Die Holocaust-Religion

Von Tomasz Gabiś

In den Nummern 2/1996 sowie 1/1997 der polnischen rechtsintellektuellen Zeitschrift Stańczyk veröffentlichte Thomas Gabiś einen zweiteiligen Artikel mit dem Titel »Religia Holocaustu« (Die Holocaust-Religion). Diesen beiden Beiträgen folgte in der Stańczyk-Nummer 2/1997 ein Artikel mit dem Titel »Rewizjonizm Holocaustu« (Der Holocaust-Revisionismus), in welchem Gabiś die Geschichte der revisionistischen Bewegung sowie deren hauptsächliche Argumente auf kluge und anschauliche Weise zusammenfaßt. Würde er einen solchen Beitrag heute publizieren, so käme er unweigerlich vor Gericht, denn fast zeitgleich mit dem Nato-Beitritt wurde in Polen ein antirevisionistisches Maulkorbgesetz verabschiedet, das für »Leugnung von Völkermord« bis zu drei Jahren Gefängnis vorsieht. Die freiheitliche Demokratie macht in den vom sowjetischen Joch befreiten Staaten eben rasante Fortschritte. Um unsere Leser über die revisionistischen Aktivitäten in Polen zu informieren, aber auch, um mit den nun ebenfalls verfolgten polnischen Revisionisten (vgl. VffG 3/99, S. 355) Solidarität zu zeigen, geben wir nachfolgend den ersten und zugleich interessantesten der oben genannten Artikel in deutscher Übersetzung wieder.


Bereits seit längerer Zeit läßt sich eine zunehmende Spannung in den polnisch-jüdischen Beziehungen beobachten. Diese stehen direkt oder indirekt mit dem Holocaust in Verbindung, d.h. mit der Politik der Behörden des Deutschen Reiches zwischen 1939 und 1945, deren Ziel nach vorherrschender Auffassung in der physische Liquidierung der europäischen Juden bestand. Der Holocaust stellt den recht eigentlichen Bezugspunkt dar, den Kontext und die Grundlage der zeitgenössischen Kontroverse. Deswegen ist es legitim, den Holocaust nicht als geschichtliches Ereignis einzustufen, sondern als Geschehen, das zu einem Mythos umgestaltet worden ist. Den Holocaust betrachtet man heute nicht wie die Punischen Kriege, die Politik Napoleon Bonapartes, die Ausrottung der Eingeborenen Tasmaniens etc. Er gehört nicht zur Geschichte, die vergangen ist, sondern stellt einen allgegenwärtigen, unablässig aktualisierten und instrumentalisierten Mythos dar, eines der zentralen Elemente der Kultur, Politik und Ideologie Westeuropas.[1] Er ist zwar als jüdischer Mythos entstanden, doch erlangte er dank der Massenmedien und des Erziehungswesens universelle Geltung; man erhob ihn in den Rang eines Schlüsselereignisses, durch das man heutzutage die Geschichte des 20. Jahrhunderts, ja die Menschheitsgeschiche schlechthin betrachtet.

In der letzten Stańczyk-Ausgabe vermeldeten wir, daß Pläne bestehen, das Bezweifeln des Holocaust in sämtlichen Staaten der EU unter Strafe zu stellen. Dies stellt den Beweis dafür dar, daß der Holocaust kein Geschehnis der Vergangenheit ist, sondern eine sakralisierte Sammlung von Dogmen, ein Mythos, der eine quasi-religiöse Struktur annimmt, ganz unterschiedliche Funktionen erfüllt und als politisches, moralisches oder ideologisches Instrument benutzt wird. Der Holocaust gehört nicht der Vergangenheit an, sondern ist ein "ewig gegenwärtiges" Element rein zeitgenössischer und durchaus nicht unschuldiger Strategien bei politischen und ideologischen Konflikten.

Die Geschichte von den "Henkern und Opfern" bei über ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Ereignissen kann in knallharte Machtpolitik umgeformt werden; sie kann als Instrument ideologischer Herrschaft dienen und als Waffe zur Durchsetzung ganz nüchterner und meßbarer Interessen; sie kann als Werkzeug der moralischen Erpressung, der Gehirnwäsche und der Propaganda eingesetzt werden, sie kann die Gestalt eines "Shoa-Business" annehmen oder zum Mittel eines eigentlichen Religionskrieges werden. Erst wenn wir den Holocaust so betrachten, kühl und ohne jede Emotionen, werden wir begreifen können, was wirklich abläuft und worum es bei all dem geht. Erst dann wird es uns gelingen, dem Vorwurf des "Antisemitismus" mehr als nur den unfruchtbaren Gegenvorwurf des "Antipolonismus" entgegenzusetzen und darüber hinaus eine in mancher Hinsicht sicherlich nützliche, gewissenhaft dokumentierte Sammlung der Zeugnisse jenes "Antipolonismus" zu erstellen. Rücken wir unsere nationalen polnischen Belange zu sehr in den Mittelpunkt, so trübt dies unseren Blick auf den wahren Sachverhalt und beweist, daß wir neuartige Phänomene in alte Schemen pressen und dem im Grunde genommen recht unerwarteten Ausbruch von Leidenschaften sowie der Heftigkeit der Auseinandersetzung intellektuell ratlos entgegenstehen. Es gilt die "polnisch-jüdischen" Angelegenheiten in einem breiteren Zusammenhang zu sehen, indem man die gesamte politische, ideologische und religiöse Konstellation berücksichtigt, deren Elemente die folgenden sind: Der Judenstaat, die bedeutenden Gruppen der jüdischen Diaspora sowie schließlich die demokratisch-liberalen Eliten der westlichen Welt, insbesondere Deutschlands und der Vereinigten Staaten. Erst dann werden wir die "polnisch-jüdischen" Angelegenheiten in ihren eigentlichen Proportionen erkennen, nämlich als Bestandteil eines Ganzen, das weit über die Grenzen unseres Landes hinausreicht.

