Freispruch für halbrevisionistischen polnischen Historiker

Von Jürgen Graf


In der Westschweizer Zeitung Le Temps vom 9. Dezember 1999 berichtet irgendein Bernard Osser unter der Überschrift »L’inquiétant acquittement d’un négationniste« (Beunruhigender Freispruch für einen Holocaust-Leugner) folgendes:

»Ein polnischer Historiker, der wegen Leugnung der Gaskammern in den Nazilagern gerichtlich belangt wurde, wird nicht bestraft. Das Gericht von Oppeln (Südwestpolen) hat ihn freigesprochen, da es der Ansicht war, seine Schriften stellten „lediglich ein geringes gesellschaftliches Ärgernis" dar. Das Urteil – das erste, das in Polen im Zusammenhang mit einer „Auschwitzlüge" gefällt worden ist – hat eine Protestwelle im ganzen Land ausgelöst. In seinem im Selbstverlag erschienenen Buch „Gefährliche Themen" hatte der Historiker Darius Ratajczak insbesondere behauptet, die Deutschen hätten das Gas Zyklon B zur Entwesung der Häftlinge und nicht zu deren Tötung eingesetzt. Ferner schrieb er, die Erzählungen ehemaliger Lagerinsassen, welche Zeugen der Naziverbrechen waren, besässen „keinen Wert". Zum Glück konnte der Historiker von den 320 gedruckten Exemplaren seines Werks nur fünf verkaufen [weil die restlichen sofort von der Polizei beschlagnahmt wurden, J.G.]. Dieses Argument wurde u.a. vom Richter als Begründung dafür angeführt, dass er Ratajczak freisprach. [...] Für die jüdischen Kreise in Polen ist der Urteilsspruch „empörend". „Wie kann Polen, das mit den Juden so sehr gelitten hat, das soviele Menschen verloren hat und die Barbarei der Nazis am eigenen Leibe erfahren musste, diese Affäre seelenruhig als ‚geringes soziales Ärgernis‘ einstufen?" fragte Szymon Szurmiej, Vorsitzender der Föderation jüdischer Vereinigungen in Polen, nach dem Urteil. Ihm zufolge ist die Leugnung der Existenz der Gaskammern, in denen sechs Millionen Menschen vernichtet wurden, ein schlechtes Zeugnis für die polnische Demokratie, welche sich als europäische Demokratie auffasst. [...] Gestern beschloss die Staatsanwaltschaft, Berufung gegen den Entscheid des Gerichts einzulegen.«

Diese Zeilen veranschaulichen mit schöner Deutlichkeit, was man heute in der „westlichen Wertegemeinschaft" unter »Demokratie« versteht, nämlich die Unterdrückung aller den Herrschenden unbequemen Meinungen mit polizeistaatlichem Terror. Unabdingbar für eine solche »Demokratie« sind deshalb Maulkorbgesetze, die jede Kritik an der jüdischen Version des 2. Weltkriegs sowie der »multikulturellen Gesellschaft« (d.h. der Verdrängung der einheimischen Bevölkerung durch afro-asiatische und balkanische Masseneinwanderung) unter Strafe stellen. Ein solches Maulkorbgesetz trat in Polen anfang 1999 fast zeitgleich mit dem Nato-Beitritt in Kraft.

Wie sagen doch die Hexen ins Shakespeares Macbeth? »Fair is foul and foul is fair« – „Schön ist häßlich, und häßlich ist schön". Nach diesem satanischen Grundsatz wird heute in der „freien Welt" der Sinn der Worte in sein Gegenteil verkehrt.

