Vergasungslügen gegen Deutschland

Die »Giftgaswolken« der Deutschen · Wie Geschichte gefälscht wird

Von Thorin Eichenschild

Im Zusammenhang mit der neuen UNO-Konvention gegen Entwicklung, Produktion, Besitz und Anwendung von Chemiewaffen wurde jetzt in Medien die Anschuldigung aufgewärmt, Deutschland habe im Ersten Weltkrieg »den Giftgasterror eingeleitet«.

Die Propaganda der westlichen Kriegsgegner Deutschlands hatte verbreitet, die Deutschen würden »wie Wilde kämpfen, die sich Kenntnisse von Chemie angeeignet haben« (Daily Express, London, 27.4.1915), sie würden »vorsätzlich und planmäßig unsere Soldaten ersticken und vergiften« (The Times, London, 29.4.1915), würden auch Frauen in Massen vergasen (New York Tribune, 7.6.1915). Der Londoner Daily Telegraph wußte am 22. März 1916 zu berichten, Serben würden durch deutsches Giftgas zu Abertausenden ermordet.

An der Spitze der damaligen französischen Gas-Propagandakampagne gegen die Deutschen stand der Dichter Paul Claudel. Er schleuderte von Paris aus den Vorwurf in die Weltöffentlichkeit:

»Deutschland, Du wirrer Haufen von Europas Eingeweiden und Gedärm! Volk Luthers und Kants, erfinde neue Giftgaswolken! Den Tod bringst Du und allein der Tod erfüllt Dir alle Deine Wünsche.«

Daß der Giftgastod ein Meister aus Deutschland sei, wurde seinerzeit auch durch eine Ausstellung in 21 US-amerikanischen Städten bekanntgemacht. Zu den Exponaten gehörten »Giftgasbehälter der Deutschen« sowie (Ausstellungsstück Nr. 168) »Keulen, mit denen Österreicher gasverwundete italienische Soldaten erschlagen haben«.

Der weltberühmte deutschjüdische Chemiker Professor Dr. Fritz Haber, Träger des Nobelpreises (1918!), wurde als Chef der deutschen Kampfgasentwicklung im Ersten Weltkrieg von den Siegern 1918 mit politischen und militärischen Führern wie Kaiser Wilhelm II., Hindenburg und Ludendorff auf eine „Kriegsverbrecherliste" gesetzt.

Tatsächlich war es Frankreich, das im Ersten Weltkrieg mit dem Einsatz von Gas an der Front begonnen hatte: Im März und April 1915 in den Argonnen und nördlich Suipees. Großbritannien setzte zur selben Zeit bei Ypern Kampfgas ein. Deutschland reagierte mit der Entwicklung und schließlich mit dem Einsatz von Gas-Kampfmitteln.

Daß die französische Seite mit dem Gaskrieg begann, ist u.a. vom britischen Politiker und Publizisten Arthur Ponsonby Lord of Shulbrede, nachmals Labour-Führer im Oberhaus, bestätigt worden (Falsehood in War-Time. Propaganda Lies of the First World War, London 1929; deutsch: Absichtliche Lügen in Kriegszeiten, Berlin 1931). Auch der deutsche Historiker und Publizist Otto von Stülpnagel wies in seiner von Gustav Stresemann allen Deutschen empfohlenen Schrift über Kriegsverbrechen (Die Wahrheit über die deutschen Kriegsverbrechen, Berlin 1920) nach, daß Frankreich den Gaskrieg eröffnet hatte. In seinen Lebenserinnerungen berichtete Otto Hahn über ein Gespräch mit Professor Fritz Haber:

»Auf meinen Einwand, daß diese Art der Kriegführung gegen die Haager Konvention verstoße, meinte Haber, die Franzosen hätten den Anfang hierzu gemacht.« (Otto Hahn, Mein Leben, 1968.)

Zur Schuld am Gaskrieg im Ersten Weltkrieg faßt der Zeitgeschichtler Günther W. Gellermann in seinem 1986 in Koblenz erschienenen Buch Der Krieg, der nicht stattfand die Erkenntnisse in- und ausländischer Experten wie folgt zusammen:

»Bei Beginn des Krieges verfügten einzig die Franzosen über einsatzbereite Gaswaffen. […] Auf der deutschen Seite sind offensichtlich vor Beginn des Krieges keinerlei Gaskampfvorbereitungen getroffen worden. […] Frankreich hatte chemische Substanzen für militärische Zwecke zum ersten Mal zum Einsatz gebracht. Deutschland zog nach.«


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(1) (2000), S. 56.


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