Der Holocaust und die Geschichte

Jedes geschichtliche Ereignis ist außergewöhnlich, einmalig, einzigartig und von allen übrigen verschieden; zugleich aber weist es Ähnlichkeiten mit anderen auf, läßt sich mit ihnen vergleichen und stellt eine Wiederholung eines Phänomens dar, das schon einmal war und wiederum auftritt. Wird irgendein historisches Geschehnis als absolut außergewöhnlich und nicht mit anderen vergleichbar betrachtet, so hört es auf, Teil der menschlichen Geschichte zu sein, und wird in eine mystische Sphäre entrückt. Genau dies geschah mit dem Holocaust.

Hierzu nun eine Reihe von Zitaten.

- ISRAEL GUTMAN:

»Ich versichere dir, daß es schwierig ist, in der Geschichte das Beispiel eines Mordes zu finden, der dem Holocaust gleicht. Niemals zuvor hatte man ein ganzes Volk ermordet. Der Holocaust war die erste diesbezügliche Erfahrung in der Geschichte des Menschengeschlechts.«[2]

»Die Shoa, der Holocaust, ist ein Ereignis sui generis. Niemals zuvor war in der ideellen und politischen Landschaft Europas der unheimliche Gedanke aufgekeimt, daß die Entfernung und Vernichtung eines bestimmten Volks oder einer bestimmten Rasse den Weg zur Wiedergeburt und Erlösung der Welt ebnen könne. In keinem Staat war je zuvor der Entscheid zur totalen Ausrottung eines Volkes gefallen oder ein administrativer und militärischer Apparat geschaffen worden, der systematisch Millionen wehrloser Menschen in den Ländern des Kontinents verfolgte und in eigens zu diesem Zweck errichteten Todesfabriken ermordete.«[3]

- LEOPOLD UNGER:

»Die Shoa, d.h. das absolute Böse, kann man nicht verfilmen. Die Judenausrottung zu verfilmen wird keinem gelingen. Die Shoa nimmt den zentralen Platz in der Geschichte des 20. Jahrhunderts ein.«[4]

- JEAN DANIEL:

»Nur ein Teufel konnte sich so etwas ausdenken, ein technokratischer Teufel auf dem Höhepunkt einer irrsinnig gewordenen Wissenschaft. Die Ergreifung der Verurteilten, der Transport, die Organisation der Lager, die Selektion zur Vernichtung: Nichts wurde dem Zufall überlassen. Es sind nicht die allergeringsten Spuren übriggeblieben: Der höllische Prozeß des perfekten Verbrechens.«[5]

- JÜRGEN THORWALDSEN:

»Ein absolut einmaliges Geschehnis der bisherigen Geschichte, das keinen Vergleich mit den barbarischen Handlungen zuläßt, die zur gleichen Zeit auf der nichtdeutschen Seite begangen wurden.«[6]

- ELIE WIESEL:

»Der Holocaust entzieht sich allen Analogien. Die Verlassenheit der Juden in den Klauen der Bestie hat keine Parallelen in der Geschichte. Sie war vollkommen. Der Tod bewachte alle Ausgänge.«[7]

»Es war dies ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit, nach dem nichts mehr so sein konnte, wie es zuvor gewesen war. Es war dies eine mit nichts anderem vergleichbare jüdische Tragödie. Philosophisch gesehen war dies das absolute Böse.«[8]

»Das Ereignis des Massenmordes am jüdischen Volkes nimmt den zentralen Rang in unserem Leben und in der Geschichte der Welt ein.«[9]

»Auschwitz kann nicht erklärt werden, und man kann es nicht bildlich darstellen. Ganz gleich, ob der Holocaust der Höhepunkt der Geschichte oder deren Verirrung ist, er ist der Geschichte gegenüber transzendent. Alles in ihm erweckt Furcht und führt zur Verzweiflung. Die Toten sind im Besitze des Geheimnisses, das zu enthüllen wir Lebenden weder wert noch in der Lage sind.«[10]

»In Auschwitz wurde nicht nur der Mensch ermordet, sondern auch die Idee des Menschen. In einer Welt zu leben, in der es nichts mehr gibt, in der sich der Henker wie Gott aufführt und sich gebärdet, als lasse er Gerechtigkeit widerfahren, war für viele nicht auszudenken. Denn die Welt hat ihr Herz in Auschwitz verbrannt.«[11]

- ARNOLD MOSTOWICZ:

»Der Holocaust war das erste und einzige Mal in der Geschichte, als die Existenz selbst zum Verbrechen wurde. Ich meine also, daß er einzigartig war.«[12]

- LUCY DAWIDOWICZ:

»Die Einzigartigkeit des Mordes an sechs Millionen europäischer Juden: Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit hatten ein Staat und eine politische Bewegung beschlossen, die Vernichtung eines ganzen Volkes zu vollziehen.«[13]

»Die Namen dieser Todesfabriken, und insbesondere der Name Auschwitz, ersetzen den Neunten Kreis der Danteschen Hölle als Chiffre für das mit letzter Konsequenz verfolgte Böse.«[14]

- NORA LEVIN:

»Der Holocaust ist nicht nur wegen des ungeheuren Ausmaßes an Menschenverlusten - der Ermordung von sechs Millionen Juden - einzigartig, sondern auch darum, weil die mit ihm einhergehenden Begleitumstände im tiefsten Sinne unbegreiflich sind. Keiner versteht eigentlich, wie solche Massenmorde sich ereignen konnten, oder auch wie es geschah, daß man sie zuließ. Die Anhäufung von Fakten führt nicht zum Verständnis; im Grunde ist es unmöglich zu erfassen, was sich zugetragen hat. [...] Gewöhnliche menschliche Wesen sind einfach nicht imstande, sich in eine solche Welt hineinzuversetzen, und normales Mitempfinden versagt hier, denn alle uns bekannten menschlichen Reaktionen werden dem Hitlerismus nicht gerecht. In Wahrheit war die Welt von Auschwitz ein anderer Planet [...] Auschwitz entzieht sich der Vorstellung und dem Verständnis; es unterwirft sich nur der Erinnerung. Zwischen den Toten und dem Rest von uns liegt ein Abgrund, den kein noch so talentierter Mensch erfassen kann.«[15]

Ja, nichts bringt die Schreie von Auschwitz zum Verstummen, die »bis zum Ende der Zeiten gellen werden« (Emmanuel Levinas[16]). Die Welt müssen wir heute durch »den Schein des Feuers von Auschwitz betrachten« (Robert McAfee Brown).

