Indianische Folklore vermittelt Aufschlüsse über einen
verschwundenen Stamm kaukasischer Rasse in Nordamerika

Von Steve McNallen

Im Jahre 1971 gründete Steve McNallen in Wichita Falls, Texas, die Wiking Brotherhood (Wikingbrüderschaft) und lancierte ein hektographiertes Mitteilungsblatt namens The Runestone. Während der folgenden fünf Jahre diente die Wiking Brotherhood als Sprachrohr für eine kleine, aber stetig wachsende Schar von Menschen, welche eine Wiederbelebung der alten, einst unter dem Namen Asatru (Asenglauben) bekannten nordischen Religion anstreben. 1980 beschloß die Asatru Free Assembly die alljährliche Durchführung eines "Althing", zu dem sich Neuheiden aus ganz Amerika, aber auch aus Übersee einfanden. 1987 stellte die Organisation ihre Aktivitäten ein. An ihre Stelle trat die Asatru Alliance, die den größten Teil des von ihrer Vorgängergruppierung publizierten Materials weiter vertreibt. 1992 nahm McNallen seine Tätigkeit wieder auf, und The Runestone erschien von neuem. Zwei Jahre später rief er die Asatru Folk Assembly ins Leben, die in die Fußstapfen der Pionierbewegung trat.

Den folgenden Beitrag schrieb Steve McNallen einige Monate vor der Entdeckung des Kennewick Man, welche die Kontroverse um die Existenz eines kaukasischstämmigen Volkes in Nordamerika bis zum Siedepunkt erhitzte. Rückwirkend betrachtet mutet der Artikel geradezu beklemmend prophetisch an.


Die Geschichte der europäischen Völker in dem Gebiet, das wir Kalifornien nennen, begann nach gängiger Auffassung im 16. Jahrhundert mit dem Eintreffen der Spanier, denen später die Engländer unter Sir Francis Drake und die Russen folgten. In unseren Geschichtsbüchern können wir alle Einzelheiten dieser Entdeckungen erfahren, und jeder gebildete Kalifornier europäischer Herkunft sollte über diese Epochen in der Geschichte seiner Altvorderen Bescheid wissen. Doch werden Sie in den Büchern nichts darüber lesen, daß in manchen Indianerlegenden von kaukasischstämmigen Menschen im prähistorischen Westen Amerikas die Rede ist.

Litographie des Chippewa-Indianers Wa-Bish-Kee-Pe-Nas zu sehen. Er entstammt dem zwischen 1836 und 1844 von McKenney und Hall verfaßten, enorm erfolgreichen dreibändigen Werk Indian Tribes of North America. Nur selten wird darauf hingewiesen, daß die Eskimos (in politisch korrektem Englisch heute "Native Alaskans" genannt), die Indianer des Amazonasbeckens sowie verschiedene andere amerikanische Stämme eine ausgeprägte Ähnlichkeit mit den Mongolen der Alten Welt aufweisen, während die Gesichtszüge vieler Indianer in Kanada und den USA einen unverkennbar kaukasischen Einschlag erkennen lassen. Es ist sehr wohl denkbar, daß sich Angehörige kaukasischer Völker in Amerika niedergelassen haben und später von den zahlenmäßig überlegenen Neuankömmlingen aufgesogen wurden, jedoch nicht ohne diese kulturell und rassisch zu beeinflussen.

Lovelock, Nevada, liegt ca. 80 Meilen nördlich von Remo. Hier fanden Bergleute im Jahre 1911 Mumien, Knochen und Gebrauchsgegenstände, die unter einer 1,20 m dicken Schicht von Fledermausexkrementen begraben lagen. Die ausgetrockneten Leichen gehörten einem großgewachsenen, rothaarigen Volke an - beide Eigenschaften treffen auf Indianer gemeinhin nicht zu. Tatsächlich erzählten die örtlichen Paiute-Indianer Legenden über diese riesenhaften Störenfriede, die sie »Sitecah« nannten. Diesen Legenden zufolge waren die Rothaarigen ein wehrhaftes Volk, und viele indianische Stämme schlossen sich zu einem langen Krieg gegen sie zusammen. Schließlich gelang es den Paiute und ihren Verbündeten, die Sitecah in die Felder ihrer Heimat nahe dem Mount Shasta in Kalifornien zurückzutreiben.

John T. Reid, ein Bergbauingenieur und Amateur-Archäologe, wandte den Überresten der Sitecah seine Aufmerksamkeit zu und bemühte sich nach Kräften, die ausgegrabenen Überreste zu dokumentieren. Er befragte viele Bewohner jener Gegend, die über die Funde Bescheid wußten. Seine Memoiren befinden sich im Archiv der Nevada Historical Society in Remo. Die offizielle Archäologie lehnte es ab, sich mit Reids Erkenntnissen zu befassen. Berichten zufolge wurden zwei Forscher zur Ausgrabungsstätte geschickt. Der eine kam von der University of California, der andere von New York. Statt Fakten ans Licht zu bringen, taten sie ihr Bestes, um sie im wahrsten Sinne des Wortes zu beerdigen: Zumindest ein Fall ist belegt, wo der New Yorker eine ausgegrabene Mumie gleich wieder verscharren ließ. Bis 1929, also siebzehn Jahre nach den ersten Funden, wurde keine Zeile darüber veröffentlicht.

