Leichenkeller von Birkenau:
Luftschutzräume oder Entwesungskammern?

Von Carlo Mattogno

Im Heft 4/1997 druckten die Vierteljahreshefte einen ausführlichen Beitrag Samuel Crowells ab über die in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges angewendete Luftschutztechnik. Crowell zeigte auf, daß viele der von Jean-Claude Pressac in seinen Büchern vorgestellten deutschen Dokumente, in denen bestimmte Worte wie »gasdichte Türe« oder »Vergasungskeller« auftauchen und die der Franzose als »kriminelle Indizien« für Menschenvergasungen in Auschwitz auslegte, auch als Hinweise auf das Vorhandensein von Luftschutzeinrichtungen in Auschwitz gewertet werden können, denn Luftschutz bedeutet immer auch der Schutz vor Giftgasangriffen oder giftigen Brandgasen wie Kohlenmonoxid. Nachfolgend unterzieht der italienische Forscher Carlo Mattogno Crowells These einer Kritik, die im nächsten Heft von Crowell beantwortet werden wird. Schon jetzt aber sei darauf hingewiesen, daß der hier abgedruckte Beitrag Mattognos weniger deshalb wichtig ist, weil er Crowells These kritisiert. Seine Bedeutung liegt vielmehr in den hier erstmalig von Mattogno im Zusammenhang publizierten, von ihm in Auschwitz und Moskau entdeckten Dokumenten, mit denen nachgewiesen wird, daß zumindest zeitweilig erwogen wurde, in den Kellern der Krematorien II und III Entwesungsanlagen, Duschen und folglich auch einen Auskleideraum für die zu duschenden Häftlinge einzubauen. Das einzige Dokument nämlich, mit dessen Interpretation sich die Revisionisten bisher wirklich schwer getan haben, das also einzig und allein als ein angebliches »kriminelles Indiz« angesehen werden konnte, war jenes, in dem die Leitung der Zentralbauleitung von Auschwitz im Zusammenhang mit der Verzögerung der Fertigstellung dieser Krematorien berichtete, der wegen »Frosteinwirkung nicht ausgeschalt[e]« Leichenkeller sei noch nicht einsatzbereit, was aber »unbedeutend [sei], da der Vergasungskeller hierfür benützt werden« könne. Dieses Dokument wird in der etablierten Literatur immer wieder als ein wichtiges Beweisdokument für Menschenvergasungen angeführt[1] - auch wenn von solchen in dem Dokument absolut nicht die Rede ist - und die entsprechenden revisionistischen Erklärungsversuche dahingehend erschienen bisher recht hilflos.[2] Dies jedoch hat nun definitiv ein Ende, da der kriminelle Charakter dieses »Indizes« nun endgültig dahin ist. Damit ist auch der letzte angebliche »Beweis« für die Existenz von Menschengaskammern in Auschwitz widerlegt, der Holocaust-Revisionismus triumphiert auf ganzer wissenschaftlicher Linie. Diesen Gedanken möge der Leser nicht aus den Augen verlieren, auch wenn dies im nachfolgenden Beitrag nicht weiter betont wird.


1. Samuel Crowells Hypothesen im Lichte der Geschichte und der damaligen Technologie.

In der Ausgabe vom Dezember 1997 der Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung erschien ein längerer Artikel von Samuel Crowell mit dem Titel »Technik und Arbeitsweise deutscher Gasschutzbunker im Zweiten Weltkrieg« (S. 226-243).

Insbesondere in bezug auf Auschwitz behauptet Crowell:

»jede als Indiz für die Gaskammern angeführte Spur kann genauso als Beweis für einen deutschen Luftschutzraum oder, genauer gesagt, für die Ausrüstung eines Gasschutzraumes interpretiert werden« (S. 226)

Auf der Grundlage dieser Hypothese interpretiert Crowell die 39 von Jean-Claude Pressac vorgelegten angeblichen »kriminellen Spuren«[3], indem er postuliert, in den Krematorien von Auschwitz seien gassichere Luftschutzräume geplant und eingerichtet worden.

So verlockend diese Hypothese auch erscheinen mag, so falsch ist sie dennoch historisch betrachtet, ruht sie doch auf der irrtümlichen Annahme, daß die Zentralbauleitung der Lager in Auschwitz die Errichtung von Luftschutzeinrichtungen bereits im Frühjahr 1943 anordnete, also zu einem Zeitpunkt, als die zwei mit Kellern versehenen Krematorien II und III fertiggestellt wurden. Tatsächlich gab der Kommandant des Lagers, SS-Obersturmbannführer Liebehenschel, erst am 16. November den Befehl zur Einrichtung von Luftschutzmaßnahmen.[4]

Zudem erscheint die von Crowell vorgebrachte Hypothese auch deshalb unhaltbar, weil laut vieler eingesehener, wenngleich nicht fotokopierter Dokumente die in Birkenau eingeführten Lutschutzmaßnahmen lediglich darin bestanden, daß man in Übereinstimmung mit standardisierten Verfahren Splitterschutzgräben in den Boden grub. Unter den mehr als 300 im Lager Birkenau durchgeführten Bauvorhaben jedenfalls befindet sich nur eine Luftschutzeinrichtung, und zwar im alten Krematorium des Stammlagers Auschwitz. Dies wurde Ende 1944 in einen »Luftschutzbunker für SS-Revier mit einem Operationsraum« umgewandelt.[5]

Oswald Pohl genehmigte während seines Besuchs in Auschwitz am 16. Juni 1944 24 Bauvorhaben, worunter sich lediglich eines mit Bezug auf Luftschutzmaßnahmen befindet:[6]

»Luftschutzmaßnahme - 10 Löschteiche von je 400 cbm Inhalt.