Die Theologie des Holocaust

Dem Holocaust als quali-religiösem Mythos werden eigentlich weder politische noch soziologische und psychologische, sondern vor allem theologische Kriterien gerecht. George Steiner schreibt:[17]

»Wenn tatsächliche qualitative Unterschiede zwischen der Shoa und den zahllosen Beispielen von Massenmorden bestehen, welche die Geschichte vor und nach der Shoa befleckt haben, müssen sie sehr tief liegen, nämlich in einem symbolischen und metaphysisch-theologischen Bereich.«

Elie Wiesel meint, der Holocaust sei »ein unsichtbares Mysterium, wo Gott und der Mensch einander schreckerfüllt in die Augen schauen«; die »von Gott vergessenen und verlassenen Juden waren allein, sie starben und kämpften ganz allein«.[18] Steiner vertritt die Ansicht, nach dem Holocaust stünden uns keine Worte und Sätze mehr zur Verfügung, die es uns ermöglichten, von Gott zu sprechen, denn es gebe keinen Grund mehr, zu Gott oder von Gott zu reden, dessen Haupteigenschaften Abwesenheit und Schweigen seien. Es erfolgte laut Steiner der »Austritt Gottes« aus der Sprache und aus dem Gebiet der menschlichen Erfahrung. Die Frage, die über Auschwitz schwebt, ist für Steiner weitaus tiefer als eine Frage der politischen Pathologie oder wirtschaftlicher, ethnischer und gesellschaftlicher Konflikte, so wichtig letztere auch sein mögen. Es ist die Frage, ob man sich die Existenz oder Nichtexistenz Gottes vorstellen kann.[19] Für Jerzy Rawicz war Gott »verrückt geworden«; für andere wie McAfee Brown »fiel Gott angesichts der Wirklichkeit des Massenmordes selbst diesem Massenmord zum Opfer«. Ferdinand Camon schrieb: [20]

»Am Ende der Begegnung behauptet Primo Levi: "Wenn es Auschwitz gibt, kann es Gott nicht geben." Meiner Auffassung nach wollte der Schriftsteller einen bestimmten philosophischen Schluß über die Nichtexistenz Gottes darlegen und das Argument Anselmo d'Acostes umkehren: Wenn es Gott gibt, kann es Auschwitz nicht geben. Aber da Auschwitz existiert, ist die Existenz Gottes unmöglich«.

Primo Levi:
»
Wenn es Auschwitz gibt, kann es Gott nicht geben.«

Diese Zitate weisen darauf hin, daß der Holocaust nicht als historisches, sondern als "kosmisches" Element behandelt wird, welches dermaßen dämonisch und infernalisch ist, daß man sich darob die Letzte Frage stellen muß. Die Tatsache, daß man eine "Theologie des Holocaust", nicht aber eine "Theologie der Verbrechen der Roten Khmer" geschaffen hat, daß der Holocaust, nicht aber der qualvolle Tod eines einzelnen unschuldigen Kindes eine Theodice [Rechtfertigung Gottes] erfordert, bestätigt unsere schon zuvor formulierte These, daß wir es im Fall des Holocaust mit einem Ereignis zu tun haben, das sich jedem vernünftigen Vergleich entzieht und in eine Sphäre entrückt wird, die keiner geschichtlichen Relativierung unterliegt. Ob nun Gott, wie der eine meint, verrückt geworden ist, ob er, wie der andere behauptet, in Auschwitz starb oder ob er, wie ein dritter sagt, trotz des Holocaust auch weiterhin existiert, ist nicht das Entscheidende: Entscheidend ist, daß der Holocaust in jedem dieser Fälle zum absoluten Bezugspunkt erhoben und als etwas erachtet wird, das in einem besonderen Verhältnis zu Gott steht. Der Holocaust ist kein geschichtliches Ereignis, sondern ein eschatologisches Drama.

Alice und Roy Eckardt schreiben, der Beschluß Hitlers zur Judenvernichtung sei ein »eschatologischer Entscheid« gewesen.[21] Hingegen darf Trumans Beschluß, die Atombombe über Hiroshima abzuwerfen, offenbar keinesfalls als eschatologischer Entscheid bezeichnet werden. Dasselbe gilt für die Entschlüsse eines Robespierre, eines Stalin oder eines Pol Pot.

»Alle Demokratien haben eine Basis, einen Boden. Für Frankreich ist das 1789. Für die USA die Unabhängigkeitserklärung. Für Spanien der Spanische Bürgerkrieg. Nun, für Deutschland ist das Auschwitz. Das kann nur Auschwitz sein. Die Erinnerung an Auschwitz, das "Nie-mehr-Auschwitz", kann in meinen Augen das einzige Fundament der neuen Berliner Republik sein

Bundeaußenminister Josef Fischer gegenüber Bernard-Henri Lévy, FAZ, 18.2.1999, S. 46.

Der Holocaust ist ein Element der "heiligen Geschichte", das auf metaphysisch-theologischer Ebene zu betrachten ist. Elie Wiesel versteigt sich sogar zur Auffassung, in gewissem Sinn sei es schon eine Lästerung, über das in Auschwitz und Treblinka Vorgefallene auch nur zu erzählen - obwohl er selbst eigentlich nichts anderes tut, als über den Holocaust zu schreiben und zu sprechen -, und man müsse sich diesen Stätten mit »heiliger Furcht« nähern.

