Wie war das in Kulmhof/Chelmno?

Fragen zu einem umstrittenen Vernichtungslager

Von Ingrid Weckert

Über das angebliche "NS-Vernichtungslager" Kulmhof/Chelmno gibt es bis jetzt noch keine Monographie. Das mag zum Teil an der äußerst schwierigen Beweislage liegen, die sich ausschließlich auf Zeugenaussagen stützen kann. Als Grundlage für die folgende Darlegung dient das Buch Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, herausgegeben von Eugen Kogon, Hermann Langbein, Adalbert Rückerl u.a., erschienen 1983 im S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M., hier zitiert als Massentötungen. Ergänzt wird die dort gebotene Darstellung durch Zitate aus anderen Standardwerken der Holocaust-Literatur. Eigene Forschungen vor Ort konnten von der Autorin nicht vorgenommen werden. Die vorliegende Arbeit ist also lediglich eine Zusammenfassung der bisher veröffentlichten Nachrichten über Kulmhof/Chelmno. Ihr Zweck ist vor allem, zu beweisen, daß die Kulmhof-Überlieferung sehr revidierungs- bzw. erforschungsbedürftig ist.


Anmerkung für den Staatsanwalt

Die nachfolgende Untersuchung ist nicht »pseudowissenschaftlich«, wie die Arbeiten von Revisionisten meist eingestuft werden, sondern ein ernsthaft gemeinter Versuch, die Vorgänge um das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno aufklären zu helfen. Daß wir nur die fragwürdige Seite der bisher vorliegenden Arbeiten zu diesem Themenkomplex unterbreiten können, ist nicht unser Verschulden. Ganz offensichtlich hat es die historische Forschung bisher versäumt, über Kulmhof/Chelmno ernsthaft Nachforschungen anzustellen. Wir hoffen, daß die anschließende Zusammenstellung aller unklaren, widersprüchlichen und einander ausschließenden Zeugenaussagen, Behauptungen und Schlußfolgerungen für Historiker und andere interessierte Gruppen ein Anstoß ist, endlich den Versuch zu unternehmen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Wenn in Kulmhof/Chelmno ein Vernichtungslager bestanden hat und in diesem Tausende von Menschen umgekommen sind, dann sollte schon die Achtung vor diesen Opfern Grund genug sein, sich durch das Gestrüpp von unsicheren Erinnerungen, reinen Vermutungen, Gerüchten und Annahmen hindurchzukämpfen und die historische Wahrheit herauszufinden.

Im Gegensatz zu der Aufgabe dieser Zeitschriftenreihe werden in dem folgenden Artikel keine revisionistischen Forschungsergebnisse vorgelegt, sondern ausschließlich die Vorwürfe und Anklagen wiederholt, die mit dem Komplex Kulmhof/Chelmno verbunden sind. Sowenig wie die Autoren, die wir zitieren, haben wir die Absicht, Massenverbrechen zu leugnen oder zu verharmlosen. Wir stellen nur fest, was jedem Leser nach dem Studium der vorgelegten Argumente klar sein wird: die Forschungslage ist auf diesem Sachgebiet noch völlig ungeklärt. Die Fragen und Zweifel, die durch die widersprüchlichen Inhalte der bisher vorgelegten Arbeiten notwendigerweise hervorgerufen werden, dienen jedenfalls allein dem Mißtrauen der Skeptiker an dieser Art Darstellungen.

Die Geschichtswissenschaft dient der Erforschung historischer Geschehnisse und Abläufe. Daß das auch für die Begebenheiten in Kulmhof/Chelmno zutreffen möge, ist unser Wunsch.

1. Einleitung

Ein kleiner Ort in Polen, ca. 50 km nordwestlich von Lodz war, nach den bisher vorliegenden Feststellungen, eines der schrecklichsten Vernichtungslager der Nazis: Kulmhof bzw. polnisch Chelmno. Hierher wurde eine nicht sicher festzustellende Anzahl von Juden gebracht, einzig und allein zu dem Zweck, getötet zu werden. Im Unterschied zu anderen Konzentrationslagern gab es hier nicht einmal die Chance der Opfer, in irgendeinem Arbeitskommando zu überleben. Das jüdische Arbeitskommando, das es auch hier gab, hatte nur die Aufgabe, die Leichen seiner ermordeten Brüder in riesigen Massengräbern zu verscharren bzw. sie zu verbrennen. Nach getaner Arbeit wurden die sogenannten Totengräber selbst ermordet. Die drei oder vier Überlebenden von Kulmhof/Chelmno verdanken diesen Umstand allein ihrer Flucht.

Das Schema, das uns Massentötungen beschreibt ist sehr einfach: Die jüdische Bevölkerung aus Lodz und den umliegenden Landkreisen wurde mit der Bahn in die Nähe von Kulmhof transportiert, dann mit Lkws nach Kulmhof gebracht, wo eine SS-Einheit ein ehemaliges Herrenhaus als Tötungsstation eingerichtet hatte. Die Menschen betraten das Gebäude, entkleideten sich und gingen durch einen Kellergang geradewegs in einen Gaswagen, der an einem Seitenausgang stand; wenn der Wagen voll war, wurden die Türen geschlossen, der Motor angelassen, und die in das Innere geleiteten Abgasen töteten die eingeschlossenen Opfer. Danach fuhr der Lkw in ein nahegelegenes Waldstück, wo ein jüdisches Arbeitskommando den Wagen entleerte und die Leichen zunächst in großen Gruben stapelte, später in eigens gebauten Verbrennungsöfen verbrannte. Die Asche wurde verstreut, vergraben oder in die Flüsse Ner oder Warthe geschüttet.

2. Planung und Beginn des Vernichtungslagers

In der Literatur ist man sich nicht darüber einig, ob Kulmhof/Chelmno oder eine ähnliche Einrichtung bei Semlin das erste der von den Nazis gebauten Todeslager war Reitlinger[1] erwähnt beide Möglichkeiten (S. 152). Andere Autoren sind sich sicher: In Kulmhof/Chelmno wurde das erste Vernichtungslager gebaut, (Dawidowicz, Krieg[2], S. 125; Sereny, Abgrund[3], S. 98). Während Dawidowicz betont, das Lager sei für die Vernichtung der Juden aus dem Ghetto von Lodz bestimmt gewesen, meinen Sereny und auch Reitlinger (S. 153), man habe es ursprünglich als Euthanasie-Institut vorgesehen.

2.1 SCHREIBEN VON ROLF-HEINZ HÖPPNER

Um zu beweisen, daß das Unternehmen Kulmhof eine geplante und sorgfältig vorbereitete Angelegenheit war, zitiert Massentötungen (S. 110f.) ein Schreiben des SS-Sturmbannführers Rolf-Heinz Höppner an Adolf Eichmann vom 16. Juli 1941, in welchem Höppner Eichmann mitteilt, es bestünde die Gefahr, daß die Juden »in diesem Winter nicht mehr sämtlich ernährt werden können« weshalb er meint, es wäre »ernsthaft zu erwägen, ob es nicht die humanste Lösung ist, die Juden, soweit sie nicht arbeitseinsatzfähig sind, durch irgendein schnellwirksames Mittel zu erledigen.« Als Quelle seines Dokumentes gibt Massentötungen das »Archiv der polnischen Hauptkommission zur Untersuchung nationalsozialistischer Verbrechen« in Warschau, Bd. III, an.

Lage der sechs allgemein als "Vernichtungslager" bezeichneten NS-Lager: Chelmno, Treblinka, Sobibor, Majdanek, Belzec und Auschwitz;
Chelmno war angeblich das kleinste und "unbedeutendste" davon.
[4]

Den Text des gleichen Schreibens, nicht als Brief, sondern als Aktenvermerk gekennzeichnet, findet man auch bei Rückerl[5], S. 256-257. Dort ist als Quelle zwar dasselbe polnische Archiv, aber Bd. XIII (nicht III) genannt. Und obwohl es der gleiche Vermerk ist, ist es doch nicht der gleiche Text. Bei Massentötungen finden sich - außer zwei fehlenden Zeilen - sieben sprachliche und inhaltliche Unterschiede gegenüber dem Rückerl-Band. Was aber schwerwiegender ist, Massentötungen verschweigt, daß der Vermerk, plus ein Anschreiben an Eichmann, nur in nicht unterzeichneter Kopie vorliegt und daß Höppner nach dem Krieg entschieden bestritten hat, daß dieser Vermerk von ihm stammt (Rückerl, S. 256f.).

2.2 DAS SONDERKOMMANDO (SK) KULMHOF/CHELMNO

Das Mordgeschäft in Kulmhof/Chelmno hat ein SS-Sonderkommando betrieben, das uns unter den verschiedensten Namen vorgestellt wird. Massentötungen hat sich entschieden, es »Sonderkommando (SK) Kulmhof/Chelmno« zu nennen, bzw. nach dem jeweiligen Kommandoführer, auch »SK Lange« oder »SK Bothmann« (Massentötungen, S. 116). Andere Autoren hingegen kennen nur ein »SK Bothmann« (Reitlinger, S. 153, 280; Nellessen[6], S. 240). Ein ehemaliger Angehöriger dieses Kommandos, der es ja eigentlich hätte am besten wissen müssen, behauptet, es habe »Einsatzkommando Heinrich Himmler« geheißen (Rückerl, S. 243).

Massentötungen schreibt, der erste Kommandoführer sei Hauptsturmführer Herbert Lange gewesen (S. 111). Dem widersprechen die Darstellungen anderer Autoren. Eine Version lautet, daß der erste Kommandoführer Christian Wirth gewesen sei (Sereny, Abgrund S. 98, 127). Rückerl (S. 334) ist der Meinung, das Sonderkommando habe direkt Artur Greiser, Gauleiter und Reichsstatthalter im Reichsgau Wartheland, unterstanden.

Die Zusammensetzung des Kommandos ist ebenso umstritten wie sein Name. Die einen wollen in ihm die Truppe sehen, die schon bei der »Aktion T 4« - Tötung von unheilbar Geisteskranken - mitgewirkt habe (Reitlinger, S. 153; Dawidowicz, Krieg, S. 126); andere behaupten, die Mannschaft habe ihre »Ausbildung zum Massenmord« in Ostpreußen erhalten, (Laqueur[7], S. 159), während Hilberg feststellt, der Kern des Kommandos sei einfach aus der Gestapo in Posen und Lodz rekrutiert worden, (Hilberg, Vernichtung[8], S. 603). Massentötungen sagt dagegen, daß die Angehörigen des Kommandos aus Mitgliedern der Sicherheitspolizei und des Schutzpolizeikommandos bestanden hätten (S. 116).

Zu der ansässigen Bevölkerung, in der überwiegenden Mehrzahl wolhyniendeutsche Siedler, bestanden offensichtlich gute, wenn nicht gar freundschaftliche Beziehungen. Die Männer arbeiteten für die SS-Einheit und junge Mädchen aus dem Dorf waren in der Kantine beschäftigt (Massentötungen, S. 134; Reitlinger, S. 280).

Im Nürnberger Prozeß wurde dagegen die Behauptung aufgestellt, daß vor Errichtung der Vernichtungsstation die Einwohner des Dorfes aus diesem evakuiert worden waren (IMT [9], Bd. VIII, S. 363). Aber da die gleichen Bewohner später als Zeugen auftraten, die ihre Beobachtungen zu Protokoll gaben, klafft zwischen dieser Behauptung und den Zeugenaussagen ein unlösbarer Widerspruch. Denn wenn sie aus dem Ort entfernt worden wären, hätten sie gar keine Beobachtungen machen und später zu Protokoll geben können.

