auch die Frontbefehlsstände wurden in den selben Orten der Krim aufgebaut, nämlich in Sarabus für den Angriff auf die Halbinsel Kertsch und in Bachtschisarei für die Belagerung von Sewastopol. Um ein effektiveres integriertes K3-System zu schaffen (Kommando, Kontrolle und Kommunikation), ließen sie diese Hauptquartiere von Fernmeldern mit direkten Telefonverbindungen einrichten, und sie ernannten je eine Verbindungsmannschaft - Experten für Taktik, Technik, Grenzen und Möglichkeiten der Partner-Teilstreitkraft - für den anderen Stab.

Durch enge Konsultationen auf täglicher Basis bügelten Richthofen, Manstein und ihre Stäbe die kleinen konzeptionellen Differenzen aus und koordinierten die Integration ihrer Truppen auf akribische Weise und schufen gemeinsame Schwerpunkte. Sie suchten zudem immer nach Möglichkeiten, die Kommunikation zwischen ihren Einheiten zu verbessern, so daß der integrierte Einsatz zu Land und zu Luft nach Eröffnung der Schlacht schnell und effektiv koordiniert werden konnte. Befehle des 30. Heereskorps zum Beispiel, die ohne Zweifel von Manstein stammen, ordneten ihren Stäben an, sich direkt an das Fliegerkorps VIII zu wenden anstatt wie in den vorherigen Feldzügen die üblichen Kanäle der Luftflotten zu verwenden.[39] Dies verkürzte selbstverständlich die Zeit, die zwischen der Anforderung und der schließlichen Ankunft von Luftunterstützung verstrich.

Manstein wußte, daß seine eigenen Truppen zahlenmäßig schwach waren und daher während des Krimfeldzuges der bestmöglichen Luftunterstützung bedurften. Er glaubte, daß der Erfolg des Unternehmens Trappenjagd insbesondere von der engen Integration der Land- und Luftstreitkräfte abhing. Trappenjagd war ein Bodenunternehmen, erklärte er (in Richthofens Anwesenheit) seinem Korps und den Divisionskommandeuren am 2. Mai, aber seine Hauptkräfte kämen aus der Luft. Die Luftwaffe würde die Infanterie nach vorne ziehen müssen.[40] Erst am Vortag hatte er enthusiastisch festgestellt, dieses Unternehmen würde eine konzentrierte Luftunterstützung haben wie es sie nie zuvor gegeben habe.[40]

Dies war eine exakte Bewertung. Zu Beginn des Unternehmens Trappenjagd beispielsweise hatte Richthofen eine bemerkenswert starke Luftwaffenstreitkraft zu seiner Verfügung, die nicht weniger als elf Bomber-, drei Sturzkampfbomber- und sieben Jägergruppen umfaßte.[41] Er verspürte kein Unbehagen, diese Einheiten zur Unterstützung von Mansteins Bodenoffensiven einzusetzen. Auch wenn er in seinem Tagebuch häufig einige seiner Gegenstücke im Heer verfluchte, deren Vorstellungen, Handlungen und Entscheidungen ihm zuwider gewesen sein mögen, so konzentrierte er sich dennoch auf das Ziel und ließ sich auch von persönlichen Querelen oder Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften nicht davon abbringen. Auf jeden Fall kamen er und Manstein hervorragend miteinander aus. Weiterhin verlor er nie aus dem Auge, daß die enge und unbehinderte Zusammenarbeit der Teilstreitkräfte die Kampfkraft steigerte, auch wenn er sich wiederholt durch die Verantwortlichkeiten und Beschränkungen frustriert fühlte, die der taktische Unterstützungsauftrag seiner Truppen mit sich brachte (und einmal beschrieb er die Luftwaffe als »die Hure des Heeres«).[42] An die Steigerung der Kampfkraft glaubte er auch im Falle der Krim.

V

Als die Schlacht um die Krim begonnen hatte - das Unternehmen Trappenjagd begann am 8. Mai 1942 und das Unternehmen Störfang am 2. Juni, also zwei Wochen nachdem das erste Unternehmen erfolgreich beendet worden war - blieben Richthofen und Manstein während aller Phasen der Kämpfe in engem Kontakt. Um dies zu erreichen und um die Kämpfe seiner eigenen Truppen zu überschauen, flog Richthofen ständig in seinem leichten Fieseler Fi-156 Storch von einem Flugplatz zum anderen, die häufig unter feindlichem Beschuß lagen, weshalb Richthofen oft zu Notlandung gezwungen war (und manchmal sogar zu Bruchlandungen). Er nahm dieses Risiko aber auf sich, um seine Flügel- und Gruppenkommandeure sowie die Flak-Bataillonsführer einzuweisen und zu höheren Leistungen zu ermahnen.

Zudem kurvte Richthofen routinemäßig in geringer Höhe über den Schlachtfeldern, um den Fortschritt am Boden zu überwachen und seinem Hauptquartier per Funk Anweisungen zu erteilen, das dann wichtige Informationen und Ratschläge an Mansteins Hauptquartier oder dessen Kommandoposten übertrug. Einige Male hatte Richthofen Glück, daß er diese gewagten Flüge überlebte. Die sowjetischen Flakkanoniere pumpten sein Flugzeug mit glühendem Schrapnell voll. Er war nicht nur das Ziel der sowjetischen, sondern mit bedrückender Häufigkeit ebenso ein Ziel der deutschen Kanoniere. So eröffneten zum Beispiel am 25. Juni 1942 die Truppen der deutschen 387. Infanteriedivision aus Versehen das Feuer auf sein kleines Flugzeug, als er die Position der Achsentruppen inspizierte. Sein Kopilot wurde dabei verletzt, sein Treibstofftank gelöchert und sein Flugzeug mit Löchern übersäht. Nach einer Notlandung übersandte er dem Kommandeur der betroffenen Division einen sarkastischen Brief, in dem er sich bei dessen Männern für deren Einsatz "bedankte".[43]Sein Tagebucheintrag an diesem Tag war noch viel derber. Sich der Tatsache wohl bewußt, daß er dem Tod nur knapp entronnen war, kritzelte er ärgerlich:

»Verdammte Hunde! Die feuern nicht auf die Russen, sondern auf unseren Storch!«[44]

