Das KL Stutthof und seine Funktion in der NS-Judenpolitik

Von Jürgen Graf

Die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig spielt in der etablierten westlichen Literatur eine nur untergeordnete Rolle. In Polen hingegen haben sich die Historiker diesem Lager weitaus intensiver gewidmet. Vom Schutt der stalinistischen Propaganda wurde jedoch auch hier die Geschichtsschreibung bisher nicht befreit. Für das Verständnis der Vorgänge in anderen Lagern in Polen, insbesondere im Zusammenhang mit Häftlingstransporten vom und zum Lager Auschwitz, ist das Lager aber von nicht unerheblicher Bedeutung. Jürgen Graf und Carlo Mattogno haben aufgrund ausgiebiger Dokumentenrecherchen die Geschichte des Lagers gründlich erforscht und in einem Buch zusammengefaßt, das soeben im Verlag Castle Hill Publishers erschienen ist. Darin wird das etablierte Horrorgemälde über das angebliche »Hilfsvernichtungslager« mächtig zurechtgerückt. Nachfolgend geben wir eine zusammenfassende Übersicht über das Buch.


Einführung

Das 36 km östlich von Danzig gelegene KL Stutthof hat die Aufmerksamkeit der westlichen „Holocaust"-Historiker niemals auf sich gezogen. Sofern sie sich zu diesem Lager überhaupt geäußert haben, gaben sie sich stets damit zufrieden, die offizielle polnische Version getreulich nachzubeten. Von den Revisionisten hat sich lediglich der Amerikaner Mark Weber mit Stutthof auseinandergesetzt.[1]

In Polen existiert zu diesem KL eine recht umfangreiche Literatur, die selbstverständlich stark propagandistisch geprägt und in entscheidenden Punkten ganz unzuverlässig ist. Im Gegensatz zu Auschwitz und Majdanek, wo zumindest die - allerdings unvergleichlich stärker als im Fall Stutthof übertriebenen - Opferzahlen massiv reduziert worden sind, hat die Darstellung des Danziger Lagers in der polnischen Literatur seit den ersten Nachkriegsjahren keinerlei Revision erfahren. Stutthof, wird da behauptet, sei Mitte 1944 zu einem »Hilfsvernichtungslager« bei der Durchführung der »Endlösung der Judenfrage« geworden, da die Kapazität von Auschwitz nicht mehr ausgereicht habe. Ab Juni oder Juli 1944 habe die Stutthofer Entlausungskammer zusätzlich die Funktion einer Menschentötungsgaskammer übernommen. Insgesamt seien in Stutthof 65.000 Menschen umgekommen.

Oben: Entlausungskammer in Stutthof, Inneres von der Südtür her gesehen. Alle Wände weisen die typische Blaufärbung der Eisenzyanide auf.
Rechts: Entlausungskammer in Stutthof, Ostseite, außen. Auf den Ziegeln sieht man die typische Blaufärbung der Eisenzyanide.

© Carlo Mattogno

Gestützt auf die offizielle polnische Literatur sowie in russischen, polnischen und niederländischen Archiven vorgefundene Dokumente haben Carlo Mattogno und ich dieses Bild des Lagers einer kritischen Überprüfung unterzogen. Da dessen Geschichte bis Mitte 1944 im wesentlichen unstrittig ist, lag es nahe, das Schwergewicht auf drei Punkte zu legen:

Die Gesamtopferzahl des Lagers

Diese ist recht leicht und mit großer Genauigkeit zu ermitteln, da die Sterbebücher weitgehend erhalten sind. Zwischen der Eröffnung des Lager am 2.9.1939 zur Internierung politisch verdächtiger Polen und dem April 1945 sind in Stutthof etwa 26.100 Menschen gestorben. Bei insgesamt 105.000 Eingelieferten entspricht dies einem Prozentsatz von fast 24%. Wie auch in anderen Lagern waren Krankheiten, besonders der zeitweise mörderisch wütende Flecktyphus, Hauptursache für die hohe Sterblichkeit. Keine Schätzungen haben wir über die Opferzahl der Ende Januar 1945 begonnenen Evakuierung vorgenommen, da dazu jegliche Unterlagen fehlen.

Die behaupteten Menschenvergasungen

Laut der - selbstverständlich nur auf Zeugenaussagen beruhenden - offiziellen Version sind zwischen Juni oder Juli und November 1944 etwa 4000 meist jüdische Menschen in der Entlausungskammer ermordet worden. Im Gegensatz zu Auschwitz I, Auschwitz-Birkenau und Majdanek lassen sich die behaupteten Menschenvergasungen in Stutthof rein technisch nicht widerlegen: Die unbestrittenermaßen zur Entlausung errichtete Gaskammer besaß gasdichte Türen, eine Heizung, welche die rasche Verdampfung des Zyklon B gewährleistete, sowie ein fachmännisch angebrachtes Zyklon B-Einwurfloch in der Decke.[2] Die von den (wenigen) Zeugen gemachten Angaben über den Ablauf der Menschenvergasungen enthalten keine technischen Unmöglichkeiten, wie sie die Zeugenberichte über Vergasungen in Auschwitz prägen. Somit läßt sich die Vergasungsgeschichte in Stutthof nur historisch widerlegen. Dies haben wir in unserem Buch ausführlich getan.

