"Oral History"

Der nicht unbekannte Regisseur Steven Spielberg, Träger der höchsten deutschen Auszeichnung, gründete die Gesellschaft »Survivors of the Shoah Visual History Foundation«. Er hat sich vorgenommen, die noch 50.000 Überlebenden der Shoah auf 62.668 Kassetten aufzunehmen. Die Zeit drängt, meinte er, da die Überlebenden schon älter als 70 Jahre sind. Um möglichst viele zu erreichen, wurden in 13 Ländern Büros eröffnet und in 30 Ländern sollten Interviews aufgenommen werden. Die Stiftung rechnet mit Kosten von 60 Millionen Mark. Die Verlage Springer, Burda und Bertelsmann haben die Aktion »Partners in Tolerance« gegründet und gleichzeitig 1,5 Millionen Mark gestiftet.

Am 10. Februar 1999 veranstaltete Spielberg parallel zur Eröffnung der Berliner Filmfestspiele im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt eine Benefizgala, um seine Shoa-Stiftung offiziell in Deutschland vorzustellen. Zuvor hatte er noch die Initiative der oben erwähnten Verleger »Partner in Tolerance« vorgestellt. Er konnte dabei einen Scheck in Höhe von 2,6 Millionen entgegennehmen.

Bei dieser Gelegenheit erörterte Spielberg für Kanzler Schröder und Kultusminister Naumann das Engagement der von ihm gegründeten Shoah-Stiftung. Naumann hat eine Einbeziehung von Teilen der Stiftung in die von ihm vorgeschlagene Gestaltung des Holocaust-Mahnmal (180 Millionen) ins Gespräch gebracht.

Was bedeutet nun »Oral History« und »Visual History«? Zusammengefaßt heißt es: Berichte von Augenzeugen.

»Die Augenzeugen«, sagte der Völkerrechtler Prof. Christian Tomuscheit im ARD (ZAK) am 8. Februar 1996, »sind immer unzuverlässig.« Hier ging es um die Aussagen von Augenzeugen über die Verbrechen der Serben an Bosniern.

Der dänische Historiker Kristian Erslev schrieb in seinem Buch Historisk Teknik, Kopenhagen 1926, Seite 51, in bezug auf die Verwertung von Augenzeugen beim Erfassen von historischen Kenntnissen:

»Daher zeigte sich bei Studien von Sekundärquellen,[1] daß große Fehler bei der Wiedergabe von Augenzeugenberichten zu Tage treten. Noch deutlicher treten diese Fehler dann zu Tage, wenn wir im Laufe der Zeit mit anderen Quellen[2] uns Klarheit verschafft haben, wie es sich wirklich zugetragen hat. Dies wird auch belegt durch die Erfahrungen, die wir bei Gerichten mit Aussagen von Augenzeugen gemacht haben. Oder bei experimentellen Prüfungen von Augenzeugen, die man in den letzten Jahren bei Gerichten durchgeführt hat.«

Um seine These zu untermauern, bezieht sich Prof. Erslev auf die Schrift von H.V. Munch-Pedersen in Ugeskrift for Retsvesen, 1906, S. 23, und auf A. Soll, »Af Vidneudsagets Psykologi«, Gads Danske Magasin, 1913-4, Seite 186.

Hierzu ist die Besprechung des Buches von Helga Hirsch Die Rache der Opfer - Deutsche in polnischen Lagern 1944-1950 von M. Zimmermann in der Süddeutschen (27.4.98) interessant:

»Zu beklagen ist Hirschs Umgang mit den Zeitzeugen-Interviews, ihrer Hauptquelle. Jeder Einführung in die Oral History hätte sie entnehmen können, daß Zeitzeugenberichte neben einer rekonstruktiven Seite immer auch einen konstruktiven Aspekt haben: Der Erzählende formt seine Erinnerung entsprechend seiner aktuellen Deutungs- und Verleugnungsmuster. Hirsch hingegen behandelt das Gesagte als sei es in einem naiven Sinn wahr.«

In Erkenntnis dieser Tatsache erregte sich der israelische Holocaustforscher Yehuda Bauer und kritisierte in harten Worten die Tätigkeit von Steven Spielberg (Prisma, kathol. Pressedienst):

»Die Erinnerung spielt den Leuten Streiche. [...] Diese Interviews werden ohne jede Kontrollmöglichkeit der mitgeteilten Informationen durchgeführt. Somit wird ein Teil dieser Bänder ohne Nutzen sein. Es wird haufenweise Probleme geben.«

Darüber, so glaube ich, braucht Bauer nicht besorgt sein. Spielberg und seine Leute sorgen schon dafür, daß die Aussagen kontrolliert, "kanonisiert" (gleichen Inhalts) werden.

In dem obigen Zusammenhang traten einige Augenzeugen im Fernsehen auf. Einer dieser Zeugen berichtete:

»Er war mit dem Verbrennen von Leichen im Freien beschäftigt. Als sie dann mittags ihre Suppe erhielten, war diese schon kalt. Daher nahmen sie die Schüssel und hielten diese über die brennenden Leichen, um sie wieder warm zu kriegen.«

Frau Schulman, eine Partisanin, berichtet, daß in einem polnischen Schtetl an der Grenze zu Weißrußland alle Einwohner erschossen und in drei Massengräbern verscharrt wurden. Die Kinder wurden lebendig begraben, um Munition zu sparen. Sie überlebte, weil die Nazis sie als Photographin einsetzten, um die Exekution zu dokumentieren. (Süddeutsche Zeitung, 2.11.1998)

Was sollen nun diese Aufzeichnungen Spielbergs bezwecken, da die Initiatoren der oben erwähnten Stiftung, davon bin ich fest überzeugt, sicherlich von dem Mangel an Wahrheitsgehalt der Berichte der Augenzeugen Kenntnis haben, wie auch Zimmermann in der SZ. Vor allem nach so vielen Jahren.

Sie dienen meines Erachtens vor allem zuerst dazu, der deutschen Jugend einzuimpfen, daß ihre Väter und Großväter Verbrecher waren. Daraus folgert man, daß den Deutschen die Souveränität vorenthalten werden muß und sie politisch für immer eingebunden werden müssen, so in die NATO, eine Institution, die hauptsächlich dazu dient, die Deutschen zu beherrschen und auszubeuten. Zweitens dient sie dazu, daß wir immer verpflichtet sind, die Israelis zu unterstützen, auch wenn sie Verbrechen begehen, die zum Himmel schreien. Schließlich sollen sie die furchtbaren Verbrechen der Alliierten am deutschen Volk legitimieren und relativieren, um sie in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

Georg Wiesholler

Anmerkungen

[1]Augenzeugenberichte werden den Sekundärquellen zugeordnet und müssen nicht der Wahrheit entsprechen, A.d.V.

[2]Siehe dazu die Äußerung von Obergruppenführer Schellenberg in bezug auf Katyn. Er behauptete als Augenzeuge, Goebbels und Ribbentrop hätten das Massaker in Katyn veranlaßt, Svenska Dagbladet vom 29. Juni 1945.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(3) (1999), S. 335f.


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