Wie sind die Mumien überhaupt in die Höhle gelangt? Folgen wir der Paiute-Legende, so lebten die Sitecah auf einem See; dieser lag in einer Tiefebene, auf die man von der Höhle hinabblicken konnte. Wenn ich sage, daß sie auf einem See lebten, so ist dies ganz wörtlich zu nehmen; sie wohnten nämlich auf Flößen, um sich vor Überfällen durch die Paiute zu schützen. Wie manche anderen Gebrauchsgegenstände der Sitecah-Kultur waren diese Flöße aus einer fasrigen Wasserpflanze (Tule) gefertigt - der Name Sitecah bedeutet denn auch "Tule-Fresser". Die Paiute und die langschädligen Rotschöpfe lebten immerfort auf Kriegsfuß; erstere beschuldigten letztere der Menschenfresserei und bedrängten sie mit ständigen Angriffen. Natürlich setzten sich die Rothaarigen zur Wehr.

Nach langem Kampf mußten sich die Sitecah angesichts einer übermächtigen Koalition von Indianerstämmen in eine Höhle zurückziehen, die heutzutage Lovelock Cave heißt. Als sie sich weigerten, ihren Zufluchtsort zu verlassen, türmten die Rothäute vor dem Eingang der Höhle dürres Gebüsch auf und steckten es in Brand. Die Sitecah wurden mit Stumpf und Stiel ausgerottet.

Links: In New England entdeckte Waffen- und Werkzeugteile aus Kupfer und Bronze. Rechts: Auf der iberischen Halbinsel vorgefundene entsprechende Teile, auf die Zeit um 500 v. Chr. datiert. Solche Funde deuten fast zwingend darauf hin, daß der Einfluß des weißen Mannes in Amerika ungleich früher eingesetzt hat, als die Hofhistoriker uns weismachen wollen.

Sarah Winnemuca Hopkins, Tochter des Paiute-Häuptlings Winnemuca, erzählt in ihrem Buch Life among the Paiutes viele Geschichten über die Sitecah. Auf S. 75 schreibt sie:

»Mein Volk sagt, daß die Leute, die wir vernichtet haben, rötliches Haar hatten. Solches Haar befindet sich in meinem Besitz; es ist von einer Generation auf die andere übergegangen. Ich habe ein Kleid, das seit vielen Jahren unserer Familie gehört und mit rötlichem Haar geschmückt ist. Manchmal, wenn ich Vorträge halte, will ich es tragen. Man nennt es ein Trauerkleid, und meine Familie ist die einzige, die ein solches ihr eigen nennt.«

Man könnte dies alles ja leichtfertig als bloße Fabel abtun, doch wird die Existenz der Sitecah nicht nur durch die Forschungen eines einzigen Mannes und durch Funde in einem einzigen Bergwerk erhärtet. 1931 fand man Mumien im Bett des Humboldt Lake. Acht Jahre später grub man auf einer Farm in derselben Gegend ein geheimnisvolles Skelett aus. In jedem einzelnen Fall waren die Mumien bzw. Skelette ungewöhnlich groß, und alles weist darauf hin, daß sie mit der geheimnisumwitterten verschwundenen Rasse der Rotschöpfe in Verbindung standen. Die Indianer berichten, die Sitecah hätten im New York Canyon einen pyramidenförmigen Steinbau errichtet. Leider wird jene Region häufig von Erdbeben heimgesucht, und die Steinruinen sind im Lauf der Jahrhunderte eingestürzt.

Diese bemerkenswert gut erhaltenen Lockenten, aus Tule-Binsen hergestellt und oft mit gefiederter Entenhaut überzogen, hat man unweit der Lovelock-Höhle in Nordnevada gefunden. Dort sollen die letzten Sitecah, anscheinend ein präkolumbianischer Stamm weißer Rasse, niedergemetzelt worden sein. Nach der letzten amerikanischen Eiszeit sind viele gigantische Seen, die sich aus geschmolzenem Eis gebildet hatten, allmählich ausgetrocknet. In den betreffenden Gebieten siedelten sich Jäger- und Sammlerhorden an; nach Ansicht mancher Fachleute geschah dies vor etwa 10.000 Jahren. In der Lovelock-Höhle gefundene Pfeile und Bogen stammen Datierungen zufolge aus der Zeit um 500 v. Chr. Hugh Thomas hat in seinem 1996 wiederaufgelegten Buch World History - The Story of Mankind from Prehistory to the Present (HarperCollins, New York) hervorgehoben, daß »Pfeil und Bogen etwa 15.000 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung in Zentralamerika erfunden wurden.« Er schreibt auch: »Die meisten nordamerikanischen Indianer, die heute seßhaft oder ausgestorben sind, lebten im 15. Jahrhundert n. Chr. unter ganz ähnlichen Verhältnissen wie ihre Vorfahren 10.000 v. Chr.« Die in Lovelock gemachten Entdeckungen lassen die Möglichkeit offen, daß die Sitecah - und andere prähistorische weiße Einwanderer in verschiedenen nord- und südamerikanischen Gebieten - jene Pfeile und Bogen eingeführt haben, die man heute automatisch mit den Indianern in Verbindung bringt.