Funktion des Lagers in der NS-Judenpolitik anno 1944

In diesem Zusammenhang ist Stutthof darum außerordentlich wichtig, weil dort zwischen Juni und September 1944 insgesamt 48.609 Juden aus Auschwitz sowie den baltischen Lagern Riga und Kaunas eingeliefert worden sind, andererseits im gleichen Zeitraum jedoch auch zwei größere Judentransporte von Stutthof nach Auschwitz abgingen. Was der Zweck dieser wechselseitigen Todestransporte zwischen dem angeblichen »Hauptvernichtungslager« und dem angeblichen »Hilfsvernichtungslager« gewesen sein soll, darüber schweigt sich die polnische Literatur aus. Die Namenslisten der Deportierten sind teilweise erhalten und können im Archiv der Gedenkstätte Stutthof eingesehen werden.

Ungarische Judendeportationen in neuem Licht

Von besonderem Interesse sind die in Stutthof eingegangenen Transporte ungarischer Jüdinnen sowie einiger männlicher ungarischer Juden. Die betreffenden Jüdinnen kamen teils aus Auschwitz, teils aus Lettland und Litauen. Letzterer Sachverhalt, der in der offiziellen Literatur natürlich sorgsamst verschwiegen wird, läßt sich nur dadurch erklären, daß viele ungarische Juden im Frühling und Frühsommer 1944 ins Baltikum geschickt und dort bei militärischen Projekten - vermutlich für die Organisation Todt - eingesetzt worden sind; ob sie via Auschwitz nach Lettland und Litauen deportiert wurden, läßt sich den Akten nicht entnehmen. Ebenso wie die direkt von Auschwitz in Stutthof eingetroffenen ungarischen Juden wurden sie dort großenteils auf Außenkommandos und Nebenlager verteilt und in der Kriegsindustrie, teils auch in der Landwirtschaft eingesetzt. Stutthof hatte ab Mitte 1944 die Rolle eines Verteilerzentrums für - mehrheitlich jüdische - Arbeitskräfte übernommen; viele Transporte gingen in weiter westlich gelegene KLs wie Dachau, Neuengamme und Struthof-Natzweiler ab. Angesichts dieser wohldokumentierten Funktion des Lagers kann die These vom »Hilfsvernichtungslager für Auschwitz« natürlich nicht ernsthaft verteidigt werden, zumal die in der polnischen Literatur postulierten Vergastenzahlen für ein solches viel zu niedrig gewesen wären.

Für das Studium der NS-Judenpolitik im allgemeinen sowie der - immer noch weitgehend ungeklärten - Frage nach der Anzahl und dem Verbleib der 1944 deportierten ungarischen Juden im besonderen kommt der Geschichte Stutthofs im vorletzten Kriegsjahr eine große Bedeutung zu. Wir hoffen, daß unsere Studie den Anstoß zu weiteren Forschungen auf diesem Gebiet geben wird.

Unser Buch enthält zahlreiche Farbfotos der Entlausungsgaskammer. Diese ist von sämtlichen behaupteten Menschentötungsgaskammern in den NS-Lagern die einzige, die von ihrer Konstruktion her überhaupt zu diesem Zweck hätte verwendet werden können - was selbstverständlich nicht heißt, daß dies auch tatsächlich geschah.


Anmerkungen

[1]Mark Weber, »An important but little-known Wartime Camp: Stutthof«, in: Journal of Historical Review, Band 16, Nr. 5, September/Oktober 1997, S. 2. Webers kurzer Beitrag stützt sich nicht auf Originaldokumente, sondern lediglich auf die spärliche in westlichen Sprachen zugängliche Literatur, ist aber dennoch von gutem Niveau.

[2]Ein von Hand erfolgtes Ausstreuen der Zyklongranulate auf den Boden wäre durch die mit Kleidern behangenen Gestelle behindert worden, welche den gesamten Raum ausfüllten.

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Jürgen Graf, Carlo Mattogno

Das KL Stutthof
und seine Funktion in der nationalsozialistischen Judenpolitik

Das Konzentrationslager Stutthof unweit von Danzig (Westpreußen) ist bei den westlichen Historikern niemals Gegenstand wissenschaftlicher Forschung gewesen. In Polen existiert dazu eine recht umfangreiche Literatur, die jedoch mit Vorsicht aufzunehmen ist. Stutthof, so heißt es dort, sei 1944 zu einem »Hilfsvernichtungslager« bei der Durchführung der sogenannten »Endlösung der Judenfrage« geworden.

Jürgen Graf und Carlo Mattogno haben dieses Bild des KL Stutthof einer kritischen Überprüfung unterzogen, gestützt auf polnische Literatur sowie auf Dokumente, die sie in russischen, polnischen und niederländischen Archiven fanden. Dabei widmeten die Autoren den 1944 erfolgten Massentransporten nach und aus Stutthof besondere Aufmerksamkeit. Als Ergebnis ihrer Untersuchungen sind sie zu eindeutigen Schlußfolgerungen bezüglich der Funktion des Lagers gekommen, die sich grundlegend von den in der offiziellen Literatur aufgestellten Thesen unterscheiden. Sie haben dadurch ein Standardwerk geschaffen, an dem eine Anspruch auf Seriosität erhebende Geschichtsschreibung nicht vorbeikommen wird.

144 Seiten DIN A5, zum Teil farbig illustriert, Index, Pb., DM 19,80

Castle Hill Publishers, PO Box 118, GB-Hastings TN34 3ZQ


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(3) (1999), S. 243f.


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