Fremdarbeiter im Dritten Reich

Von OStR Hans-Jürgen Witzsch

Seit einigen Jahren ist in Deuschland eine breite Medienkampagne zu beobachten, bei der in Übernahme des Geschichtsbildes der Sieger vom Einsatz sog. Zwangsarbeiter berichtet wird, die aus den besetzten Gebieten angeblich unfreiwillig in das Deutsche Reich geholt wurden, wobei häufig über eine angebliche Ausbeutung und menschenunwürdige Behandlung der Betroffenen geschrieben wird. Besonders nachdrücklich übernimmt z.B. Der Spiegel diese Position und unterstützt einseitig die erhobenen Forderungen nach Entschädigung. Bezeichnenderweise berichtet kaum eine Zeitung über die Millionen tatsächlicher deutscher Zwangsarbeiter, die nach dem Krieg in fremde Länder verschleppt wurden, und deren damalige meist erbärmliche Arbeitsbedingungen ohne Entlohnung, die offenbar keiner Erwähnung wert sind.

Wer sich genauer über diesen Bereich der Zeitgeschichte unterrichten will, wird bald feststellen, daß hier eine ausgesprochene Forschungslücke besteht – auch im Revisionismus – und bislang kein wissenschaftliches Werk vorliegt, das als seriöse Arbeit, geschweige denn als Standardwerk anzusprechen ist.


Offizielle Darstellung des Themas

Wie der Komplex der Fremdarbeiter im Dritten Reich durch die offizielle bundesdeutsche Forschung behandelt wird, kann exemplarisch dem Artikel der FAZ v. 16.3.99 »Das Millionenheer des modernen Sklavenstaats« mit dem Untertitel »Verschleppt, verschlissen, vergessen: Wer waren die Zwangsarbeiter des Dritten Reiches und welches Schicksal erwartete sie?« entnommen werden, in dem Ulrich Herbert, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg, dieses Thema abhandelt. Herbert spricht hier grundsätzlich von Zwangsarbeitern, ob es sich um KL-Häftlinge, Kriegsgefangene (KGF) oder Fremdarbeiter handelt.

»Der nat.soz. "Ausländereinsatz" zwischen 1939 und 1945 stellt den größten Fall der massenhaften, zwangsweisen Verwendung von ausländischen Arbeitskräften in der Geschichte seit dem Ende der Sklaverei im 19. Jhd. dar. Im Spätsommer 1944 waren auf dem Gebiet des "Großdeutschen Reiches" 7,6 Mill. ausländische Zivilarbeiter u. KGF offiziell als beschäftigt gemeldet, die man größtenteils zwangsweise zum Arbeitseinsatz ins Reich gebracht hat«

meint Herbert und behauptet weiter, der Einsatz von Polen habe im »Frühjahr 1940 in eine regelrechte Menschenjagd im sog. "Generalgouvernement"« gemündet.

»Sie mußten in Barackenlagern wohnen – was sich allerdings auf dem Lande in der Praxis als undurchführbar erwies – erhielten geringere Löhne, durften öffentliche Einrichtungen – vom Schnellzug bis zur Badeanstalt – nicht benutzen […] sie mußten länger arbeiten als Deutsche […] Es gelang […] binnen kurzer Zeit eine große Zahl von polnischen Arbeitern gegen ihren Willen nach Deutschland zu bringen […] Bis 1941/42 war der Anteil von "freiwilligen" Arbeitskräften in Nord- und Westeuropa relativ groß.«

Besonders schlecht seien die Bedingungen für sog. Ostarbeiter gewesen, diese

»mußten in stacheldrahtumzäunten und bewachten Lagern leben und waren der Willkür von Gestapo und Betriebsschutzeinheiten in besonderem Maße ausgesetzt […] Die Rationen für die offiziell "Ostarbeiter" genannten sowjetischen Zwangsarbeiter fielen so gering aus, daß sie vor allem in den Jahren 1942/43 oft schon wenige Wochen nach ihrer Ankunft völlig unterernährt und arbeitsunfähig waren. [… Die] sowjetischen Arbeiter hingegen erhielten besonders festgelegte Löhne, die erheblich niedriger lagen als die der deutschen und ausländischen Arbeiter – nominell um etwa 40%, tatsächlich in den meisten Fällen wohl noch tiefer.«

Wissenschaftliche Belege für die Richtigkeit seiner Behauptungen legt Herbert nicht vor.

Dagegen schreibt der Naturwissenschaftler Dr. Heinz Splittgerber, Verfasser einiger zeitgeschichtlicher Abhandlungen, über seine persönlichen Erfahrungen:

»Die polnischen Landarbeiter in Mittelpommern, meiner Heimat, waren ordnungsgemäß angeworben. Sie bekamen Entlohnung, Unterbringung, Bezugsscheine, ärztliche Betreuung. Sie kamen durchweg abgerissen an, staffierten sich bei uns raus und erreichten einen Lebensstandard, wie sie sich ihn in Ostpolen und der Nordukraine – beide Bezirke kenne ich – nie hätten erträumen lassen.« (Brief an den Verfasser)

Forschungshindernisse

Seit in Deutschland in weiten Bereichen der Zeitgeschichte die Grundrechte der Gleichheit vor dem Gesetz und die Meinungsfreiheit de jure und die Wissenschaftsfreiheit de facto unter Bruch der Verfassung aufgehoben wurden, wagen sich nur noch wenige politisch unabhängige Historiker auf den steinigen Weg durch die Minenfelder der Justiz, allein dem Wahrheitsgebot verpflichtet, um unter Beachtung der geschichtswissenschaftlichen Methoden nach Ranke zu forschen, "wie es eigentlich gewesen ist", nachdem selbst nichtöffentliche Äußerungen von schweren Strafen und beruflicher Existenzvernichtung bedroht sind. So mußte sich der Verfasser in einem Gerichtsverfahren von einem Staatsanwalt sagen lassen, er müsse auch als Historiker stets die einschlägige neue Rechtsprechung verfolgen, um zu erkennen, was er als Historiker sagen dürfe. Trotzdem sind auch weiterhin noch erstaunlich viele Berichtigungen des Siegergeschichtsbildes zu verzeichnen, wie sie gerade bei der Frage der sog. "Zwangsarbeiter" notwendig sind.