Diese »heilige Furcht« führt dazu, daß eine neue, mit mächtigen Tabus beladene Religion geboren wurde. Man muß heute sagen: "100 Jahre vor Auschwitz" oder "50 Jahre nach Auschwitz", so wie man früher "vor Christi Geburt" oder "nach Christus" zu sagen pflegte. Die »neue Religion« (Prof. Ernst Nolte), oder die »Quasi-Religion« (FAZ, 23. August 1994) ist mit allerlei Attributen ausgestattet, die man von anderen Religionen her kennt:

Alt-Bundestagspräsident Philipp Jenninger.
Nicht nur für ihn sie stellen sich
»alle Fragen im vollen Bewußtsein um Auschwitz«.[22]

Der Holocaust und das Christentum

Aus dem oben Gesagten geht klar hervor, daß die theologisch-metaphysische Deutung des Holocaust notwendigerweise zu einem Konflikt mit dem Christentum führen muß. Für die Juden wurde der Holocaust zum »Äquivalent der Kreuzigung. Israel wurde zum Äquivalent der Erlösung« (Jeffrey Hart).

Henryk Grynberg schreibt: [24]

»Jahrhundertelang mußten Juden, welche die talmudische Demut zu praktizieren versuchten, dafür den höchsten Preis bezahlen, bis hin zur größten Kreuzigung im 20. Jahrhundert«

An einer anderen Stelle spricht er von der "Kreuzigung der sechs Millionen" und beruft sich auf einen Aufsatz Franklin Littwells mit dem Titel Die Kreuzigung der Juden.[25] Er zitiert auch den deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der die Juden »die schwächsten und wehrlosesten Brüder Jesu Christi« nannte, sowie Papst Johannes XXIII, der sich ähnlich ausgedrückt hatte:

»Vergibt uns, daß wir Dich in ihrem [der Juden] Leib ein zweites Mal gekreuzigt haben.«

George Steiner behauptet: [26]

»Wenn nach dem christlichen Glauben im Martyrium Christi ein göttliches Wesen, der Sohn Gottes und der Menschensohn, für den Menschen gestorben ist, kann man auch zur Deutung gelangen, daß in der Shoa das jüdische Volk für Gott starb, daß es die unvorstellbare Schuld der Gleichgültigkeit, Abwesenheit oder Machtlosigkeit Gottes auf sich genommen hat.«

Manche christlichen Theologen erwecken bisweilen den Eindruck, sie hätten sich zur Holocaust-Religion bekehrt. Schon in der Ansprache, die Johannes Paul II 1978 in Auschwitz hielt und in der er vom »Golgatha unserer Zeiten« sprach, konnte man fühlen, wie er sich den theologischen Kategorien der Holocaust-Religion unterwarf. Der jüdische Philosoph Emil Fackenheim schreibt: [27]

»Was sind schon die Leiden des Kreuzes im Vergleich mit den Leiden der Mutter, deren Kind man unter schallendem Gelächter oder zum Takt eines Wiener Walzers ermordete?«

Aus diesem Grund bezeichnete auch Elie Wiesel in seiner "Ansprache" (besser gesagt Predigt) in Kielce die Anwesenheit von Kreuzen in Auschwitz als Lästerung und forderte ihre Entfernung. Er meint jedoch auch, es dürfe auf dem Lagergelände keine Davidssterne geben. In einem »Brief an einen katholischen Freund in Polen«, der in der Gazeta Wyborcza vom 16. Juli 1996 abgedruckt wurde, schrieb Wiesel:

»Ich bin gegen jegliche religiösen Symbole in Birkenau, auch gegen den Davidsstern. [...] Birkenau bleibt sein eigenes Symbol, sein eigenes Denkmal. Die Überreste der Kamine, der Baracken, die Bäume, die Asche, das Schweigen: Nichts anderes gehört auf diesen Friedhof, der keinem anderen gleicht.«

»[Bundespräsident Richard von Weizsäcker sei in seinem Staatsverständnis] näher den Grünen als Kohl: nicht NATO, sondern Auschwitz als Staatsräson.«

Joschka Fischer, nach Der Spiegel, Nr. 28/1987

Im Rahmen der Holocaust-Religion ist der Davidsstern ein zweitrangiges Symbol. Gaskammern, Krematoriumskamine, Baracken, Asche - all dies wurde zu heiligen Symbolen und Reliquien der Holocaust-Religion umgestaltet, und nur sie haben das Recht, in Auschwitz zu bleiben.

Die Holocaust-Religion begnügt sich nicht damit, das Christentum zu überstrahlen und zu verdrängen. Dem Christentum wurde auch die Verantwortung für den Holocaust aufgebürdet, und es sieht sich auf die Anklagebank versetzt. Gewisse jüdische Autoren gehen sogar noch weiter; so meint Arnold Mostowicz, auf die Anklagebank gehörten alle Völker außer dem jüdischen und alle Religionen mit Ausnahme der jüdischen.[28] Mit messerscharfer Logik werden hier alle Nichtjuden für verdammt erklärt, die Juden hingegen in den Rang der Ankläger, Richter und Verdammenden erhoben. Auf diese Weise wird die Auserwähltheit eines Volkes und die Überlegenheit seiner Religion bestätigt.