3. Der Ort Kulmhof/Chelmno und das Schloß

Kulmhof/Chelmno, so lesen wir in den verschiedenen Holocaust-Sachbüchern, war ein kleiner Ort am Ner, einem Nebenfluß der Warthe, unweit der direkten Eisenbahnlinie Warschau - Posen - Berlin. Der Ort lag nach den Angaben der verschiedenen Autoren 40, 55 oder 60 km nordwestlich von Lodz.[10] Andere Publikationen vertreten jedoch den Standpunkt, die Greueltaten hätten sich nicht in Kulmhof/Chelmno, sondern in Cholm = Chelm zugetragen, einem größeren Ort, ca. 350 km östlich davon, südlich von Sobibor und östlich von Lublin.[11] Lichtenstein hat seiner Untersuchung die Pläne der Deutschen Reichsbahn und der Ostbahn (so hieß die Reichsbahn im besetzten Polen) zugrundegelegt und will u.a. durch die Zugverbindungen nach Cholm den Massenmord in Chelmno beweisen.

Das Zentrum der Mordaktion war, wie bereits erwähnt, das ehemalige Herrenhaus der früheren polnischen Domäne Kulmhof/Chelmno, das auch als »Schloß« bezeichnet wurde. Nach Ortsskizzen, die Rückerl in NS-Vernichtungslager (S. 261) veröffentlicht hat, lag das Gebäude mitten im Ort, an der Gabelung zweier Straßen. Kirche, Wirtshaus, Schule und Verwaltungsgebäude waren in unmittelbarer Nähe.

Einige Autoren hatten offensichtlich eine andere Vorstellung davon, wie solch ein Gebäude, »die erste Mordfabrik menschlicher Geschichte« (Höhne[12], S. 343), auszusehen habe. Höhne z.B. sucht das Schloß »in den Wäldern von Kulmhof [...] einsam gelegen, wie geschaffen für seine bestialische Mission« (S. 343). Und Reitlinger spricht von »einem alten, unter dem Namen "Palast" bekannten Schloß, von dem es eine unglaublich schaurige Photographie gibt« (Reitlinger, S. 153). Wo man das unglaublich schaurige Bild besehen kann, sagt er leider nicht.

Dieses alte Schloß und den anschließenden Park hat die SS von polnischen Gefangenen instand setzen lassen. Um das ganze Gelände wurde eine übermannshohe Bretterwand gezogen, so daß niemand von außen einen Einblick hatte. Ankommende Fahrzeuge mußten vor dem Holztor anhalten, die Fahrer mußten aussteigen und Männer des SS-Kommandos fuhren die Wagen in das umzäunte Gelände (IMT, VIII, S. 363; Klee, S. 371; Massentötungen, S. 114, 124; Rückerl, S. 266, 268).

4. Beginn der Vernichtungsaktionen in Kulmhof/Chelmno

Wann genau das Lager mit seinen Vernichtungsaktionen begann, ist offensichtlich nicht festzustellen. Dawidowicz schreibt, es habe schon im Frühherbst 1941 Vergasungsfachleute, und zumindest einen »Vergasungslastwagen« in Chelmno gegeben (Krieg, S. 126), aber eine Seite vorher und später heißt es in ihrer Studie, die Gaswagen von Chelmno hätten genau am 8. Dezember 1941 »zu funktionieren begonnen« (Krieg, S. 125, 278). Polnische Untersuchungsausschüsse sind hingegen zu dem Schluß gekommen, daß man mit der Arbeit im Todeslager Chelmno bereits im Oktober 1941 begonnen habe. (Reitlinger, S. 274). Irgendeinen Beweis dafür bietet Reitlinger nicht an. Dieser Meinung schließt sich Lichtenstein (S. 40) an. Für Anfang Dezember 1941 plädieren Laqueur (S. 159), Reitlinger (S. 153), Hilberg (Vernichtung, S. 604), Poliakov[13] (S. 192), Sereny (Abgrund, S. 113), Höhne (S. 343), Rückerl (S. 268) und Klee (S. 371).

Rückerl schreibt:

»Nachdem vom 5. Dezember 1941 bis Mitte Januar 1942 Juden aus der näheren Umgebung mit Lastkraftwagen nach Chelmno gebracht worden waren, begannen am 16. Januar 1942 die Transporte aus dem Ghetto.« (S. 276)

Daß jüdische Bewohner aus den Orten der Umgebung von Lodz ebenfalls nach Chelmno gebracht wurden, ist allerdings nicht einheitlich bezeugt, wie die nachfolgend erwähnte amerikanische Studie beweist.

Im November 1942 veröffentlichte die in New York erscheinende Zeitschrift Jewish Frontier einen Artikel mit dem Titel »The Extermination Center« (Das Vernichtungszentrum). Der Artikel befaßt sich mit dem Lager Chelmno und basiert auf einem Dokument, welches die Zeitschrift von der polnisch-jüdischen Arbeiterbewegung Bund erhalten hatte. Dem Bund wiederum war das Dokument von dem jüdischen Dokumentationszentrum Oneg Shabbat im Warschauer Ghetto zugestellt worden. Leiter dieses Zentrums war Dr. Emanuel Ringelblum. Zu diesem Zentrum waren Flüchtlinge aus Chelmno gekommen. Es gibt zwei Versionen: Entweder kam nur ein Flüchtling, Jakov Grojanowski, und brachte den von ihm verfaßten Bericht fertig in seiner Tasche mit (Massentötungen, S. 131). Oder es kamen mehrere Flüchtlinge und erzählten den Mitarbeitern von Ringelblum ihre Erlebnisse (Laqueur, S. 139). Daraufhin haben diese dann den Bericht verfaßt.

In diesem, von bzw. nach Augenzeugen erstellten Bericht, heißt es, daß die jüdische Bevölkerung aus der Umgebung von Lodz nicht nach Chelmno, sondern von Oktober 1941 bis Anfang Januar 1942 in die Wälder von Zagorow gefahren wurden. Dort seien sie spurlos verschwunden. Erst die Juden aus Lodz seien nach Chelmno gekommen und dort getötet worden. Diese Transporte begannen nach dieser Darstellung am 15. Januar 1942.

Rückerl wiederum glaubt, (in Ergänzung oder im Widerspruch zu seiner Feststellung auf S. 276, die oben zitiert wurde) daß die Juden aus dem Umland von Lodz »vereinzelt im Monat März und in großem Umfange im Monat April 1942« nach Chelmno transportiert worden seien (S. 278, Anm.72).

Der 16. Januar 1942 ist der Tag, an dem der erste Transport aus dem Ghetto Lodz abfuhr. Obwohl es nirgendwo einen schriftlichen Hinweis darauf gibt, behaupten alle Autoren übereinstimmend, daß die Transporte aus Lodz in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno gingen. Dieses Datum wird gelegentlich auch als Beginn der Mordaktionen in Chelmno überhaupt bezeichnet (Nellessen, 57).

5. Antransport der Opfer

Nach den vorliegenden Schilderungen wurde die jüdische Bevölkerung aus Lodz und den umliegenden Landkreisen nach Kulmhof/Chelmno transportiert, um dort ermordet zu werden. Die Transportwege werden in den einzelnen Studien genau aber widersprüchlich beschrieben.

Die Autoren sind sich nicht einig darüber, wohin die Opfer mit der Bahn gebracht wurden. Entweder erstens: nach Warthbrücken/Kolo, einem Ort an der Hauptstrecke Lodz - Posen, und von dort mit Lkws nach Kulmhof/Chelmno, oder zweitens: nach Powiercie (dt. Pauers), einem kleinen Ort an der Nebenstrecke Warthbrücken - Dabie/Deutscheneck und von dort mit Lkws nach Kulmhof/Chelmno oder drittens: direkt mit der Bahn nach Kulmhof/Chelmno. Alle diese Behauptungen tauchen auf. Für Bahn nach Warthbrücken, von da ab Lkws, plädieren: Hilberg, Vernichtung (S. 656); Rückerl (S. 277, 278). Für Bahn nach Powiercie und von dort mit Lkws plädieren: Hilberg, Destruction[14] (S. 625); Hilberg, Vernichtung (S. 656); Massentötungen (S. 116, 119, 120); Rückerl (S. 77/78). Für Bahn direkt nach Kulmhof/ Chelmno plädieren Höhne (S. 343) und Rückerl (S. 277).

»Deportierte Juden bei ihrer Ankunft im Todeslager Chelmno wo viele in Gaswagen getötet wurden. Jewish Historical Institute, Warschau, Polen.«[15]
Dies ist das einzige uns bekannte, angeblich authentische Fotodokument von Chelmno.

Rückerl und Hilberg (in Vernichtung), der sich auf Rückerl bezieht, versuchen in dieses Durcheinander etwas Ordnung zu bringen, indem sie einen Zeitplan aufstellen, wonach die verschiedenen Transportabwicklungen zu unterschiedlichen Zeiten stattfanden. Diese Bemühungen fruchten aber nichts, da die Zeitangaben der Zeugen sich leider widersprechen. Während es verschiedentlich heißt, zu Beginn der Transporte, also Anfang 1942, habe man die Juden in Warthbrücken ausgeladen und sie - 1. Version: dort in der Synagoge übernachten lassen (Hilberg, Vernichtung, S. 656; Rückerl, S. 277); 2. Version zum Marktplatz in Warthbrücken marschieren und dort von Lkws abholen lassen (Rückerl, S. 277) - behauptet z.B. Massentötungen daß gerade im Januar-Februar 1942 die Opfer bis nach Powiercie gefahren wurden, dann nach Zawadki marschierten und dort in einer Mühle übernachteten (S. 120). Allerdings kann man 4 Seiten vorher lesen (S. 116), daß die Transporte nicht im Januar-Februar sondern von März bis Juli 1942, in der Mühle übernachteten, wozu eine eigene »Mühlenwache« abgestellt wurde. Wogegen ein Zeuge bei Rückerl (S. 277/8), dafürhält, daß die Leute nur von März bis Mai 1942, also nicht Juli, in der Mühle von Zawadka (der Name des Ortes wird bei den einzelnen Zeugen unterschiedlich geschrieben: Sawadki, Zawacki, Zawadka, Zawadki, Zwadka) übernachteten. Dagegen spricht wieder Hilberg (Vernichtung, S. 656), der meint, daß die Juden nicht in einer Mühle, sondern in einer Fabrik in Zawacki über Nacht verblieben. - Soviel Zeugen, soviel Meinungen.

Gilbert schildert folgende Ereignisse, die sich Anfang Dezember 1941 zugetragen haben sollen:

»Die Juden wurden mit einer schmalspurigen Eisenbahn von Kolo nach Powierce gebracht, dann mit Peitschen an den Fluß getrieben, dort in der Fabrik des Dörfchens Zawadki [...] ohne Essen und Wasser über Nacht eingesperrt, am Morgen mit Lastwagen in den Chelmnoer Wald gebracht und während der Fahrt mit Auspuffgasen erstickt. [...] Insgesamt kamen fünf Lastwagen zum Einsatz.« (Gilbert[16], S. 83.)

Diese Beschreibung stimmt allerdings nicht mit den sonst üblichen Darstellungen überein. Danach wurden die Opfer 1941 ja im Schloßhof von Kulmhof/Chelmno ermordet. Und von den Gaswagen heißt es sonst, daß es zwei oder drei gewesen seien, nicht fünf.

Wo sie dann schließlich in Kulmhof/Chelmno landeten, ist auch nicht klar. Neben der am meisten vertretenen Behauptung, daß sie von Lkws ins Schloß gefahren wurden, gibt es auch die Aussagen, daß man sie vor der Kirche oder vor dem Kornspeicher auslud, (Massentötungen, S. 119).