Sicherungslinie für Lager (I) - 15 Stück 1-Mann Splitterschutzbunker«

aber wir haben bisher keine Kenntnisse darüber, daß diese Projekte auch tatsächlich ausgeführt wurden.

Die Ansicht von Crowell, bei den Objekten vor den Häftlingsbaracken handele es sich um »Splittergräben« oder »Splitterbunker für Häftlinge« ist zumindest gewagt. Während es Hunderte von Dokumenten gibt, die die Errichtung der Birkenauer Krematorien im Einzelnen schildern, ist uns bisher kein einziges bekannt, das die Existenz irgend welcher Luftschutzräume innerhalb dieser Gebäude belegt. Crowells Hypothese erscheint daher unfundiert. Zudem erscheint auch seine Beweisführung insofern methodisch unsauber zu sein, als er systematisch Dinge verwechselt, die zwar äußerlich ähnlich, hinsichtlich Funktion und Zweck aber unterschiedlich sind. Schließlich wird versucht, den Mangel an dokumentarischen Beweisen durch umstrittene sprachliche Interpretationen auszugleichen.

Crowells Hypothese stellt die Behauptung auf, die Leichenkeller der Krematorien II und III in Birkenau seien

»tatsächlich als Leichenkeller mit einer möglichen Zusatzfunktion als Luftschutzkeller entworfen und gebaut wurden« (p. 240)

Wir müssen daher dieser Behauptung widersprechen, zumal es keine Bauzeichnung der Krematorien sowie keine andersartigen Dokumente gibt, die eine derartige Zusatzfunktion der Leichenkeller andeuten, im Gegensatz etwa zu dem, was wir hinsichtlich des »Ausbau[s] des alten Krematoriums als Luftschutzbunker für SS-Revier mit einem Operationsraum« wissen, der sowohl von Bauplänen als auch durch Dokumente gestützt wird.

Abbildung 1: Giftgassichere Lüftungsanlage eines Luftschutzbunkers aus den 30er Jahren (Italien).[10]

Da Crowells Hypothese postuliert, die Zentralbauleitung habe gemäß den technischen Vorschriften, wie sie Crowell in der damaligen Fachliteratur fand, in den Kellern der Krematorien II und III permanente Luftschutzbunker eingerichtet, einschließlich komplexer Installationen[7] wie Luftschutzräume, Entgiftungsanlagen, Dekontaminationszentren usw., sowie einschließlich der notwendigen Ausrüstung (Luftfilter- und Regenerationsvorrichtungen. Sauerstoffbehälter etc.), folgt daraus, daß es diesbezüglich Baupläne und Dokumente sowie Bezüge auf ebensolche geben müßte. Deren Nichtexistenz kann nicht durch eine bloße sowjetische Manipulation erklärt werden, zumal derartige Luftfilter- und -regenerationsanlagen[8] irgendwo im Inventar der Übergabeverhandlungen der Krematorien auftauchen müßten, denn diese Anlagen waren sicherlich wichtiger als die regelmäßig aufgeführten »Brausen« oder »Zapfhähne«.

Zudem soll man unter den vielen existierenden Dokumenten zumindest einige Bezüge zu derartigen Ausrüstungen finden, etwa bei den Dokumenten über die Lüftungsanlage der Kellergeschosse oder auf den bekannten Bauplänen der Krematorien.

Auch vom technischen Standpunkt aus betrachtet erscheint die Hypothese Crowells unfundiert zu sein:

Auch wenn ein »Auskleideraum« - und so wurden die Leichenkeller 2 der Krematorien II und III in Dokumenten bisweilen tituliert - »ein üblicher Bestandteil« eines Luftschutzbunkers war (Crowell, S. 235), so waren diese Auskleideräume in diesem Fall aber nicht mit gasdichten Türen ausgerüstet. Tatsächlich war keine Zugangstür zu dem Kellergeschoß gasdicht, was doch recht erstaunlich wäre, hätte dieser Keller ein Luftschutzraum sein sollen. Noch weitaus bezeichnender ist die Tatsache, daß das Lüftungssystem der Leichenkeller 1 und 2 in den Krematorien II und III - im Gegensatz zu Crowells Behauptung - für einen Luftschutzbunker völlig unzureichend war. Während Crowell versichert,

»zudem entsprechen die Leistungsdaten der Lüftung denen eines Luftschutzkellers«, (S. 239)

gründet er dann aber die Zahl der für Luftschutzbunker empfohlenen Luftwechsel auf der von Pressac angegebenen falschen Lüftungskapazität des Leichenkeller 1: »zwischen 9.000 und 10.000 m3«[9] und gibt sogar den Frischluftbedarf an (9.450 m3) »bei maximaler Kapazität 525 Personen« (S. 239). Er übergeht dabei drei für Luftschutzbunker ausschlaggebende Faktoren:

