Sinti und Roma - Geschichten, Legenden und Tatsachen

Von Dr.-Ing. Otward Müller

Folgende Behauptungen über das Schicksal der Zigeuner im Dritten Reich werden von deutschen Persönlichkeiten sowie von der Presse immer wieder aufgestellt: »500 000 Holocaust-Opfer der Sinti und Roma« oder »mehr als eine Million Zigeuner [wurden] im Dritten Reich ermordet.« Dieser Beitrag weist nach, daß derartige Äußerungen unvereinbar sind mit den leicht zugänglichen Bevölkerungsstatistiken der europäischen Nomadenstämme aus der Vor- und Nachkriegszeit. Die Schlußfolgerung lautet daher, daß diese vorgenannten Verlustziffern der Sinti, Roma und andere Zigeunerstämme äußerst übertrieben sind.


1. Einleitung: Hauptstadt der Mahnmale

Die Presse brachte am 7.8.1999 folgende dpa Nachricht:[1]

»Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat erneut die Verwirklichung des geplanten Mahnmals für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma in Berlin eingefordert. [...] es müsse auch das bereits 1994 von der Stadt Berlin, dem deutschen Parlament und der Bundesregierung zugesagte Mahnmal für die 500 000 [fünfhunderttausend] Holocaust-Opfer der Sinti und Roma gebaut werden, teilte der Zentralrat mit. Ein Sprecher der Berliner Stadtregierung widersprach der Auffassung, Berlin habe das Mahnmal offiziell versprochen.«

Dieser Sachverhalt fordert es, das Zahlenthema "500.000" wiederum zu behandeln und damit die "Berechtigung" für ein Mahnmal.

Für die angebliche Opferzahl von "500.000" gibt es nirgends auch nur eine Spur eines Beweises, einer glaubwürdigen Dokumentation, einer wissenschaftlichen Abhandlung. Wer diese Aussage nicht annehmen möchte, sollte dieser Zeitschrift doch bitte eine solche Dokumentation nennen: Verfasser, Titel, Verlag, Jahr, ISBN, usw. Der Verfasser dieser Abhandlung sucht schließlich seit mehr als 20 Jahren nach einer solchen.

Es ergibt sich die Frage: Welche Beweise liegen vor für die Behauptung, daß 500.000 Zigeuner - Sinti und Roma - ermordet wurden?

2. Die Suche nach dem Ursprung einer Zahl

Im Jahre 1972 erschien in London ein Buch mit dem Titel The Destiny of Europe's Gypsies von Donald Kenrick und Grattan Puxon. Es wurde angepriesen als »die erste wissenschaftliche Geschichte dieses frühzeitlichen, als eine westliche Minderheit betrachteten Volkes«[2] und »eine wichtige Arbeit der historischen und sozialen Wissenschaft«.[3] Eine deutsche Übersetzung wurde 1981 von Tilman Zülch für die "Gesellschaft für bedrohte Völker" in Göttingen herausgebracht. Hierbei wurde der neutrale, sachliche englische Titel (Das Schicksal der Zigeuner Europas) folgendermaßen übersetzt.: Sinti und Roma - die Vernichtung eines Volkes im NS-Staat. Aus dem englischen Wort »Destiny« (=Schicksal) wurde also »Vernichtung«.[4],[5] (Irgend jemand sollte einmal eine Studie verfassen über die Übersetzungspraktiken bei historischen Büchern).

Grattan und Puxon wollen 219.700 getötete Sinti und Roma nachgewiesen haben.[4],[6] Dies war im Jahre 1972. Es läßt sich leicht zeigen, daß diese Zahl eine Übertreibung darstellt und die Einzelsummanden der angegebenen Zahl keineswegs gesichert sind, sondern meist nur durch nichts dokumentierte Schätzungen wiedergeben.[7],[8] Auf dem Wege nach Mitteleuropa, hat sich diese Verlustzahl von 219.700 dann vergrößert auf 500.000, obwohl die "Nazis" von 1972-1979 ja nicht mehr Zigeuner ermorden konnten. Sie wird seit etwa diesem Jahr von Tilman Zülch für die "Gesellschaft für bedrohte Völker" in Göttingen sowie dem oben erwähnten "Zentralrat" laufend verbreitet und propagiert. Es ergibt sich also die Frage: Woher kommt diese Zahl von 500.000? Wo ist sie dokumentiert? Im folgenden soll kurz über die bisher erfolglosen Suchergebnisse berichtet werden.