Für den Transport der jüdischen Opfer nach Warthbrücken/Kolo gibt es in Massentötungen einen Augenzeugen. Ein polnischer Eisenbahnbeamter hat das genau beobachtet und später vor einem polnischen Gericht zu Protokoll gegeben:

»Im Sommer 1942 verkehrte mehrere Monate hindurch täglich ein Zug (dieselbe Zuggarnitur) zwischen Lodz und Kolo. Dieser Zug setzte sich aus über zwanzig geschlossenen Güterwaggons, überwiegend 15tonner, zusammen. [...] Die Waggons waren gedrängt voll. [Konnte der Bahnbeamte in die geschlossenen Waggons hineinsehen?] Anfangs habe ich gezählt, wie oft der Zug in der beschriebenen Garnitur nach Kolo Juden brachte. Ich habe 101 gezählt, [das heißt also, 101 Tage lang, über drei Monate] habe jedoch aufgehört zu zählen, als ich sah, daß die Transporte nach Chelmno kein Ende nahmen.« (S. 121)

Dieser protokollierten Aussage widerspricht jedoch eine Tabelle, die den Aufzeichnungen des Lodzer Judenrates entstammt, und aus der man ersehen kann, daß zwischen dem 15. Mai und 5. September 1942, also gerade in den Sommermonaten, von denen der Beamte sprach, die Aussiedlungen aus Lodz eingestellt waren (Massentötungen, S. 132). Auch andere Publikationen, die von den Lodzer Umsiedlungsaktionen handeln, beziehen sich auf die Aufzeichnungen des Lodzer Judenrates und halten sie für verläßlich (z.B. Rückerl, S. 276f., 288; Hilberg, Vernichtung, S. 361).

6. Ankunft der Opfer

Folgt man den Erklärungen der Augenzeugen, dann verlief das Ausladen der Opfer nach ihrer Ankunft in Kulmhof/Chelmno unterschiedlich. Ein Zeuge konnte sich nicht erinnern:

»Ich weiß nicht genau, wo die Lastkraftwagen abgeladen wurden. Ich glaube, daß man anfangs die Transporte vor der Kirche in Chelmno und später vor dem Speicher auslud.« (Massentötungen, S. 119)

Andere behaupten, daß die Ankunft zunächst durchaus einen freundlichen Anschein vermittelte:

»Um den Eindruck, daß die Angekommenen gut behandelt würden, zu verstärken, wurde ihnen auch oft beim Absteigen von den Fahrzeugen geholfen.« (Rückerl, S. 269)

Aber dieser Anschein wurde dann völlig zunichte gemacht, denn sie »wurden von Polizeibeamten mit Lederpeitschen durch das Tor ins Innere des Schloßhofes getrieben«, (Massentötungen, S. 119). Später fuhren die Lastkraftwagen gleich durch das Tor in der Bretterwand in den Schloßhof ein (Massentötungen, S. 119; IMT, Bd. VIII, S. 363). Rückerl kombiniert beide Versionen und meint, daß jeweils nur ein Lkw auf den Schloßhof fuhr, während die anderen draußen warten mußten (S. 269).

Im Schloßhof versammelt, begrüßte sie der Kommandoführer, bzw. sein Vertreter oder ein anderer Kommandoangehöriger mit freundlichen Worten und erklärte:

»sie kämen zum Arbeitseinsatz nach Deutschland, müßten jedoch vorher baden und ihre Kleider zur Desinfektion abgeben.« (Rückerl, S. 269)

Ähnlich lauten auch die Schilderungen bei Laqueur (S. 160), Nellessen (S. 56/57, 139), Klee (S. 371), in Massentötungen (S. 122, 140/41) und in der Dokumentation des Nürnberger Prozesses (IMT Bd. VIII, S. 363). Das ist einer der wenigen Punkte in der Kulmhofgeschichte, in dem alle Aussagen übereinstimmen.

Aber für den Fortgang der Ereignisse verwirren sich die Erinnerungen oder die Prozeduren änderten sich ständig. Die Juden wurden aufgefordert, Kleidung und Schmucksachen abzulegen und ihre Papiere und Wertsachen abzugeben. Dazu führte man sie a) »in ein Gebäude« (Nellessen, S. 57); b) in die Halle des Schlosses (Massentötungen, S. 123) bzw. »in einen Korridor« (Nellessen, S. 139); c) »in einen großen, gut geheizten Raum« (Laqueur, S. 160), im zweiten Stock der Villa (IMT, Bd. VIII, S. 363) bzw. »in einen höher gelegenen Raum« (Massentötungen, S. 117); d) »in einen nach rückwärts gelegenen größeren Raum« (Rückerl, S. 269); oder e) in zwei Räume (Massentötungen, S. 122, 124)

7. Ermordung der Opfer

An einem Seitenausgang des Schlosses war eine Rampe errichtet worden, die, obwohl das ganze Gelände ja bereits eingezäunt war, noch zusätzlich mit sichtversperrenden Bretterwänden verkleidet wurde (Klee, S. 371; NS-Massentötungen, S. 123, 125, 126; Rückerl, S. 266, 270). Nachdem die Leute entkleidet waren, marschierten sie unter Bewachung im Keller des Schlosses einen Gang entlang, der sie zu einem Lkw führte, der an der Schmalseite des Schlosses an der Rampe geparkt war. War der Wagen voll, wurden die hinteren Türen geschlossen, der Abgasschlauch an eine spezielle Vorrichtung geschraubt und der Motor angelassen. Durch die in den Wagen dringenden Abgase wurden die Insassen innerhalb von Minuten getötet (Nellessen, S. 139f.; Rückerl, S. 271, 291). Andere Autoren behaupten dagegen, es habe ständig Pannen gegeben und die ganze Methode sei nicht sehr wirkungsvoll gewesen (Klee, S. 371; Höß, S. 162; Sereny, Abgrund, S. 127; Reitlinger, S. 154f.).

»Über die Rampe mußten die nackten Menschen sodann in den Gaswagen einsteigen. Dieser wurde von dem Fahrer jeweils rückwärts an die Öffnung der Rampe gefahren, so daß nach der Öffnung der Flügeltüren die Rampe, deren Boden in gleicher Höhe mit dem Boden des Gaswagens lag, völlig abgeschlossen war.« (Rückerl, S. 270)

»Nachdem die Flügeltüren geöffnet waren, war auf der Rampe ein vollkommen umschlossener Raum entstanden, welcher nicht einzusehen war und aus welchem auch niemand entweichen konnte.« (Massentötungen, S. 126)

Obwohl also die Rampe nicht einsehbar war, zitieren Massentötungen und Rückerl Zeugen, die von außerhalb der Rampe Vorgänge beobachtet haben, die sich auf der Rampe abspielten.

»Ich begab mich nun auftragsgemäß an die rechte Seite des Schlosses, wo an der bereits erwähnten Rampe ein Gaswagen stand. [...] Ich sah dann, daß die Juden, die in den Keller geführt worden waren, über die Rampe in den offenen Gaswagen stiegen.« (Massentötungen, S. 125)

Ja, sogar ein Wachposten wurde außerhalb der Rampe stationiert, obwohl er dort nichts sehen konnte und, wie Massentötungen behauptet, die Opfer ohnehin nicht hätten entweichen können. Wo hätten sie auch hin sollen, splitterfasernackt und innerhalb eines von der SS bewachten und umzäunten Geländes?

»Während die Juden über die Rampe gingen, wurden sie außer von den begleitenden Polen und Polizeiposten von einem weiteren Polizeiposten beaufsichtigt, der außerhalb der Rampe neben dem Gaswagen stand und Fluchtversuchen entgegenwirken sollte.« (Rückerl, S. 270)

Wie der Posten durch die sichtversperrenden Bretter etwas »beaufsichtigen« konnte, bleibt allerdings rätselhaft.

Wenn alle Opfer tot waren, fuhr der Lkw in das Waldgelände, wo die Leichen in Gruben geworfen wurden. Völlig anders beschrieb Adolf Eichmann während seines Prozesses in Jerusalem die Szene:

»Die Juden mußten sich ausziehen. Ein Lastkraftwagen kam an, an allen Seiten bedeckt, die Türöffnungen vorn. Der Wagen fuhr zu einer bestimmten Straßensperre. Dort wurden die nackten Juden gezwungen, einzusteigen. Die Türen wurden geschlossen und der Wagen fuhr weg.« (Hausner, Justice[17], S. 89)

Also ein völlig neuer Lkw-Typ, wo man von vorn - durch das Führerhaus? - einsteigen mußte. Und das Ganze fand offensichtlich mitten in der Ortschaft, »an einer bestimmten Straßensperre«, statt, wo die nackten Juden auf die Ankunft des Wagens warten mußten. In der deutschen Kurzfassung dieses Werkes[18] hat der Übersetzer (oder der Verlag) es nicht mehr gewagt, seinen Lesern diese unglaubwürdige Geschichte vorzustellen. Da fahren die Lkws an die »Rampen« heran und lassen die jüdischen Opfer dort einsteigen (S. 105). Noch etwas anders hört es sich in den dem Prozeß vorausgehenden Polizeiverhören an, denen Eichmann unterzogen wurde. Die Verhöre fanden in deutscher Sprache statt und die Tonbandprotokolle wurden veröffentlicht[19]. Darin heißt es:

»1941 im Herbst [...] bin ich nämlich weitergeschickt worden nach Chulm im Warthegau. [...] Folgendes habe ich gesehen: Einen Raum, wenn ich mich recht entsinne, vielleicht fünfmal so groß wie dieser hier, da waren Juden drin. Die mußten sich ausziehen und dann fuhr ein Lastwagen vor, der ganz geschlossen war, wo die Türen aufgemacht wurden, und fuhr gewissermaßen bis an eine Rampe ran. Und da mußten jetzt nun die nackten Juden hineingehen. Dann wurde der Wagen zugemacht und er fuhr los.« (S. 71)

Wenn Eichmann das auch während des Prozesses ausgesagt hat, dann müssen schwerwiegende Übertragungsfehler vorgekommen sein, daß der israelische Generalstaatsanwalt Hausner ihn so mißverstehen konnte.

7.1 DIE GASWAGEN VON KULMHOF/CHELMNO

Von Kulmhof/Chelmno wird uns berichtet, es sei eine »Gaswagenstation« gewesen. Und zwar seien seine Gaswagen jene Sonderwagen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) gewesen, mit denen wir uns schon des öfteren auseinandergesetzt haben.[20]

Angeblich ein »Tötungsgaswagen« von Chelmno.[21] Dieser von Gerald Fleming begangene Etikettenschwindel[22] wurde bereits 1988 von Ingrid Weckert aufgelöst: Für diese Abbildung eines beschädigten deutschen LKW unbekannter Verwendung gibt es keinen Quellennachweis.[23]

Als Beweis für die Gaswagenthese dient u.a. ein Dokument aus dem Bundesarchiv Koblenz mit dem Signum: R 58/871. Es handelt sich dabei um einen Aktenvermerk des Reichssicherheitshauptamtes, der - wie wir eindeutig nachweisen konnten - eine Fälschung ist (s. Anm. 20).