  1. Schon die bloße Verwendung von Giftgasfiltern führt zu einem Druckverlust von 50 bis 100 mm Wassersäule (etwa 0,005-0,01 atm). Einschließlich der Reibungsverluste in den Lüftungskanälen (etwa 50 mm Wassersäule) kommt man somit auf einen Überdruckbedarf für die Lüftung eines Luftschutzbunkers von mindestens 100-150 mm Wassersäule, abhängig von der Größe des Bunkers.[10] Tatsächlich aber konnte das Luftzufuhrgebläse im Leichenkeller 1 nur einen Überdruck von 40 mm Wassersäule erzeugen.[11] Seine Leistung war also schon zur bloßen Überwindung eines Giftgasfilters zu klein.
  2. Der Bedarf von zwei unabhängigen Lüftungssystemen: das der »Hauptbelüftung, die normalerweise während der Besetzung des Bunkers betrieben wird,« und das der »Schutzbelüftung, die während des Gasalarm in Betrieb genommen wird«.[12] Diese beiden Systeme hatten zwei verschiedene Leitungssysteme, die über ein gasdichtes Ventil miteinander verbunden waren und über eine gemeinsame Frischluftzufuhr verfügten., vgl. Abbildung 1. In diesem Fall teilte sich die Frischluftleitung innerhalb des Bunkers in zwei Leitungen, die beide zu einem separaten Gebläse führten: eines der »Schutzbelüftung« durch den Giftgasfilter und das andere Gebläse der direkt wirkenden »Hauptbelüftung«. Die Leichenkeller 1 aber hatten nur eine »Hauptbelüftung« eingebaut, die, wie oben ausgeführt, mangels leistungsfähigen Gebläses nicht als »Schutzbelüftung« dienen konnte.
  3. Die Notwendigkeit, das Zuluftgebläse innerhalb des Bunkers einzubauen. Die Zu- wie Abluftgebläse der Leichenkeller allerdings waren im Dachgeschoß des Krematoriums eingebaut[13], wo sie von der ersten Bombe, die das Krematorium traf, zerstört werden würden.

Abbildung 2: VEDAG-Rechnung vom 28.7.1943 für »ausgeführte Abdichtungsarbeiten für die Entlwesungsanlage« des »Auschwitz-Krematorium«.[27] (Zum Vergrößern Bild Anklicken)

Zumal die Leichenkeller 1 und 2 auch nach Crowells Auffassung immer noch hauptsächlich als Kammern zur Aufbewahrung von Leichen benutzt wurden (S. 239) - und Leichen gab es damals bekanntlich viele - bedeutet seine These vom praktischen Standpunkt aus betrachtet, daß sich im Falle eines plötzlichen Luftangriffes unvermeidlich lebende Personen zusammen mit vielen Leichen in einem Raum befanden. Es wäre sicher nicht einladend gewesen, in einem gasdichten Raum viele Stunden lang mit infizierten oder infizierenden und verwesenden Leichen zusammengesperrt zu sein!

Vom baulichen Standpunkt aus betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Leichenkeller als Luftschutzkeller »entworfen und gebaut« wurden, wegen des radikal unterschiedlichen Verwendungszweckes der beiden Einrichtungen recht unwahrscheinlich, insbesondere angesichts der logischen Konsequenz einer solchen Planung, da man nämlich lebende Personen zusammen mit Toten einsperren müßte. Welcher Ingenieur hätte ein derartig gruseliges Projekt entworfen, das allen elementaren hygienisch-sanitären Regeln widerspricht?

Nachfolgend erlauben wir uns die nähere Betrachtung einiger Behauptungen Crowells. Seine Hypothese umfaßt die Kritik von Pressacs »kriminellen Spuren« anhand verbogener Sprachinterpretationen. Typisch dafür ist das Beispiel betreffs des Wortes »Vergasung«. Zunächst verdeutlicht er:

»der Begriff Vergasungs[keller] taucht in keinem anderen bisher bekannten Dokument und in keiner anderen Publikation der damaligen Ära auf« (S.233)

Sodann präsentiert uns Crowell eine linguistisch-akademische Abhandlung über deutsche Präfixe und Suffixe, um zu beweisen, daß der Begriff »Vergasung« sich nicht unbedingt auf Schädlingsbekämpfung beziehen muß, da der korrekte Begriff dafür Begasung sei, und daß Vergasung

»auch einfach auf etwas vergastes, gasförmig gemachtes Bezug nehmen kann« (S. 233-234)

Sodann schließt er, das im Nürnberger Dokument NO-4473 auftauchende Wort »Vergasungskeller« bezeichne

