Gehirnwäsche für die USA: Britische Propaganda 1939-45

Von George Fowler

In ihrem Buch To Win the Peace: British Propaganda in the United States during World War II (Cornell University Press, New York/London 1997) untersucht Susan A. Brewer die offiziellen Bemühungen der britischen Regierung, a) die USA in den Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland zu verwickeln, und b) eine für das bankrotte und ausgelaugte Großbritannien möglichst günstige Nachkriegssituation herbeizuführen. Letztere Bemühung kam praktisch einem Versuch zur Rettung des Britischen Weltreichs gleich. Dies war der liebste Traum Premierminister Winston Churchills und der Imperialisten in seiner Regierung. Doch ein zunehmend erstarkender globalistischer Flügel setzte sich für ein "neues" Britannien ein und machte Churchills Anhängern eines "alten Britanniens" in der Kriegspropaganda Konkurrenz.


Susan Brewer greift ein wenig bekanntes Thema der Kriegszeit auf, nämlich den Zwist zwischen zwei Fraktionen, die sich hinsichtlich der Rolle Großbritanniens in der Nachkriegszeit uneinig waren und deren unterschiedliche Auffassungen sowohl in ihren Visionen als auch in ihrer Propaganda zum Ausdruck kamen. Sollte Großbritannien auch weiterhin eine Weltmacht ersten Ranges darstellen, welche ihr in raschem Wandel begriffenes Imperium mit milder Hand regierte? Oder sollte es sich zu einem "wahrhaftig demokratischen" Mitglied der Völkergemeinschaft mausern? Während der Krieg seinen Fortgang nahm und Winston Churchill mit Feuereifer sein Spiel betrieb, den "bösen Hitler" mit Hilfe umfassender amerikanischer Finanzhilfe zu Boden zu bringen, ließ die für die USA bestimmte britische Propaganda eine immer unverhohlenere (und für die bedrängte britische Oligarchie unheilschwangere) Tendenz zugunsten der Freunde des "neuen Britanniens" erkennen.

In Anbetracht der Tatsache, daß die Werbekampagne für das "neue Britannien" durchaus den Visionen der linksgerichteten, internationalistischen Regierungsmannschaft Roosevelts, aber auch der Wall-Street-Internationalisten entsprach – Individuen wie Bernard Baruch und Wendell Wilkie fungierten symbolträchtigerweise als Bindeglied zwischen dem Kapitol und der Wall Street –, verwundert es nicht, wie mühelos sich das "neue Britannien" nach der deutschen Kapitulation durchsetzen konnte. Ironischerweise hätte der Churchill-Flügel größere Chancen auf Erfolg gehabt, hätten ihm viele der besten und gescheitesten Menschen des Landes zur Seite stehen können – jene Nationalisten nämlich, die der Premierminister gleich nach seinem Amtsantritt im Mai 1940 als "Sicherheitsrisiko" in Verliesen verschwinden ließ.

Als Churchill im Juli 1945 die Wahlen an die Labour Party verlor, zeigten sich jene Staaten der westlichen Welt schockiert, die das selbstmörderische europäische Völkerringen heil überstanden hatten oder doch zumindest die Möglichkeit besaßen, sich binnen absehbarer Zeit zu erholen. Der erdrutschartige Wahlsieg der Sozialisten erfolgte kurz nach einem Krieg, dessen erklärtes Ziel darin bestand, »die Welt von Adolf Hitler zu befreien«, einem Mann, der – welche Ironie des Schicksals! – ein glühender Bewunderer des Britischen Weltreichs war. Die Untersuchungen der Verfasserin haben genügend Beweise dafür zu Tage gebracht, daß die während der Kriegszeit ausgefochtenen ideologischen Scharmützel innerhalb jener Institutionen, welche die Öffentlichkeit mit "Informationen" über das Geschehen belieferten, auf eine baldige Abdankung der imperialen Nationalisten nach Kriegsabschluß hindeuteten.