„Zum Glück" habe Ratajczak nur fünf Exemplare seines Buchs verkaufen können, beruhigt Le Temps-Journalist Bernard Osser den Leser. Uff, da ist die polnische Demokratie noch einmal heil davongekommen! Man stelle sich vor, der Historiker hätte sechs Exemplare verkauft – wie entsetzlich! Die Nato hätte Oppeln gleich bombardieren müssen! …

Dr. Dariusz Ratajczak hat mir ein Exemplar seines im Oktober 1998 erschienenen kleinen Buchs Tematy Niebezpieczne (Gefährliche Themen) zukommen lassen. Dieses umfaßt eine Anzahl teils bereits früher in Lokalzeitungen veröffentlichter Aufsätze, die in drei Gruppen zerfallen:

  1. Jüdische Themen (im weitesten Sinne).
  2. Aufsätze zur Freimaurerei.
  3. Varia. Zur ersten Gruppe gehört auch ein zuvor unveröffentlichter, die Seiten 22 bis 26 umfassender Beitrag mit dem Titel »Rewizjonizm Holocaustu« (Holocaust-Revisionismus). Darin faßt Ratajczak die Entwicklung sowie die Thesen des Revisionismus sachlich zusammen. Er erwähnt Rassinier, Faurisson, Verrall (Harwood), Irving und Zündel, gibt die Schlußfolgerungen des Leuchter-Gutachtens sowie der Rudolf-Expertise wieder und unterstreicht die Unzuverlässigkeit der Zeugenaussagen. An keiner Stelle identifiziert sich der Verfasser ausdrücklich mit den Anschauungen der Revisionisten; in einem Brief an mich hob er denn auch hervor, daß er diese zwar weitgehend, aber nicht vollständig teile.

Einen Irrtum begeht Ratajczak, indem er – auf S. 26 – die Zahl der als Folge der NS-Politik umgekommenen Juden auf 2,5 Millionen schätzt; die wirkliche Zahl dürfte maximal eine Million betragen haben.

Der Historiker, der sich in seinem Schreiben an mich als »Konservativen« einstufte, schreibt in der Einleitung zu seinem Buch:

»Ich gehöre zu jenen Menschen, welche die Schlüsselprobleme der Vergangenheit und der Gegenwart grundsätzlich in weiß und schwarz sehen. Ja ist Ja. Nein ist nein. Alle Schattierungen in grau, Formulierungen der Art „Ja, aber…" oder „Jede Medaille hat zwei Seiten" wecken in mir intuitiv Mißtrauen.« (S. 5)

Welche Risiken er mit der Veröffentlichung seiner Schrift einging, war Ratajczak sehr wohl bewußt; dies geht nicht nur aus dem Titel Gefährliche Themen, sondern auch aus folgender Passage hervor:

»Über die polnisch-jüdischen Beziehungen zu schreiben, ist ein gefahrvolles Unterfangen. Besonders für einen Polen, welcher die Ansicht vertritt, diese Beziehungen müßten auf der Grundlage der Wahrheit beruhen. Paradoxerweise ist es deshalb leicht, sich den Vorwurf des engstirnigen Nationalismus, des Fremdenhasses und des „obsessiven Antisemitismus" zuzuziehen. Die Folgen sind meist traurig: Gesellschaftliche Ausgrenzung (jeder hat die Bekannten, die er verdient), Knebelung seiner journalistischen und verlegerischer Aktivitäten sowie schließlich der berufliche Ruin« (S. 8)

Wie wahr! Nach dem Erscheinen seines Buchs verlor Ratajczak seine Stelle als Dozent für moderne Geschichte an der Universität Oppeln. Eine finanzielle Kompensation erhielt der Familienvater nicht, und seine wirtschaftliche Lage ist prekär. Außerdem ist zu befürchten, daß sein Freispruch in zweiter Instanz auf Druck der in Polen ungemein starken Judenlobby aufgehoben wird. Bei der Kampagne gegen den Oppelner Dozenten hat sich übrigens der unter der kommunistischen Herrschaft als „Dissident" bekannte Hebräer Adam Michnik alias Aaron Schechter durch besonders wüste Hetze hervorgetan.

Dr. Dariusz Ratajczak ist ein Mann mit festen politischen und religiösen Überzeugungen, ein Mann von Charakter. Solche Menschen sind bei den Regierenden des „liberaldemokratischen" Polen ebenso unbeliebt, wie sie bei jenen des „volksdemokratischen" Polen seligen Angedenkens waren.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(1) (2000), S. 96f.


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