»Schon 1942 wußte man, daß...«

Von Jean-Marie Boisdefeu

Wieviele Male hat man uns nicht wiederholt vorgehalten, vor allem während des Papon-Prozesses, man habe schon 1942 gewußt, daß die Deutschen die Juden in mit Gaskammern ausgestatteten Vernichtungslagern ausrotteten? Man zitiert oft zum Beweis für diese Behauptung die von Gerhart M. Riegner übermittelten Informationen, der damals den Jüdischen Weltkongress in Genf repräsentierte. Riegner hat gerade seine Memoiren publiziert,[1] und das ist eine Gelegenheit, erneut zu prüfen, ob das, was er damals versichert hat, begründet war oder nicht.


Gerhart M. Riegner

Als Jurist und deutscher Jude hat Riegner sein ganzes Leben lang im Schoß des Jüdischen Weltkongresses gearbeitet und wurde zusammen mit Nahum Goldmann dessen bekanntester Repräsentant. Anfangs verantwortlich für die Genfer Abteilung der Organisation, wurde er deren Generalsekretär, dann Mitpräsident des Direktoriumsrates und schließlich Ehren-Vizepräsident. In seinen Memoiren rühmt sich Riegner, »der erste« gewesen zu sein, »der der westlichen Welt eine authentische Information über Hitlers Plan zur Ausrottung der Gesamtheit des europäischen Judentums geliefert« habe (S. 54). Mitte 42 hatte Riegner von alarmierenden Nachrichten Wind bekommen, die ein deutscher Industrieller berichtet hatte, der in der Schweiz seine jüdische Mätresse aufsuchte. Riegner ließ diese „Nachrichten" in einem diplomatischen Telegramm, das als „Riegner-Telegramm" in die Geschichte eingegangen ist, in die USA und nach Großbritannien übermitteln. Um sich von der Wichtigkeit zu überzeugen, die dieses berühmte Telegramm in der Geschichtsschreibung der Shoah einnimmt, genügt es, sich zu erinnern, daß z.B. eine Abbildung dieses Telegramms auf dem Umschlag der französischen Ausgabe von Walter Laquers bekanntem Buch The Terrible Secret (Le terrifiant secret) wiedergegeben ist. Dennoch glaubten die amerikanischen Behörden den von Riegner gegebenen Informationen bis 1944 überhaupt nicht, oder zumindest taten sie so, als ob sie ihnen nicht glaubten. Sie ließen sich aber überreden, den Gesandten der USA in Bern (Harrison) zu beauftragen, die Beweise zu untersuchen, die Riegner im Besitz hatte.

Auf diese Weise wurde Riegner veranlaßt, Harrison im Oktober 1942 eine Akte von ungefähr dreißig Seiten zu unterbreiten, darunter ein 5-seitiger Bericht mit dem Titel Report of a Jewish refugee (Bericht eines jüdischen Flüchtlings), den Riegner redigiert hatte, nachdem er in einem schweizer Krankenhaus einen Verletzten namens Izak L. getroffen hatte. In seinen Memoiren faßt der Autor zusammen, wie die Zeugenaussage dieses Verletzten war:[2]

»Der Patient [Izak L.] war ein junger Jude, der in Brüssel bei einer der großen Razzien vom Juli/August 1942 durch die Nazis festgenommen worden war. Nachdem er nach Malines, dem belgischen Transitlager nahe der Hauptstadt, verbracht worden war, wurde er nach Osteuropa deportiert. Er hat mir sehr genau seine eigentliche Festnahme beschrieben, das Lager Malines, dann die verschiedenen Stationen seiner Deportation bis er in Rava Ruska ankam, und dann in Nähe der Front von Stalingrad, wo er bei Befestigungsarbeiten eingesetzt wurde. Als er dort einige Zeit gearbeitet hatte, fragte ein junger deutscher Offizier, ob es unter den Häftlingen einen Chauffeur gäbe. Da er Mechaniker war und fahren konnte, meldete er [Izak L.] sich. Der Offizier nahm ihn mehrere Wochen lang als Chauffeur. Dieser Wehrmachts-Offizier, der zwei seiner Brüder im Kampf verloren hatte, war des Krieges äußerst überdrüssig. Er hatte beschlossen, dem jungen Juden zu helfen, sich zu retten. Während ihrer Ausflüge fragte er [Izak L.] ihn um Auskunft, was mit den Juden geschehe: „Was wurde aus den Leuten, den Frauen, den Kindern, die mit ihm gewesen waren ?" Darauf hat ihm der Deutsche ganz einfach erklärt: „Die, die zum Arbeiten geeignet sind, die nimmt man für alle Arten von Zwangsarbeiten, vor allem bei den Befestigungen an der Ostfront. Die anderen, die beseitigt man. Die, die nicht mehr arbeitsfähig sind, beseitigt man auch." Hier hat man die Vorgehensweise. So fand sich die ganze Tragödie in ein paar einfachen Sätzen zusammengefaßt.

Nachdem er beschlossen hatte, ihn zu retten, versteckte der Offizier ihn [Izak L.] in einem Zug, der gerade gen Westen abfuhr. Das war ein Güterzug, voll mit Uniformen deutscher Soldaten, die in der Schlacht von Stalingrad gefallen waren. Der Offizier hat ihm auch einige „Besatzungs-Mark" und Essen für einige Tage mitgegeben. Und der Jude rollt gen Westen, versteckt in einem Waggon voller Uniformen. Er rollt, und rollt, es ist unvorstellbar, Tage und Nächte hindurch. Schließlich hält der Zug auf einem Abstellgleis im Bahnhof einer großen Stadt. Da stieg er [Izak L.] aus. Sofort wurde er gewahr, daß er in Paris nahe dem Ostbahnhof war. Da er Geld hatte, konnte er durchkommen.

Dann verließ [Izak L.] Paris. Nachdem er die Demarkationslinie zur freien Zone Frankreichs überschritten hatte, versuchte er, die schweizer Grenze zu passieren. Dort wurde er von einem Soldaten festgenommen. Da seine Beine fürchterlich angeschwollen waren, wurde er ins Krankenhaus gebracht.

[Izak L.] war ein sehr einfacher Mensch. Er hat mir das alles während fünf oder sechs Stunden erzählt. Das war ein weiterer Augenzeuge.«

Man wird zunächst einmal feststellen dürfen, daß Riegner seinen eigenen Bericht nicht sorgfältig referiert;[3] man kann sogar behaupten, daß er ihn teilweise aus der Sichtweise der Lehre der exterminationistischen Geschichtsschreibung, das heißt dem offiziellen Dogma, umgeschrieben hat, und dabei gewisse Schwächen verborgen hat. So erwähnte der Bericht von 1942 z.B., daß der Zug von Izak L. und seiner Unglücksgefährten zuerst in Königshütte (polnisch Chorzow, eine in Oberschlesien, nahe Kattowitz gelegene Stadt) gehalten hat, um gegen Lemberg und Rawa Ruska in Richtung auf Stalingrad weiterzufahren. Nun hatten aber für die Historiker alle von Belgien abgefahrenen Transporte Auschwitz zum Ziel (bei manchen Transporten mit einem Halt in Cosel). Man stellt übrigens fest, daß der Bericht an keiner Stelle den Namen Auschwitz enthält. Mit anderen Worten, zwei Monate nach seinem berühmten Telegramm hatte Riegner noch nichts von Auschwitz gehört, dem Hauptort der angeblichen Vernichtung, die er soeben angekündigt hatte.

Tatsächlich ist der Bericht von Riegner nichts anderes als ein Bluff. Man braucht ihn nicht einmal näher zu analysieren, denn ein belgischer Forscher hat es ohne Widerspruch für möglich gehalten, daß Izak L. gar nicht von Belgien nach Osten deportiert wurde:

1. Sein Name steht nicht auf der Liste der von Malines Deportierten;[4]

2. Gemäß den Erklärungen, die Izak L. selbst gegenüber den belgischen Behörden nach seiner Rückkehr im Juli 45 gemacht hat, wurde unser Mann wohl festgenommen und deportiert, aber er war nicht in Belgien, sondern in Frankreich eingesperrt, und er wurde nicht in den europäischen Osten deportiert, sondern an den Ärmelkanal, um hier beim Bau des Atlantikwalls zur Arbeit eingesetzt zu werden.[5] Von hier aus, und nicht von Stalingrad, konnte er die Schweiz erreichen, wo er für den Rest des Krieges interniert wurde.

Da er fürchtete, an die Deutschen zurückgeliefert zu werden, mit den offensichtlichen Gefahren, die das beinhaltete, hatte Izak L. versucht, bei den schweizer Behörden durch die Schwarzmalerei seiner Geschichte Mitleid zu erwecken. Man kann ihm daraus keinen Vorwurf machen. Immer und überall haben es die Flüchtlinge so gemacht wie er. Genau das haben - mit Erfolg - vor kurzem auch die Kosovo-Albaner gemacht, und genau das würden Sie und ich zweifellos auch tun.

Nachdem er von den Erklärungen des Izak L. erfahren hatte, befragte Riegner ihn seinerseits. Der Arme konnte nichts Anderes als ihm das zu wiederholen, was er bereits den schweizer Behörden gesagt hatte. Riegner schluckte alles und stellte damit seinen völligen Mangel an kritischem Denken unter Beweis (was bei dieser Materie ohnehin üblich ist) und verbreitete seinen Bericht als Beweis für die Vernichtung der Juden.

Der Report of a Jewish Refugee (Bericht eines jüdischen Flüchtlings) ist also ein Gespinst von Dummheiten, das die Gesamtheit des Memorandums in Mißkredit bringt, das Riegner an Harrison zur Untermauerung seines Telegramms geschickt hat. Mit diesem Schlag ist der - bereits wenig erkennbare - Wert des berühmten Telegramms noch weiter vermindert.


Anmerkungen

Jean-Marie Boisdefeu ist der Verfasser von La controverse sur l'extermination des Juifs par les Allemands, Band 1: L'examen des preuves, 1996 (erste Auflage 1994), VHO, BP 60, B-2600 Berchem 1, 231 S.; Band 2: Réalités de la „Solution finale", ebenda 1996, 250 S.; Corrigenda et Addenda, ebenda 1998, 23 S.; mehrere Artikel in dem französischen Periodikum Akribeia (online: www.vho.org/F/j/Akribeia). Die ursprüngliche französische Fassung des hier veröffentlichten Artikels erschien in Akribeia, Nr. 5, Okt. 1999, S. 145. Adresse: Jean Plantin, 45/3, route de Vourles, F-69230 St-Genis-Laval. Übersetzt von Leborah Dipstadt.

[1]Gerhart M. Riegner, Ne jamais désespérer. Soixante années au service du peuple juif et des droits de l'homme, (Niemals verzweifeln. Sechzig Jahre im Dienst des jüdischen Volkes und der Menschenrechte), Ed. du Cerf, Paris 1998, 683 S.
[2]Ebenda, S. 71.
[3]Veröffentlicht in extenso (mit Varianten in Einzelheiten) unter dem Titel »Deportation and Death. Eyewitness Testimony« (Deportation und Tod. Augenzeugen-Bekundungen) in Congress Weekly, Publikation des American Jewish Congress, New York, mit Datum 4. Dez. 1942, S. 6f. Man findet weitere Erwähnungen dieses Berichts in :
- Walter Laqueur, Le terrifiant secret. La „Solution finale" et l'information étouffée, (Das schreckliche Geheimnis. Die „Endlösung" und die unterdrückte Information), Gallimard, 1981, S 220.
  • Gerhart M. Riegner selbst: »Témoignage sur mes activités en Suisse pendant la seconde guerre mondiale« (Bericht über meine Aktivitäten in der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges), Le Monde Juif, Nr. 163, Mai-August 1998, S. 98.
  • Interview mit Riegner durch Françoise Valleton in Après Auschwitz, Nr. 269, Dez. 1998, S. 10.
  • Mark Weber, The Journal of Historical Review, Vol. 18, Nr 2, March-April 1999, »Belgium and its Jews during the War« (Belgien und seine Juden während des Krieges), S. 2. In diesem Artikel habe ich den Hinweis auf Congress Weekly gefunden.
  • Rezension von Riegners Buch durch Madeleine Steinberg in Le Monde Juif, Nr. 166 mit dem Titel »Négationnisme. Le génocide continué« (Verneinung, der Genocid geht weiter), Mai-August 1999, S. 225.
  • Vielleicht wurde der Bericht auch in zahlreichen anderen Medien veröffentlicht, und ich danke bereits jetzt den Lesern, die mir gerne eine Kopie davon zukommen lassen möchten.
[4]Serge Klarsfeld und Maxime Steinberg, Mémorial de la déportation des Juifs de Belgique (Denkschrift über die Deportation der Juden von Belgien), 1982.
[5]Akte des Izak L im Amt für Kriegsopfer in Brüssel.

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Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 150f.


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