Peenemünde und Los Alamos

Zwei Studien

Von Dr. Donald E. Tarter

Der Zweite Weltkrieg brachte zwei großartige und erinnerungswürdige wissenschaftliche und technologische Mannschaften hervor: Das deutsche Raketenteam in Peenemünde unter der Führung von Dr. Wernher von Braun und das amerikanische Atombombenteam in Los Alamos unter der Leitung von Julius Robert Oppenheimer. Zusammengenommen schufen die Beiträge dieser beiden Mannschaften in der Nachkriegszeit die Möglichkeit zur Führung eines interkontinentalen Atomkrieges. Diese Mannschaften, die in verschiedenen Ländern unter radikal unterschiedlichen politischen Systemen wirkten, hatten während des Krieges und danach mit massiven politischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Jedes Team mußte auf seine Weise mit seinen Taten leben, mußte Verdächtigungen der Öffentlichkeit erdulden und wird das Urteil der Geschichte über sich ergehen lassen müssen. Der nachfolgende Beitrag basiert einerseits auf 13 Stunden umfassende Interviews mit den Mitgliedern von von Brauns Peenemünde-Team und andererseits auf der Analyse von einige Stunden umfassende Videos von Mitgliedern von Oppenheimers Los-Alamos-Team. Es werden die bedeutsamen Unterschiede in der Umgebungen und bezüglich des Druckes aufgezeigt, unter denen beide Mannschaften ihre Arbeit leisteten.


Einführung

Gegen Ende des Jahres 1982 leitete die "Nazi-Jäger"-Abteilung des US-Justizministeriums OSI (Office of Special Investigations) eine Serie von Anhörungen gegen Arthur Rudolph ein, einem ehemaligen Mitglied von von Brauns Raketenteam. Rudolph war als Projektmanager der Saturn V Rakete einer der zentralen Persönlichkeiten im amerikanischen Apollo-Mondlandeprogramm gewesen. Er hatte damals seinen bisherigen Wohnsitz in Huntsville (Alabama), also beim Forschungsgelände des George C. Marchall Space Flight Center, aufgegeben und wohnte in San Jose, Kalifornien.

Während des ganzen Jahres 1983 setzte das OSI seine Ermittlungen fort und informierte Rudolph gegen Ende des Jahres, daß es glaube, genügend Beweise gesammelt zu haben, die ihn mit Kriegsverbrechen in den deutschen Raketenfabriken des Zweiten Weltkrieges in Dora-Mittelbau in Verbindung brachten, einer damaligen Zwangsarbeiterfabrik im Harz. Das OSI drohte Rudolph mit einer Strafverfolgung und Anklage, es sei denn, er unterzeichne eine Verpflichtungserklärung, nach der er seine US-Staatsbürgerschaft ablege und das Land verlasse. Vor der qualvollen Entscheidung stehend, ein langes und teures Gerichtsverfahren auf sich zu nehmen oder dem Ansinnen des OSI zu genügen, entschied sich Dr. Rudolph im November 1983, die Vereinigten Staaten zu verlassen. Am 27. März 1984 bestiegen seine Frau und er ein Flugzeug in San Francisco gen Deutschland.

Die Entscheidung im Fall Rudolph verbitterte viele von Rudolphs ehemaligen Kollegen und viele seiner Mitstreiter im US-Raumfahrtprogramm. Im Frühjahr 1989 versuchten einige seiner Freunde und Kollegen in Huntsville, die US-Regierung dazu zu bewegen, angesichts des bevorstehenden 20. Jahrestages der ersten Mondlandung im Juli 1989 die Rückkehr von Dr. Rudolph zu erreichen. Dieser Versuch schlug fehl.

Ein 1989 erschienener Leitartikel der Huntsville Times bemerkte, daß Rudolph sich entschieden habe, die USA zu verlassen, weil es eine Möglichkeit der Strafverfolgung gab und daß er befürchte, seine Pensionsansprüche zu verlieren, falls diese Strafverfolgung erfolgreich sei und er aus dem Lande deportiert werde. Der Leitartikel fügte hinzu:[1]

»Es wurde nie festgestellt, wo in dieser Angelegenheit Recht und Gerechtigkeit liegen. Der alternde Rentner entschloß sich, sich zu fügen, anstatt zu kämpfen. Die westdeutsche Regierung hat mitgeteilt, sie fände keine Beweise, um ihn zu verfolgen.

[...Dies ] läßt die Frage nach der grundlegenden Gerechtigkeit im Falle Rudolph unbeantwortet. Natürlich kann die Entscheidung des OSI revidiert werden. Rudolph hat das Recht, diese Entscheidung vor Bundesgerichten anzufechten, was er aber bis dato nicht getan hat. Und sein Dilemma ändert sich dadurch nicht: Der Beschluß eines Gerichtes zur Aufhebung seiner freiwilligen Aufgabe der Staatsangehörigkeit würde auch das OSI von seinen Verpflichtungen entbinden. Wenn er diesen Fall also neu vorbringt, würde Rudolph Strafverfolgungen ausgesetzt werden mit der möglichen Ergebnis der Deportation und dem Verlust seiner Pensionsansprüche.«

Ende 1983/Anfang 1984 begannen Herr Konrad K. Dannenberg und ich ein Projekt an der Universität von Alabama in Huntsville, das die niedergelegten Erinnerungen der Mitglieder von Wernher von Brauns Peenemünder Raketenteam ergänzen sollte. Dannenberg selbst ist ein ehemaliges Mitglied dieses Teams. Beim ersten erfolgreichen Start der A-4-Rakete im Oktober 1942 (später als V-2 bezeichnet) war er als Triebwerksingenieur tätig. Neben anderen Aufgaben diente er später in den USA als Vizedirektor des Saturn-V-Programms am George C. Marchall Space Flight Center. Wir beide waren sehr daran interessiert, die frühen Erinnerungen der deutschen Raketenfachleute festzuhalten, als auch daran, von diesen Pionieren Anmerkungen über die Zukunft der Raumfahrt zu erhalten. Unser Projekt erhielt daher den Titel »Unsere Zukunft im Weltraum: Nachrichten vom Anfang« (Our Future in Space: Messages from the Beginning).

Als Soziologe war ich zudem daran interessiert, die menschlichen Reaktionen auf die Bedingungen nachzuvollziehen, unter denen die wissenschaftliche und technische Arbeit im diktatorischen Umfeld NS-Deutschlands geleistet wurde. Damals wurde eine epochale Arbeit geleistet. Es war eine Arbeit, mit der sprichwörtlich das Raumfahrtzeitalter eingeläutet wurde. Während die populäre Vorstellung vorherrscht, das Raumfahrtzeitalter habe mit dem berühmten Start der sowjetischen Sputnik-Sonde am 4.10.1957 begonnen, so wurde das erste von Menschenhand gemachte Objekt tatsächlich 15 Jahre und einen Tag früher in den Raum katapultiert, nämlich am 3.10.1942. Dieses Objekt war die deutsche A-4-Rakete, die vom Testgelände in Peenemünde aus gestartet wurde und eine Höhe von 50 km über der Erdoberfläche erreichte und eine Reichweite von 192 km hatte.

Es war daher an einem heute fast vergessen Ort, wo die Menschheit ihr ultimatives Abenteuer in den Kosmos hinein begann. Als Realist weiß ich, daß die Antriebskraft bei der Entwicklung vieler menschlichen Technologien der militärische Vorteil ist, den man sich davon erhofft. Als Idealist bin ich aber ein Gegner der Verwendung der Wissenschaft zur Ausweitung der menschlichen Destruktivität. Und als Verhaltenswissenschaftler möchte ich verstehen, wie Menschen, die durch eine exquisite wissenschaftliche und technologische Ausbildung kultiviert wurden, dazu gebracht werden konnten, der Tyrannei und Unterdrückung zu dienen.

Wernher von Braun,* 23.3.1912, † 16.6.1977. Hier vor einer Saturn V Rakete. Tragisch verwickelt in die Ereignisse des Dritten Reiches, blieb er doch ein Visionär und Träumer sein Leben lang.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang genoß ich das Privileg, mit vielen Mitgliedern des von-Braun-Teams Umgang pflegen zu dürfen als Nachbar oder auch als Wissenschaftler, der sich für die soziologischen Auswirkungen des Raumfahrtzeitalters interessiert. Der Umgang mit diesen Herren, die am Anbeginn des Raumfahrtzeitalters standen, hat mir, so glaube ich, einige Einsichten in die zuvor gestellte Frage gegeben. Es ist im besten Falle immer schwierig gewesen, mit ihnen diese Frage zu diskutieren. Selbst in der entspanntesten Atmosphäre ist dieses Thema kein Objekt einfacher Überlegungen. Ich hatte gehofft, daß das Aufnehmen der Erinnerungen des wissenschaftlichen und technischen Schlüsselpersonals von Peenemünde auf Video in der Lage ist, Antworten auf schwierige und sensible moralische und politische Fragen zu finden. Die Nachrichten zum Fall Rudolph sowie die Tatsache, daß das Justizministerium auch gegen andere Mitglieder des ursprünglichen Raketenteams ermittelte, legte sich wie ein Schleier über alle Diskussionen. Viele dieser Gruppe, die sich ursprünglich zu stundenlangen Videoaufnahmen bereit erklärt hatten, erklärten, daß sie angesichts der herrschenden Atmosphäre von Gerüchten und Verdächtigungen kein Einverständnis für ein solches Interview zu geben wünschten. Damals kontaktierten mich Fernsehgesellschaften und Zeitungen in dem Bemühen, Material zu bekommen, das dazu genutzt werden konnte, ihre eigenen Berichte über die möglichen Verbindungen des Peenemünde-Teams mit NS-Greueln zusammenzustellen. Einige Mitglieder dieser Gruppe, die sich für die Aufnahme von Interviews entschieden hatten, machten zur Bedingung für ihr Erscheinen, daß sie über die Geschichte und Verlauf der technologischen Entwicklung sprechen würden, daß sie aber keine politisch sensiblen Themen diskutieren würden. Obwohl die Umstände unser Projekt sehr erschwerten, gelang es uns doch, mit einen Zuschuß der Universität von Alabama in Huntsville und mit der Unterstützung des Alabama Public Television Network Interviews von etwa einem Dutzend Mitgliedern der ursprünglichen Peenemünder Raketenmannschaft in der Gesamtlänge von 13 Stunden Video aufzunehmen. Aus den oben erwähnten Gründen beziehe ich mich jedoch nachfolgend mehr auf Informationen, die ich durch meinen 20-jährigen Umgang mit den Mitgliedern des Peenemünder Teams erhalten habe, als auf die während der Videointerviews gemachten Anmerkungen.[2]