Bei der Beschäftigung mit zeitgeschichtlichen Fragen muß vorab geprüft werden, was ein normaler Zeitzeuge mit kritischem Sachverstand, ohne nähere Spezialkenntnisse damals zu dem Thema erkennen konnte und was in einer normalen demokratischen Gesellschaft mit offenem Meinungsaustausch heute bekannt ist. Neben den in Zeitungen im Krieg verbreiteten Berichten über den Einsatz von Fremdarbeitern und ihre Behandlung im Rahmen amtlicher Anweisungen konnten die Bewohner der Großstädte, aber auch der ländlichen Gebiete tagtäglich Fremdarbeiter auf dem Weg in die Fabrik, an ihrer Arbeitsstelle sehen und ihr Verhalten, ihre Behandlung in der Öffentlichkeit bis hin zu ihrem Ernährungszustand und dem gesamten äußeren Erscheinungsbild beobachten. Schon von daher widersprechen noch heute die meisten Zeitzeugen entschieden dem Propagandabild von angeblichen Zwangsarbeitern, die unmenschlich behandelt und ausgebeutet worden seien. Bezeichnenderweise wurden bis heute auch keine echten Fotos vorgelegt, die solche Vorwürfe belegen könnten. Als der Verfasser im Juni 1998 erstmals seine Forschungsergebnisse in einem öffentlichen Vortrag darlegte, haben mehr Zeitzeugen als je zuvor in einer 22-jährigen Vortragstätigkeit eigene Erfahrungen zur Fremdarbeiterfrage vorgetragen und mit teilweise bemerkenswerten Einzelheiten die Grundaussagen des Vortrags bestätigt.

Zeitgenössische Dokumente

Zur Dokumentenfrage als Grundlage der Ausführungen muß festgehalten werden, daß es neben amtlichen Anweisungen ein Schlüsseldokument der Verteidigung beim Internationalen Militärtribunal von Nürnberg gibt, das die Behauptungen des Siegergeschichtsbildes widerlegt (KV Vert. P.L. 55). Durch intensive Suche konnten nunmehr im Staatsarchiv Nürnberg auch Originale beeideter Aussagen aufgefunden und erstmals zusammenhängend ausgewertet werden, welche eine wichtige Ergänzung zu den amtlichen Richtlinien darstellen, wenn ein wirklichkeitsgetreues Bild der damaligen Zustände entwickelt werden soll. Nicht gefunden werden konnten bislang die in den verschiedenen Aussagen erwähnten Akten der Gaugerichte, in denen straffällig gewordene Angehörige der nationalsozialistischen Führungsschicht bis hinunter zu Zellenleitern und Blockleitern besonders streng bestraft wurden, da sie nach dem damaligen Selbstverständnis der NSDAP den Volksgenossen Vorbilder sein sollten.

RECHTLICHE BESTIMMUNGEN IM DRITTEN REICH

Schon die vorhandenen staatlichen Anweisungen bestätigen das negative Bild der Medien nicht. So ist in einem Sonderdruck aus dem Reichsarbeitsblatt Der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte in Deutschland, Berlin 1942, z.B. auf S. 22 über die Sozialversicherung ganz lapidar zu lesen:

Dokument PL(A) 55 im Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg (IMG, Bd. 42, S. 350f. Zum Vergrößern anklicken.)

»Ausländische Arbeiter und Angestellte unterliegen grundsätzlich der deutschen Krankenversicherung, Unfallversicherung und Rentenversicherung (Invalidenversicherung, Angestelltenversicherung, knappschaftlicher Pensionsversicherung) in derselben Weise wie die vergleichbaren deutschen Arbeitskräfte. Für sie sind daher die Versicherungsbeiträge nach den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften zu entrichten.«

Für Polen aus dem Generalgouvernement gilt eine Sonderregelung. Vom 1. April 1943 stammt eine geheime Ausarbeitung über die sicherheitspolizeiliche Behandlung der im Reich eingesetzten ausländischen Arbeitskräfte für die Gestapo Hessen, wobei von 67 Seiten durch die Alliierten nur ein Teil zur Vorlage gebracht wurde (Dok. NO-2907). Das Dokument enthält aus der Vielzahl der Ausländergruppen nur die Bestimmungen zu den Ostarbeitern, Polen und Tschechen. Danach sollen Ostarbeiter ihre Unterkünfte nur zur Verrichtung ihrer Arbeit in den Betrieben verlassen dürfen.

»Ostarbeitern, die sowohl im Lager wie bei der Arbeit eine gute Haltung zeigen, kann jedoch Ausgang gewährt werden […] ist der aufsichtsführende Angehörige des Lagerdienstes dafür verantwortlich zu machen, daß […] die Ostarbeiter sich auch draußen anständig und zurückhaltend benehmen, vor allem nicht Deutsche belästigen und rechtzeitig wieder im Lager eintreffen. [Sie sind] in geschlossenen Lagern (Baracken) mit einer zweckentsprechenden Umzäunung (aber kein Stacheldraht) unterzubringen […] Dagegen dürfen die in der Landwirtschaft und in Haushalten einzeln eingesetzten weiblichen Arbeitskräfte bei den Arbeitgebern auch einzeln untergebracht werden […] Verboten ist die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie der Schwimmbäder, Gaststätten, Kinos, Theater […] Ausnahmen können […] zugelassen werden. [Es] kann das deutsche Musikprogramm sowie deutsche amtliche Nachrichtensendungen in russischer, ukrainischer und weißruthenischer Sprache gehört werden […] Vorführung von […] Filmen gestattet […] Für die Ostarbeiter erscheinen. 3 Lagerzeitungen […] (ukrainisch, russisch, weißruthenisch).«

Besonders streng sind die Bestimmungen, die intime Beziehungen zwischen Ostarbeitern und deutschen Frauen bei Androhung der Todesstrafe verbieten.

»Gegen den Geschlechtsverkehr von Ostarbeitern und Ostarbeiterinnen untereinander ist nichts einzuwenden, soweit nicht dadurch die Ordnung im Lager gefährdet wird.«

Ähnliche Bestimmungen gelten mit Einschränkungen auch für Polen. So ist es Polen erlaubt, im Sommer von 5 h morgens bis 21 h abends die Unterkunft zu freiem Ausgang zu verlassen. Die Bestimmung zur Freizeitgestaltung – »Juden [ist…] geselliger Verkehr mit der deutschen Bevölkerung […] verboten« – ist ein Beleg dafür, daß auch polnische Juden als Fremdarbeiter im Reich eingesetzt wurden. Die Tschechen sind in allen Bereichen den Deutschen gleichgestellt, lediglich intime Beziehungen zu Deutschen sind verboten.