3. Suchergebnis: Null

Der Verfasser bat 1980 den Zigeuner-Forscher Dr. Mark Münzel vom Museum für Völkerkunde in Frankfurt nach einer Dokumentation für diese Zahl. Seine Antwort lautete:[9]

»Insbesondere empfehle ich Ihnen hier das Museum der Verfolgung in Israel, das Sie erreichen können über: Mme Miriam Novitsch , c/o Etudes Tsiganes, 2, rue d'Hautpoul, F-75019 Paris 19eme.«

Die Antwort von Mme. Novitsch kam von dem "Ghetto Fighters' House" in Israel. Sie schreibt:[10]

»Es gibt zudem eine Organisation der Zigeuner, sie forderten von den Deutschen Wiedergutmachung, da es wahr ist, daß etwa 500.000 Zigeuner getötet wurden [...]«

Sie wiederholt die Anklage, kann aber keine gewünschte Dokumentation, keine Beweise für dieselbe nennen, wie sie erbeten wurde. Mein nächster Brief mit Wiederholung der Schlüsselfrage:[11] »Kennen Sie den Ursprung dieser Zahl«, wurde nie beantwortet.

In einem Brief vom 31. Mai 1980 an den "Internationalen Suchdienst" in Arolsen wurde die Frage gestellt:

»Wieviele Todesopfer der Zigeuner auf Grund der NS-Gewaltverbrechen sind dem Internationalen Suchdienst bekannt?«

Diese Anfrage nach einer Bestätigung oder Begründung der Zahl von 500.000 wurde von der Organisation, die es nämlich am besten wissen müßte, wie folgt beantwortet:[12]

»Zu dem Ihrem Schreiben beigefügten Anhang (Punkt 1-12) möchten wir bemerken, daß dem Internationalen Suchdienst weder Dokumentenmaterial noch Erkenntnisse zur Verfügung stehen, die die Beantwortung dieser Fragen ermöglichen.«

Nun, der Suchdienst hat in seinen Archiven Millionen von Dokumenten, Karteikarten, usw. aus allen KZs und sonstigen Lagern. Er ist jedoch nicht einmal in der Lage, die behauptete angebliche "Ermordung" von 20.000 deutschen Zigeunern zu bestätigen, geschweige denn die von 500.000. Offenbar wurde dort nicht einmal ein Versuch gemacht, die Verluste der Zigeuner je zu dokumentieren. Aber alle Zeitungen wissen es ganz genau: 500.000!

Eine andere Organisation, die Bescheid wissen müßte, ist das Institut für Zeitgeschichte in München. Meine Anfrage über die Zahl der von 1939-1945 umgekommenen Zigeuner wurde beantwortet, indem Hellmuth Auerbach das Buch von Kenrick/Puxon[5] sowie ein zweites von Bernadac[13] erwähnte und deren Zahlen wiedergab.[14] Die Zahl der Opfer nach Bernadac soll sich hierbei auf 229.950 belaufen. Eine interessante, indirekte Aussage des Briefes ist, daß dieses Institut im Jahre 1980 genau weiß, es liegt keine Dokumentation für die Zahl 500.000 vor. Trotzdem hat es offensichtlich in den vergangenen fast 20 Jahren (bis 1999) nie die Presseagenturen, die großen Zeitungen, die Medien, die Politiker, den Bundestag, den Bundeskanzler, den Bundespräsidenten, usw. darüber informiert, daß die besagte Zahl völlig undokumentiert, aus der Luft gegriffen ist und daher bei politischen Entscheidungen zum Schaden aller Deutschen nicht dauernd benutzt werden sollte.