Zeitlich parallel zur Aufzeichnung der Erinnerungen der Peenemünder Pioniere führte ich mit einigen meiner Studenten eine tiefgehende Analyse der Erfahrungen des Atombombenteams von Los Alamos durch, das von dem späteren Dr. J. Robert Oppenheimer geleitet wurde. Durch die ausführliche Suche nach Literatur und die Analyse von einigen Stunden auf Video aufgenommener Interviews haben wir etwas zusammengetragen, was unserer Auffassung nach einige interessante Vergleiche ermöglicht zwischen den Erfahrungen der Mitglieder des Los Alamos Projekts und denen, die in Peenemünde arbeiteten. Wir meinten, daß ein derartiger Vergleich die ganze Frage nach der moralischen und politischen Einstellung jener Personen in Peenemünde vielleicht etwas schärfer hervortreten lassen könnte. Ich hatte zudem zwei Gründe für einen derartigen Vergleich. Erstens haben die Errungenschaften dieser beiden Mannschaften zusammengenommen das Zeitalter ermöglicht, in dem ein interkontinentaler Atomkrieg möglich ist. Zweitens waren dies Ziele, die nicht mit den Motiven übereinstimmen, die sie in ihrer Jugend antrieb.

Die jungen Männer, die später nach Peenemünde gingen und dort das Raumfahrtzeitalter einläuteten, träumten vom interplanetaren Raumflug. Fast alle, mit denen ich gesprochen habe, haben ausdrücklich die Begeisterung und Erregung erwähnt, mit der sie den frühen deutschen Science Fiction Film Frau im Mond gesehen hatten. Dieser Film von Fritz Lang, in enger Zusammenarbeit mit dem rumäniendeutschen Raumfahrtpionier Hermann Oberth gedreht, regte eine ganze Generation junger Idealisten dazu an, eine Karriere in der Raumfahrttechnologie anzustreben. Auf ähnliche Weise hatten auch die jungen Männer, die später nach Los Alamos gingen, um das Atomzeitalter einzuläuten, ihre Schlüsselerlebnisse, die sie aufrüttelten. Der junge Oppenheimer war von einer ihm geschenkten Schachtel mit Mineralien derart gefesselt, daß er kurze Zeit später die Felsformationen des Central Park in New York City untersuchte. Bereits mit 11 Jahren wurde er im New York Mineralogical Club aufgenommen. Der junge Edward Teller wurde durch die Werke von Jules Verne für die Reize der Wissenschaft gewonnen. Der junge Leo Szilard zeigte eine fast vorausschauende kindliche Faszination für die klassische ungarische Novelle des Pessimismus Die Tragödie des Menschen, was womöglich teilweise ursächlich ist für seinen späteren lebenslangen Kampf gegen die nukleare Tragödie.

Die Jugendträume und -erwartungen dieser Männer beinhalteten nicht die Entwicklung von Vernichtungswaffen. Sie hofften vielmehr, als Erwachsene die Naturgesetze verstehen und in den interplanetaren Raum reisen zu können. So wie die Welt allerdings war, verlangte sie, daß sie ihr edles Streben weniger edlen Zielen unterwarfen. Obwohl sie sich aufmachten, an die Grenzen menschlicher Erkenntnis vorzustoßen, so konnten sie doch nicht den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Mächten ihrer Zeit entfliehen. Ihre Träume wurden beiseite geschoben und ihre beruflichen Talente wurden umgeleitet zur Herstellung von Mitteln für Tod und Vernichtung. Welche Änderungen sind erforderlich, um eine derartig schreckliche Wandlung des eigenen Lebenssinns zu bewerkstelligen? Die Suche auf eine Antwort auf diese Frage führte mich dazu, die Erfahrungen dieser beiden Gruppen zu untersuchen.

Die Mitglieder dieser Gruppe machten alle eine frühe Erfahrung, die eine zunehmende Anzahl von Wissenschaftlern und Technologen in unserer heutigen Zeit machen muß. Ausgehend von der in Peenemünde und Los Alamos in Gang gesetzten Entwicklung hat die Welt heute eine globale militarisierte Kultur entwickelt. Ein nicht unerheblicher Teil der Wissenschaftler und Technologen, die ausgebildet wurden, um in der Wirtschaft dieser modernen Welt teilzunehmen, finden sich in einer Lage wieder, wo die Hauptaufgabe ihrer Anstellung und Karriere darin besteht, der internationalen Waffenindustrie zu dienen. Weil die Nationen dieser Welt ihre Ressourcen zur Gewinnung militärischer Überlegenheit plündern, bleiben viele produktivere und hoffnungsvollere Aufgaben der Menschheit unerledigt oder werden verzögert. Die Erfahrungen jener Männer von Peenemünde und Los Alamos kann uns vielleicht ein besseres Verständnis von jenen Kräfte vermitteln, die die Wissenschaft und die Wissenschaftler zunehmend dazu bringen, zerstörerischer Ziele zu verfolgen.

Los Alamos und Peenemünde: unverzerrt betrachtet

Um eine bessere Einsicht durch den Vergleich von Los Alamos und Peenemünde zu erhalten, ist es wichtig, die Kräfte zu bedenken, die die beiden Gruppen jeweils zusammengeführt hat. Nur wenige der Mitglieder haben im voraus eine Karriere im militärischen Komplex ihrer jeweiligen Länder angestrebt. Letztlich aber kamen alle zu dem Schluß, daß das Militär ihr primärer Karriereweg sein würde.

Im Falle der Peenemünde-Mannschaft standen viele ihrer Mitglieder jenen kleinen deutschen Raketen Gesellschaften wie dem Verein für Raumschiffahrt (VfR) nahe, die in den späten 20er Jahren gegründet worden waren.[3] Obwohl diese Vereine in jenen Jahren nicht ernst genommen wurden, wurden sie doch aufgrund der faszinierenden Möglichkeiten des interplanetarischen Raumfluges zum Objekt des öffentlichen Interesses.

Viele Berichte über deutsche militärische Entwicklungen vor dem Zweiten Weltkrieg legen nahe, daß das Konzept hochsteigender Raketen den deutschen Offizieren attraktiv erschien, da dies ein legaler Weg sein konnte, die Beschränkungen zu umgehen, die das Versailler Diktat dem Deutschen Reich hinsichtlich der Artillerie auferlegt hatte.[4] Obwohl dies freilich eine Rolle gespielt haben wird, mag aber daran erinnert sein, daß die Entwicklung einer potentiell "illegalen" Artillerie bereits seit einer Weile betrieben wurde. In den Worten von Dr. Georg von Tiesenhausen:[5]

»Als ich im Jahr 1936 eingezogen wurde, war die 8,8cm Flugabwehrkanone bereits entwickelt worden, einschließlich ihres fortschrittlichen halbautomatischen Reichweitensuchers sowie des Geschwindigkeits- und Richtungsanzeigers. Dies war ein überlegenes Meisterstück technischer Entwicklung, die viele Jahre vorher begonnen worden sein muß.«

Tatsächlich hat Dr. Gerhard Reisig betont:[6]

»Die Entwicklung der "88" (wie sie gewöhnlich genannt wurde) begann schon 1929, in der Weimarer Republik. Ihre Verwendung als Ersatz für veraltete Waffen war laut Vertrag erlaubt. Allerdings hatte diese Waffe auch ein großes Potential als Luftabwehrgeschütz, wodurch ihre Legalität fragwürdig wurde.«

Angesichts des schon in der Weimarer Republik festzustellenden generellen Abgehens von einer strikten Beachtung der im Versailler Diktat festgelegten Standards ist es unwahrscheinlich, daß in den frühen Tagen der Raketentechnik die eher praktischen Erwägungen der Machbarkeit und Finanzierbarkeit von legalen Fragen überschattet wurden.

Die frühen militärischen Entwicklungen der deutschen Raketentechniker fielen unter die Ägide von Walter Dornberger, einem Artilleriehauptmann, der im Jahr 1930 an der TH Berlin diplomiert hatte. Im Herbst 1932 gewann Dornberger Wernher von Braun als leitenden technischen Assistenten, womit er von Braun zum ranghöchsten Zivilisten im Raketenprogramm machte. Von Braun promoviert nachfolgend auf Armeekosten und erhielt seinen Doktortitel in Physik im Jahr 1934. Inzwischen war Adolf Hitler im Januar 1933 zum Reichskanzler gewählt worden, und die NSDAP konsolidierte rasch ihre Machtstellung in Deutschland. Der junge von Braun schloß also zu einer Zeit, als die Weimarer Republik unterging, seine formale Ausbildung unter derartigen Randbedingungen ab, die ihn quasi dazu verpflichteten, der deutschen Armee zu dienen.