Der Holocaust gilt als negativer Höhepunkt des Christentums. Dadurch verliert dieses faktisch seine Existenzberichtigung und muß vor der neuen Religion die Segel streichen. Deren Papst Elie Wiesel hat dies ex cathedra verkündet:[29]

»Ein verständiger Christ weiß, daß in Auschwitz nicht das jüdische Volk starb, sondern das Christentum.«

So erfolgt eine Umkehrung der traditionellen christlichen Theologie: An die Stelle der für den Tod Christi verantwortlichen Juden treten die Christen, die für den Tod der Juden im Holocaust die Schuld tragen. Schlußendlich fällt die Verantwortung dem Stifter der christlichen Glaubenslehre zu: Ohne Christus gibt es kein Christentum, ohne Christentum keinen Holocaust. Von Christus führt ein schnurgerader Weg zu Hitler, der ja ein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl abgeschlossen und bis zum Ende seines Lebens die Kirchensteuer bezahlt hat - dies ist die "unheilige Historiosophie" der Holocaust-Religion.

Grynberg schreibt, zur Zeit des Römischen Kaisertums hätten die Christen die Grundlagen des modernen Antisemitismus geschaffen, der in den Holocaust gemündet habe, und behauptet weiter: [30]

»Der Haß, der zu diesem Verbrechen führte, entwuchs dem christlichen Antisemitismus. Dieser Antisemitismus machte aus den Juden ein in der Tat auserwähltes Volk - auserwählt unter anderem für den Holocaust.«

Damit die Holocaust-Religion endgültig obsiegen konnte, fehlte nur noch eines: Die Christen mußten ihre Schuld selbst eingestehen. Genau dies ist gegenwärtig in vollem Gange. Im Jahre 1987 mußte der Heilige Stuhl den Vertretern des Judentums den Entwurf eines Dokuments vorlegen, das u.a. die Behauptung enthielt, der »religiöse Antisemitismus« sei »ein wesentlicher Bestandteil des Holocaust« gewesen. Dieses Dokument wurde der Presse zugespielt, doch niemals offiziell publiziert. Im Jahre 1994 veröffentlichte der Corriere della Sera einen langen Artikel mit dem Titel »Holocaust: Die Kirche klagt sich an«. Darin war vom Projekt eines im Vatikan abzufassenden Dokumentes die Rede, worin es heißen sollte, die Tradition des traditionellen und kirchlichen Antisemitismus sei ein Hauptelement auf dem Weg zum Holocaust gewesen; ferner solle das Dokument das Geständnis enthalten, die Kirche habe sich »dem rassistischen Völkermord nicht wirklich widersetzt«. In einem Kommentar dazu frohlockte Rabbiner Marvin Hier vom Simon-Wiesenthal-Zentrum:[31]

»Allem Anschein nach wird dieses Dokument tatsächlich ein historisches Eingeständnis der Kirche darstellen, daß sie die Schuld auf sich geladen hat, den Holocaust nicht abgewendet zu haben.«

In Verbindung mit der Abbé-Pierre-Affäre gab das französische Episkopat eine Erklärung ab, in dem es u.a. hieß:[32]

»Die Kirche weiß, daß sie sich zu ihrer eigenen Verantwortung für den Holocaust bekennen muß, und sie hat schon begonnen, dies zu tun.«

Wenn der Heilige Stuhl schließlich ein offizielles Dokument publiziert, in dem die »Mitschuld der Kirche am Holocaust« eingestanden wird - und das französische Episkopat hat bereits den Weg dazu gewiesen -, dann wird die Kapitulation des Christentums vor der Holocaust-Religion endgültig Tatsache. Gleichzeitig wird das Christentum einer weiteren Verjudung unterliegen und wird - auf der Grundlage seiner herkömmlichen Rituale - nur noch als Randerscheinung im Rahmen der weltweiten Holocaust-Religion weiterbestehen. Der Bannstrahl der Verdammnis wird auf jeden herabsausen, der auch nur den geringsten Anlaß zum Verdacht bietet, er hege Zweifel an der Holocaust-Religion. Ein solcher Bannstrahl hat seitens des französischen Episkopats bereits Abbé Pierre getroffen. Dessen ehemaliger Freund, der jüdischstämmige Kardinal Lustiger, distanzierte sich von seinen Ansichten, denn[32]

»er beharrt nicht nur auf dem theologischen Antijudaismus, sondern ist sogar zum Angriff auf die israelische Politik, den Zionismus und die Juden im allgemeinen übergegangen«

Schließlich wurde Abbé Pierre gezwungen, seinen "Sünden" öffentlich abzuschwören. Er ist also einer Art Teufelsaustreibung unterzogen worden. In einem in der Zeitung La Croix veröffentlichten Kommuniqué gab Abbé Pierre bekannt, er füge sich ganz und gar der Ansicht der kirchlichen Experten.

Einen eindeutigeren Beweis für die Kapitulation der Kirche vor der Holocaust-Religion kann man sich kaum wünschen. Heute darf man mit jedem einen Dialog führen: Mit Juden, Muselmanen, Animisten, Atheisten - nur mit jenen, welche die Holocaust-Religion nicht anerkennen wollen, ist jeglicher Dialog ausgeschlossen. Sie allein werden von der Kirche - zunächst einmal der französischen - als Ketzer verflucht, obgleich sie doch ausschließlich vom Standpunkt der Holocaust-Religion aus Ketzer sind. Aber jene ist in unseren Tagen die "triumphierende Kirche". Die christlichen Kaplane - zuerst die protestantischen und dann die katholischen - wurden durch den Vormarsch der Shoa-Pfaffen in die Defensive gedrängt, und etliche von ihnen sind praktisch bereits in deren Lager übergegangen, wobei sie die traditonellen christlichen Positionen Schritt für Schritt über Bord geworfen haben.

Polen und die Polen in der Holocaust-Religion

28.4.1994, S. 4

Die Justiz hat Klarheit

Dr. jur. Rudolf Wassermann

Wer die Wahrheit über die nationalsozialistischen Vernichtungslager leugnet, gibt die Grundlagen preis, auf denen die Bundesrepublik Deutschland errichtet worden ist. Dieser Staat soll eine streitbare Demokratie sein, die sich wehrt, wenn Antidemokraten sie aushebeln wollen. [...]