Dieser Vermerk beginnt mit den Worten:

»Seit Dezember 1941 wurden beispielsweise mit 3 eingesetzten Wagen 97 000 verarbeitet, ohne daß Mängel an den Fahrzeugen auftraten. Die bekannte Explosion in Kulmhof ist als Einzelfall zu bewerten. Ihre Ursache ist auf einen Bedienungsfehler zurückzuführen.«

Rückerl schreibt dazu (S. 291):

»Dieser Teil des Geheimvermerks bezieht sich ersichtlich auf das Lager Chelmno, weil er den Beginn der Vernichtungsaktion (Dezember 1941) sowie die Anzahl der Gaswagen (drei eingesetzte Wagen) richtig wiedergibt und diese Angaben in unmittelbaren Zusammenhang mit der Explosion eines Gaswagens in Chelmno bringt.«

»Seit Dezember 1941 [...] mit 3 eingesetzten Wagen«. In dem Kapitel über die Entstehung der Gaswagen, hat uns Massentötungen erklärt, daß zu diesem Zeitpunkt, im Dezember 1941, noch die Verhandlungen über die Lieferung der Saurer-Fahrgestelle liefen, die dann erst von der Firma Gaubschat mit Aufbauten versehen werden sollten. Die fertig montierten Wagen waren nicht vor Frühjahr 1942 lieferfertig. Wie hätten schon drei dieser Wagen seit Dezember 1941 im Einsatz gewesen sein können?

»Es wurden 97 000 verarbeitet«. Diese Formulierung läßt selbst bei Voraussetzung einer Tarnsprache nicht auf Mord schließen. Die Zahl 97.000 widerspricht zudem der von Rückerl aufgestellten und im Endergebnis von Massentötungen (S. 132) übernommenen Statistik der Deportierungen aus Lodz, die allgemein mit den Mordopfern von Kulmhof/Chelmno gleichgesetzt werden. Bei Rückerl heißt es (S. 276), daß bis Ende Mai 1942 55.000 Juden aus Lodz deportiert wurden. Dem Aktenvermerk vom 5. Juni 1942 hätte also, wenn er tatsächlich von den Kulmhofer Mordopfern spräche, diese Zahl zugrunde liegen müssen.

"Die bekannte Explosion in Kulmhof«. Tatsächlich gibt es außer dieser Notiz keinerlei Kenntnisse von einer derartigen Explosion.

Massentötungen läßt keinen Zweifel daran, daß die Gaswagen von Kulmhof/Chelmno eben jene Sonderwagen des RSHA sind, von denen vorher ausführlich gesprochen wurde.

»Dem Kommando wurden aus Berlin Gaswagen zur Verfügung gestellt.« (S. 114)

»Sie wirkten neu und kamen [...] vom Reichssicherheitshauptamt zu uns.« (S. 115)

Um so überraschter ist der Leser, wenn er zwischen diesen beiden Sätzen erfährt:

»Die Wagen waren mittelschwere Renault-Lastwagen mit Ottomotor.« (S. 114)

Wieso das? Das RSHA hatte doch Saurer-Lastwagen mit Dieselmotor zu Gaswagen umrüsten lassen. Woher kommen plötzlich die Renault-Fahrzeuge mit Ottomotor? Auch Eichmann behauptete übrigens:

»In der Gegend von Lublin [...] wurden Experimente durchgeführt, um Menschen mit dem Auspuffgas des U-Boot-Dieselmotors zu töten. Die neueste Erfindung, die zu jener Zeit verwendet wurde, waren fahrbare Gaswagen, die erstmals im Vernichtungslager Chelm (Kulm) angewandt wurden.« (Hausner, Vernichtung, S. 105)

7.2 MASSENGRÄBER UND VERBRENNUNGSÖFEN

Um für den Verbleib der Leichen zu sorgen, ließ die SS Massengräber ausheben. In dem nahegelegenen Waldgebiet war ein bestimmtes Gelände eingegrenzt worden. Dort hatten jüdische Häftlinge, das sogenannte Waldkommando, diese Arbeit zu verrichten.

Einer der Überlebenden von Kulmhof/Chelmno berichtet darüber als Zeuge im Eichmann-Prozeß in Jerusalem.

»Da haben wir Schützengräben ausgehoben, etwa 25 Leute mußten graben. In der Frühe gingen wir hinaus, es war noch dunkel, um halb sieben, es war ja Winter, Ende 1941, zwei Tage vor Neujahr.« (Nellessen, S. 140)

Aber daß es sich um Schützengräben gehandelt haben soll, paßt dem Staatsanwalt nicht. Er präzisiert:

»Sie haben Gräber geschaufelt.«

Der jüdische Zeuge, Überlebender schrecklicher Ereignisse, widerspricht nicht. Warum sollte er?

Es wurden also Gräber geschaufelt, mitten im Winter, wo die Erde steinhart gefroren war. Rückerl fand, daß das eine unzumutbare Arbeit für die Gefangenen gewesen wäre. Er läßt große Gruben von Baggern ausheben, (Rückerl, S. 268).

Krausnick/Wilhelm[24] erklären, daß von Gräberschaufeln zu dieser Zeit gar keine Rede sein konnte. »Die bald danach (November 1941) einsetzenden starken Fröste« bedingten, daß »der Aushub der Massengräber zu große Schwierigkeiten aufwarf« und die Aktionen daher eingestellt wurden (S. 547).

Wieviel solcher Massengräber es gegeben hat, ist umstritten, ein Zeuge spricht von zwei, ein anderer von vier, ein dritter von drei oder vier. Über Länge, Breite und Tiefe der Gräber sind sie sich nicht einig.

Der eine Zeuge, dessen Aussagen Massentötungen zitiert, spricht von vier Gräbern, die je 10 m breit und 3 m tief gewesen seien; drei Gruben seien 30 m, eine sei 12 m lang gewesen (Massentötungen, S. 115). Außerdem behauptet er, die Gräber hätten sich auf drei verschiedenen Lichtungen befunden, die zum Teil so schmal waren, daß die Gaswagen nicht einmal seitlich an die Gruben hätten heranfahren können, um ihre Last zu entleeren.

Ein anderer Zeuge meint, daß die Gräber ca. 6-8 m breit, aber 4 m tief waren (Rückerl, S. 272); ein dritter läßt sie 4 m breit, 3 m tief und 5 m lang sein (Rückerl, S. 274). Laqueur (S. 160) spricht von einer Grube, die fast 2 m breit und 5 m tief gewesen sei. Andere Autoren enthalten sich jeder Meinung über die Größe der Gruben und sprechen nur lakonisch von »Massengrab« (Klee, S. 372) bzw. »Massengräber« (Reitlinger, S. 153, 279).

Im Sommer 1942 haben die Massengräber zu erheblichen Schwierigkeiten geführt.

»An mehreren Stellen [...] sprudelte förmlich in dicken Strahlen Blut [...] hervor und bildete in der Nähe des Grabes große Lachen.« (Rückerl, S. 273f.)

Leichengase drangen aus den Gräbern und ein starker Verwesungsgeruch machte sich bemerkbar (Klee, S. 372; Rückerl, S. 273). Also wurden die Leichen wieder ausgegraben und zunächst in offenen Gruben, dann in Verbrennungsöfen verbrannt.

»Im Sommer 1942 begann man damit, die Gräber zu öffnen und die Leichen zu verbrennen.«

So lautet eine Zeugenaussage bei Rückerl (S. 273). Ein anderer Zeuge, der vom gleichen Rückerl wenige Zeilen vorher zitiert wird, meint, es sei erst im Herbst 1942 gewesen. Für Herbst plädieren auch Klee, der salopp vom »ausbuddeln« spricht (S. 372), und Hilberg (Vernichtung, S. 661). Rückerl zieht offensichtlich aus den widersprüchlichen Aussagen seiner Zeugen den Schluß, daß sich beide irrten und verlegt das Ausgraben der Leichen in die Wintermonate. Seine Anmerkung lautet:

»Von Ende 1942 bis Frühjahr 1943 [...] wurden die in den Massengräbern beigesetzten Leichen wieder ausgegraben und verbrannt, sowie die Gruben eingeebnet.« (S. 280)

Die wieder ausgegrabenen Leichen sollten nunmehr verbrannt werden. Massentötungen liefert uns dazu folgende Version: Im Waldlager

»wurden zwei von dem Polizei-Oberleutnant Gustav H. konstruierte Krematoriumsöfen eingerichtet. [...] Die Krematoriumsöfen hatten eine Breite von etwa 10 m und eine Länge von etwa 5-6 m. Sie ragten nicht aus der Erde heraus. Sie hatten keine Schornsteine. Sie verjüngten sich nach unten, wo die Roste angebracht waren, die aus Eisenbahnschienen bestanden.« (S. 115)

Der Mitherausgeber von Massentötungen, Adalbert Rückerl, erzählt uns in seinem NS-Vernichtungslager eine ganz andere Geschichte. Version Nummer zwei: Es wurden nicht sofort Krematoriumsöfen gebaut, sondern man verbrannte die Leichen zunächst in drei oder vier Gruben, 5 mal 4 m groß.

»In diese Gruben schichtete man die aus den Massengräbern hervorgeholten Leichen, bestreute sie mit einem Pulver und setzte sie in Brand.« (S. 274)

Außerdem gab es aber noch einen Verbrennungsofen, der aus einer offenen Grube mit einigen Eisenschienen als Rost bestand (Rückerl, S. 273). Erst später wurde ein großer Ofen gebaut - ein Ofen, nicht zwei - und dieser Ofen hatte einen 4 bis 5 m hohen Schornstein (Rückerl, S. 274). Gegensatz zur Aussage des Zeugen aus Massentötungen, der betonte, es seien keine Schornsteine vorhanden gewesen.

Aber von den Leichenverbrennungsaktionen gibt es noch eine dritte Version: Hier ist die Hauptperson SS-Standartenführer Paul Blobel mit seinem »Enterdungskommando 1005«. Dieses Kommando wurde von Reinhard Heydrich noch kurz vor seinem Tod (4. Juni 1942) extra zu dem Zweck geschaffen, sämtliche Massengräber und Leichen in den besetzten Ostgebieten spurlos verschwinden zu lassen (Reitlinger, S. 153).

Blobel mit seinen Mannen - jüdische Zwangsarbeiter, die ihm laufend aus dem KL Auschwitz geliefert wurden, denn sie wurden jeweils nach Beendigung eines Abschnitts erschossen (Höß[25], S. 162) - machte sich also an die Arbeit und begann in Kulmhof/Chelmno die Leichen »auszubuddeln«, so Klee (S. 372) gegen Rückerl, der behauptet, das in Kulmhof/Chelmno tätige jüdische Sonderkommando im Waldlager habe diese Arbeit verrichtet (S. 273). Und dann begann Blobel zu experimentieren.

»Er baute Scheiterhaufen und primitive Öfen und versuchte es sogar mit Sprengungen.« (Hilberg, Vernichtung, S. 661)

»Dies gelang aber nur sehr unvollständig« sagt Höß (S. 162), der aber trotzdem nach Kulmhof/Chelmno eilte, um Blobels »erfolglose Versuche, die Massengräber mit Hilfe von Dynamit verschwinden zu lassen, zu beobachten« (Reitlinger, S. 153). Reitlinger fährt fort:

»Man hatte sich für diese Methode entschieden, weil Himmler [...] Blobel den Befehl erteilt hatte, auch die Asche der Toten verschwinden zu lassen.«

Offensichtlich wegen der Erfolglosigkeit dieser Methode verschwanden denn die Leichen auch nicht völlig, sondern:

»Blobel verwendete außerdem eine Knochenmühle.« (Reitlinger, S. 153)

Irgendwie muß man aber dann doch wohl die Leichen zu Asche verwandelt haben, denn diese wurde

  1. »in dem ausgedehnten Waldgelände verstreut« (Höß, S. 162);
  2. »in Gruben verscharrt oder in den Fluß geschüttet« (Nellessen, S. 57) und
  3. »in große Säcke gefüllt und vergraben oder in den Ner gestreut« (Rückerl, S. 273) bzw.
  4. »nachts von einer Brücke in die Warthe geschüttet« (Klee, S. 372).

Anschließend wurde der Wald gefegt (Klee, S. 372).