Wer die kriegsbedingte Notwendigkeit von einschränkenden Maßnahmen nicht verkennt, wird weder aus diesen Bestimmungen noch aus anderen in Nürnberg vorgetragenen Verordnungen besondere Schikanen erkennen können. Die lediglich für Liebesbeziehungen vorgegebenen strengen Strafbestimmungen gegen Verbindungen zwischen Deutschen und Ausländern werden verständlich, wenn wir von einer durch die Propaganda gewollten engen Verbindung zwischen Heimat und Front ausgehen, die eine strenge moralische Integrität der Soldaten und ihrer Frauen voraussetzte. In keiner Aussage wird von einem solchen Todesurteil gesprochen, während in verschiedenen Aussagen von intimen Beziehungen zwischen Ausländern und ledigen deutschen Mädchen berichtet wurde, die stillschweigend von den Parteistellen geduldet worden seien und in der Regel nach dem Krieg durch Heirat legalisiert wurden.

Im RGBl v. 23.3.1944 ist eine Verordnung über die Einsatzbedingungen der Ostarbeiter erlassen worden, die in § 2 Arbeitsentgelt festlegt:

»Für die Ostarbeiter gelten die gleichen Lohn- und Gehaltsbedingungen wie für sonstige ausländische Arbeitskräfte. Ostarbeiter erhalten ein Arbeitsentgelt nur für die tatsächlich geleistete Arbeit.«

Einige gesetzliche Bestimmungen des Dritten Reiches zur Sozialversicherung der Fremdarbeiter im Kriege,
aus einem Sonderdruck des Reichsarbeitsblattes, Berlin 1942.

Entnommen dem Heft Deutschland - Schrift für neue Ordnung, 32(7/8) 1999, S. 16ff. (Zum Vergrößern anklicken.)

Damit sind auch frühere Abschläge weggefallen, was Professor Herbert offenbar unbekannt ist; derartige Abschläge waren auch früher, wie von Gewerkschaftsvertretern bestätigt wurde, nicht erheblich. In § 5 heißt es »Ostarbeiter erhalten Urlaub und Familienheimfahrten«, was allein schon die These von der generellen Zwangsarbeit der Ostarbeiter ad absurdum führt.

ZEUGENAUSSAGE IN DEN NACHKRIEGSPROZESSEN

Die Zielsetzung der Alliierten im IMT-Hauptprozeß und den Nachfolgeverfahren, von denen in diesem Bereich der KV-Fall 4 oder Pohl-Prozeß als der zentrale alliierte KL- und SS-Prozeß der wichtigste ist, war klar: In einem scheinbar einwandfreien rechtlichen Verfahren sollten die deutsche Reichsregierung und ihre Vertreter als generell verbrecherisch dargestellt und die eigenen Verbrechen, wie sie noch zur Zeit des Prozesses massenhaft geschehen sind, aus der allgemeinen Diskussion herausgehalten werden, weshalb alle Versuche umfassender Vergleiche seitens der Verteidiger stets abgeblockt wurden. So wurde zwar für die Verteidigung eine Massenbefragung der im automatischen Arrest internierten Politischen Leiter (P.L.) erlaubt, aber die Auswertung erreichte nicht mehr die Öffentlichkeit. Die Verfahren wurden nach angelsächsischem Recht durchgeführt, was bedeutete, daß die Anklage nur die ihrer Meinung nach belastenden Dokumente vorlegte. Um unliebsame Tatsachen nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, wurde der Verteidigung verwehrt, die beschlagnahmten Akten und Dokumente in den alliierten Dokumentenzentralen einzusehen. Es ging um die Zementierung politischer "Wahrheiten" und nicht um die Ermittlung der historischen Wahrheit als Grundlage einer zukünftigen europäischen Friedensordnung. So wurde z.B. im Pohl-Prozeß das tatsächliche Beweisergebnis des in sachlicher Atmosphäre verlaufenen Prozesses im Urteil praktisch überhaupt nicht berücksichtigt.

Das Schlüsseldokuemnt für die Fremdarbeiterfrage ist das bereits erwähnte Dok. P.L. 55, in dem nach Auswertung aller 15.433 eidesstattlichen Erklärungen feststand, daß die alliierten Vorwürfe bezuglich der Behandlung der Fremdarbeiter jeglicher sachlicher Grundlage entbehrten. Ein Teil der hier zugrundegelegten Einzelaussagen wurde durch einen glücklichen Umstand erhalten, wobei die knapp über 1200 erhaltenen Aussagen aus dem Internierungslager Darmstadt stammen. Das Ergebnis ihrer Gesamtauswertung liegt neben sonstigen Dokumenten dem Artikel zugrunde. In zahlreichen dieser Aussagen sind die Namen beschäftigter Fremdarbeiter angegeben und wird darauf hingewiesen, daß sich deren entlastende Zeugnisse über die tatsächlichen Verhältnisse im Deutschen Reich bei den Akten des CIC befänden. Sie sind teilweise lediglich dadurch erhalten, daß eine Abschrift von ihnen zitiert wird.

Wie wenig die Alliierten an dem Erhalt dieser wichtigen Verteidigungsunterlagen interessiert waren, ergibt sich aus einem internen Briefwechsel, in dem der Direktor der staatlichen Archive Dr. Solleder dem an Nürnberger Prozessen beteiligten RA Gawlik am 7.8.1951 mitteilte:

»Unter dem vom Militärgericht als Makulatur ausgesonderten Altpapier haben wir die Originalaussagen der Angehörigen der SS und der Politischen Leitung aufgefunden und in das Staatsarchiv überführt. […]«

Wer sich mit der Art der Behandlung von Entlastungszeugen durch die Alliierten bei diesen Prozessen beschäftigt hat, den verwundert diese Art der Entsorgung unliebsamen Beweismaterials, das den eigenen politischen Zielen widersprach, nicht. Es muß deshalb befürchtet werden, daß die wichtigen zitierten Bestätigungen der Fremdarbeiter nicht den Weg in die alliierten Archive gefunden haben.