Wer Auschwitz leugnet, greift nicht nur die Menschenwürde der Juden an, der rüttelt auch an Grundfesten des Selbstverständnisses dieser Gesellschaft.

In der Holocaust-Religion fällt Polen und den Polen eine ganz besondere Rolle zu. Auf unserer Erde hat sich schließlich das "eschatologische Drama" abgespielt; auf einem Gebiet, auf dem sich Orte wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor, Chelmno und Belzec befinden, geschah das, was mit keinem anderen Ereignis der Geschichte vergleichbar ist. Polen war das Epizentrum der Vernichtung, das Land, wo das "zweite Golgatha" errichtet wurde, wo es zu einem Wendepunkt der Menschheitsgeschichte kam, wo sich in der Geschichte das Absolute Böse verkörperte und wo das Verbrechen und Opfer des Holocaust stattfand. Seither ist Polen ein unreines Land, ein verfluchtes und entweihtes Land.

Ein Knesset-Abgeordneter erklärte einmal: [33]

»Es läßt sich schwer verstehen, wie unsere Brüder die unreine polnische Erde überhaupt noch betreten können.«

Auschwitz und die anderen "Vernichtungslager" sind zwar heilige Orte, doch besitzen sie einen Status der "theologischen Exterritorialität", und Anteil an ihrer Heiligkeit haben ausschließlich die Juden. Polen ist "das zweite Ägypten", ein Land, wo die Erde durch Blut und Asche "gedüngt" und zur Wüste wurde. Prof. Jan Błoński schreibt: [34]

»Die polnische Erde wurde verseucht und entehrt, und auf uns lastet weiterhin die Verpflichtung zu ihrer Reinigung. Allerdings läuft diese - auf einem Friedhof - nur noch auf eines hinaus: Auf die Pflicht, unsere Vergangenheit wahrheitsgemäß zu betrachten.«

Aber die Reinigung wird niemals erfolgen; die polnische Erde wird auf immer und unwiderruflich verseucht und verflucht sein.

Auf dieser verseuchten und verfluchten Erde leben Polen. Und wer auf einer verseuchten und verfluchten Erde lebt, ist selbst verseucht und verflucht. Der Jude Michael Stenhauf sagt dies ganz offen: [35]

»Die Einwohner des Generalgouvernements unterlagen einer Verseuchung der Erde.«

Polen wurde übrigens ganz und gar nicht zufällig zum Schauplatz des Holocaust auserkoren. Elie Wiesel schreibt: [36]

»Was die Polen anbetrifft: Es ist kein bloßer Zufall, daß die größten Vernichtungslager bei ihnen und sonst nirgends entstanden sind.«

Das Schlüsselgeschehnis der Menschheitsgeschichte trug sich just auf ihrem Boden zu, bei jenen, welche »den Antisemitismus mit der Muttermilch eingesogen haben.«[37] Dort ist, so Martin Buber, »ein urwüchsiger Haß auf die Juden« ausgebrochen. Die Polen sind mitschuldig am Holocaust. Mitschuldig sind zwar alle Christen, aber die Mitschuld der Polen ist ganz besonders groß, weil sie ein so ausgeprägt katholisches Volk sind. Sie sind mitschuldig, weil sie anwesend waren - anwesend nicht bei einem Mord an gewöhnlichen Menschen, sondern bei einem sakralen Mord am auserwählten Volke. Sie sind mitschuldig, weil sie bei der "Kreuzigung von Millionen" dabei waren, beim "neuen Golgatha". Und schließlich sind sie mitschuldig, weil sie die Helfershelfer der Schlächter waren. Dazu ein paar jüdische Zitate:

ELIE WIESEL:

»Die Polen haben die Juden heimtückisch verfolgt, als sei dies ihre Lieblingsbeschäftigung gewesen.«[38]

LUCY DAWIDOWICZ:

»Nie werden wir genau wissen, wieviele hundert Juden durch polnische Partisanen in den polnischen Wäldern und Sümpfen ermordet wurden.«[39]

Alfred Lipson, ein uns nicht näher bekannter Shoa-Pfaffe der zweiten Garnitur, Mitarbeiter eines »Holocaust-Informationsarchivs« am Queensborough Community College, behauptete, die Armija Krajowa [nationalistische Widerstandsbewegung während des 2. Weltkriegs] habe geplant, die »Endlösung der Judenfrage« zu vollenden.[40]

Bei den diesjährigen Holocaust-Gedenkfeierlichkeiten entzündete erstmals ein »Überlebender des Pogroms von Kielce« (1946) das heilige Feuer. Dazu schrieb ein Aleksander Klugman in Tygodnik Powszechny, Nr. 29/1996:

»Die Einladung eines Überlebenden des Pogroms von Kielce zur Entzündung der heiligen Flamme bei der Feier zur Erinnerung an den Holocaust kann man - obwohl dies niemand offiziell gesagt hat - so auffassen, daß jener Pogrom Bestandteil des Holocaust und vielleicht dessen letzter Akt war.«

Auf diese Art wird die These von der Mitschuld der Polen am Holocaust sanktioniert. Dies begann damit, daß im Holocaust-Museum zu Washington eine Riesenaufnahme des sogenannten Pogroms angebracht wurde.

Der bekannte US-"Menschenrechtsaktivist" Alain Dershowitz behauptete, mehr als 1500 Juden, die den Holocaust überlebt hätten, seien nach diesem von polnischen Katholiken ermordet worden.[41] Es lohnt sich, hier auf ein theologisches Problem hinzuweisen, nämlich ob die Opfer des sogenannten Kielcer Pogroms und anderer angeblicher »grausiger Pogrome« (Nahum Goldmann) der Nachkriegszeit Holocaust-Opfer sind (was aus dem Ablauf der Gedenkfeierlichkeiten in Jerusalem hervorzugehen scheint), oder ob es sich um einen "Mord an Holocaust-Überlebenden" handelt. Ein solcher könnte womöglich noch schlimmer als der Holocaust selbst sein, denn "Holocaust-Überlebende" haben in der Holocaust-Religion einen besonderen, höherrangigen ontologischen Status inne. Vielleicht ist dies der Grund dafür, daß Dershowitz den sogenannten Kielcer Pogrom als »eine der übelsten Grausamkeiten der Zeitgeschichte« brandmarkt, obwohl ihm zahlenmäßig weniger Menschen zum Opfer fielen als beispielsweise dem von Baruch Goldstein in El Chalil (jüdisch: Hebron) begangenen Massaker an betenden Palästinensern.