Die Sitecah haben nicht allzu viel hinterlassen. Als das archäologische Establishment sich weigerte, die Beweise für ihre Existenz zur Kenntnis zu nehmen, sprangen einige kleine, private Museen in die Bresche. In einem davon brach eine Feuersbrunst aus und vernichtete eine unersetzliche Sammlung von Knochen, mumifizierten Überresten, mit Federn versehenen Gebrauchsgegenständen sowie Muschelschalen, auf denen rätselhafte Symbole eingekerbt waren. Heute gibt es in Lovelock ein Museum, in welchem in den Höhlen vorgefundene Objekte abgebildet und beschrieben sind, doch fehlt jeder Hinweis darauf, daß es sich bei den Sitecah nicht um Indianer gehandelt hat. Die Nevada State Historical Society hat einige Gebrauchsgegenstände aus der Höhle, doch meidet auch sie das heiße Thema.

Wo einst der See lockte, erstreckt sich heute eine trockene, staubige Wüste, und Wasser findet sich meist nur in einigen Alkalipfützen. Auch die fasrigen Tule-Wasserpflanzen sind den Weg alles Irdischen gegangen, genau wie das Volk, das sie weiland verspeiste und auf Flößen über den See trieb, die aus ihren Stengeln gefertigt waren.

Doch die Höhle ist immer noch da. Sie ragt dunkel über der Wüste und ist über einen schmalen, gewundenen Pfad zu erreichen. Somit ist sie leicht zu verteidigen; wenn die Paiute die Sitecah von dieser Seite angriffen, mußten sie fraglos empfindliche Verluste in Kauf nehmen. Am Tage unseres Besuchs waren keine Paiute zu sehen und auch keine Touristen, keine Metallschürfer, überhaupt niemand. Unsere Augen gewöhnten sich rasch an die Finsternis, und binnen einigen Minuten hatten wir jenen Teil, der von dem schützenden Felsen überdacht wird, erkundet. Ich stieß auf einen Nebeneingang, ein Loch von einigen Yard Durchmesser in einer Seitenwand. Nachdem ich einige Augenblicke inne gehalten hatte, um die Aussicht auf die Wüste zu genießen, kehrte ich zum Haupteingang zurück. Hier, fern jeder Wasserquelle, fiel mein Auge auf einen Strick, der aus zwei Schlingen einer fasrigen Wasserpflanze geknüpft war - Tule.

Er war nicht vergraben gewesen; keine Erdklumpen hafteten daran. Es machte den Eindruck, als habe ihn eben erst jemand dorthin gelegt. Hatte er sich schon dort befunden, als wir die Grotte betraten? Nun, ich hatte nichts dergleichen bemerkt, auch wenn meine Aufmerksamkeit naturgemäß der Höhle selbst galt.

Bei diesem alten, aus Peru stammenden Gefäß in Form eines menschlichen Portraits scheint es sich um die originalgetreue Darstellung eines nordischen Mannes zu handeln. Solche beweiskräftigen archäologischen Funde in Südamerika liefern einen Hinweis darauf, wie umfangreich die Siedlungstätigkeit weißer Völker in der westlichen Hemisphere gewesen sein muß, auch wenn sie oft nicht von langer Dauer war Alexander von Wuthenau, ein Professor für Kunstgeschichte, der 1935 in Mexiko mit seiner Forschertätigkeit begann, schrieb in seinem 1975 erschienenen Werk Unexpected Faces in Ancient America:[1] »Die "weißen Exemplare" aus Peru gehören zu den künstlerisch höchststehenden im präkolumbianischen Amerika.«

Wer waren also die Sitecah? Vielleicht werden wir es nie erfahren. Den Tagebüchern John Reids ist zu entnehmen, daß er nach Beweisen für das Vorhandensein anderer "weißer Stämme" auf dem Territorium der heutigen USA gesucht hat. Es gibt Berichte über keltische Siedlungen aus der Zeit vor Kolumbus, doch lagen diese mit größter Wahrscheinlichkeit im Osten des nordamerikanischen Kontinents, und man kann sich nur schwer vorstellen, wie sie es hätten schaffen können, sich bis Nevada durchzuschlagen. Oder wäre es denkbar, daß Sippen weißer Menschen gleichzeitig mit den Ahnen der Indianer über die Beringstraße gewandert sind?

Die Existenz eines prähistorischen, früher unbekannten Stammes kaukasischer Rasse in Nevada und Kalifornien liefert einen Hinweis darauf, daß die weißen Wurzeln in jenen Gegenden weit tiefer sein mögen, als sich unsere Schulweisheit träumen läßt.

Anmerkung

[1]Vgl. dt.: Alexander von Wuthenau, Altamerikanische Tonplastik. Das Menschenbild der Neuen Welt, Holle, Baden-Baden 1980.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 390-393.


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