Einige wenige Politische Leiter haben sich unter Hinweis auf die eigenen Beobachtungen auch unmittelbar zu den Versuchen, die geschichtliche Wahrheit auf den Kopf zu stellen, deutlich geäußert ohne Rücksicht auf persönliche Gefährdung. So der Lehrer Volkwein aus dem Kreis Melsungen im damaligen Gau Kurhessen am 16.6.1946:

»Die Behauptungen, daß fremdländische Arbeitskräfte mißhandelt worden wären, entbehren meiner Ansicht nach jeder Rechtsunterlage und werden heute nur aus zweckdienlichen Gründen gewisser Kreise aufgestellt, ohne bewiesen werden zu können. Die zu Gericht sitzenden Behörden sollten sich doch an den ehrlichen Teil derer wenden, die während des Krieges in deutschen Diensten standen und sie werden ein ganz anderes Bild bekommen als das, welches heute aus propagandistischen Gründen der Weltöffentlichkeit entworfen wird. Wer die Wahrheit sucht, findet sie, und wer die Wahrheit nicht sehen will, ist ihr gegenüber blind und wenn sie meterdick aufgetragen wird.« (P.L. 173 Arb. 834)

Ausländische Arbeitskräfte in der deutschen Kriegswirtschaft 1939 bis 1944*

 

 

1939

1940

1941

1942

1943

1944

Land-
wirtschaft

Deutsche

10.732.000

9.684.000

8.939.000

8.969.000

8.743.000

8.460.000

Zivile Ausländer

118.000

412.000

769.000

1.170.000

1.561.000

1.767.000

Kriegsgefangene

249.000

642.000

759.000

609.000

635.000

Ausländer insg.

118.000

661.000

1.411.000

1.929.000

2.230.000

2.402.000

Ausländer aller Beschäftigten in %

1,1 %

6,4%

13,6%

17,7%

20,3%

22,1%

Alle nicht-
Landwirtsch.

Deutsche

28.382.000

25.207.000

24.273.000

22.568.000

21.324.000

20.144.000

Zivile Ausländer

183.000

391.000

984.000

1.475.000

3.276.000

3.528.000

Kriegsgefangene

99.000

674.000

730.000

954.000

1.196.000

Ausländer insg.

183.000

490.000

1.659.000

2.205.000

4.230.000

4.724.000

Ausländer aller Beschäftigten in %

0,6%

1,9%

6,4%

8,9%

16,5%

18,9%

Gesamt-
wirtschaft

Deutsche

39.114.000

34.891.000

33.212.000

31.537.000

30.067.000

28.604.000

Zivile Ausländer

301.000

803.000

1.751000

2.645.000

4.837.000

5.295.000

Kriegsgefangene

348.000

1.31.6.000

1.489.000

1.623.000

1.831.000

Ausländer. insg.

301.000

1.151.000

3.069.000

4.134.000

6.460.000

7.126.000

Ausländer aller Beschäftigten in %

0,8%

3,2%

8,5%

11,6 %

17,7%

19,9%

* Klaus Barwig, Günter Saathoff, Nicole Weyde (Hg.), Entschädigung für NS-Zwangsarbeit, Baden Baden 1998, S. 337; der Titel lautet dort bezeichnenderweise und falsch: »Zwangsarbeit der deutschen Kriegsgefangenen und Zivilverschleppten[sic!]«

Konnte schon aus den amtlichen Bestimmungen zum Einsatz der Fremdarbeiter kein völkerrechtswidriges Verhalten der deutschen Behörden in den Prozessen der Sieger bewiesen werden, so muß doch untersucht werden, ob die Umsetzung dieser Anordnungen in der praktischen Wirklichkeit nicht doch sog. Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit sich brachte, denn gerade bezüglich der Sowjetunion war gelegentlich festzustellen, daß eine humane Behandlung in amtlichen Bekanntmachungen vorgesehen, die sowjetische Lagerwirklichkeit nach Solschenizyn aber oft das Gegenteil zeigte. Genau zu diesem wesentlichen Punkt, der einen Mangel der bisherigen Forschung darstellt, konnten die erhaltenen Aussagen, die über das gesamte deutsche Reichsgebiet vorliegen, Wesentliches zur Aufhellung des Komplexes beitragen.

Der Wahrheitsgehalt dieser Einzelerklärungen, die erstmals systematisch ausgewertet wurden, ist aus folgenden Gründen außerordentlich hoch einzuschätzen: Zunächst handelt es sich dabei – eine Ausnahme bei den alliierten Verfahren – um Originale und nicht – wie sonst üblich – um Kopien. Damit ist eine Prüfung der Echtheit möglich, die hier klar gegeben ist. Die Glaubwürdigkeit der Inhalte ist deshalb sehr hoch einzuschätzen, weil es sich um eidesstattliche Erklärungen handelt, welche die im Gewahrsam der Sieger internierten P.L. abgegeben haben, die bei einem Nachweis einer Falschaussage mit hohen Strafen rechnen mußten (im Gegensatz zu Belastungszeugen) und in der Haft von ihrer gewohnten Umwelt abgeschnitten waren. Die genauen Angaben über die örtlichen Verhältnisse konnten damals leicht nachgeprüft werden, ebenso die Bestätigung der als Zeugen benannten Fremdarbeiter, weil sich diese damals noch in großer Zahl in amerikanischen Lagern in Deutschland befanden. Die Aussagen weisen außerdem die amtliche Bestätigung eines amerikanischen Offiziers auf und wurden im Lager Darmstadt Nr. 91 erstellt. In einigen wenigen Fällen (P.L. 170 Arb. 1) kamen dem amerikanischen Militär – offenbar oft selbst Opfer der eigenen Propaganda – die Inhalte der beeideten Aussagen so unglaublich vor, daß die betreffenden P.L. noch ein zweites Mal vor einem anderen amerikanischen Offizier die Richtigkeit ihrer Aussage beschwören mußten.