Eine Anfrage beim Niederländischen Staatlichen Institut für Kriegsdokumentation in Amsterdam wurde von E.G. Groeneveld beantwortet:[15]

»Die Gesamtzahl der von den Nazis getöteten Zigeuner wird auf etwa 200.000 geschätzt.«

Als Quelle wurde Kenrick/Puxon[5] angegeben.[16] Hier also noch einmal ein Historisches Institut, das nicht die geringsten Beweise für die angeblich 500.000 anführen kann. Daß die angegebene Quelle keineswegs glaubwürdig ist, wurde in den Werken der Anmerkungen 7 und 8 nachgewiesen.

Selbst prominente Historiker wie der britische Churchill-Biograph Martin Gilbert wissen, daß die Zahl von 500.000 nicht stimmt, wie man in seinem Buch The Holocaust nachlesen kann.[17] Gilbert ist »einer der angesehensten und versiertesten Historiker Englands, Mitglied des Merton College, Oxford.« Er spricht von 250.000, gibt jedoch keine Quelle an für seine Behauptung. Immerhin weiß dieser berühmte Holocaust-Historiker nichts von den angeblich 500.000 ermordeten Zigeunern. Nach Gilbert stellt diese Zahl, die deutsche Spitzenpolitiker in ihren offiziellen Ämtern zum Schaden aller Deutschen und ohne irgendeine dringende Notwendigkeit verbreiten, also eine propagandistische Übertreibung dar.

Fragt man Zeitungsredaktionen nach den Quellen ihrer Anklage-Zahlen, dann lautet die Antwort wie folgt:

Das "Welt-Archiv" teilte mit:[18]

»Wenden Sie sich bitte an die "Gesellschaft für bedrohte Völker", Postfach 159, Göttingen.«

Das bedeutet, daß selbst die größten Zeitungen mit hunderten von Journalisten und großen Archiven, deren Aufgabe es unter anderem ist, den Wahrheitsgehalt schwerwiegender Anklagen gegen ihre Mitmenschen zu untersuchen, eben gerade diese ihre Pflicht nicht erfüllen. Eine Anfrage nach den Quellen der umstrittenen Zahl beantwortete die Spiegel-Redaktion so:[19]

»Ihre Fragen können wir wie folgt beantworten: s. Tilman Zülch, (Hrsg): "In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt", Reinbek, 1979, S. 121.«

Auf Seite 121 heißt es dort dann:

»Nach Schätzungen europäischer Tsiganologen hat das "Dritte Reich" rund 500.000 Männer, Frauen und Kinder dieser Bevölkerungsgruppe in die "Endlösung" einbezogen, doch ist das volle Ausmaß dieses Menschenmordes noch keineswegs erfaßt.«

Leider erfährt man eben auch hier aus dieser Spiegel-Quelle nicht, wer denn nun diese »europäischen Tsiganologen« sind. Das Wichtigste bleibt immer im Dunkeln. Noch eine Frage an Logiker: Wie kann man heute verfolgt werden, nachdem man in Auschwitz vergast worden ist?[20]

4. Die Forderungen der Sinti und Roma

Die Romani-Union und der Verband Deutscher Sinti veröffentlichte 1980 ein Memorandum an die Bundesregierung.[21] Dort heißt es in der Einleitung:

»Wenigstens eine halbe Million europäischer Roma/Sinti fielen der Rassenpolitik des Dritten Reiches zum Opfer. [...] Wir halten deshalb folgende Schritte in der Bundesrepublik Deutschland für erforderlich:

1. Stellvertretend für die Bundesrepublik Deutschland muß die Bundesregierung eine Erklärung abgeben, die den Tatbestand des Völkermordes, begangen vom Dritten Reich an den europäischen Roma/Sinti anerkennt.«

Soweit die Forderung. Nun, wenn ein Zentralrat etwas fordert, dann werden die Bonner Politiker sofort aktiv. Am 7. November 1985 hielt Bundeskanzler Helmut Kohl in der 171. Sitzung des Deutschen Bundestages in der Aussprache über »Lage und Forderungen der Sinti, Roma und verwandter Gruppen« eine Rede und machte hierbei folgende Aussagen:[22]

»Am 21. Dezember 1982 stellte die Bundesregierung ebenso grundsätzlich wie eindeutig fest: Den Sinti und Roma ist durch die NS-Diktatur schweres Unrecht zugefügt worden. Sie wurden aus rassischen Gründen verfolgt, und viele von ihnen wurden ermordet. Diese Verbrechen sind als Völkermord [...] anzusehen.«