7.3 KINDER UND RUSSEN

Massentötungen berichtet von Kindertransporten nach Kulmhof/Chelmno, die aus der Tschechoslowakei, aus Polen und aus der Sowjetunion gekommen seien (S. 133). Die zwei Zeugen, die dann anschließend zitiert werden, wissen allerdings nur von einem einzigen Transport mit Kindern. Drei Lkws mit ca. 200 Kindern seien es gewesen, meint der eine Zeuge und im Sommer 1942 habe das stattgefunden. Die andere Zeugin weiß zu berichten, daß die Kinder nicht jüdisch sondern eher polnisch ausgesehen haben.

Rückerl erwähnt diesen Transport ebenfalls. Er schätzt die Anzahl aber nicht auf 200 sondern spricht von 50-75 Kindern, im Alter von 4-14 Jahren.

»Bei dem Kindertransport soll es sich, polnischen Untersuchungen zufolge, um "nichteindeutschungsfähige" Kinder aus Lidice gehandelt haben.« (Rückerl, S. 280, Anm. 76)

Er setzt hinzu, ein sicherer Nachweis sei bisher nicht zu führen gewesen.

Tatsächlich gibt es in den Akten von Yad Vashem, Jerusalem, einen Schriftwechsel vom 4. bis 25. Juli 1942, also genau in dem von Massentötungen genannten Zeitraum, über eine Gruppe »nichteindeutschungsfähiger Kinder aus dem Protektorat Böhmen und Mähren«[26]. Es handelt sich dabei aber weder um 200 noch um 75, sondern um 12 Kinder im Alter von 1 bis 15 Jahren, deren volle Namen, Geburtsdaten, Geburtsort und Adressen angegeben werden. Diese Kinder werden zur weiteren Unterbringung der Gestapo Litzmannstadt (Lodz) übergeben. Weiteres geht aus dem Schriftwechsel nicht hervor. Eine Zeugin in Massentötungen behauptet, daß auch diese Kinder in Kulmhof/Chelmno getötet worden seien.

In diesem Zusammenhang - Ermordung von nichtjüdischen Personen - wird auch eine Gruppe russischer Kriegsgefangener erwähnt. Eines Tages, ebenfalls im Sommer 1942, fuhren zwei Lkws mit »irgendwelchen Militärangehörigen« vor, die der Zeuge, der das beobachtet hat, an ihren hellgrünen Uniformen als russische Kriegsgefangene erkannte. Die Lkws hielten vor dem umzäunten Schloßgelände, die Soldaten blieben auf den Wagen sitzen. Zwei Kraftfahrer des Sonderkommandos lösten die Lkw-Fahrer ab und fuhren mit den Wagen weiter, Richtung Wald. Nach 25 Minuten sind die Wagen leer zurückgekommen. Soweit der Zeuge. Massentötungen folgert:

»Der größte Teil von ihnen wurde [...] vergast, die übrigen wurden erschossen.« (Massentötungen, S. 134f.)

Woher ihnen dieses Wissen zukam, teilen uns die Herausgeber nicht mit.

Der polnische Zeuge, der die Ankunft der Lkws beobachtet hat, war ein Einwohner aus Warthbrücken und arbeitete für das Sonderkommando. Er füllte Strohsäcke. Nun kann man sich schlecht vorstellen, daß er das auf der freien Landstraße tat. Höchstwahrscheinlich übte er diese Tätigkeit auf dem, wie uns erzählt wurde, mit einem übermannshohen Zaun umgebenen Gelände des Schloßhofes aus. Die Lkws mit den Russen sind vor dem Tor stehengeblieben. Unter diesen Umständen hätte der Zeuge also allenfalls das Geräusch von anhaltenden Wagen hören können, etwas zu sehen, wäre wegen des Bretterzaunes unmöglich gewesen. Trotzdem hat er nicht nur die Uniformen genau beschrieben, sondern weiß auch noch, daß von den sitzenden Soldaten, die den Lkw nicht verließen, einer nur ein Bein hatte. Er konnte also nicht nur durch den Bretterzaun, sondern auch noch durch die Seitenwände des Lkws hindurchsehen. - Vielleicht hat er seine Aussage aber auch nur gemacht, weil sie ihm, einem polnischen Kollaborateur, später, als die Zeiten sich geändert hatten, von Nutzen war?

Massentötungen behauptet, daß die Russen mit ihrem Lkw in den Wald gefahren, und dort zum Teil "vergast" wurden. Wie das vonstatten gegangen sein soll - die extra präparierten Gaswagen standen ja beim Schloß und die Soldaten sind nicht umgestiegen - erklären die Herausgeber nicht. Und warum nur ein Teil der Russen "vergast" und der andere Teil erschossen wurde, bleibt auch unklar.

8. Die Ausbeute

Wie wir hörten, mußten die Opfer beim Auskleiden auch ihren Schmuck und andere Wertsachen sowie ihr Geld abgeben. Das geschah unter Aufsicht. Trotzdem hat man noch von den Leichen später Fingerringe abgezogen (Massentötungen, S. 117; Rückerl, S. 272; Nellessen, S. 57, 140).

Eigene Kommandos waren eingesetzt, um den Schmuck und die Wertsachen zu zählen und zu sortieren. Goldzähne, die den Leichen ausgebrochen worden waren, wurden sackweise aus dem Wald ins Schloß transportiert.

«Die eingesammelten Wertsachen der Opfer (Schmuck, Uhren, Münzen, Goldzähne, Pelzmäntel und dergleichen) wurden geordnet, registriert und anschließend der Ghettoverwaltung in Lodz übersandt, desgleichen das angefallene Geld, das sich bei Abschluß der Vernichtungsaktion auf insgesamt 2 650 000 RM belief«, (Rückerl, S. 272f.).

Diese große Ausbeute der Mordaktion ist erstaunlich. Tatsächlich gehörten nämlich die Opfer der Deportationen aus Lodz nicht den wohlhabenden Gesellschaftsschichten an. Der Vorsitzende des Judenrates in Lodz, Chaim Rumkowski, der die Deportierungslisten zusammenstellte, ging nach dem Motto vor: Fort mit Schaden.

»Ich habe die Sache so gelöst, daß ich jenen Teil zur Deportation bestimmte, der für das Getto ein eiterndes Geschwür darstellte. So enthielt die Liste verurteilte Subjekte der Unterwelt,[[27]] den Abschaum, und verschiedene für das Getto schädliche Personen.« (Dawidowicz, Krieg, S. 279)

Nachdem Kriminelle und "unerwünschte Personen" deportiert waren, sah die Umsiedlungskommission unter Leitung von Rumkowski die Akten des Sozialamtes durch und fand heraus, daß 80 % der 160.000 Ghettobewohner Sozialhilfeempfänger waren. Aus ihnen suchte man die nächsten Deportierungsopfer (Dawidowicz, Krieg, S. 279f.).

Immer vorausgesetzt, daß die Deportierten tatsächlich nach Kulmhof/Chelmno gebracht und dort ermordet wurden, muß man sich unter diesen Umständen doch fragen, woher eigentlich der Reichtum gekommen ist, der den Mördern in die Hände fiel. Selbst Rückerl stellt fest:

»Die in Chelmno eintreffenden Menschen befanden sich durchweg in einem schlechten Ernährungs- und Bekleidungszustand.« (S. 280)

Dawidowicz spricht von »armen, abgerissenen Männern, Frauen und Kindern« (Krieg, S.279) und Poliakov nennt die Deportierten die »unnützen Esser« (S. 152).

An anderer Stelle wird uns erzählt, daß die Kleidungsstücke der Kulmhof/Chelmnoer Opfer an verschiedene Stellen weitergegeben wurden, die sie aber zum Teil wieder zurückschickten, da die Sachen zu armselig und daher unbrauchbar waren (Hilberg, Vernichtung, S. 644).

Aber die behauptete große Ausbeute der Mordaktion paßt selbst dann nicht ins Bild, wenn es sich bei den Opfern ausschließlich um Millionäre gehandelt hätte. Die Mengen, von denen die Rede ist, stehen in keinem Verhältnis zu der Anzahl der Menschen, die ermordet wurden. Da hören wir z.B. von einem Fernschreiben der Ghettoverwaltung Lodz an das Wirtschaftsamt in Posen vom 27. Mai 1942.

»Beim Sonderkommando Lange lagern schätzungsweise 370 Waggons Kleidungsstücke, zu deren Abfahrt etwa 900 Lastkraftwagen mit Anhänger erforderlich sind.« (zitiert bei Rückerl, S. 275)

Das Sonderkommando Lange war das Kommando Kulmhof/Chelmno unter seinem ersten Kommandoführer. Nun wurden bis zum Mai 1942, dem Zeitpunkt dieses Fernschreibens, ca. 55.000 Menschen aus dem Ghetto Lodz deportiert (Massentötungen, S. 132; Hilberg, Vernichtung, S. 361). 55.000 Menschen würden 1.100 Lastkraftwagen à 50 Personen füllen. Wie könnte es sein, daß man für die Abfahrt der Kleidungsstücke, die diese 55.000 Menschen mitbrachten, fast den doppelten Platz, nämlich 1.800 Lastkraftwagen (900 Lkw mit Anhänger) benötigt? Die Deportierten mußten ja ihre Wohnungen mit einem Minimum an Gepäck verlassen.

9. Zweimal Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno

Zum Verständnis der verschiedenen Behauptungen über Kulmhof/Chelmno ist es wichtig zu wissen, daß dieses Vernichtungslager zwei »Aktionsphasen« hatte.

Die erste dauerte von Ende 1941 bis April 1943. Während dieser ersten Lagerperiode hat sich der Vernichtungsvorgang so abgespielt, wie es bisher geschildert wurde, also Anfahrt der Opfer zum Schloß in Kulmhof/Chelmno; Tötung der Opfer in dort geparkten Gaswagen; Fahrt der Leichen - in den Gaswagen - in das nahegelegene Waldgelände; Begraben, später Verbrennen der Leichen im Wald; Rückkehr der leeren Gaswagen ins Schloß, wo sie gereinigt wurden. Laut Klee (S. 372) geschah die Reinigung der Wagen allerdings immer im Wald.

Am Ende der ersten Aktionsphase wurden die Massengräber geöffnet und die Leichen verbrannt. Dies geschah im Sommer oder Herbst 1942 (so Rückerl, S. 273; Klee, S. 372; Hilberg, Vernichtung, S. 661). An anderer Stelle (S. 280) datiert Rückerl die Leichenverbrennungsaktionen in den Zeitraum von Ende 1942 bis Frühjahr 1943.

Im April 1943 hat die SS das Schloß gesprengt, den oder die Verbrennungsöfen zerstört und alle Spuren vernichtet (Massentötungen, S. 135; Nellessen, S. 57; Rückerl, S. 281). Klee, der nicht nur Rückerl gelesen, sondern auch polnische Akten studiert hat, weiß nichts von einer Sprengung des Schlosses zu diesem Zeitraum. Nach ihm haben sich auch die Morde der zweiten Aktionsphase im Schloßbereich abgespielt (S. 371).

Anschließend »verließ das Kommando Bothmann Chelmno, um sich nach Dalmatien zu begeben« (Reitlinger, S. 279; ähnlich Klee, S. 371; Massentötungen, S. 135; Nellessen, S. 57; Rückerl, S. 280, 281; allerdings stimmen die Daten in den verschiedenen Publikationen nicht überein).

9.1 DIE ZWEITE AKTIONSPHASE

Ein Jahr später, 1944, ist das Kommando Bothmann überraschend nach Kulmhof/Chelmno zurückgekehrt, um eine neue Vernichtungsaktion zu starten. Entweder im Februar 1944 (Reitlinger, S. 161, 279), oder April 1944 (Rückerl, S. 283; Massentötungen, S. 142), allgemein im Frühjahr 1944 (Klee, S. 371), Ende Mai oder Anfang Juni 1944 (Massentötungen, S. 138; Hilberg, Vernichtung, S. 604) sind sie wieder da gewesen und haben ihr Mordgeschäft erneut aufgenommen.