»einen Keller [...], der zur Aufnahme von Gasverletzen gedacht ist« (S. 234)

oder aber daß der fragliche Begriff, A.R. Butz' Theorie folgend, einen »Gaskeller« bezeichne als Synonym für »Gasschutzkeller« (S. 238). Diese Interpretation ist unfundiert, vor allem weil der Begriff »Vergasung« im »Erläuterungsbericht zum Vorentwurf für den Neubau des Kriegsgefangenenlagers der Waffen-SS, Auschwitz O/S« vom 30. Oktober 1941 auftaucht, wo der Begriff sich auf einen »Vergasungsraum«, also die HCN-Gaskammer in den »Entlausungsbaracke[n]« 1 und 2 (Bauwerken 5a und 5b) in Birkenau bezieht.[14] Dieser Begriff ist daher sehr wohl stark mit der Schädlingsbekämpfung mit HCN verknüpft. Zweitens sind Crowells linguistische Analysen verdreht. Das Dokument, in dem der Begriff »Vergasungskeller« das erste Mal auftaucht, ist der am 29. Januar 1943 von SS-Hauptsturmführer Bischoff, Leiter der Zentralbauleitung Auschwitz, verfaßte Brief an SS-Brigadeführer Kammler, Chef der Amtsgruppe C des Wirtschaft-Verwaltungshauptamtes der SS (WVHA). Können wir ernsthaft annehmen, daß Bischoff in einem offiziellen Dokument ein derart verdrehtes Wort wie »Vergasungskeller« verwenden würde, um damit »etwas [V]ergastes« oder einen »Gasschutzkeller« zu bezeichnen? Oder soll dies etwa Tarnsprache sein?

Crowells Hypothese erweist sich noch an einer anderen Stelle als problematisch bei der Erklärung ähnlicher (in den Dokumenten so geschriebener) Begriffe, nämlich »Gasskammer« und »Gassdichtenfenster« in bezug auf die Krematorien IV und V, wobei Crowell unterstellt, diese Begriffe seien als Synonyme für »Gass[chutz]raumdichtenfenster« und »Gass[chutz]kammer« verwendet worden (S. 237), und zwar unter der Behauptung, auch in jenen Krematorien habe es Luftschutzräume gegeben. Da diese Gebäude komplett oberirdisch errichtet wurden mit einer Wand von nur 25 cm Dicke[15] und einer sehr fragilen Dachkonstruktion (»Bretternagelbinder, doppelte Pappdeckung, Decke mit Heraklithplatten benagelt«[16]), erweist sich Crowell von vornherein als technisch unhaltbar, heißt es doch in einem technischen Handbuch der 30er Jahre:[17]

»mittelschwere, aus normaler Flughöhe abgeworfene Bomben haben ein Durchdringungsvermögen von 0,40 bis 0,50 m durch Stahlbeton, 1,20 m durch gewöhnliche massive Ziegelsteinwände und noch tiefer bei hohlen Ziegelsteinwänden.«

Daher gelte, daß man[18]

»zum Schutz vor der Wirkung einer mittleren Bombenexplosion eine Decke von circa 0,80 m Dicke braucht.«

Es ist daher klar, daß bereits die erste Bombe diesen hypothetischen Luftschutzraum zusammen mit dem Krematorium zerstört hätte. Pressac mag daher in diesem Fall recht haben, wenn er darauf hinweist, es handele sich in diesem Fall schlicht um Schreibfehler für »Gaskammer« und »gasdichte Fenster«.

Auch bezüglich der »4 Drahtnetzeinschiebvorrichtungen« und »Holzblenden« ist Crowells Hypothese recht überraschend. Sie wird eingeleitet mit dem Hinweis, die Begriffe »Drahtnetz« und »Blenden« kämen ebenfalls in der Luftschutzliteratur vor. Sodann vermerkt Crowell:

»Die Auschwitzer Auftragsnummer-Nr. 353 vom 27. April 194398 enthält folgende Bestellung: „12 Stücke Fenstergitter 50 x 70 cm", was allgemein als Drahtnetzgitter für jene 12 gasdichten Fenster (oder Türen) angesehen wird, die wir oben als identisch mit den Blenden und Holzblenden festgehalten hatten« (S. 236)

Aber dieses Postulat übergeht die bemerkenswerte Tatsache völlig, daß die hier behandelten Begriffe im Übergabe-Inventarverzeichnis des Krematoriums II beim Leichenkeller 2 aufgeführt werden.[19] Nimmt man dies als gegeben hin, so fragt sich: Wo waren denn die 4 Öffnungen, die von den 4 Holzblenden abgedeckt werden sollten? Es gab sie weder im Leichenkeller 1 noch im Leichenkeller 2!

Die für die Krematorien IV und V vorgesehenen »gasdichten Fenster« haben daher nichts mit »gasdichten Blenden« für Luftschutzbunker zu tun, was auch dadurch verdeutlicht wird, daß sie nach außen hin zu öffnen waren, erkenntlich aus den von Pressac veröffentlichten Fotos.[20]

Gleichfalls unhaltbar ist die Hypothese, die »Fenstergitter« der Krematorien IV und V seien »Drahtnetzgitter« gewesen, da es im Auftrag Nr. 127 vom 29. März 1943 für die Krematorien IV und V diesbezüglich heißt:[21]

»Herstellung von Eisengitter für nachstehende Fenster: 30 Stück 1,00 x 1,500 m, Stück 0,50 x 1.00 m, 4 Stück 0,30 x 0,40 m.«

Es ist daher offensichtlich, daß »Fenstergitter« »Eisengitter« waren und keine »Drahtnetzgitter«.