Um die Integration der Heeres- und Luftwaffeneinheiten zu verbessern, besuchte Richthofen nicht nur Kommandoposten und Pisten der Luftwaffe, sondern auch Mansteins verschiedene Feldhauptquartiere und Kommandoposten der Örtlichen Einheiten. Flieger wie Soldaten staunten beim Anblick seines kleinen Storches, wie er über dem Schlachtfeld tänzelte und hin- und herpendelte oder manchmal angefüllt mit Schrapnell auf einem unebenen und unpräparierten Feld neben den Kommandozentren landete. Dies brachte ihn wiederholt in schwere Gefahr. Als Beispiel für einen späteren Feldzug sei auf seine Vorbereitungen für integrierte Unternehmen auf dem Kaukasus am 25. Oktober 1942 eingegangen. Richthofen flog damals zu einem vorgerückten Kommandoposten des Generals der Kavallerie von Mackensen, dem Kommandeur des Dritten Panzerkorps. Dieser "Kommandoposten" war tatsächlich wenig mehr als ein tiefes Loch im Boden, vor der Front geschützt durch Sandsäcke. Generaloberst von Kleist traf sich dort mit Richthofen und Mackensen, um die nächste Stufe des Unternehmens zu planen. Ihr Treffen wurde allerdings frühzeitig beendet, als alle drei Kommandeure angesichts um sie herum einschlagender sowjetischer Artilleriegeschosse, die ihre Uniformen mit Dreck und Trümmern eindeckten, in Deckung gehen mußten.[45] Obwohl er fast sein Leben verloren hatte, rettete Richthofen in diesem Fall seine Entscheidung, mit dem Heer an der Front zusammenzutreffen. Gerade, als er den Schmutz von seinem Waffenrock bürstete, bombten sowjetische Bomber sein Hauptquartier in Baksan aus.

Richthofens regelmäßige Besuche bei Feldhauptquartieren und Kommandoposten teilnehmender Heereseinheiten zum Zwecke der Verbesserung der Zusammenarbeit beeindruckte viele Heeresoffiziere, einschließlich Manstein auf der Krim.

Junkers Ju 87 »Stuka«

Junkers Ju 87 »Stuka«

Junkers Ju 87 »Stuka«

Junkers Ju 87 "Stuka"

Er schrieb später, daß Richthofen viel von seinen Einheiten fordere, aber auch immer selbst [in einem Flugzeug] aufstieg, um wichtige Offensiven zu überblicken. Man habe ihn zudem immer an der Front angetroffen, wo er sogar die vordersten Einheiten besucht habe, um ein klares Bild von den Möglichkeiten zu bekommen, die Heeresoperationen aus der Luft zu unterstützen. Die Kooperation zwischen Richthofen und von Manstein, sowohl mit den Elften Armee wie auch später mit der Heeresgruppe Süd und Don, sei immer hervorragend gewesen.[46]

Auf der taktischen Ebene zahlte sich die Integration von Boden- und Lufteinheiten sicherlich aus. Sie verbesserte die Effektivität der Wehrmacht und führte die Krimoffensiven vom Mai und Juni 1942 zu einem schnellen und erfolgreichen Abschluß. Aber es war kein einfacher Spaziergang. Die Taktik der engen Luftunterstützung, auf die sich Manstein und Richthofen geeinigt hatten, folgten einem Grundschema, das während des vorhergehenden Kriegsjahres im Osten entwickelt worden war, ein Schema, das Karl Koller, letzter Generalstabschef der Luftwaffe, prägnant als »Panzer an die Front, Artillerie dahinter und Flieger obendrüber« beschrieb.[47] Die »Flieger obendrüber« trugen während des Krimfeldzuges sicherlich substantiell zum Erfolg des Heeres bei, indem sie Mansteins früher zitierte Voraussage von einer noch nie dagewesenen konzentrierten Luftunterstützung erfüllten. Allerdings waren die Voraussetzungen für diese enge Luftunterstützung auf taktischer Ebene nur sehr schwer zu koordinieren, und es kam bisweilen zu schrecklichen Fehlern.

Das Hauptproblem für die Flugzeugbesatzungen war, daß sie während des Chaos' auf dem Schlachtfeld nur schwer zwischen Bodentruppen der Achsenmächte und des Feindes unterscheiden konnten. Auch die besten Stuka-Piloten konnten ihre Bomben nicht ständig exakt ins Ziel werfen. Als Ergebnis dessen traten Fälle »freundlichen Feuers« enttäuschend (aber vom sowjetischen Standpunkt aus gesehen natürlich erfreulich) häufig auf. Am 9. Mai zum Beispiel stieß die motorisierte Brigade Grodeck mit derartiger Macht gen Kertsch vor, daß die sowjetischen Einheiten förmlich kollabierten, so daß die Brigade weit tiefer Vorstoßen konnte als es Mansteins oder Richthofens Stab vorausgesehen hatten. Leider war es unter den chaotischen Kampfbedingungen nicht möglich gewesen, die Einheiten der Luftwaffe in diesem Gebiet darüber zu informieren, daß das Gebiet, das sie bombardieren sollten, bereits von sowjetischen Truppen gesäubert und von deutschen Truppen besetzt worden war. Die Brigade sei so schnell vorgestoßen, daß sie, als sie die Östlichen Tartarengräben erreichte [die sowjetische Verteidigungslinie entlang der Halbinsel Kertsch], geradewegs in die Bomben der Luftwaffe lief, wie Richthofen an jenem Abend niedergeschlagen schrieb. Es habe eine Anzahl von Verlusten gegeben.[48]

Die Einheiten der Elften Armee waren zuvor angewiesen worden, ihre Stellungen deutlich zu markieren, um derartige Vorfälle »freundlichen Feuers« zu verhindern.[49] Wie bei früheren Feldzügen sollten sie weiße Erkennungsschilder und, falls nötig, Leuchtfeuer und Nebelbomben benutzen.[50] Noch waren die Bodentruppen nicht in der Lage, zu den Flugzeugen über ihnen in direkten Funkkontakt zu treten - auch wenn derartige direkte Funkkontakte noch vor Kriegsende eingeführt wurden. Statt dessen stellte die Luftwaffe dem Heer und dessen Korpskommandeuren taktische Aufklärungseinheiten zur Verfügung, deren Flugzeuge die Kampfzonen routinemäßig überflogen, um die Kommandeure über Lage, Bewegung und Stärke feindliche Kräfte zu unterrichten. Wichtiger noch waren Fliegerverbindungsoffiziere, d.h. speziell ausgebildete Luftwaffenoffiziere, die jedem Heereskommando bis hinunter zur Divisionsebene (und in diesem Fall sogar bis zur Regimentsebene) beigeordnet wurden, um die Zusammenarbeit zwischen den Teilstreitkräften während aller Phasen des Kampfes zu erleichtern.

