
Deutsche Zwangsarbeit und ihre Entschädigung
Ein endlich zu lösendes Nachkriegsproblem
Von Prof. Emil Schlee
Die in die Öffentlichkeit getragene Diskussion um die Entschädigung ehemaliger KL-Insassen und Zwangsarbeiter zeichnet sich nicht nur dadurch aus, daß Fakten ausgeblendet und Legenden und Greuelgeschichten zur Wirklichkeit erhoben werden. Sie ist vielmehr noch weitaus mehr gekennzeichnet durch eine kaum zu überbietende Parteilichkeit und Einseitigkeit. Wie üblich wird auch hier wieder einmal übersehen, daß das deutsche Volk, das seit 5 Jahrzehnten die Zeche für die sogenannte Wiedergutmachung zu zahlen hat, selbst noch viel mehr unter den Unrechtstaten der Siegermächte und ihrer Verbündeten gelitten hat. Nachfolgend wird das ungesühnte, ja noch nicht einmal als solches öffentlich zu Kenntnis genommene Unrecht der völkerrechtswidrigen Verschleppung und Zwangsarbeit von Millionen deutscher Männer, Frauen und Kinder aufgezeigt und eine minimale Wiedergutmachungssumme für dieses Unrecht errechnet.
1. Das Kreuz der "Einäugigkeit" in geschichtlicher "Vergangenheitsbewältigung"
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Deutsche Kriegsgefangene in[13] |
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|
Großbritannien |
3.635.000 |
|
|
USA |
3.097.000 |
|
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UdSSR |
3.060.000 |
|
|
Frankreich |
937.000 |
|
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Jugoslawien |
194.000 |
|
|
Polen |
70.000 |
|
|
Belgien |
64.000 |
|
|
CSSR |
25.000 |
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Niederlande |
7.000 |
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Luxemburg |
5.000 |
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Insgesamt |
11.094.000 |
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Davon im Osten |
3.349.000 |
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Davon im Westen |
7.745.000 |
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(Ohne Zivilinternierte) |
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Kriegsfangenenlager in |
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Kanada |
50 |
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USA |
450 |
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USA (in Deutschland) |
463 |
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Norwegen |
97 |
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Großbritannien |
284 |
|
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brit. Lager in Deutschland |
160 |
|
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Polen |
1,005 |
|
|
Frankreich |
650 |
|
|
Belgien |
30 |
|
|
CSSR |
1,409 |
|
|
Rumänien |
207 |
|
|
Jugoslawien |
1,094 |
|
|
Ungarn |
112 |
|
|
Italien |
97 |
|
|
Bulgarien |
25 |
|
|
Algerien |
11 |
|
|
Libyen |
10 |
|
|
Ägypten |
39 |
|
|
UdSSR |
2,125 |
|
|
Australien |
9 |
|
|
Insgesamt: |
|
|
Winfried Martini begann die Einleitung seines aufschlußreichen Buches Der Sieger schreibt die Geschichte. Anmerkungen zur Zeitgeschichte mit dem Satz:[1]
»Es gehört zu den faszinierenden Phänomen unserer Zeit, in welchem Ausmaß eine militärische Niederlage die Geschichtsschreibung und das allgemeine Geschichtsbewußtsein beeinflußt und der Sieger von moralischen Urteilen verschont bleibt.«
Diese Erfahrung gehörte in diesem 20. Jahrhundert zum Alltag der Deutschen. Ein Jahrhundert, das nicht, wie Prof. Eberhard Jäckel meint, »Das deutsche Jahrhundert«[2] war, sondern, wie Prof. Arnulf Baring zu Recht gegenfragt:[3]
»War unser Jahrhundert nicht geprägt vom Aufstieg der Vereinigten Staaten zur schließlich einzigen Weltmacht? [...] Wie man es auch dreht und wendet: [...] es war überhaupt nicht das unsere, weder im Guten noch im Bösen.«
Aber, im »Bösen« vereint, schuf man seit Abtreten Otto von Bismarcks 1890 in aller Stille und groß angelegter Planung mit unüberbietbarer zerstörerischer Absicht und Zielsetzung eine Anti-Deutsches-Reich-Koalition, die das Deutsche Reich Bismarcks zerschlagen, das deutsche Volk für immer vernichten und die überlegene Wirtschaftskonkurrenz Deutschlands endgültig aus der Welt schaffen sollte. Um dieses Ziel zu erreichen, war jedes Mittel recht.