Überraschenderweise ist Massentötungen der Meinung, die neue Saison im Kulmhof/ Chelmno habe damit begonnen, alle Spuren der ersten Aktionsphase zu verwischen, also die Massengräber zu öffnen und die Leichen zu verbrennen.

»Im April 1944 traf in Weimar von Bothmann aus Posen ein Fernschreiben ein, in welchem er uns wieder für das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno anforderte. Wir setzten uns nach Kulmhof/Chelmno in Marsch. In Kulmhof nahm uns Bothmann in Empfang. Bothmann erklärte uns, daß nun auf Befehl des Reichsführers der SS Himmler sämtliche Spuren in Kulmhof verwischt werden müssen. Im Waldlager wurden die Massengräber geöffnet. Die Leichen in diesen Gräbern wurden mit Hilfe von jüdischen Arbeitskommandos in einem vorher gebauten Verbrennungsofen verbrannt.« (Massentötungen, S. 142)

Aber nach allem, was wir oben gehört haben, war das alles ja bereits ein Jahr vorher erledigt worden. Es gab keine Massengräber mehr, die Leichen waren längst verschwunden, die Asche verstreut oder vergraben.

Weiter lautet die Geschichte der zweiten Lagerperiode wie folgt: Nach der Ankunft des SS-Kommandos wurden im Wald eine oder zwei Holzbaracken aufgestellt. Von einer Baracke aus führte ein »mit übermannshohen Brettern eingefriedeter Gang« (Rückerl, S. 283) zu einer Rampe, die wiederum mit einem dort stationierten Gaswagen verbunden war. Das ist, wie wir uns erinnern, die Beschreibung der Anlagen beim Schloß in der ersten Lagerperiode. Aber Rückerl hat sie noch einmal für den zweiten Lagerabschnitt benutzt.

Die Opfer wurden mit der Bahn bis nach Kulmhof/Chelmno gebracht und übernachteten dort in der Kirche. Am nächsten Morgen wurden sie in den Wald gefahren, mußten sich in den Baracken ausziehen und dann in den Gaswagen gehen. Die Leichen wurden anschließend in ein oder zwei Verbrennungsöfen verbrannt.

Stellvertretender Lagerführer war in diesem Zeitabschnitt SS-Hauptscharführer Walter Piller. In einer "freiwilligen" Stellungnahme, die er in russischer Kriegsgefangenschaft abgab[28], erklärt er:

»Bei meinem Eintreffen in Kulmhof wurden zur Zeit die beiden Baracken in dem Walde, wo die Juden verbrannt worden sind, aufgestellt. Die beiden Öfen, die zur Verbrennung der Leichen gebraucht wurden, waren noch nicht vorhanden. Erst als die beiden Baracken aufgestellt worden waren, hat SS-Hauptscharführer Runge die beiden Öfen mit Hilfe jüdischer Arbeitskräfte aus dem Ghetto Litzmannstadt gemauert [...] Ich möchte annehmen, es wird Anfang Juni oder Ende Mai 1944 gewesen sein, als die Vernichtung der Juden aus dem Ghetto Litzmannstadt anfingen und dauerten bis Mitte August 1944.« (Massentötungen, S. 138f.)

Rückerl behauptet dagegen, es habe nur einen Ofen gegeben (S. 283).

Piller erklärt die Bedeutung der beiden Baracken:

»Am Morgen sind beispielsweise 700 Personen-Transportstärke die Hälfte, also 350 Personen nach Möglichkeit familienweise mit Lkw in den bereits genannten Wald gefahren worden. Vor einer von dem SS-Sonderkommando aufgestellten Holzbaracke, deren zwei Räume je für Frauen und Männer mit Haken und Regalen zum Aufhängen der Bekleidungsstücke angebracht waren, vorgefahren und wurden beim Aussteigen aufgefordert, auszusteigen und vor der Baracke, die durch einen Holzzaun abgegrenzt war, Aufstellung zu nehmen. Es waren lediglich im Walde zwei Baracken mit einer Länge von etwa 20 m und einer Breite von 10 m aufgestellt.« (Massentötungen, S. 140)

An einer Tür des Zaunes war eine Tafel »Zur Badeanstalt« und vor der Mitte der Baracke ein Schild »Zum Arzt Baracke 9« angebracht. (a.a.O.)

»Nachdem sich alle vollkommen nackt ausgezogen hatten, mußten die Frauen zuerst und dicht aufgeschlossen die Männer in einer Reihe durch eine Tür mit genannter Aufschrift "Zur Badeanstalt" gehen. Hinter der Tür befand sich ein etwa 20-25 Meter langer Gang, der durch einen Lattenzaun begrenzt war und eine Breite von etwa 11/2 Meter hatte. Der Gang verlief am Ende im rechten Winkel, wo sich eine Rampe befand. Vor der Rampe stand ein geschlossener Lkw (Spezialwagen), in diesen Wagen mußten die Juden steigen. Nachdem etwa 70-90 Personen im Wagen waren, wurde die Tür geschlossen und der betr. Lkw fuhr dann nach den etwa 200 m entfernten Öfen. Während der Fahrt wurde durch den Kraftfahrer Laabs ein Ventil geöffnet, durch welches Gas entströmte. Hierbei handelte es sich um Gase, die durch den Benzinmotor erzeugt wurden.[...] « (Massentötungen, S. 141)

Im Unterschied zu Piller, der behauptet, die Opfer seien in dem Lkw durch Benzinabgase getötet worden, schreibt Rückerl:

»Es wurden abwechselnd zwei Gaswagen eingesetzt, bei denen es sich um dieselben Fahrzeuge handelte, die bereits früher in Chelmno ständig benutzt worden waren.« (S. 285)

Und diese Fahrzeuge waren, wie aus anderen Quellen bekannt ist, Saurer-Kraftwagen mit Dieselmotor. (S. Abschnitt 7.1).

Piller erzählt weiter:

»Ist nun der Spezialwagen bis an den Ofen herangefahren, so wurde dieser von Laabs geöffnet und die Toten wurden dann in den Ofen geworfen, wo sie nach kurzer Zeit (15 Minuten etwa) zu Asche verbrannten.« (Massentötungen, S. 142)

Außer den Anlagen im Wald wurden für die zweite Aktionsphase auch Einrichtungen auf dem ehemaligen Schloßhof geschaffen: eine Baracke für die Aufbewahrung der Wertsachen, die den Opfern abgenommen wurden, daneben ein Zelt mit einem Zerreißwolf für die nicht mehr verwendbaren Kleidungsstücke Die jüdischen Arbeitskommandos wurden während dieser zweiten Phase in einem Kornspeicher untergebracht, während die polnischen Häftlinge mit dem Keller des Schlosses, von dem nach der Sprengung noch Reste erhalten waren, vorlieb nehmen mußten (Rückerl, S. 283). Dieser Behauptung widerspricht Massentötungen, wo von einem Gefängnis mit oberen und unteren Zellen die Rede ist (S. 143).

Nellessen (S. 141), zitiert die Aussagen eines der vier Entkommenen, der Anfang 1944 nach Kulmhof/Chelmno verbracht worden war - also lange vor dem Datum, das die meisten Autoren als Beginn der zweiten Aktionsphase angesetzt haben. Dort habe er zum »Hauskommando« gehört, das im Schloßbezirk arbeitete. Dieser Zeuge sagte im Jerusalemer Eichmann-Prozeß aus, er habe gesehen, wie die Leute in den Gaswagen eingestiegen seien:

»Man gab ihnen Seife, ein Handtuch und sagte, daß sie zum Brausebad gingen. In jedes Lastauto mußten 80 bis 100 Personen einsteigen. Wenn die Türen geschlossen waren, wurde das Gas eingelassen; so vernichtete man sie.«

Solche Beobachtungen hätte er beim »Hauskommando« während der zweiten Lagerperiode aber gar nicht machen können, denn die Lastwagen mit den Opfern fuhren ja von der Kirche, wo die Leute übernachtet hatten, direkt in den Wald. Außerdem widerspricht die Beladung des Gaswagens mit 80-100 Personen ebenso wie die von Piller behaupteten 70-90 Personen anderen Darstellungen, die die Fassungskraft der Lkws mit 30, 35, 40, 50 oder höchstens 70 Personen beschrieben, (Massentötungen, S. 122, 123, 128; Rückerl, S. 272).

Laut Hilberg (Vernichtung, S. 604) wurden die Mordaktionen im Juli bereits wieder beendet. Andere Autoren terminieren das Ende des »Todesgeschäfts« (Nellessen) auf einige Monate später (Nellessen, S. 57) oder Mitte August (Massentötungen, S. 139), Oktober 1944 (Poliakov, S. 196), drei Monate vor der Befreiung, im Januar 1945 (Nellessen, S. 142) bzw. am »Ende der Besatzungszeit« (Klee, S. 371).

Anschließend haben die jüdischen Arbeiter nur noch Aufräumungsarbeiten durchgeführt (Rückerl, S. 286). »Das SS-Sonderkommando verblieb aber noch bis Anfang Februar 1945« in Kulmhof/Chelmno (Massentötungen, S. 139).

In der Nacht vom 17. zum 18. Januar 1945 begann das SS Sonderkommando die noch lebenden jüdischen Arbeiter zu erschießen, (Rückerl, S. 287; Massentötungen, S. 143; Poliakov, S. 197). Bei dieser Gelegenheit gelang es zwei Gefangenen, zu entfliehen: Shimon Srebnik und Mordechai Zurawski.

9.2 OPFERZAHLEN DER 2. AKTIONSPHASE

Für die Transporte nach Kulmhof/Chelmno im Jahr 1944 legt man allgemein die Deportationslisten aus Lodz zugrunde, trotzdem gibt es unterschiedliche Opferzahlen.

Rückerl beruft sich auf die Angaben des Lodzer Judenrates. Demnach haben vom 23. Juni bis 14. Juli 1944 insgesamt 9 Transporte mit 7.176 Personen Lodz verlassen.

Piller hingegen schreibt, daß die Vernichtung der Juden aus dem Ghetto Litzmannstadt Ende Mai oder Anfang Juni angefangen und bis Mitte August gedauert habe. Jede Woche seien drei Transporte angekommen, deren Stärke 300 oder 700 Personen betragen habe. »Als Grundzahl will ich aber 700 betrachten«, fährt er, gegen jede statistische Regel verstoßend, fort. Indem er dann noch den Beginn der Transporte auf Mitte Mai zurückdatiert - obwohl er vorher von Ende Mai oder Anfang Juni sprach -, kommt er auf die Gesamtzahl von 25.200 Opfern, die während der Zeit seiner stellvertretenden Kommandantur ermordet worden seien.

»Die genaue Anzahl kann ich nicht angeben. Es kann sich hierbei aber nur um eine geringe Anzahl mehr oder weniger Juden handeln.« (Massentötungen, S. 139)

10. Die Zeugen

Wir sagten schon zu Anfang, daß uns die Vorgänge in Kulmhof/Chelmno ausschließlich durch Zeugenaussagen bekannt geworden sind.

Zu den Zeugen gehören die Beteiligten des Kulmhof-Prozesses vor dem Landgericht Bonn 1962/1963[29] und die Flüchtlinge aus der ersten bzw. die Überlebenden der zweiten Aktionsphase des Vernichtungslagers. Die Ergebnisse des Strafprozesses wurden von Rückerl in seiner Studie verarbeitet. Einsicht in die Prozeßakten ist Außenstehenden nicht möglich. Das Urteil wurde aber veröffentlicht und kann nachgelesen werden[30].