To Win the Peace ist als Ergebnis von Recherchen entstanden, die hauptsächlich im Dreieck London-Oxford-Cambridge durchgeführt worden sind. Anhand wertvollen Quellenmaterials belegt das Buch, wie die Briten nichts unterließen, um US-Präsident Franklin D. Roosevelt sowie seine Berater-Riege in ihrer Politik zu unterstützen. Diese bestand darin, dem amerikanischen Volk weiszumachen, der Kriegseintritt sei ein moralischer Imperativ und für das Überleben des amerikanischen Volkes als freies Volk unerläßlich. Wen scherte es da, daß England den USA nach deren harterkämpfter Unabhängigkeit immer und immer wieder in die Suppe gespuckt hatte, oder daß Hitlers Deutschland ungeachtet möglicher innen- oder außenpolitischer Fehlleistungen niemals fähig oder auch nur willens war, die USA ernsthaft zu bedrohen.

Viele tausend Londoner Bürger fanden während der deutschen Luftangriffe der Jahre 1940 und 1941 Zuflucht in der Untergrundbahn. Zum Glück für Britannien besaß Deutschland damals lediglich eine taktische Luftwaffe, die ihr Ziel, die Vertreibung der Royal Air Force aus dem Himmel über England, beinahe erreicht hätte. Das Propagandabild vom tapferen britischen Volk, das die Bombardierungen stoisch über sich ergehen ließ, erweckte bei Millionen leichtgläubiger amerikanischer Bürger Schuldkomplexe darüber, daß sie ungefährdet in ihren Betten schlafen durften.

Die zur Anwendung gelangte Palette von Täuschungsmanövern, Einschüchterungen und Verstößen gegen jede intellektuelle Redlichkeit, mit denen diese Offensive zur Manipulation der damals in ihrer überwältigenden Mehrheit patriotischen US-Bürger Hand in Hand ging, steht in der Geschichte der Nationen einzigartig da. Den Schlüssel dazu lieferten natürlich die Wunder der Massenkommunikation des 20. Jahrhunderts. Mit welchen Mitteln der Nachwelt ein genauerer Einblick in diese Manipulation der Massen verweigert wurde, hat die Verfasserin gut dokumentiert; sie schreibt:

»Wo sich die Unterlagen des MOI (American Division of the Ministry of Information) befinden, ist unbekannt; allem Anschein nach wurden sie von der britischen Regierung kurz nach dem Krieg verlegt.«

Prof. H.G. Nicholas von der Universität Oxford, der die Kriegsjahre in der American Division verbrachte, ist der Auffassung, der Verlust gerade dieser Unterlagen des Informationsministerium sei »möglicherweise beabsichtigt« gewesen. Angesichts der Vielzahl der betreffenden Urkunden war es schlicht und einfach nicht möglich, sie alle in eine Aktentasche zu stopfen und "irrtümlicherweise" auf dem Rücksitz eines Taxis liegen zu lassen.

Dieses Photo zeigt den abgebrühten CRS-Reporter Edward R. Murrow, der gerade das Manuskript für eine seiner Rundfunksendungen schreibt. Murrow war zwar stark narzißtisch veranlagt, aber alles andere als ein Feigling. BBC lehnte seinen Antrag, statt von einem bombensicheren Studio vom Dach eines ein paar Blöcke entfernten Hauses aus berichten zu dürfen, anfangs ab. Darauf wandte sich Murrow an den stets theatralischen und phantasievollen Premierminister, der ganz entzückt über die Aussicht war, der Reporter könne von einem Ort aus berichten, wo die Luftangriffe zu hören waren. Man kann sich vorstellen, wie bewegt die Amerikaner waren, als Murrow mit seiner tiefen und gebieterischen Stimme verkündete: "Der Mond scheint hell und weist den Bombern den Weg. Die Burschen von der Fliegerabwehr arbeiten mit hochgekrempelten Ärmeln, lachen und fluchen, während sie ihre Granaten in die Kanonen schieben."

In diesem wertvollen und gutrecherchierten, aber eher trocken wirkenden Buch (die Autorin hat sich ihrem Thema mit echter Hingabe gewidmet, doch vermutlich ohne eine persönliche Beziehung zu jener Zeit zu besitzen) wird die außerordentliche Wichtigkeit des Kinos bei der Manipulation der Volksmassen bedauerlicherweise übergangen. Immerhin hält Susan Brewer fest, daß der Britische Pressedienst jene Komitees, die sich in den USA für den Kriegseintritt einsetzten, aber auch amerikanische Universitäten, Klubs usw. mit "Dokumentarstreifen" versorgte. Diese erreichten freilich nur eine begrenzte Anzahl von Personen, die ohnehin meist Interventionisten (Befürworter des Kriegseintritts) waren, so daß hier offene Türen eingerannt wurden.