Die zentrale Figur dieses Jahrhundertkonzepts mit universalem Sendungsbewußtsein war der langjährig regierende amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt (1882-1945), der von 1913-1920 Stellvertretender Marineminister und von 1933-1945 Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika war, also gerade zu Zeiten der beiden Weltkriege großen Einfluß hatte. Er organisierte die größte Kriegsmaschinerie der Weltgeschichte,[4] die dieses Jahrhundert in zwei Weltkriegen (oder auch im "Dritten Dreißigjährigen Krieg") überrollte, gleichgültig, ob es die übrige Welt wollte oder nicht. Daher stehen am Ende dieses Jahrhunderts noch seine Truppen in unserem Land, ist die Bundesrepublik Deutschland durch zahlreiche Zwänge belastet und schreibt der Sieger die Geschichte. Letztere überbürdet uns in erkennbarer Einseitigkeit mit Schuld und Schulden, Forderungen und Zahlungen, in deren Folge in letzter Zeit auch Entschädigungsansprüche für in Deutschland geleistete Zwangsarbeit in größerer Zahl angemeldet oder gerichtlich eingeklagt werden. Vorgeschichte und Vorgänge der weltgeschichtlichen Ereignisse im 20. Jahrhundert zeigen bei wissenschaftlicher Überprüfung, daß die Alleinkriegsschuldvorwürfe und davon abgeleiteten maßlosen Forderungen und rechtlichen Übergriffe unhaltbar sind.[5]
Abgesehen von der Tatsache, daß »das erste Opfer im Krieg stets die Wahrheit ist«,[6] für Deutschland leider nach Beendigung des Krieges noch bis zur Gegenwart gültig geblieben, zeigen doch das allgemeine Kaschieren der eigenen Schuld durch die Siegermächte und die auf Dauer angelegten, zynisch-heuchlerischen Schuldzuweisungen an Deutschland in diesem Jahrhundert einen Abgrund menschlichen Versagens, das keine Grundlage für eine friedliche Zukunft sein kann und über kurz oder lang durch die geschichtliche Wahrheit eingeholt werden wird! Zu Recht stellt der deutsche Dichter und Dramatiker Friedrich Hebbel (1813-1863) im 1. Band seiner bekannten Tagebücher fest:[7]
»Es gibt nur eine Sünde, die gegen die ganze Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte!«
Aus Hunderten von Zeugnissen, Dokumenten und wissenschaftlichen Arbeiten, die gegen eine Alleinschuld Deutschlands an den Weltkriegen sprechen, seien hier nur zwei erwähnt. Der US-Historiker Prof. H.E. Barnes stellte hinsichtlich der Kriegsschuldfrage zum Ersten Weltkrieg fest:[8]
»Deutschland ist von allen kriegsführenden Mächten die einzige gewesen, die am Ausbruch des Krieges überhaupt keine Schuld trägt«
Und der polnische Staatssekretär im Außenministerium, Graf Szembek, sagte am 11. April 1935 zum US-Botschafter W.C. Bullitt:[9]
»Wir sind Zeugen einer Angriffspolitik der Welt gegen Hitler, mehr noch als einer aggressiven Politik Hitlers gegen die Welt.«
Immerhin offenbarte auch der ehemalige Außenminister USAmerikas, Henry A. Kissinger, in einer WamS-Kolumne am 1. März 1992:[10]
»Zweimal im Zeitraum von nur einer Generation führte Amerika Kriege, weil amerikanische Staatsführer davon überzeugt waren, daß die Vorherrschaft einer einzelnen feindseligen Macht in Europa eine Bedrohung der amerikanischen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen darstellte. An dieser Realität hat sich nichts geändert.«
Freimütig ließ uns ein Cousin des gegenwärtigen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore, der US-Schriftsteller Gore Vidal, am 3. Januar 1997 in einem Interview mit der Berliner Zeitung wissen:[11]
»Wir haben 1945 angefangen, uns den Globus zu erobern. Die NATO wurde nicht eingerichtet, um die armen Europäer vor den Russen zu schützen, sondern um die totale Kontrolle über Westeuropa zu erlangen.«
Deutschland spürt in der immer noch friedensvertragslosen Nachkriegszeit im besonderen Maße Belastung und Herausforderung dieser Kontrolle! Diese Lage erklärt auch die ständigen Entschädigungsforderungen aus aller Welt gegenüber der Bundesrepublik Deutschland, die sich argumentativ nicht ausreichend dagegenstellt.