15.8.1994, S. 21

Objektive Selbstzerstörung

Patrick Bahners

Wenn [Günter] Deckerts [revisionistische] "Auffassung zum Holocaust" richtig wäre, wäre die Bundesrepublik auf eine Lüge gegründet. Jede Präsidentenrede, jede Schweigeminute, jedes Geschichtsbuch wäre gelogen. Indem er den Judenmord leugnet, bestreitet er der Bundesrepublik ihre Legitimität.

Die Rolle der Polen im Holocaust-Pandämonium ist ein für alle Male festgelegt: Sie sind gaffende Zuschauer des Verbrechens, Schergen der Henker oder selbst Henker. Nur die Deutschen waren imstande, eine solche Untat zu verüben; nur die Polen waren imstande, gaffende Zuschauer oder Schergen bei einer solchen Untat zu sein. Die Deutschen, und nach ihnen die Polen, tragen das Kainsmal auf der Stirn und spielen in der Holocaust-Religion die Rolle der "metaphysischen Feinde". Eine soche Feindschaft kann nicht auf dem Wege eines rationalen politischen Diskurses überwunden werden. Die Holocaust-Religion hat heute ihre volle, ausgereifte Gestalt erreicht, und alle Akteure müssen die ihnen zugeteilte Rolle bis in alle Ewigkeit spielen. Der traditionelle Glaube an die Auserwähltheit der Juden geht Hand in Hand mit dem Glauben an die Verdammnis der Deutschen und der Polen. Bestandteil der Holocaust-Religion ist das Dogma von der immerwährenden Schuld, die vom Vater auf den Sohn übergeht, und jeder, der sich zur Holocaust-Religion bekennt, muß dieses Dogma und diese "metaphysische Schuld" akzeptieren.

Da hilft der Einwand gar nichts, die Deutschen seien ganz allein am Holocaust schuld. Auf diese Weise wird die Holocaust-Religion nur gestärkt. Wir versuchen, uns dem Abgrund der Verdammnis zu entwinden, indem wir auf die Köpfe anderer klettern und diese noch tiefer hinabstoßen, doch übersehen wir dabei, daß wir auf diese Art nicht nur nicht aus dem Abgrund hinauskommen, sondern zu Missionaren der Holocaust-Religion werden, die uns der ewigen Verdammnis überantwortet hat. Angesichts des Imperialismus der Holocaust-Religion ist es unerläßlich, unseren traditionellen Antigermanismus zu überwinden, sei dieser nun "volksdemokratischer" oder "liberaldemokratischer" Prägung. Ein Weiterführen dieses Antigermanismus (der nicht mit der politischen Feindschaft gegen den deutschen Staat zu verwechseln ist!) bedeutet heute eine Unterstützung für die Holocaust-Religion, die sowohl Deutsche als auch Polen bedroht. Wir sitzen mit den Deutschen im gleichen Boot, ob uns dies nun behagen mag oder nicht.

»Was Richard von Weizsäcker mit seiner These [von der gänzlichen Unvergleichbarkeit des Holocaust] tut, ist indessen nichts Geringeres als dies: Er macht den Gründungsmythos Israels, der dort mytho-motorisch sein kann, zugleich zum Gründungsmythos Deutschlands, wo er ertötend wirken muß. [...] Fünfzig Jahre nach dem Ende des Krieges ist in Deutschland [...] ein Zustand eingetreten, der in Hinblick auf das nationale Selbstverständnis vom geistigen Tode nicht weit entfernt ist.«[42]

Der Status der theologischen Erniedrigung der Polen und der Deutschen wird so lange andauern, wie die Holocaust-Religion herrschen wird. Es besteht keine Chance, lediglich uns selbst und nicht auch die Deutschen aus diesem Status der theologischen Erniedrigung zu erlösen. Jeder Versuch, nur die Deutschen in diesem gefangen zu halten, ist zum Scheitern verurteilt. Überwunden werden muß das Phänomen der theologischen Erniedrigung als solches und nicht nur die Erniedrigung der Polen.

Solange die Holocaust-Religion besteht, wird es keine Reinigung, kein Vergeben und keine Versöhnung geben. Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel schreibt: [43]

»Jeder Jude sollte irgendwo in seinem Herzen eine Zone des Hasses bewahren, des gesunden, männlichen Hasses gegen das, was der Deutsche verkörpert und was im Wesen des Deutschen liegt. Alles andere wäre Verrat an unseren Toten.«

Man kann sich tausendmal entschuldigen, um Verzeihung flehen, um Versöhnung winseln - es ist alles zu nichts nutze: Ein metaphysischer Feind ist ein Feind für die Ewigkeit, auch wenn er unaufhörlich Reue für seine Sünden bekundet, unablässig das Büßerhemd trägt und sich immerfort selbst geißelt. Verzeihen hieße den Status der theologischen Erniedrigung der Deutschen und Polen beenden, und damit entfiele ein wichtiger Bestandteil der Holocaust-Religion. Darum wird Polen für immer ein "verfluchtes Land" sein, und man wird uns für immer verächtlich Büttel der Henker schmähen. So will es die Holocaust-Religion, und so wird es bleiben, solange diese herrscht.