Propagandistisch bedeutend effizienter waren Wochenschauen sowie die populäre Sendung The March of Time. Die ersten Tonwochenschauen entstanden 1927. Vor der Einführung des Fernsehens hatten Filmmogule wie Fox, Hearst und Paramount in den USA mit ihren Wochenschauen, Sportsendungen und kommentierten Filmen große Erfolge zu verzeichnen. "Antifaschistische" Kinozaren nutzten ihr Medium während der dreißiger Jahre sehr wirksam, um das nationalsozialistische Deutschland als Bedrohung darzustellen. Besonders gerne berichteten sie über Parteiversammlungen oder Militärparaden, und zwar in einem Ton, der noch nicht offen kriegerisch war, aber kommende Konflikte erahnen ließ. Mit seiner im Oktober 1935 erfolgten Invasion Abessiniens (damaliger Name für Äthiopien) verlieh Benito Mussolini der antifaschistischen Propaganda mächtigen Auftrieb. Auf der Leinwand erschienen noch und noch mechanisierte italienische Truppen, die primitiv bewaffnete Abessinier mitleidlos niederwalzten, und der bescheidene, liebenswerte Kaiser Haile Selassie wirkte ungleich sympathischer als der militaristische Duce, der vom Balkon aus seine Brandreden hielt. Dies war ideale Propagandamunition für die "Antifaschisten", auch wenn deren wirkliche Zielscheibe viel eher Hitler als Mussolini war.

Henry Luce, Gründer der Zeitschriften Time und Life, feierte mit seiner regelmäßig erscheinenden Sendung The March of Time in den dreißiger und vierziger Jahren wahre Triumphe. Damals besaß fast jede amerikanische Ortschaft, die mehr als ein paar Häuser zählte, ihr eigenes Lichtspieltheater. In den entscheidenden Jahren 1938 bis 1942, als die Weichen für die Zukunft gestellt wurden, war Luce eine der führenden Figuren unter den Republikanern des amerikanischen Ostens. 1940 war der in Ohio als Senator amtierende Robert A. Taft der einzige US-Nationalist von Gewicht, der in den Wahlen zur Ermittlung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten eine Konkurrenz für die beiden Kandidaten der Bankiers darstellte; bei diesen handelte es sich um Wendell Wilkie, einen Staradvokaten der Wall Street, sowie um Thomas E. Dewey, einen Anwalt aus Manhattan, der sich als Gangsterschreck einen Namen gemacht hatte. Vor dem Kongreß, auf dem der republikanische Präsidentschaftskandidat gekürt wurde, schmähte Time den allgemein respektierten Taft als »Schildkröte« und warf ihm vor, »einen Beweis nach dem anderen für seine Unfähigkeit geliefert« zu haben. Er sei, höhnte Time, der »dumme August der amerikanischen Politik«.

Während Time Magazine von vielen tausend Entscheidungsträgern im ganzen Land gelesen wurde, erreichte The March of Time (1931 zunächst als Radiosendung ins Leben gerufen) mit seinen alle vier Wochen erscheinenden Filmen die halbe Nation. Dieses von Luce produzierte Programm fand nichts dabei, Nachrichtenmaterial in Theaterform darzubieten und dabei Schauspieler und allerlei Requisiten einzusetzen. Prominentenbiograph Joseph E. Persico schrieb dazu:

»"The March of Time" war oft sehr geschickt gemacht, unterhaltsam und sogar informativ. Hinsichtlich seiner historischen Authentizität stand es aber auf derselben Stufe wie die späteren "dramatisierenden Dokumentationen" des Fernsehens. "The March of Time" mochte alles mögliche sein, eine Nachrichtensendung war es nicht.«

Inhaltlich war The March of Time großenteils nichts anderes als äußerst raffinierte interventionistische Propaganda. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß diese in enger Zusammenarbeit mit der mächtigen, im Rockefeller Center beheimateten britischen Propagandaindustrie ausgebrütet wurde.