Warum »Völkermord«? Es kann sich doch höchstens nur um ein einziges Volk handeln, also um »Volksmord«. Warum immer auch noch diese maßlosen philologischen Übertreibungen? Die Bundesregierung hat also 1982 wieder einmal die Deutschen eines neuen »Völkermordes« angeklagt. Bundeskanzler Kohl behauptete dann in derselben Rede am 7.11.1985 weiterhin folgendes:

»Etwa 500.000 Sinti und Roma wurden von der Hitler-Diktatur in einen gewaltsamen Tod geschickt.« und »Diese Verbrechen sind als Völkermord anzusehen.«

Der Verfasser hat in einem offenen Brief vom 11. Februar 1986 Herrn Bundeskanzler Kohl gebeten, »der Öffentlichkeit im Laufe des Jahres 1986 eine WISSENSCHAFTLICHE DOKUMENTATION vorzulegen, die Ihre Anklage des Völkermordes an 500.000 Sinti/Roma (± 20 %) eindeutig und unwiderlegbar beweist.« Weiterhin schrieb der Verfasser:

»Ich glaube, Sie stimmen mit mir überein, daß in einem Rechtsstaat der Ankläger auch die Pflicht hat, seine Anklagen zu beweisen.

In Ihrer Rede sagten Sie weiterhin: "Rassendiskriminierung darf es auf deutschem Boden nie wieder geben." Solange für Ihre Anklage keine unwiderlegbaren Beweise vorgelegt werden, stellt dieselbe eine Diskriminierung der deutschen Mehrheitsbevölkerung dar. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir mitteilen lassen könnten, ob die Bundesregierung eine solche WISSENSCHAFTLICHE DOKUMENTATION vorlegen wird. Mit freundlichen Grüßen OM.« (Hervorh. im Original.)

Nun, 13 Jahre später, im Jahre 1999, liegt immer noch keine Dokumentation der Bundesregierung vor, die die Anklage beweist. Vielleicht war der Aufsatz von Michael Zimmermann mit dem bombastischen Titel »Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen Sinti und Roma«, die als Beilage der offiziellen Wochenzeitung Das Parlament erschien, als Antwort gedacht.[23] Dort werden aber nur die Zigeuner Deutschlands behandelt. Von einem "Beweis" für die 500.000 findet man nicht die geringsten Anhaltspunkte. Nebenbei widmete Zimmermann ein ganzes Kapitel dem Thema »Eheverbote und Sterilisierungen«. Daß die Bundesregierung in keiner Weise daran denkt, ihre Anklage, die bedenkenlos und ungeprüft von Sinti und Roma Organisationen übernommen wurde, zu beweisen, zu dokumentieren oder gar zu revidieren, ergibt sich aus einer Rede des Bundespräsidenten Dr. Roman Herzog vom 16. März 1997 in Heidelberg!

»Where They Now Live«, New York Times, 27.9.1992, nach International Romani Union

5. Der Bundespräsident spricht

Bundespräsident Dr. Roman Herzog sagte am 16. März 1997 in einer Rede zur Eröffnung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg:[24]

»Die Ausstellung, die wir heute eröffnen, zeigt, wie eine lange währende Diskriminierung in Verfolgung und Mord endete. An die 500.000 Mordopfer, davon über 20.000 deutsche Sinti und Roma - das ist eine Barbarei ungeheuren Ausmaßes.«

Soweit Bundespräsident Roma Herzog. Also 20.000 deutsche Sinti und Roma angeblich »ermordet«. Nun lehrt Donald Kenrick aber folgendes:[25]

»Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, lebten ungefähr 20.000 Zigeuner innerhalb der damaligen Grenzen Deutschlands.«

Im Jahre 1979 berichtete Grattan Puxon:[26]

»Die Sinti Organisation befaßt sich mit den Schwierigkeiten der rund 50.000 (in Worten: Fünfzigtausend!) in Deutschland geborenen Sinti.«