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Zahl der erlebten Gefangenschaftstage |
|
Zahl der Arbeitstage deutscher Kriegsgefangener |
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|
Jahr |
in östlichem Gewahrsam |
in westlichem Gewahrsam |
|
Jahr |
in östlichem Gewahrsam |
in westlichem Gewahrsam |
Insgesamt |
|
1941 |
2.422.000 |
1.740.000 |
|
1941 |
- |
- |
- |
|
1942 |
40.050.000 |
6.383.000 |
|
1942 |
23.013.600 |
- |
23.013.600 |
|
1943 |
65.154.000 |
32.800.000 |
|
1943 |
33.052.875 |
2.339.475 |
35.392.350 |
|
1944 |
158.647.000 |
140.111.000 |
|
1944 |
81.989.325 |
10.964.700 |
92.954.025 |
|
1945 |
644.725.000 |
1.538.093.000 |
|
1945 |
317.337.375 |
118.856.700 |
436.194.075 |
|
1946 |
502.850.000 |
736.463.000 |
|
1946 |
340.344.150 |
257.233.500 |
597.577.650 |
|
1947 |
396.794.000 |
325.965.000 |
|
1947 |
286.095.300 |
170.410.575 |
456.505.875 |
|
1948 |
265.645.000 |
65.747.000 |
|
1948 |
196.648.425 |
32.463.150 |
229.111.575 |
|
1949 |
116.842.000 |
- |
|
1949 |
90.246.150 |
- |
90.246.150 |
|
1950 |
12.763.000 |
- |
|
1950 |
9.643.875 |
- |
9.643.875 |
|
Summe |
2.205.892.000 |
2.847.302.000 |
|
1951-1956 |
28.731.600 |
- |
28.731.600 |
|
|
|
|
|
Summe |
1.407.102.675 |
592.268.100 |
1.999.370.775 |
2. Es gab auch Millionen deutsche Zwangsarbeiter!
Im Gegensatz zum Thema "Zwangsarbeit im Dritten Reich" gibt es kaum Untersuchungen über "Zwangsarbeit deutscher Kriegsgefangener und Zivilinternierter im Ausland" (siehe Tabellen).[13]
Es ist erschütternd, mit welcher Einäugigkeit neben Themen wie Kriegsschuld, Überfalltheorien, Deutsche Wehrmacht, Weltmachtpläne nun auch das Thema "Zwangsarbeit und Entschädigung" behandelt wird. Auffallend dabei das fehlende Bemühen, das spezielle Thema "Zwangsarbeit" in einem zeitgeschichtlichen Rahmenvorgang im Sinne gleichartiger Vorgänge in fast allen kriegsbeteiligten Ländern zu sehen sowie dabei grundsätzlich von der längst überholten Alleinkriegsschuldthese gegenüber Deutschland auszugehen. Unsere Zeitgeschichtler haben manche erdrutschartigen Veränderungen in der Weltkriegsgeschichte dieses Jahrhunderts zum Teil noch gar nicht registriert. Für sie scheint auch das Millionenheer deutscher Zwangsarbeiter von fast zwölf Millionen deutschen Soldaten und 1,7 Millionen verschleppten deutschen Zivilpersonen in 20 verschiedenen Gewahrsamsstaaten zum Teil mit mehr als zehnjährigen Zwangsaufenthalten in diesen Ländern überhaupt kein Thema zu sein. Da spricht man von einem der größten NS-Verbrechen, das noch ungesühnt sei, »obwohl schon in den Nürnberger Prozessen einer der vier Hauptanklagepunkte auf "Sklavenarbeit" lautete« (vgl. F.A.Z. vom 31. März 1999, S. 51), ohne zu bedenken, daß die Richter der Tribunale aus Ländern stammten, in denen zeitgleich solche "größten Verbrechen" ebenfalls stattfanden. Oder es schreibt Prof. Ulrich Herbert (Freiburg) in einem ganzseitigen F.A.Z.-Beitrag (v. 16. März 1999, S. 54) mit der Überschrift »Das Millionenheer des modernen Sklavenstaats. Verschleppt, verschlissen, vergessen: Wer waren die Zwangsarbeiter des Dritten Reiches, und welches Schicksal erwartete sie?« bedenkenlos den Satz:
|
|
»Der nationalsozialistische Ausländereinsatz zwischen 1939 und 1945 stellt den größten Fall der massenhaften, zwangsweisen Verwendung von ausländischen Arbeitskräften in der Geschichte seit dem Ende der Sklaverei im neunzehnten Jahrhundert dar. Im Spätsommer 1944 waren auf dem Gebiet des "Großdeutschen Reiches" 7,6 Millionen ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene offiziell als beschäftigt gemeldet, die man größtenteils zwangsweise zum Arbeitseinsatz ins Reich gebracht hatte.«