Eine 1941 erschienene Ausgabe von The March of Time zeigte Dr. George Gallup, den Hohepriester der Meinungsumfrage. Gallup erließ darin einen flammenden Aufruf zur immer intensiveren Unterstützung Großbritanniens, »was auch immer die Kosten sein mögen«. Gemeint war ganz unzweideutig militärische Unterstützung. Bezeichnenderweise ergab eine 1941 veröffentlichte und psychologisch sehr geschickt ausgeschlachtete Gallup-Umfrage, daß 60% der Befragten einen Kriegseintritt der USA befürworteten.

Bei der Produktion von The March of Time waltete Sidney Bernstein als Berater. Dieser war Eigentümer der Filmgesellschaft Granada und als solcher neben J. Arthur Rank Besitzer des größten britischen Unternehmens zur Herstellung und Verteilung von Filmen. In Hollywood arbeitete Bernstein zwecks Koordinierung der Leinwandpropaganda aufs engste mit den Warner-Brüdern (»Warner Bros. studios«) sowie dem »Motion Picture Committee for National Defense« (Kinokomitee für Nationale Verteidigung) zusammen. Die Verfasserin hält fest, daß Hollywood für die propagandistische Vision eines "neuen" Britannien, das der Asche des Krieges entsteigt, begeistert die Werbetrommel rührte. In ihrer Ausgabe vom Oktober 1995 hat sich die in den USA erscheinende revisionistische Zeitschrift Barnes Review ausführlicher mit der Kriegspropaganda zwischen 1939 und 1945 auseinandergesetzt, als Susan Brewer dies in ihrem Buch tut (»Hollywood declares War on Berlin«, S. 11-16.). Immerhin hebt sie hervor, daß sich Bernstein im August 1941 drei Stunden lang mit Louis Mayer, dem Chef der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Meyer, in dessen luxuriösem Büro unterhalten hat. Es ging dabei um den unverhohlen interventionistischen Propagandastreifen Mrs. Miniver, der bald darauf seine Premiere erleben sollte. Helden des Films waren zwei Schauspieler, deren Heimatländer bereits am Krieg beteiligt waren, nämlich die Engländerin Greer Garson und der Kanadier Walter Pidgeon. Der Streifen zeigte ein demokratisches, bürgerliches England, das große Ähnlichkeit mit dem in der Saturday Evening Post gezeichneten Amerikabild aufwies.

Daß sich die jeder Einmischung der USA in den Krieg abholden amerikanischen Nationalisten über die Auswirkungen der interventionistischen Kriegspropaganda sehr wohl im klaren waren, geht daraus hervor, daß 1941 trotz heftiger Opposition seitens des Weißen Hauses und des Kongresses ein »War Propaganda Subcommitee« (Unterausschuß zur Untersuchung von Kriegspropaganda) gegründet wurde, der unter der Ägide des »Senate Committee on Interstate Commerce« (Senatskomitee für zwischenstaatlichen Handel) stand. Sein Vorsitzender war der führende US-Nationalist und Interventionsgegner Gerald P. Nye, Senator von North Dakota. In ihrem 1995 erschienenen Buch John Wayne: American geben die Geschichtsprofessoren Randy Roberts und James S. Olsen Nyes Aussage wieder, die amerikanischen Filme seien »kein Instrument der Unterhaltung mehr«. Für ihn bestand ihre Funktion darin, »den Verstand der amerikanischen Öffentlichkeit zu umnebeln, ihre Leidenschaften zu entfachen, ihren Haß ins Unermeßliche zu steigern und in ihnen die Furcht wachzurufen, Hitler werde den Atlantik überqueren, um Amerika zu knechten«. Laut Roberts und Olsen glaubte Nye, eine »Handvoll jüdischer Filmmogule, die Roosevelt-Regierung sowie die Bedeutung Großbritanniens als Markt für Hollywood« seien für die interventionistischen Filme verantwortlich.