Am 27. September 1992 dokumentiert die New York Times auf Seite E5, daß in Deutschland 200.000 (in Worten: zweihunderttausend) Zigeuner leben. Frage an Herrn Bundespräsidenten Roman Herzog: Wie ist es möglich, daß sich die 20.000 - 20.000 = 0 Zigeuner im Jahre 1945 auf 50.000 in Jahre 1979 und 200.000 im Jahre 1997 vermehren? Puxon erwähnt ausdrücklich 50.000 in Deutschland geborene, nicht zugewanderte, Zigeuner. Schlußfolgerung: Die Aussage von Herzog, daß 20.000 deutsche Zigeuner ermordet oder auch nur »sterilisiert« worden sind, kann nicht den historischen Tatsachen entsprechen.

Die Behauptung des Bundespräsidenten, daß »über 20.000 deutsche Sinti und Roma« Mordopfer waren, wird auch durch folgende Nachricht widerlegt. In einem Artikel über eine »Roma Ausstellung in Mainz« liest man am 27.1.1993 in der FAZ:[27]

»Etwa 8.000 deutsche Sinti und Roma leben heute in Rheinland-Pfalz. Die meisten Familien - sagt Krausnick - können sich auf ein gut 300 Jahre in Kirchenbüchern dokumentiertes Heimatrecht berufen.«

Wenn also nahezu 8.000 heute (1992) in Rheinland-Pfalz lebende Zigeuner sich auf ein »in den Kirchenbüchern dokumentiertes Heimatrecht berufen« können, dann folgt daraus, daß sie weder zugewandert, noch "ermordet", noch sterilisiert worden sind. Nun, Rheinland-Pfalz ist nur ein kleines Land der Bundesrepublik. Ähnliches muß für andere Länder gelten. Es folgt daraus, daß die Behauptung des Bundespräsidenten Herzog nicht stimmen kann.

Bundespräsident Herzog am 16.3.1997:[24] »An die 500.000 Mordopfer«. Herzog untertreibt sogar noch, wenn man die Aussage im Leserbrief von Jan F. Hancock, ein Roma Aktivist, berücksichtigt. Er schreibt in der New York Times vom 20. August 1990 wie folgt:[28]

»Neuere Forschung haben nun aufgezeigt, daß mehr als eine Million Zigeuner im Dritten Reich ermordet wurden und daß die Schätzungen mit zunehmender Forschung weiter ansteigen [...]«

Diese neue Zahl muß nun mit den Vorkriegszahlen verglichen werden. Dieselbe wurde auch von der Internationalen Zigeunermission e.V. (Postfach 410 410, D-76xxx Karlsruhe 41) in der »Stimme der Zigeuner« und als Sonderdruck (»Holocaust«) verbreitet. Dort heißt es:

»Kaum Erwähnung aber fand die Tatsache, daß neben 6 Millionen Juden auch rund eine Million Zigeuner auf dieselbe Weise ermordet wurde.«

Offenbar wachsen die Zahlen proportional zur verflossenen Zeit an.

6. Bundespräsident Herzog wird von der NYT widerlegt

Nach Grattan/Puxon[4],[5] lebten 1939 in den Ländern, die in den Krieg verwickelt waren, etwa 1 Million Zigeuner. Die Zahl der vor dem Kriege in Europa lebenden Zigeuner gibt die Encyclopedia Americana von 1940 mit 750.000 an.[29] Dieselbe Encyclopedia Americana des Jahres 1968 schreibt in Band 13, S, 590, folgendes:[30]

»Die Zahl der Zigeuner in Europa wurde vor dem Zweiten Weltkrieg auf irgendwo zwischen 750.000 bis 1.000.000 oder 1.500.000 geschätzt.«

Also rund eine Million. Zur Widerlegung der oben erwähnten Propagandazahlen (1/2 Million, 1 Million) vergleicht man am besten wohl die Zahl derjenigen Zigeuner, die 1939 in dem Teil Europas lebten, der von Hitler besetzt war, mit der Zahl der im Jahre 1992 dort lebenden Sinti und Roma. Hierbei sollte man berücksichtigen, daß die anti-deutsche Propaganda behauptet hatte, die nicht ermordeten Zigeuner seien sterilisiert worden. Die Zahlen von 1939 findet man in dem Buch von Donald Kenrick und Grattan Puxon.[4],[5] Die New York Times vom 27. September 1992 veröffentlichte die Zahlen für 1992.[31] Es ergibt sich folgende Tabelle für die Zahl der Sinti und Roma (Zigeuner) in den verschiedenen Ländern im Jahre 1939 und 1992:

 

Kenrick/Puxon,
1939

New York Times
Sept. 1992

Belgien

500

10.000[32]

Holland

500

35.000[33]

Deutschland

20.000

200.000

Tschechoslowakei

93.000

1.000.000

Bulgarien

 

1.000.000

Baltische Staaten

7.000

50.000

England:

 

100.000

Frankreich

40.000

500.000

Italien

25.000

400.000

Österreich

11.200

 

Polen

50.000

750.000

Rumänien

300.000

3.000.000

Jugoslawien (Serbien & Kroatien)

88.500

1.500.000

Spanien & Portugal

 

750.000

Skandinavien

 

< 50.000

Ungarn

100.000

> 500.000[34]

UdSSR, Rußland

200.000

1.000.000

Summe:

935.700

10.845.000

Die NYT gibt für Belgien, Holland und Ungarn keine Zahlen an. Deshalb wurde die von Grattan Puxon[35] genannten für das Jahr 1979 verwendet. Die Summe für Europa beträgt für das Jahr 1992 also etwa 10,8 Millionen. Vor dem Krieg waren es etwa 0,75 bis 1,0 Millionen. Als Quelle gibt die NYT an: »International Romani Union«. Wie kann man bei dieser Sachlage noch von »Völkermord« reden?

Es soll nun wieder Herr Bundespräsident Herzog zur Sprache kommen:[24]

»Hitler selbst ordnete gegenüber Himmler[36] die ausnahmslose Deportation aller Sinti und Roma in die Vernichtungslager an. Sie wurden daher im gesamten Einflußbereich der Nationalsozialisten systematisch und familienweise vom Kleinkind bis zum Greis ermordet.«

Soweit Bundespräsident Dr. Roman Herzog. Bemerkenswert ist hierbei, daß diese Aussage des höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland fünf volle Jahre nach dem Erscheinen des NYT-Artikels gemacht wurde. Dem Menschen des zur Neige gehenden aufgeklärten 20. Jahrhunderts im Zeitalter des Computers, Mikroprozessors und der Mondfahrt werden also von den höchsten Spitzenpolitikern solche Geschichten erzählt.

»Im gesamten Einflußbereich [...] vom Kleinkind bis zum Greise ermordet«. So hat es Herzog ausgedrückt. Man kann diese Aussage auch durch eine einfache mathematische Formel beschreiben. Für Deutschland, Polen und die Tschechoslowakei, die 1939 im totalen "Einflußbereich" Hitlers waren, sehen diese Gleichungen also folgendermaßen aus:

Deutschland, 1979:

20.000 - 20.000 = 0 =

50.000

Deutschland, 1992:

20.000 - 20.000 = 0 =

200.000

Polen:

50.000 - 50.000 = 0 =

750.000

Tschechoslowakei:

93.000 - 93.000 = 0 =

1.000.000

Diese Formeln können niemals richtig sein. Sie beschreiben jedoch korrekt die Aussagen von Herzog. Nichts kann den Bankrott der offiziellen, "politisch korrekten" Zeitgeschichte besser demonstrieren als die oben angegebenen Formeln und die Aussagen von Bundespräsident Herzog.

Zum Abschluß noch ein Zitat: Der Zigeunerforscher Dr. Streck hatte festgestellt:[37]

»Ein konzipierter und in die Tat umgesetzter Plan zum konsequenten Genozid der Zigeuner konnte nicht rekonstruiert werden.«

7. Zum Abschluß: »Die Forschung fängt erst an«

So lautet die Überschrift eines Artikels von Bettina Schulte, den die Frankfurter Rundschau am 13. 2. 1997 veröffentlichte. Der Untertitel lautet: »Korrekturen an Goldhagen: Vorträge über den Holocaust an der Universität Freiburg«. In diesem Aufsatz findet man nun eine interessante Stelle zum Thema dieser Abhandlung. Zitat:

»Dieser empirisch-positivistischen Einstellung verdanken sich bahnbrechende Studien besonders jüngerer Wissenschaftler. Nur durch ausgiebiges Aktenstudium ließ sich herausfinden, daß die Zahl der ermordeten Sinti und Roma offenbar weit unter der in der Öffentlichkeit kursierenden liegt: 50.000 statt 500.000 (Michael Zimmermann, Essen / Jena).«

Hier also der berühmte Faktor 10! Interessant ist, daß dieser Artikel einen Monat vor der Rede von Bundespräsident Herzog erschien. Seine Redenschreiber kümmern sich also offensichtlich nicht um das, was in der Zeitgeschichtsforschung vor sich geht.

8. Schlußfolgerungen

Das Ergebnis dieser Studie lautet:

1. In den vergangenen 54 Jahren ist von niemandem je eine zuverlässige, wissenschaftliche Dokumentation vorgelegt worden, die den angeblichen »Völkermord« an 500.000 Zigeunern bewiesen hätte.

2. Den »Völkermord« von 500.000 Zigeunern hat es daher nicht gegeben. Dies wird durch 10,8 Millionen Zigeuner, die heute in Europa leben, ganz lebhaft bezeugt.

3. Die verbreiteten Greuelzahlen können nicht stimmen und stellen propagandistische Übertreibungen dar zur Durchsetzung unberechtigter finanzieller Forderungen.

4. Es besteht daher keine Berechtigung und kein Grund für ein Mahnmal.

5. Politiker haben kein Recht, auf Grund falscher Daten Politik zu betreiben.

Randbemerkung

Bundespräsident Herzog sagte:

»An die 500.000 Mordopfer, davon über 20.000 deutsche Sinti und Roma - das ist eine Barbarei ungeheuren Ausmaßes.«

Also »20.000 deutsche Sinti und Roma«. Ob Bundespräsident Herzog weiß, daß in einer Nacht in einer Stadt wie Pforzheim im Frühjahr 1945 17.600 deutsche Kinder, Frauen und Männer lebendig verbrannt wurden im Phosphor-Bomben-Holocaust?[38] 20.000 in Köln? »Eine Barbarei ungeheuren Ausmaßes«! Voll dokumentiert! Werden die Bürger von Pforzheim oder Köln nun ein Holocaust Mahnmal in Berlin anfordern? Wird sich irgendein deutscher Politiker dafür einsetzen?

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat das Recht, sich für die Interessen deutscher Sinti und Roma einzusetzen. Woher nimmt er aber das Recht, für die Zigeuner ganz Europas zu sprechen? Da die Zahl der im Kriege umgekommenen deutschen Sinti und Roma ganz sicher weit unter 20.000 liegt, warum ein Mahnmal in Berlin für diese Gruppe, aber nicht für die Pforzheimer, die Kölner, usw.?

Übrigens: Heinrich Wefing schrieb am 18. August 1999 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in einem Beitrag des Titels »Eskalation der Erinnerung« von dem Wunsch des Zigeuner-Zentralrats, »ein Mahnmal für die 750.000 Roma und Sinti zu errichten, die im "Dritten Reich" ermordet wurden«, zu erhalten Von 1997 bis 1999 hat sich die Zahl also nochmals um 50 % erhöht, von 500.000 auf 750.000. Ein berichtigender Leserbrief wurde nicht veröffentlicht.