Es sollte hier daran erinnert werden, daß Deutschland in jenen Jahren von einer gewaltigen wirtschaftlichen Depression geschüttelt wurde. Die schlimme wirtschaftliche Lage bewog die Menschen dazu, jede Anstellung anzunehmen, was auch immer sich bot, und bezüglich der frühen Raketenwissenschaftler war die Armee der einzige mögliche Arbeitgeber. Weder die deutschen Universitäten noch die Privatindustrie zeigten das geringste Interesse an der Raketentechnik. Selbst zu den besten Zeiten wäre es äußerst schwierig gewesen, Drittmittel für die Förderung der Ausbildung in Raketenantriebstechnik zu bekommen, da aber die Depression die schiere Existenz der deutschen Industrie bedrohte, standen Investitionen in eine derartige Grundlagenforschung völlig außer Frage. Arthur Rudolph war damals wie so viele seiner Gleichgesinnten ohne Arbeit und Einkommen. Hauptmann Dornberger klapperte diesen Kader arbeitsloser Ingenieure ab auf der Suche nach Ideen, die dem Interesse der Armee an der Raketentechnik dienen könnten. Aufgrund seines Keilvermögens und wegen des Mangels an anderen Einkommensquellen fanden sich einige junge Raketentechniker auf der Gehaltsliste des Militärs wieder. Eine wachsende Zahl junger deutscher Raumfahrtvisionäre fand sich daher aufgrund von Ursachen, die sich ihrer Kontrolle entzogen, in einer Lage wieder, die von ihren ursprünglichen Träumen abwich, nämlich im Dienste des militärischen Establishments, das seinerseits später in die Dienste des NS-Deutschland treten sollte.

Mit wachsender Aktivität der frühen Raketenpioniere wurde offenkundig, daß sie für ihre neuen Geräte ein größeres und geeigneteres Testgelände benötigten. Das erste Testgelände in Kummersdorf, 25 km südlich von Berlin, erwies sich rasch als unzureichend. Die Umgebung des kleinen Fischerdorfes Peenemünde an der Ostsee schien der perfekten Standort zu sein. Dieser zuerst von von Brauns Mutter vorgeschlagene Ort war abgelegen und erlaubte den Start der immer noch hochriskanten Geräte. Als die Spannungen in Europa stiegen, war die Vorhut des Peenemünde-Teams völlig mit den ausgeklügelten Vorbereitungen zur Errichtung des weltweit ersten großangelegten Raketentestgeländes beschäftigt. Das Heeresforschungszentrum in Peenemünde wurde schließlich im August 1939 voll besetzt. Am 1. September 1939 befahl Hitler den Einmarsch seiner Truppen nach Polen, womit der Zweite Weltkrieg formell eröffnet wurde. Im Jahr 1942 waren in Peenemünde 1.960 Wissenschaftler und Techniker beschäftigt sowie 3.852 anderweitige Arbeiter. Die Arbeit an der Raketenentwicklung erfolgt damals mit der höchstmöglichen Intensität.

Die annähernd vollständige Mobilisierung der deutschen Gesellschaft im Laufe des Zweiten Weltkrieges hatte zur Folge, daß sich so mancher, der wissenschaftliche oder technische Fähigkeiten besaß, zum Militärdienst gezwungen sah. Bei den interviewten Mitgliedern von Peenemünde fällt darunter zum Beispiel der Obergefreite Dr. Ernst Stuhlinger, der an der Ostfront in der Infanterie kämpfte, als er den Marschbefehl nach Peenemünde erhielt. Von diesem Ort und von dem dortigen Forschungsprojekt hatte er nie zuvor gehört. Auf ähnliche Weise wurde auch Konrad K. Dannenberg, ein Leutnant der Infanterie in Frankreich, vom Schlachtfeld abberufen, um im Raketenforschungszentrum zu dienen. Für Männer wie diese liegt die Motivation klar zu Tage: Raketen bauen oder Geschossen ausweichen.

Im Gegensatz dazu waren die Faktoren, die zur Zusammenkunft der Mitglieder des Atombombenteams in Los Alamos führten, bemerkenswert anders. Die Wissenschaftler, die später die Kerngruppe von Los Alamos stellten, kamen aus wohletablierten Kreisen der Physik. Die Bedeutung der Physik als Disziplin war seit der letzten Jahrhundertwende ständig gewachsen und hat sich an den großen Universitäten zunehmend Respekt erworben. In Deutschland aber hatte die Physik seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten einen schrecklichen Aderlaß hinnehmen müssen. 25% der akademischen Physiker in Deutschland, fast alle davon jüdisch, wurden kurz nach Hitlers Wahlsieg aus ihren Stellungen verdrängt. Im Jahr 1934 waren 20% aller Direktorenstellungen in Deutschland verwaist.[7] Die Anzahl der Physiker, die Deutschland verließen, war enorm, aber vor allem deren Qualität war erstaunlich. Der Nationalsozialismus und Faschismus vertrieb folgende internationale Größen aus Europa: Albert Einstein, Hans Bethe, Edward Teller, Leo Szilard, Eugene Wigner, John von Neumann, Michael Polanyi, Theodor von Karman, George de Hevesy, Felix Bloch, James Franck, Lothar Nordheim, Enrico Fermi, Niels Bohr und Eugene Rabinowitch. Diese Männer wurden zusammen mit einigen sympathisierenden nichtjüdischen Wissenschaftlern wie Erwin Schrödinger und Martin Stobb die treibende Kraft hinter der Nuklearforschung in England und den USA.

Es gab also einen starken Kontrast zwischen den arbeits- und brotlosen unbekannten Ingenieuren und Technikern, die sich an die deutsche Armee anzulehnen versuchten, und den relativ wohlhabenden und weithin bekannten Physikern, die Deutschland scharenweise verließen. Im Peenemünde-Team gab es nur weniger Mitglieder mit einer hervorstechenden wissenschaftlichen Reputation. Unter ihnen befanden sich von Braun und Ernst Stuhlinger mit je einem Doktorhut in Physik und Carl Wagner mit einem Doktorhut in Physikalischer Chemie. Die Ingenieure besaßen damals noch nicht den Status von Wissenschaftlern. Ernst Stuhlinger führte dazu aus:[8]

»Nach meinen eigenen Beobachtungen waren Naturwissenschaftler in den späten zwanziger und den dreißiger Jahren in der allgemeinen Öffentlichkeit angesehener als Geisteswissenschaftler. Ingenieure wurden weniger angesehen als Wissenschaftler, aber ihr Wert für die Gesellschaft wurde sehr wohl anerkannt - mehr als der der Geisteswissenschaftler. Der Begriff Ingenieur deckt ein weites Feld ab; nicht alle Ingenieure werden gleich behandelt. Schließlich hatten die Ingenieure die fabelhaften neuen Flugzeuge und Ozeanriesen gebaut, das weltweite Telefonnetz und das Fernsehen, das Mitte der dreißiger Jahre auftauchte, aber die Ingenieure waren eben auch jene einfachen Leute, denen die Schuld zugeschoben wurde, wenn der Strom ausfiel; wenn das Auto nicht lief; wenn der Zug Verspätung hatte; oder wenn der Aufzug zwischen den Etagen stecken blieb. Der Wissenschaftler hingegen gab in den Augen der Öffentlichkeit ein weit homogeneres Bild ab als der Ingenieur. Es besteht kein Zweifel, daß Wissenschaftler in gesellschaftlichen Kreisen der 20er und 30er Jahre weitaus mehr respektiert wurden als Ingenieure.«

Sogar in den USA der 50er und 60er Jahre war es nicht unüblich, unter bestimmten Wissenschaftlern auf Überreste derartiger Statusvergleiche zu stoßen, wenn man bezüglich des in die USA "verlagerten" Peenemünde-Teams von "von Brauns Klempnern" sprach.

Stuhlinger fährt fort:

»Während des Krieges war vieles anders. Vom Standpunkt derjenigen aus betrachtet, die für die Führung des Krieges verantwortlich waren, waren natürlich jene Wissenschaftler und Ingenieure von höchster Wichtigkeit, die direkt oder indirekt zu den Kriegsanstrengungen beitrugen. Für Hitler und seine unmittelbare Umgebung war die Sache wieder anders. Hitler mochte die Wissenschaftler nicht (weil sie sich nicht um seine Fahne scharten), und er ließt sie dies spüren. Während der ersten Kriegsjahre machte er sie schlecht, oder zumindest ignorierte er sie, indem er meinte, daß er sie nicht brauche. Er wollte Produktionsexperten, die ihm große Mengen an Munition und anderen Kriegsmaterialien liefern konnten. Er brauchte und wollte Ingenieure, die bei dieser Herstellung helfen konnten. Erst gegen Ende des Krieges, als sich die Dinge gegen Deutschland wandten, beschwerte sich Hitler bitter darüber, daß ihm seine Wissenschaftler nicht jene Wunderwaffen zur Verfügung gestellt hatten, die er gebraucht hätte, um den Krieg zu gewinnen.«

Diese Klage, meint Stuhlinger, sei in erster Linie an die wissenschaftliche Gemeinschaft gerichtet, nicht aber an die Ingenieure und Techniker. Hitler meinte, sein anfängliches Mißtrauen gegenüber den Wissenschaftlern sei bestätigt worden. Diese "wirrköpfigen" Träumer hätten bei der Erfüllung ihrer Versprechungen versagt, nicht nur hinsichtlich der Raketentechnologie, sondern in Hinblick auf eine ganze Reihe von Land-, Luft- und Seewaffen.

Stuhlinger zufolge waren Überlegungen bezüglich des relativen Ansehens in Peenemünde kein Problem. Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker arbeiteten ohne Rücksicht auf Privileg oder Prestige zusammen. Was auch immer die Öffentlichkeit oder der Führer hinsichtlich ihrer relativen Verdienste denken mochten, aus praktischen Erwägungen heraus waren derartige Überlegungen unwichtig.[8]

Weder die Gemeinschaft der jüdischen Physiker noch die der nichtjüdischen Physiker war politisch besonders aktiv. Die vorherrschende Einstellung beider Gruppen war, die politische Welt so gut wie möglich zu ignorieren und mit dem gewählten Berufsziel voranzukommen. Es gibt hier Ausnahmen, am merklichsten unter den akademischen Physikern wie Szilard, Bohr und Schrödinger, aber diese engagierte Einstellung war nicht die Regel. Alan D. Beyerchen beschreibt in seiner Studie die Haltung der physikalischen Gemeinschaft im Dritten Reich als eine Art der "Inneren Emigration".[9]Edward Teller zeigte anfangs eine ähnliche Art der Ablehnung gegen eine Teilnahme an der politischen Auseinandersetzung, als er anmerkte, die anhaltenden Schwierigkeiten in Europa zwängen in zu der Einsicht, er sei "umhüllt von dem Gefühl, daß nur die Wissenschaft dauerhaft sei."[10]

In Deutschland war diese apolitische Einstellung in der Peenemünde-Mannschaft noch weitaus verbreiteter. Dafür mögen mindestens drei Gründe angeführt werden. Erstens wurden sie durch ihre Ausbildung bestimmt nicht darauf vorbereitet, politische Fragen zu stellen oder ein politisches Engagement einzugehen. Zweitens wurden sie, je mehr sich ihre Aktivitäten um das abgeschlossene und geheime Umfeld in Kummersdorf und später in Peenemünde zentrierten, immer mehr von den intellektuellen Strömungen der Städte und Universitäten isoliert. Drittens und womöglich am wichtigsten war daß sie ihre Stellung im Dritten Reich verbessern konnten. Die Männer in Peenemünde waren überwiegend geradlinige, praktisch veranlagte Männer, zumeist Teil des damals weitverbreiteten völkischen Ideals, der deutschen oder nordischen Mittelklasse. Ihre Ausbildung war praktisch, nicht theoretisch orientiert. In den Augen der arischen Denker waren sie die besten Vorbilder des ursprünglichen deutschen Utilitarismus.

