Der geheimnisvolle Tod von Heinrich Himmler:
Selbstmord oder Mord?

Von Joseph Bellinger

Churchill läßt morden

Im Mai 1945 wurde ein hochrangiger deutscher SS-Offizier zum britischen Verhör-Hauptquartier in der Uelzener Str. 31 in Lüneburg eskortiert, ein Gebäude, das für bestimmte Zwecke des Britischen Oberkommandos requiriert worden war, nämlich für die 2. Britische Military Field Unit. Dieser Ort sollte angeblicher der „Vernehmung" hochrangiger Nationalsozialisten dienen. Aber merkwürdigerweise hat eine Reihe Personen, die das Haus zwecks „Vernehmung" betraten, das Gebäude nie mehr lebend verlassen. Der Name des Mannes, auf den ich mich eben bezog, war SS-General Hans Prützmann, der von seinem obersten Vorgesetzten, dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler, dazu ernannt worden war, Werwolf-Operationen zu anzuordnen und zu führen. Prützmann war einer von denen, die das Haus nie mehr lebendigen Leibes verließen. Innerhalb weniger Tage sollte Prützmanns obersten Vorgesetzten in den Händen der gleichen Offiziere und am gleichen Ort ein ähnliches Schicksal ereilen. Ein Zufall?

Es wird oft gesagt, die Wahrheit sei seltsamer als die Fiktion, und heute Morgen möchte ich Ihnen eine der merkwürdigsten Geschichten schildern, die je diesen chaotischen Endtagen des Zweiten Weltkrieges entsprungen ist. Sie hat alle Elemente eines Bestseller-Romans: Geheimnis, Gewalt, Täuschung, Einschüchterung, Betrug, Intrige, und eine umfangreiche Verdunkelungsgeschichte, die sich über fünf Jahrzehnte und zwei Kontinente erstreckt.

Viele von Ihnen werden zweifellos mit der offiziellen Version vertraut sein, die den Tod von Heinrich Himmler im Mai 1945 in den Händen seiner britischen Vernehmer beschreibt, der als Selbstmord geschildert wird. Aber war es das?

Und, wenn nicht, war bereits vorab etwas in Gang gesetzt worden, das mit dem Tod von Schlüsselpersonen der Nationalsozialistischen Partei endete, vor allem in den Ämtern und bei den hochrangigen Mitglieder von SS, SD und Gestapo, die mit jüdischen Angelegenheiten befaßt waren?

Die alliierten Experten der psychologischen Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg nahmen die „Dolchstoß"-Legende des Ersten Weltkriegs als Fingerzeig, als sie sich ihre eigene Legende zur Verbreitung ausdachten, die grob umrissen nach folgender Melodie ging:

Förderung und Verbreitung der Anschuldigung, daß Himmler die SS betrog und seine Untergebenen der Verantwortung für Verbrechen überließ, die nur ihm zur Last gelegt werden konnten. Das war und ist immer noch eine wirkungsvolle Taktik, die mit großem Erfolg bis hin zum Frankfurter Auschwitz-Prozeß wiederholt wurde. Auf diese Weise ersetzte „Im Stich gelassen" einfach den „Dolchstoß", da die alliierten Experten der psychologischen Kriegsführung der Ansicht waren, die Deutschen seien für solch abgedroschene kurze Schlagworte eher empfänglich.

Diese Beauftragten der psychologischen Kriegsführung gehörten zu den ersten Einheiten, die besetztes deutsches Gebiet betraten. Ihre Aufgabe war einfach, sicherzustellen, daß Nationalsozialismus in allen seinen Manifestationen ein Synonym für Verbrechertum würde - nicht nur bei der ganzen deutschen Bevölkerung, sondern auch bei den Bürgern aller Länder der Welt.

An dieser Stelle ist es also absolut rechtens zu fragen: selbst wenn Himmler gelebt hätte, hätte diese Tatsache den Lauf der Ereignisse geändert, soweit es die Politik der Alliierten in Deutschland betraf? Hätte es die alliierte Politik bezüglich der SS geändert? Natürlich nicht! Ich brauche nur anzuführen, daß Hermann Göring die volle Verantwortung sowohl für seine eigenen persönlichen Handlungen übernahm, wie auch für seine Rolle als Oberbefehlshaber der Deutschen Luftwaffe. Bewahrte dies Hunderte von Offizieren der Luftwaffe vor Festnahme, Einkerkerung oder Strafverfolgung? Natürlich nicht. Tatsächlich war es so, daß jeder, der es wagte, ein Wort zur Verteidigung seines Vorgesetzten zu äußern, sich selbst sofort einer Festnahme aussetzte.