Wie viele andere leidenschaftliche Patrioten und Interventionsgegner konnte sich Nye weder an Klugheit noch an Raffinesse mit seinen Widersachern messen. Er unterließ es, eine sorgfältige Analyse der interventionistischen Propagandafilme vorzunehmen, die seine Argumentation hieb- und stichfest gemacht hätte. Anscheinend kannten weder er selbst noch die anderen Mitglieder des Unterausschusses die Filme sonderlich gut. Im September 1941 zitierte der Unterausschuß prominente Regisseure wie Harry Warner und Darryl Zanuck zu einer Befragung nach Washington. Ihr Verteidiger war Wendell Willkie, der bei den Präsidentschaftswahlen von 1940 Roosevelts unterlegener Konkurrent gewesen war. Willkie war Wall-Street-Mann und Vertreter des internationalistischen Flügels der Republikanischen Partei.

Der miserabel vorbereitete Unterausschuß (all seine Mitglieder mit Ausnahme des Senators Ernest McFarland aus Arizona waren Roosevelt-Gegner) machte gegen die Filmprofis und ihren berühmten Advokaten Willkie eine klägliche Figur. So versäumte der Nye-Unterausschuß (der dann nie wieder tagen sollte) eine erstrangige Chance, der hinterlistigen Hollywood-Propaganda Einhalt zu gebieten. Die Filmmogule hingegen verließen Capitol Hill mit dem Märtyrerbonus der zu Unrecht Verfolgten.

Selbstverständlich spielte auch der Rundfunk eine zentrale Rolle bei der Information und Beeinflussung der Öffentlichkeit. Susan Brewer weist darauf hin, daß von England ausgestrahlte amerikanische Sendungen von der »American Liaison Unit« der BBC zensiert wurden. Die technischen Mittel zur Ausstrahlung von Programmen in die USA wurden erst nach Einwilligung in diese Restriktionen zur Verfügung gestellt. Nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten dufte kein Journalist mehr ins Ausland, dem die Roosevelt-Regierung keine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt hatte. In London war dies faktisch schon von 1939 bis 1941 der Fall.

Besonders hervorzuheben ist hier Edward R. Murrow von der CBS, dem markantesten unter den in London stationierten Radiopropagandisten. Murrow hatte eine faszinierende Stimme und war ein unglaublich eitler Mensch. Seine dramatischen Reportagen über die Schlacht um England (Sommer 1940) und die in den Monaten danach erfolgenden deutschen Bombenangriffe (den Blitz) zogen Millionen amerikanischer Hörer in ihren Bann. Der Tenor der amerikanischen Rundfunksendungen aus London verkündete dieselbe einprägsame Botschaft wie die koordinierte Zeitungs- und Filmpropaganda, der die amerikanische Öffentlichkeit seit Jahren ausgesetzt war: Das englische Volk, das uns so nahe steht, führt einen Kampf auf Leben und Tod und riskiert für uns Kopf und Kragen. Wie lange können wir noch untätig zusehen, ohne unsere Ehre preiszugeben?

So wurden die unbestreitbaren Tatsachen, daß die Engländer den US-Amerikanern gewiß näher stehen als viele andere Völker und daß sie tapfer kämpften, mit der fragwürdigen These verknüpft, de USA seien verpflichtet, gegen ein brutales und menschenverachtendes Regime in den Krieg zu ziehen, welches England besetzen, den Bolschewismus vernichten und uns mit Hilfe seines japanischen Verbündeten aus dem Fernen Osten verdrängen wolle.

Bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung mag Murray sehr wohl die stärkste Trumpfkarte der Interventionisten gewesen sein, so daß es sich lohnt, kurz auf seine Person einzugehen. 1968 verfaßte Joseph E. Persico ein Buch mit dem Titel Edward R. Murray - An American Original.

Henry Wilcoxon (oben in Priestertracht) war zunächst Bühnenschauspieler in England. Später spielte er als Markus Antonius (in Cleopatra, 1934) sowie als König Arthur (in The Crusades, 1935) starke und positive Charaktere und eroberte dadurch die Herzen des riesigen amerikanischen Kinopublikums. 1941 trat er im MGM-Film Mrs. Miniver auf. In der hier abgelichteten Szene, die einen Höhepunkt des Streifens darstellt, verkündet er in einer hinreißenden Predigt den Sieg des Guten über das Böse. Obgleich die Geschichte in einem Dorf spielt, bombardiert die Luftwaffe darin die Kirche, so daß auch dem beschränktesten Kinobesucher klar werden mußte, auf wessen Seite der liebe Gott stand. Wilcoxon gehörte jener eigenartigen Brüderschaft an, die den Interventionisten in den USA unschätzbare Dienste erwies und die sich aus begabten britischen Schauspielern sowie aus jüdischen Drehbuchautoren und Regisseuren zusammensetzte.