In ständiger Funkverbindung mit ihrem Luftwaffenkorps stehend schätzten diese "Flivos" die Lage ein und übermittelten die Intentionen der Bodentruppen, berieten die Heereskommandeure über den günstigsten Einsatz der Luftunterstützung und übermittelten Bitten zur Luftunterstützung. Hinter der Einrichtung eines derartigen Systems ist deutlich der Geist der Integration zu erkennen, wie ein operativer Befehl von Richthofens Luftwaffenkorps an seine Aufklärungseinheit beweist:

Die Fliegerverbindungsoffiziere müßten in engem Kontakt mit den Offizieren der Bodentruppen stehen, die als Verbindung mit der Luftwaffe abgestellt wurden. Dieser Kontakt sei durch eine gemeinsame Stellung der Kommandoposten zu erreichen. An Plätzen, wo kein Heeresoffizier als Verbindungsmann zur Luftwaffe delegiert worden sei, seien dessen Aufgaben durch den Fliegerverbindungsoffizier zu übernehmen.[51] Dieses System funktionierte gut, solange die Luftwaffe klar definierte feindliche Stellungen angriff, wie beim Unternehmen Störfang, sowie während statischer oder sich nur langsam bewegender Kämpfe. Es war aber unbefriedigend bei Unternehmen wie der Trappenjagd, bei denen die Lage am Boden weitaus beweglicher war, und bei denen Bodentruppen bereits Stellungen besetzten, von denen die Beobachter der Luftwaffe und die Verbindungsstäbe glaubten, sie seien noch in Feindeshand.

Richthofen hat trotz seiner größten Anstrengungen niemals eine Möglichkeit gefunden, Fälle von »freundlichem Feuer« gänzlich zu verhindern. Tatsächlich hat er sogar einige selbst ausgelöst. So entdeckten beispielsweise am 29.6.1942 einige Stukas eine Kompanie der Elitedivision Großdeutschland auf einem Hügel zwei Kilometer Östlich des Flusses Tim. Obwohl die Soldaten umgehend orangefarbene Lufterkennungszeichen verteilten, die Hakenkreuzfahne hißten und Rauchsignale setzten, erkannten die Piloten sie dennoch nicht als Deutsche an, stießen herab und deckten sie mit Bomben ein.[52] Sie töteten sechzehn Mann, verwundeten viele weitere und zerstörten eine Vielzahl von Waffen und anderer Ausrüstung. Richthofens Tagebuch enthüllt, daß er selbst den Befehl für diesen Angriff gegeben hatte, weil er glaubte, dieses Gebiet werde noch von feindlichen Truppen gehalten. »Es war mein eigener Fehler«, lamentierte er, »weil ich es befohlen habe und nicht einen derart raschen [deutschen] Vormarsch erwartet habe.«[53] Vorfälle »freundlichen Feuers« wie dieser kamen auf beiden Seiten bei allen Feldzügen des Zweiten Weltkrieges vor, und kein System und keine Vorkehrung schien in der Lage gewesen zu sein, sie völlig zu verhindern (auch heute noch nicht, wie Berichte vom Golfkrieg gezeigt haben).

VI

Das beste Beispiel der Integration auf taktischer Ebene während des Krimfeldzuges wurde noch nicht einmal von Richthofen und Manstein gezeigt, sondern von Oberst Wolfgang von Wild, Kommandeur des Fliegerkommandos Süd, ein kleines, Richthofens Fliegerkorps VIII untergeordnetes Anti-Schiffs-Kommando, und dem Obersten Offizier des Admirals Schwarzes Meer, jener kleinen Flotille der Achse, die im Juni 1942 um die Krim herum operierte.

Sich der Tatsache bewußt, daß der Admiral Schwarzes Meer bald in der Lage sein würde, im Schwarzen Meer eine größere Rolle zu spielen, forderte der Kommandostab der Luftflotte 4 von dieser kleinen Flotte einen Marineverbindungsoffizier. Der Geist der Integration scheint durch diese Anfrage hindurch, wie der Wortlaut selbst enthüllt. Die Luftflotte erklärte, daß sie ihre Operationen gegen die russische Schwarzmeerflotte verstärke und deshalb einen erfahrenen Marineoffizier in ihrem Hauptquartier benötige, um eine enge Kooperation zwischen der Luftflotte, dem Marine-Gruppenkommando Süd [dem vorgesetzten Kommando der Flotille] und dem Admiral Schwarzes Meer zu garantieren.[54]

Unternehmen Trappenjagd

Unternehmen Trappenjagd

Szenen vom Unternehmen Trappenjagd
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Admiral Marschall, Kommandeur der Marineeinheiten der Achsenmächte in der Ägäis und im Schwarzen Meer, war ebenso darauf erpicht, die Kooperation zwischen seiner kleinen aber stetig wachsenden Achsenflotte im Schwarzen Meer und den verschiedenen Luftwaffenkommandos innerhalb dieser operativen Zone der Vierten Luftflotte zu verbessern, insbesondere dem kleinen Anti-Schiff-Kommando der Luftwaffe. Dementsprechend forderte er per Funk am 9. Februar vom Marinestab einen geeigneten Offizier.[55] Er bestand darauf, daß der Erfolg gegen die russische Flotte von der engen Zusammenarbeit zwischen der Schwarzmeer-Flottille, den U-Booten und den Luftwaffeneinheiten abhänge. Die von der Luftwaffe angekündigte Intensivierung ihrer Operationen gegen Schiffe und die Überführung kleiner Kriegsschiffe und U-Boote der Achse ins Schwarze Meer bedeute, daß eine noch engere operative und taktische Kooperation zwischen der 4. Luftflotte, insbesondere dem Fliegerkorps IV, unabdingbar werde. Er forderte daher die Ernennung eines geeigneten Offiziers mit Flottenerfahrung. Das letzte, was er wollte, war ein hochdekorierter Bürohengst. Der neue Verbindungsoffizier, so führte er aus, sollte ein seetüchtiger Reserveoffizier mit Kampferfahrung in der Marine sein. Um sicher zu stellen, daß der zu Ernennende eine solide Kenntnis in Sachen Luftwaffenkommando und -taktik bekomme, so fuhr Marschall fort, solle er zuerst zu einer Sonderausbildung geschickt werden.