Außer diesen direkt Beteiligten tauchen zwei weitere Personen in diesem Abschnitt der Geschichte auf: Rabbi Schulman aus Grabow, einem Ort ca. 15 km östl. von Kulmhof[31], und Dr. Emanuel Ringelblum, der im Warschauer Ghetto ein Untergrundarchiv leitete. Beide haben eine Art Schlüsselfunktion beim Verbreiten der Nachrichten über Kulmhof.

Rabbi Schulman schrieb am 19. Januar 1942 einen Brief, in dem es u.a. heißt:

»Mich besuchte ein Augenzeuge, der durch Gottes Gnade gerettet wurde. [...] Von ihm habe ich alles erfahren. Der Ort, wo sie vernichtet werden, heißt Chelmno [...] Die Männer werden auf zwei Arten getötet: erschossen oder durch Gas. [...] Seit einer Reihe von Tagen haben sie Tausende von Juden aus Lodz genommen und mit ihnen dasselbe getan.« (Laqueur, S. 163/164[32]; Poliakov, S. 153f.[33])

Ob dieses Schreiben tatsächlich von Rabbi Schulman ist, scheint jedoch nicht ganz sicher zu sein, denn Laqueur setzte seinen Namen in eckige Klammern, was darauf hinweist, daß seine Vorlage keine Unterschrift trägt. Ebenso unsicher ist, an wen der Brief gerichtet war. Laqueur behauptet, er sei an den Schwager Schulmans gewesen und benutzt die Anrede: »Mein Lieber«; Poliakov (S. 153f.) schreibt statt dessen: »Meine sehr lieben Freunde«, weil er glaubt, das Schreiben sei an Freunde Schulmans gegangen. Die Vorlage ist hier also offensichtlich unklar.

Ganz anderer Meinung ist hingegen Dawidowicz, die anstatt eines Briefes nur von einer Postkarte weiß, die Schulman an einen Bekannten in Lodz geschickt habe. Darauf habe er von drei Juden gesprochen, die aus Chelmno geflohen seien und ihm darüber berichtet haben.

»Das waren die ersten Nachrichten in Lodz von den Todeslagern.« (Dawidowicz, Krieg, S. 281)

Eine dritte Version lautet völlig anders. Danach habe sich Rabbi Schulman an Chaim Rumkowski, den Ältesten des Judenrates in Lodz, gewandt, und selbst um Auskunft gebeten. Daraufhin habe ihm Rumkowski über das Lager Chelmno berichtet (Laqueur, S. 160).

Unsicher bleibt auch, ob Schulman nur von einem Flüchtling aufgesucht worden war, wie es in dem Brief heißt, oder von mehreren. Laqueur (S. 160/161 Fn.) und Dawidowicz (Krieg, S. 281) sind der Meinung, es seien drei gewesen.

Zur Frage der Flüchtlinge aus Kulmhof treffen wir in den verschiedenen Dokumentationen auf unterschiedliche Meinungen. Bei Massentötungen heißt es:

»Nur wenigen Häftlingen gelang die Flucht aus dem "Arbeitskommando". Der erste war Jakov Grojanowski.« (S. 131)

Sein Fluchtdatum wird präzise mit 19. Januar 1942 angegeben (S. 328). Er gelangte nach Warschau, und nahm Kontakt zu Ringelblum auf. Diesem übergab er einen »eigenhändig verfaßten Bericht über die Tötungsanstalt Kulmhof«. Grojanowski kam später im Ghetto um, doch sein Bericht wurde in den Ruinen des Warschauer Ghettos unter den Akten Ringelblums gefunden (Massentötungen S. 131). In der deutschen Ausgabe von Ringelblums »Tagebüchern«[34] wird Grojanowski allerdings nicht erwähnt, Chelmno nur in einer Aufzählung (Ringelblum, S. 23).

Der Bericht über Chelmno, der von Grojanowski Ringelblum übergeben worden sein soll wird von anderen Autoren einer »kleinen Gruppe von Totengräbern« zugesprochen, die im Januar 1942 aus Chelmno fliehen konnten und sich in Warschau an Dr. Ringelblum und sein geheimes Dokumentationszentrum gewandt hatten.

»Ihre Aussagen wurden von Freunden Ringelblums schriftlich niedergelegt. Wohl durch Kurier gelangte der Bericht nach London und dann in die Vereinigten Staaten, wo er in vielen Zeitungen erschien.« (Laqueur, S. 139; ferner S. 132, 136, 160, 161, 163f., 273; Poliakov, S.153f.)

Der Behauptung, daß Grojanowski der erste Flüchtling aus Chelmno gewesen sei, widerspricht u.a. Dawidowicz (Krieg, S. 282). Sie berichtet von zwei Juden, die Ende 1941 oder Anfang 1942 aus dem Todeslager entkommen seien und sich in Warschau an die ZTOS[35] gewandt hätten. Dort wurden ihre Aussagen zwar aufgezeichnet, aber nicht weitergeleitet, weil sie den Mitarbeitern der ZTOS zu unglaubwürdig erschienen.

Ein weiterer Zeuge, der noch vor Grojanowski geflohen sein soll, ist Michael Podchlebnik, (Massentötungen, S. 145; Rückerl, S. 274; Nellessen, S. 139-141; Hausner, Vernichtung, S. 236). Podchlebnik trat im Eichmann Prozeß in Jerusalem am 5. Juni 1961 als Zeuge auf und berichtete dort folgendes: Er wurde am 28. oder 29. Dezember 1941 nach Chelmno gebracht (Nellessen, S. 139; das Datum kann man aus den anschließend geschilderten Ereignissen erschließen). Zunächst arbeitete er im Schloßkommando. Aber schon »am nächsten Tag« (»es war zwei Tage vor Neujahr« (Nellessen, S. 140 - also der 30. Dezember 1941) meldete er sich zum Waldkommando. Im Wald wurden Gräber ausgehoben bzw. Schützengräben geschaufelt. Nachdem er »einige Tage« (Nellessen, S. 140) im Wald gearbeitet hatte, kam »am Dienstag« [dieser Dienstag war der 6. Januar 1942], ein Auto, das die Leichen seiner Familie brachte. Drei Tage später gelang ihm die Flucht (Hausner, Vernichtung, S. 236). Das war demnach der 9. Januar 1942.

Außer den Namen dieser beiden Flüchtlinge Grojanowski und Podchlebnik erfahren wir noch die derjenigen, die das Massaker bei der endgültigen Lagerauflösung am 18. Januar 1944 überlebt hatten: Shimon Srebnik, damals 14 Jahre alt (Poliakov, S. 197; Rückerl, S. 287; Nellessen, S. 141-143) und Mordechai Zurawski, (Poliakov, S. 197; Rückerl, S. 287). Auch Srebnik war übrigens Zeuge im Eichmann Prozeß in Jerusalem.

11. Umstrittene Zahlen

Die Anzahl der Menschen, die den Vernichtungaktionen in Kulmhof/Chelmno zum Opfer gefallen sind, ist nicht bekannt, die diversen Angaben differieren um Hunderttausende und lauten wie folgt: ca. 11.000 (Reitlinger, S. 101); 34.000 (Delarue[36], S. 257); 54.990 (Faschismus - Getto - Massenmord[37], S. 285); mindestens 100.000 (Klee, S. 371); über 100.000 (Hilberg, Destruction, S. 572); 150.000 (Hilberg, Vernichtung, S. 604); mindestens 152.676 (Massentötungen, S. 145); 300.000 (Höhne, S. 431); mehr als 300.000 (Massentötungen, S. 145); 340.000 (Dawidowicz, Krieg, S. 139; Nellessen, S. 57); mindestens 340.000 (IMT, Bd. VIII, S. 364); 360.000 (Gilbert[16], Karte S. 169). Sicherlich gibt es in anderen Werken noch weitere Zahlen, aber die hier gebotene Auswahl reicht aus, um zu beweisen, daß von einem sicheren Wissen nicht die Rede sein kann. Die meisten Zahlen sind auch mit dem ausdrücklichen Hinweis versehen, daß es sich lediglich um eine Schätzung handelt. Allerdings haben die Autoren dabei im Sinn, daß die wirkliche Zahl der Opfer noch um ein Vielfaches höher liegen kann.

Die Basis für diese Schätzungen sind die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Lodz und den umliegenden Landkreisen. Man geht in der Literatur davon aus, daß diese Evakuierten nach Kulmhof/Chelmno gebracht und dort getötet wurden.

12. Evakuierungen der jüdischen Bevölkerung

Um die Zahlen der Evakuierten zu errechnen, bedient man sich verschiedener Dokumente. Da ist erstens eine Statistik des Ältestenrates der Juden in Lodz, die sich im Archiv des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau befindet und in Faschismus - Getto - Massenmord, S. 285, abgedruckt wurde.

Eine Spalte der Tabelle, die das Jüdische Historische Institut veröffentlicht hat, ist mit: »Ausgesiedelt nach Kulmhof/Chelmno« überschrieben. Die Überschrift kann jedoch unmöglich den Originalaufzeichnungen des Judenrats entstammen, denn aus anderen Quellen ergibt sich, daß tatsächlich nirgendwo in den Listen der Name Kulmhof/Chelmno auftauchte.

»In den angeführten statistischen Aufstellungen ist nicht vermerkt, daß diese Transporte nach Chelmno gingen.« (Rückerl, S. 293)

Daß die Deportierungen in ein Todeslager gehen würden, wurde auch von den Ältesten der jüdischen Gemeinde offensichtlich nicht vermutet.

»Selbst ganz zum Schluß der Umsiedlung, im September 1942, begleitete der Präsident des Lodzer Judenrates, Chaim Rumkowski, die Kinder auf ihrem Marsch zum Bahnhof ohne Befürchtungen, weil sein eigenes Waisenhaus verschont worden war.« (Reitlinger, S. 279f.)

Die Gesamtzahl der in der Statistik vermerkten deportierten Juden beträgt 54.990.

Weitere Beweisdokumente in der Veröffentlichung des Jüdischen Historischen Instituts sind Berichte der Gestapo in Lodz, die von »Evakuierungen« der jüdischen Bevölkerung sprechen, (Faschismus - Getto - Massenmord, S. 285f., 292f.). Auch in diesen Berichten taucht der Name »Kulmhof/Chelmno« nirgendwo auf. Nichtsdestoweniger lautet die von den Herausgebern gewählte Überschrift über den ersten dieser Berichte:

»Auszug aus einem Lagebericht der Gestapo in Lodsch über die Massendeportation der Juden aus dem Regierungbezirk Lodsch ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno).«

Die Originale dieser Gestapo-Berichte sollen sich in polnischen Archiven befinden.

In den verschiedenen Veröffentlichungen wird immer wieder betont:

»Die Juden wurden an einen unbekannten Bestimmungsort deportiert«, (Dawidowicz, Krieg, S. 279, 283; Reitlinger, S. 101)

Ein Teil wurde »in Arbeitslager und in die geräumten Ghettos des Distrikts Lublin überführt«, (Reitlinger, S. 279). Andere wurden »zur Urbarmachung der Pripjet-Sümpfe und in den jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien bei Kriwoi Rog in der Ukraine« eingesetzt, (Reitlinger, S. 101).