Denken Sie an die Verfahren gegen Krupp von Bohlen, Ernst Kaltenbrunner, Hans Fritzsche, und andere Platzhalter deutscher Macht, die dem von den Alliierten beabsichtigten Zweck dienten: sicherzustellen, daß der Nationalsozialismus niemals mehr eine politische oder philosophische Bewegung werden könnte, die auf die Welt der Zukunft Auswirkungen haben könnte, sondern für immer mit Konzentrationslagern, Mord und Verbrechen gleichgesetzt würde.

Aber in Bezug auf mindestens ein Hauptthema, das auch heute noch heiß diskutiert wird, hätte Himmlers Überleben und Zeugnis den ganz großen Unterschied ausgemacht: ich meine natürlich ein Ereignis, daß heutzutage als der Holocaust bekannt ist.

Es gab nur einen Mann, der in Bezug auf die SS-Politik vollständig informiert war und bevollmächtigt war, für sie zu sprechen: Heinrich Himmler. Nicht nur das - obwohl er nicht mehr lebte und Zeugnis ablegen konnte, wissen wir doch recht gut, was er gesagt hätte, dank der Treffen, die der mutmaßliche Doppelagent Felix Kersten arrangiert hat, der anscheinend nicht nur im Auftrag der Alliierten handelte, sondern auch für den Jüdischen Weltkongress mit Sitz in New York.

Wer wollte in der Tat Himmler tot sehen, und warum?

Gemäß der März/April-Ausgabe 1998 von The Barnes Review (S. 59):

»Befahl der Premierminister Winston Churchill die gesetzwidrige Ermordung von ehemaligen SS-Offizieren, nachdem der Zweite Weltkrieg zu Ende war?

In der unmittelbaren Nachkriegszeit operierten zionistische und kommunistische Terrorbanden unbehindert in den westlichen Zonen des besetzten Deutschlands, d.h. in den Zonen unter britischer, amerikanischer und französischer Militärregierung. Zionisten haben mehrere selbstverherrlichende Berichte veröffentlicht, die die Ermordung führender Deutscher beschreiben und die Versuche, große Teile der deutschen Bevölkerung, die überlebt hatte, zu vernichten. [...]

Nicht so gut bekannt ist, daß Churchill, - als er noch Premierminister am Ende des Krieges war [...] - vermutlich seinen eigenen Plan für die Ermordung ehemaliger SS-Offiziere und anderer führender Deutscher hatte. [...]

Die London Daily Mail publizierte am 3. Januar 1998 ein Interview mit einem ausgewanderten Briten namens Peter Mason, dessen Alter mit 70 oder 73 angegeben wird, der Jude ist und jetzt irgendwo in Montana lebt, wo er [...] heute ein im Grunde genommen anonymes Leben führt. Mason behauptet, Mitglied einer geheimen Todesschwadron gewesen zu sein, die auf Befehl Churchills aufgestellt worden war und zur Aufgabe hatte, frühere SS-Offiziere und andere Deutsche zu jagen und zu ermorden.«

Tatsächlich wurden laut Sunday Times vom 28. Dezember 1997 zwei andere Männer, Nobby Clark und Josef Galinsky als Komplizen genannt. Wie die Barnes Review feststellt:

»Die Einheit wurde schließlich auf 5 Mann ausgeweitet, indem noch zwei Soldaten hinzugefügt wurden.«

Keiner der Männer hat seinen befehlenden Offizier genannt. Masons Todesschwadron führte ihre Operationen bis ins Jahr 1948 hin fort. Mason, wie andere sogenannten Rächer, drückte keine Reue aus wegen der Morde, die er begangen hatte. Er wird von Barnes Review mit dem Ausspruch zitiert:

»Ich bin stolz auf das, was ich tat.«

Kurzum: jeder, der ein Licht auf die Judenpolitik des Dritten Reiches hätte werfen können in Bezug auf das, was heute als der Holocaust bezeichnet wird, wurde ein Kandidat für Ermordung, entweder durch Churchills „Zugriff-Trupps" oder durch eine hochorganisierten Gruppe europäischer Juden, die überlebt haben, bekannt als »DIN«.[1]

Heinrich Himmlers Leichnam im Verhörzimmer zusammen mit seinen Vernehmern.[2]

Es gibt also mehr als genug Beweise um anzunehmen, daß der Tod hochrangiger SS-Offiziere, angefangen bei Himmler, weit im voraus geplant worden war. Außerdem bestehen heute wenig Zweifel über die Motive hinter diesen Ermordungen.

Speziell in Bezug auf Himmlers Tod wollen wir kurz die entscheidende Kette der Ereignisse untersuchen, die zu seinem Tod führte.

Himmlers Ableben

Es wird immer noch behauptet, daß von dem Augenblick von Himmlers Ankunft in der Uelzener Straße 31 bis zu seinem Tod nur eine Zeitspanne von 15 Minuten verging. Das kann jedoch nicht stimmen, weil es für einen Künstler genug Zeit gab, eine Skizze des gefangenen Reichsführers zu erstellen. Er wird mit einem tarnfarbenen Nachthemd bekleidet und eine Wolldecke haltend dargestellt. Sein Gesicht erscheint gefaßt und ziemlich resigniert.

Vier Männer warteten, um Himmler in Empfang zu nehmen, als er in der Uelzener Straße ankam:

Hauptmann Taffy Davies, Major Norman Whittaker, Feldwebel Roper, und Obergefreiter Cyril Clark.

Himmler kam mit einer Eskorte von drei Begleit-Fahrzeugen an. Die erste Person, die ausstieg, war Oberst Murphy, gefolgt von der „vornübergeneigten" Figur des ehemaligen Reichsführer SS, zu seiner Schande nur mit einem Nachthemd bekleidet und mit einer Wolldecke umhüllt.

Die Ampulle, in der Himmler die Zyanidkapsel angeblich drei Tage lang im Mund verwahrt hat, war eine Metallröhre, die unmöglich sicher per Hand geöffnet werden konnte. Diese Erzählung änderte sich im Verlauf der Zeit, so daß später gesagt wurde, daß in seinen Zahn ein tiefes Loch gemacht worden sei, wo die Kapsel aufbewahrt wurde. Von da sei sie dann entweder aus dem Mund geschnippst worden, oder das Zyanid sei durch Draufbeißen im letzten Moment freigesetzt worden.

Angeblich die Art von Metallkapsel, die Himmler entweder in einem hohlen Zahn versteckt hatte - ob er wohl Elefantenzähne hatte?-, oder die er einfach nur im Mund versteckt hatte - wo sie bei drei Leibesvisitationen übersehen wurde, und mit der Himmer bequem drei belegte Brote essen konnte...[3]

Skizze von Himmlers Zähnen: Keine Spur von Löchern mit verborgenen Giftkapseln.[4]

Es sollte angemerkt werden, daß später einige Zahnärzte zum Schauplatz gesandt wurden. Einer von ihnen, ein Mann, der als „Jimmy der Dentist" bezeichnet wurde, fragte, ob er ein paar Zähne als Souvenir haben könnte. Aber wenn sich Himmler wirklich den Schmerzen und Beschwerden unterzogen hätte, ein großes Loch in seinen Zahn bohren zu lassen, um eine große Zyanidkapsel unterzubringen, sollte man annehmen, daß dieser Zahn der einzige gewesen wäre, der es wert war, als Souvenir gesammelt zu werden; diesbezüglich wird aber nicht ein Wort verloren. Deshalb kommt man zu der Schlußfolgerung, daß die ganze Geschichte einfach eine Erfindung ist.[5]

Die für den angeblichen Selbstmord angegebene Zeit war der 23. Mai, 23,15 Uhr.

Himmler war aber von der Zeit seiner Gefangennahme bis zu seinem Tode vier sorgfältigen Leibesvisitationen unterzogen worden, um sicherzugehen, daß er kein Gift verbarg. Ein Artikel, der die Einzelheiten seines Todes beschreibt, bemerkt:

»Der Sanitätsoffizier forderte ihn auf, den Mund zu öffnen, aber, da er nicht gut genug sehen konnte, nahm er den Gefangenen zum Fenster hinüber und sagte ihm, er solle den Mund nochmals öffnen. Gerade als der Arzt einen Finger in Himmlers Mund steckte, sah er, wie der Deutsche auf einen schwarzen Punkt biß, der sich als die Spitze einer Ampulle erwies, die Kaliumzyanid enthielt. Es wurde jedwede Bemühung unternommen, um Himmlers Leben zu retten, aber ohne Erfolg. Es wurde eine Meldung nach Flensburg geschickt und die Kontrollgruppe im Obersten Hauptquartier gebeten, Repräsentanten der US- und der russischen Armee zu entsenden, um die Leiche in Augenschein zu nehmen.«[6]

Ich hatte das große Glück, von Quellen in Großbritannien eine Kopie von Himmlers sogenannter Autopsie zu erlangen.

Die Autopsie wurde zwei Tage nach Himmlers Tod durchgeführt. Sein Gehirn und Teile seines Schädels waren zwecks weiterer Untersuchung, wie bei Mussolini, entfernt worden.[7]

Es wird behauptet, daß Himmler aufgrund einer Zyanid-Vergiftung starb, aber auf zahlreichen Fotos, die damals von Himmlers Leiche gemacht worden waren, scheinen keine Anzeichen einer Zyanid-Vergiftung vorhanden zu sein.

Diese Anzeichen werden uns in einem Lehrbuch für forensische Medizin mit dem Titel Homicide Investigation (Untersuchung bei Tötungsdelikten) von LeMoyne Snyder, 2. Auflage geschildert. Er schreibt auf Seite 252:

»Zyanid, ob eingenommen oder in Gasform inhaliert, tötet eine Person, indem es den Körper daran hindert, den im Blut beförderten Sauerstoff zu nutzen. Folglich ist der Tod eine Form des Erstickens. Außerdem, wenn Alkali-Zyanide innerlich eingenommen werden, gibt es Zeichen von Verätzungen an Lippen, Zunge, Kehle und Magen. In Fällen akuter Vergiftung sind die Symptome, die sich sehr schnell entwickeln, hauptsächlich Schwindel, Herzklopfen, intensiver Lufthunger, Zyanose[[8]] und Bewußtlosigkeit. Starke Krämpfe können sich entwickeln. Die Hände sind üblicherweise zusammengekrampft. Der Tod tritt fast immer sehr rasch ein. [...] Wenn jedoch [...] zufällig zur Zeit der Einnahme des Zyanids eine beträchtliche Menge Nahrung im Magen war, können diese Symptome erheblich verzögert auftreten. Es möge in Erinnerung gerufen werden, daß die Ermordung des russischen Mönches Rasputin zuerst durch die Verabreichung von in Kuchen verstecktem Zyanid versucht worden war. Obwohl er mehrere der Kuchen aß, zeigte sich bei ihm offenbar keine unmittelbare Wirkung; der Mord wurde schließlich bewerkstelligt, indem er auf den Kopf geschlagen wurde. [...] Die Zyanide haben einen spezifischen Geruch, der dem im Inneren eines Pfirsichkerns recht ähnlich ist. Nach Todesfällen durch Vergiftung hält dieser Geruch an und ist zur Zeit der Autopsie recht bemerkbar.«

Lassen Sie uns eine Zeit bei diesem Gedanken verweilen. Es sollte daran erinnert werden, daß die Balsamierung einer Leiche praktisch alle Beweise für eine Zyanidvergiftung vernichtet, so daß eine Autopsie unbedingt vor der Balsamierung stattfinden muß.

Nun, bezüglich des post-mortem-Aussehens:

»Äußerlich sind die charakteristischsten Zeichen die offen starrenden Augen mit weiten Pupillen, Schaum am Mund, und helle rote oder rosa-rote Flecken an verschiedenen Stellen des Körpers.«

Ich möchte hier eine Pause machen und Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache richten, daß Himmlers Leiche keines dieser Merkmale aufweist, im Gegensatz zu der von Hermann Göring! Vielleicht haben viele hier das Foto gesehen, daß vom Reichsmarschall nach seinem Selbstmord durch Zyanid aufgenommen wurde.

Ich erinnere, daß ein Autor, der offenbar nicht über das Aussehen einer mit Zyanid vergifteten Leiche Bescheid wußte, bemerkte, Görings halboffene Augenlider ließen ihn an „blinzeln" denken.

Wurde dieser Verfahrensweise bei Himmlers Autopsie gefolgt? Die Antwort ist nein. Nur das Gehirn wurde entnommen, und zwar für andere Zwecke als die Feststellung der Todesursache. In Himmlers Fall war der Magen von äußerster Bedeutung, denn wenn er durch Zyanid-Vergiftung gestorben wäre, wäre dies sowohl durch den Geruch von Pfirsichkern an der Magenschleimhaut wie auch durch eine kennzeichnende Verfärbung der inneren Gewebe entdeckt worden. Lassen Sie uns also auf die tatsächliche Autopsie kommen.

Die Autopsie wurde am 25. Mai 1945 um 11 Uhr durchgeführt. Die Unterschrift des Pathologen ist unleserlich, aber er war beim 74. Britischen Allgemeinen Krankenhaus stationiert.

Sie gibt eine Beschreibung des allgemeinen äußerlichen Zustands der Leiche, aber es gibt überhaupt keine Andeutungen von Zyanid-Vergiftung. Es gibt keine Erwähnung von rosa oder roten Flecken, die man gewöhnlich bei an Zyanid-Vergiftung Gestorbenen sieht. Die Augen werden nur als „leicht hervorstehend" beschrieben, was nicht übereinstimmt mit dem Befund in der Augenregion bei dem tatsächlich schnellen Tod durch eine Cyanidvergiftung.[9]

Der Pathologe hat keinen toxikologischen Bericht angefordert. Die Herausnahme des Gehirns wird nicht erwähnt, obwohl wir wissen, daß das Gehirn entnommen worden ist. Es gibt weder eine Erwähnung von Geruch nach Pfirsichstein, noch der Verfärbung von irgendeinem inneren Organ. Warum wurden diese Angaben aus dem Autopsie-Bericht ausgelassen?

Außerdem, wenn es zur Zeit der Vernehmung 11 Uhr nachts war, wie der zitierte Artikel feststellt, welchem Zweck sollte es dann dienen, Himmler hinüber zum Fenster zu bringen, wie der Artikel angibt? Erwartete der Arzt C.J. Wells, daß dort am Fenster um 11 Uhr nachts mehr Licht wäre? Und, so muß man fragen, wie konnte Himmler in eine Zyanid-Kapsel beißen, mit dem Finger des Arztes im Mund? Wie war es möglich, die Kapsel mit einer Zungenbewegung herauszuziehen und mit den Zähnen zu zermalmen, mit dem Finger des Arztes im Mund? Und wenn der Arzt solche enormen Schwierigkeiten hatte, in Himmlers Mund zu schauen, als er im Licht war - wie konnte er dann einen im hinteren Bereich von Himmlers Mund verborgenen schwarzen Punkt sehen, als Himmler weg vom Licht war?

Heinrich Himmler kurz nach seinem Mord/Selbstmord.[10]

Eine Reihe Zeugen waren zur Zeit von Himmlers Tod anwesend, aber nur einer von ihnen gab jemals einen mehr oder weniger offiziellen und öffentlichen Bericht über die Umstände von Himmlers Tod: CSM Austin. Am 25. Mai 1945 um 5 Uhr nachmittags wurde eine Pressekonferenz einberufen, um Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Tod von Herrn Himmler freizugeben. Der einzige Mann, der befugt war zu sprechen, war CSM Austin.

Nicht eine einzige Person hat diesbezüglich damals je ein Interview gegeben, wurde eines gewährt oder wurde darum gebeten. Selbst die jüngste Veröffentlichung über Himmlers Selbstmord in dem Magazin After the Battle befragte keinen der damals Anwesenden, da sie zur Zeit der Veröffentlichung alle tot waren oder im Sterben lagen.

Warum der Schleier des Schweigens über fünf Jahrzehnte? Warum keine Untersuchung? Warum nur eine Autopsie und zwar unter recht primitiven Verhältnissen? Warum wurde nicht Dr. Wells befragt? Warum haben wir nur einen Bericht über diesen Vorfall, und zwar von einem Mann, der später verdächtigt wurde, ein Dieb und Lügner zu sein?[11]

Erst im April 1977 gelangten schließlich die Namen der Männer, die Himmlers Begräbnis-Trupp zugewiesen worden waren, durch After the Battle an die Öffentlichkeit.

Ihre Namen wurden veröffentlicht als Feldwebel Waymond Weston und Feldwebel Bill Ottery. CSM Austin starb 1972. Austin weigerte sich beharrlich, Himmlers Begräbnisort anzugeben. Das sollte ein fest bewahrtes Geheimnis bleiben. Tatsächlich ist Austins Bericht mit völligen Erfindungen und Lügen durchflochten. Zum Beispiel behauptete er laut After the Battle, daß er allein den tatsächlichen Ort wisse und die Leiche mitten in der Nacht hinausgenommen und heimlich begraben hätte. After the Battle legte dar, daß Austin nicht einmal fahren konnte! Jedoch war Austin einer der wenigen Männer, der Deutsch sprechen und verstehen konnte.

Himmler war hineingebracht worden, während Ottery draußen blieb und direkt vor dem Fenster des Vernehmungsraums stand und versuchte, einen Blick zu erhaschen und zu lauschen, was drinnen vor sich ging. Ottery hat in keiner Weise erwähnt, daß Himmler vom Arzt zum Fenster gebracht wurde. Laut After the Battle

»wurde Ottery ein paar Minuten später beinahe von einem unbekannten Offizier umgerempelt, der die Treppen hinuntersprang und nach einer Nadel und Baumwolle rief. Ottery rannte zur nächsten Tür und hatte das Glück, innerhalb von Sekunden eine von Ray Weston zu erhalten, von dem gesagt wird, daß er zu dieser Zeit gerade fertig war, einen Knopf an ein Hemd anzunähen. Es wurde Ottery nicht erlaubt, das Vernehmungzimmer zu betreten. Er rannte statt dessen zurück zum Fenster, um zu versuchen zu sehen, was sich drinnen abspielte.« (Hervorhebung hier hinzugefügt)

Als Ottery 1976 gefragt wurde, war alles, was er gehört hatte, daß drinnen jemand gerufen hatte »The bastard's beat us!« Das kann sicherlich in zahlreichen Arten interpretiert werden. Wurde Himmler zu dieser Zeit grob behandelt? Wurde der Ruf im Hinblick auf die Unteroffiziere gemacht, von denen man wußte, daß sie vor dem Fenster postiert waren? Wenige Augenblicke später erschien das Vernehmung-Team an der Vorderseite der Treppe und brummelte: »Who's going to do it?« (Wer wird es tun?).

Es ist tatsächlich unklar, ob dies vor Himmlers angeblichem Selbstmord oder danach gerufen wurde.

Ottery selbst stellte es, als er 1976 von After the Battle gefragt wurde, so dar:

»Ottery presumed...« (Ottery mutmaßte...)

Mit anderen Worten: Ottery mutmaßte, was es bedeutete, und wußte in Wirklichkeit nicht, worauf es sich bezog! Die Männer, die zur Zeit von Himmlers Ableben anwesend waren, sind alle identifiziert worden. Es sind

C.J. Wells, Oberst Murphy, Major Whittaker, Hauptmann Davies, und C.M. Austin.

Am Tage nach seinem Tod wurde Himmlers Leiche für die Jungs der Verteidigungskompagnie zur Schau gestellt, was einen an die Dalton-Bande und John Dillinger erinnert. Wie bei Dillinger legten die Sensationsgierigen ein krankhaftes Interesse an den Tag, die Geschlechtsorgane des Reichsführers in Augenschein zu nehmen. Die Jungs der Verteidigungskompagnie nahmen Himmlers Decke ab, um seine Leiche in einer beschämenden Art vorzuführen, begleitet vom höhnischen Gelächter ihrer Mitsoldaten. Auch Frauen wurde nicht die Möglichkeit verweigert, an der Lustbarkeit teilzuhaben. Eine Gruppe ATS-Frauen wurden in das Gebäude geleitet, um Himmler anzusehen, um an dem Witz über »die einzige deutsche Geheimwaffe, die nicht in Gebrauch genommen wurde« teilzuhaben.

Feldwebel Austin war damit beschäftigt, persönliche Gegenstände zu stehlen, die dem Reichsführer gehörten. Er hatte Himmlers Brille als ein „Souvenir" eingesackt. Tatsächlich wurde Austin, als die russische Delegation kam, um Himmlers Leiche in Augenschein zu nehmen, vom befehlshabenden Offizier gebeten, ihretwegen Himmlers Brille wieder zurückzulegen! Leider hatte ein anderer Dieb den Dieb bestohlen, und die Brille konnte nirgends gefunden werden!

Ein verwackelter Film wurde von Himmlers Leiche wie auch vom Vernehmungsraum aufgenommen. Dieser Film ist aller Wahrscheinlichkeit nach heute irgendwo in Moskau und/oder Großbritannien.

Himmlers Begräbnis

Himmlers Leiche wurde, wie die von Prützmann, Tage später unter völliger Geheimhaltung zur Hintertür hinausgetragen. Major Whittaker erhielt von Montgomerys Adjutant, Oberst Murphy, den Auftrag, die Leiche in den frühen Morgenstunden und unter der strengsten Geheimhaltung verschwinden zu lassen.

Ray Weston übernahm das Steuer. Whittaker begleitete sie in einem Jeep, und CSM Austin saß direkt neben ihm. Ottery und Weston hatten die Aufgabe, das Grab zu schaufeln, während Whittaker und Austin etwas entfernt Wache standen. Es war für sie nicht leicht, durch Baumwurzeln durchzugraben, deshalb sprang Whittaker in seinen Jeep und fuhr los, um eiskaltes Bier zu besorgen. Austin blieb auf Wache und jagte einige herumstreifende polnische Soldaten weg.

Himmlers Leiche war noch in dem Laster. Als sie bis zu einer Tiefe von drei Fuß gegraben hatten, gingen sie zurück, um die Leiche für das Begräbnis zu holen. Weston wurde zweimal hintereinander zurück an die Grabstelle geschickt, um sicherzustellen, daß sie ungestört war. Die oft zitierte und angeblich von Austin gemachte Bemerkung »Laßt den Wurm zu den Würmern gehen«, wurde lange, nachdem das Begräbnis selbst vollendet war, geprägt. Laut Weston sorgten sie sich nur darum, ihre Verrichtung zu beenden und zu ihren üblichen Routinen zurückzukommen:

»Es war einefürchterliche schwere Arbeit, all das Graben, wo wir doch bessere Dinge zu tun hatten.«

Ottery und Weston blieben beide für Jahrzehnte nach dem Ereignis über Austin verärgert, angeblich wegen seiner Erfindungen, Prahlerei und Lügen. Beide Männer waren einfach deshalb verärgert, weil ihre Namen übergangen worden waren. Die Eitelkeit des Menschen beweist, daß Hochmut vor dem Fall kommt. Wären nicht diese einfachen Männer und andere wie sie, deren Ego verletzt wurde, hätte die Geschichte vielleicht nie die wirklichen Umstände um die Gefangennahme und die Vernehmung von Würdenträgern des Dritten Reiches erfahren.

Dank ihres Gefühls, in ihrer Rolle bei Himmlers Tod und Begräbnis mißachtet und übergangen worden zu sein, nahmen sie mit den Herausgebern von After the Battle Kontakt auf, um den Bericht zurechtzurücken.

So sind, wie in den Fällen des Bernhard Clark, der Höss gefangennahm, und des früheren israelischen Premierministers Chaim Herzog, der zur Zeit von Himmlers Verhaftung anwesend war,[12] das menschliche Ego, Prahlerei, die Unfähigkeit, den Mund zu halten, und der Wunsch nach Lob und Anerkennung verantwortlich für alles, was wir heute bezüglich der Gefangennahme und Vernehmung hochrangiger SS-Kommandeure des Dritten Reiches wissen.

Nimmt es da Wunder, daß Piratenkapitäne die Mannschaften, die ihre gestohlenen Schätze vergruben, erschlagen ließen?

Zusammenfassend soll einfach festgestellt werden, daß es bezüglich der mysteriösen und viel zu übereinstimmenden Todesfälle von Hans Adolf Prützmann und Heinrich Himmler in der Uelzener Straße 31 viel zu viele Fragen und nicht genug Antworten gibt. Fragen, die wahrscheinlich niemals mehr beantwortet werden können, wie etwa:

Für die Alliierten war die böse Hexe vom Reich des Bösen tot, und das war ein Grund für Jubel, nicht für eine offizielle Untersuchung, aber für Leute mit kritischem Denkvermögen schmeckt die ganze Geschichte, wie sie von Austin geschildert wird, nach einem niederträchtigen Märchen.

Alle Teilnehmer hielten ihren Schwur zu schweigen. Major Whittaker offenbarte noch nicht einmal seinem eigenen Sohn den Ort von Himmlers Grab. Feldwebel Austin wurde im Februar 1972 kremiert und ging mit gleichermaßen versiegelten Lippen ins Grab.

Denn, wie er selbst so oft festgestellt hat:

»Ich bin beim Militär gewesen und weiß, wie man ein Geheimnis für sich behält«.

Beide Männer erhielten eine Auszeichnung für ihre Dienste.


Anmerkungen

[1]Siehe hierzu die Berichte von Michael Elkins Forged in Fury, Ballantine Books, New York 1971; und Michel Bar-Zohar, The Avengers, Arthur Barker, London 1968; vgl. ders., Die Jagd auf die deutschen Wissenschaftler. 1944-1960, Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1967.
[2]After the Battle Magazine, London, Winston Ramsay (Hg.), Ausgabe
14, 1976, S. 36.
[3]Ebenda, S. 32.
[4]Ebenda, S. 35.
[5]Da später mindestens zwei Zahnärzte an den Ort des Geschehens gebracht wurden, ist es gewiß wahrscheinlich, daß einer von ihnen beauftragt worden war, als „Beweis" ein Loch in einen von Himmlers Zähne zu bohren. Der Zahnbericht, der ursprünglich an das Kriegsministerium geschickt worden war und ein Diagramm von Himmlers Zähnen enthielt, zeigt jedoch nicht den merkwürdigen angebohrten Zahn. Er zeigt dagegen, daß Himmlers Zähne in einem vorzüglichem Zustand waren.
[6]Beachten Sie, daß es 23:15 Uhr war, als der Arzt Himmler aufforderte, er solle »wegen besserem Licht näher ans Fenster treten«. Andere Berichte bemerken, daß ein Scheinwerfer dauernd auf sein Gesicht gerichtet war, wie auch während des Durchsuchungsverlaufs!
[7]Diesbezüglich scheinen die Allierten kein bißchen besser gewesen zu sein als die „Nazis", die vor Gericht kamen, weil sie beschuldigt wurden, eine „jüdisch-bolschewistische" Schädel-Sammlung angelegt zu haben.
[8]Fehler im Original. Zyanose ist die Blaufärbung der Haut durch Sauerstoffarmut des Blutes. Aus allen uns zur Verfügung stehenden Toxikologie-Handbücher geht jedoch hervor, daß die Hautverfärbung bei Blausäure/Cyanidvergiftungen genau gegenteilig ist: eine rosa-rote Verfärbung der Haut durch Sauerstoff-Übersättigung des Blutes, das den Sauerstoff nicht mehr an die Zellen abgeben kann! Dies ergibt sich auch aus dem weiter unten angeführten Zitat Bellingers. Anm. der Redaktion.
[9]Vortreten der Augen kann auch durch Würgen verursacht werden.
[10]Links: Imperial War Museum; rechts: After The Battle, aaO. (Anm. 4).
[11]Laut den in After the Battle veröffentlichten Berichten und anderen Quellen hatte Austin Himmlers Leiche geplündert und zum großen Ärger seiner Untergebenen, Bill Ottery und Ray Weston, seine eigene Rolle beim Begräbnis von Himmler übertrieben.
[12]Herzog wurde später in einer jüdischen Publikation als »der Mann, der Hitlers Biest gefangennahm« gefeiert.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 174-179.


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