Bezüglich der »Gasprüfer« bietet uns S. Crowell keine eigene Erklärung an und akzeptiert statt dessen die von A.R. Butz angebotene Erklärung, es handle sich dabei um Geräte zur Prüfung der Müllverbrennungsgase auf einen eventuellen Blausäuregehalt. Diese an den Haaren herbeigezogene Erklärung habe ich bereits anderswo als unhaltbar nachgewiesen.[22] Andere kleinere »kriminelle Spuren« Pressacs erklärt Crowell auf ähnliche Art und Weise.

Abbildung 3: Aufstellung des Metallbedarfs der Fa. Topf, u.a. für »2 Topf Entwesungsöfen für das Krema II«.[23] (Zum Vergrößern Bild Anklicken)

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß Crowells Hypothesen aus folgenden Gründen als historisch, technisch und dokumentarisch unbegründet angesehen werden müssen:

  1. Vor Ende des Jahres 1943 wurden in Auschwitz-Birkenau absolut keine Luftschutzmaßnahmen getroffen;
  2. Die Einrichtung von Gasschutzbunker in den Krematorien II und III wäre aus folgenden Gründen unmöglich gewesen:
  3. a. keine der Zugangstüren zum Kellergeschoß war gasdicht;

    b. die Lüftungsanlage des Kellergeschosses war völlig unzureichend und hätte nicht mit Giftgasfiltern betrieben werden können;

    c. die Gebläse für das Kellergeschoß waren auf dem Dachboden der Krematorien untergebracht und wären daher beim ersten Bombentreffer ausgefallen;

    d. Leichenkeller zudem auch noch als Luftschutzkeller zu verwenden, liefe auf jeden Fall allen elementaren hygienisch-sanitären Regeln zuwider.

  4. Die Einrichtung von Gasschutzräumen in den Krematorien IV und V war technisch undurchführbar, da diese Gebäude gegen Bombentreffer keinen Schutz boten.
  5. Es gibt kein einziges Dokument, daß Crowells Hypothesen stützen würde, noch nicht einmal solche, die irgendwelche diesbezüglichen Hinweise geben, zum Beispiel in jenen bezüglich der Übergabeverhandlung der Krematorien.

2. Dokumente mit Hinweisen auf hygienisch-sanitäre Einrichtungen in den Krematorien von Birkenau.

Abbildung 4: Einzelrechnung der Fa. VEDAG vom 28. Juli 1943 zu Arbeiten an »BW: 32 = Entwesungsanlage« (Zentralsauna).[29] (Zum Vergrößern Bild Anklicken)

Da wir die Hypothese von Gasschutzräumen als unhaltbar nachgewiesen haben, zugleich aber auch die ebenso unbegründete Hypothese von Menschengaskammern ausschließen müssen, stellt sich die Frage, wie man denn sonst die von Pressac angeführten Indizien erklärt? Auch wenn eine umfassende Antwort darauf etwas schwierig ist, so gibt es dennoch eine bestimmte Anzahl von Dokumenten, die uns helfen, die Absichten der Auschwitzer Zentralbauleitung zu begreifen, und die uns dabei behilflich sind, die allgemeine Situation zu rekonstruieren, in der diese Beweisstücke historisch eingebettet sind; vor allem beziehe ich mich dabei auf Dokumente von schwerwiegender Beweiskraft, von denen ich einige nachfolgend zitieren werde.

Zunächst findet man in einer »Aufstellung« der Fa. Topf vom 13. April 1943 bezüglich des Metallbedarfs für den Bau bestimmter Anlagen des Krematorium II in Auschwitz folgende Information:[23]

»2 Topf Entwesungsöfen für das Krema II im Kriegsgefangenenlager, Auschwitz«

Am 14. Mai sandte Bischoff schließlich an die Fa. Topf folgendes »dringende Telegramm«:[24]

»Mitbringt Montag überschlägiges Projekt für Warmwasserbereitung für ca. 100 Brausen. Einbau von Heizschlangen oder Boiler in den im Bau begriffenen Müllverbrennungsofen Krem. III oder Fuchs zwecks Ausnutzung der hohen Abgangstemperaturen. Evtl. Höhermauerung des Ofens zwecks Unterbringung eines großen Reservebehälters ist möglich. Es wird gebeten entsprechende Zeichnung Herrn Prüfer am Montag den 17.5. mitzugeben.«

Am 5. Juni 1942 sandte die Fa. Topf die Bauzeichnung D60446 an die Zentralbauleitung »den Einbau der Boiler in den Müllverbrennungs-Ofen betreffend«. Dieses Projekt betraf ebenfalls eine für das Krematorium II vorgesehene Anlage.[25]

In einem undatierten, aber anscheinend im Juni 1943 verfaßten »Fragebogen« bezüglich der Birkenauer Krematorien beantwortete der Leiter der Zentralbauleitung, Bischoff, die Frage »Werden die Abgase verwertet?« mit: »geplant aber nicht ausgeführt«, und als Antwort auf die folgende Frage: »Wenn ja zu welchem Zweck?«, antwortete Bischoff: »für Badeanlagen im Krema. II und III.«[26]

