Wer hatte recht im amerikanischen Bürgerkrieg?

Von Geoff Muirden

James Ronald Kennedy, Walter Donald Kennedy, The South was right (Der Süden hatte recht), Pelican Publishing, Gretna (Louisiana) 1998, 448 S., Reprint 1994, ISBN 1565540247, $22,95

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Südstaaten der USA durchaus recht mit ihrer Auffassung, die Verfassung der Vereinigten Staaten räume ihnen das Recht zur Sezession ein. Sie hatten recht in ihrer Überzeugung, daß der Norden die Ideale der Gründungsväter verraten habe, und zwar insbesondere durch die Entwicklung eines diktatorischen, zentralisierten Staates. Sie hatten recht in ihrer Befürchtung, der Norden würde den Süden ausbeuten, wenn dieser unter seine totale Kontrolle geriete.

Revisionisten wissen, daß die Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Dies gilt auch für die Ursachen des "Amerikanischen Bürgerkrieges" oder, um den von den beiden Verfassern bevorzugten Ausdruck zu verwenden, den Krieg für die Unabhängigkeit des Südens.

Die offenbar in den meisten Schulen gelehrte "politisch korrekte" Version der Geschehnisse lautet wie folgt: Bei jenem Krieg ging es um die Frage der Sklaverei; der Norden unter Führung Lincolns schwenkte dabei das Banner der Gerechtigkeit und zog für die Abschaffung der Sklaverei in den Krieg gegen die verruchten Sklavenhalter des Südens.

Die revisionistische US-Zeitschrift The Barnes Review hat aber bereits öfter Beiträge veröffentlicht, in denen dieser Mythos widerlegt wird. Wenn die Sklaverei ein so tyrannisches, von den Schwarzen des Südens verabscheutes System war, weshalb hielten dann manche ehemaligen Sklaven selber Sklaven?[1] Und warum meldeten sich Sklaven freiwillig zum Dienst in der konföderierten Armee?[2]

Unter den Sklavenbesitzern in den Südstaaten gab es nur verschwindend wenige, die dem Typ des sadistischen Simon Legree in Onkel Toms Hütte entsprachen, doch beim amerikanischen Holocaust - der immer noch seines Museums harrt - war das in diesem berühmten Roman gezeichnete Bild der Sklaverei ein propagandistisches Werkzeug, das zur Brutalität des von den Nordstaaten angezettelten Angriffskriegs entscheidend beitrug. Vergessen wird dabei, daß es auch im Norden Sklavenbesitzer gab, die ihre menschliche Ware gen Süden verkauften. Nach dem Krieg wurden die Sklaven im Norden allerdings allmählich emanzipiert und lebten als Bürger zweiter Klasse unter Bedingungen, die meist schlechter waren als jene unter der Sklaverei im Süden.

Das Bild vom "Helden" Abraham Lincoln wird arg getrübt, wenn man untersucht, wie diktatorisch er mit seinen Gegnern, den »Copperheads« (Kupferköpfen), umsprang.[3]

Und wie stand es um Lincolns »Kreuzzug wider die Sklaverei«? Während der legendären Debatten zwischen Lincoln und Douglas erklärte der zukünftige Präsident im Jahre 1858:

»Ich will klarstellen, daß ich nicht das Ziel verfolge - und es auch nie verfolgt habe -, für die soziale und politische Gleichheit zwischen der weißen und der schwarzen Rasse einzutreten, daß ich nicht dafür bin - und es auch nie war -, aus den Negern Wähler zu machen oder sie als Mitglieder von Schwurgerichten zuzulassen, ihnen den Zugang zu Ämtern zu öffnen oder ihnen die Heirat mit Weißen zu gestatten; ich möchte hinzufügen, daß zwischen der weißen und der schwarzen Rasse ein physischer Unterschied besteht, der meiner Überzeugung nach in alle Zukunft verhindern wird, daß die beiden Rassen in sozialer und politischer Gleichheit zusammenleben. [...] Es muß eine Rangordnung geben, einen Höheren und einen Tieferen, und ich bin dafür, daß die weiße Rasse die Stellung des Höheren einnimmt.« (Zitiert in The South was right, S. 27.)

Würde Lincolns totgeschwiegenes Bekenntnis zur weißen Vorherrschaft auf sozialem und politischem Gebiet heute allgemein verbreitet, so würde die "politisch korrekte" Meute zweifellos seine Entfernung aus dem Pantheon der amerikanischen Helden verlangen. Was aber Lincolns Erklärung zugunsten der Sklavenemanzipation betrifft, so forderte diese lediglich Freiheit für die Sklaven in den Rebellenstaaten, nicht aber in den Grenzstaaten und im Norden selbst.

Bei ihren Ausführungen zu den Wurzeln der Sklaverei unterlassen es die Kennedys allerdings, die entscheidende Rolle der Juden beim Sklavenhandel zur Sprache zu bringen.[4] Hingegen wird die Rolle der Muslime durchaus der Erwähnung für würdig befunden. Die beiden Autoren verzeichnen ebenso, daß auch die Afrikaner selbst Gefangene in die Sklaverei verkauften und daß diese Praxis keinesfalls eine europäische Erfindung war. Vielen Sklaven war in den Südstaaten Amerikas ein weit glimpflicheres Los beschieden als in ihrer afrikanischen Heimat. Dies wird in Büchern wie Denfense of Virginia and the South von R.L. Dabney[5] und Time on the Cross von R.W. Fogel und S.L. Engerman[6] dokumentiert; die Kennedys fassen die Aussage dieser Bücher zusammen.