Der Beitrag erweckt den Eindruck, als hätte es den "Sklavenstaat Sowjetunion" gar nicht gegeben, in dem Sibirien vom Ural bis zur Bering-Straße zum riesigen internationalen Friedhof von Toten aus mehr als 28 Nationen geworden war.[14] Auch in der fraglichen Zeit von 1939 bis 1945 und bis 1956 erreicht der "sowjetische Ausländereinsatz" einschließlich der deutschen Kriegsgefangenen und Zivilverschleppten ständig zweistellige Millionenzahlen, die in weit mehr als 2.000 Arbeits- und Todeslagern zum Teil unter primitivsten Lebens- und Lagerbedingungen Sklavenarbeit leisten mußten (z.B. Workuta).
Noch im Herbst 1955 waren es mehr als 20 Millionen Zwangsarbeiter.[15] Nach dem Kriege gab es in den besetzten Gebieten und überhaupt auch in den "Volksdemokratien" geradezu Verschleppungsrekorde zur Zwangsarbeit. Es gab geheime Sowjetbefehle, um z.B. 27.000 untertagearbeitsfähige Deutsche im Gebiet der DDR zu verhaften, und sie gegen arbeitsunfähige deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion auszutauschen.[16]
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Nicht oder beschränkt arbeitsfähige Heimkehrer[12] |
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|
Gewahrsamsland |
Heimkehr im Jahr-Monat |
Anzahl der Heim- |
nicht arbeits- fähig Prozent |
Durchgangs- bzw. Entlassungslager in Deutschland |
|
Großbritannien |
1948 Mär-Nov |
11.499 |
0 |
Hammelberg |
|
Frankreich |
1947 Mai-Jun |
370 |
28 |
Ulm-Kienlesberg |
|
|
1948 Feb-Mär |
310 |
44 |
Ulm-Kienlesberg |
|
|
Jul-Aug |
1.408 |
6 |
Ulm-Kienlesberg |
|
|
Okt-Nov |
5.615 |
0,l |
Ulm-Kienlesberg |
|
|
1949 Jan-Aug |
2.541 |
0 |
Ulm-Kienlesberg |
|
Sowjetunion |
1946 Aug |
24.126 |
66 |
Friedland |
|
|
Sep-Okt |
12.260 |
83 |
Fiedland |
|
|
1947 Mär-Jun |
|
90 |
Friedland |
|
|
1948 Feb-Dez |
16.794 |
62 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
Mär-Dez |
70.955 |
85 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Dez |
|
54 |
Friedland |
|
|
1949 Jan-Dez |
21.427 |
67 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
Jan-Feb |
390 |
36 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Jan-Feb |
|
40 |
Friedland |
|
|
Mai-Jun |
9.202 |
48 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Okt |
7.076 |
43 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Dez |
15.587 |
68 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Dez-1950 Apr |
|
70 |
Friedland |
|
|
Jan |
6.060 |
64 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Jan |
2.391 |
58 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
Apr |
1.729 |
69 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Feb-Sep |
1.159 |
99 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
Polen |
1948 Nov-Dez |
446 |
70 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
Dez |
1.446 |
86 |
Hof-Moschendorf |
|
|
1949 Feb |
1.421 |
77 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Mai-Jun |
2.016 |
51 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Okt |
419 |
82 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Feb.-Dez |
1.380 |
68 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
1950 Apr-Mai |
109 |
100 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
Apr |
138 |
65 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Jun |
17 |
80 |
Hof-Moschendorf |
|
|
1951 Apr |
85 |
60 |
Hof-Moschendorf |
|
Tschecho- slowakei |
1948 Sep-Dez |
1.421 |
46 |
Hof-Moschendorf |
|
Dez |
121 |
43 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
|
1950 Feb |
113 |
86 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
1954 Jan-Mär |
221 |
87 |
Hof-Moschendorf |
|
Jugoslawien |
1948 Nov-Dez |
2.309 |