V2 auf einer Abschußrampe in Deutschland kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges.

Auswirkung eines V2-Einschlages in London anno 1945 (Fisch- und Gemüsemarkt der Farrington Road).

Hitlers arische Ideologie fand sogar ihren Weg in die Physik, in eine Bewegung, die von zwei Nobelpreisträgern geführt wurde, Philipp Lenard und Johannes Stark.[11] Die womöglich bekannteste Aussage der Philosophie der arischen Physik kann man in Lenards Deutsche Physik nachlesen, die in den Jahren 1936f. in vier Bänden publiziert wurde.[12] Die arische Physik verkündet die Dominanz der angewandten und experimentellen Physik über die theoretische Physik. Die angewandte Physik sei deutsch, die theoretische sei jüdisch. Die Technologie werde der Theorie vorgezogen. Nichtjüdische deutsche theoretische Physiker wie Werner Heisenberg wurden getadelt, weil sie den jüdischen Geist in die Deutsche Physik einbrächten. Aussagen aus der Peenemünder Mannschaft bestätigen aber, daß es der arischen Physik verwehrt blieb, in der deutschen Physik Einfluß zu gewinnen, sogar in den dunkelsten Tagen des ideologischen Konformitätsdruckes. Der Physiker Ernst Stuhlinger beobachtete diesbezüglich:[8]

»Als Lenards Buch Deutsche Physik veröffentlicht wurde, wurde es bei den Kollegen mit Kopfschütteln und Erstaunen bedacht. Wir jungen Kollegen lasen einige Seiten darin aus purer Neugier, legten es dann aber beiseite. Ich erinnere mich, daß Hans Geiger einst zu einer Gruppe Studenten gesagt hat: "Das ist alles sehr merkwürdig. Man kann die Fakten der Physik nicht einfach so vom Tisch wischen. Ich bin überrascht, daß Lenard so weit gesunken ist; er war einmal ein hervorragender Experimentator." Unter den herrschenden Umständen war es sehr mutig von Geiger, soviel zu sagen. Wir Studenten hatten verstanden. Ich erinnere mich, daß ich sehr froh darüber war, diese Stärkung und Bestätigung meiner eigenen Gedanken erfahren zu haben.«

Stuhlinger bestätigt Alan Beyerchens Beobachtung, daß die arische Physik sehr mangelhaft definiert und mit inneren Widersprüchen befrachtet war:[8]

»Die mit der arischen Physik verknüpften Namen waren Lenard, Stark, Tomaschek und ein paar hitzköpfige Studenten, aber das war eine verschwindend kleine Minderheit unter den Hunderten von Physikern die zu jener Zeit an den Universitäten tätig waren. Lenard, Stark und Tomaschek waren tatsächlich verfemt. Die Physik wurde wie immer gelehrt, mit Einsteins Relativität, Bohrs Atommodell, Heisenbergs und Schrödingers Quantenmechanik, Paulis Prinzip usw.«

Gerhard Reisig, der auf dem Gebiet der Ingenieursphysik tätig war, tut Lenard und Stark als exzentrische alte Männer ab, Opportunisten, die versucht hätten, ihre zu Ende gehenden Karrieren wiederzubeleben.[6] Georg von Tiesenhausen meint, sie hätten annähernd keinen Einfluß auf die praktischen oder intellektuellen Aktivitäten der Ingenieure gehabt. In seinen Worten:[5]

»Arische Physik? Davon habe ich nie gehört.«

Als die 30er Jahre zu Ende gehen, beobachten wir daher eine interessante Entwicklung in der Gemeinschaft der deutschen Wissenschaftler und Technologen. Ein großer Teil der alten intellektuellen Elite war entthront worden, während eine neue, im entstehen begriffene Elite von Physikern und Ingenieuren das Kommando übernahm. Der Druck hin auf ideologische Konformität war sogar für den unpolitischsten Menschen erkennbar, aber die ideologische Physik war eine Totgeburt.

Die historische Falle war gestellt. Die in Peenemünde gebundenen Ingenieure und Techniker wurden von neuen und scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten vereinnahmt. Der Rausch der Erregung angesichts der Aussicht, den lang gehegten Traum zur Öffnung der Tür in den Kosmos verwirklichen zu können, reduzierte ihre bereits schwach ausgebildete Neigung noch weiter, die politische Entwicklung zu hinterfragen. Das Peenemünde-Team war in eine politische und moralische Lethargie hineingeködert worden, die später durch die Macht des Polizeistaates noch verstärkt werden würde.

Die jüdischen Physiker, die erst noch dazu bestimmt waren, eine Hauptkomponente in dem erst noch aufzustellenden Los-Alamos-Team zu bilden, waren fleißig damit beschäftigt, ihre Familien und Kollegen ins Exil zu holen. Die geringe Zeit, die ihnen dann noch verblieb, verbrachten sie damit, die britische und amerikanische Regierung zu drängen, die ultimative Massenvernichtungswaffe gegen die faschistisch bzw. nationalsozialistisch regierten Völker zu entwickeln: die Atombombe. Diejenigen, die einmal den Kern des Los-Alamos-Teams bilden würden, wurden von der menschlichen Schmach, die um sie herum erlitten wurde, abgestumpft. In dieser Entwicklung überdeckten ihre Sorgen um Überleben, Hab und Gut sowie ihr Haß auf diejenigen, die diese Sorgen hervorriefen, die moralischen Fragen, die bei der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen aufkommen.

Julius Robert Oppenheimer zusammen mit Albert Einstein, die beiden Hauptinitiatoren zum Bau der Atombombe zwecks Massenvernichtung des nationalsozialistisch regierten deutschen Volkes.

Sozialwissenschaftler führen seit langem an, daß moralische Fragen nur im Kontext ihrer Zeit verstanden werden können. Vielleicht gerade deshalb antworten so viele Mitglieder beider technischer Mannschaften die Fragen moderner moralischer Wahrheitssucher wie folgt: »Du verstehst das einfach nicht.«

Die Kriegsjahre

Die Forschungsanlage in Peenemünde wurde im August 1939 voll einsatzfähig. Die Atombombenforschungsanlage in Los Alamos wurde dagegen erst im April 1943 eröffnet. Um die Verhaltensweisen der Menschen, die in diesen beiden großen Forschungs- und Entwicklungsanlagen arbeiteten, zu verstehen, ist ein Vergleich sinnreich. Beide Anlagen waren geheim und isoliert. In Peenemünde arbeiteten zu Spitzenzeiten fast 6.000 Personen, während Los Alamos eine Gesamtstärke von fast 5.000 Personen hatte. Beide Anlagen hingen im hohen Maße von Lieferungen aus anderen Teilen ihrer jeweiligen Länder ab. In Deutschland wurden diese Lieferung im Laufe des Krieges durch die alliierten Luftangriffe immer mehr behindert. In den Vereinigten Staaten dagegen waren die Lieferungen sicher und steigerten die Produktivität zusehends. Peenemünde selbst wurde schließlich sogar im August 1943 angegriffen. Los Alamos war davon nie betroffen. Der Auftrag von Peenemünde war unbegrenzt und stetig wachsend. Dieses Zentrum wurde errichtet, um eine zunehmende Vielfalt raketengetriebener Waffen für die militärische Verwendung zu entwickeln. Der Auftrag von Los Alamos dagegen war begrenzt und endlich: Die Herstellung der Atombombe. Sowohl Peenemünde als auch Los Alamos standen unter militärischem Kommando: General Walter Dornberger in Deutschland und General Leslie R. Groves in den Vereinigten Staaten. Die Direktoren beider Projekte waren Zivilisten - Dr. Wernher von Braun und Dr. J. Robert Oppenheimer - und beide waren in ihren Länder geboren worden. Während Peenemünde im diktatorischen Umfeld des kriegsgebeutelten Deutschland arbeitete, wurde Los Alamos im offeneren und demokratischeren Umfeld der sicheren USA betrieben. Da arbeitsteilige wissenschaftliche und technologische Unternehmen ein großes Maß an freier Diskussion und dem Austausch von Ideen bedürfen, boten beide Projekte scheinbar ein großes Maß interner Freiheiten bezüglich der Diskussion über die besten Strategien, um die ihnen gestellten Ziele zu erreichen. Die offene Diskussion über andere Anwendungen der eingesetzten Technologien aber, insbesondere die Raumfahrt, waren in Peenemünde genauso verboten wie politische Diskussionen, während die politischen Auswirkungen der in Los Alamos getanen Arbeit zwar selten, aber doch offen diskutiert wurde.