Freiwilliger Arbeitseinsatz

Im Gegensatz zu den KL-Häftlingen und KGF waren die Fremdarbeiter in der Regel freiwillig zur Arbeitsleistung ins Reich gekommen. Dies ergibt sich nicht nur aus den amtlichen Verlautbarungen, sondern auch aus der Bestätigung der mit ihrer Versorgung betrauten P.L. bzw. Amtswaltern der Deutschen Arbeitfront (DAF) und wurde von den Betroffenen in zahlreichen Erklärungen bestätigt. In den über 1200 Aussagen findet sich nur in einer einzigen ein vager Hinweis auf einen erzwungenen Arbeitseinsatz, während alle übrigen, soweit sie diese Fragen aufgegriffen haben, in eindeutiger Weise auf die absolute Freiwilligkeit des Einsatzes der Fremdarbeiter verweisen. Immer wieder wird angemerkt, daß die erhoffte Arbeitsleistung nie von Zwangsarbeitern hätte erbracht werden können. Schon Dr. Seidl hat als Verteidiger beim IMT in Nürnberg ausgeführt:

»Es ist die Tatsache nicht aus der Welt zu schaffen, daß auch jetzt noch hunderttausende ausländische Arbeitskräfte hier leben, die angeblich unter Zwang verschleppt wurden. Sie weigen sich jetzt, in ihre Heimat zurückzukehren, obwohl sie niemand daran hindert. Unter diesen Umständen muß angenommen werden, daß der Zwang nicht so groß und die Behandlung in Deutschland nicht so schlecht gewesen sein kann, wie von der Anklage behauptet wird.« (IMT Prot. Bd. XVIII S. 172 ff.)

Eidesstaatliche Erklärung Prof. Wilhelm Wagner (KV-Verf., P.L. 170. Zum Vergrößern anklicken.)

Von zahllosen Belegen seien dazu nur 2 zitiert. So äußerte der Oberreichsbahnrat Horn aus Berlin:

»Daß sich die Leute im allgemeinen recht wohl fühlten, kann man daran erkennen, daß sich in den Bahnbetriebswerken Brandenburg, Potsdam und Tempelhof Ukrainer, Belgier und Holländer bereitfanden, nach dem ihnen zustehenden Heimaturlaub weitere Arbeitskräfte freiwillig mitzubringen.« (P.L. 174 Arb. 1142)

Bürgermeister Kölsch aus Stendal schilderte die Entwicklung:

»Im Westfeldzug habe ich in Holland, Belgien und Frankreich oftmals den Wunsch der dortigen Bevölkerung gehört, in Deutschland arbeiten zu wollen. Im Ostfeldzug war der Andrang besonders im Kaukasus und Dongebiet größer als die dortige Nachfrage für ausländische Arbeitskräfte. Die zuständigen Arbeitsämter versuchten […] einer schwarzen Einreise Einhalt zu gebieten, weil viele Personen heimlich auf Güterzügen oder mit Urlaubern pp. nach Deutschland über die Grenze verschwanden.« (P.L. 173 Arb. 761)

Dies sind typische Aussagen zu diesem Thema, wozu viele anmerkten, wenn die Fremdarbeiter nicht als freiwillige Arbeiter geworben worden wären, wären sie wohl kaum aus ihrem Heimaturlaub ins Reich zurückgekehrt, ganz abgesehen von der Tatsache, daß sie oft weitere Freiwillige aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis mitgebracht haben, die in einer Art Schneeballsystem dazu beigetragen haben, die Zahl der Fremdarbeiter sprunghaft anschwellen zu lassen.

Um Millionen freier Arbeitsplätze, die durch die Ausweitung des Krieges frei geworden waren, wieder besetzen zu können, bedurfte es des Einsatzes von Millionen Fremdarbeitern. Vernünftige Arbeitsleistungen waren nur zu erreichen, wenn die Bedingungen für diese nach Möglichkeit besser waren als in der Heimat. Die in den Werbeblättern deutscher Behörden in den besetzten Ländern gemachten Versprechungen mußten eingehalten werden, wenn man zufriedene Arbeitskräfte gewinnen wollte. Dies ist geschehen, wie in den Aussagen mit vielen Einzelheiten belegt wird.

Betreuung der Fremdarbeiter

Die Betreuung der Fremdarbeiter lag in den Händen der DAF, welche die Einhaltung der staatlichen Zusagen regelmäßig überwachte, und der Vertrauensleuten der verschiedenen Nationalitäten, die wie heutige Personalräte alle auftretenden Schwierigkeiten mit den staatlichen Stellen besprachen und für ihre Landsleute zufriedenstellende Lösungen durchsetzten. Der Gauarbeitseinsatzwalter der DAF für den Gau Kurhessen Karl Rulff führt dazu aus:

»In der Vollbesetzung meiner Gaudienststelle standen mir folgende Führungskräfte für die Betreuung zur Verfügung: 1 Gauarbeitseinsatzwalter, 1 Gaubeauftrager für Lagerbetreuung, 1 Gaubeauftragter für Gemeinschaftsverpflegung und Versorgung, 1 Gaulehrkoch, 1 Gaubeauftragter für Freizeitgestaltung, 1 Rechtsberater für ausländische Arbeiter, 1 Gaubeauftragte für weibliche Gemeinschaftslager, dazu Bürohilfspersonal und Schreibkräfte als deutsche Mitarbeiter. Die ausländischen Verbindungsstellen waren wie folgt besetzt […] e) Gauverbindungsstelle für Ostarbeiter: 1 Gauverbindungsmann, 1 Betreuerin für Ostarbeiterinnen und 1 deutsche Stenotypistin.« (P.L. 170 Arb. 4)

Das größere politische Ziel beim Fremdarbeitereinsatz umriß kurz Regierungsrat Fritz Neidhardt (u.a. bestätigt durch K. Knöchel, Gauamtsl. f. Volkstumsfragen im Gau Pranken):

»Im Mitteilungsblatt des Hauptamts für Volkstumsfragen bei der Reichsleitung der NSDAP […] stand […] eine Anordnung über die Behandlung der fremdvölkischen Arbeitskräfte. In dieser Anordnung war verfügt, die fremdvölkischen Arbeitskräfte unter Wahrung der Würde des eigenen Volkes anständig und gerecht zu behandeln, damit sie nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat gute Eindrücke vom deutschen Volk und seinen Einrichtungen mit nach Hause nehmen und in diesem Sinne ihre Volksangehörigen unterrichten sollten.« (P.L. 204 o.Nr.)

In der Praxis verschwanden viele einengende Bestimmungen stillschweigend, weil sie das gute Verhältnis der Fremdarbeiter zur deutschen Bevölkerung belasteten, so daß z.B. der Besuch von deutschen Vergnügungstätten und die Benutzung deutscher Verkehrsmittel in weiten Teilen des Reiches bald erlaubt war.