An anderer Stelle heißt es bei Reitlinger:

»Auf dem Marsch von Kriwoi Rog nach Dnjepropetrowsk fand die Einsatzgruppe C eine große, in der Zarenzeit gegründete, aber jetzt kollektivierte jüdische landwirtschaftliche Siedlung [...] Die Zahl dieser Juden hat sich 1942 vermutlich noch vergrößert, als Juden aus der Warschauer und Lubliner "Umsiedlungsaktion" in das Dorf gesandt wurden, um die Ernte einbringen zu helfen. Drei der jüdischen Kollektivformen zwischen Kriwoi Rog und Cherson waren groß genug, einen "National-Bezirk" der Sowjetunion zu bilden - Stalindorf, Kalinindorf und Nowo Zlatopolje.« (Reitlinger, S. 265)

Reitlinger fährt dann zwar fort, daß nach dem von Salomon M. Schwarz gesammelten Beweismaterial »die gesamte noch überlebende jüdische Bevölkerung gegen Ende Mai 1942 liquidiert« wurde. Aber 300 Seiten später weist er nach, daß den Behauptungen von Schwarz nicht zu trauen ist. »Schwarz kommt mit Hilfe einer völlig willkürlichen Methode« zu seinen Ergebnissen; er »schenkt den deutschen Polizeiberichten keinerlei Beachtung«; »er verwirft die amtlichen Berichte« und lehnt auch andere glaubwürdige Quellen ab (Reitlinger, S. 571). Reitlinger hielt es sogar für notwendig, diese Hinweise auf die Fragwürdigkeit der Angaben von Schwarz seiner Bibliographie einzufügen (S. 617). Man muß sich allerdings fragen, warum er, bei dieser Einstufung der Glaubwürdigkeit von Schwarz, dessen Ansicht, daß die gesamte noch lebende jüdische Bevölkerung der drei Distrikte gegen Ende Mai 1942 liquidiert wurde, überhaupt erst erwähnt hat, da er sie doch offensichtlich selbst nicht für wahr hält.

In einer Studie über das Schicksal der Juden in den von deutschen Truppen besetzten Ländern Europas, die im August 1943 vom Amerikanischen Jüdischen Kongreß, zusammen mit dem Jüdischen Weltkongreß, New York, herausgegeben wurde[38], heißt es in bezug auf die Juden von Lodz, daß sie 1941/1942 in verschiedene andere Gebiete umgesiedelt und zu Arbeiten in den Sumpfgebieten von Pinsk und Rokitno eingesetzt wurden, sofern sie nicht Unterkunft in den Ghettos anderer polnischer Städte fanden. Wenn man nicht annehmen will, daß die beiden jüdischen Organisationen gelogen haben, beweist diese Studie, daß bis zum August 1943 von einem »Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno«, in das die jüdische Bevölkerung von Lodz geschickt wurde, entweder nichts bekannt war oder die nach außen gedrungenen Meldungen nicht geglaubt wurden.

13. Fazit

Nach allen vorhandenen Unterlagen läßt sich als sicher nur feststellen, daß die jüdische Bevölkerung Polens zunächst aus den Landkreisen in größere Städte umgesiedelt wurde, deren Ghettos durch diesen Zuzug hoffnungslos überfüllt wurden. Von den Ghettos wurden dann die arbeitsfähigen Männer und Frauen ausgesondert, während die übrigen nach unbekannten oder nicht sicher feststellbaren Zielen deportiert wurden. Ob ein Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno eines dieser Ziele war, ist mit den in der Literatur zusammengetragenen Belegen jedenfalls nicht einwandfrei zu beweisen.

Der damalige Leitende Oberstaatsanwalt der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, Dr. Adalbert Rückerl, stellte nach Abschluß des Kulmhof-Prozesses fest:

»Infolge des langen Zeitablaufs hat das Erinnerungsvermögen der meisten Zeugen erheblich nachgelassen und nicht selten fehlerhafte Erinnerungsbilder erkennen lassen. [...] Die drei Überlebenden des grausigen Geschehens[39] - der vierte ist verstorben - sind bei der zuverlässigen Schilderung ihrer Erlebnisse, soweit es sich um den Ablauf bestimmter Einzelvorgänge (Vorwürfe von Einzeltaten) und das irrtumsfreie Wiedererkennen bestimmter Personen handelt, einfach überfordert. Sie mußten, teilweise in sehr jungem Alter und mehrere Monate lang, eine derartige Vielfalt furchtbarer Vorgänge erleben und erdulden, daß es über die Grenze ihres Vermögens geht, wenn sie sich für ihre Darstellung in die damalige Zeit zurückversetzen müssen.« (Rückerl, S. 253f.).

Unter diesen Umständen kann man die damals im Gerichtssaal getroffenen Feststellungen nicht als unveränderliche Grundlage einer Geschichtsschreibung ansehen, die in jedem Fall der Realität verpflichtet ist und sich nicht auf "fehlerhafte Erinnerungsbilder" stützen kann. Unseres Wissens sind nach den Kulmhof-Prozessen keinerlei Anstrengungen unternommen worden, die dortigen Vorgänge einer intensiven Aufklärung zu unterziehen. Ein Vernichtungslager, das im Zweifelsfalle mehrere Hunderttausende von Opfern gefordert hat, muß doch Spuren hinterlassen haben, die sich feststellen lassen. Die Absicht des vorstehenden Aufsatzes war es, auf diese Lücke in der Geschichtsforschung hinzuweisen.

© Ingrid Weckert, München, 1999

Anmerkungen

[1]Gerald Reitlinger, Die Endlösung. Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939-1945, Berlin: Colloquium 1961; Bernd Nellessen, Der Prozess von Jerusalem. Ein Dokument, Düsseldorf/Wien: Econ 1964
[2]Lucy S. Dawidowicz, Der Krieg gegen die Juden 1933-1945, München: Kindler 1979.
[3]Gitta Sereny, Am Abgrund: Gespräche mit dem Henker. Franz Stangl und die Morde von Treblinka. (Engl. Originaltitel: Into That Darkness: From Mercy Killing to Mass Murder, London 1974.) Aus dem Englischen von Helmut Röhrling, überarbeitete Neuausgabe, München: Piper 31997.
[4]Entnommen: Christian Zentner, Der große Bildatlas zur Weltgeschichte, Stuttgart: Unipart 1982, S. 522.
[5]Adalbert Rückerl (Hg.), Nationalsozialistische Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1977.
[6]Bernd Nellessen, Der Prozess von Jerusalem. Ein Dokument, Düsseldorf/Wien: Econ 1964.
[7]Walter Laqueur, Was niemand wissen wollte. Die Unterdrückung der Nachrichten über Hitlers "Endlösung", Frankfurt/M.: Ullstein 1981.
[8]Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden. Die Gesamtgeschichte des Holocaust, Berlin: Olle & Wolter 1982.
[9]Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof (IMT), Nürnberg, 14. November 1945 - 1. Oktober 1946, Nürnberg 1947
[10]Ernst Klee, "Euthanasie" im NS-Staat. Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens", Frankfurt/M.: S. Fischer, 1983, S. 371, spricht von 40 km; Laqueur, S. 159 schätzt die Entfernung auf 60 km; Rückerl, Vernichtungslager, nennt zunächst 55 km (S. 259), zitiert aber dann aus Gerichtsakten wo von 60 km gesprochen wird (S. 334).
[11]Gitta Sereny, Into that Darkness. An Examination of Conscience, New York: Vintage Books 1983, S. 139, 373; Heiner Lichtenstein, Mit der Reichsbahn in den Tod. Massentransporte in den Holocaust 1941 bis 1945, Köln: Bund-Verlag 1985, S. 88, 91, 145, 158. Sowohl Sereny wie auch Lichtenstein setzen die Orte Chelmno und Cholm in ihren Registern identisch.
[12]Heinz Höhne, Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS, München: Bertelsmann 1976
[13]Léon Poliakov, Harvest of Hate. The Nazi Program for the Destruction of the Jews of Europe, New York: Holocaust Library 1979
[14]Raul Hilberg, The Destruction of the European Jews, New York: Harper & Row 1983
[15]Michael Berenbaum, The World Must Know: the History of the Holocaust as Told in the United States Holocaust Museum, Washington D.C. 1993, S. 84.
[16]Martin Gilbert, Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden. Ein Atlas, Reinbek: Rowohlt 1982.
[17]Gideon Hausner, Justice in Jerusalem, New York: Holocaust Library 1968.
[18]Gideon Hausner, Die Vernichtung der Juden. Das größte Verbrechen der Geschichte, München: Kindler 1979 (enthält die Kapitel 2, 4-12 aus Justice in Jerusalem).
[19]Jochen von Lang, Das Eichmann-Protokoll. Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre, Berlin: Severin und Siedler, 1982.
[20]Vgl. Ingrid Weckert, »Die Gaswagen - Kritische Würdigung der Beweislage«, in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts, Tübingen: Grabert 1994.
[21]Entnommen der Website von Nizkor: http://www2.ca.nizkor.org/ftp.cgi/ camps/chelmno/images/chelmnovan.jpg.
[22]Gerald Fleming, Hitler und die Endlösung, Berlin: Limes 1982, nach S. 128.
[23]Vgl. das Schreiben von Yad Vashem an die Autorin vom 16.3.88, ohne Adresse wiedergegeben in: Pierre Marais, Les camions à gaz en question, Paris: Polémique 1994, S. 300.
[24]Krausnick, Helmut/Hans-Heinrich Wilhelm: Die Truppe des Weltanschauungskrieges. Die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1938-1942, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1981.
[25]Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen, hrsg. v. Martin Broszat, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1963.
[26]Sign.: Eich 936-939, Kopie im Münchner Institut für Zeitgeschichte.
[27]In der englischen Version ihres Buches lautet der von Frau Dawidowicz zitierte Text an dieser Stelle: »die besitzlosen Arbeiter, den Abschaum der Unterwelt« (Lucy S. Dawidowicz, The War Against the Jews 1933-1945, New York: Bantam Books 1975, S. 394).
[28]Bei den folgenden Zitaten aus Pillers Erklärung handelt es sich um den Originaltext, wie er in Massentötungen abgedruckt wurde!
[29]Erster Kulmhof-Prozeß vom 26.11.1962 - 30.3.1963, LG Bonn gegen 12 Angeklagte, ehemalige Angehörige des SK Chelmno; sechs Freiheitsstrafen zwischen drei und dreizehn Jahren, sechs Freisprüche. Nach Revision erneute Verhandlung vom 5.7.1965 - 23.7.1965, LG Bonn gegen 11 Angeklagte; acht Freiheitsstrafen zwischen 13 Monaten und 13 Jahren Zuchthaus, drei Freisprüche. Gesondertes Verfahren gegen Günter Fuchs und Dr. Bradfisch in Hannover, Urteil am 18.11.1963; Urteil gegen Fuchs: lebenslänglich, gegen Bradfisch: 13 Jahre Zuchthaus.
[30]Erschienen in: Justiz und NS-Verbrechen: Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-1966, Amsterdam: University Press 1968, Bd. XXI: Massenvernichtungsverbrechen in Lagern. KZ Kulmhof (Chelmno) (Polen).
[31]Gilbert, Endlösung, S. 41.
[32]N. Blumental (Hg.), Dokumenty i Materialy, Teil I: Obozy, Lodz 1946.
[33]Quelle: »Aus der Sammlung von Frau Novitch«.
[34]Emanuel Ringelblum, Ghetto Warschau. Tagebücher aus dem Chaos, Stuttgart: Seewald 1967.
[35]»Jüdische Gesellschaft für soziale Fürsorge« (Dawidowicz, Krieg, S. 234).
[36]Jacques Delarue, Geschichte der Gestapo, Königstein/Ts.: Athenäum 1979.
[37]Jüdischen Historischen Institut Warschau (Hg.), Faschismus - Getto - Massenmord. Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen während des zweiten Weltkrieges, Frankfurt/M.: Röderberg-Verlag 1962.
[38]Hitler's Ten-Year War on the Jews, New York 1943, S. 30.
[39]Das waren Mordechai Zurawski, Michael Podchlebnik und Simon Srebnik.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 425-437.


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