Die Kriegstagebücher des Admirals Schwarzes Meer legen offen, daß die in den nachfolgenden Monaten zur Luftwaffe abkommandierten Marineverbindungsoffiziere insbesondere während des Krimfeldzuges hart daran arbeiteten, um die Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften abzubauen und sicherzustellen, daß es keine operativen oder taktischen Uneinigkeiten zwischen der Flotte und lokalen deutschen Luftwaffeneinheiten gab. Ihre Aufgabe wurde durch das kürzlich verbesserte Funksprechsystem in dieser Region erleichtert, wodurch der stetige Transfer minütlich eingehender Aufklärungsergebnisse zwischen den verschiedenen Marine- und Luftwaffenkommandos ermöglicht wurde. Diese Informationen über Wetterbedingungen und die Positionen feindlicher Schiffe wurden hauptsächlich von See- und Luftaufklärern sowie einem ausgeklügelten Funkabhördienst gesammelt.

Mansteins Kommandostab hielt auch die kleine Achsen-Flotille für wertvoll und forderte von ihr, sie solle mit Anbeginn der Schlacht um Sewastopol den aus- und einlaufenden Schiffsverkehr stören.[56] Als die Schlacht schließlich am 7. Juni begann, umfaßte diese deutsche Flotille sechs Motortorpedoboote (MTB) und einige wenige (in Ak Mechet stationierte) Patrouillenboote sowie eine (in Yalta stationierte) italienische Flotille von vier MTBs, sechs Miniatur-U-Booten und vier bewaffneten Motorbooten.[57] Diese Kräfte wurden in den folgenden Wochen noch verstärkt.

Admiral Marschall hatte ursprünglich geplant, all diese Schiffe unter dem integrierten Kommando des italienischen Flotillenkommandeurs, Capitano di Fregata Bimbelli, dem deutschen Flotillenkommandeur, Leutnant Birnbacher, und dem Kommandeur der lokalen Luftwaffeneinheit, Oberst Wild selbst, von Yalta aus einzusetzen.[58] Allerdings war Vizeadmiral Goetting, der die Marineeinheiten im Schwarzen Meer befehligte, damit nicht einverstanden. Er überredete Marschall dazu, die deutschen und italienischen Torpedoboot-Flotillen separat einzusetzen, weil die Massierung aller Kräfte in dem kleinen Hafen von Yalta ein ungerechtfertigtes Risiko darstelle, da dem Feind die Konzentrierung der Boote nicht verborgen bleiben und daher zu schweren Luftangriffen führen werde.[59] Obwohl er auf der Trennung der Flotillen aus Sicherheitsgründen bestand, stimmte Goetting darin überein, daß sie dann den besten Beitrag zu dieser Schlacht beitragen könnten, wenn sie auf taktischer Ebene nicht nur miteinander, sondern zudem mit der Luftwaffe eng integriert wären. Er hielt daher die Idee eines integrierten Kommandos für sehr vernünftig und befahl Birnbacher prompt, sich nach Saki [zu Wilds Hauptquartier] zu begeben, um mit dem Luftkommandeur Süd und Kommandeur Mimbelli zusammenzutreffen und dort für die Dauer des Einsatzes um die Küstenstreifen von Sewastopol ein integriertes Gefechtshauptquartier zu bilden.[60]

Somit entstand in Saki ein integrierter Marine-Luftwaffen-Kommandeur unter Birnbachers, Mimbellis und Wilds gemeinsamer Anweisung, wobei dem letzteren inoffiziell, aber im gegenseitigen Einverständnis, die oberste Autorität zukam. Er war die ideale Besetzung. Während des Ersten Weltkrieges hatte er als Kadett in der deutschen Reichsmarine gedient und wurde 1923 in die kleine Flotte der Weimarer Republik übernommen. Nach über einem Jahrzehnt im Marinedienst wechselte er zur neu gegründeten Luftwaffe. Wegen seines Marinehintergrundes lenkte ihn das Luftwaffenoberkommando auf eine Karriere in Sachen Anti-Schiffs-Operationen hin. Er kämpfte während des Polenfeldzuges mit Luftwaffeneinheiten an der Küste und war zwischen April und Oktober 1941 Fliegerführer Ostsee, als der er im hohen Norden durch seine vorzügliche Aufklärungs- und Anti-Schiffsarbeit hervorstach, die in enger Zusammenarbeit mit lokalen Marinekommandos durchgeführt wurde.[61] Als Göring dieses Kommando auflöste, sandte er Wild und seinen Stab in den Süden Rußlands, wo er als Fliegerführer Süd wieder auftauchte. Neben seinen Erfahrungen als Kommandeur von Seeverminungs- und -bomberschwadronen sowie weitreichender Marineaufklärung brachte Wild also auch solide Erfahrungen in der Unterstützung der Marine und bei der Schiffsbekämpfung mit auf seinen neuen Posten als de facto integrierter Kommandeur des in Saki gebildeten integrierten Anti-Schiffs-Kommandos. Wie weiter oben angemerkt, ist ein solides Verständnis der Bedürfnisse, Techniken, Taktiken, Grenzen und Fähigkeiten der teilnehmenden Teilstreitkräfte die Schlüsselkomponente eines wirksamen integrierten Kommandeurs. Wild hatte diese Kenntnisse.

Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Teilstreitkräften befahl Wilds integrierter Stab den Marinefernmeldern, neue, leistungsstarke Funksender auf der Krim zu errichten.[62] Diese beschleunigten die Verbreitung wichtiger Information unter den verschiedenen Luftwaffen- und Marinekommandos und -basen beträchtlich - insbesondere bezüglich der Sichtung von Schiffen durch Luftaufklärer. Um die Zusammenarbeit weiter zu verbessern, schickte Admiral Marschall zudem Konteradmiral Eyssen, Marineverbindungsoffizier bei der Luftflotte 4, um in Wilds Hauptquartier zu arbeiten.[63] Die Beziehungen waren schon bald äußert gut. Wild teilte seinen Marinekollegen sogar mit, sie könnten Luftaufklärungsmissionen anfordern, wann immer sie sie bräuchten. Seine Bereitschaft, mit der Marine eng zusammenzuarbeiten, blieben nicht unbemerkt. Marschalls Marinekommando zum Beispiel war deutlich beeindruckt. Wild sei selbst Marineoffizier gewesen, berichtete er, und er besitze ein außergewöhnliches Verständnis von der Kampfführung der Marine. Als Ergebnis dessen gebe es in der Operationszone eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Marine und Luftwaffe.[62]