Schließlich gibt es eine Rechnung der Fa. VEDAG Vereinigte Dachpappen-Fabriken Aktiengesellschaft, datiert vom 28. Juli 1943 mit dem Betreff: »Auschwitz-Krematorium« mit Bezug auf »ausgeführte Abdichtungsarbeiten für die Entwesungsanlage« (Hervorhebung hier hinzugefügt), die zwischen dem 21. Mai und 16. Juli 1943 ausgeführt wurden, vgl. Abbildung 2.[27]

Bevor irgendwelche Schlußfolgerungen daraus gezogen werden, sind einige Erläuterungen nötig. Obwohl die beiden Topf Entwesungsöfen schließlich in der später errichteten Zentralsauna eingebaut wurden, schreibt sie das oben zitierte Dokument dem Krematorium II zu. Das Vorhaben zum Einbau von 100 Duschen im Krematorium III (sowie im Krematorium II) kann sich unmöglich darauf bezogen haben, für die Mitglieder des »Sonderkommando« in den Krematorien Duschgelegenheiten zu schaffen, da der später errichtete »Brauseraum« in der Zentralsauna mit nur 50 Duschen dem ganzen Lager diente;[28] es ist daher klar, daß die im oben zitierten »Fragebogen« auftauchende »Badeanlagen im Krema II und III« für die Häftlinge des ganzen Lagers vorgesehen waren, daß man also plante, aus den Krematorien II und III Hygienezentren zu machen.

Zweck solcher Zentren war es, die Häftlinge und ihre Kleidung zu säubern, d.h. von Schmutz und krankheitsübertragenden Parasiten zu befreien. Dazu gehört notwendigerweise aber auch eine Entseuchungs- bzw. Entwesungsanlage. Der Ausbau der Krematorien zu derartigen unterblieb aber wohl deshalb, weil man inzwischen mit den Bauarbeiten für die Zentralsauna begonnen hatte, die für diese Zwecke besser geeignet war. Die hier zitierten Dokumente belegen jedenfalls eine zeitweilige Absicht der Zentralbauleitung, Kremierung, Häftlingssäuberung und Kleiderentwesung im selben Gebäude durchzuführen.

Nun ist es nicht unerheblich festzustellen, daß das Vorhaben „Heißwasseranlage für Duschen" mit dem Müllverbrennungs-Ofen verbunden war und nicht etwa mit den Krematoriumsöfen, wie dies z.B. beim Fünf-Muffel-Ofens des KL Lublin der Fall war. Meiner Ansicht nach lag der Grund für diese Entscheidung darin, daß die Krematoriumsöfen keine kontinuierliche ganztägige Warmwasserversorgung gewährleisten konnten. Die Krematoriumsöfen wurden mit anderen Worten nicht dermaßen intensiv genutzt, daß sie eine effiziente Warmwasserquelle hätten darstellen können.

Daß sich die VEDAG-»Rechnung«[27] tatsächlich auf die Zentralsauna bezieht, wird durch eine VEDAG Einzelrechnung bewiesen, die das gleiche Datum und den gleichen Inhalt hat wie die oben zitierte Rechnung, sich aber ausdrücklich auf »BW 32 = Entwesungsanlage« bezieht, was die Bezeichnung für die Zentralsauna war (vgl. Abb. 4).[29] Aber warum wurde die VEDAG-Rechnung dann mit »Auschwitz-Krematorium« übertitelt? Dieser Titel hat offenbar einen Zusammenhang zu der zuvor erwähnten Materialaufstellung von Topf vom 13. April 1943 bezüglich »2 Topf Entwesungsöfen für das Krema II«, die dann allerdings in der Zentralsauna installiert wurden. Auf jeden Fall stellen diese Dokumente einen Zusammenhang her zwischen den Birkenauer Krematorium und Entwesungen und belegen zumindest einen Plan oder eine zeitweilige Absicht der Zentralbauleitung, Kremierungen und Entwesungen im selben Gebäude durchzuführen.[30]

Es ist wichtig festzuhalten, daß Pressacs sogenannte »kriminelle Spuren« zeitlich mit dem Wiederauftreten der Fleckfieberepidemie zusammenfallen, die zuerst im Juli 1942 ausgebrochen war, wie ich anderswo gezeigt habe.[31] Während der sich daran anschließenden Monate waren Hygiene und Gesundheit des Lagers in einer sehr ernsten Situation. Ende März 1943 gab es sogar Fleckfieberfälle unter den Zivilarbeitern im Lager. Am 1. April schrieb daher der SS-Standortarzt einen Brief an Bischoff, der mit diesen Worten beginnt:[32]

»Die in letzter Zeit sich häufenden Fleckfieberfälle unter den Zivilarbeitern machen die Durchführung einer abermaligen gründlichsten Entlausung erforderlich, damit seitens der zivilen Behörden nicht Maßnahmen verlangt werden, die eine Einstellung oder Erschwerung der Durchführung der kriegswichtigen Aufgaben bedeuten könnten.«