Persico berichtet, Ende der dreißiger Jahre habe Murray berühmte Vertreter der Linken zu seinen Freunden gezählt und einen ausgeprägten Geschmack für alles Englische entwickelt. Im April 1937 traf er mit seiner Gattin Janet in England ein, um für CBS zu berichten. Weihnachten jenes Jahres verbrachten die Murrays mit dem Ehepaar Darvall, »mit dem sie enge Freundschaft geschlossen hatten«. Frank Darvall war nicht irgendein hergelaufener Engländer, sondern zweitwichtigster Mann in der amerikanischen Abteilung des britischen Informationsministeriums. Zu seinen besten Freunden gehörten die prominenten Sozialisten Norman Thomas und Corliss Lamont sowie der steinreiche Marxist Frederick Vanderbit Field.

In London gewann Murray noch einen weiteren namhaften Linken als Freund, nämlich Harold Laski, den marxistischen Guru der prestigeträchtigen London School of Economics. Angebahnt hatte diese Verbindung ein enger Vertrauter in New York, Dr. Alfred Cohn vom »Emergency Commitee in Aid of Displaced German Scholars« (Hilfskomitee zur Unterstützung vertriebener deutscher Gelehrter). Wie sehr Murray für alles Britische schwärmte, geht u.a. daraus hervor, daß er sich ab Anfang 1938 seine Maßanzüge bei Saville Row schneidern ließ und bis zu seinem Ableben im Jahre 1965 Stammkunde des noblen Schneidergeschäfts war. Leider standen den amerikanischen "Isolationisten" in den Jahren 1939 bis 1941 keinerlei Hintergrundinformationen über den Mann zur Verfügung, dessen beinahe hypnotische Stimme Millionen von Amerikanern vermeintlich wahrheitsgetreue und objektive Informationen über das "kriegsgeschundene England" vermittelte.

Murrow leitete seine dramatischen Reportagen stets mit dem Satz »Hello, America, this is London calling« (Hallo Amerika, hier spricht London) ein.

Im September 1941 erhielt er die Erlaubnis, unter Umgehung der bürokratischen Vorschriften nicht von seinem bombensicheren BBC-Studio, sondern vom Dach eines sechs Blöcke entfernten Hauses aus zu senden.

Die aufwühlende Dramatik dieser Sendungen, die den Krieg direkt in jedes amerikanische Wohnzimmer von der Ost- bis zur Westküste brachten, bildete einen Bestandteil der von der britischen und der amerikanischen Regierung in Zusammenarbeit mit den in Privatbesitz befindlichen Medien und Filmgesellschaften gesteuerten gewaltigen Propagandaoffensive. Die ständige interventionistische Gehirnwäsche war so intensiv, daß ihr nur wenige langfristig widerstehen konnten. Rückblickend kann man nur Bewunderung für den Mut und die Hartnäckigkeit jener Minderheit empfinden, die sich nicht zum Schweigen bringen und nicht einschüchtern ließ und sich unverzagt um das Banner des amerikanischen Nationalismus scharte.

Der sogenannte »V-Day«, also der 8. Mai 1945, festigte den Erfolg der Anhänger eines "neuen Britannien" in England, Amerika und anderswo. Zu den Kriegsfolgen gehörte auch, daß Winston Churchills Welt in Scherben fiel. Es gehört zu den grausamsten Ironien der Menschheitsgeschichte, daß der Erzimperialist Churchill aus Gefügigkeit gegenüber den Wünschen seiner jüdischen Geldgeber und aus blindem Haß gegen Deutschland, das er um jeden Preis zerstören wollte, entscheidend zum Zustandekommen eines zweiten selbstmörderischen europäischen Bürgerkriegs beitrug.