Dies war keine Übertreibung. Während der Schlacht um Sewastopol kam es gelegentlich zu ethnischen Spannungen zwischen Italienern und Deutschen, aber Wild und sein Gegenstück bei der Marine setzten sich als Gleichgestellte energisch dafür ein, diese Spannungen zu lösen und die Wirksamkeit ihrer relativ kleinen Einheiten zu maximieren. Sie trafen sich häufig oder hielten über Funk Kontakt zueinander, um ihre Aufträge zu planen, ihre Aktivitäten zu koordinieren und auf ihre eigene beschränkte Weise gemeinsame Schwerpunkte zu entwickeln. Dies zahlte sich aus. Wilds Schiffsbekämpfungskommando der Luftwaffe operierte immer in enger Zusammenarbeit mit den deutschen und italienischen Torpedobooten, bewaffneten Motorbooten und Miniatur-U-Booten, was ihre gesamte Wirksamkeit konsequent erhöhte.

Ihre jeweiligen Stärken und Schwächen glichen sich gegenseitig aus. Dem Luftwaffenkommando Süd fehlte es an Ausrüstung zur Nachtnavigation, und es war daher nicht in der Lage, bei Operationen in der Nacht wirksam mitzuwirken, aber dafür konnte es die Marineeinheiten der Achse mit aktuellen Aufklärungsinformationen beliefern. Während der langen Sommertage überflog es fortwährend sowjetische Häfen und Schiffahrtslinien, so daß es die Partner von der Marine darüber informieren konnte, welche Schiffe im Hafen lagen, welche auf See waren, welchen Kurs sie eingeschlagen hatten, und wo sie sich wahrscheinlich befinden würden, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit die Gewässer um die Krim erreichten. Da die Achsenkräfte bei Tageslicht sehr verletzlich gegenüber sowjetischen Angriffen zur See oder aus der Luft waren, bei Nacht aber nur schwer auszumachen waren, operierten sie nur in der Dunkelheit. Ausgerüstet mit den Informationen aus abgehörten Funksprüchen und den ausführlichen Aufklärungsflügen des Luftwaffenkommandos Süd patrouillierten sie entlang des Küstenstreifens um Sewastopol. Sie pirschten sich an sowjetische Kriegs- und Transportschiffe heran, die, von der Dunkelheit vor Luftangriffen geschützt, versuchten, sich in die belagerte Stadt einzuschleichen. Diese Patrouillen wurden gelegentlich sogar von Wilds Flugzeugen unterstützt, die Leuchtraketen abschossen und sowjetische Kriegsschiffe angriffen, die die kleinen Achsenschiffe verfolgten.

So kam es, daß die Nachtpatrouillen der Achse, die den Aufklärungs- und Sperrauftrag des Luftwaffenkommandos Süd perfekt ergänzten, eine Auswirkung auf die Schlacht um Sewastopol hatte, die weit größer war als der tatsächlich Schaden, den sie den feindlichen Schiffen zufügen konnten. Diese sorgsam koordinierten gemeinsamen Operationen von Marine und Luftwaffe zwangen den Vizeadmiral Oktyabrskii dazu, die Feuerunterstützung seiner Flotte gegen deutsche Ziele entlang der Küsten der Halbinseln Krim einzuschränken und ihre überlebenswichtigen Nachschubkonvois für die belagerte Stadt zu reduzieren und schließlich sogar einzustellen. Das teilweise Abschnüren von Sewastopols Nachschublinie hatte einen wichtigen Einfluß auf die Fähigkeit der Verteidiger, Mansteins und Richthofens integriertem Luft- und Bodenangriff standzuhalten. Die Blockade behinderte bzw. verhinderte nicht nur die Heranführung sowjetischer Truppenverstärkungen, sondern ließ zudem die Nahrungsmittel-, Medizin- und Munitionsvorräte der Verteidiger schrumpfen. Gegen Ende Juni waren sie beispielsweise derart verzweifelt, daß sie Marinetaucher zu den auf dem Grund des Hafens von Sewastopol liegenden Schiffswracks sandten, auf der Suche nach eßbaren Muscheln (oder irgend etwas anderem Nahrhaften).[64]

Schlußfolgerungen

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Wehrmacht damals nur selten Operationen mit allen drei Teilstreitkräften durchführte. Mit der denkwürdigen Ausnahme der Invasion in Skandinavien 1940 und der weniger denkwürdigen Ausnahme der Truppentransporte und logistischen Aufträge durch das Mittelmeer nach Nordafrika führte die deutsche Kriegsmarine nur wenige signifikante Missionen Seite an Seite mit dem Heer und der Luftwaffe durch. Gewöhnlich operierte sie alleine oder zusammen mit der Luftwaffe, die für die Deckung aus der Luft sorgte sowie für Aufklärungsinformationen.

Heer und Luftwaffe dagegen führten die meisten Operationen gemeinsam durch. Tatsächlich führte das Heer niemals größere Aufträge ohne die Unterstützung der Luftwaffe aus. In den meisten Fällen zeigten beide Teilstreitkräfte eine allgemeine Bereitschaft, zur Erreichung gemeinsam erklärter Ziele als Partner zusammenzuarbeiten. Aber selbst die Wehrmacht, eine der besten kämpfenden Armeen dieses Jahrhunderts, hatte noch einen weiten Weg vor sich, um einen Grad der Integration zu erreichen, wie er von heutigen Militärtheoretikern befürwortet wird. Hitler richtete keinen formalen Mechanismus zur Erreichung dieser Integration ein, und seine Leidenschaft für Macht und Prestige verhinderten, daß er integrierte Kommandeure oder Stäbe im modernen Stil ernannte. Statt dessen stritten sich die Chefs der Teilstreitkräfte häufig über die Ausrichtung ihrer Einheiten und kämpften nicht nur um größere Zuteilungen aus Deutschlands begrenzten Ressourcen, sondern auch noch um Möglichkeiten, sich auf dem Schlachtfeld Ruhm zu erwerben.

