Anti-revisionistischer Sturm in dänischen Wasserglas

Ein dänischer Religionswissenschaftler erweckt mit seinen Thesen Aufsehen

Von der Gruppe Free Historians, Dänemark


Im Februar 1999 hielt Prof. David Bankier Vorträge an verschiedenen dänischen Universitäten. Kristeligt Dagblad hat in seiner Ausgabe vom 24. 2. 1999 darüber berichtet. Bankier unterscheidet zwischen »wirklichen Revisionisten«, die den Holocaust kategorisch bestritten, und jenen Historikern, welche in den Geschichtsbüchern stehende Informationen kritisch hinterfragten. Dies gehe in Ordnung, meint er, »solange man damit nicht bloß provozieren will«. Es sei wichtig, den Revisionismus zu widerlegen, und zwar nicht etwa auf dem Wege der Gesetzgebung oder der Zensur, sondern durch Erziehung. Es spiele keine Rolle, ob sechs, vier oder zwei Millionen Juden getötet worden seien, sagte er ausdrücklich. Eine Tragödie bleibe es so oder so.

Bankier zitierte Dr. Lindtner im Zusammenhang mit seinen quellenkritischen Darlegungen über die Zahl der jüdischen Opfer in Auschwitz-Birkenau sowie die Existenz der Gaskammern. Lindtner hatte seine Äußerung im Januar 1998 in Berlingske Tidende Holocaust i nyt Lys«) sowie in anderen Zeitungen gemacht. Kristeligt Dagblad bemerkte dazu, Lindtners Argumente würden »auf rein akademischem Niveau vorgebracht«, so daß es unmöglich sei, »seine historische Kritik als Unsinn abzutun.«

Das Erscheinen zweier Bücher mit buddhistischen Originaltexten, die Dr. C. Lindtner direkt aus dem Sanksrit, dem Pali, dem Chinesischen sowie dem Tibetanischen ins Dänische übertragen hat, rief bei einigen dänischen Theologen sowie Studenten des Christentums und anderer Religionen Entrüstung hervor.

In einer Rezension, die vermutlich in Religionsvidenskabeligt Tidsskrift erscheinen wird, fordert ein junger Forschungsassistent, Mikael Aktor, die beiden Bücher müßten aus dem Verkehr gezogen werden. Er nennt drei Gründe, weshalb das zweibändige Werk verbrannt gehöre.

Der erste Grund besteht darin, daß Lindtner in Information (19. Oktober 1996) und Berlingske Tidende (24. Januar 1998) einen Essay sowie in letztgenannter Zeitung am 23. Februar 1998 noch einen Leserbrief publiziert hat, in dem er das unter dem Eintrag »Auschwitz« in der Großen Dänischen Enzyklopädie Behauptete kritisierte. Die betreffenden Texte sind in deutscher Übersetzung in den VffG erschienen (4/98, S. 291-298).

Der zweite Grund für Aktors Ingrimm liegt darin, daß Lindtner in seiner Übersetzung die Wörter »Arier« bzw. »arisch« benutzt. Diese Ausdrücke erwecken für Aktor »falsche Assoziationen«. Er kann freilich nicht leugnen, daß die ursprünglichen Sanskrit-Texte diese Wörter selbst verwenden (ãrya, ariya). Mit anderen Worten: Es ist wissenschaftlich durchaus korrekt, »arisch« mit »arisch« wiederzugeben, doch da es einigen Lesern zufolge politisch unkorrekt ist, sollten diese Übersetzungen schleunigst vom Markt genommen werden!

Der dritte Grund für Aktors Zorn ist der bei weitem wichtigste. In der Einleitung zu seinen Übersetzungen vertritt Lindtner die Auffassung, daß das Frühchristentum, so wie es sich in den Evangelien manifestiert, manches direkt den heiligen Texten des Buddhismus entnommen hat. Dies würde bedeuten, daß „Gottes Wort" zumindest teilweise „Buddhas Wort" ist.

Lindtner legt dar, er könne seine neue These mit philologischen Argumenten stützen und auf diesem Wege nicht nur den buddhistischen Ursprung von Orts- und Personennamen belegen, sondern auch nachweisen, daß viele der in den Evangelien angeführten Gleichnisse und Geschehnisse von den heiligen Texten des Buddhismus übernommen worden sind. Somit wären die Evangelien in ihrem Kern buddhistischen Ursprungs.

Lindtners These, die zur ihrer Stützung vorgebrachten Argumente sowie die angeführten Beispiele fußen auf einer sorgfältigen vergleichenden Studie der in Sanskrit bzw. Griechisch abgefaßten Originaltexte.

Keiner von Lindtners Kritikern verfügt über die philologischen Qualifikationen in Griechisch und Sanskrit, um seine These auf wissenschaftlicher Basis erörtern zu können.

Da sie eine revisionistische Quellenkritik des Gotteswortes in den Evangelien nicht dulden wollen, haben sie sich dafür entschieden, Lindtners Thesen schlichtweg zu verdammen und die Verbrennung seiner Bücher zu verlangen. Glücklicherweise ist diese Gruppe intoleranter Fundamentalisten klein und vertritt keinesfalls die Ansichten der Mehrheit.

Somit stellt sich also die Frage, ob es Gaskammern gab

Die dänische Wochenzeitung Weekendavisen vom 23.- 28. April 1999 veröffentlichte ein ganzseitiges Interview mit Dr. phil. Christian Lindtner über seine beiden letzten Bücher. Die Fragen stellte Thomas Thurah (kursiv). Wir geben hier den größten Teil davon wieder.


Übersetzung aus dem Englischen (Einleitung) sowie dem Dänischen (Interviewtext) von Jürgen Graf.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(1) (2000), S. 100-103.


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