Vom Tag, an dem die Anlage in Peenemünde voll einsatzfähig wurde, bis zum Tag des ersten erfolgreiches A-4-Tests, dem 3. Oktober 1943, vergingen drei Jahre und zwei Monate. Vom Tag der Eröffnung von Los Alamos bis zum ersten erfolgreichen Test der Atombombe im Juli 1945 vergingen zwei Jahre und drei Monate. Die Zeitspanne vom ersten erfolgreichen A-4-Start im Oktober 1942 bis zum ersten erfolgreichen militärischen Einsatz im September 1944 betrug ein Jahr und elf Monate. Die weniger komplexe V-1-Waffe war bereits etwa 21/2 Jahre vorher fertiggestellt worden und wurde am 13. Juni 1944 erstmals auf dem Schlachtfeld ausprobiert. Die Zeitspanne vom ersten Test der Atombombe in Neu-Mexiko (Trinity Site) am 16. Juli 1945 bis zu ihrem ersten Einsatz im Kriege gegen Hiroshima am 6. August 1945 betrug lediglich drei Wochen. Den Schätzungen glaubwürdiger Analytiker zufolge kostete die Entwicklung der deutschen V-Waffen annähernd drei Milliarden Dollar der Kriegszeit (36 Milliarden Reichsmark oder etwa 360 Milliarden heutige DM). Das Manhatten Atombombenprojekt kostete annähernd zwei Milliarden damalige US-Dollar.[13]

Auch wenn es unmöglich ist, dies mit quantitativer Sicherheit zu beurteilen, so scheint es doch, daß die Aufgabe, der sich die Gruppe in Peenemünde gegenüber sah, schwerer war als die der Gruppe in Los Alamos, und zwar bezüglich der allgemeinen Bedingungen, denen die jeweiligen Forschungs- und Entwicklungsanlagen ausgesetzt waren, wie auch bezüglich des Auftrages selbst, den sie zu erfüllen hatte. Die industriellen, universitären und regierungsamtlichen Unterstützungsmaßnahmen, die für die Vollendung des Manhatten Projekt erforderlich waren, waren enorm, aber dies alles befand sich in einem Land, das keinem direkten Angriff ausgesetzt war. Die verwaltungstechnischen und produktionstechnischen Herausforderungen an Peenemünde, dessen Aufgabe nicht auf ein bestimmtes Ziel gerichtet war und das ständig durch feindlichen Angriffe behindert wurde, waren weitaus größer als die in Los Alamos.

Die Anlage in Peenemünde war erstmalige am 17. August 1943 ein direktes Ziel alliierter Luftangriffe. Obwohl es das Anliegen der britischen Luftwaffe war, so viele technische und Verwaltungsexperten wie nur möglich zu töten, gelang ihnen dies nur bei zwei Schüsselpersonen, namentlich Walter Thiel und Erich Walther. 733 andere Personen starben bei diesem Angriff, und den Hauptschaden trugen Wohngebäude und Entwicklungsanlagen davon. Auf diesen Angriff gegen Peenemünde folgte eine Reihe systematischer Bombardements gegen Zulieferbetriebe sowie gegen Produktionsanlagen von Wasserstoffperoxid. Peenemünde selbst wurde mehr als ein Jahr lang von weiteren Angriffen verschont, und selbst danach erreichten sie nie mehr die Intensität des ersten Angriffs. Der Grund dafür war, daß alliierte Geheimdienste berichtet hatten, ein Großteil der Tests und der Produktion sei verlagert worden.[14] Helmut Zoike, der als Ingenieur am Steuerpult das erste menschliche Objekt in den Raum schoß, gab in unserem Interview an:[15]

»Die Bombardierungen kamen zu spät, um die Entwicklung der A-4 zu behindern, dies war bereits geschehen. Andererseits kamen sie aber zu früh, um deren Einsatz zu stören. Sie kamen wirklich zu einer aus deutscher Sicht recht günstigen Zeit.«

Der Angriff auf Peenemünde selbst war daher für das Raketenprogramm längst nicht so vernichtend wie die fortwährenden Angriffe auf die Zulieferindustrie.

Auswirkungen des Luftangriffes auf
Peenemünde vom 17.8.1943.

Dennoch fiel die Entscheidung, die Raketenherstellung in die unrühmliche Anlage in Dora-Mittelbau unter die Erde zu verlegen, in einer Atmosphäre zunehmender Verzweiflung. Dieser Ort war eine alte Gipsmine im Harz (Thüringen). Der Umbau von einer Mine zur Raketenfabrik war eine unter enormem Druck durchgeführte harte und schmutzige Aufgabe, bei der Zwangsarbeiter verschiedener Herkunft eingesetzt wurden: Kriminelle, Homosexuelle, Kriegsgefangene und politische Gefangene. Von Braun beschrieb die Bedingungen der Zwangsarbeit im Mittelwerk als »schrecklich«; Albert Speer benutze den Begriff »barbarisch«; und Arthur Rudolph nannte die Behandlung der Gefangenen »primitiv« und »furchtbar«.[16] Die Gefangenen wurden sprichwörtlich zu Tode gearbeitet oder derartig unhygienischen Bedingungen ausgesetzt, daß sie an allerlei Krankheiten starben. Diejenigen, die Widerstand leisteten, riskierten standrechtliche Hinrichtungen. Die Leichen wurden in einem Krematorium vor Ort eingeäschert. Nur elf Monate, nachdem General Dornberger verkündet hatte, daß die A-4 die Tore zum Himmel aufgestoßen habe, wurde sie im Verließ der Hölle gebaut.[17]

Hier nun stellt sich die universelle Frage, gestellt von den Studenten der Geschichte der Technik und der Ethik: Kannte das Personal von Peenemünde die Zusammensetzung der Arbeitskräfte in Dora-Mittelbau? Natürlich kannten sie sie. Waren sie persönlich entsetzt oder zuckten sie angesichts dieser Barbarei nur mit den Schultern, weil nur die ihnen gestellte Aufgabe zählte? Nach ihren eigenen Angaben war es das erste: Ihr eigenes Wohlergehen und das ihrer Familien hing davon ab, daß sie sich mit der Situation, wie sie war, abfanden. Angesichts der Tyrannei und der Verzweiflung, in der sich der NS-Staat gegen Kriegsende befand, erscheint dies sehr gut möglich. Die Sozialwissenschaften haben nicht die Möglichkeit, Gedanken zu lesen und die wahren Motive der Menschen zu erkennen. Wir können Ereignisse beschreiben sowie das Verhalten von Personen innerhalb dieser Ereignisse, und wir können ihre Erklärungen für ihr Verhalten aufnehmen. Es liegt dann bei den Geschichtsschülern, diese Erklärungen zu interpretieren und darüber zu befinden, ob sie akzeptabel sind.

Rudolph sowie andere im Mittelwerk wurden wiederholt daran erinnert, daß auch sie zu Zwangsarbeitern werden können, sollten sie nicht willens sein, voll mit der SS zu kooperieren. Bereits im März 1943 waren Wernher und Magnus von Braun, Klaus Riedel, Helmut Gröttrup und Hannes Luhrsen in Peenemünde von der Gestapo wegen Landesverrats verhaftet worden, weil sie es gewagt hatten, die A-4 anstatt als Kriegswaffe als Raumfahrtgerät zu bezeichnen. Freilich ging es dabei nur um Wortspiele, aber diese Aktion sollte den Schlüsselfiguren des Teams offenbar als Warnung dienen, daß niemand vor dem Zugriff der Behörden immun war.

Der Wahnsinn des Krieges steigerte sich fortwährend. Deutsche Repressalien und Exzeßgreuel schossen Zuhause wie in den besetzten Gebieten wie Pilze aus dem Boden. Daraufhin wuchs die Unsensibilität der Alliierten gegenüber menschlichem Leiden. Im Juli 1943 ging ein Großteil der überwiegend zivilen Stadt Hamburg im Feuersturm unter, wobei etwa 45.000 Deutsche starben, meistens alten Menschen, Frauen und Kinder.[18] Andere Städte wie Köln und Dresden erlitten ein noch weitaus schwereres Schicksal. Die Feindseligkeiten eskalierten in gegenseitiger Barbarei. Angesichts dieser Entwicklung wurde der Name der ersten Weltraumfahrzeuge von A-Waffen in V-Waffen umgeändert, Vergeltungswaffe.

Im Vergleich dazu erschien die Umgebung der isolierten Hochebene, auf der sich die Labors von Los Alamos befanden, geradezu friedlich und idyllisch. Hier war nirgendwo etwas von Verzweiflung zu spüren. Sie lag höchstens verborgen in den Gefühlen und Ängsten der Männer, die hektisch gegen eine Gefahr ankämpften, die sich später als Hirngespinst erweisen sollte. Die Wissenschaftler in Los Alamos gingen mit hoher Gewißheit davon aus, daß Japan nicht in der Lage sein würde, die Atombombe zu bauen, aber man war sich längst nicht so sicher, was Deutschlands Möglichkeiten anbelangte. In ihren Köpfen war Deutschland der wirkliche Feind. Mit Japan konnte man sich herumschlagen, sobald Hitlers Untergang sichergestellt war. Die emotionale Reaktion der Leute in Los Alamos auf das Dritte Reich war wegen der persönlichen Erfahrungen ungewöhnlich stark. Mehrere von ihnen, Oppenheimer eingeschlossen, hatten Verwandte, die unter den Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten zu leiden hatten oder gar starben. Ob sie aber nur derartige persönliche Erfahrungen teilten oder nicht - Juden wie Nichtjuden, gebürtige Amerikaner wie Einwanderer -, alle Personen in Los Alamos wurden zusammengeschweißt zu einer koordinierten und entschlossenen Macht, um ein Massenvernichtungsmittel herzustellen, von dem sie wußten, daß es hergestellt werden konnte.

Diese Motivationen wurden verinnerlicht. Diese Männer arbeiteten nicht unter der ständigen Drohung einer mitternächtlichen Verhaftung. Hier gab es keine Gefahr, einer Zwangsarbeiterkolonne zugewiesen zu werden. Sie arbeiteten freiwillig für einen Zweck, den sie für wesentlich erachteten. Auch dies machte die Aufgabe von Los Alamos einfacher. Vorbehalte wurden vorgebracht und einige stiegen sogar aus dem Projekt aus, aber das Team als Ganzes hatte einen Korpsgeist, der bemerkenswert war.