Diese Untersuchung zeigt zudem, daß die Wehrmacht dennoch manchmal ein hohes Maß an Integration erreichte, wie etwa im Fall des Krimfeldzuges im Mai und Juni 1942, und als Folge dessen ihre Wirksamkeit verbesserte. In diesen Fällen, bei denen Hitler informell und unwissentlich, aber mit voller Autorität als integrierter Kommandeur fungierte, wollten die jeweiligen Stabsoffiziere und operativen Kommandeure ihre Erfolgschancen maximieren, weshalb sie bereit waren, Spannungen auf allen Ebenen der Teilstreitkräfte hinzunehmen, die eigenen Parteilichkeiten unterzuordnen und direkt miteinander als gleichberechtigte "Partner" zu handeln.

Der Erfolg der Achse auf der Krim war hauptsächlich deshalb möglich, weil die beiden Hauptkommandeure, Manstein vom Heer und Richthofen von der Luftwaffe, die zentrale Bedeutung der Integration ihrer Streitkräfte und ihres Einsatz in sich ergänzender Weise zur Erreichung gemeinsam gesteckter Ziel verstanden hatten. In engen und regelmäßigen Beratungen, stimmten sie - und auf taktischer Ebene ihre untergebenen Kommandeure in Marine, Heer und Luftwaffe - ihre Einsätze akribisch aufeinander ab und schufen gemeinsame Schwerpunkte. Ihr Einsatz vergrößerte ihre Effektivität enorm und demonstriert den Wert einer verbesserten Integration auf klare Weise. Sowohl auf der Halbinsel Kertsch als auch in Sewastopol besiegten die deutschen Einheiten besser vorbereitete und zahlenmäßig weit überlegene Kräfte, wodurch sie signifikante geographische Vorteile errangen. Dieser Erfolg wurde erreicht, weil es ihnen in großem Ausmaß gelang, die traditionellen Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften zu überwinden und zusammenzuarbeiten, um den Auftrag zu erledigen. Ihre Anstrengungen stellen eines der besten Beispiele für die Integration der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg dar. Als solches ist dies ein vorzügliches Lehrstück über die großen Vorteile, die sich durch wachsende Zusammenarbeit und Koordination der Teilstreitkräfte erreichen lassen.

Dr. Joel Hayward (Z.D.a.F., B.A., M.A. Hons, Ph.D.) hatte mehrere Stipendien inne und ist zur Zeit Forschungsbeauftragter der Historischen Forschungsgesellschaft der US-Luftwaffe (United States Air Force Historical Research Agency).

Dr. Hayward ist Dozent für Verteidigungs- und Strategiestudien an der Fakultät für Geschichte, Philosophie und Politik an der Massey University, einer mittelgroßen Universität in Palmerston North, Neu Seeland. Er ist eng eingebunden in Lehre und Verwaltung des Programmes für Verteidigungs- und Strategiestudien, das von der Massey Universität in Zusammenarbeit mit dem Institut für Militärstudien der Armee Neuseelands durchgeführt wird. Dr. Hayward hat sich auf die Militärgeschichte spezialisiert, insbesondere auf die des Dritten Reiches, und hat ausgiebig auf dem Gebiet militärischer Operationen während des Zweiten Weltkrieges publiziert. Er ist Autor des neu erschienenen Buches Stopped at Stalingrad: the Luftwaffe and Hitler's Defeat in the East 1942-1943 (Gestoppt in Stalingrad: Die Luftwaffe und Hitlers Niederlage im Osten 1942-43). Während der langen Forschungsphase gewann Dr. Hayward, der fünf Sprachen flüssig liest, ein großzügiges Stipendium für Forschungen im bundeseigenen Bundesarchiv-Militärarchiv, damals noch in Freiburg. Zudem erhielt er ein Forschungsstipendium der US-Luftwaffe für Studien an der Air Force Historical Research Agency in Montgomery, Alabama. An beiden Orten untersuchte er viele bislang unbeachtete deutsche und russische Dokumente und arbeitete mit den besten Experten auf diesem Gebiet zusammen, einschließlich Dr. Horst Boog vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, wahrscheinlich die weltweit höchste Autorität in Sachen Luftwaffe, und Dr. James Corum von der Hochschule für fortschrittliche Luftwaffenstudien (School for Advanced Airpower Studies), dem führenden US-Experten. Dr. Hayward hat eine Anzahl akademischer militärgeschichtlicher Artikel in den verschiedensten Zeitschriften veröffentlicht, wie u.a. The Journal of Strategic Studies, Airpower Journal, Air Power History, The Journal of Slavic Military Studies, New Zealand Army Journal. Er arbeitet zur Zeit an einem Werk des Titels Adolf Hitler als Militärischer Befehlshaber, einer wissenschaftlichen Studie über Hitlers Kriegführung, die durch den Verlag Macmillan Press (London) angeregt wurde.