Es wird uns nichts helfen, verzweifelt auf die Bäumchen zu pochen, die in Yad Vashem für die Gerechten unter unseren Landsleuten gepflanzt wurden, denn diese künden nur davon, wie wenige Gerechte und wie viele Gleichgültige es bei uns gab. Es wird uns nicht helfen, Lügen richtigzustellen, zum Dialog, zur rationalen Diskussion und zur Versöhnung aufzurufen. Wenn wir uns im Spiegel ansehen, wird uns stets »die stumpfe Fratze des blauen Polizisten« oder »die Fuchsschnauze des Lumpen« (Andrzej Szczypiorski) entgegengrinsen. Wir, die "Schergen Amaleks", die "Schuldigen am Pogrom von Kielce", werden im Abgrund der Verdammnis verweilen und mit Tonnen von Zucker bestreut werden - denn, so Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland,

»nur wenige erinnern sich daran, daß die Hitlerleute für einen Juden ein Kilo Zucker gaben. In Polen wurde besonders viel von diesem Zucker verteilt.«[44]

Nie werden wir uns aus diesem Abgrund befreien, ehe die Holocaust-Religion, die uns dort gefangen hält, in Trümmer fällt.


Anmerkungen

Der in Breslau wohnende Pole Tomasz Gabiś, Germanist und ausgezeichneter Kenner der deutschen Geschichte, ist Herausgeber der rechtsintellektuellen Zeitschrift Stańczyk. Diese kann bei T. Gabiś, ul. St. Pietaka 9, PL-51-140 Breslau/Wrocław, bezogen werden.

Aus dem Polnischen übersetzt von J. Graf. Der Originaltext wurde für diese Übersetzung leicht gekürzt und derart modifiziert, daß in vielen Fällen Wichtiges aus den Anmerkungen in den Fließtext übernommen wurde. Auslassungszeichen in Zitaten wurden ganz gestrichen. Rückübersetzungen deutscher Zitate ließen sich dabei nicht immer vermeiden.

[1]Der israelische Historiker Yehuda Bauer schrieb in den Canadian Jewish News vom 30. Januar 1992: "Der Holocaust wurde zum vorherrschenden Symbol unserer Kultur. Es verläuft kein Monat ohne eine neue Fernsehproduktion, einen neuen Film, neue Prosaerzählungen oder Gedichte, die sich mit diesem Thema beschäftigen."
[2]Gazeta Wyborcza, 22. April 1993.
[3]Polityka 52/1995.
[4]Gazeta Wyborca, 14. März 1994.
[5]Le Nouvel Observateur, 6. Oktober 1978.
[6]Der Spiegel, 5. Februar 1979.
[7]Pieśń umarłych. Opowiadania (Das Lied der Toten. Erzählungen), Breslau 1991, S. 20, 165.
[8]Gazeta Wyborcza, 27. Januar 1995.
[9]Bóg po Oświęcimiu. Wymiary masowego mordu na narodzie żydowskim (Gott nach Auschwitz. Die Dimensionen des Massenmordes am jüdischen Volk), Freiburg i.Br.. 1979, S. 23.
[10]New York Times, 16. April 1978.
[11]Wie Anmerkung 7, S. 157, 166.
[12]Gazeta Wyborcza, 27. Januar 1995.
[13]The Holocaust and the Historians, Cambridge 1981, S. 14, 20.
[14]Ebenda, S. 15.
[15]Zitiert nach Michael Marrus, Holocaust, Warschau 1993, S. 12. Holocaust, Warschau Holoc
[16]Trudna wolność. Eseje o judaizmie (Die schwierige Freiheit. Essays über das Judentum), Danzig 1991, . S. 139.
[17]Dlugie zycie metaforyki (Das lange Leben der Metaphorik), Akzente 1987, Nr. 6, S. 200.
[18]Wie Anmerkung 9, S. 23, 24.
[19]Wie Anmerkung 17, S. 212.
[20]Rozmowa z Primo Levim (Gespräch mit Primo Levi), Literatura 1996 Nr. 6.
[21]Henryk Grynberg, Prawda neartystyczna (Die unkünstlerische Wahrheit), Kattowitz 1990, S. 70.
[22]Bundestagsrede vom 9. November 1988; zit. nach Das Parlament Nr. 48 v. 25. 11. 1988, Dokumentation S. 9.
[23]Vgl. VffG 1(1) (1997), S. 9-18, Anm. d. Red.
[24]Henryk Grynberg, aaO. (Anm. 21), S. 34.
[25]Ebenda, S. 38.
[26]Siehe Anmerkung 17, S. 210.
[27]Zitiert nach Wacław Hryniewicz, »Niepojętny Bóg w obliczu piekeł swiata« (Der begriffsstutzige Gott angesichts der irdischen Höllen), in: Znak, Nr. 4, 1996.
[28]Siehe Anmerkung 12.
[29]Weltwoche, 26. Januar 1995.
[30]Ebenda, S. 69.
[31]Gazeta Wyborcza Nr. 126, 1994.
[32]Gazeta Wyborcza, 27./28. Juli 1996.
[33]Gazeta Polska, 25. Januar 1996.
[34]Biedni Polacy patrzą na getto, Krakau 1994.
[35]In: Holocaust z perspektywy półwiecza (Der Holocaust ein halbes Jahrhundert danach gesehen), Warschau 1995, S. 90.
[36]Siehe Anmerkung 7, S. 143.
[37]Bnai Brith Messenger, 26. April 1991.
[38]Siehe Anmerkung 7, S. 170.
[39]Siehe Anmerkung 13, S. 94.
[40]Trybuna, 16. August 1996.
[41]Gazeta Polska, 8. August 1996.
[42]Prof. Dr. Ernst Nolte, Die Deutschen und ihre Vergangenheit, Propyläen, Berlin 1995, S. 217.
[43]Legends of our time, New York 1982, S. 142.
[44]Bubis-Interview mit Przegląd Tygodniowy, Nr. 19, 1993.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 410-417.


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