David Irving versus Deborah E. Lipstadt

Die Eröffnungsrede des britischen Historikers

Von David Irving

Hohes Gericht! Mit Verlaub Eurer Lordschaft, dies ist meine Eröffnungserklärung im Verfahren David Irving gegen Penguin Books Ltd. und Deborah E. Lipstadt. Ich erscheine persönlich als Klageführer und die Beklagten werden durch Herrn Richard Rampton und Frl. Rogers von Counsel und durch Herrn Anthony Julius vertreten. Es gab ursprünglich drei weitere Beklagte, die hier als Buchhändler charakterisiert werden können. Euer Ehren wird aber bemerken, daß sie in diesem Prozeß keine Rolle mehr spielen, nachdem eine Einigung erzielt worden ist.

Dies ist ein Verleumdungsverfahren, das darauf zurückgeht, daß der Beklagte zu 1) ein Buch mit dem Titel Denying the Holocaust (Leugnen des Holocaust) von der Beklagten zu 2), Prof. Lipstadt, vertrieben hat.

Wie Euer Ehren bekannt ist, hat das beanstandete Werk seit seiner ersten Veröffentlichung 1993 erhebliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, sowohl in diesem Land als auch in den Vereinigten Staaten und anderswo. Euer Ehren wird meine Klageschrift vor sich haben, in dem ich die Gründe für meine Beschwernis darlege, als deren Folge ich beantrage, daß die Beklagten Schadenersatz in einer Höhe zahlen, die ich mir erlauben werde vorzuschlagen und ich werde Eure Lordschaft anregen, eine gerichtliche Verfügung gegen die weitere Veröffentlichung dieses Werkes zu erlassen, und daß die Beklagten die üblichen Verpflichtungen übernehmen.

Es ist beinahe dreißig Jahre her seit dem Tag, an dem ich zum ersten Mal den Fuß in dieses Gericht gesetzt habe, und ich vertraue darauf, daß mir Eure Lordschaft erlauben wird, zwei oder drei Minuten lang einen Rückgriff auf die Geschichte dieser Ereignisse zu machen, da ich meiner Auffassung nach ein Historiker bin und sie nicht ohne Bedeutung für das Verfahren sind, auf das wir uns jetzt gleich einlassen werden.

Der Anlaß, dieses Gebäudes aufzusuchen, war ein Prozeß, der von Richter Lawton verhandelt und Jura-Studenten als Verfahren Cassell gegen Broome und einen anderen bekannt wurde. Auch dieses Verfahren war ein Verleumdungsprozeß und ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich der Angeklagte war, weil ich ein Buch über ein Marineunternehmen geschrieben hatte, The Destruction of Convoy PQ 17 (Die Zerstörung des Convoy PQ.17, deutsche Fassung: Schlacht im Eismeer, Bertelsmann Verlag).

Das war der einzige aktiv durchgefochtene Verleumdungsprozeß, in den ich in den 30 Jahren, die ich schreibe, verwickelt worden bin. Es gab zwei Gründe für diese Zurückhaltung: erstens wurde ich in meiner Art zu schreiben vorsichtiger, und zweitens wurde mir beigebracht, die andere Wange hinzuhalten.

Der Mann, der mich letztere Lektion lehrte, war mein erster Verleger. Er hatte mein erstes Buch The Destruction of Dresden (deutsch: Der Untergang Dresdens, Bertelsmann, Ullstein, rororo, u.a.m.) unter Vertrag genommen, das dann 1963 publiziert wurde.

Etwa 1961 war ein wohlbekannter englischer Verleger, Herr William Kimber, an mich herangetreten. Als ich ihn in seinem Büro besuchte - dessen Standort inzwischen längst unter einem Luxus-Hotel, dem Berkeley, in Belgravia, begraben ist -, fand ich ihn von Akten und Dokumenten umgeben, etwa so, wie wir alle heute in diesem Gerichtsraum. Seine Haltung zeigte Erschöpfung.

Euer Ehren wird sich vielleicht erinnern, daß Herr Kimber und sein Verfasser Herr Leon Uris durch ein Buch mit dem Titel Exodus, das Uris geschrieben hatte, in einen Verleumdungsprozeß verwickelt wurden, den ein Londoner Arzt angestrengt hatte, der verpflichtet gewesen war, in Auschwitz zu dienen. Der Fall wurde auch vor Richter Lawton verhandelt. Es gab eine weitere Ähnlichkeit, das diesen besonderen Ring des Zusammentreffens von Ereignissen schließt: so, wie ich jetzt, war Herr Kimber in der Folge ebenfalls genötigt, zwei oder drei Jahre seines Lebens damit zu verbringen, durch die widerwärtigsten Geschichten von Scheußlichkeiten und menschlicher Entwürdigung, wie er es nannte »bis ans Knie« zu waten.

An diesem Tag riet er mir, niemals wieder in einen Verleumdungsprozeß verwickelt zu werden. Ich möchte hinzufügen, daß ich seinem Rat gefolgt bin - mit einer Ausnahme, die ich später nennen werde.

Seit damals gab es ein oder zwei gerichtliche Scharmützel, die nicht viel „Blutvergießen" mit sich führten: es gab einen Prozeß gegen einen Autor, den ich dummerweise zur gleichen Zeit begann wie das PQ.17- Verfahren, und von dem ich, nachdem ich letzteren verloren hatte, aus offensichtlichen Gründen ablassen mußte, zu verhältnismäßig schmerzlosen Bedingungen; und ein jüngerer Prozeß gegen eine größere Londoner Zeitung, die mir - ohne Zweifel fahrlässig - einige besonders verletzende Worte in den Mund gelegt hatte, die in Wirklichkeit von Adolf Hitler geäußert worden sind; diese Zeitung einigte sich mit mir außergerichtlich unter Bedingungen, die in hohem Maße annehmbar waren.

Ich habe seit 1960 oft an Herrn Kimbers Mahnung gedacht, vor allem in den letzten drei Jahren. Ich wurde in genau die gleiche Lage »bis ans Knie« gebracht, seit ich im September 1996 jene Vorladung erwirkte, die diesen Prozeß einleitete. Ich kann daher nur um Nachsicht bitten, wenn ich mit den Akten und Dokumenten, auf die das Gericht angewiesen ist, spät dran bin.

Ich habe nie behauptet, ein Holocaust-Experte zu sein, noch habe ich Bücher über das geschrieben, was jetzt der Holocaust genannt wird. Wenn ich überhaupt in irgend etwas ein Experte bin, so höchstens bezüglich der Rolle, die Adolf Hitler bei der Ausweitung des Zweiten Weltkrieges gespielt hat, bezüglich der Entscheidungen, die er gefällt hat, und der Kenntnisse, auf deren Grundlage er diese Entscheidungen traf.

Als Randerscheinung dieses Themas, über das ich eine Anzahl Bücher geschrieben habe, konnte ich nicht umhin, das Ausmaß zu erforschen, in dem Hitler am Holocaust teilnahm oder von ihm Kenntnis hatte. Das war der Umfang meiner Beschäftigung als Buchautor, bis ich diese Vorladung veranlaßt habe.

Seither war ich aufgrund der von den Beklagten gewählten Taktik genötigt, ob ich wollte oder nicht, so etwas wie ein Experte zu werden, ohne daß ich es selbst anstrebte. Zu meinem größten Widerwillen wurde deutlich, daß es nicht länger möglich ist, reine Geschichtsschreibung zu betreiben, ohne von der Politik behindert und beeinflußt zu werden, wenn man sich erst einmal in diesen unliebsamen Bereich hineingewagt hat.

Ich habe mein Bestes getan, um den folgenden Prozeß vorzubereiten, aber ich erlaube mir darauf hinzuweisen, daß ich nicht verpflicht bin, ein Holocaust-Experte zu sein; es ist für das Gericht nichts Neues, wenn ich die Anwesenden daran erinnere, daß es, angesichts der Rechtfertigung, die die Beklagten vorgebracht haben, nicht mir als Klageführer obliegt, die Unrichtigkeit dessen, was sie publiziert haben, zu beweisen. Es ist ihre Aufgabe zu beweisen, daß das, was sie schrieben, richtig ist.

Immer für eine Provokation gut: David Irving zusammen mit dem spanischen Nationalisten Pedro Varela anno 1988

Ich beabsichtige aufzuzeigen, daß ich bei weitem kein „Holocaust-Leugner" bin, daß ich vielmehr wiederholt auf Hauptaspekte aufmerksam gemacht und sie beschrieben habe, und ich habe sowohl der Gelehrtenwelt als auch dem allgemeinen Publikum historische Dokumente verschafft, über die sie nicht unterrichtet waren, bevor ich sie entdeckte, sie veröffentlicht und übersetzt habe.

Man wird feststellen, daß ich selbstlos Kopien von Dokumenten, die ich selbst mit großen Kosten in fremden Archiven aufgestöbert hatte, sogar meinen Rivalen unter den Historikern zur Verfügung stellte, weil ich es im Interesse der allgemeinen Geschichtsforschung für wichtig hielt, daß diese Dokumente bekannt wurde. Ich beziehe mich z.B. auf den Bruns Report, über den wir in Kürze hören werden, und auf das Dossier über Kurt Aumeier in britischen Akten, ein Dossier, das, wie sogar die Experten der Beklagten einräumen, einer der wichtigsten historischen Funde ist, seit die Schriftstücke von Rudolf Höß, dem Kommandanten von Auschwitz, nach dem Krieg veröffentlicht wurden.

Ich möchte diesem Gericht eine dringende Bitte vorbringen. Es ist mir klar, daß die Beklagten eine beträchtliche Geldsumme ausgegeben haben, um nochmals von Grund auf die quälende Darstellung dessen, was geschehen ist, durchzuforschen in dem, was sie den Holocaust nennen.

Ich gebe zu bedenken - so hart es auch erscheinen mag - daß das Gericht sich für diese Tragödie nicht interessieren sollte. Es mag wohl sein, daß das Gericht mit mir uneins ist und tiefen Anteil daran nimmt. Aber meiner Auffassung nach müssen wir den Verlockungen widerstehen, die Darstellung dessen zu durchkämmen, was vor fünfzig Jahren in Polen oder Rußland geschehen ist. Die Streitfrage hier ist nicht, welche Grausamkeiten an diesen Orten geschahen, sondern was in den letzten zweiunddreißig Jahren geschah, an meinem Schreibtisch in meiner Wohnung beim Grosvenor Platz.

Um ihre Behauptung der Manipulation und Verzerrung zu rechtfertigen, wird es nicht ausreichen, daß Professor Lipstadt beweist, - wenn sie kann - daß ich das, was sich ereignet hat, falsch dargestellt habe. Sie muß vielmehr in allen Einzelheiten aufzeigen, daß ich wußte, was geschah, und daß ich es böswillig und absichtlich zu irgendeinem Zweck anders dargestellt habe, als es sich nach meinem Wissen ereignet hat. Daß ich das Geschehen wider besseres Wissen dargestellt habe.

Das ist die Bedeutung von Manipulation und Verdrehung. Im Gegensatz dazu ist der Darstellung dessen, was wirklich geschehen ist, hier nebensächlich. Tatsächlich sollten die hiesigen Nachforschung die vier Wände meines Arbeitszimmers nicht verlassen. Sie sollte auf jene Dokumente gerichtet sein, die vor mir lagen - und nicht vor einem anderen, mit stattlichen Geldmitteln versehenen Forscher oder Gelehrten -, und auf das Manuskript, das ich dann auf der Grundlage meiner eigenen begrenzten Quellen erstellte.

Eure Lordschaft, wenn wir einen Titel für diese Verleumdungsklage suchen sollten, so würde ich vorschlagen: „Bilder einer Hinrichtung".

Es mag sein, daß Euer Ehren bekannt ist, daß ich aufgrund der etwa dreißig Werke, die ich auf Englisch oder in einer anderen Sprache in den Jahren seit 1961 veröffentlicht habe, einen Ruf als Historiker und als wissenschaftlicher Verfasser habe. Ich bin der Autor vieler Dutzende Artikel in bedeutenden und angesehenen Zeitungen, einschließlich in diesem Land im Lauf der Jahre: The Daily Telegraph, The Sunday Telegraph, dem Jewish Chronicle, dem Sunday Express, dem Evening Standard, Encounter, und Publikationen von gleichem Ansehen in Deutschland, wo meine Artikel in Zeitungen erschienen wie Die Welt, Die Welt am Sonntag, bis zu Magazinen und Zeitschriften wie Stern, Der Spiegel, Neue Illustrierte, Quick.

Meine Bücher erschienen in schönem Einband unter dem Namen der besten Verlagshäuser. Ich möchte in diesem Land das Impressum von William Kimber Ltd., Cassell & Co. Ltd., Macmillan Ltd., Hodder & Stoughton, Penguin und Allen Lane und andere erwähnen. Da die Beklagte zu 2), wie ich weiß, amerikanische Bürgerin ist, könnte es für mich verdienstvoll sein, Viking Press, Little, Brown, Simon & Schuster, Holt, Reinhardt, Winston, St. Martin´s Press und ein Dutzend nicht weniger angesehenerer Taschenbuch-Verlagshäuser einzuschließen.

Jedes dieser publizierten Werke, das ich verfaßt habe, enthielt auf oder nahe der Titelseite eine Liste meiner vorausgegangenen Veröffentlichungen und oft eine Auswahl der wohlwollenden Rezensionen, die meinen Werken von maßgeblichen Namen der Literatur und Geschichtsschreibung auf beiden Seiten des Atlantiks zuteil wurden.

Diese glückliche Lage, nämlich daß meine Werke bei den führenden Verlagshäusern der Welt veröffentlicht wurden, fand vor einem oder zwei Jahren ein Ende unter Umständen, auf die ich mit Verlaub Eurer Ehren in späteren Ausführungen eingehen möchte. Es möge hier genügen, daß genau heute, an diesem Tag, die Australia/Israel Review in Sydney einen Artikel veröffentlicht hat, der, da er von ihrer Seite kommt, vermutlich wohl unterrichtet ist und ein fehlendes Glied über die Umstände liefert, unter denen St. Martin's Press seinen Vertrag, mein Buch Goebbels. Mastermind of the Third Reich zu publizieren, endgültig kündigte:

»[...] Einer der Katalysatoren für den Fall war Irvings Erfahrung mit dem amerikanischen Verleger St Martin's Press, der, nachdem er von Lipstadt und anderen in Bezug auf Irvings Haltung zur Geschichte gewarnt worden war, seine Übereinkunft zurücknahm, Irvings Buch „Goebbels. Mastermind of the Third Reich" in den USA zu veröffentlichen.«

Diese Beklagten haben also meiner beruflichen Existenz einen sehr realen Schaden zugefügt. Zuallererst darf ich auf den ganz realen finanziellen Schaden eingehen, der einem Autor durch einen Angriff auf seinen Ruf zugefügt werden kann. Es geht nicht nur darum, daß er von wie auch immer gearteten ungerechtfertigten Angriffen gekränkt und seine Gefühle verletzt wird.

Ein Verfasser hat aufgrund seiner Berufsart eine unsichere finanzielle Existenz. Ein bestallter Professor oder sonstiger Gelehrter kann sich über eine rasche Laufbahn freuen, lange Ferien, hohe Vergütung, und schließlich eine Rente. Vielleicht erfreuen sich manche Angehörige des juristischen Standes gleich günstiger Aussichten.

Ein Schriftsteller führt eine wesentlich einsamere und gefährdetere Existenz. Wenn er seine Laufbahn beginnt, kann er eine Reihe von Werken schreiben, die niemals veröffentlicht werden. Ich hatte in dieser Hinsicht Glück. Als ich 1961 begann, britische Flieger, die in den Hauptoperationen der Bomber-Kommandos der Königlichen Luftwaffe teilgenommen hatten, mit Annoncen in der Times zu ermuntern sich zu melden, war auch Herr William Kimber unter denen, die mit mir Kontakt aufnahmen. Er war ein Verleger von großem Ansehen, der selbst ein tiefes Empfinden für die moralischen Fragen hatte, die diese Flächenbombardierungen aufwarfen.

Ich hatte daher nicht das übliche Problem, dem die meisten Erstautoren gegenüberstehen, nämlich die schwierige Schwelle vom Dasein eines nichtveröffentlichten zu dem eines veröffentlichten Autors zu überschreiten.

Mein erstes Buch, The Destruction of Dresden, wurde als Serie von The Sunday Telegraph herausgebracht und rief viel kritischen Zuspruch hervor. Erst da faßte ich den vielleicht schicksalhaften Entschluß, Schriftsteller zu werden.

Wenn ich nun etwa zwanzig oder dreißig Jahre schnell überspringe - ich merke die Erleichterung des Gerichts - möchte ich ein kurzes Gespräch wiedergeben, das ich mit meinem Steuerberater zu einer Zeit führte, als ich jährlich mehr als £100.000 an Verfasserhonorar einnahm. Mein Steuerberater fragte - ohne Zweifel im Hinblick auf das ihm zustehende Honorar -, welche Schritte ich unternommen habe, um meinen Ruhestand abzusichern. Meine unbescheidene Antwort war, daß ich nicht beabsichtigte, mich zur Ruhe zu setzen, und als er etwas über Altersruhegeld murmelte, antwortete ich, daß meine Bücher meine Rentenversicherung seien.

Darf ich diese Bemerkung erklären: wenn ein Autor ein gutes Buch geschrieben hat, wird es publiziert und immer wieder aufgelegt, und dabei rieseln jedesmal neue Tantiemen auf das Bankkonto des Autors. Zugegeben, der Zufluß vermindert sich im Lauf der Jahre, aber wenn er in den 30 oder 40 Jahren seines Schaffens genug geschrieben hat, dann ergibt all das Geriesel zusammen eine Welle, die groß genug ist, um ihn bis in die Jahre des Ruhestands und darüber hinaus zu unterhalten. Tatsächlich sollte sie auch eine Hinterlassenschaft für seine Kinder, deren ich noch 4 habe, ermöglichen.

Diese Lage besteht nun nicht mehr.

Dank der Aktivitäten der Beklagten, besonders der Beklagten zu 2) und derer, die sie finanziert haben und ihre Hand führten, sah ich seit 1996 einen angsterfüllten Verleger nach dem anderen von mir abfallen. Sie lehnen es ab, meine Bücher neu aufzulegen, sie verweigern neue Aufträge und drehen mir den Rücken zu, wenn ich mich Ihnen nähere.

Privat begrüßen mich die altgedienten Herausgeber dieser Verlagshäuser immer noch herzlich als Freund, laden mich zum Essen in teure New Yorker Restaurants ein - und beklagen sich Schließlich: Wenn sie mit mir einen Vertrag über ein neues Buch abschließen würden, dann gäbe es immer irgend jemand in ihrem Verlagshaus, der Einwände erheben würde. Derartige Mißliebigkeit wurde von den Haßwellen erzeugt, die von den Beklagten rücksichtslos gegen mich erzeugt wurde.

Kurzum: meine Rente ist verschwunden, und zwar genauso sicher, als wenn ich bei einer der Firmen angestellt gewesen wäre, die von dem verstorbenen Robert Maxwell übernommen worden sind.

Ich behaupte nicht, daß es nur diese Beklagten sind, die allein dieses Unheil über mich gebracht hätten. Ich will nicht einmal in Abrede stellen, daß ich vielleicht zum Teil selbst Schuld daran trage.

Hätte ich Bücher über die Zulu-Kriege geschrieben - wie mir das britische Luftfahrtministerium 1963 ganz ernsthaft empfahl, als mein Buch The Destruction of Dresden erstmals erschien, dann wäre ich ohne Zweifel niemals diesem Haß begegnet.

Zu meinem Unglück wurde der Zweite Weltkrieg zu meinem Fachgebiet. Ich baute ein persönliches Dokumentenarchiv auf, ein Netzwerk von Quellen und Verbindungen, sowie Fremdsprachenkenntnisse, um in ausländischen Archiven zu forschen, und schließlich einen Leserkreis, der erwartete und wollte, daß ich nur über das Dritte Reich und seine verbrecherische Führung schrieb.

Ich bin zu diesen weitschweifigen Eröffnungsbemerkungen genötigt, weil ich darlegen werde, daß die Beklagten mit ihrer Entschlossenheit, meine Laufbahn zu vernichten und meine Legitimität als Historiker zu ruinieren, nicht alleine handelten.

Sie waren Teil eines internationalen organisierten Bestrebens, genau dies zu bewerkstelligen. Ich habe die Papiere gesehen. Ich habe Kopien der Dokumente. Ich werde sie dem Gericht vorlegen. Ich weiß, wie sie es taten, und ich weiß jetzt warum.

Fast alle dieser Übeltäter handelten außerhalb der Einflußsphäre dieses Gerichts. Einige von ihnen agierten jedoch in ihrem Bereich, und ich habe bereits bei einer verhängnisvollen Gelegenheit versucht, gegen sie vorzugehen.

Ich erwähne hier mit nur wenigen Worten dieses eine Beispiel: wie das Gericht ohne Zweifel erfahren wird, wurde ich unter den demütigendsten Umständen im November 1992 aus Kanada ausgewiesen. Ich brauche hier nicht den Hintergrund dieses Ereignisses zu beleuchten, aber ich werde das später bestimmt tun, falls die Beklagten vor diesem Gericht weiterhin versuchen, meinen Namen noch mehr zu beschmutzen.

Beim Versuch festzustellen, warum Kanada plötzlich wild wie ein Rottweiler über mich herfiel, wo doch seine Regierung dem Land freundlich gesonnen ist, in das ich dreißig oder mehr Jahre ungehindert eingereist bin, machte ich von den Bestimmungen des kanadischen Rechtes Gebrauch um festzustellen, was hinter verschlossenen Türen abgelaufen ist.

Als ich das Datenschutzgesetz des Landes für mich reklamierte, entdeckte ich in den Akten der kanadischen Regierung ein rätselhaftes und anonymes Dokument, das mich anschwärzte und das dort genau mit der Absicht eingebracht worden ist, jene schlimmen Folgen zu bewirken, die dann 1992 eintraten.

Unter den dummen Lügen, die dieses anonyme Dokument über mich enthielt, war die Andeutung, ich hätte meine erste Frau geheiratet, weil sie »die Tochter einer der Spitzengeneräle von General Francisco Franco« gewesen sei, um mich selbst bei dem faschistischen Regime Spaniens einzuschmeicheln. Außerdem wurde angedeutet, daß ich für einen Autor zu gut lebe (ich habe über zweiunddreißig Jahre im gleichen Apartment am Grosvenor Platz in Mayfair gewohnt), daß es unmöglich sei, einen solchen Lebensstandard ausschließlich vom Einkommen als Autor aufrechtzuerhalten, was nahelege, daß ich geheime Schecks von nach Südamerika geflohenen Nazis erhielt.

Das Corpus Delicti

Ich rief meine erste Frau an und frug sie, was ihr Vater gewesen sei, und sie erinnerte mich daran, daß er ein Industriechemiker war, ein überzeugter Regimegegner, nachdem zwei seiner Brüder von Francos Leuten erschossen worden waren.

Es dauerte mehr als ein Jahr, um zweifelsfrei festzustellen, wer der Autor dieses infamen Dokuments war. Schließlich stellte es sich heraus, daß es der kanadischen Regierung im geheimen von einer nichtstaatlichen Organisation mit Sitz in London übermittelt worden war, deren Name ich vor diesem Gericht nicht nennen will, da sie in diesem Prozeß nicht formal vertreten ist.[1]

Es reicht zu sagen, daß, als ich einen Richter um Erlaubnis ersuchte, eine Verleumdungsklage verspätet einzureichen, die Schuldigen nicht versuchten, ihre Verleumdungen zu rechtfertigen, sondern nur auf Verjährung plädierten, ein Einwand, dem Richter Toulson, wenn auch mit Bedauern, stattgab.

Die betreffende lügnerische Organisation hatte dann die Unverfrorenheit, mich wegen der Gerichtskosten in Höhe von £7.500, die an dem einen Verhandlungstag angefallen waren, bis zur Schwelle des Konkursgerichts zu verfolgen. Ein unabhängiger Autor zu sein ist ein hartes Leben.

Was uns zum vorliegenden Verfahren bringt. 1993 veröffentlichten die Beklagten zu 1) - wie sie in ihrer Zeugenaussage einräumen - das beanstandete Werk Denying the Holocaust, das von der Beklagten zu 2) verfaßt wurde. Das Buch gibt sich den Anschein einer wissenschaftlichen Untersuchung über die Operationen einer international vernetzten Verschwörung von Leuten, die die Beklagte zu 2) »Holocaust-Leugner« nennt. Dieser Anschein stimmt nicht. Der Ausdruck selbst, den geprägt und geschliffen zu haben sich die Beklagte zu 2) rühmt, erscheint wiederholt durch das Werk, und er ist in der Folge in den Jargon einer gewissen Sorte von Journalisten eingegangen, die den Namen einer Person anschwärzen wollen, wo die üblichere Rhetorik „Neonazi", „Nazi", „Rassist" oder andere ähnliche Beinamen nicht mehr als ausreichend eingeschätzt wird.

Tatsächlich erscheint der Ausdruck über 300 mal in nur einem der Experten-Gutachten der Beklagten [und zwar Prof. Richard Evans].

Er ist einer der schlagkräftigsten Ausdrücken in dem Arsenal von Beleidigungen geworden und ersetzt das N-Wort, das F-Wort, und ein ganzes Alphabet anderer Schimpfwörter. Wenn ein amerikanischer Politiker wie Herr Patrick Buchanan auch nur flüchtig als „Holocaust-Leugner" gebrandmarkt wird, kann man wohl sagen, daß seine Karriere ruiniert ist. Wenn einem Schriftsteller dieser Ausdruck angehängt wird, dann kann auch er davon ausgehen, daß seine Laufbahn über die Kante des Abgrunds schlittert, egal wie gut rezensiert und aufgenommen er bisher war.

Für sich genommen ist der Ausdruck eigentlich bedeutungslos. Das Wort Holocaust ist eine künstliche Bezeichnung, die gewöhnlich einer der größten und immer noch unerklärtesten Tragödie des vergangenen Jahrhunderts aufgeprägt wird.

Das Wort „Leugner" ist besonders bösartig: weil niemand, der seiner Sinne mächtig ist und auch nur das mindeste Wissen über das Geschehen im Zweiten Weltkrieg hat, leugnen kann, daß die Tragödie tatsächlich stattgefunden hat, wie sehr wir dissidenten Historiker auch bezüglich der Mittel, dem Ausmaß, der Daten und anderer Einzelheiten herumkritisieren mögen.

Aber so bedeutungslos der Ausdruck auch ist, er ist Teil der englischen Sprache geworden. Er ist ein Gift, zu dem es tatsächlich kein Gegengift gibt, nicht so tödlich wie eine subkutane Injektion Nervengift in den Nacken, aber trotzdem tödlich: für das ausgewählte Opfer ist es, als ob er Frauenschläger oder Kinderschänder genannt würde. Wer mit der Bezeichnung erst einmal versehen wurde, für den reicht es, um sich als Paria gekennzeichnet zu finden, ein von der normalen Gesellschaft Ausgestoßener. Das ist ein verbaler Gelber Stern.

In vielen Ländern, wo die rein verbale Etikettierung als nicht mehr ausreichend angesehen wurde, haben sich die Regierungen verleiten lassen, völlig fragwürdige Gesetze zu erlassen, einschließlich einiger, die nur als totaler Verstoß gegen die normalen Menschenrechte der freien Rede, der freien Meinung und der Versammlungsfreiheit betrachtet werden können.

Deutschland hat im letzten Jahrhundert keinen beneidenswerten Ruf bezüglich dieser Freiheiten gehabt. Rein formal ist es jetzt in Deutschland eine Straftat, die Art, das Ausmaß, das System oder sogar die Statistiken des Holocausts in Frage zu stellen. Keine Verteidigung ist erlaubt. Einige gute Freunde von mir - ich scheue mich nicht, dies vor dem Gericht zuzugeben - sitzen in diesem Augenblick in deutschen Gefängnissen, weil sie gewagt haben, solche Fragen zu äußern.

In Frankreich ist die Lage noch absurder: jede Person, die in Frankreich nach einem neuen Gesetz verurteilt wird, das man passend als „Ergänzung des Pressefreiheitsgesetzes" bezeichnet, sieht sich zu einer Geldstrafe verurteilt oder eingesperrt - oder beides. Dieses Gesetz, das 1991 erlassen wurde, macht es zu einer Straftat, irgend ein Kriegsverbrechen oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit »gemäß der Definition der Nürnberger Statuten« von 1945 in Frage zu stellen (das französische Wort ist contester).

Fünfzig Jahre danach wurde es eine Straftat zu fragen, ob Nürnberg recht hatte. Geschichte hat so zu sein, wie sie von den vier Siegermächten in den Nürnberger Prozessen 1945-1956 festgelegt wurde.

Mit Verlaub gebe ich zu bedenken, daß Eure Lordschaft solche Gesetze, wenn sie in diesem Land in Kraft träten, äußerst abstoßend finden würde. Aus diesem Grund scheue ich mich nicht zu sagen, daß noch einige weitere gute Freunde von mir durch genau dieses Gesetz mit einer Geldbuße belegt wurden. Ja, 1993 oder 1994 wurde sogar ich selbst durch dieses Gesetz zu einer Geldstrafe von £500 verurteilt: Ich hatte im Arbeitszimmer meiner Wohnung in London einem französischen Journalisten ein Interview gegeben. Dieses Interview wurde in einer angesehenen französischen Zeitschrift veröffentlicht. Anschließend gab es Beschwerden in Paris. Ich wurde vor das Pariser Magistrat geladen und zusammen mit dem Verleger, dem Herausgeber und dem betroffenen Journalisten verurteilt, weil ich dieses Interview gegeben hatte. Es ist in der Tat ein äußerst bedauernswerter Zustand.

Wir werden wohl während der nächsten Tagen und Wochen das Wort „Verschwörung" vernehmen. Wenn es eine Verschwörung gegeben hat, dann war es eine gegen die freie Rede.

Ich darf erwähnen, daß mein Vater als Offizier in beiden Weltkriegen kämpfte, sowohl 1916 in der Skagerrakschlacht als auch 1942 bei Eismeergeleitzügen, und daß meine beiden Brüder in der Königlichen Luftwaffe gedient haben. Zwischen den Kriegen war mein Vater Antarktisforscher, und Karten der Admiralität zeigen zwei Inselspitzen in den Südsandwich-Inseln, die nach ihm und seinem Ersten Offizier, meinem Onkel, benannt sind.

Ich entstamme einer Beamtenfamilie und ich finde es abstoßend, daß sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts Schriftsteller und Historiker, die nur ihrem jeweiligen Erwerb nachgegangen sind und Bücher schrieben, selbst wenn diese vielleicht ganz falsch waren, plötzlich und ganz offen durch Gefängnis- oder empfindlichen Geldstrafen bedroht sehen. Und dies nur, weil sie Auffassungen über die Geschichte ausgedrückt haben, die mit diesen jüngst in Kraft getretenen Gesetzen nicht übereinstimmen. Diese Gesetze wurden aufgrund des Druckes reicher Interessengruppen und anderer Feinde der freien Rede eingeführt, für die wir in diesem Land zwei Weltkriege gefochten haben.

Eure Lordschaft wird ohne Zweifel von den Beklagten hören, daß ich von der deutschen Regierung zu einer ganz beträchtlichen Geldstrafe verurteilt worden bin - unter diesen geistlosen neuen Gesetzten. Das ist für mich kein Grund, mich zu schämen, es hat jedoch katastrophale Folgen für mich gehabt, weil es mich jetzt de facto zu einem Vorbestraften mit einem Strafregister macht, und mich damit einer Verkettung weiterer unwürdiger Behandlungen und Sanktionen in jedem Land, das ich nun besuchen möchte, aussetzt.

Die Umstände: Ich darf hier ganz kurz sagen, daß ich am 21. April 1990 in einem Saal in München eine kurze Ansprache, an das Publikum richtete - womöglich unangebrachterweise.[2] Wenn man bereit ist, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, hat man wenig Gelegenheit, im voraus zu wissen, welcher Art die Zuhörerschaft ist, an die man sich wendet, und man hat keine Kontrolle darüber, wie diese Veranstaltung nach außen erscheint. Ich beschwere mich nicht darüber.

Euer Ehren wird hören, daß ich im Verlauf meiner Rede, über die es offenbar keine vollständige Aufzeichnung mehr gibt, folgende Bemerkung geäußert habe:

»Wir wissen jetzt, daß die Gaskammer, die den Touristen in Auschwitz gezeigt wird, eine Fälschung ist, die von den Polen nach dem Krieg gebaut wurde, genau wie die von den Amerikanern in Dachau errichtete.«

Das mag wohl Stirnrunzeln hervorrufen. Es könnte vielleicht als Kränkung von Teilen des Gemeinwesens betrachtet werden, und wenn sie daran Anstoß nehmen, kann ich diesem Gericht versichern, daß ich es bedauere und daß dies nicht meine Absicht war. Es ist aber eine Tatsache, daß die Bemerkungen wahr waren, die Polen gaben es zu (im Januar 1995) und nach englischem Recht wird die Wahrheit immer als eine absolute Rechtfertigung angesehen.

Wir werden hören - tatsächlich sogar von den sachverständigen Zeugen der Beklagten selbst, auch wenn das Eingeständnis vielleicht aus ihnen herausgequetscht werden muß -, daß die Gaskammer, die den Touristen in Auschwitz gezeigt wird, tatsächlich von den polnischen Kommunisten gebaut wurde - drei Jahre, nachdem der Krieg vorbei war.

Ich beabsichtige nicht, in diesen einleitenden Bemerkungen auf die Frage einzugehen, ob in Birkenau - etwa 5 Kilometer von Auschwitz entfernt - Gaskammern waren oder nicht. Wenn dieses Gerichtsverfahren vorbei ist, werden wir die Debatte, die nur geringe oder keine Bedeutung für den Streitgegenstand hat, wahrscheinlich alle herzlich leid sein.

Also: was ist der Streitgegenstand? Und was schlage ich bei der Eröffnung dieses Verfahrens vor, wie dieser Streitgegenstand angegangen wird?

Erstens möchte ich betonen, daß ich nicht die Absicht habe - und es ist auch nicht Zweck des Gerichtsverfahrens -, „den Zweiten Weltkrieg nochmals auszukämpfen". Ich werde z.B. nicht behaupten, und ich habe nie behauptet, daß die falsche Seite den Krieg verloren hat; oder daß die Geschichte des Krieges grundlegend neugeschrieben werden muß. Ich muß gestehen, daß mich der breite Vorstoß stutzig macht, den die Beklagten mit der enormen Sammlung von Dokumenten unternommen haben, die sie diesem Gericht vorgelegt haben - weitere 5000 Seiten wurden mir am Freitagabend überbracht, und noch mehr in der letzten Nacht.

Das bringt mich irgendwie in Verlegenheit, und ich werde in eine Lage gezwungen, die ich bisher nicht eingenommen hatte. Ich habe niemals beansprucht, ein Holocaust-Historiker zu sein. Ich habe kein Buch über den Holocaust geschrieben. Ich habe keinen Artikel darüber geschrieben. Wenn ich darüber gesprochen habe, dann gewöhnlich deshalb, weil ich dazu befragt wurde. Bei solchen Gelegenheiten habe ich meinen Mangel an Fachwissen betont, und ich habe nur die Bereiche ausgiebig erörtert, mit denen ich vertraut war. Weil ich das tat, habe ich viele meiner Freunde, die wollten, daß die Geschichte anders war, verärgert. Aber man kann nicht Dokumente wegwünschen, und als Schriftsteller habe ich mich gerade auf Dokumente spezialisiert.

Eure Lordschaft wird, wenn Sie meine verschiedenen gedruckten Werke durchgeht, feststellen, daß ich sehr selten die Bücher anderer Leute als Quelle verwendet habe. Ich fand das müßig und umständlich, nicht nur, weil sie schlecht geschrieben sind, sondern auch, weil man sich beim Lesen der Bücher anderer Leute den Irrtümern und Vorurteilen aussetzt, mit denen diese Bücher behaftet sind.

Nimmt man dagegen die Originaldokumenten, so wird man oft zu seiner Freude feststellen, daß das Gewicht der Dokumente, die man lesen muß, um Pfunde oder gar um Tonnen geringer ist als das Gewicht der Bücher, die man sonst zum gleichen Thema lesen müßte. Und man ist der Echten Geschichte (Real History) um Kilometer näher. Was die Art der Dokumente angeht: Ich erinnere mich, daß ich 1969 Professor Hugh Trevor Roper besuchte, der jetzt Lord Dacre ist, und es freut mich, sagen zu können, daß er immer noch unter uns weilt. Er war so freundlich, mir seine Sammlung von mehreren Tausend echten Nachrichtendienst-Dokumenten für meine Biographie über Adolf Hitler zur Verfügung zu stellen, aber er gab mir dabei folgenden Rat: Wenn man neue Dokumente prüft, sollte man sich drei Fragen stellen, und wenn ich mich richtig erinnere, waren die drei Kriterien folgende:

1) ist das Dokument echt (im Licht des Skandals um die „Hitler-Tagebücher" eine verhängnisträchtige Vorbedingung)

2) wurde das Dokument von einer Person geschrieben, die eine Stellung hatte, so daß sie wußte, worüber sie sprach? Und

Historiker in Handschellen: David Irving am
30. Oktober 1992 in Canada

3) warum existiert dieses Dokument?

Das letztere ist recht interessant, wie wir alle erfahren haben, wenn wir in den Archiven an Dokumente geraten, die offensichtlich zwecks Verschleierung oder zum Weitergeben des Schwarzen Peters geschrieben wurden.

Ich denke, daß das Gericht die Dokumente dieser Art am interessantesten und aufschlußreichsten finden wird. Und damit meine ich Dokumente auf jedem Niveau. Das Gericht wird nicht nur die Dokumente in Augenschein nehmen müssen, die im Zweiten Weltkrieg auf beiden Seiten erstellt wurden, sondern auch jene Dokumente, die durch das schmerzliche Verfahren der „Entdeckung" auftauchten.

Hohes Gericht! Es wird dem Gericht, wenn die Zeit kommt, nicht entgehen, daß ich, wie viele Persönlichkeiten, während meiner ganzen Laufbahn als Verfasser, ja sogar schon davor, ganz umfangreiche Tagebuch- Aufzeichnungen geführt habe.

Zusammen mit meiner Schriftsteller-Karriere habe ich ein Tagebuch geführt. Manchmal habe ich mich gewundert, warum, aber ich denke, der Grund war hauptsächlich folgender: Wenn man selbständiger Schriftsteller ist, dann braucht man die Disziplin, die einem ein Tagebuch auferlegt. Man kann nicht guten Gewissens am Ende des Tages in ein Tagebuch eintragen: „Ich habe den ganzen Tag nichts getan".

Es wird zweifellos Euer Ehren erheitern, wenn Sie erfahren, daß ich in einem Stadium der Aufklärung des Sachverhalts in diesem Prozeß bereitwillig zustimmte, der Verteidigung auf Ersuchen von Herrn Julius meine gesamten Tagebücher zur Verfügung zu stellen, sofern sie noch existieren (ein paar Seiten fehlen); und daß Herr Julius erst dabei erfuhr, daß diese Tagebücher ein 2,40m breites Regal in Anspruch nehmen, und daß darin ungefähr zehn oder zwanzig Millionen Worte gelesen werden müssen.

Herr Julius und seine Mitarbeiter sind jedoch der Herausforderung, die diese Seiten darstellen, auf großartigste Weise begegnet und ich bin sicher, daß wir in den nächsten Tagen und Wochen mehr als ein paar Häppchen abbekommen werden, die sie diesen Seiten entnommen haben. Sie werden es hochhalten und tröpfchenweise das eine oder andere vorsetzen, und vor Wonne quieckend vorlesen und dies als den Stein der Weisen erklären, den sie benötigten, um all die Schmähungen ihrer Klienten zu rechtfertigen. Wir werden sehen.

Aber darum geht es nicht in dieser Gerichtsverhandlung.

Dieses Verfahren dreht sich tatsächlich nicht darum, was im Holocaust geschah, oder wieviele Juden oder andere verfolgte Minderheiten gefoltert oder getötet wurden. Das Gericht wird, wie ich hoffe, wenn es soweit ist, mit mir darin übereinstimmen, daß unsere Streitfrage nicht ist, was passiert ist, sondern wie ich dies in meinen Geschichtswerken abgehandelt habe; vielleicht war ich völlig unwissend bezüglich einiger Aspekte des Zweiten Weltkriegs (und ich beeile mich zu sagen, daß ich das nicht glaube). Aber es ist abartig, der willkürlichen Manipulation und Verdrehung, der Falschübersetzung beschuldigt zu werden: Meiner Auffassung nach müssen die Beklagten beweisen,

1) daß eine bestimmte Sache geschah oder existierte;

2) daß ich zu der Zeit, als ich darüber schrieb, durch die Aufzeichnungen vor mir gewahr war, wie diese Sache geschah oder existierte,

3) daß ich dann willentlich den Text manipulierte oder fehlübersetzte oder verdrehte mit dem Zweck, den sie unterstellen.

Ich mache geltend, daß sie in keinem Punkt beweisen können, daß dies zutrifft. Mit den Dokumenten, die sie bisher vorgelegt haben, haben sie das gewiß nicht getan.

Ich gebe gerne zu, daß die von den Experten der Beklagten vorgelegten Berichte - vor allem die der Historiker -, die ich gelesen habe, von äußerstem Interesse sind. Ich muß Professor Jan van Pelt beglückwünschen für die literarische Qualität seines ausführlichen Berichts über Auschwitz, der ohne Zweifel allgemeinen Zuspruch in den Buchhandlungen finden wird. Ich habe ihm tatsächlich schon vor drei Jahren zu seinem ersten Buch gratuliert, das er zu diesem Thema veröffentlicht hat.

Ich gebe auch zu, daß in der Expertise von Professor Browning Dokumente enthalten sind, derer ich nicht gewahr war, und die meine eigene Auffassung gewisser Aspekte der Nazigrausamkeiten an der Ostfront geändert haben: zum Beispiel wußte ich nicht, daß SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich nach Beginn der Operation Barbarossa am 2. Juli 1941 an seine Kommandeure in den baltischen Staaten Anweisungen ausgegeben hatte, bei antijüdischen Pogromen der Lokalbevölkerung dort beide Augen zuzudrücken, sondern sie auch aktiv einzuleiten und zu unterstützen.

Dieses Dokument ist jedoch erst kürzlich aus russischen Archiven aufgetaucht und es kann mir sicherlich kein Vorwurf gemacht werden, daß ich das nicht wußte, als ich meine 1977 publizierte Biographie über Hitler schrieb, oder bei meinen späteren Werken. Das kann nicht als Manipulation oder Verdrehung gebrandmarkt werden.

Manipulation oder Verdrehung der Geschichte wäre meiner Auffassung nach Folgendes: wenn man von einem Schlüsseldokument weiß und es dann ohne Erwähnung völlig ignoriert oder unterdrückt.

Wenn es sich zum Beispiel herausstellen und hier im Gerichtssaal bewiesen würde, daß der „Führer" Adolf Hitler im Frühling 1942 von einem ranghohen Reichsminister schriftlich zitiert wurde, er habe wiederholt festgestellt, »er will die Lösung der Judenfrage bis zur Zeit nach dem Kriegsende zurückgestellt wissen«, und wenn das Dokument, das diese bemerkenswerten Worte enthält, in deutschen Archiven gefunden wurde - müßte es sicherlich als Manipulation und Verdrehung eingestuft werden, wenn ein Historiker versuchen würde, die Geschichte des Holocaust zu schreiben, ohne auch nur die Existenz des Dokuments zu erwähnen? Nicht wahr, Herr Richter?

Die Beklagten haben, wie gesagt, mich absichtlich und rücksichtslos als „Holocaust-Leugner" etikettiert - ihre Beweggründe hierfür werden wir in Kürze hören.

Hohes Gericht! Bevor ich fortfahre, diesen Punkt in meiner Eröffnungsrede weiter auszuführen, darf ich die Gelegenheit wahrnehmen, für das Gericht und auch für die öffentliche Aufzeichnung ein zwei Seiten langes Dokument vorzulesen, auf das ich als die Walter-Bruns-Vernehmung zurückkommen werde. Ich tue dies, weil der Eindruck von Bedeutung ist, und ich möchte an diesem späten Nachmittag einen festen Eindruck im Gemüt aller Anwesenden hinterlassen. Es handelt sich um ein Dokument, das mir erstmals etwas vor 1985 in die Hände kam.

Zur Einleitung sollte ich darauf hinweisen, daß dieses Dokument, welches in meinem Dokumenten-Fundus enthalten ist, ein britisches TOP-SECRET-Dokument ist. TOP SECRET ist nur eine Stufe unter ULTRA-SECRET, der Einstufung für die britischen dechiffrierten Abhörprotokolle. Es war TOP SECRET, weil es die Aufzeichnung einer Zeugenaussage ist, die mit ungesetzlichen Mitteln erlangt wurde, ich meine in Bezug auf die Konventionen.

Feindliche Kriegsgefangene wurden in britische Kriegsgefangenenlager verbracht, reichlich versorgt, gut ernährt, durch ihre entspannte Umgebung sorglos gemacht und allmählich in Gespräche verwickelt, ohne daß sie sich gewahr waren, daß in jedem Zubehör, in jeder Einrichtung des Raumes Mikrophone versteckt waren, die sogar geflüsterte Bemerkungen aufnehmen konnten (darin bestand die Gesetzwidrigkeit). Die Gesamtheit dieser Berichte wurde erst vor ein paar Jahren aus den britischen Archiven freigegeben, ich hatte aber schon fünfzehn oder zwanzig Jahre früher mehrere Hundert dieser Aufzeichnungen erhalten. Ich sehe diese Niederschriften als historische Quelle an, die bei richtigem Gebrauch und der Anwendung gewisser Kriterien als Teil des Grundsteins einer Echten Geschichtsschreibung (Real History) betrachtet werden kann.

Ich möchte ferner vorausschicken, Herr Richter, daß der Sprecher, dessen aufgenommene Äußerung wir gleich hören werden, wie sie diese Maschinenschrift wiedergibt, am 30. November 1941, dem Tag, als das geschah, was er erzählt, Oberst bei den Pionieren der Deutschen Wehrmacht war. Er kommandierte eine Einheit, die in Riga stationiert war, der Hauptstadt von Lettland. Er hatte zu seinem Verdruß erfahren, daß von der örtlichen SS-Einheit beabsichtigt war, am nächsten Tag alle ansässigen Juden - einschließlich „seiner Juden" - festzunehmen und zu liquidieren.

Ich lese dieses Dokument vor:[3]


STRENG GEHEIM

C. S. D. I. C. (U.K.)

G.G. Bericht

FALLS DIE IN DIESEM BERICHT ENTHALTENE INFORMATION ZUR WEITEREN VERTEILUNG GEBRAUCHT WIRD, SO SOLLTE SIE PARAPHRASIERT WERDEN, SO DASS WEDER DIE NAMEN DER GEFANGENEN NOCH DIE METHODEN ERWÄHNT WERDEN, MITTELS DERER DIESE INFORMATION ERHALTEN WURDE

S.R.G.G. 1158(C)

Die folgende Unterhaltung fand statt zwischen:

CS/1952 - Generalmajor BRUNS (Heeres-Waffenmeisterschule I, BERLIN) gefangengenommen in GÖTTINGEN, 8. Apr. 45

und anderen kriegsgefangenen höheren Offizieren, deren Stimmen nicht identifiziert werden konnten.

Information erhalten: 25. Apr. 45

BRUNS: Als ich davon hörte, dass am Freitag die Juden erschossen werden sollten, ging ich zu dem 21-jährigen Burschen und sagte, dass sie sich in meinem Dienstbereich sehr nutzbar gemacht hatten, ausserdem: der Heereskraftfahrpark hatte 1500, dann hatte die Heeresgruppe etwa 800 Frauen eingesetzt, um Wäsche zu nahen von reren Millionen gefundener Schafsfelle das, was uns dringend fehlte: Ohrenschützer, Pelzkappen, Pelzwesten usw. Es war doch nichts vorgesehen, weil ja doch der Krieg in RUSSLAND schon siegreich beendet war bekanntlich im Oktober 1941. Kurz und gut, alles Frauen, die nutzbar eingesetzt waren. Habe ich versucht, die zu retten. Habe zu diesem Burschen da, ALTENMEYER(?), den Namen vergesse ich nicht, der kommt auch auf die Verbrecherliste, sage ich: „Hören Sie mal, das sind doch wertvolle Arbeitskräfte für uns!" „Wollen Herr Oberst die Juden als wertvolle Menschen bezeichnen?" Ich sage: „Hören Sie mal, Sie müssen zuhören, was ich sage, ich habe gesagt wertvolle Arbeitskräfte. Über ihren Menschenwert habe ich ja gar nicht gesprochen." Sagt er: „Ja, die müssen erschossen werden, ist Führerbefehl!" Ich sage: „FÜHRER-Befehl?" „Jawohl", und da zeigt er mir das. SKIOTAWA(?) war es, 8 km von RIGA, zwischen SCHAULEN und MITAU sind ja auch die 5000 Berliner Juden - plötzlich aus dem Zug raus - erschossen worden. Das habe ich zwar nicht gesehen, aber das bei SKIOTAWA(?); also kurz und gut, es gab dann mit dem Kerl da noch eine Auseinandersetzung, ich habe dann telephoniert mit dem General im Hauptquartier, mit JAKOBS und mit ABERGER(?) und mit einem Dr. SCHULTZ, der da war beim General der Pioniere, wegen dieser Arbeitskräfte; ich sagte ihm noch: „Ich will mich Ihrer Auffassung anschliessen, dass das Volk an den Völkern der Erde gesündigt hat, dann lasst sie doch nutzbare Fron[t]arbeit leisten, stellt sie an die Strassen, lasst die Strassen streuen, dass uns die Lastkraftwagen nicht in die Gräben schlittern." „Ja, die Verpflegung!" Ich sage: „Das bisschen Fressen, was die kriegen, ich will mal 2 Millionen Juden annehmen - 125 Gramm Brot kriegten sie per Tag - wenn wir das nicht mehr aufbringen, dann wollen wir lieber heute als morgen Schluss machen." Dann habe ich telephoniert usw., und denke doch nicht, dass das so schnell geht. Jedenfalls, Sonntag morgens höre ich, dass sie es schon machen. Das Ghetto ist ausgeräumt worden, da ist ihnen gesagt worden: „Ihr werdet umgelagert, nehmt die wichtigsten Sachen noch mit." Im übrigen war das eine Erlösung für die, denn wie sie im Ghetto behandelt wurden, das war ein Martyrium. Ich wollte es nicht glauben, da bin ich rausgefahren und habe mir den Laden angeguckt.

?: Das Ausland hat das doch alles gewusst, nur wir Deutsche haben es nicht gewusst.

BRUNS: Ich will Ihnen etwas sagen: es mag das eine oder andere gestimmt haben, es ist aber auffallend, dass das Exekutionskommando, was an dem Morgen da erschoss, also an jeder Grube sechs Maschinenpistolenschützen - die Gruben waren 24 m lang und ungefähr 3 m breit, mussten sich hinlegen wie die Sardinen in einer Büchse, Kopfe nach der Mitte. Oben sechs Maschinenpistolenschützen, die dann den Genickschuss beibrachten.

Wie ich kam, war sie schon so voll, da mussten die Lebenden also dann sich drauflegen und dann kriegten sie den Schuss; damit nicht so viel Platz verloren ging, mussten sie sich schön schichten.

Vorher wurden sie aber ausgeplündert an der einen Station - hier war der Waldrand, hier drin waren die drei Gruben an dem Sonntag und hier war noch eine 1 1/2 km lange Schlange und die rückten schrittchenweise - es war ein Anstehen auf den Tod.

Wenn sie hier nun näher kamen, dann sahen sie, was drin vor sich ging. Ungefähr hier unten mussten sie ihre Schmucksachen und ihre Koffer abgeben. Das gute kam in den Koffer und das andere auf einen Haufen. Das war zur Bekleidung von unserem notleidenden Volk - und dann, ein Stückchen weiter, mussten sie sich ausziehen und 500 m vor dem Wald vollkommen ausziehen, durften nur Hemd oder Schlüpfer anbehalten. Das waren alles nur Frauen und kleine Kinder, so 2-jährige.

Dann diese zynische Bemerkungen! Wenn ich noch gesehen hätte, dass diese Maschinenpistolenschützen, die wegen Überanstrengung alle Stunden abgelöst wurden, es widerwillig gemacht hätten!

Nein, dreckige Bemerkungen: „Da kommt ja so eine jüdische Schönheit." Das sehe ich noch vor meinem geistigen Auge. Ein hübsches Frauenzimmer in so einem feuerroten Hemd.

Und von wegen Rassereinheit: in RIGA haben sie sie zuerst rumgevögelt und dann totgeschossen, dass sie nicht mehr reden konnten.

Dann habe ich zwei Offiziere rausgeschickt, von denen einer jetzt noch lebt, weil ich Zeugen haben wollte. Ich habe ihnen nicht gesagt, was los ist. „Gehen Sie zum Wald von SKIOTAWA(?) raus, gucken Sie sich an, was da los ist, und machen Sie einen Bericht darüber."

Dann habe ich zu dem Bericht noch ein Amtsschreiben dazugemacht, und habe ihm persönlich zu JAKOBS hingebracht.

Der sagte: „Hier liegen schon zwei Beschwerden von Pionierbataillonen aus der UKRAINE vor."

Da hatten sie sie am Rande von den grossen Erdspalten totgeschossen und reinfallen lassen und dann hat es beinahe Pest gegeben, also jedenfaIls pestilenzartige Düfte. Sie hatten sich eingebildet, sie könnten mit der Kreishacke die Ränder dann abpickeln und dann würden die begraben sein. Dieser Löss war so hart, dass zwei Pionierbataillone nachher die Ränder absprengen mussten, da hatten sich die Bataillone darüber beschwert. Das lag auch bei JAKOBS.

Er sagte: „Wir wussten nicht recht, wie wir es dem FÜHRER zu Gehör bringen sollten. Machen wir auf dem Wege über CANARIS."

Der hatte diese scheussliche Aufgabe, immer so die günstige Minute abzupassen und dem FÜHRER so leise Andeutungen zu machen.

Vierzehn Tage später war ich mit einer anderen Angelegenheit bei dem Oberbürgermeister oder wie damals die besondere Funktionsbezeichnung war, da zeigte mir der ALTENMEYER triumphierend: „Hier ist eine Verfügung gekommen, dass derartige Massenerschiessungen in Zukunft nicht mehr stattfinden dürften. Das soll vorsichtiger gemacht werden."

Ich weiss aber jetzt aus meinen letzten Warnungen, dass ich seit der Zeit noch verschärft bespitzelt wurde.

?: Allerhand, dass Sie überhaupt noch leben.

BRUNS: Ich habe in Göttingen jeden Tag auf meine Verhaftung gewartet.


Anmerkung der Redaktion: Eine Analyse des Inhalts dieses Dokumentes drucken wir in der nächsten Ausgabe dieser Zeitschrift ab.


Hohes Gericht, erlauben Sie mir ein Wort bezüglich der Glaubwürdigkeit dieses Dokuments. Es ist natürlich echt. Es stammt aus den britischen Archiven. Man kann sofort heute eine Kopie beim Public Record Office finden, wenn man hingehen und sie sehen will. Erstens: Beschreibt der General etwas, was er wirklich gesehen hat?

Ich erwähne das, weil er später, als er im Zeugenstand von Nürnberg vereidigt war, behauptet hat, von dieser Grausamkeit nur gehört zu haben.[4] Es gibt aber sicherlich keinen Zweifel, was wahrscheinlich ist: es bedarf keiner Textanalyse auf Universitätsniveau, um festzustellen: Wenn ein General sagt: »Ich kann sie jetzt vor meinem geistigen Auge sehen, ein Mädchen in einem feuerroten Kleid«, dann ist derjenige da gewesen und hat es mit eigenen Augen gesehen.

Dieses Dokument hat meiner Auffassung nach einen beträchtlichen Beweiswert. Es dient keinem Eigennutz. Der General legt nicht in eigenem Interesse Zeugnis ab. Er redet nur in einer britischen Untersuchungszentrale mit einem Mitgefangenen, vielleicht in einem gedämpften Flüstern, und er hat keine Ahnung davon, daß britische Experten in einem anderen Raum zuhören und jedes Wort aufzeichnen. Wir haben auch den originalen deutschen Text dieses Dokuments, könnte ich hinzufügen, Herr Richter.

Zu welchem Zweck erwähne ich das? Nun, erstens weil ich später andere unbekannte Dokumente zu den Ereignissen dieses einen Tages hinzufügen werde, aus den gleichen hervorragenden britischen Archiven, die zeigen, daß Hitler eine äußerst bemerkenswerte Haltung zu diesen Grausamkeiten einnahm. Aber ich führe dieses Dokument auch aus folgenden Gründen an:

ist es dann nicht eine Verunglimpfung der groteskesten und kränkendsten Art, gerade diesen Historiker rund um die ganze Welt als „Holocaust-Leugner" zu brandmarken, wenn er dieses Dokument nicht nur entdeckt und gefunden und verbreitet hat, und es der Aufmerksamkeit sowohl seiner Kollegen und seiner Konkurrenten und seiner Gegner, unabhängig von ihrer Rasse oder Religion, und einem zahllosen Publikum empfohlen hat?

David Irving auf dem Weg ins Londoner Gericht

Herr Richter, das ist kein vereinzeltes Beispiel. In der Einleitung zu meiner Biographie über Adolf Hitler, Hitler's War, die von Viking Press in Amerika und von Hodder & Stoughton im Vereinigten Königreich und später bei Macmillan veröffentlicht worden ist, wird sich zeigen, daß ich spezifisch und wiederholt die Aufmerksamkeit des Lesers auf die von Adolf Hitler begangenen Verbrechen gelenkt habe.

Ich werde das Gericht bitten, Sachverständigen-Gutachten über die Beziehung zwischen den jüdischen Gemeinden in aller Welt und uns übrigen zu hören, erstellt von einem Professor der Soziologie an einer führenden amerikanischen Universität, der eine Anzahl buchdicker Studien zu diesem Thema veröffentlicht hat.

Die jüdische Gemeinde, ihr Ruhm und Geschick, spielen bei diesem Verfahren eine zentrale Rolle. Es wird, wie ich annehme, das Gericht nicht überraschen, daß unter den Anschuldigungen, die von den Beklagten und ihren Experten gegen mich erhoben werden, auch das Adjektiv „antisemitisch" ist.

Dieses Adjektiv ist sowohl die widerwärtigste wie auch die meiststrapazierte Bezeichnung. Fast beständig wird er von Angehörigen oder Repräsentanten dieser Gemeinschaft gehandhabt, um diejenigen außerhalb ihrer Gemeinde zu verunglimpfen, an denen sie Mißfallen finden.

Es spielt keine Rolle, daß die Person, die sie als antisemitisch abstempeln, sich bis dahin gegen diese Gemeinschaft untadelig benommen hat; es spielt keine Rolle, daß sie ihnen die gleichen Vergünstigungen gewährt hat wie anderen; es scheint auch keine Rolle zu spielen, daß genau die Gemeinschaft, die ihn oder sie derartig bezeichnet, eine internationale Kampagne der allerfragwürdigsten Art gegen ihn führt, um zu versuchen, seine Legitimität, seine wirtschaftliche Existenz zu zerstören, von der er und seine Familie abhängen.

Wenn er sich gegen diese Attacken verteidigt, ist er früher oder später dazu verurteilt, als antisemitisch bezeichnen zu werden.

Es ist zum Ritual geworden. Zweifellos würde das englische Volk, das es 1940 für notwendig hielt, sich gegen die Deutschen zu verteidigen, nach dem gleichen Maßstab den Titel antideutsch ernten. Ist jemand, der sich letztendlich selbst bis zur Erschöpfung verteidigt, nachdem er zwanzig oder dreißig Jahre lang die andere Wange hingehalten hat, keine Spur besser als der unverbesserlichste eingefleischte Antisemit, mit dem wir wahrscheinlich alle vertraut sind? Ich bin der Auffassung, daß dem nicht so ist.

Das Gericht wird feststellen, daß ich, wie die meisten Engländer, während meines ganzen Berufslebens Beziehungen zu sowohl englischen als auch ausländischen Juden gehabt habe.

Es gab meines Wissens keine Schüler jüdischen Glaubens am Internat von Essex, die ich (gemeinsam mit unserem jetzigen Innenminister) von 1947 bis 1956 besuchte; ich war überrascht, als ich kürzlich die Andeutung hörte, daß dies der Fall gewesen sein soll.

Als ich jedoch die Londoner Universität besuchte, traf ich viele jüdische Studenten - ich möchte hier den Namen meines Mitbewohners am Imperial College nennen, Mike Gorb, der tragischerweise bei einem Unfall beim Bergsteigen starb. Ich sah einen anderen Kommilitonen als guten Freund an, Jon Bloc. Richtig, es gab einen Studenten, einen Herrn Peter L., der begann, gegen mich zu agitieren wegen Ansichten, die ich an der Universität verbreitete, Ansichten, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Und ich muß gestehen, daß ich seine Agitation sowohl verwirrend als auch ärgerlich fand, weil das damals recht kleinkariert und bösartig wirkte.

Wie meine eigene Zeugenaussage in Erinnerung ruft, schloß ich mich zur Zeit der anglo-israelisch-französischen „Polizeiaktion" in Suez 1956 Studenten-Demonstrationen zugunsten der Israelis an, obwohl ich heute absolut nicht mehr erinnern kann, warum.

Als 1963 mein erstes Buch, The Destruction of Dresden, erschienen war, wurde ich in unbehaglicher Weise gewahr, daß ich irgendwie die jüdische Gemeinde gekränkt hatte. Ich verstand damals nicht, warum, und selbst heute verstehe ich das noch nicht ganz. Was auch immer der Grund gewesen sein mag - ihre Journalisten waren an vorderster Front im Angriff auf mich.

Als weitere Bücher erschienen, wurde diese Polarisation bei den englischen Kritikern noch deutlicher. Ich erinnere mich an den Namen von Arthur Pottersman, der für eine Boulevardzeitung schrieb, - den Daily Sketch - und einer der wenigen bösartigen Kritiker war - nicht des Dresden-Buches, sondern meiner Person.

Mein Verleger, Herr William Kimber, auf den ich früher zu sprechen kam, empfahl mir die Dienste seines Anwalts, Herrn Michael Rubinstein, ein Name, mit dem die älteren Mitglieder dieses Gerichts vielleicht vertraut sind. Herr Kimber sagte zu mir mit seiner gedehnten, freundlichen Sprechweise:

»Sie werden Michael mögen. Er ist Jude, aber von einer sehr christlichen Art Jude - wie Jesus Christus.«

Es sind derartige Gesprächsfetzen, die man unerklärlicherweise in Erinnerung behält - selbst jetzt, fast 40 Jahre weiter in der Straße des Lebens. Ich hielt ihn für eine enorm fähige, energische und liebenswerte Person - und wirklich sehr englisch, sein Ratschlag immer vernünftig, und er stand mir in den nächsten zwei Jahrzehnten als mein juristischer Ratgeber zur Seite. Er hatte ein Fell wie ein Rhinozeros, wie ich einmal in meinem Tagebuch bemerkte - eine Bemerkung, auf die sich die Beklagten stürzten als Beweis für meinen Antisemitismus!

Ich entwickelte auch langfristige Freundschaften, die bis zum heutigen Tag andauern, mit wohlbekannten Schriftstellern wie dem Amerikaner David Kahn, einem Code-Entschlüsselungs-Fachmann. Als Autor, der mit amerikanischen und britischen Verlegern zu tun hat, kam ich auch mit jüdischen Angehörigen des Verlegerstandes in Berührung.

Der Hauptlektor von Hitler's War für die Viking Press Inc. war Stan Hochman, der, wie die Korrespondenz und, soweit ich weiß, die Tagebücher zeigen, ein guter Freund wurde; Peter Israel, der Uprising kaufte, mein Buch über den Ungarn-Aufstand 1956, war redaktioneller Direktor bei Putnams. Und so weiter.

Die Dokumente meines Fundus zeigen, daß es auch eine Art Beziehung zwischen mir und unserem eigenen George Weidenfeld gab, die übliche Haßliebe zwischen Autor und Verleger. George veröffentlichte mehrere meiner Bücher, einschließlich meiner Biographien über Spitzen-Nazis wie Feldmarschall Erhard Milch und Feldmarschall Erwin Rommel, und ich glaube nicht, daß er Verluste bei diesen Geschäften machte. Ich erfuhr aber, daß er hinter meinem Rücken wenig hilfreiche Bemerkungen über mich machte und ich hatte Anlaß, ihm deshalb einen oder zwei knappe Briefe zu schreiben. Aber ich glaube, daß wir immer noch Freunde sind und meine Beziehungen mit dem gegenwärtigen Geschäftsführer von Weidenfeld & Nicholson sind die allerbesten. Das sind allerdings alles Einzelpersonen.

Gerade wenn ich von Weidenfeld spreche, kommt mir in Erinnerung, daß ich während der 60er und 70er Jahre undeutlich spürte, daß sich Kräfte vereinten, um mich zu bekämpfen. George hatte ursprünglich die Rechte an meiner Biographie von Adolf Hitler gekauft. In irgendeiner Phase verweigerte er die Erfüllung des Vertrags. Verleger können immer eine Entschuldigung dafür finden, wenn sie wollen, und ich war nicht unglücklich, weil es mir die Gelegenheit gab, sie für ein sogar noch größeres Honorar einem ebenso angesehenen Verlagshaus anzubieten, Messrs. Hodder & Stoughton.

Bei der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober 1973 - mein Tagebucheintrag schildert das Ganze - saß George Weidenfeld neben mir beim Abendessen und beklagte nach ein paar Cocktails seinen Fehler, daß er den Vertrag für Hitler's War zerrissen hatte. Als ich ihn fragte, warum er das getan habe, erklärte er, verlegen herumdrucksend:

»Ich mußte es tun, ich kam unter Druck von drei Botschaften. Eine davon war eine Nato-Macht« - ich nahm an, daß das Deutschland war, »eine davon war Frankreich, und die andere war Israel.«

Es ist richtig, daß ich hier bemerken sollte, und der Briefwechsel zeigt das, daß er später leugnete, das gesagt zu haben, aber ich habe noch in der gleichen Nacht eine sehr detaillierte Tagebuchnotiz gemacht, die sich in meinem Fundus befindet. Wir werden, wenn es Eurer Lordschaft gefällt, das betreffende Bündel (es ist mit „GLOBAL" bezeichnet) in den allernächsten Tagen kurz durchgehen.

Es wurde also allmählich offensichtlich, daß ich das Angriffsziel eines heimlichen internationalen Bemühens war, mich, wenn es sich machen ließ, an der Veröffentlichung weiterer Geschichtswerke zu hindern - und ich muß betonen, daß ich nicht genau das Jahr angeben kann, wo mir schließlich klar wurde, daß ich Opfer dieser heimlichen Kampagne war.

Das beeinflußte mein Haltung gegenüber den Juden nicht in der Art, wie man es vielleicht erwarten könnte. Ich zog nicht landauf, landab herum und hielt Schimpfreden gegen sie. Ich registrierte nur innerlich, daß ich mich vor Unannehmlichkeiten in acht nehmen müsse. Solche Unannehmlichkeiten hatten bereits 1963 begonnen, als ein dreiköpfiger Einbrechertrupp offenbar im Auftrag der englischen Organisation, von der ich früher gesprochen habe, auf frischer Tat von der Polizei ergriffen wurde, die ich alarmiert hatte, als sie in meine Wohnung in Nord-London als Telefonmonteure verkleidet und mit gestohlenen Ausweises versehen eindrangen.

Der Anführer dieser Bande, dessen Namen ich nicht nennen werde, da er vor diesem Gericht nicht vertreten ist, erzählte der Polizei, er habe gehofft, meine geheime Korrespondenz mit Hitlers Gefolgsmann, Martin Bormann, zu finden!

Ich erwähne diesen Zwischenfall aus einem Grund. Dieser Herr wurde in der Folge Herausgeber einer linksgerichteten „antifaschistischen" Zeitschrift namens Searchlight, und er hat es in den vergangenen dreißig Jahren zu seiner Lebensaufgabe gemacht, bösartige Rache zu nehmen für die Strafverurteilung, die ihm sein Verbrechen einbrachte.

Seine Zeitschrift zog über mich her und berichtete manchmal wahres, oft halbwahres, aber gewöhnlich völlig erfundenes Geschwätz über meine Aktivitäten und meine angeblichen „Nazi"-Verbindungen rund um die Welt, um so zu versuchen, meinen Namen anzuschwärzen.

Ich werde nicht behaupten, daß die Gerüchte alle unwahr sind. Das sind sie nie. Winston Churchill sagte einmal das berühmte Wort:

»Die Welt ist voll der furchtbarsten Geschichten und Gerüchte über mich, und das Verdammte daran ist, daß das meiste daran wahr ist!«

So jedenfalls das Gerücht. Aber es sind die unwahren Gerüchte über mich, die gewöhnlich wieder und immer wieder auftauchen, ohne daß ihr Lack stumpf wird. Ich nenne diesen Fall, weil sich die Beklagten hier so fest auf die Ergüsse dieser gestörten Seele verlassen, dem Herausgeber des Searchlight.

Dieses Gericht mag sich wundern, warum ich keinen Prozeß gegen diese Zeitschrift geführt habe, oder überhaupt gegen irgendeine der Gruppen, die mich über die Jahre diffamiert haben. Eines der Dinge, die Michael Rubinstein, ebenso wie mein Verleger Herr Kimber, mir sehr zeitig eingehämmert haben, war, um jeden Preis zu vermeiden, Verleumdungsprozesse anzustrengen.

Herr Richter, ich bin sicher, ich brauche in dieser Eröffnungserklärung nicht die Gründe dafür auszuführen. Es reicht zu sagen, daß ich bereits 1970, zur Zeit des Convoy-PQ.17-Schmähprozesses (Broome gegen Cassell) erkannt hatte, daß Verleumdungsprozesse Zeit kosten, teuer und lästig sind, und wirklich mit den Worten der Redewendung „wie die Pest" vermieden werden müssen.

David Irving in Key West, Florida

Außerdem hatte diese spezielle Zeitschrift keine Vermögenswerte, so daß jede Form von Prozeß witzlos gewesen wäre. Ich darf hinzufügen, daß ich nur einmal in den letzten Jahren gezwungen war, unter dieser Gerichtsbarkeit ein Verfahren nach dem Verleumdungsgesetz anzustrengen, vor vier oder fünf Jahren gegen eine der bedeutenden Landeszeitungen, was zu einer unmittelbaren außergerichtlichen Übereinkunft führte, die ich nur als äußerst befriedigend bezeichnen kann. Die Bedingungen dieser Vereinbarung sind von der üblichen Gerichtsordnung umfaßt. Ich kann mir aber denken, daß die Beklagten hier sie kennen, da sie die volle Einsicht in die betroffenen Papiere verlangten und bekamen.

Aus den Beweisen, die ich in den allernächsten Tagen vorlegen werde, wird das Gericht ersehen, daß die internationale Gemeinschaft 1977, entweder vor oder ungefähr zu der Zeit, als The Viking Press und andere Verleger meine wohlbekannte Biographie über Adolf Hitler, Hitler's War, veröffentlichten, ihre Kampagne verstärkten, mich zu vernichten und meine Laufbahn als Autor abzuwürgen.

Dem Gericht wird ein April 1977 datiertes internes Dokument gezeigt werden, das, wie ich nachgewiesen habe, aus den Washingtoner Akten einer sogenannten Anti-Defamation League stammt, die Teil des B'nai B'rith in den Vereinigten Staaten ist, und ganz ungeniert aufdeckt, wie sie versuchten, Druck auf Fernseh-Produzenten auszuüben, Einladungen an mich, das Buch Hitlers's War in ihren Programmen zu diskutieren, zurückzuziehen. Das schlug fehl, das fragliche Programm lief weiter und die ADL notierte bestürzt in einem geheimen Memorandum, daß ich in geschichtlichen Fragen wohlbewandert war, ein respektabler Gegner, der aber nicht antisemitisch genannt werden konnte. Ich mußte mit anderen Mitteln vernichtet werden.

Dies ist ein Dokument aus meinem Fundus. Mit verschiedenen ganz legalen Mitteln erhielt ich mehrere derartig beunruhigende Dokumente aus ihren Akten.

Daraus, vor allem aus den Einzelheiten, die unter dem Datenschutzgesetz in diesem Land aufgezeichnet sind, wird deutlich, daß diese Organisationen, die sowohl in unsere Gesellschaft in Britannien als auch sonstwo verankert sind, es als ihre Aufgabe ansehen, Mitglieder der Gesellschaft auszuspionieren, Akten über uns alle zu führen, und diese Akten wenn notwendig einsetzen, um diejenigen, die ihnen mißfallen, kleinzukriegen.

Wie das Gericht sehen wird, sind die Akten ausdrücklich so angefertigt, daß sie Material über das persönliche Leben, Strafregister, finanzielle Schwierigkeiten, Eheschwierigkeiten, Eßgewohnheiten und sogar sexuelle Neigungen enthalten. Das wissen wir von ihren Registrierangaben.

Es ist nicht antisemitisch, dies aufzudecken. Das Spionieren und Besudeln erfolgt gleichermaßen gegen Mit-Juden und Nichtjuden. Der jüdische Schriftsteller Noam Chomsky berichtet, daß er ganz zufällig feststellte, daß sie auch ihn überwachten - das ist das Wort, das sie benutzen.

Mehrere unserer bekanntesten Persönlichkeiten haben dieses abstoßende Element des britischen Lebens bereits kommentiert: der Autor Auberon Waugh erwähnte in einem Artikel einer britischen Zeitschrift, wie auch er unabsichtlich herausfand, daß über ihn so eine Akte geführt wurde.

Ich darf hinzufügen, daß sich die Beklagten dieses Verfahrens massiv und ohne Infragestellung auf diese Akten beziehen, die von dieser Londoner Organisation an die Kanadier, die Anti-Defamation-League, und an verschiedene ähnliche Organisationen in Australien, Südafrika und anderswo vermittelt wurden. Das, so möchte ich anführen, ist meine Rechtfertigung dafür, daß ich die Aufmerksamkeit Eurer Lordschaft auf diesen beunruhigenden und schmutzigen Hintergrund lenke.

Als ich versuchte, eine Verleumdungsklage gegen die erwähnte, in London ansässige Organisation zu führen, gab ihr Direktor, Michael Whine, in einer eidesstattlichen Erklärung zu, daß es seine Organisation auf sich genommen hatte, meine Aktivitäten zu überwachen - da war dieses Wort wieder - als er sie vor vielen Jahren um Hilfe gebeten hatte. Er gab auch freimütig zu, daß er, als er heimlich von seinen kanadischen Genossen 1992 besucht wurde, ihnen bereitwillig eine Schmutzakte lieferte, mit dem Zweck, meine Anwesenheit in Kanada zu verhindern.

Auf diese Weise geriet die Akte in die Unterlagen der kanadischen Regierung, was seinerseits dazu führte, daß sie einige Jahre später durch beharrliches Bestehen auf Akteneinsicht in meine Hände kam. Sonst hätte ich nie erfahren, warum ich mich 1992 in Handschellen an Bord eines Flugzeugs der Air Canada wiederfand und deportiert wurde, nachdem ich dreißig Jahre lang ein geehrter Gast dieses Landes gewesen war - ein Ereignis, über das die Beklagten hämisch in ihrem Buch Denying the Holocaust berichten.[5]

Ich mag ziemlich naiv sein, aber Derartiges verletzt mich als Engländer, und zweifellos wird diese Vorstellung viele, die heute im Gerichtssaal 37 anwesend sind, kränken. Daß eine nichtstaatliche Organisation, die offenbar mit grenzenlosen finanziellen Mitteln ausgestattet ist, es sich erlauben kann, gesetzestreue Bürger auszuspionieren mit dem Ziel, sie zu vernichten, - diese Erfahrung kann einen aus der Fassung bringen.

Ich habe so etwas niemals meinen Mitmenschen angetan, und wenn ich an Organisationen denke, die ähnliche Praktiken anwenden, kann ich nur an die Gestapo der Kriegszeit und an ihre Ableger in den von den Nazis besetzten Ländern denken. Das ist ein verletzender und häßlicher Vergleich, das gebe ich zu, und ich habe ihn nie zuvor gemacht. Aber in einem Rechtsstreit von diesem Ausmaß halte ich es für notwendig, Munition des richtigen Kalibers zu verwenden.

Ich komme jetzt zu der Angelegenheit der Mikrofich Platten, die die Tagebücher des NS-Propaganda-Ministers Dr. Joseph Goebbels enthalten. Euer Ehren wird aus der Klageschrift ersehen haben, daß mich die Beklagten beschuldigen, diese Glasplatten von den Moskauer Archiven auf unzulässige Weise erhalten oder beschädigt zu haben.

Aus der Urteilsbegründung

Justice Gray, Dienstag, 11. April 2000

»1.3 Selbstverständlich ruft der Kontext, innerhalb dessen das hier zu bestimmende Thema fällt, die stärksten Gefühle hervor. Aus diesem Grunde ist es notwendig, daß ich gleich zu Anfang dieses Urteils hervorhebe, daß ich es nicht als Teil meiner Aufgabe als Richter in diesem Verfahren betrachte, als Tatsachen festzustellen, was während des Nazi-Regimes in Deutschland geschehen ist und was nicht. Es wird für mich notwendig sein, in gewissen Umfange bestimmte geschichtliche Daten zu wiederholen. Dies wird deshalb notwendig, weil ich die Kritik oder (wie Irving es ausdrückt) die Angriffe auf sein Verhalten als Historiker im Lichte der zugänglichen Beweise untersuchen muß. Aber es steht mir nicht zu, mir ein Urteil darüber zu bilden oder es gar auszudrücken, was geschehen ist. Das ist Aufgabe der Historiker. Es ist wichtig, daß diejenigen, die dieses Urteil lesen, sich den Unterschied vergegenwärtigen zwischen meiner juristischen Rolle zur Lösung der zwischen den Parteien aufgeworfenen Fragen und der Rolle der Historiker bei ihrem Versuch, eine akkurate Wiedergabe vergangener Ereignisse abzugeben. [...]

13.3 Die Frage, die ich zu entscheiden haben werde, ist, ob die Angeklagten erfolgreich nachgewiesen haben, daß ihre Behauptung, Irving habe geschichtliche Abläufe verfälscht, substantiell der Wahrheit entspricht. In diesem Zusammenhang sollte ich die zu Beginn dieses Urteils ausgeführte Ermahnung wiederholen: Das Thema, daß ich hier behandle, ist Irvings Handhabung der zugänglichen Beweise. Es ist nicht meine Aufgabe zu versuchen herauszufinden, was tatsächlich während des Nazi Regimes passiert ist. Diese Unterscheidung mag fein sein, aber es ist wichtig, dies im Kopf zu behalten.

13.7 Meine Ansicht ist, daß Irving als ein Militärhistoriker viel Lobenswertes an sich hat. Für seine Werke über Militärgeschichte hat Irving ausgiebige und gewissenhafte Forschungen in den Archiven betrieben. Er hat viele Dokumente entdeckt und anderen Historikern zugänglich gemacht, die ansonsten für viele Jahre unbeachtet geblieben wären. Aus der Art und Weise, wie er seinen Fall führte und wie er sich bei den bohrenden und anhaltenden Kreuzverhören verhielt, wurde deutlich, daß seine Kenntnisse über den Zweiten Weltkrieg ohnegleichen sind. Er beherrscht die Details geschichtlichen Dokumente auf bemerkenswerte Weise. Er ist ohne Frage begabt und intelligent. Er war unverändert schnell beim Erfassen der Bedeutung von Dokumenten, die er bisher noch nicht gesehen hatte. Zudem schreibt er seine Militärgeschichte in einem klaren und lebhaften Stil.«

Darf ich etwas zur Vorgeschichte dieser Angelegenheit ausführen? Euer Ehren wird vielleicht die große Zeitungssensation erinnern, die Anfang Juli 1992 durch die Offenbarung verursacht wurde, daß es mir gelungen als erstem gelungen war, in ehemaligen KGB-Archiven in Moskau die lange verschollenen Tagebücher von Dr. Joseph Goebbels, einem engen Vertrauten Hitlers, seinem Propaganda-Minister und Nachfolger als Reichskanzler, zu verwerten.

Ich darf hier sagen, daß die Gelehrten seit Ende des Zweiten Weltkriegs eine Reihe Tagebücher gesucht haben: ich möchte hier als Beispiele nur das Tagebuch von Hitlers Geheimdienst-Chef, Vizeadmiral Wilhelm Canaris, erwähnen, mit dessen Suche ich in den 60er und 70er Jahren beschäftigt war. Die Tagebücher, die dabei mir und Messrs William Collins Ltd. angeboten wurden, entpuppten sich als eine Fälschung, wie ich anhand des dafür zweckdienlichen forensischen Labors - Hehner & Cox, in der Londoner Innenstadt - feststellte. Forensische Proben sollen auch in dem laufenden Verfahren eine ziemlich große Rolle spielen

Als ich meine eigenen Biographien über die führenden Nazis schrieb, habe ich den Primärquellen große Bedeutung beigemessen, etwa Tagebücher, die sie seinerzeit schrieben. Wenn ich diese Dokumente gefunden habe, habe ich - wie viele Gelehrte wissen - stets und umgehend diese oder Kopien davon entweder dem deutschen Bundesarchiv in Koblenz oder dem Institut für Zeitgeschichte in München vermacht. Und im Fall der Goebbels-Tagebücher gab ich, nachdem ich sie aufgespürt hatte, einen Satz Kopien an die Archive von Mönchen-Gladbach, seiner Heimatstadt, wo es eine Sammlung von Goebbels-Dokumenten gibt.

Tatsächlich gibt es nur eine Sache, der ich größeren Quellenwert zuschreibe als Tagebüchern, die immer Verfälschungen oder Veränderungen ausgesetzt sind, das sind private Briefe; nach meiner Erfahrung ist es für einen Verfasser praktisch unmöglich, einen Privatbrief, der abgeschickt wurde, wieder zurückzuholen und den Inhalt zu ändern.

Wenn ich mir die Freiheit nehmen darf, diesen Punkt dem Gericht durch ein Beispiel zu erhellen, möchte ich sagen, daß ich früher auch einige Tagebücher von Feldmarschall Erwin Rommel gefunden habe; einige in Kurzschrift beschaffte ich aus amerikanischen Archiven und ließ sie übertragen. Es zeigte sich, daß die mit Schreibmaschinenschrift einige Monate nach einer entscheidenden Schlacht („Crusader") geändert worden waren, um einen taktischen Fehler zu vertuschen, den der Feldmarschall glaubte, in der westlichen Wüste gemacht zu haben. Aber die Hunderte Briefe, die er seiner Frau nach Hause schrieb, waren über jeglichen solchen Verdacht erhaben.

Auf einer irdischeren Ebene: während die Tagebücher des Chefs der SS, Heinrich Himmler, die zum Teil kürzlich aus den gleichen Moskauer Archiven wiedererlangt wurden, selbst wenig Informationen geben, gelang es mir, die zweihundert Briefe, die dieser mörderische Nazi seiner Geliebten schrieb, in privaten Händen in Chicago zu lokalisieren, und sie enthalten Material, dem größere historische Bedeutung zukommt.

Bis meine Laufbahn sabotiert wurde, hatte ich daher den Ruf geerntet, jemand zu sein, der immer neue historische Beweisstücke ausgräbt. Das galt, bis, wie wir sehen werden, auf die Länder und Archive der Welt Druck ausgeübt wurde, mir ihre Türen zu schließen!

Nachdem ich im Oktober 1991 die 600 Seiten von Adolf Eichmanns Manuskripten in Argentinien erstanden hatte, bezeichnete mich das deutsche Bundesarchiv in einer Presseerklärung widerwillig als Trüffel-Schwein, was, wie ich hoffe, schmeichelhafter ist, als es klingt.

Wir sind hier aber hauptsächlich mit den Tagebüchern von Dr. Joseph Goebbels beschäftigt, die die Beklagten in ihrem Buch erwähnen. Das ist die Insider-Geschichte darüber.

Ich hatte die Suche nach diesen Tagebüchern etwa dreißig Jahre vorher begonnen. In meinem Fundus befinden sich Papiere, die die erste Suche beschreiben, die ich wegen der allerletzten Tagebücher durchführte, die Dr. Goebbels im April 1945 diktiert hat, ganz am Ende seines Lebens; als es keine Zeit mehr gab, sie zu tippen, ließ er die spiralgebundenen Kurzschriftblöcke in einem Einmachglas in einem Wald irgendwo entlang der Straße von Hamburg nach Berlin vergraben.

Das Glück versah mich etwa 1969 mit der „Schatzkarte", die enthülle, wo dieses Glasgefäßes vergraben war, und mit Erlaubnis der kommunistischen ostdeutschen Regierung begannen ich und eine Gruppe Experten der Oxforder Universität den entschlossenen Versuch, es in dem Wald auszugraben - ausgerüstet mit einer Art durch die Erde gehendem Radar (genau einem Protonen-Magnetometer).

Wir fanden niemals diesen speziellen Trüffel. Leider ändert sich die Topographie eines Waldes in zwanzig oder mehr Jahren beträchtlich, und trotz unseren eifrigsten Bemühens und Hilfe durch das ostdeutsche Innenministerium und einem Biologen, dessen Aufgabe es war, das Alter der Pilze und anderen biologischen Materials rings um das Gefäß zu bestimmen, mußten wir mit leeren Händen abziehen. Das ist nichts Neues. Außenarbeit bringt oft derlei Enttäuschungen mit sich.

Fünfundzwanzig Jahre später führte ich das Gespräch, das zum Wiederauffinden der Goebbels-Tagebücher in Moskau führen sollte, und indirekt zu unserer Anwesenheit heute in diesen Gerichtsräumen.

Im Mai 1992 lud ich eine langjährige Freundin, eine führende Historikerin am Institut für Zeitgeschichte, ein, mit mir zusammen in einem Restaurant in München Mittag zu essen. Wir waren seit 1964 gute Freunde, und sie ist immer noch in Diensten des Instituts. Wie meine Tagebücher zeigen, hatte diese Freundin und Kollegin, Dr. Elke Fröhlich, während der vergangenen zwölf Monate verschiedene Bemerkungen fallen lassen, daß sie den Verbleib der verschollenen Goebbels-Tagebücher aufgespürt habe.

Wir alle, die wir uns mit der Forschung über Hitler, Goebbels und das Dritte Reich beschäftigten, wußten, daß Dr. Goebbels diese Tagebücher in den Endmonaten des Krieges auf Mikrofiche - fotografische Glasplatten - hatte ablichten lassen, um sicherzustellen, daß sie für die Nachwelt erhalten blieben. Aber sie waren seit dieser Zeit verschwunden. Sein Privatsekretär, Dr. Richard Otte, den ich mehr als zwanzig Jahre zuvor in Zusammenhang mit unserer Suche im Wald in Ostdeutschland befragt hatte, hatte uns von diesen Glasplatten erzählt. Ich sollte erwähnen, daß er der kleinen Begräbnis-Gesellschaft angehörte hatte, die den Behälter vergraben hat, er war aber nicht in der Lage, uns zu begleiten, da er zu dieser Zeit noch als Beamter der westdeutschen Regierung beschäftigt war. Wir konnten nur annehmen, daß die Glasplatten-Mikrofiches entweder in den letzten Wochen des Krieges vernichtet, oder daß sie von der Roten Armee weggenommen worden waren.

Bei diesem Mittagessen-Gespräch im Mai 1992 in München offenbarte mir Dr. Elke Fröhlich, daß die letztere Annahme richtig war. Sie hatte sie selbst ein paar Wochen zuvor bei einem Besuch der Archive in Moskau gesehen und sogar in der Hand gehalten!

So wie ich diesen Punkt des Gesprächs in Erinnerung habe, fuhr sie fort und sagte, daß die Direktoren des Instituts nicht gewillt seien, weitere Expeditionen zur Beschaffung dieser Tagebücher zu finanzieren. Jetzt, nachdem ich einige der Dokumente gesehen habe, die die Russen und das Institut den Beklagten dieses Prozesses zur Verfügung gestellt haben, ist es möglich, daß mich die Erinnerung in Bezug auf diesen Punkt trügt.

Meine Erinnerung bezüglich des Folgenden ist jedoch sicher: Dr. Fröhlich teilte mir mit, daß sich Dr. Bondarew, der Direktor der russischen „Trophäen-Archive", wie sie genannt wurden, in einer ernsten Zwangslage befand, da er mit den wirtschaftlichen Folgen des Zusammenbruchs des Sowjetsystems konfrontiert war; er hatte nicht mehr die notwendigen Mittel für die Aufrechterhaltung der Archive und die Bezahlung seines Personals.

Die Platten waren meiner Ansicht nach in ernster Gefahr. Dr. Fröhlich deutete an, daß ich die Glasplatten von Dr. Bondarew kaufen könnte, wenn ich eine hinreichend große Summe in ausländischer Währung nach Moskau mitnähme. Es ging aus ihren Bemerkungen hervor, daß Dr. Bondarew diese Möglichkeit schon mit ihr erörtert hatte.

Dr. Fröhlich fügte hinzu, daß die Glasplatten in einem gebrechlichen Zustand waren und gerettet werden müßten, bevor sie ernsthaft zu Schaden kämen. Ich erinnere mich, daß sie sagte: „Wenn Sie diesen Handel mit den Russen abschließen wollen, müssen Sie eine Menge Seidenpapier von England mitnehmen, um es zwischen die Glasplatten zu legen. Die Platten sind nur in Kästen gepackt - ohne etwas dazwischen."

Ich fragte, um wieviel Geld es ginge, und sie oder ich schlugen die Zahl von 20.000 US$ vor. Ich nahm sofort Verbindung auf mit meinen amerikanischen Verlegern in New York, die die unmittelbarste Geldquelle zu sein schienen.

Ich informierte sie über diesen unglaublichen Glücksfall, und fragte, ob wir den Barvorschuß für mein Goebbels-Manuskript entsprechend erhöhen könnten.

Mein Manuskript der Goebbels-Biographie war zu der Zeit fertig und wurde von mir gerade redigiert. Es war schon zur Lieferung an die Verleger bereit.

Die amerikanischen Verleger reagierten zuerst begeistert, und bei meiner Rückkehr von München nach London leitete ich über Vermittler Verhandlungen mit dem russischen Archivar Dr. Bondarew ein. (Leider ist Dr. Bondarew von keiner der Parteien in diesem Prozeß geladen; er scheint verschwunden zu sein und ist sicher nicht mehr bei den Trophäen-Archiven.)

Der erste Vermittler, den ich benutzte, was ein Spezialist für Russisch, der bei der Warburg-Bank in Moskau angestellt war; er führte die vorbereitenden Verhandlungen mit Dr. Bondarew. Ich wies ihn an, Bondarew meine Absicht, zu kommen und die Glasplatten anzusehen, so offen zu sagen, wie es ratsam war, und ihm ganz deutlich zu machen, daß wir mit einem ansehnlichen Betrag in harter Währung kommen würden. Viele amerikanischen Institutionen benutzten damals die gleiche Methode, wie ich aus den Zeitungen wußte.

Etwa zu dieser Zeit wurde klar, daß die deutsche Regierung ebenfalls scharf darauf war, die Glasplatten in die Hände zu bekommen. Natürlich hatte ich den Wunsch, sie darin zu schlagen: erstens aus beruflichem Stolz und dem Wunsch, einen historischen Fang zu machen, und zweitens haben Jahre der Zusammenarbeit mit den deutschen Regierungsarchiven sowohl mir wie auch vielen Gelehrten bewiesen, daß, sobald hochrangige Dokumente wie diese in ihre Hände kamen, diese dann für viele Jahre verschwanden, während sie bewertet und katalogisiert und indiziert wurden; und manchmal wurden sie sogar blitzschnell beiseite geschafft zwecks späterer Auswertung durch den Chefarchivar selbst (die „Hoßbach-Papiere" waren ein treffendes Beispiel).

Diese enorm wichtigen NS-Tagebücher würden deshalb vielleicht fünf oder zehn Jahre lang der öffentlichen Einsichtnahme verloren gehen; meine Befürchtungen in dieser Hinsicht sind durch die Ereignisse weitgehend bestätigt worden, weil viele der Glasplatten, die ich 1992 in Moskau sah, seither im Magen der deutschen Regierung und des Münchner Instituts für Zeitgeschichte verschwunden sind, und sie sind selbst heute noch nicht verfügbar.

Ich dachte mir daher, daß ich der Historiker-Zunft den besten Dienst erweisen würde, wenn ich mein Äußerstes tun würde, um mit allen Mitteln diese Glasplatten aus den KGB-Archiven herauszubekommen, oder, wenn das nicht ginge, Kopien davon, und wenn das nicht gelänge, Kopien von soviel Seiten wie möglich, bevor der Wind wechseln und plötzlich dazu führen könnte, daß alle diese ehemals sowjetischen Archive wieder versiegelt würden. (Und wieder einmal wurde diese Vorahnung weitgehend durch die Haltung der Behörden der russischen Archive bestätigt, die viele dieser Akten wieder versiegelt und sie erneut für westliche Historiker unzugänglich gemacht haben.).

Der zweite Vermittler, auf den ich baute, war der frühere KGB-Offizier Lew Besymenski. Ich kenne Herrn Besymenski seit ungefähr fünfunddreißig Jahren, und in diesen Jahren haben wir einen fruchtbaren Austausch von Dokumente gepflegt. Ich will mich beeilen hinzuzufügen, daß die Dokumente, die ich Herrn Besymenski lieferte, ganz und gar öffentlich zugänglich waren; Herr Besymenski seinerseits beschaffte für mich ungeheuer wichtige Dokumentensammlungen aus sowjetischen Archiven, zum Beispiel deren diplomatische Akten über Winston Churchill und die privaten Papiere des Oberkommandierenden der Deutschen Wehrmacht, Generaloberst Werner von Fritsch. Ich erhielt über Herrn Besymenski aus den russischen Archiven Fritsches persönliche Schreiben während und um die „Blomberg-Fritsch-Affaire" von 1938, die historische Folgen für Deutschland, für Hitler und letztlich für die Welt hatte. Ich vermachte sofort den deutschen Regierungsarchiven einen vollständigen Satz dieser Fritsch-Papiere, wo man sie noch finden kann.

Leider erwies sich Dr. Besymenski als eine Art „Doppelagent". Da ich fürchtete, daß Dr. Bondarew meine Botschaft nicht richtig mitbekommen hatte, bat ich Herrn Besymenski, an ihn heranzutreten und ihn zu informieren, daß er über gewisse Dokumente verfüge, an denen ich interessiert war, und daß ich als Repräsentant für die Sunday Times kam und gut mit ausländischer Währung versehen war. Herr Besymenski erkundigte sich, was für Dokumente das waren. Ich lehnte ab, es ihm zu sagen, und er erwiderte: „Ich nehme an, Sie meinen die Goebbels-Tagebücher".

Das bestätigte ich. Zehn Minuten nach diesem Telefongespräch von mir in London mit Herrn Besymenski in Moskau erhielt ich einen Telefonanruf von Dr. Fröhlich in München, die sich bitter darüber beklagte, daß ich unsere Absichten Herrn Besymenski offenbart hatte. Anstatt zu tun, worum ich ihn gebeten hatte, hatte mein Freund sofort ein Fax an das Institut für Zeitgeschichte geschickt, um es zu warnen, worauf ich aus war. Damit war die Katze im Taubenschlag, und das Institut für Zeitgeschichte setzte alle Hebel in Bewegung, um die Russen davon abzuhalten, mir die Tagebücher oder andere Materialien zu liefern. Die Gründe hierfür kann sich das Gericht leicht ausdenken.

Ich hatte in der Zwischenzeit die Sunday Times angegangen, nachdem meine amerikanischen Verleger kalte Füße bekommen hatten, und es war mir gelungen, Herrn Andrew Neil zu überzeugen, daß ich die Goebbels-Tagebücher aus den Moskauer Archiven beschaffen konnte, und daß ich zufällig einer der ganz wenigen Leute war, die diese Handschrift lesen konnten.

Zwei Jahre zuvor, 1990, hatte mich nämlich mein italienischer Verleger, Mondadori, beauftragt, den handgeschriebenen Tagebuchband von 1938 von Dr. Goebbels zu transkribieren, von dem er eine Kopie von einer russischen Quelle erstanden hatte. Ich war daher mit der schwierigen Handschrift des NS-Propaganda-Ministers vertraut. Zu dieser Zeit gab es wahrscheinlich nur drei oder vier Leute auf der Welt, die sie entziffern konnten.

Die Verhandlungen mit Andrew Neil gingen reibungslos voran. In einer Phase drückte er Befürchtungen aus wegen der Aussicht, sich in noch einen „Nazi-Tagebuch"-Handel einzulassen - nachdem sich seine Zeitungsgruppe 1983 durch den Kauf und die Veröffentlichung der gefälschten „Hitler-Tagebücher" lächerlich gemacht hatte. Ich machte darauf aufmerksam, daß ich sie Monate zuvor, 1982, schriftlich gewarnt hatte, daß die Tagebücher Fälschungen waren. Ich fügte hinzu: „Ich biete der Sunday Times die Chance, sich zu rehabilitieren!"

Ausgerüstet mit dem Prestige und den vorzüglichen finanziellen Hilfsmitteln der Sunday Times ging ich im Juni 1992 nach Moskau und verhandelte direkt mit Dr. Bondarew und seinem Vorgesetzten, Professor Tarasov, der zu dieser Zeit der oberste Chef des Archivsystems der Russischen Föderation war. Dr. Bondarew drückte Bereitschaft aus, uns zu helfen, obwohl von einem Schleichhandel mit den Platten, auf den wir ursprünglich gehofft hatten, nicht mehr die Rede sein konnte, da Herr Besymenski die Katze aus dem Sack gelassen hatte. Ich sage Schleichhandel, aber ich weiß, daß die gleichen Archive viele andere Sammlungen von Schriftstücken wegverkauft haben, zum Beipiel an die Hoover Institution in Kalifornien und an US-Verlegergiganten und an meinen Kollegen, den verstorbenen John Costello. Aber mein eigener kleiner Handel durfte nicht sein

Professor Tarasov ist einer der Zeugen in diesem Verfahren, Herr Richter, und Euer Ehren werden die Dokumente untersuchen können, die er bei seiner Zeugenaussage vorweisen wird. Ich gestehe, daß ich bei sehr vielen keine Relevanz ersehen kann, aber zweifellos wird Herr Rampton diese Schwierigkeit zu gegebener Zeit beseitigen.

Die Moskauer Verhandlungen waren nicht leicht. Wir verhandelten mit Professor Tarasov wegen des Zuganges zu den Glasplatten. Die Verhandlungen wurden in meiner Gegenwart durch Herrn Peter Millar geführt, einem freiberuflichen Journalisten, der für die Sunday Times arbeitete und Russisch mit der zu empfehlenden Geläufigkeit sprach. Er wird auch in diesem Prozeß als Zeuge aussagen. Ich war mit meinen begrenzten Russischkenntnissen in der Lage, dem Kern des Gesprächs zu folgen, und ich konnte mich auch auf Deutsch einmischen, nachdem sich herausgestellt hatte, daß Professor Tarasov viele Jahre an der berühmten Humboldt-Universität im kommunistischen Ost-Berlin studiert und gelehrt hatte.

Wenn sie es nicht schon vorher gewußt hatten, war es jetzt beiden bewußt, Dr. Bondarew und Tarasov, daß diese Goebbels-Tagebücher kommerziellen und historischen Wert hatten. Die Verhandlungen währten länger, als ich erwartet hatte.

Ich legte Professor Tarasov Exemplare der sowjetischen Ausgaben meiner Bücher vor, die Jahre zuvor publiziert worden waren, und ich verehrte ihm, wie auch später dem Personal der Archive, Exemplare meiner eigenen Ausgabe der Biographie Hitlers's War.

Das belegte meine Qualifikationen zu ihrer Zufriedenheit, und Tarasov gab Anweisungen, daß wir zur gesamten Sammlung der „Dr. Goebbels-Tagebücher" Zugang erhalten sollten.

Als ich diese Glasplatten endlich sah, wurde für mich ganz offensichtlich, daß die Tagebücher kaum jemals untersucht worden sind. Es schien mir, z.B. wegen Glassplitter, die noch zwischen den fotografischen Platten festhingen, daß die Platten fast fünfzig Jahre lang kaum angerührt worden waren. Die Kästen waren die Originalverpackung, das braune Papier, das an manchen Stellen außen herum war, war noch das originale Packpapier. Die Platten waren völlig durcheinander und es war nicht versucht worden, sie zu ordnen. Ich habe weder ein sowjetisches noch ein sonstiges Geschichtswerk gesehen, das daraus zitiert hat, bevor ich sie erlangt habe.

Wie aufgeregt ich als Historiker war, der solches Originalmaterial in die Hand bekam, kann man sich leicht vorstellen.

Es gibt jetzt einen Streit darüber, welcher Art die russische Erlaubnis war, und diese in Frage gestellte Übereinkunft ist einer der Punkte, auf die sich die Beklagten in diesem Prozeß berufen.

Es ist für mich schwierig, sieben Jahre später genau zu rekonstruieren, ob es überhaupt irgend eine verbale Vereinbarung gab, die über ein Nicken und einen Wink hinausging, oder wie die Bedingungen waren, oder wie starr die Regelung, die wir erreicht hatten, gewesen war. Es gibt keine Bezugnahme auf eine solche Vereinbarung in meinem damaligen Tagebuch. Gewiß brachten die Russen nichts über eine solche Vereinbarung zu Papier. Professor Tarasovs Wort war Befehl, und er hatte einfach in unserer Gegenwart den Telefonhörer genommen und dieses Wort zu Bondarew gesagt.

Meine eigene Auffassung damals war, daß die Vereinbarung sehr dehnbar war; im Geist von Glasnost und Perestroika und der außerordentlichen Zusammenarbeit zwischen West und Ost freuten sich die Russen sehr und sie waren sogar stolz darauf, uns helfen zu können; sie waren eifrig, uns Zugang zu den Platten zu verschaffen, die sie bis dahin für wenig wertvoll angesehen hatten. Tarasov erwähnte, daß auch die deutsche Regierung an den Platten interessiert war, und daß sie in Kürze kommen würden, um Verhandlungen darüber zu führen.

Ich erinnere mich klar, und ich meine, daß auch mein an diesem Tag gemachter Tagebucheintrag das zeigt, daß Tarasov zögerte, ob er uns Zugang erlauben sollte, ohne zuerst die deutschen Behörden zu Rate zu ziehen; ich war ziemlich frech und erinnerte Dr. Tarasov daran, welche Seite den Krieg gewonnen habe, und äußerte Verwunderung, daß die Russen nun beabsichtigten, den besiegten Feind um Erlaubnis zu bitten, ob sie einem Dritten Aufzeichnungen zeigen dürften, die sich in ihren eigenen Archiven befanden, und dieses unfeine Argument scheint ihn dahin gebracht zu haben, daß er uns ohne weitere Bedenken vollständigen Zugang gewährte. Es gab keine unterschriebene Vereinbarung, weder zwischen den russischen Behörden und uns, noch zu dieser Zeit zwischen den Russen und den deutschen Behörden.

Ich möchte hier hinzufügen, daß mir niemals eine Vereinbarung zwischen den Russen und den deutschen Behörden gezeigt worden ist, noch sind mir Einzelheiten davon genannt worden; auch wären diese natürlich für mich in keiner Weise bindend gewesen.

Wir kamen am folgenden Morgen zu den Archiven zurück, Herr Millar und ich, um die Auswertung der Tagebücher zu beginnen.

Millar ging seinen eigenen Vorhaben nach. Ich hatte eine deutsche Assistentin als Schreiberin mitgebracht. Ihr Tagebuch ist auch in meinem Fundus, und ich gebe zu, daß ich noch nicht die Zeit gefunden habe, es zu lesen (ich habe eine merkwürdige Abneigung gegen das Lesen von Tagebüchern anderer Leute). Ich muß zugeben, daß ich ziemlich perplex war wegen der chaotischen Zustände, die ich dort in den russischen Archiven vorfand. Es gab keinerlei technische Hilfsmittel zum Lesen der Tagebücher, die die Nazis auf die Größe einer kleinen Briefmarke auf die Glasplatten verkleinert hatten.

Glücklicherweise hatte mich Dr. Fröhlich diesbezüglich vorgewarnt, und ich hatte beim Warenhaus Selfridges ein 12faches Vergrößerungsglas gekauft, ein kleines Ding etwa von der Größe eines Nagelschneiders, mit dem ich, wenn ich ganz angestrengt schaute, die Handschrift entziffern konnte. Für jemanden, der gewohnt war, in westlichen Archiven zu arbeiten - mit deren strengen Bedingungen bezüglich der Behandlung von Dokumenten und Sauberkeit und Sicherheit - war der Anblick von Papierhaufen, die auf Regalen und Tischen und Stühlen herumlagen, noch alarmierender. Einmal brachte der Archivar Rotwein-Flaschen, Laibe mit Brot und Käse herein, die zwischen den unersetzlichen Papieren auf dem Tisch vor uns ausgebreitet wurden, um das Wochenende zu feiern. Das wäre in jeglichem westlichen Archiv undenkbar gewesen.

Meine deutsche Assistentin hatte schon früher mit mir in den US National Archives gearbeitet. Wir verbrachten den ersten Tag damit, zu katalogisieren und all die Kästen mit Glasplatten durchzusieben und zu identifizieren, welche Platte welche war, um die Platten, die auf meinem „Wunschzettel" standen, zu kennzeichnen.

Sehr schnell kamen wir an Glasplatten, die von höchster historischer Bedeutung sind, Teile von Tagebüchern, von denen ich wußte, daß sie nie zuvor von jemand anderem gesehen worden sind. Ich war besonders interessiert an der Kristallnacht, November 1938, und der Nacht der langen Messer, Juni 1934. Ich fand auch die Glasplatten mit den fehlenden Monaten, die dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 vorangingen, einschließlich diesem selbst, Tagebucheinträge, deren historische Bedeutung hier nicht betont werden muß.

Angesichts der chaotischen Verhältnisse in den Archiven traf ich die Entscheidung, eine der Platten über Nacht auszuleihen und sie am nächsten Tag zurückzubringen, damit wir ihren Inhalt fotografieren konnten. Ich werde die Angemessenheit dieser Maßnahme später erörtern. Ich nahm diese Platte mit, ihr Inhalt wurde in dieser Nacht von einem durch die Sunday Times engagierten Fotografen mit Namen Sascha abgelichtet, und die Glasplatte wurde am nächsten Morgen in ihren Kasten zurückgelegt, ohne Verlust oder Schaden.

Der Herausgeber der Sunday Times, Andrew Neil, war zufällig zu dieser Zeit in Moskau und ich zeigte ihm eine der Glasplatten in seinem Hotel, dem Metropol. Er sagte:

Siegreich Pseudohistorikerin: Deborah E. Lipstadt, jüdische Religionswissenschaftlerin

»Wir brauchen wirklich etwas Spektakuläres nach dem Andrew-Morton-Buch über Prinzessin Diana, und das hier ist es!«

Am nächsten Tag genehmigte Dr. Bondarew auch formell, daß wir zwei weitere Platten ausliehen, deshalb war es für mich klar, daß niemand durch meine vorherige Aktion verletzt worden wäre.

Ich kehrte nach London zurück, und während der nächsten Tage wurde ein formeller Vertrag zwischen mir und der Sunday Times aufgesetzt, demzufolge die Zeitung mir £75.000 netto zahlen sollte, damit ich die Tagebücher beschaffte, sie transkribierte und drei Kapitel über das Allerwesentlichste der Tagebücher schrieb.

Der Vertrag mit der Sunday Times enthielt die üblichen Geheimhaltungs-Klauseln, niemand sollte von der Art des Vertrags, seinem Inhalt, dem Preis oder der Existenz des Tagebuches erfahren.

Aus Gründen, die ich nicht kenne, verbreitete die Sunday Times, als sie unter äußersten Druck seitens internationaler und britischer Judenorganisationen kam, daß ich nur engagiert worden sei, um die Tagebücher zu transkribieren - mit der Implikation, daß sie sie auf ihre eigene Initiative hin erlangt hätten. Ich war aber nicht nur eine engagierte Hilfskraft: das war mein Projekt, das ich ihnen angetragen habe und das sie kauften, wie die Dokumente vor diesem Gericht ganz deutlich machen.

Man könnte £75.000 als einen recht beträchtlichen Lohn für eine Arbeit von zwei Wochen ansehen; aber meine Erwiderung hierzu wäre, das dies für die Arbeit von dreißig Jahren plus zwei Wochen war; wir werden für unsere beruflichen Fertigkeiten und Fachwissen und Erfahrung und Reputation bezahlt. Kurzgesagt für unsere Spürnase.

Ich kehrte nach London zurück mit Vorbereitungen für einen erneuten Besuch in Moskau in zwei oder drei Wochen.

Das Gericht wird feststellen, daß ich mir etwas herausgenommen habe, was ich glaube in juristischer Sprache als stillschweigendes Einvernehmen bekannt ist, daß ich zwei Glasplatten von den Moskauer Archiven mit mir nahm zur Sunday Times in London - indem ich sie informell, in der gleichen Art wie früher, auslieh, nämlich diese enorm wichtigen Aufzeichnungen, die die „Nacht der langen Messer" der Nazis 1934 beschrieben.

Die Gründe, warum ich das getan habe, habe ich schon früher angedeutet - die Angst, daß sie entweder im Magen der deutschen Regierung verschwinden würden, oder von den früheren Sowjet-Archiven wieder versiegelt würden, oder an einen namenlosen amerikanischen Trophäenjäger verkauft würden, und dann nie wieder ans Licht des Tages kämen.

Ich nahm diese zwei ausgeliehenen Platten geradewegs mit nach München zum Institut für Zeitgeschichte, wo es, wie ich wußte, einen Mikrofiche-Drucker und eine Lesegerät gab; zusammen mit Dr. Zirngiebel vom Institut, der dessen Experte für die Archive war, setzten wir die für die jeweilige Vergrößerung passende Linse in den Mikrofich-Drucker und ich druckte von den etwa hundert Dokumenten auf diesen zwei Mikrofichs jeweils zwei Kopien aus.

Das geschah nicht im Geheimen. Ich schickte sofort zwei dieser Seiten nach oben zu den eigenen Experten des Instituts für Zeitgeschichte, und zwei weitere an die deutschen Bundesarchive mit der schriftlichen Bitte, diese Seiten ganz formell als in der Handschrift von Dr. Joseph Goebbels zu identifizieren. Das war ein notwendiger Bestandteil des Vertrags mit der Sunday Times, die nicht weniger vorsichtig sein wollte als ich.

Der andere Hauptgrund, warum ich diese zwei Glasplatten vorübergehend von den russischen Archiven ausgeliehen hatte, war, um sie zur Feststellung ihrer Echtheit nach London zu forensischen Experten zu bringen; so, wie andere die „Tagebücher Adolf Hitlers" und ich die Canaris-Tagebücher geprüft hatten, wollte die Sunday Times ganz richtig den endgültigen Beweis, daß die Glasplatten in der Zeit des Krieges hergestellt worden sind, nämlich, daß das Glas aus der Kriegszeit stammte und daß die fotografische Emulsion aus Kriegszeit-Chemikalien bestand.

Das Gericht mag sich über diese Vorsichtsmaßnahmen wundern, die wir als Nichtfachleute vornahmen; aber für mich und die Verantwortlichen der Sunday Times war das ganz normal. Schließlich ging es nicht nur um eine große Summe Geldes, sondern auch um meine Reputation und die einer großen internationalen Zeitungsgruppe. Wir wollten absolut sicher sein.

Bei meiner Rückkehr im Juni 1992 von Moskau und München nach London wurden deshalb die zwei Glasplatten ihren eigenen Weg geschickt, dick verpackt und geschützt; die eine zu einem Agfa-Fotolabor, das das Alter der Emulsion auf eine nicht beschädigende Art prüfte und die andere zu den Glaswerken von Pilkington, deren Laborspezialisten ähnliche Prüfungen bezüglich des Alters des Glases durchführten. Ihre Berichte sind Teil meines Fundus, und sie bestätigen, daß die Tests den Umständen Rechnung trugen.

Herr Richter, wenn ich kurz mit ein paar Absätzen vorwegnehmen darf, was mit diesen zwei Glasplatten geschah: Ich kehrte Ende Juni nach Moskau zurück und die Glasplatten wurden, sobald die Prüfungen daran abgeschlossen waren, persönlich durch einen Kurier der Sunday Times nach Moskau hinaus gebracht und mir ausgehändigt, der ich außerhalb des Archiv-Gebäudes stand, wie mein Tagebuch berichtet. Und innerhalb von drei Minuten hatte ich sie in das Archiv-Gebäude zurückgebracht und in den Kasten zurückgelegt, in dem sie die letzten siebenundvierzig Jahre gewesen waren.

Was folgte, ist nicht direkt für die Glasplatten von Bedeutung, aber es hat Relevanz für dieses Verfahren und wird wegen der Chronologie am besten hier eingefügt. Als ich mit den restlichen Tagebüchern, die die Sunday Times angefordert hatte, nach London zurückkehrte, hatte sich eine peinliche Situation entwickelt. Ein gewitzter Reporter des Independent, ein Herr Peter Pringle, der, während ich die Archive benutzte, in Moskau stationiert gewesen war, hatte unser Geheimnis preisgegeben. Auch er hat eine Zeugenerklärung unterbreitet, für die hiesigen Beklagten. Er schlich mir in die Archive nach, trat mir gegenüber und erfuhr von Dr. Bondarew über meine Arbeit über die Goebbels-Tagebücher.

Die Alleinmeldung, die der Independent daraus machte, säte Streit in der Pressewelt, und bevor ich am 4. Juli 1992 nach London zurückkehrte, fielen die gesamte Fleet-Street und die Rundfunk-Medien übereinander her, um Geschichten über die Tagebücher und meine eigene Beteiligung daran zu drucken. Um den Namen der Sunday Times und den ihres unbeliebten Herausgebers anzuschwärzen, wurde mir jeder nur mögliche Beiname gegeben. Dies ist meiner Auffassung nach von Bedeutung für diesen Prozeß, weil die gleichen Organisationen, die alles Erdenkliche getan hatten, um die Beklagten mit dem Material zu versehen, das sie brauchten, um meinen Namen in dem Buch Leugnen des Holocaust anzuschwärzen, nun starken Druck auf Andrew Neil und die Times Newspapers Ltd ausübten, damit diese ihren Vertrag mit mir verletzten und mir nichts von dem Geld bezahlten, das mir gemäß dem Vertrag zustand.

Unter diesem Druck, den mir Herr Neil damals als das schlimmste, das er je in seinem Leben erfahren hat, beschrieb, betrog mich die Sunday Times (nachdem sie mir tatsächlich die erste Rate gezahlt hatte), um den Rest der Zahlung.

Ich war gezwungen, sie in diesem Gericht wegen Vertragsbruch zu verklagen. Die schließlich aus dieser Vertragsverletzung entstandenen finanziellen Folgen, in runden Zahlen etwa £65.000, waren für mich sehr schwerwiegend.

Als ich alle die Zeitungsausschnitte durchsah und alle die Erklärungen las, die von den verschiedenen Organisationen, Körperschaften, Kampagnen, Agenturen und Gruppen abgegeben worden waren, um meinen Namen anzuschwärzen, sowohl während meiner Abwesenheit in Moskau und bei meiner Rückkehr, da konnte ich nur sagen: „die Bande ist schon da".

Die gleiche Bande, die ich locker als die traditionellen Feinde der Redefreiheit bezeichne, war in den folgenden Tagen hinter den metallenen Polizeibarrikaden zu sehen, die außerhalb meines Apartments aufgestellt worden waren und schrie mir und anderen Mietern in unserem Haus Beschimpfungen zu, bespuckte und belästigte Passanten, und hielt beleidigende Plakate und Parolen hoch, einschließlich einem, auf dem ganz geschmacklos zu lesen war: »Vergast Irving« - man kann es auf den Zeitungsfotos sehen. Aus den Fotografien dieser Demonstration geht hervor, daß Vertreter jeglicher ethnischer und anderer Minderheiten anwesend waren. Es war eine höchst empörende Erfahrung.

Bei meinem zweiten Besuch in Moskau, wie Euer Ehren aus den entsprechenden Passagen meines Tagebuches ersehen können, fand ich eine kühlere Atmosphäre vor. Die Kisten, die mir bei meiner vorigen Reise so bereitwillig zur Verfügung gestellt worden waren, „fehlten" angeblich und wurden nicht gefunden. Drei oder vier Tage lang war es mir nicht möglich, irgend etwas zu tun, und dann wurde eine Kiste freigegeben, über die ich mich schnell stürzte.

Am vorletzten Tag wurde es klar, daß ich die Schwierigkeiten, die die Russen jetzt machten, neidischen und mißgünstigen Rivalen in München zu verdanken hatte. Dr. Bondarews Sektretärin kam in den Lesesaal und sagte, es gäbe Anschuldigungen, daß ich die Glasplatten „gestohlen" hätte. Ich versicherte ihr, daß ich zwar einige ausgeliehen hatte, daß aber jede Glasplatte, die in meinem Gewahrsam gewesen war, in diesem Augenblick wieder in den Archiven war und daß nichts fehlte - was der Wahrheit entsprach. Ich schrieb auch freiwillig eine Erklärung, die Dr. Bondarew ausgehändigt wurde.

Euer Ehren werden feststellen, daß sich dieses Dokument, sowohl auf Russisch wie auf Englisch, in meiner Handschrift, sowohl in meinem wie auch in dem Fundus der Beklagten als Beilage zum Bericht von Professor Tarasov befindet. Professor Tarasow wird vor Euer Ehren aussagen, und ich werde ihn mit besonderem Vergnügen verhören.

Dr. Bondarews Sekretärin kam ein paar Minuten später zurück und sagte, daß dies genau das war, was sie brauchten. Sie gewährte mir jetzt die Information: »Die Information kam aus München«. Euer Ehren werden aus der „Information", die aus München kam, die in dem Fundus der Beklagten enthalten ist, ersehen, daß das Institut für Zeitgeschichte einen besonders haßerfüllten Brief über mich nach Moskau gefaxt hat, um zu versuchen, meine Beziehung mit den Russen zu zerstören.

Ich hatte jedoch bereits alle die Dokumente, die auf meiner Einkaufsliste gewesen waren. Ich hatte mehrere hundert Seiten der wichtigsten Goebbelsschen Tagebucheinträge, die seit dem Ende des Krieges vermißt worden waren, entweder in Normalschrift oder durch Diktat auf einem Diktiergerät, oder getippt auf meiner tragbaren Schreibmaschine, oder einige Seiten vom November 1938 als Fotokopien, oder als fotografische Abzüge die von den Glas-Mikrofiches erlangt waren, und ich sehe keinen Grund, nicht stolz auf diese Leistung zu sein.

Es ist aufschlußreich für den allgemeinen Versuch, meinen Namen anzuschwärzen und mich zum Schweigen zu bringen, daß, als ich am Abend des 4. Juli 1992 auf einer von meinem privaten „Unterstützer-Club", dem Clarendon Club, organisierten Veranstaltung sprach, der Saal in der Great Portland Straße gewalttätigen Demonstrationen ausgesetzt war, die eine große Polizeipräsenz erforderten, um meine Zuhörerschaft zu beschützen. Das wird eine der Fotografien in dem Stoß sein, den ich in Kürze Euer Ehren vorlegen werde.

Als ich später in diesem Jahr zu einer weiteren Versammlung in einem Hotel in West End sprach, gab es sogar noch gewalttätigere Demonstrationen.

Solche Demonstrationen erfolgen nicht spontan. Jemand muß die Druckkosten und die Flugblätter und die gemieteten Busse bezahlen. Ich darf erwähnen, daß ich an einem der folgenden Tage, als ich einen Sonntag in einem öffentlichen Restaurant in Mayfair verbrachte, von drei Männern gewalttätig angegriffen wurde, die sich mir als Juden zu erkennen gaben: sie hatten mir aufgelauert.

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B-2600 Berchem 1,
Belgien

Ich erfuhr erst kürzlich, daß an dem Montagmorgen nach meiner Rückkehr aus Moskau, dem 6. Juli, meine langjährigen Verleger, Macmillan Ltd, in Panik gerieten, nachdem sie das Geschrei sahen und unter Druck von ungenannten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde kamen. Sie gaben heimliche Anweisungen, den ganzen Bestand meiner Bücher zu vernichten, ohne mich jemals darüber zu informieren.

Diese besonders anstößige Handlungsweise eines Verlegers, der an die Nazis 1933 erinnert, hat mich natürlich viele Zehntausende an Verfasserhonoraren gekostet. Zur gleichen Zeit, als sie diesen geheimen Beschluß, alle meine Bücher zu zerstören, faßten, was sie selbst hunderttausende Pfund kostete, schrieb mir mein Herausgeber bei Macmillan immer noch salbungsvolle Dankbriefe, und bekundete, daß er daran interessiert war, meine Goebbels-Biographie rasch auszuliefern.

Es war insgesamt eine sehr unerfreuliche Zeit.

Euer Ehren, ich möchte ein weiteres kurzes Beispiel dafür anführen, wie sehr sich meine Haltung zu solchen Dokumenten wie die Goebbels-Tagebücher von der Haltung meiner Rivalen und der „Gelehrten" unterscheidet.

Dr. Ralf Günther Reuth trat an mich heran und sagte, daß er für den Piper-Verlag in Deutschland eine 5-bändige gekürzte Ausgabe der anderen Goebbels-Tagebücher vorbereite und nichts für 1938 habe, und daß es bei anderen Jahren auch große Lücken gäbe.

Ich war so dumm, ihm Fotokopien der wichtigsten Passagen zuzugestehen, die bis zu diesem Augenblick ausschließlich mir und meiner noch unveröffentlichten Goebbels-Biographie vorbehalten gewesen waren. Der Dank, den ich für diese großzügige Tat erhielt, war wirklich armselig.

Ich versah das deutsche Bundesarchiv mit Kopien der gesamten Goebbels-Tagebuch-Auszüge, die ich am 1. Juli 1993 aus Moskau zurückgebracht hatte. Zehn Minuten später informierte mich der Direktor des Archivs ganz verlegen, daß ich auf Anweisung des Innenministers dauernd und für immer von gerade diesem Archiv verbannt wurde, was meines Wissens das einzige Mal ist, daß jemals eine solche Sanktion gegen einen Historiker verhängt worden ist. Er erklärte, daß dies »im Interesse des deutschen Volkes« erfolgte.

Ich erwähne diese Tatsachen, Euer Ehren, um zu zeigen, daß meine Karriere nicht einfach durch eine einzelne Aktion zerstört wurde, sondern durch einen kumulativen, sich ständig erneuernden, rollenden Angriff von jeder Seite - der von den gleichen Leuten in Gang gesetzt worden ist, die das Buch propagiert haben, das Gegenstand dieses Prozesses ist.

Anmerkungen

[1]Board of Deputies of British Jews, englischer Judenrat.
[2]Wortlaut meiner Ansprache vom 21.4.1990: »So wie die Gaskammer in Dachau in den ersten Nachkriegsjahren eine Attrappe war, so sind die Gaskammeranlagen, die man jetzt als Tourist in Auschwitz sehen kann, von den Polen nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden. Die Beweise liegen vor, die Anlagen sind chemikalisch untersucht worden, die Dokumente haben wir jetzt in der ganzen Welt veröffentlicht - ich kann Ihnen sagen, meine Damen und Herren: Das wirbelt einen Staub auf, da wird unseren Feinden das Hören und Sehen vergehen. Denn die deutschen Steuerzahler haben ja eine runde 16 Milliarden Deutsch Mark als Strafe für Auschwitz zahlen müssen...für eine Attrappe...«
[3]Quelle: CSDIC Bericht GRGG.294, Gespräch am 2.-5.5.1945 (PRO: WO.208/4177). Bis zu seiner Entlassung im Januar 1945 war Generalmajor Bruns bei der Heereswaffenmeisterschule I, Berlin.
[4]OKW-Prozess (Fall XII), 18. Februar 1948, S. 841ff.
[5]Vgl. dazu Irvings Bericht in VffG 1(1) (1997), S. 25-30.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(1) (2000), S. 5-22.


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