48 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
Dez |
196 |
18 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Dez |
4.485 |
46 |
Ulm-Kienlesberg |
|
|
1949 Jan |
2.494 |
50 |
Ulm-Kienlesberg |
|
|
Jan-Feb |
650 |
58 |
Hof-Moschendorf |
|
|
Jan-Feb |
915 |
58 |
Hersfeld-Waldschanke |
|
|
Feb |
17 |
33 |
Ulm-Kienlesberg |
|
|
Aug |
19 |
74 |
Hersfeld-Waldschänke |
|
|
1950 Apr-Jun |
220 |
9 |
Ulm-Kienlesberg |
Bei den Westmächten war es vor allem Frankreich, das kriegsgefangene Deutsche völkerrechtswidrig zur Zwangsarbeit einsetzte. Tausende deutsche Landser in französischer Gefangenschaft kamen beim Minenräumen um oder erlitten grauenhafte Verstümmelungen.
Der wirkliche Reparationsgewinn habe nicht in Deutschlands industrieller Ausrüstung bestanden, notierte am 2. September 1946 das US-Nachrichtenmagazin Life, »sondern im deutschen Gehirn und in den deutschen Forschungsergebnissen«. Wissenschaftler wurden zum Teil »mit vorgehaltener Pistole oder mit Androhung von Kriegsverbrecherprozessen gezwungen«, für die Sieger zu arbeiten. 1947 waren 523 deutsche Wissenschaftler in den USA; ihre Anzahl sollte auf 1000 erhöht werden.[17]
3. Zusammenfassung und Aufforderung zur Gleichbehandlung deutscher Zwangsarbeiter
Zwangsarbeit der Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilpersonen
Die gesamte Zwangsarbeit nach dem Kriege, und das sind mindestens 90 Prozent der nachstehend dargestellten Leistungen, war ein beispielloser Bruch des Völkerrechts in der modernen Geschichte.
Leider wurde bis heute noch von keiner amtlichen deutschen Stelle diese Zwangsarbeitsleistung vollständig bewertet. Sie soll hier zum erstenmal unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten richtig dargestellt werden.[18]
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Gefangenschaftstage, an denen Zwangsarbeit geleistet wurde |
||
|
Durch |
|
|
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(A) Kriegsgefangene |
3.502.452.000 (3,5 Milliarden) |
|
|
Geleistet von 11,094 Millionen Kriegsgefangenen - in Oststaaten 3,349 Millionen Kriegsgefangenen - in Weststaaten, 7,745 Millionen Kriegsgefangenen. Davon starben in Gefangenschaft 1,5 Millionen davon in Oststaaten 1,335 Millionen. Insgesamt starb jeder 7. Kriegsgefangene in Gefangenschaft. Im Osten starben von fünf Gefangenen zwei in den Todeslagern. Die letzten Gefangenen kehrten 1956, elf Jahre nach Kriegsende, aus der Sowjetunion heim! |
||
|
(B) Zivilverschleppte |
3.805.000.000 (3,8 Milliarden) |
|
|
Geleistet von 1,7 Millionen, zum großen Teil 1945 verschleppten Volksdeutschen. Davon starben bis 1950 580.000 in den östlichen Todeslagern, - jeder dritte Verschleppte. |
||
|
Insgesamt Zwangsarbeitstage |
7.307.452.000 (7,3 Milliarden) |
|
|
Arbeitszeit: |
73.074.520.000 Std. (73 Milliarden) |
|
|
Die Gefangenen mußten mindestens zehn Stunden am Tag arbeiten, woraus sich diese Anzahl geleisteter Zwangsarbeitsstunden ergibt. |
||
|
Arbeitswert: |
730.745.200.000 DM |
|
|
Bewertet man die Stunde nach heutigem Wert mit minimal zehn DM, so ergibt sich allein aus der Zwangsarbeit diese Reparationsleistung! |
||
Das ist geradezu eine unvorstellbare Summe. Dazu eine Vergleichszahl: In der deutschen Industrie wurden 1985, von den Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten, von 4.769.000 Arbeitern 7.910.100.000 (7,9 Mrd.) Arbeitsstunden geleistet. Die Lohnsumme dafür betrug. 167,559 Mrd. DM (mittlerer Stundenlohn etwa DM 21,-).[19]
|
|
Die deutschen Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Zivilverschleppte, haben also nahezu das Zehnfache der Jahresleistung 1985 der Arbeiter in der deutschen Industrie erbringen müssen!