Dr. Joel Hayward

Anmerkungen

[1]Zu Alfred Jodls mutigem Verhalten bezüglich Feldmarschall List vgl. z.B. mein Buch Stopped at Stalingrad: the Luftwaffe and Hitler's Defeat in the East 1942-1943 (University Press of Kansas, 1998), S. 171.
[2]Ebenda, S. 320.
[3]Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg (nachfolgend BA/MA) RM 7/259: Bericht über Besprechung am 30.4.1942. Ort: Berghof. Diensttuender Adjutant: Generalmajor Schmundt. gKdos. Gegenstand: Der Führer bespricht die militärische Lage.
[4]Weisung Nr. 41, in W. Hubatsch, (Hg.), Hitlers Weisungen für die Kriegführung, 1939-1945. Dokumente des Oberkommandos der Wehrmacht (Koblenz: Bernard & Graefe, 1983), S. 183-188. Leser, die an Hitlers Bestehen auf eine Offensive zur Bereinigung der Krim interessiert sind, sollten zu meinem Artikel »Hitler's Quest for Oil: The Impact of Economic Considerations on Military Strategy, 1941-1942«, The Journal of Strategic Studies 18, 4 (Dezember 1995), S. 94-135, greifen.
[5]E. Ziemke und M. Bauer, Moscow to Stalingrad: Decision in the East (Washington, D.C.: United States Army Center of Military History, 1987), S. 264.
[6]R. J. Overy, »Hitler and Air Strategy«, The Journal of Contemporary History, 15 (1980), S. 405-421.
[7]F. Halder, Kriegstagebuch: Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes des Heeres, 1939-1942, hgg. von H.-A. Jacobsen (Stuttgart: W. Kohlhammer, 1965), Bd. III, S. 408.
[8]Ebenda, A. 412.
[9]P. E. Schramm, General Hg., Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (Wehrmachtführungsstab) 1940-1945 (Frankfurt am Main: Bernard & Graefe, 1961) (nachfolgend als KTB OKW), Bd. II, S. 321 (13.4.1942).
[10]Halder, Kriegstagebuch (Anm. 7), Bd. III, S. 421 (28.3.1942).
[11]National Archives, Washington, D.C. (nachfolgend als NARS) T971/18/975-981: OKL, Chef Genst. 7644/42 Chefsache -- Notiz über die Besprechung beim Führer am 17.4.1942, bezüglich Einsatz der Luftflotte 4.
[12]Fliegerkorps waren damals die größten operativen Kommandos innerhalb der Luftflotten. Diese immer mit römischen Ziffern bezeichneten Kommandos standen normalerweise unter dem Kommando der jeweils in der Region stationierten Luftflotte. Zu zahlreichen Anlässen während des ganzen Krieges jedoch verlegte das Oberkommando der Luftwaffe bestimmte Fliegerkorps, um unabhängig unter dem Kommando eines eigenen Befehlshabers zu operieren, der gewöhnlich den Rang eines Generalleutnants oder Generals der Flieger hatte. Eine Luftflotte besaß selten mehr als ein Fliegerkorps, allerdings erhielt eine Luftflotte mitunter in kritischen Situationen oder bei größeren Offensiven die Kontrolle über zwei (und manchmal sogar Teile eines dritten) Fliegerkorps. Die einzelnen Fliegerkorps unterschieden sich merklich in Größe und Zusammensetzung, in Abhängigkeit von der Wichtigkeit des Schauplatzes und der Natur der Operationen, zu denen jedes Korps abgestellt wurde, aber "typischerweise" besaßen die im Osten eingesetzten Korps in den ersten zwei Kriegsjahren zwischen 350 und 600 Flugzeuge der verschiedensten Typen (Bomber, Jäger usw.).
[13]Als der Krieg in Europa im Mai 1945 endete, hatte die Luftwaffe ihre ganzen operativen Streitkräfte in sieben Luftflotten organisiert, drei mehr als sie bei Ausbruch der Feindseligkeiten sechs Jahre zuvor besessen hatte. Es waren dies die Luftflotten 1, 2, 3, 4 (die ursprünglichen vier), 5, 6, 7 und Reich (alle während des Krieges aufgestellt, wobei die letzte für die heimatliche Luftverteidigung zuständig war). Jede Luftflotte war vergleichbar einer individuellen »Air Force« innerhalb der US-Army Air Forces; daß heißt, das es sich dabei um ein selbständiges Luftkommando handelte, das alle Kampfeinheiten umfaßte (Bomber, Sturzkampfbomber, Jagdbomber, Jäger und Aufklärer) sowie Transport-, Flak- und Signaleinheiten. Die oberen Befehlshaber - gewöhnlich im Rang eines Generaloberst oder Generalfeldmarschalls - führten den Kommandostab jeder dieser Luftflotten und hatten die volle Verfügungsgewalt über die untergebenen Fliegerkorps.
[14]Nähere Details über Hitlers Anweisung an das Oberkommando der Luftwaffe in: »Von Richthofen's "Giant fire-magic": The Luftwaffe's Contribution to the Battle of Kerch, 1942«, The Journal of Slavic Military Studies, 10(2) (Juni 1997), S. 97-124.
[15]M. Salewski, Die deutsche Seekriegsleitung 1935-1945; Bd III: »Denkschriften und Lagebetrachtungen 1938-1944« (Frankfurt am Main: Bernard & Graefe, 1973), S. 163, 164.
[16]Hayward, aaO. (Anm. 1), S. 42-44.
[17]I. S. Isakov, Admiral of the Fleet, The Red Fleet in the Second World War (London: Hutchinson, o.D.) S. 67. Bei allen Zitaten handelt es sich um (Rück-)Übersetzungen des englischen Originalartikels. Es kann daher zu leichten inhaltlichen Abweichungen vom Original kommen.
[18]BA/MA RM 7/991: Seekriegsleitung B. Nr. 1/Skl 313/42 gKdos Chefs., Berlin, den 9. Februar 1942. Niederschrift über die Besprechungen des Chefs 1. Skl. im Hauptquartier am 6. und 7. Februar 1942 (vgl. auch den Anhang zu diesem Dokument); BA/MA RM 35 III/22: Anlage 1 zu K.T.B. Mar.Gr. Süd vom 17.2.42: Niederschrift über die Besprechungen mit Admiral Schwarzes Meer und den von ihm nach Sofia entsandten Offizieren über Transportabsichten und im Zusammenhang damit stehenden Operationsabsichten für das Jahr 1942.
[19]BA/MA RM 7/248: Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Chef der Seekriegsleitung, B. Nr. 1. Skl. I m 275/42 gKdos Chefs., Berlin, den 23. Februar 1942, an Marinegruppe Süd. Betr.: Operationen im Schwarzen Meer.
[20]A. Kesselring, The Memoirs of Field Marshal Kesselring (London: Greenhill Books, 1988), S. 103.
[21]Vgl. S. Bidwell, »Kesselring«, in C. Barnett, (Hg.), Hitler's Generals (London: Phoenix Giants, 1996), S. 277; Kesselring, Memoirs, S. 103ff.