 

Das Bild links zeigt Sergeant Swimmer, Qualla Lands, North Carolina, Company A. Thomas' Legion, Cherokee troops. Nicht nur kämpften 400 Cherokee-Indianer aus North Carolina auf der Seite der Konföderierten, sondern viele von ihnen waren wohlhabende Plantagenbesitzer mit zahlreichen Sklaven.

Wenn es beim Bürgerkrieg gar nicht um die Sklaverei ging, worum ging es dann? Die beiden Verfasser neigen der Ansicht zu, es habe sich um einen Konflikt zwischen Föderalismus und Staatsrechten gehandelt, und die zentrale Frage sei die nach der Unabhängigkeit des Südens gewesen. Auch führen sie ein wirtschaftliches Motiv an: Der Süden, so meinen sie, mußte ökonomisch ausgebeutet werden, damit der rasche industrielle Aufschwung im Norden durch hohe Tarife aufrechterhalten werden konnte, doch der Süden trat für den Freihandel ein. Der Süden mußte als "Milchkuh" Bestandteil der Union bleiben (S. 48).

Ein anderer möglicher Grund für diesen Krieg wird von den Kennedys nicht erwähnt. Otto von Bismarck, ein erfahrener Politiker, der über die Machenschaften der Hochfinanz gut Bescheid wußte, bemerkte dazu folgendes:[7]

»Es kann nicht bezweifelt werden und ist mir mit absoluter Sicherheit bekannt, daß die Aufteilung der Vereinigten Staaten in zwei gleich starke Föderationen schon lange vor dem Bürgerkrieg von den stärksten Finanzmächten Europas beschlossen worden war. Diese Bankiers fürchteten, daß die Vereinigten Staaten, sollten sie vereinigt bleiben und sich zu einer einzigen Nation entwickeln, wirtschaftliche und finanzielle Unabhängigkeit erringen könnten, und diese hätte die weltweite finanzielle Vorherrschaft Europas bis ins Mark erschüttert. Natürlich kam der Stimme der Rothschilds im inneren Kreise der Finanz beherrschendes Gewicht zu. Sie sahen eine Chance auf reichliche Beute voraus, falls es ihnen gelingen sollte, die starke, selbstbewußte, stolze und selbstversorgende Republik durch zwei schwache Demokratien zu ersetzen, die unter der Last ihrer Schulden ächzten und jüdische Finanzmagnaten um Unterstützung anflehen würden. Folglich sandten sie ihre Agenten aus, um das Thema der Sklaverei auszuschlachten und eine Kluft zwischen den beiden Teilen der Union zu schaffen. [...] Der Bruch zwischen dem Norden und dem Süden wurde unvermeidlich; die Herren der europäischen Finanz setzten alle ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte ein, um ihn zu bewerkstelligen und zu ihren eigenen Gunsten auszunutzen.«

Vielleicht hat sich Lincoln selbst sein Grab geschaufelt, als er die Finanzmagnaten durch den Druck seiner eigenen "Greenbacks" (Dollars) reizte?

Die Frage, wie eine Krise durch außenstehende Finanzmächte künstlich geschürt werden kann, geht über das von den Kennedys aufgegriffene Thema - den Konflikt zwischen politisch-wirtschaftlicher Freiheit und der Herrschaft des Mammons - hinaus. Es handelt sich da um ein Thema, das ein eigenes Buch verdienen würde.

Das von James Ronald Kennedy sowie Walter Donald Kennedy verfaßte Buch The South was right (Der Süden hatte recht) gehört auf die Regale jeder Universität, jeder Hochschule und jeder öffentlichen Bibliothek in den Vereinigten Staaten, doch wegen seiner "politisch unkorrekten" Botschaft könnte dieses Werk von den Hofhistorikern sehr wohl totgeschwiegen werden.


Anmerkungen

Der ursprünglich Aufsatz erschien unter der Überschrift »Who Was Right in the Civil War?« in The Barnes Review, 5(2) (1999), S. 59f. (130 Third Street SE, Washington, D.C, 20003). Geoff Murden ist der Stellvertretende Vorsitzende des Adelaide Institute (Australien). Seine Website ist http//www.adelaideinstitute.org/adins.html. Übersetzt von Jürgen Graf.

[1]Vgl. The Barnes Review, 1(5) (1995).
[2]Vgl. The Barnes Review, 2(3) (1996), S. 13-16; vgl. auch: Thomas Nelson Page, »Race Relations in the Ante-Bellum-South« ebenda, 5(2) (1999), S. 51-58.
[3]Vgl. The Barnes Review, 3(3) (1997), S. 7-11.
[4]Vgl. The Barnes Review 4(3) (1998), 35-39.
[5]Robert Lewis Dabney, A Defence of Virginia - and through her, of the South - in recent and pending contests against the sectional party, E. J. Hale & Son, New York 1867.
[6]Robert William Fogel, Stanley Lewis Engerman, Time on the Cross. The economics of American negro slavery, 2 Bd., Wildwood House, London 1974.
[7]Rückübersetzung aus dem Englischen: C.K. Grieb, Uncovering the Forces for War, S. 91-93. Als Nr. 68 bei The Barnes Review Buch Club erhältlich (130 Third Street SE, Washington, D.C, 20003).

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(3) (1999), S. 344ff.


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