Nicht erfaßt werden konnte die Zwangsarbeit der Zivilverschleppten aus den von den Bolschewiken besetzten Gebieten des "Altreiches" und Österreichs. Es waren mehr als 100.000 Deutsche, die aus politischen Gründen deportiert wurden und die während der Gefangenschaft fast ausnahmslos ermordet wurden. Dasselbe gilt für die mehr als 100.000 Menschen, die in den russischen KZ der sowjetischen Besatzungszone inhaftiert waren. Die F.A.Z. v. 12.9.1987 schreibt aus Anlaß des Honecker-Besuches in der Bundesrepublik allein von 80.000 Ermordeten in Buchenwald nach 1945. Insgesamt haben mehr als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung jahrelang wider alles Völkerrecht Zwangsarbeit leisten müssen.[20]
Anmerkungen
Zuerst veröffentlicht in Deutsche Militärzeitschrift, Nr. 18, 1999, S. 21-26; Abbildungen: Archiv Prof. E. Schlee.
| [1] | W. Martini, Der Sieger schreibt die Geschichte. Anmerkungen zur Zeitgeschichte, München 1991, S. 10. |
| [2] | E. Jäckel, Das deutsche Jahrhundert. Eine historische Bilanz, Stuttgart 1996; in ähnlicher Weise auch Chr. Graf v. Krockow, Die Deutschen in ihrem Jahrhundert 1890-1990, rororo-Sachbuch 9195, Reinbek 1991. |
| [3] | A. Baring, Wem gehört das Jahrhundert?, Buchbesprechung über E. Jäckel, Das deutsche Jahrhundert, aaO. (Anm. 2), in: F.A.Z., 29.01.1997, S. 12. |
| [4] | Vgl. D. Bavendamm, Roosevelts Krieg 1937-45 und das Rätsel von Pearl Harbor, München, Berlin 1993; D. Kunert, Ein Weltkrieg wird programmiert. Hitler, Roosevelt, Stalin: Die Vorgeschichte des 2. Weltkriegs nach Primärquellen, Kiel 1984; C. B. Dall, Amerikas Kriegspolitik. Roosevelt und seine Hintermänner, Tübingen 1972; B. Colby, Roosevelts scheinheiliger Krieg. Amerikas Betrug und Propaganda im Kampf gegen Deutschland, Leoni 1977; H. Fish, Der zerbrochene Mythos, F. D. Roosevelts Kriegspolitik 1933-1948, Tübingen 1982; E. Schlee, Deutschland und die Kriegsschuldfrage. Die Behauptungen der Alleinkriegsschuld Deutschlands sind überholt, Rosenheim 1999; E. Schlee, Wessen Krieg war es denn nun eigentlich? Eine kleine Kriegsschuldfrage-Dokumentation; in: R. Uhle-Wettler, (Hg,), Wagnis Wahrheit. Historiker in Handschellen? Festschrift für David Irving. Kiel 1998, S. 97-121 |
| [5] | Ebenda; ergänzend noch: E. Schlee, Friedensbemühungen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, in: Deutsche Militärzeitschrift Nr. 17 (März 1999), S. 14-19. |
| [6] | US-Senator Hiram Johnson; zit. in: M. Baham, Kriegstrommeln. Medien, Krieg u. Politik, München 1996, S. 36. |
| [7] | Fr. Hebbel, Tagebücher, Bd. I. Wien 1885; zit. in: K. Peltzer, Das treffende Zitat. Gedankengut aus drei Jahrtausenden und fünf Kontinenten, Thun 1974, S. 259. |
| [8] | Zit. in: Ztschr. Nation Europa, H. 5/1954, S. 4. |
| [9] | Zit. in: E. Maier-Dorn, Alleinkriegsschuld, Großaitingen 1970, S. 149. |
| [10] | H. A. Kissinger, »Die Einigung Europas darf nicht auf Kosten der NATO erfolgen. Die Prämissen, aus denen die Atlantische Allianz ihre Existenzberechtigung ableitet, brechen zusammen.«, Welt am Sonntag, Nr. 9, 1. März 1992, S. 5. |