Anmerkungen

[1]dpa: »Kurz gemeldet: Der Zentralrat Deutscher Sinti fordert [...]«, New Yorker Staats-Zeitung, 7. August 1999, S. 6.
[2]»the first scholarly history of this ancient people viewed as a Western minority«
[3]»an important work of historical and social scholarship«
[4]Donald Kenrick, Grattan Puxon, Sinti und Roma - die Vernichtung eines Volkes im NS-Staat, Reihe pogrom, Nr. 69/70, Gesellschaft für bedrohte Völker, Postfach 159, Göttingen 1981, S. 135.
[5]Diess., The Destiny of Europe's Gypsies, Sussex University Press, London 1972, S. 185.
[6]Ebenda, S. 183f.
[7]Udo Walendy, »Zigeuner bewältigen 1/2 Million«, Historische Tatsachen Nr. 23, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1985.
[8]Otward Müller, »Zum Schicksal der Zigeuner Europas«, Der Deutschamerikaner, Juni 1982, S. 5, Chicago, IL; sowie: Deutsche National-Zeitung, München, 34. Jahrgang, 27. April - 25. Mai 1984, Nr. 18-22.
[9]Brief an den Verfasser vom 14.7.1980.
[10]»There is also an organization of Gypsies, they claim reparation from the Germans as it is true that about 500,000 Gypsies were killed [...]«; Brief an den Verfasser vom 24.9.1980.
[11]»Or do you know the origin of this number?«, Brief des Verfassers an Mme. Novitsch, 26.10.1980.
[12]Brief an den Verfasser vom 7.7.1980.
[13]Christian Bernadac, L'Holocauste oublie - Le massacre de tsiganes, Ed. France-Empire, Paris, 1979.
[14]Brief des IfZ an den Verfasser vom 11.8.1980.
[15]»The total number of Gypsies killed by the Nazis is estimated at about 200.000.«; Brief an den Verfasser vom 9. Juni 1980.
[16]Brief an den Verfasser vom 27. Juni 1980
[17]Martin Gilbert, The Holocaust, Holt, Reinhard, Winston, New York 1985, S. 824.
[18]Antwort der Schriftleitung Die Welt an den Verfasser, Bonn, 7.12.1980.
[19]Postkarte an den Verfasser vom 9.12.1980.
[20]Tilman Zülch, In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt, rororo 4430, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979.
[21]Donald Kenrick, Grattan Puxon, Tilman Zülch, Die Zigeuner - verkannt - verachtet - verfolgt, Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, Hannover 1980, S. 125.
[22]Helmut Kohl, Rede des Bundeskanzlers zur Lage der Sinti und Roma. 171. Sitzung des Deutschen Bundestages am 7. November 1985. Sonderdruck, verteilt vom Bundeskanzleramt.
[23]B16-17/87, 18. April 1987, S. 31-45.
[24]Roman Herzog (Bundespräsident), Rede zur Eröffnung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg am 16. März 1997. Bulletin, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 19. März 1997, Nr. 234, S. 259.
[25]AaO. (Anm. 21), S. 37.
[26]Grattan Puxon, in T. Zülch, aaO. (Anm. 20), S. 33.
[27]Rene Wagner, »Sagen, was gewesen ist - Roma Ausstellung in Mainz«, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Januar 1993, S. 7.
[28]»Recent scholarship now indicates that more than a million Gypsies were murdered in the Third Reich, and that estimate rises as our research continues [...]«
[29]»The number of Gypsies in Europe has been roughly estimated at 750.000« Stichwort "Gypsies«, S. 591, Band 13.
[30]»The number of Gypsies in Europe was estimated before World War II at anywhere from 750.000 to 1.000.000 or 1.500.000 ...«
[31]Stephen Kinzer, »Germany Cracks Down; Gypsies Come First«, The New York Times, 27. September 1992, S. E5.
[32]T. Zülch, aaO. (Anm. 20), S. 45.
[33]Ebenda, S. 44.
[34]Ebenda, S. 54; vgl. AP, »Hungary's Gypsies form self-government«, Daily Gazette (Schenectady, NY), 11.4.1995:
»According to legislation on minorities, Hungary has an estimated gypsy population of almost half a million but unofficial estimates put the population at twice that.«
[35]Grattan Puxon, in T. Zülch, aaO. (Anm. 20), S. 44f., 54.
[36]Vgl. dazu Klaus Sojka, »Wo ist der "Himmler-Befehl"?«, Deutsche National-Zeitung, 13.8.1999, S. 10; siehe auch die Rezension von I. Schirmer-Vowinckel in diesem Heft.
[37]Zeitschrift für Kulturaustausch, 31. Jahrgang, 1981, Heft 4, Seite 418, Stuttgart.
[38]Maximilian Czesany, Alliierter Bombenterror - Der Luftkrieg gegen Europas Zivilbevölkerung, Druffel, Leoni am See 1987, S. 650.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 437-442.


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