Am 7. Mai fand im Auschwitzer Führerheim ein Treffen statt, dem Kammler vorsaß. Es nahmen daran teil: Lagerkommandant Rudolf Höß, Möckel, Leiter der SS-Standortverwaltung, Caesar, Leiter der Landwirtschaftsbetriebe, SS-Standortarzt Wirths sowie Bischoff und Kirschneck von der Zentralbauleitung. Zwei Tage danach fertigte Bischoff einen »Aktenvermerk« an, in dem u.a. festgehalten wurde:[33]

»Um eine endgültige Lösung für die Entlausung im KGL zu schaffen, wurde vom Standortarzt angeregt, für jeden Unterabschnitt der Bauabschnitte, das sind 10 neue komplette Entwesungsanlagen, einschließlich Bademöglichkeit zu schaffen. Dem gegenüber wurde vom Leiter der ZBL darauf hingewiesen, daß sich die große Entwesungsanlage [Zentralsauna] des KGL im Bau befindet und erst fertiggestellt muß.«

Am 4. Juni 1943 beantragte Bischoff in Beantwortung eines Schreibens des WVHA die Genehmigung für das ursprüngliche Projekt Zentralsauna mit folgender Begründung:[34]

Carlo Mattogno, Jahrgang 1951, genoß eine Universitätsausbildung in Philosophie und Orientalistik. Er engagiert sich seit 1979 im Revisionismus und hat zu diesem Thema ungezählte Bücher und Artikel in mehreren europäischen Sprachen veröffentlicht.

»Mit den Bauarbeiten für die Entwesungs- und Desinfektionsanlage nach dem ursprünglichen Entwurf mußte sofort begonnen werden, da wegen der Belegung des noch im Bau befindlichen Lagers sowohl vom Arzt als auch vom Lagerkommandanten sofortige Maßnahmen für eine Entwesungsmöglichkeit gefordert werden. Nachdem im Zigeunerlager Fleckfieber ausgebrochen ist, wurde die Erstellung einer Desinfektionsanlage derart dringend notwendig, daß mit den Bauarbeiten im Rahmen der von SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Dr. Ing. Kammler angeordneten Sonderbaumaßnahmen zur Verbesserung des hygienischen Verhältnisse sofort begonnen wurde.«

Aufgrund dieser Dokumente kann man daher nur einen Schluß ziehen:

Die bezüglich der Krematorien anvisierten, oben dargelegten Projekte waren Teil jener »Sonderbaumaßnahmen zur Verbesserung des hygienischen Verhältnisse«.


Abkürzungen

TCIDK = Moskauer Zentrum zur Aufbewahrung historischer Dokumentensammlungen
APMO = Archiv des Nationalmuseums Auschwitz
APMM = Archiv des Nationalmuseums Majdanek