Britannien ging seines Weltreichs verlustig; seine industrielle Produktivität erlitt schwere Einbußen, und es verlor zahlreiche überseeische Märkte. Das "neue" Britannien war nicht länger groß und wurde durch eine sozialistische Kommandowirtschaft geschwächt und entzweit. Noch verhängnisvoller sollte sich die mit dem Triumph der liberalen Demokratie Hand in Hand gehende, krebsartig wuchernde Masseneinwanderung fremder Rassen in eine zuvor ethnisch homogene und in ihrer Tradition verwurzelte Gesellschaft auswirken. Man kann sich nur fragen, ob der große Kriegsherr Churchill in den zwei Jahrzehnten, die ihm nach 1945 noch beschieden waren, zwischen seinen Whisky- und Champagnergelagen zuweilen nicht doch über die Folgen seines Wirkens nachgedacht und dabei bittere Tränen der Reue vergossen hat.

Eine weitere Ironie des Schicksals liegt darin, daß der Mann, den Churchill zu seinem Hauptfeind auserkor, Adolf Hitler, den Gang der Dinge klar vorausgesehen hatte, nämlich den Niedergang der britischen Macht als Folge des Kriegs gegen Deutschland. Churchill wußte sehr wohl, daß Hitler noch vor seiner Machtübernahme außenpolitisch einer Allianz mit England das Wort geredet hatte. Die Briten sollten weiterhin die Vorherrschaft auf den Weltmeeren ausüben, während die Deutschen zur Vormacht auf dem europäischen Kontinent werden sollten. Daß Churchill diesem Konzept eine Absage erteilte, lief ganz einfach auf Verrat und nationalen Selbstmord hinaus – ganz abgesehen davon, daß er damit seinen eigenen Niedergang einläutete.

Das "neue" Britannien brauchte Churchill nicht mehr, und daß er von 1951 bis 1955 nochmals Premierminister war, vermochte den Gang der Dinge nicht mehr zu ändern. Wie es um England heute bestellt ist, läßt sich einem im Sunday Telegraph vom 19. Juli 1998 erschienenen Artikel entnehmen, in dem es hieß:

»In vielen unserer Schulen lernen die Kinder nichts; unsere "sozialen Dienstleistungen" erbringen häufig keine Dienste, sondern stellen ein ständiges Ärgernis dar; der öffentliche Wohnungsbau produziert fast nur Bauwerke von seltener Häßlichkeit, die praktisch ein besseres Gefängnis für die finanziell Minderbemittelten bilden; unsere Krankenhäuser sind greulich und verwahrlost; unsere Straßen sind mit Abfall übersät; unser öffentlicher Verkehr wird in ganz Westeuropa nur mit Hohn und Spott bedacht.«

Auf derselben Seite war in einem anderen Beitrag zu lesen, angesichts der wachsenden separatistischen Tendenzen in Schottland werde der Ausdruck Britannien »bald nur noch ein geographischer Begriff« sein. Sollte sich Schottland wirklich selbständig erklären, so würde dies den Niedergang der protestantischen Vorherrschaft in den sechs besetzten Grafschaften Nordirlands unvermeidlicherweise beschleunigen. Als Endergebnis wird England, nachdem es bereits sein Weltreich verloren hat, auch noch seinen nördlichen Nachbarstaat verlieren, wenn auch aus anderen Gründen. Hätte sich London nicht aus Unterwürfigkeit gegenüber seinen Bankiers, seinen Kommunisten und seinen Juden auf zwei europäische Kriege eingelassen, so wäre Britannien heute gewiß ein stolzeres und wohlhabenderes Land.


George Fowler ist der Begründer und Herausgeber der Barnes Review. Er stammt aus New York, ist aber ein Wahlbürger von Virginia und lebt mit seiner Frau seit 15 Jahren in den Neuenglandstaaten. Fowler hat in der Barnes Review 4(4) (1998), S. 27-30 einen Artikel über Kriegspropaganda verfaßt, der dem vorliegenden inhaltlich verwandt ist (dt. vgl. VffG 2(4) (1998), S. 283-287). Dieser Artikel wurde übernommen aus The Barnes Review 5(1) (1999), S. 37-41. Übersetzt von Jürgen Graf.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(3) (1999), S. 284-288.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis