Bücherschau

Ein jüdischer Prophet über die Gründe des Antisemititsmus

Von Harm Menkens

Israel Shahak, Jüdische Geschichte, jüdische Religion. Der Einfluß von 3.000 Jahren, Lühe-Verlag, Süderbrarup 1998, 232 Seiten, DM 36,-, ISBN 3-926328-25-8

Als im Herbst 1995 ein jüdischer Religionsfanatiker den israelischen Ministerpräsidenten Yitzak Rabin erschoß, weil dieser angeblich durch seine nachgiebige Politik den Palästinensern gegenüber die Existenz des jüdischen Volkes nicht hinreichend sichere, erfuhr die breite Masse des deutschen Volkes erstmalig, daß Israel mit seinen religiösen - rechtsextrem genannten - Fanatikern ein erhebliches innenpolitisches Problem hat.

Im Lühe-Verlag ist gerade zu diesem Aspekt des jüdischen Extremismus ein sehr interessantes Buch des israelischen Wissenschaftlers Dr. Israel Shahak erschienen. Der emeritierte Professor für organische Chemie an der Hebräischen Universität in Jerusalem ist gegenwärtig eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten des Nahen Ostens. Shahak wurde 1933 in Warschau geboren, überlebte den Zweiten Weltkrieg im Konzentrationslager Bergen-Belsen und kam im Jahre 1945 nach Palästina. Wie alle jungen Israelis jener Zeit diente er in der Armee und absolvierte viele Jahre im Sommer die im israelischen Gesetz vorgeschriebenen Reserveübungen.

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Aber im Jahre 1956 trat eine frühe politische Wandlung bei Shahak ein: Aus einem Bewunderer Ben-Gurions wurde er zu seinem schärfsten Gegner. Diese Veränderung begann während des Suezkrieges mit einer Kernfrage zu dem, was Shahak in seinem Buch die »jüdische Ideologie« nennt, als Ben-Gurion am dritten Tage des Krieges in der Knesset erklärte, daß der wirkliche Grund für den Krieg »die Wiederherstellung des Königreichs Davids und Salomons« in seinen biblischen Grenzen sei. Wo die biblischen Grenzen Israels angeblich liegen sollen, beschreibt Shahak in seinem Buch ausführlich auf den Seiten 34f.:

»einer Anzahl sich widersprechender Versionen von den biblischen Grenzen des Landes Israel« schließt »die weitestreichende Version unter ihnen [...] die folgenden Gebiete innerhalb dieser Grenzen ein: im Süden den gesamten Sinai und einen Teil des nördlichen Ägyptens bis zur Umgebung von Kairo; im Osten ganz Jordanien und ein großes Stück von Saudi-Arabien, ganz Kuwait und ein Teil von Irak südlich des Euphrat; im Norden den gesamten Libanon und ganz Syrien zusammen mit einem sehr großen Teil der Türkei (bis zum Van-See); und im Westen Zypern.«

Die eigentlichen politischen Aktivitäten Prof. Dr. Israel Shahaks begannen dann in den Jahren 1965-1966 mit einem Protest: Er war selbst Augenzeuge, wie ein ultrareligiöser Jude die Erlaubnis verweigerte, sein Telefon am Sabbat zu benutzen, um einen Rettungswagen für einen Nichtjuden herbeizurufen, der zufällig in seiner Jerusalemer Nachbarschaft zusammengebrochen war. Shahak frug daraufhin die Mitglieder des Rabbinischen Gerichts von Jerusalem, ob ein solches Verhalten mit der Interpretation der jüdischen Religion vereinbar sei. Diese antworteten ihm, daß sich der betreffende Jude richtig, ja sogar fromm verhalten hätte. Prof. Shahak berichtete diesen Vorfall der wichtigsten israelischen Tageszeitung Ha'aretz, die mit der Veröffentlichung der Geschichte einen Medienskandal auslöste, der für Shahak ziemlich negative Folgen hatte (S. 21f.).

Seit dieser Zeit widmete sich Prof. Shahak neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Universität Jerusalem intensiv dem Studium des Talmuds, des talmudischen Schrifttums und der Gelehrtenäußerungen zu diesem Schrifttum. Das Ergebnis dieser Privatforschungen ist das erstmals 1994 und in zweiter Auflage im Jahre 1997 in englischer Sprache erschienene Buch Jewish History, Jewish Relegion - The Weight of 3000 Years mit Vorworten von Gore Vidal und Edward Said.

Nunmehr liegt auch eine deutschsprachige, von Prof. Dr. Israel Shahak selbst autorisierte Ausgabe dieses höchst wichtigen Buches vor.

Prof. Shahak setzt sich mit der Geschichte des Judentums sowie Aspekten der jüdischen Religion und der israelischen Politik auseinander und deren Auswirkungen auf Nichtjuden in Israel und in den Nachbarstaaten, aber auch z.B. auf die Administration der US-Regierung und europäischer Staaten.

Das sehr sorgfältig recherchierte Buch enthält neben den Vorworten die folgenden Kapitel:

  1. Israel - ein Utopia für Auserwählte?
  2. Vorurteile und Halbwahrheiten,
  3. Orthodoxie und Auslegung,
  4. Der Einfluß der Geschichte
  5. Die Gesetze gegen Nichtjuden
  6. Politische Konsequenzen;

Anmerkungen und Referenzen sowie ein Stichwortverzeichnis (19 Seiten).

Im ersten Kapitel beschreibt Shahak den Charakter Israels als »jüdischer Staat«, die alle Nichtjuden ausgrenzende Ideologie vom »erretteten Land« und die Expansionspolitik des jüdischen Staates. Am Ende dieses Kapitels kommt Shahak zu der Feststellung:

»Es gibt zwei Möglichkeiten, der die israelisch-jüdische Gesellschaft gegenübersteht: Sie kann ein vollkommen geschlossenes und kriegerisches Ghetto werden, ein jüdisches Sparta, gestützt auf die Arbeitskraft arabischer Heloten, am Leben erhalten durch ihren Einfluß auf das politische Establishment der USA und durch Drohungen, ihre Atommacht einzusetzen. Oder sie kann versuchen, eine offene Gesellschaft zu werden. Die zweite Möglichkeit ist von einer ehrlichen Aufarbeitung ihrer jüdischen Vergangenheit abhängig...« (S. 41)

»[Shahak ist] ein vortrefflicher Gelehrter und Israels vorderster Verteidiger der Menschenrechte [...dies ist] eine erbarmungslose, scharfsinnige Untersuchung der jüdischen Religion und Geschichte.«

Ian Gilmour, London Review of Books

Im zweiten Kapitel »Vorurteile und Halbwahrheiten« befaßt sich Shahak ausführlich mit der Täuschung der Nichtjuden über die Inhalte der jüdischen Religionsvorstellungen und orthodoxer Bestrebungen, mit deren verlogenen Verteidigungsmechanismen, und wie diese Täuschungen noch heute fortgesetzt werden.

Im dritten Kapitel schildert Shahak, wie das Alte Testament von jüdischer Seite völlig anders ausgelegt und aufgefaßt wird als die Christen es sich vorstellen, erläutert ausführlich die Bestandteile des Talmuds und ihre Bedeutung für das Judentum sowie die vielen paradoxen »Dispensationen« (Ausnahmegenehmigungen), mit denen man die von JHWH (Jahweh) gegebenen Religionsgesetze in betrügerischer Weise umgeht, sowie die sozialen Aspekte dieser »Dispensationen«.

»Er ist einer der letzten Propheten, wenn nicht sogar der letzte der großen Propheten.«

Gore Vidal

Im vierten Kapitel »Der Einfluß der Geschichte« erklärt Shahak die Hauptmerkmale des „klassischen Judentums" und seine geschichtliche Entwicklung in den verschiedenen mittelalterlichen Ländern, insbesondere in der moslemischen und der christlichen Welt. Sehr ausführlich wird das sogenannte „klassische Judentum" in Spanien und Polen behandelt und die stattgefundenen anti-jüdischen Verfolgungen analysiert. Schließlich beschreibt Shahak die Entwicklung des modernen Antisemitismus und zeigt die daraufhin erfolgte zionistische Antwort. Deutlich wird von Shahak der Unterschied herausgearbeitet zwischen den früheren Aufständen der Bauern und Leibeigenen - der Ärmsten der Armen - gegen ihre Unterdrücker und jüdischen Vollstrecker (Rebellionen von unten) und der staatlich von oben verordneten Judenverfolgung während der nationalsozialistischen Herrschaft.

In seiner Schlußfolgerung fordert Shahak auch die Juden auf, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Er schreibt:

»Der Grundsatz, daß diejenigen, die aus der Geschichte nichts lernen, dazu verdammt sind, sie zu wiederholen, trifft auf jene Juden zu, die sich weigern, mit der jüdischen Vergangenheit ins Reine zu kommen: Sie sind Sklaven ihrer Geschichte geworden und wiederholen sie in der zionistischen und israelischen Politik. Der Staat Israel erfüllt gegenwärtig eine Funktion gegenüber den unterdrückten Bauern vieler Länder - nicht nur im Nahen Osten, sondern weit darüber hinaus -, die derjenigen der Juden vor 1795 in Polen nicht unähnlich ist: nämlich jene des Verwalters für den imperialistischen Unterdrücker.« (S. 136f.)

Im fünften Kapitel »Die Gesetze gegen Nichtjuden« beschreibt Shahak die in der Halacha (Gesetzesteil des Talmuds) und in den Kommentaren zum Talmud enthaltenen jüdischen Gesetze in bezug auf Mord und Völkermord an Nichtjuden und über die Rettung des Lebens von Nichtjuden. Das Leben eines Nichtjuden darf grundsätzlich, bis auf bestimme Ausnahmefälle, nicht gerettet werden. Die Erlaubnis für das Töten von Nichtjuden ist in den jüdischen Religionsgesetzen davon abhängig, ob sich die Juden mit nichtjüdischen Völkern im Kriege befinden oder nicht. Im ersteren Falle müssen sogar Zivilisten getötet werden (S. 140-146). Auch darf ein jüdischer Arzt einen nichtjüdischen Patienten nicht behandeln oder heilen. Eine Ausnahme ist jedoch zugelassen, wenn durch dieses anti-nichtjüdische Verhalten die Feindseligkeit der Nichtjuden befürchtet den muß.

»Und es ist erlaubt, ein Heilmittel an einem Heiden zu erproben, wenn dies einem Zweck dient.« (S. 148)

Unter einem zusammengestürzten Haus begrabene oder in Seenot befindliche Nichtjuden dürfen an einem Sabbat grundsätzlich nicht gerettet werden. Eine Ausnahme ist nur dann erlaubt, wenn eine ausreichend große Wahrscheinlichkeit besteht, daß sich unter den Verschütteten oder Schiffsbrüchigen auch Juden befinden.

Die Halacha sieht es als Tatsache an, daß alle Nichtjuden häufig den Geschlechtspartner wechseln. Ob nichtjüdische Frauen verheiratet sind, spielt aus jüdischer Sicht keine Rolle.

»Daher ist auch der Begriff des Ehebruchs nicht auf den Verkehr zwischen einem jüdischen Mann und einer nichtjüdischen Frau anwendbar; der Talmud setzt einen solchen Verkehr vielmehr mit der Sünde der Sodomie gleich.« (S. 160)

»[...] und von allen nichtjüdischen Frauen wird als gegeben vorausgesetzt, daß sie Huren sind. [...]

»Entsprechend der Halacha dürfen Juden nicht [...] zulassen, daß ein Nichtjude in irgendeine noch so geringe Stellung mit rechtmäßiger Macht über Juden ernannt wird. [...]

»[Da] bei Nichtjuden [...] als gegeben vorausgesetzt [wird], daß sie geborene Lügner seien, [...] sind [sie...] von einer Zeugenschaft vor einem rabbinischen Gericht ausgeschlossen.« « (S. 161)

»Der Talmud verbietet unverblümt, einem Nichtjuden ein Geschenk zu machen.« (S. 162)

Fundsachen eines jüdischen Eigentümers sind unbedingt zurückzugeben; diese ausdrücklichen Anstrengungen müssen nicht gemacht werden, wenn unwahrscheinlich ist, daß der Eigentümer jüdisch ist (S. 163). Auch in bezug auf Zinsnahme (S. 163) oder Täuschung im Geschäftsleben (S. 164) setzt der Talmud gegenüber Juden und Nichtjuden unterschiedliche Maßstäbe.