Der Fall Sauckel

Obwohl es manchem der P.L. nach dem Kriege sicher persönliche Vorteile gebracht hätte, wenn er in der eigenen bedrängten Lage als von den Alliierten Inhaftierter den für den Arbeitseinsatz verantwortlichen Gauleiter Sauckel (GBA) belastet hätte, findet sich in keiner einzigen Aussage etwas Nachteiliges. Ganz im Gegenteil werden der ständige Einsatz von Sauckel für eine möglichst gute Unterbringung und Versorgung der Fremdarbeiter und seine Warnungen vor harten Strafen bei Mißhandlungen von Fremdarbeitern in zahlreichen Erklärungen hervorgehoben. Gleichsam als Zusammenfassung vieler Einzelaussagen kann gelten, was der Landrat Recknagel aus Schmalkalden berichtet:

»Als der Gauleiter Sauckel GBA geworden war, hat er in jeder Dienstbesprechung in Weimar, an der sämtliche Dienstleiter und Landräte sowie höhere Staatsbeamte teilnahmen, stets eine gerechte und anständige Behandlung und Unterkunft der ausländischen Arbeiter zur Pflicht gemacht und verlangt, daß gegen Mißstände sofort einzugreifen sei oder, wenn keine Abstellung möglich sei, durch den Betreffenden ihm sofort zu berichten, damit er eingreife. Als die Ostarbeiter in großer Zahl ankamen, erklärte er in einer Sitzung, daß unter keinen Umständen ein Ostarbeiter wegen eines Vergehens geschlagen werden dürfe, sondern der Betreffende müßte der Polizei übergeben werden zur Untersuchung. Er würde in jedem Fall, der ihm bekannt würde, daß ein Fremdarbeiter geschlagen wurde, strengste Bestrafung des Betreffenden, der geschlagen hat, veranlassen.« (P.L. 173 Arb. 828)

Nur deshalb konnte im übrigen die Werbung für den Arbeitseinsatz in Deutschland in den besetzten Ländern einen derartigen Erfolg erreichen, daß zu Kriegsende mehr Arbeiter aus dem Ausland im Reich tätig waren, als dies heute der Fall ist.

Die Entlastung für Sauckel ist eindeutig, seine Hinrichtung in Nürnberg muß heute als klarer politischer Justizmord beurteilt werden, weshalb seine posthume Rehabilitierung durch die verantwortlichen Mächte – ähnlich wie die Aufhebung von Unrechtsurteilen der Sowjets im heutigen Rußland – eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene nach Staatsangehörigkeit und Wirtschaftszweig, Aug. 1944*

Staatsangehörigkeit

Landwirtschaft

Bergbau

Metall

Chemie

Bau

Verkehr

insgesamt

Belgier

insgesamt

28.652

5.146

95.872

14.029

20.906

12.576

253.648

 

Zivilarbeiter

3.948

2.787

86.441

13.533

19.349

11.585

203.262

 

Kriegsgefangene

24.704

2.629

9.431

496

1.557

991

50.386

 

in % aller Belgier

11,2%

2,0%

37,8%

5,5%

8,2%

4,9%

100%

Franzosen

insgesamt

405.897

21.844

370.766

48.319

59.440

48.700

1.254.749

 

Zivilarbeiter

54.590

7.780

292.800

39.417

36.237

34.905

654.782

 

Kriegsgefangene

351.307

14.064

77.966

8.902

23.203

13.795

599.967

in % aller Franzosen

32,3%

1,7%

29,5%

3,9%

4,7%

3,9%

100%

Italiener

insgesamt

45.288

50.325

221.304

35.276

80.814

35.319

585.337

 

Zivilarbeiter

15.372

6.641

41.316

10.791

35.271

5.507

158.099

 

Kriegsgefangene

29.916

43.694

179.988

24.485

45.543

29.812

427.238

 

in % aller Italiener

7,7%

8,6%

37,8%

6,0%

13,8%

6,0%

100%

Niederländer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zivilarbeiter

22.092

4.745

87.482

9.658

32.025

18.356

270.304

in % aller Niederländer

8,2%

1,8%

32,4%

3,5%

11,9 %

6,8%

100%

Sowjets

insgesamt

862.062

252.848

883.419

92.952

110.289

205.325

2.758.312

 

Zivilarbeiter

723.646

92.950

752.714

84.974

77.991

158.024

2.126.753

 

Kriegsgefangene

138.416

159.898

130.705

7.978

32.298

47.301

631.359

 

in % aller Sowjets

28,5%

8,3%

29,2%

3,7%

3,6%

6,8%

100%

Polen

insgesamt

1.125.632

55.672

130.905

23.871

68.428

35.746

1.688.080

 

Zivilarbeiter

1.105.719

55.005

128.556

22.911

67.601

35.484

1.659.764

 

Kriegsgefangene

19.913

667

2.349

960

827

262

28.316

 

in % aller Polen

66,7%

3,3%

7,5%

1,4%

4,1%

2,1%

100%

Tschechen

 

 

 

 

 

 

 

 

Zivilarbeiter

10.289

13.413

80.349

10.192

44.870

18.566

280.273

in % aller Tschechen

3,7%

4,8%

28,7%

3,6%

16,0%

6,6%

100%

Insgesamt

 

2.747.238

433.790

1.691.329

252.068

478.057

378.027

7.615.970

 

Zivilarbeiter

2.061.066

196.782

1.397.920

206.741

349.079

277.579

5.721.883

 

Kriegsgefangene

686.172

237.008

293.409

45.327

128.978

100.448

1.930.087

 

in %

36,1%

5,7%

22,2%

3,3%

6,3%

5,0%

100%

* Klaus Barwig, Günter Saathoff, Nicole Weyde (Hg.), Entschädigung für NS-Zwangsarbeit, Baden Baden 1998, S. 339

Wetteifernde Fremdarbeiter

Obwohl es in den Kriegsjahren angesichts der Bombenangriffe und des schwindenden Wohnraums gerade in den Städten für die dortigen Firmen sehr schwierig wurde, eine angemessene Unterbringung der Fremdarbeiter zu gewährleisten, kann das gute Ergebnis der Bemühungen von Parteidienststellen im Benehmen mit den Firmenleistungen nur als erstaunlich bezeichnet werden. Neben einem kleinen Teil, der in Privatunterkünften untergebracht war, lebten die meisten Ausländer in Baracken, die nach der Lagerordnung des Reichsarbeitsministers vom 14.7.1942 gestaltet waren. Dazu führt der damalige Gauarbeitseinsatzwalter Karl Rulff aus:

»Trotz teilweiser Materialknappheit haben die Betriebe ihre Lager in vielen Fällen noch besser und schöner ausgebaut«, als in den amtlichen Richtlinien vorgeschrieben war. »Ein großer Teil der ausländischen Arbeiter war in Massiv-Lagern untergebracht, z.B. im Lager "Herzog", Hess. Lichtenau rund 2 000 Arbeiter – Deutsche und Ausländer – in erstklassigen, sauberen Räumen mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen, großer Gemeinschafts- und Speisesaal mit Kantine, Bühne und Radio. Ein Frauenlager "Waldhof", Hess. Lichtenau für rund 1 000 Deutsche und Französinnen hatte die gleichen Vorausetzungen. Das Lager "Steimbel" bei Neustadt, Kreis Marburg hatte 1 400 ausländische und deutsche Arbeitskräfte beherbergt. Hier waren ähnliche Unterkünfte, dazu ein Speisesaal, in dem alle gemeinsam gegessen haben einschließlich der dort eingesetzten Marineeinheiten. Außerdem stand ein großer Saal mit Bühne für die laufenden Veranstaltungen zur Verfügung. Es war einer der schönsten und größten Säle im Gau Kurhessen. Aber auch die Barackenlager waren vielfach direkte Schmuckkästen.« (P.L. 17o Arb. 4)

In verschiedenen Aussagen wird von einem Lagerwettbewerb gesprochen, durch den alljährlich das schönste Lager des Gaues und der Kreise ausgezeichnet wurde. Darüber berichtet der DAF-Angestellte Walter Lotze in Thüringen:

»So konnte das Lager der Zellwolle A.G. Schwarza – "Schwarzaperle in Schwarzburg" den Vergleich mit einem Erholungsheim fast aushalten und die Auszeichnung des Ostarbeiterlagers "Iwan" in Erfurt (Fa. BEM-Erfurt) war ein Festtag für die ausländischen Arbeiter, die durch Festgeschenke an Lagerführer und Betriebsleiter durch die ausländischen Arbeiter wiederum ihren Dank zum Ausdruck brachten.« (P.L. 170 Arb. 3)

Wenn durch Bombenangriffe Lager zerstört wurden, waren staatliche Stellen und Firmenleitungen gemeinsam mit den Ausländern bemüht, möglichst rasch neue Unterkünfte zu schaffen und den geschädigten Arbeitern ihre verlorene Habe zu ersetzen. Die Dankbarkeit der Fremdarbeiter äußerte sich auch darin, daß sie gelegentlich Sammlungen zu Gunsten der NSV veranstalteten, in der namhafte Beträge übergeben wurden.

Die Verpflegung

In der Verpflegung waren die Fremdarbeiter grundsätzlich den deutschen Arbeitern gleichgestellt, was zu Neid unter der deutschen Bevölkerung in vielen Fällen Anlaß gegeben hat, da der deutsche Normalverbraucher eben nicht die Zuschläge bekam, welche aufgrund des besonderen Arbeitseinsatzes den Fremdarbeitern zugeteilt wurden. Dementsprechend verwundert es nicht, wenn der deutschen Bevölkerung das gute Aussehen der ausländischen Arbeiter, die länger in Deutschland tätig waren, auffiel, eine Tatsache, die auch dem Feind über seine Spionage gut bekannt gewesen sein mußte. Die Firmen versuchten, ihren Arbeitern zusätzliche Verpflegung zukommen zu lassen, was in beträchtlichem Umfang trotz der staatlichen Einschränkungen gelang.

Naturgemäß besonders gut war die Lage der Fremdarbeiter auf diesem Gebiet in ländlichen Gegenden, wenn sie Gütern oder Bauernhöfen zugeteilt waren, wo sie als Selbstversorger eingestuft wurden, d.h. beträchtlich besser als Normalverbraucher verpflegt wurden. Gerade auf dem Lande trieb das Bemühen um eine gute Versorgung der Fremdarbeiter gelegentlich seltsame Blüten, wenn Bauern den Ehrgeiz darein setzten, daß es "ihren" Fremdarbeitern im Dorf am besten erging.

Entgegen den Behauptungen von Prof. Herbert kamen die Ostarbeiter meist in einem erbärmlich schlechten Zustand an, abgerissen, zerlumpt und schlecht genährt, wie in den Aussagen immer wieder berichtet wird, und sie mußten erst einige Wochen aufgepäppelt werden, ehe an einen vernünftigen Arbeitseinsatz gedacht werden konnte. Der Werkführer Wolf aus dem Kreis Hammelburg schildert die Veränderungen:

»[…] so war das in kurzer Zeit ein ganz anderes Bild. Alles gab Kleider und Schuhe – auch ich – und bald waren diese Burschen und Mädchen von der Dorfjugend nicht mehr zu unterscheiden. Die Mädchen ließen sich Bubiköpfe schneiden und ihre Haare ondulieren.« (P.L.174 Arb. 1015)

Die unzureichende Kleidung, besonders der Ostarbeiter und Polen, wurde durch Spinnstoffsammlungen der Ortsgruppen, Firmen und Privatleute ergänzt. Dies bestätigt u.a. der Bürgermeister Slanina aus Rothenburg über eine niederschlesische Kleinstadt:

»[…] Auch als Leiter des Kreiswirtschaftsamtes des Kreises Rothenburg bestätige ich, daß große Mengen von Bekleidungsstücken und Wäschestücken aus Sammlungen herstammend, an die eingesetzten ausländischen Arbeiter abgegeben worden sind.« (P.L. 17o Arb. 1017)

Die Entlohnung

Die Fremdarbeiter erhielten für ihren Arbeitseinsatz den gleichen Lohn wie ihre deutschen Kollegen einschließlich aller Zulagen wie Trennungszulage und Weiterzahlung sowie Erstattung der Fahrtkosten für einen Reiseweg während des Urlaubs. War in Einzelfällen in der Landwirtschaft der Lohn etwas niedriger, wurde dies durch Zusatzleistungen wie Geschenke ausgeglichen. Gerade auf dem Lande ließen sich die anfangs bestehenden Lohnabschläge für Polen und Ostarbeiter nicht durchsetzen, so wie auch in Fabriken nach dem Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit verfahren wurde. Tatsächlich verdienten zahlreiche Fremdarbeiter im Akkord dadurch mehr als deutsche Arbeiter. Dabei hielt man sich peinlich genau an die Vereinbarungen des Anwerbevertrags. So bekamen z.B. dadurch in einem Fall holländische Arbeiter höhere Löhne als die Deutschen, wie Diplomingenieur Paul-Hans Bonhagen schildert:

»Die Holländer waren ursprünglich nach Wilhelmshaven verpflichtet, wo ein höherer Tarif gezahlt wurde. Als sie dann außerhalb eingesetzt waren, behielten sie diese Bezahlung, zu der sie verpflichtet waren.« (P.L. 174 Arb. 1199)

Ein Großteil der Fremdarbeiter überwies den Lohn ganz oder teilweise an die Familie im Ausland. Der Rechtsberater Friedrich Gössel führte dazu aus:

»Es wurde von seiten der DAF auch ständig dafür gesorgt, daß die Fremdarbeiter laufend Geldbeträge in bestimmter Höhe an ihre Familien in der Heimat überweisen […] Polnische Arbeiter kamen regelmäßig sonntags aus Stadt und Kreis Hersfeld in großer Zahl mit Eisenbahn, Fahrrad oder zu Fuß nach Hersfeld zum Besuch des Gottesdienstes, ohne daran gehindert zu werden.« (P.L. 170 Arb. 6)

Wie musterhaft die Behandlung und Betreuung der Fremarbeiter im Reich tatsächlich war, geht nicht nur aus der Fülle der vorhandenen Aussagen, Dokumente und Fotos hervor, sondern ist noch mehr der Tatsache zu entnehmen, daß in den wenigen Fällen von aufgetretenen Mißständen stets klar dargelegt wird, wie diese Mängel unverzüglich abgestellt wurden. Das Hauptverdienst an dieser bewundernswerten Leistung kommt der DAF zu, die mit großem Einsatz und aufgrund ihrer in den Friedensjahren gewonnenen Erfahrungen diese Riesenaufgabe insgesamt vorbildlich meisterte. In den vorhandenen Belegen findet sich keine Spur jenes nach dem Kriege von den Siegern behaupteten angeblichen Herrenmenschendenkens, sondern das soziale Empfinden, diesem Personenkreis eine Eingewöhnung in die neuen Lebensverhältnisse zu erleichtern. Wie diese Tatsachen stärker sind als das politische Propagandabild der Sieger zeigt sich auch heute noch bei Besuchen ehemaliger Fremdarbeiter oder bei Zufallsgesprächen im Ausland. So berichtete ein Apotheker aus Aalen dem Verfasser, wie er 1998 in Taganrog plötzlich von einem Unbekannten angesprochen wurde, der ihn aufgrund eines mitgehörten Gespräches als Deutschen erkannt hatte, und begeistert von seiner Zeit als Fremdarbeiter in Aachen im Krieg schwärmte.

Urlaub, Gesundheitsvorsorge, Freizeitaktivitäten

Der Postverkehr mit der Heimat, die Urlaubsfahrten und nicht zuletzt der in der Heimat stolz präsentierte ansehnliche Besitz brachten es mit sich, daß in den besetzten Gebieten der gegenteiligen Propaganda der Widerstandskreise nicht geglaubt wurde, unabhängig vom Osten, wo die Bevölkerung das Ausmaß der sowjetischen Falschmeldungen ohnehin richtig einschätzte. Der Aushang der Sonderzüge für ausländische Urlauber bei den Dienststellen der DAF war bis Kriegsende überzeugender als die Feindpropaganda.

Wenn der jüdische Professor Fritz Stern jetzt über »beinahe 6 Millionen ermordete Zwangsarbeiter« ohne Beweise phantasiert (Deutsche National-Zeitung, 7.5.1999), dann hat dies nichts mit der Wirklichkeit zu tun. In zahlreichen Aussagen wird berichtet, mit welch harten Strafen auf Übergriffe gegen Fremdarbeiter von staatlicher Seite reagiert wurde. Über einen solchen Fall berichtet z.B. der kaufmännische Angestellte Gehlen bei der Fa. Rheinmetall in Sömmerda, wo ein Lagerführer und ein Betriebsobmann, die trotz strengen Verbots Ausländer geschlagen hatten, am 17.3.1943 mit 5 bzw. 2 1/2 Jahren Zuchthaus sowie Ehrverlust und Ausschluß aus der NSDAP bestraft wurden. Die unterdurchschnittlich geringen Todeszahlen bei Fremdarbeitern sind im Regelfall auf Luftangriffe, Unfälle oder schwere Krankheiten zurückzuführen.

Daß die ärztliche Versorgung der Fremdarbeiter vollkommen jener der deutschen Bevölkerung entsprach, sei nur am Rande erwähnt. Schwangere Ausländerinnen bekamen z.B. bei der Entbindung die gleichen sozialen Leistungen gewährt wie deutsche Frauen.

Wer die Berichte über die damalige Freizeitgestaltung der Fremdarbeiter liest, in denen mit genauen Einzelheiten über die künstlerischen und sonstigen Veranstaltungen berichtet wird, die durch die DAF über ein Kraft-durch-Freude-Programm durchgeführt wurden, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Künstlertruppen aus den besetzten Ländern wurden im Reich verpflichtet, um ihren Landsleuten ein kulturelles Programm in der Landessprache anzubieten. In einer Zeit der Mangelwirtschaft wurden noch Waren verteilt, die im normalen Verkauf nicht mehr zu haben waren. Der DAF-Angestellte Karl Carius bestätigt solche Bemühungen:

»Ich will nicht unerwähnt lassen, daß ich u.a. nur für die fremdländischen Arbeiter folgende Musikinstrumente habe anfertigen und verteilen lassen: 5 000 Gitarren, 5 000 Mandolinen, 5 000 Balaleikas, 200 - 300 Geigen.« (P.L. 170 Arb. 2)

Dies betrifft das Sozialamt der DAF in Berlin.

Was in der heutigen Darstellung jenseits absurder Behauptungen über eine angeblich schlechte Lage der damaligen Fremdarbeiter auch vergessen wird, ist der Nutzen, den Fremdarbeiter unmittelbar durch ihre oft aufwendige Ausbildung in den Fabriken für ihr weiteres Leben gehabt haben.

Wer über die kleinen Ärgernisse des Alltags hinwegsieht, wird über die schwere Lage durch die Kriegsereignisse hinaus feststellen, wie weit sich hier bereits eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Deutschen und Ausländern entwickelt hat, die nicht mehr vom Haß, sondern vom gegenseitigen Verständnis und Wertschätzung durch eine jahrelange gemeinsame Arbeit geprägt war. Auch dies war ein wesentlicher Teil, der die europäische Gemeinschaft von heute mit ermöglicht hat.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 363-372.


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