| [11] | Gore Vidal in einem Interview mit der Berliner Zeitung, Nr. 2/1997, 03.01.1997. |
| [12] | Statistisches Bundesamt, In: VdHD e.V. (Hg.), Die deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges, Bonn-Bad Godesberg. 1989. |
| [13] | In: Ztg. Ruhrwort, Jg. 21, Nr. 23, 9. Juni 1979, S. 3; Sonderdruck Bistum Essen: Was Heimkehrer nie vergessen werden. In Bochums "Dankeskirche" bleibt die Erinnerung wach. |
| [14] | D. Friede, Das russische Perpetuum Mobile, Würzburg 1959; vgl. insbesondere Kapitel »28 Nationen in den Zwangsarbeitslagern«: »Die Zahl der Sklaven ist achtstellig geworden.« »Die Sklaven-Reservoirs«; von grundsätzlicher Bedeutung die 22 Dokumentenbände der Wissenschaftlichen Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte, von 1957 bis 1974 unter Leitung von Prof. Dr. Erich Maschke erarbeitet: E. Maschke, (Hg.), Zur Geschichte der Deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges, Bielefeld 1962. Einleitung in Bd. I/1, S. VII-XX. |
| [15] | D. Friede, ebenda, S. 68; vgl. auch: St. Courtois, Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror, München, Zürich 1998; G. Schirmer, Sachsenhausen - Workuta. Zehn Jahre in den Fängen der Sowjets, Tübingen 1992; P. Carell, G. Böddecker, Die Gefangenen. Leben und Überleben deutscher Soldaten hinter Stacheldraht, Darmstadt 1980; G. Frey, Deutschlands Ausplünderung, München 1993; Verband der Heimkehrer, G. Berndt (Vors. Ltr.), Die deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Ein geschichtlicher Abriß in Fakten, Bonn-Bad Godesberg 1989; Deutsches Rotes Kreuz-Suchdienst (Hg.), Zur Geschichte der Kriegsgefangenen im Westen. USA - Großbritannien - Frankreich - Belgien - (Schweden), Bonn 1962; L. Peters, Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen. Wir haben Euch nicht vergessen!, Tübingen 1995 (hieraus auf S. 476 und S. 394 die Titelkopfabbildungen); H.H. Meyer, Kriegsgefangene im Kalten Krieg. Die Kriegsgefangenenpolitik der Bundesrepublik Deutschland im amerikanisch-sowjetischen Machtkampf von 1950-1955, Osnabrück 1998. |
| [16] | A.E. Epifanow, H. Mayer, Die Tragödie der deutschen Kriegsgefangenen in Stalingrad von 1942-1956 nach russischen Archivunterlagen, Osnabrück 1996, S.204. |
| [17] | Vgl. G. Frey, aaO. (Anm. 14), S. 240. |
| [18] | Zahlenangaben aus: »Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges«, Band XV, S. 191 ff., Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1974, und Gerhard Reichling »Die Deutschen Vertriebenen in Zahlen«, Kulturstiftung des Deutschen Volkes, Bonn 1986. Die statistischen Angaben werden nach sinnvollen wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufbereitet. |
| [19] | Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1986, S. 178. |
| [20] | Karl Baßler, »Die Ausraubung des Deutschen Volkes«, Huttenbriefe, Folgen 1, 2 und 3/1988, Stockstadt. |
Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 372-376.
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