Achtung

Obwohl er nicht das Copyright für die deutsche Übersetzung besaß, veröffentlichte der inzwischen verstorbene Thies Christophersen von Spanien aus 1998 dieses Buch unter dem Titel: Der Juden Götterglaube und Geschichte - Die Bürde von 3000 Jahren. Der kurzzeitig von Gerd Honsik organisierte Vertrieb wurde nach Intervention von Pluto Press, England, umgehend eingestellt. Diese Übersetzung ist leider mit vielen Mängeln behaftet. Zudem fehlt das Vorwort zur 2. Auflage und ein Stichwortverzeichnis.

Bezüglich Nichtjuden gibt es in Israel Sondergesetze, die teilweise auch für die Nachbarländer gelten: Die Halacha verbietet Juden, »Felder und Häuser im Lande Israel an Nichtjuden zu verkaufen. In Syrien ist der Verkauf von Häusern (aber nicht von Feldern) gestattet.« (S. 166)

In weiteren Abschnitten schreibt Shahak über »Haß und Verachtung gegenüber Nichtjuden« (S. 169) und über »die Einstellung [des Judentums] gegenüber Christentum und Islam« (S. 177). Es ist völlig unmöglich, in dieser Buchbesprechung alle Aspekte von Shahaks Ausführungen vorzustellen. Es kann nur jedem Interessierten empfohlen werden, sich ein eigenes Urteil über dieses Buch zu bilden. Obwohl wissenschaftlicher Natur, sind die einzelnen Kapitel spannend wie ein Kriminalroman geschrieben.

Im letzten, dem sechsten Kapitel »Politische Konsequenzen« zeigt Shahak die Auswirkungen der »fortbestehenden Verhaltensweisen des klassischen Judentums«. Insbesondere müssen »diejenigen kritischen Untersuchungen des israelischen politischen Handelns falsch sein«, so Shahak, »die nicht die Bedeutung seines einzigartigen Charakters als „jüdischer Staat" hervorheben.« Diese Politik soll. auch einen bedeutenden Teil der Diaspora-Juden beeinflussen, so daß dieses Buch entsprechend dem Wunsche Shahaks besonders außerhalb Israels gelesen werden sollte.

Aus dem Vorwort zur deutschen Ausgabe des Buches:

»Shahak rügt die weltweit - nicht nur in Israel - zunehmende Tendenz innerhalb der Judenheit, die Verhaltensweisen des „klassischen Judentums" wieder stärker und in weitreichenden jüdischen Kreisen mit der damit verbundenen Konsequenz des Ausgrenzens zu beleben.

Diese Tendenz will Ignatz Bubis auch in Deutschland beobachtet haben. So bemängelte der [inzwischen verstorbene] Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland (Stern Nr. 31 vom 29.7.1999, Seite 58): „Ich habe nichts oder fast nichts bewirkt. ... Ich wollte diese Ausgrenzerei, hier Deutsche, dort Juden, weghaben. Ich habe gedacht, vielleicht schaffst du es, daß die Menschen anders übereinander denken, anders miteinander umgehen. Aber, nein, ich habe fast nichts bewegt. ... Wir sind fremd geblieben; sicher auch, weil sich die Juden in diesem Land teilweise selbst ausgrenzen."

Welches sind nun die Gründe für die von Bubis gerügte Ausgrenzung? Hierzu könnte dieses Buch von Israel Shahak möglicherweise eine Antwort liefern. [...]

Shahak hofft, daß sein Buch [...] dazu beitragen möge, den jüdischen Fundamentalismus mit seiner ausgrenzenden „jüdischen Ideologie" näher kennenzulernen und zu verstehen, bevor es zu spät sei.

Dieses Buch sollte daher nicht nur von deutschen Christen und Heiden, sondern auch von deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens und Juden in Deutschland gelesen werden.«

Dieses Buch wird Geschichte machen.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(1) (2000), S. 105-107.


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