[22]United States Air Force Historical Research Agency (nachfolgend als USAFHRA) 168.7158-337: Kriegstagebuch Sonderstab Generalfeldmarschall Milch, Eintrag vom 15.1.1943; KTB OKW, Bd. III, S. 42, Eintrag vom 15.1.1943.
[23]Kesselring, Memoirs (Anm. 20), S. 239.
[24]R. Knauss, Der Feldzug in Norwegen 1940 (dieses unveröffentlichte Manuskript von einem Luftwaffenoffizier in Falkenhorsts Stab stammt aus der Sammlung von Professor James S. Corum, School of Advanced Airpower Studies, Air University), S. 18.
[25]Weisung Nr. 10a, in Hubatsch, aaO. (Anm. 4), S. 47-50; Halder, Kriegstagebuch (Anm. 7), Bd. I, Eintrag vom 21.2.1940.
[26]D. Irving, Göring: A Biography (London: Macmillan, 1989), S. 285.
[27]BA/MA N671/9: Dr. Wolfram Frhr. von Richthofen, Generalfeldmarschall. Persönliches Kriegstagebuch: Bd. 9: 1.1.-31.12.1942 (nachfolgend als Richthofen Tagebuch), Eintrag vom 19.4.1942.
[28]R. Muller, The German Air War in Russia (Baltimore: Nautical and Aviation Publishing Co., 1992), S. 70.
[29]BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 18.4.1942.
[30]Ebenda, Eintrag vom 19.4.1942.
[31]S. W. Mitcham, Men of the Luftwaffe (Novato, Ca.: Presidio, 1988), S. 170.
[32]Muller, aaO. (Anm. 28), S. 137.
[33]Notes on the German Air Force, Air Ministry Publication No. 1928, 2. Auflage, April 1943, S. 76.
[34]Details über Richthofens Leben und Karriere, einschließlich seiner persönlichen Schriften und Tagebücher von 1937 bis 1944, sind im Nachlaß von Dr. Wolfram Frhr. v. Richthofen zu finden (BA/MA N671). Bezüglich seiner Zeit in Spanien vgl. die Bd. I, II und III. Seine gekürzte Dienstakte befindet sich im BA/MA MSG 1/1248. Leser, die mehr über Richthofens Karriere im Zweiten Weltkrieg erfahren wollen, sollten meinen Artikel lesen: »A Case Study in Effective Command: An Analysis of Field Marshal Richthofen's Character and Career«, New Zealand Army Journal, 18 (Januar 1998), S. 7-18.
[35]BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 22.4.1942.
[36]E. von Manstein, Verlorene Siege (Bonn: Athenäum, 1955), S. 258.
[37]BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 28.4.1942.
[38]Ebenda, Eintrag vom 2.5.1942.
[39]Muller, aaO. (Anm. 28), S. 71.
[40]Ziemke and Bauer, aaO. (Anm. 5), S. 264.
[41]Hayward, aaO., (Anm. 1), S. 74.
[42]USAFHRA 519.619-7 (14.8.1945): HQ, US Strategic Air Forces in Europe (Rear), Office of the Historian, AAF Sta 390, APO 413, US Army, »Questionnaire on GAF Doctrine and Policy: Answers by Gen. Maj. von Rohden (P.W.) and Col. Kriesche (P.W.) to Questions Submitted by Major Engelman«.
[43]Dieser faszinierende Bericht der 387. Infanteriedivision ist Richthofens Tagebuch beigegeben (BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 25.6.1942).
[44]Ebenda, Eintrag vom 25.6.1942.
[45]Ebenda, Eintrag vom 25.10.1942.
[46]Manstein, aaO. (Anm. 36), S. 258.
[47]Quoted in Muller, aaO. (Anm. 28), S. 67.
[48]BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 9.5.1942.
[49]Muller, aaO. (Anm. 28), S. 73.
[50]Bezüglich der Entwicklung derartiger Erkennungszeichen - die zuerst von Schlachtstaffeln im Ersten Weltkrieg eingeführt und von Richthofen im spanischen Bürgerkrieg wieder aufgegriffen wurden - vgl. James S. Corums ausgezeichneten Artikel »The Luftwaffe's Army Support Doctrine, 1918-1941«, The Journal of Military History, 59, No. 1 (Januar 1995), S. 53-76.
[51]USAFHRA 512.625-3: Fliegerkorps VIII Staff, Operations Department (Reconnaissance Branch), No. 7790/42, Secret, 29.7.1942: Standing Order to the Reconnaissance Units of Fliegerkorps VIII , S. 3. Anmerkung: dies ist die vom US-Geheimdienst angefertigte Übersetzung eines von den Russen erbeuteten Dokuments.
[52]H. Spaeter, Panzerkorps Großdeutschland, Bd. 1 Übersetzt von David Johnston (Winnipeg: J. J. Fedorowicz, 1992; zuerst 1958 auf deutsch erschienen), S. 324. Nach Spaeters Bericht sahen die Piloten zwar die Erkennungszeichen, glaubten aber an einen sowjetischen Trick.
[53]BA/MA N671/9: Richthofen Tagebuch, Eintrag vom 29.6.1942.
[54]Mar. Gruppe Süd op B. Nr. 627/42 gKdos, in BA/MA RM 35 III/21: KTB Mar. Gr. Süd, 1.-15. Februar 1942 (unter dem Eintrag vom 2. Februar 1942).
[55]BA /MA RM 35 III/21: Anlage zu K.T.B. Mar.Gr. Süd vom 9.2.42: Mar. Gruppe Süd op B. Nr. 730/42 gKdos.
[56]USAFHRA 180.04-12: U.S. Department of the Navy, Office of the Chief of Naval Operations, Naval History Division: War Diary of [German] Admiral, Black Sea, 1.-30. Juni 1942 (PG Numbers 31512-31513), Eintrag vom 2.6.1942.
[57]BA/MA RM 7/115: KTB, 1/Skl. Teil B IX: Lageübersicht, Mittelmeer-Ägäis-Schwarzes Meer, 1.-13. Juni 1942.
[58]Quelle wie in Anm. 56, Eintrag vom 8.6.1942.
[59]Ebenda; Reisenotizen O.B. Mar. Gr. Süd: 2) Gefechtsstand für Führung offensiver Seestreitkräfte, in BA/MA RM 35 III/30: KTB Mar. Gr. Süd, 16.-30. Juni 1942.
[60]Quelle wie in Anm. 56, Eintrag vom 9.6.1942; BA/MA RM 7/115: KTB, 1/Skl. Teil B IX: Lageübersicht, Mittelmeer-Ägäis-Schwarzes Meer, 1.-13. Juni 1942.
[61]Hayward, aaO. (Anm. 1), S. 41-42.
[62]BA/MA RM 7/248: Oberkommando der Kriegsmarine B. Nr. 1 Skl. I op 9045/42 gKdos, Berlin, den 17. April 1942: Fernschreiben an S Marinegruppe Süd; Reisenotizen O.B. Mar. Gr. Sued: 5) Zusammenarbeit mit der Luftwaffe, in BA/MA RM 35 III/30: KTB Mar. Gr. Süd, 16.-30. Juni 1942.
[63]Ebenda. Eyssen blieb bei Wilds Kommandoposten bis Ende Juni, wonach er zum Hauptquartier der Luftflotte 4 in Nikolajew zurückkehrte.
[64]V. Karpov, The Commander, übersetzt von Y. Shirokov und N. Louis (London: Brassey's, 1987), S. 91; B. Voyetekhov, The Last Days of Sevastopol, übersetzt von R. Parker und V. M. Genn (London: Cassell, 1943), S. 58, 59.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(1) (1999), S. 4-16.
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