Vom Standpunkt des Verhaltenswissenschaftlers aus betrachtet hatte der positive Korpsgeist von Los Alamos interessanterweise ein Gegenstück in einer Art von negativem Korpsgeist in Peenemünde und im Mittelwerk. Dr. Paul Figge, der eine wichtige Funktion bei der Herstellung der A-4 inne hatte, beschreibt dies so:[19]

»Die Bombardierungen berührten den Fortschritt des A4 Programms kaum, weil unser großer Enthusiasmus zur Erreichung dieses Ziels erhalten blieb. Je schwieriger die äußeren Bedingungen wurden, um so mehr stieg unsere Begeisterung sogar, um zu Ende zu bringen, was wir angefangen hatten. "Genieße den Krieg - der Frieden wird schrecklich werden" war unser Motto.«

Gefangen vom Enthusiasmus zur Erreichung ihrer Ziele akzeptierten beide Teams zunehmend die verderblichen Ergebnisse ihrer Wissenschaft und Technologie, ja sie fanden sogar Gefallen daran. Kein Mitglied des Teams von Los Alamos mußte während seiner Arbeit an dem Projekt jemals Zeuge einer standrechtlichen Hinrichtung werden. Keiner dieser Mitglieder verlor jemals ein direktes Familienmitglied oder einen engen Kollegen durch einen feindlichen Bombenangriff. Kein Mitglied des Los Alamos Teams mußte jemals in das elendige bemitleidenswerte Gesicht eines Sklavenarbeiters schauen, der langsam dahinstarb, während er gezwungen wurde, einer Sache zu dienen, die er verachtete. Und dennoch obsiegte auch dort die Kriegskultur. Ihre alles verschlingende Macht verursachte bei den Mitgliedern des Los Alamos Teams eine zunehmende Gefühllosigkeit, wodurch tiefergehend moralische und ethische Überlegungen über die letztendlichen Folgen ihrer Handlungen ausgeschlossen wurden.

Donald A. Strickland führt in seiner Studie über die politischen Aktivitäten der Atomwissenschaftler in den Jahren 1945/46 aus, daß es in Los Alamos »vor Kriegsende kein politisches Erwachen gegeben habe, abgesehen von wenigen privaten Unterhaltungen.« Er nennt dies eine »fesselnde Tatsache«, wenn man bedenkt, daß die "politischen Aktivisten" Niels Bohr, Enrico Fermi, Eugene Wigner und Leo Szilard wiederholte Besucher dieses abgelegenen Ortes waren.[20] Der Druck zur Erfüllung des Auftrages war zu intensiv, um irgendwelche Überlegungen zuzulassen. Erst nachdem diese gräßliche Waffe ein fait accompli war, wurde die gewichtige Frage nach der Moral gestellt.

Fermi zog im September 1944 nach Los Alamos. Obwohl er bis in das Jahr 1945 hinein, als er die US-Staatsbürgerschaft erhielt, als Italiener technisch gesehen ein feindlicher Ausländer war, erhielt er die Position eines Laborleiters. Bohr hingegen hatte sich die massive Ungunst Churchills eingebrockt, als er darauf bestanden hatte, daß die Sowjets über die Existenz der Atomwaffen informiert und im Rahmen einer internationalen Aufsicht zur Zusammenarbeit eingeladen werden sollten. Bohr hatte zudem unerlaubterweise dem US-Oberrichter Felix Frankfurter über das Projekt berichtet. Angesichts dessen soll Churchill kurz davor gewesen sein, Bohrs Festnahme anzuordnen.[21] Roosevelt machte sich Churchills Einstellung zu eigen und stand seither Bohr sehr reserviert gegenüber. Trotz dieser Schwierigkeit wurde Bohr aber erlaubt, in Los Alamos die Rolle eines wichtigen Beraters einzunehmen. Diese beiden Fälle scheinen zu beweisen, daß die praktischen Belange beim Bau der Atombombe den politischen Problemen mit denjenigen, die sie bauten, übergeordnet wurden. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß man dem entscheidenden Personal in Peenemünde mit der gleichen Nachsicht gegenübertrat.

Die meisten in Los Alamos gingen zwar schlicht in der Erfüllung ihres Auftrages auf, aber es gab auch krassere Beispiele für die zunehmende Gefühllosigkeit gegenüber menschlichen Erwägungen. Gleich nach seiner Ankunft in Los Alamos engagierte sich zum Beispiel Edward Teller nicht für die Erfüllung des gestellten Auftrages, sondern für den Bau der noch weitaus zerstörerischen Wasserstoffbombe, oder der »Super«, wie er sie fast zärtlich nannte. Teller weigerte sich schließlich sogar, mit Hans Bethe an weiteren Berechnungen für Kernspaltungswaffen zu arbeiten und erhielt seine eigene kleine Gruppe im Labor für Untersuchungen zur Entwicklung einer Kernverschmelzungswaffe.[22]

Zusätzlich zu diesem Minderheitenvorstoß hin zum Overkill gab es die beunruhigende theoretische Möglichkeit, daß die Zündung einer Kernspaltungswaffe gerade genügend Hitze erzeugen könnte, um eine Kernreaktion zwischen Deuterium (schwerer Wasserstoff) und dem Stickstoff der Luft hervorzurufen, wodurch die Atmosphäre der ganzen Erde in Brand gesetzt würde. Als er dies gehört hatte, beauftragte Oppenheimer Hans Bethe umgehend, um Tellers anfängliche Berechnungen zu prüfen. War dies - die ultimative Katastrophe - tatsächlich möglich? Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal in der Geschichte der Menschheit hatten Menschen darüber zu entscheiden, ob die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe das - wenn auch infinitesimal geringe - Risiko wert war, unser aller Existenz auszulöschen. Die Logik, die wir damals anwandten, mag uns einen Hinweis geben auf die Logik, die wir wieder anwenden werden müssen.

Für Teller war diese Angelegenheit bereits im Jahr 1942 erledigt, als sich herausgestellt hatte, daß seine anfänglichen Berechnungen falsch gewesen waren. Über die folgenden drei Jahre hinweg mußten einige Wissenschaftler die gleichen Berechnungen durchführen wie Teller, wie Peter Goodchild in seiner klassischen Untersuchung zu Oppenheimer bemerkt. Und weil Tellers anfängliche Berechnungen geheim gehalten worden waren, kamen auch diese anderen Wissenschaftler mit ernster Besorgnis auf Oppenheimer zu.[23] Bis ins Jahr 1945, kurz vor der ersten Testzündung auf dem Trinity Testgelände, wurden diese Berechnungen geprüft und gegengeprüft. Die Gerüchte über eine mögliche totale menschliche Katastrophe hatten auf allen Ebenen des Personals in Los Alamos eine derart weite Verbreitung gefunden, daß die Behörden einen Eventualplan für die Verlegung von Psychiatern von der Anlage in Oak Ridge nach Los Alamos per Flugzeuge aufgestellt hatten, sollte es zu einer Panik kommen. Arthur H. Compton hat ausgeführt, seine Gruppe von Wissenschaftlern habe eine Wahrscheinlichkeit zur Zerstörung der gesamten Erde von drei zu einer Million berechnet und daß dies ein akzeptables Risiko gewesen sei. Edward Teller andererseits bestand darauf, daß sie in der Lage waren, diese Möglichkeit völlig auszuschließen. Zu jener Zeit wirkten derartige Äußerungen der höchsten Zuversichtlichkeit natürlich sehr beruhigend.[24] Aus der Perspektive einer Generation rückschauend, die ähnlich zuversichtliche Risikostudien gehört hatte, bevor es dann doch zu den Katastrophen von Three Miles Island, Tschernobyl und dem Space Shuttle Challenger kam, erscheinen diese Ausdrücke hoher Zuversicht allerdings sehr hohl.

Eine abschließende Betrachtung über die dunklen Seiten von Los Alamos ist nun an der Reihe. Das vorherrschende Pathos der allgemeinen Kultur des Hasses und der Vernichtung hat alle infiziert, die dort arbeiteten, aber das Ausmaß der Veränderung menschlicher Werte, zu dem diese Kultur in der Lage war, wird wohl am besten durch J. Robert Oppenheimer selbst illustriert. Der Physiker Joseph Rotblat, der beim Bau von Bomben geholfen hatte und einer der wenigen war, die ihre Mitarbeit in Los Alamos aufgekündigt hatten, hat basierend auf Informationen, die er dank des US-Gesetzes zur Informationsfreiheit (Freedom of Information Act) erhalten hat, folgende Begebenheiten in Erfahrung gebracht. In einem Brief Oppenheimers an Enrico Fermi vom 25. Mai 1943 wurde das Thema erörtert, mittels radioaktiver Substanzen deutsche Nahrungsmittellieferungen zu vergiften. Oppenheimer frug Fermi, ob er genug Strontium erzeugen könne, ohne allzu viele in dieses Geheimnis einzuweihen. Oppenheimer fuhr fort:

Julius Robert Oppenheimer,
* 22.4.1904, † 18.2.1967.

Wie seine Kollegen so wurde auch er zur Kriegszeit geblendet von der
Haßpropaganda aller Seiten.

»Ich denke, wir sollten einen derartigen Plan nicht versuchen, wenn wir nicht genug Lebensmittel vergiften können, um eine halbe Millionen Menschen zu töten.«

Rotblat erläutert dazu:[25]

»Ich bin sicher, daß die gleichen Wissenschaftler einen solchen Plan zu Friedenszeiten als barbarisch angesehen hätten. Sie hätten ihn auch nicht für einen Moment erwogen. Während des Krieges aber wurde er ernsthaft erwogen, und ich nehme an, daß er nur wegen mangelnder technischer Machbarkeit aufgegeben wurde.«

Richard Rhodes kommentiert den gleichen Vorfall wie folgt:[26]

»Nirgendwo in den Akten findet man einen besseren Beweis für die zunehmende Blutrünstigkeit des Zweiten Weltkrieges, als daß Robert Oppenheimer, ein Mann, der sich zu verschiedenen Anlässen seines Lebens als Anhänger des Ahisma bekannte (ein Sanskrit-Wort für "kein Leid zufügen"), mit Begeisterung über die Vorbereitungen für die Massenvergiftung von fünfhunderttausend Menschen schreiben konnte.«

Nach dem Kriege

Ihre Leistungen während des Zweiten Weltkrieges machte sowohl die Mitglieder des Los Alamos Teams als auch die von Peenemünde zu Legenden. Ihre Taten und Äußerungen nach dem Kriege formten und beeinflußten die öffentliche Wahrnehmung dieser Legenden, obwohl die Umwelt, der sich die jeweiligen Gruppen nach dem Kriege ausgesetzt sahen, radikal verschieden waren. Es sind diese Unterschiede, die unsere Nachkriegsbewertungen nachhaltig geformt haben.

Die meisten Mitglieder der Teams in Peenemünde bzw. Dora-Mittelbau flohen aus ihren Posten, als die Alliierten ihren Ring um Deutschland Anfang 1945 zuzogen. Sie arrangierten in dem kleinen österreichischen Dorf Reutte eine Zusammenkunft. Dort ergaben sie sich den amerikanischen Streitkräften, und ihre Reise in die USA begann. Dieser Umzug lief unter dem Decknamen »Paperclip«. Etwa 118 Personen umfaßte die erste Gruppe des Peenemünde-Personals, die in den USA ankam. Später folgten noch einige hundert weitere Personen, darunter Familienmitglieder und Kollegen. Ein Mitglied der Kerngruppe, Helmut Göttrup, entschied sich, dort zu bleiben, was später der sowjetisch besetzte Teil Deutschlands werden sollte, und im sowjetischen Raketenprogramm mitzuarbeiten. Eine kleine Gruppe anderer deutscher Raketenfachleute machte es ihm gleich und wurde später in die Sowjetunion überführt.

Von der Zeit an, als von Braun und seine Gruppe sich ergeben hatten, bis einige Jahre nach ihrer Ankunft in Fort Bliss, Texas, blieben sie »Friedensgefangene«, wie Ordway und Sharp es ausgedrückt hatten.[27] Ihnen wurde zwar eine grundlegende Bewegungsfreiheit sowie die Freiheit des sozialen Umgangs gewährt, sie unterlagen aber regierungsamtlichen Einschränkungen und waren das Objekt ständiger Überwachungen durch das FBI und anderer Regierungsorgane. Obwohl sie von der amerikanischen Öffentlichkeit im allgemeinen höflich aufgenommen wurden, wurde doch stellenweise ein gewisser Grad des Mißtrauens und der Feindseligkeit offenbar.

Im Gegensatz dazu entfernten sich die Hauptpersonen des Los Alamos Teams nach Vollendung ihres Auftrages von der Waffenentwicklung und kehrten in ihre akademische Umwelt zurück. Ihr Zusammenschluß in politisch aktive Gruppen und ihre Gründung der einflußreichen Zeitschrift Bulletin of the Atomic Scientists waren Ausdrucksformen dieser akademische Umwelt. Für diejenigen, die aus Peenemünde gekommen waren, waren die Verhältnisse allerdings ganz anders. Zwischen 1945 und 1950 gab es in der Öffentlichkeit kaum eine Diskussion über ihre Rolle und ihre Aktivitäten. Sie arbeiteten unter dem Mantel der Geheimhaltung für die US-Armee auf den Raketentestgeländen in Texas und Neu-Mexiko. Lediglich über den Start von V-2 Raketen wurde gelegentlich berichtet, aber es wurde kaum erwähnt, daß dabei ein deutsches Team geholfen hatte. Die US-Regierung war sich immer noch zu unsicher über die mögliche öffentliche Reaktion, um die Anwesenheit dieser Männer aus Peenemünde hochzuspielen.

Die Öffentlichkeit erfuhr von der Anwesenheit dieser Männer erst zu Beginn der fünfziger Jahre. Ihre Verlegung aus den dünn besiedelten Gegenden in Texas und Neu-Mexiko in die dichter besiedelte Gegend um Huntsville, Alabama, bescherte ihnen eine wachsende öffentliche Aufmerksamkeit. Im Zentrum des Interesses stand dabei Dr. Wernher von Braun. Seine charismatische Art und seine Fähigkeit, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wurden unmittelbar offenbar. In den frühen fünfziger Jahren begann er zudem mit der Veröffentlichung von Büchern wie Across the Space Frontier,[28] Man on the Moon[29] und Mars Project.[30] Als diese Werke öffentlich wahrgenommen wurden, verstärkte sich der Kalte Krieg zusehends. Mit dem Start des sowjetischen Raumsonde Sputnik schließlich wandte sich das öffentliche Interesse vollends den Deutschen in Huntsville zu. Um ihr internationales Prestige zu wahren, schauten die ganzen Vereinigten Staaten zunehmend auf diese Männer, von denen man hoffte, daß sie in der Lage wären, die sowjetische Herausforderung mit dem erfolgreichen Start einer eigenen Raumsonde zu beantworten. Nach dem bedrückenden Scheitern des Vanguard Programms der US-Marine wurde von Brauns Team damit beauftragt, und am 31. Januar 1958 schoß von Brauns Redstone-Rakete den ersten Satelliten der USA, Explorer I, erfolgreich in die Umlaufbahn. Für die USA hatte das Raumfahrtzeitalter nun wirklich begonnen, und Dr. Wernher von Braun war sein Führer.

Wernher von Braun vor einer Serie von Redstone-Rakete in Fort Bliss, Neu-Mexiko, um 1950

Die Leidenschaft der späten fünfziger und der sechziger Jahre war ausufernd und nicht geprägt von Nachdenklichkeit. Dies spiegelte sich auch in von Brauns Veröffentlichungen wieder, die in der wissenschaftlichen und populären Literatur zum Allgemeinplatz wurden. Diese behandelten fast alle die Vorausschau auf neue Gerätschaften für den Raumflug und auf neue Missionen für Raumfahrzeuge. Die sensibleren Aspekte der Wissenschaft und ihre Beziehung zu politischen und insbesondere außenpolitischen Fragen wurden fast nie diskutiert. Im Gegensatz dazu machten die Atomwissenschafter diese Themen zu einem zentralen Punkt.

Verdächtigung bezüglich der geschichtlichen Rolle des Peenemünde-Teams wurden gegen Ende der 60er und zu Anfang der 70er Jahre gelegentlich im öffentlichen Dialog vorgebracht, aber die Mitglieder des Teams gingen darauf nur selten ein. Ihre fortwährende Einbindung in die Armee und später in die NASA dämpfte jeden Gedanken, sich selbst in kontroverse Fragen verwickeln zu lassen. Nach dem erfolgreichen Mondlandeprogramm und der Weigerung der US-Regierung, von Braun die Leitung der NASA zu übertragen, stellte sich bei einigen engen Mitarbeitern von Brauns das Gefühl ein, daß er ein Opfer der fortdauernden Vorurteile gegen die Deutschen geworden sei. Sein Rücktritt von seiner Stellung bei der NASA im Jahr 1972 soll Gerüchten zufolge ein Ergebnis dieser Vorurteile gewesen sein, aber in ihrem traditionellen vorsichtigen Stil scheuten er und seine Kollegen davor zurück, diese Behauptungen zu diskutieren. Als wir diesen Punkt im Laufe unseres Projektes aufklären wollten, bestätigten Stuhlinger, Reisig und von Tiesenhausen, daß derartige Vorurteile eine Rolle gespielt hatten. Aber sie alle stimmten auch darin überein, daß es mehr war als Vorurteile. Stuhlinger beschrieb dies wie folgt:[8]

oben: Effekt der 2. Atombombe »Little Boy« in Hiroshima, 6.8.1945

rechts: Explosion der ersten Atombombe »Trinity« in Neu-Mexiko am 16. Juli 1945

»In der Zeit, als der erste amerikanische Satellit geplant wurde, 1955-57, gab es Leute, die meinten, ein amerikanischer Satellit müsse von gebürtigen Amerikanern gebaut werden und nicht von Einwanderern - die noch dazu vor weniger als zehn Jahren Feinde gewesen waren. Diese Einstellung war wahrscheinlich der wahre Grund dafür, daß das von der US-Marine geförderte Vanguard-Programm zu Amerikas Satellitenprojekt des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 gekürt wurde anstatt das vom US-Heer geförderte Explorer-Programm. Aufgrund meiner Gespräche mit einer großen Zahl von Leuten, die von Braun kannten, wurde aber deutlich, daß der wahre Grund weder der Hintergrund von Brauns als Raketenbauer der deutschen Armee war, noch die fortdauernden Vorurteile gegen die Deutschen im allgemeinen, sondern "sehr einfach menschliche Eifersucht". Von Brauns Beliebtheit war außerordentlich groß, nicht nur in der Öffentlichkeit und in den Medien, sondern auch im US-Kongreß. Für einige Leute in den oberen Rängen der NASA war dies einfach nicht zu ertragen.«

Reisig merkte dazu an:[6]

»Wir fanden heraus, daß die Amerikaner den Erfolg lieben, aber nicht zuviel davon.«

Aufgrund einer seltsamen geschichtlichen Ironie mußten die Führer beider hier behandelten großartigen wissenschaftlichen und technischen Gruppen auf ähnliche Weise abdanken. Dr. J. Robert Oppenheimers regierungsgeförderte Karriere wurde abrupt beendet, als ihm aufgrund seiner politischen Vergangenheit die Zuweisung einer entsprechenden Sicherheitsstufe verweigert wurde. Aber auch berufliche Eifersüchteleien spielten bei dieser Entscheidung eine Rolle. Im Fall Oppenheimer wurde die Hauptquelle für den Widerstand gegen ihn in der Person Edward Tellers geortet, der, um mit den Worten von Peter Goodchild zu sprechen, Oppenheimer als "einen rivalisierenden Mann bezüglich der Macht und als einen Gegner in der Überzeugung" ansah.[31] Auf ähnliche Weise wurde auch von Brauns Karriere durch eine Kombination aus politischer Vergangenheit und beruflicher Rivalität beendet. Oppenheimer erhielt von seinen Kollegen massive Unterstützung und regte eine intensive öffentliche Debatte zu seinem Fall an. Bis in das Jahr 1984 jedoch, als das US-Justizministerium die Ermittlungen gegen Dr. Arthur Rudolph abschloß und dieser sich entschloß, daß Land zu verlassen anstatt sich vor Gericht zerren zu lassen, vermied es das Peenemünde-Team, sich auf eine öffentliche Kontroverse einzulassen.

Die Nachricht über die Affäre Rudolph erschütterte die deutsche Gruppe. Alle Mitglieder dieser Gruppe waren inzwischen pensioniert und hatten daher die Freiheit, sich über die damaligen Ereignisse in Deutschland zu äußern. Einige taten es, aber die meisten glaubten, daß sie ihren eigenen Interessen am besten dienten, wenn sie auch weiterhin schwiegen. Tatsächlich hatten die vielen Jahrzehnte des Schweigens über die politischen Winde, die sie während ihrer ganzen Karriere andauernd herumgeschubst hatten, ihre Fähigkeit verkümmern lassen, sich öffentlich zu diesen Themen zu äußern. Da sie ihr ganzes Leben lang unter schwierigen Umständen zubringen mußten, wo Schweigen die beste Lösung zu sein gewesen schien, waren sie jetzt, als man öffentliche Äußerungen von ihnen erwartete, dazu nicht mehr in der Lage. An diesem Punkt nun stand diese Gruppe, deren Reihen durch Tod und Altersschwäche gelichtet wird, seelisch verwundet und demoralisiert da. Obwohl sie ihre großartige Aufgabe beim Wettrennen zum Mond lösten, stehen sie nun nicht etwa respektiert da, sondern sehen sich ihrer eigenen Erfahrung nach einer öffentlichen Ablehnung gegenüber.

Los Alamos und Peenemünde: Überlegungen

Heute, fast 55 Jahre nach dem letzten großen Krieg, haben sich die Emotionen genügend abgekühlt, um die Vorgänge dieser Epoche leidenschaftslos zu betrachten. Das erzwungene Exil von Dr. Rudolph und der anhaltende Druck, auch gegen andere Mitglieder des Peenemünde-Teams strafrechtlich zu ermitteln, bestätigt diesen Umstand. Es ist nicht der Zweck dieses Beitrages, zu versuchen, Schuld oder Unschuld der hier behandelten Personen festzustellen oder die jeweiligen Gruppen moralisch zu bewerten. Der Zweck war lediglich, sie nebeneinander zu stellen und ähnliche wie auch unterschiedliche Punkte herauszuarbeiten. Dadurch habe ich versucht aufzuzeigen, daß beide Gruppen das Ergebnis der sonderbaren und scheinbar pathologischen Mächte jener Zeit waren.

Fast 13.000 Menschen starben als Ergebnis der von den Männern in Peenemünde gebauten Waffen. Dieser Blutzoll verblaßt freilich angesichts der 340.000 Menschen, die letztlich an den Folgen der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki starben. Im Kontext jener Zeit, in deren kulturellem Umfeld man die Grausamkeiten der Massenvernichtung hinzunehmen gelernt hatte, sind derartige Ziffern freilich reine Abstraktionen. Heute aber, mit zeitlichem Abstand, können wir diese Zahlen vielleicht mit etwas mehr Objektivität und Klarsicht betrachten.[32]

Von diesen unterschiedlichen Standpunkten dieser beiden großartigen technologischen Gruppen aus betrachtet mag man schlußfolgern, daß die menschlichen Bewertungen nicht auf den Taten an sich basieren, sondern auf die Beziehung dieser Taten zum größeren kulturellen und geschichtlichen Kontext. Die Gruppe von los Alamos ist bis heute eine geehrte und angesehene Gruppe, zu der sich die einzelnen Mitglieder bis heute stolz bekennen. Das Peenemünde-Team hingegen bevorzugt bis auf den heutigen Tag ein niedriges öffentliches Profil und ruft damit eine neugierige öffentliche Reaktion hervor. Da die verbliebenen Mitglieder beider Gruppen nun ihre letzten Tage verleben, liegt es an ihnen, ihr eigenes Gewissen zu überprüfen, ihre Errungenschaften zu überdenken und ihre eigene Rolle in der Geschichte zu beurteilen. Ihre Erfahrung hat uns gelehrt, so wir ein Urteil abgeben wollen, daß die Technologie im Dienste des Krieges und die Waffen, die sie schafft, Ehre oder Verdammung nicht gemäß ihrer tödlichen Wirkung hervorbringen, sondern aufgrund des moralischen Urteils, das von den Siegern definiert wird und von den Besiegten erduldet werden muß.


Anmerkungen

Dies ist eine revidierte und erweiterte Fassung einer Arbeit, die anläßlich des 38. Jahreskongreß der International Astronautic Federation im Oktober 1987 in Brighton, England, vorgetragen wurde. Der ursprüngliche englischsprachige Artikel erschien unter dem Titel »Peenemünde and Los Alamos - Two Studies« in Graham Hollister-Short, Frank A.J.L. James (Hg.), History of Technology, Bd. 14, Mansell, London 1992, S. 150-170, wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung von Cassell, Wellington House, 125 Strand, London WC2R 0BB, England.

[1]Editorial, The Huntsvill Times, Alabama, 27.1.1989.
[2]Die Videoaufnahmen der Interviews können bei der Bibliothek der Universität von Alabama, Huntsville, oder im US Space and Rocket Center, Huntsville, eingesehen werden. Der Verfasser möchte sich bei folgenden Personen für ihre Kooperationsbereitschaft bedanken: Konrad K. Danneberg, Jim Fagan, Rudolph Hermann, Otto Hirschler, Dieter K. Huzel, Fritz K. Müller, Willibald Prasthofer, Eberhard Rees, Wernher K. Rosinski, Gerhard Reisig, Ernst Stuhlinger, Georg von Tiesenhausen und Helmut Zoike.
[3]Über Natur und Geschichte dieser frühen deutschen Raketenvereine vgl. detailliert bei Frank H. Winter, Prelude to the Space Age: The Rocket Societies, 1924-1940, Smithsonian Institution Press, Washington D.C., 1983.
[4]Bezüglich näherer Details in dieser Sache vgl. Frederick I. Ordway, III, Mitchell R. Sharpe, The Rocket Team, Thomas Y. Crowell, New York 1979, S. 16-20.
[5]Persönliches Schreiben von Dr. Georg von Tiesenhausen an den Verfasser vom Februar 1989.
[6]Interview mit Dr. Gerhard Reisig, Februar 1989.
[7]Vgl. dazu: Alan D. Beyerchen, Scientists Under Hitler: Politics and Physics Community in the Third Reich, Yale University Press, New Haven & London, 1977, S. 200.
[8]Persönliches Schreiben von Dr. Ernst Stuhlinger an den Verfasser vom Februar 1989, zur Erläuterung bestimmter Punkte im Interview.
[9]Alan D. Beyerchen, aaO. (Anm. 7), S. 201.
[10]Richard Rhodes, The Making of the Atomic Bomb, Simon & Schuster, New York 1986, S. 113.
[11]Alan D. Beyerchen, aaO. (Anm. 7), Kapitel 5 und 6.
[12]Philipp Lenard, Deutsche Physik, 4 Bd., J.F. Lehmanns, München 1936.
[13]Ordway, Sharpe, aaO. (Anm. 4), S. 242.
[14]Ebenda, S. 121-124.
[15]Interview mit Helmut Zoike: »Unsere Zukunft im Weltraum: Nachrichten vom Anfang«, aaO. (Anm. 2).
[16]Vgl. diesbezüglich die Erfahrungen von Paul Rassinier in Die Lügen des Odysseus, K.H. Priester, Wiesbaden 1959, S. 92-132; Anm. d. Übersetzers.
[17]Dies bezieht sich auf General Dornbergers Rede am Abend des 3. Oktober 1942, dem Tag des ersten erfolgreichen Starts der A-4, worin er ausführte: »Wir sind mit unserer Rakete zum ersten Mal in den Weltraum eingedrungen«; vgl. Ordway, Sharpe, aaO. (Anm. 4), S. 42.
[18]Richard Rhodes, aaO. (Anm. 10), S. 474; vgl. Maximilian Czesany, Europa im Bombenkrieg 1939-1945, L. Stocker, Graz 1998, S. 347.
[19]Ordway, Sharpe, aaO. (Anm. 4), S. 69.
[20]Donald A. Strickland, Scientists in Politics: The Atomic Scientists Movement, 1945-46, Purdue University Press, West Lafayette, Ind., 1968, S. 34f.
[21]Isaac Asimov, Isaac Asimov's Biographical Encyclopedia of Science & Technology; Equinox Books, New York 1972, S. 902.
[22]Peter Goodchild, J. Robert Oppenheimer: Shatterer of Worlds, Fromm International, New York 1985, S. 105.
[23]Ebenda, S. 63f.
[24]Ebenda, S: 63.
[25]Joseph Rotblat, »Learning the Bomb Project«, Bulletin of the Atomic Scientists, 47(7) (1985), S. 18
[26]Richard Rhodes, aaO. (Anm. 10), S. 57.
[27]Ordway, Sharpe, aaO. (Anm. 4), S. 362.
[28]Wernher von Braun, Space frontier, Frederick Muller, London 1968; dt.: Station im Weltraum, S. Fischer, Frankfurt am Main 1953.
[29]ders., Man on the Moon, Sidgwick & Jackson, London 1953; vgl. ders., Conquest of the Moon, Viking Press, New York 1953; dt.: S. Fischer, Frankfurt a.M. 1954.
[30]ders., The Mars Project, University of Illinois Press, Urbana 21962; dt.: Das Marsprojekt, Umschau-Verl., Frankfurt a.M. 1952.
[31]Peter Goodchild, aaO. (Anm. 22), S. 252, erwähnt die Rivalität zwischen J. Robert Oppenheimer und Edward Teller.
[32]Diese Opferzahlen stammen von Ordway, Sharpe, aaO. (Anm. 4), und Richard Rhodes, aaO. (Anm. 10), S. 734, 740. Andere Studien geben unterschiedliche Zahlen an, aber diese scheinen dem Schätzungsmittel nahezukommen.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 442-453.


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