Anmerkungen

[1]Beispielsweise: D. Czech, Kalendarium der Ereignisse..., Rowohlt, Reinbek 1989, S. 397; J.-C. Pressac, Technique and Operation of the Gas Chambers, Beate Klarsfeld Foundaton, New York 1989, S: 211, 432; Nürnberger Militär-Tribunal, Dokument NO-4473, englische Ausgabe, Vol. 5, S. 619f.; ebenso in Gerald Reitlinger The Final Solution 1953; Adler/Langbein/Lingens-Reiner, Auschwitz- Zeugnisse und Berichte, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt/Main 1979, S. 346, M. Broszat, H. Buchheim, H.-A. Jacobsen, H. Krausnick, Anatomie des SS-Staates, Band 2, dtv, München 1967, S. 417.
[2]A.R. Butz, The Hoax of the Twentieth Century, Historical Review Press, Brighton, Sussex, 1976, S. 121; neuer: http://pubweb.acns.nwu.edu/~abutz/di/dau/vk.html, W. Stäglich, Der Auschwitz Mythos, Grabert, Tübingen 1979, S. 70ff., zusammenfassend in E. Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, ebenda, 1993, Kapitel 2.7., S. Crowell, VffG 1(4) (1998), S. 233f.
[3]J.C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 429-457.
[4]Standortbefehl Nr. 51/43 vom 16. November 1943. Gosudarstvennji Archiv Rossijskoi Federatzii, Moskau, 7021-108-32, S. 73. Liebehenschel ernannte darin SS-Untersturmführer Jothann zum »örtlichen Luftschutzleiter«, der mit dem 1. Oktober 1943 Leiter der Zentralbauleitung wurde.
[5]Der diesbezügliche Kostenüberschlag ist datiert mit dem 2. November 1944. TCIDK, 502-2-147, S. 126-127.
[6]Aktenvermerk vom 17.6.1944. NO-2359.
[7]Die Komplexität gassicherer Luftschutzbunker ergibt sich beispielhaft aus Abbildung Dokument 1a und b.
[8]Derartige Anlagen sind komplex und teuer. Abbildung 2 zeigt eine italienische Anlage aus den dreißiger Jahren.
[9]Die tatsächliche Kapazität betrug lediglich 4.800 m3 Luft pro Stunde. Auch das von S. Crowell angegebene Volumen des Leichenkeller 1 (525 m3) ist falsch. Die Innemaße betrugen 30×7×2,41 m³ = 506,1 m³. das tatsächliche Volumen, also abzüglich der 7 Betonpfeiler und des längs darüber verlaufenden Betonträgers, betrug 499 m³.
[10]Captain Doctor Attilio Izzo, Guerra chimica e difesa antigas, Hoepli, Milano, 1935, S. 259-261.
[11]»Gebläse zur Förderung von stündl. 4800 cbm Luft gegen 40 mm WS Gesamtpressung.« Topf Rechnung Nr. 171 vom 22.2.43, und Nr. 729 vom 27.5.43 bezüglich »Lieferung von Be- und Entlüftungsanlagen« für die Krematorien II und III. TCIDK, 502-I-327, S 25 und S. 16. Der Gebläsedruck des Leichenkellers 2 ist noch niedriger: 35 mm Wassersäule, ebenda.
[12]Dipl. Ing. Hermann Kämper, »Die technischen Einrichtungen von Luftschutzräumen verschiedener Art«, in Gesundheits-Ingenieur, 65 Jg., 1942, Heft 37/38, S. 296.
[13]Vgl. J.-C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, Piper, München, Zürich 1994, Dokumente 13, 14, 15.
[14]TCIDK, 502-1-233, S. 14 und 16.
[15]Dies ergibt sich aus dem Plan 2036(p) vom 11. Januar 1943. J.-P. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 399.
[16]Übergabeverhandlung von Krematorium IV, Gebäudebeschreibung TCIDK, 502-2-54, S. 26. Die hölzerne Dachkonstruktion der Krematorien IV und V ist aus der Zeichnung der Zentralbauleitung Nr. 1361 vom 14.10.42 ersichtlich, vgl. ebenda, S. 397.
[17]A. Izzo, aaO (Anm. 10), S. 343.
[18]Ebenda, S. 344.
[19]Gemeint ist das »Verzeichnis der Einrichtungsgegenstände«, angefertigt anläßlich der Übergabeverhandlung für Krematorium II, eine quadratisch vorformatierte Tabelle, worin in der linken Spalte die Namen der enthaltenden Räume und in der Kopfzeile die Ausrüstungsgegenstände aufgeführt wurden. Die Leichenkeller 1 und 2 befinden sich in den ersten beiden Zeilen. Beim Vergleich mit dem Bauplan 2197 bemerkte Pressac, daß die Einträge unter der Rubrik »Zapfhähne«, die sich auf den Leichenkeller 1 beziehen, in der Zeile des Leichenkellers 2 eingetragen wurden und umgekehrt, woraus er schlußfolgerte, daß die gleiche Verwechslung auch bezüglich der Spalten »Drahtnetzeinschiebvorrichtung« und »Holzblenden« gemacht wurde, in denen diese dem Leichenkeller 2 zugeordnet werden, was er aber falsch interpretiert (aaO. (Anm. 1), S. 429f.). Dieses Argument ist aber unfundiert, zumal in diesem Dokument nur die Zahlen der Wasserhähne vertauscht wurden, nicht aber etwa die der Lampen, die richtig eingetragen wurden.
[20]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 426f. Auch auf dem Foto des Krematorium IV ist ersichtlich, daß die Fenster des Westflügels nach außen öffneten.
[21]Verfahren gegen Rudolf Höß, Bd. 11a, S. 89. Unter der Annahme, daß diese Fenster tatsächlich nach außen öffneten, konnten diese Gitter nur von innen angebracht werden, was Menschenvergasungen massiv erschwert hätte!
[22]Vgl. »Critique of the A.R. Butz article, „Gas Detectors in Auschwitz Crematorium II"«, http://www.codoh.com/viewpoints/vpmatbutz.html, als Reaktion auf Butz' Beitrag »Gas Detectors in Auschwitz Crematory II«, http://pubweb.acns.nwu.edu/7Eabutz/di/dau/detect.html. Wir haben bewußt auf eine Veröffentlichung beider Beiträge in VffG verzichtet, da Prof. Butz' These wirklich etwas weit hergeholt ist. Anm. der Redaktion.
[23]APMO, BW 30/34, S. 47.
[24]APMO, BW 30/34, S. 40.
[25]TCIDK, 502-1-336 (Seitenzahl unlesbar).
[26]TCIDK, 502-1-312, S. 8.
[27]TCIDK, 502-1-316, S. 431, »Zweitschrift« in 502-1-323, S. 137; vgl.
Abbildung 2.
[28]Inventar der Übergabeverhandlung der »Desinfektions- und Entwesungsanlage« (Zentralsauna) vom 22. Januar 1944. TCIDK, 532-1-335, S. 3.
[29]TCIDK, 502-1-316, S. 430.
[30]Michael Gärtner (pers. Mitteilung) ist der Auffassung, die Inrechnungstellung durch die VEDAG könne absichtlich unter dem falschen Titel »Krematorium« erfolgt sein, weil das Bauprojekt Zentralsauna von Berlin noch nicht genehmigt worden sei (sie erfolgte Ende Mai 1943). Diese Ansicht wirft aber ebenfalls Probleme auf, da eine Inrechnungstellung unter dem Titel „Zentralsauna" (BW 32) sehr wohl schon früher erfolgte, vgl. die Rechnung des Ingenieurbüros F. Badziura vom 22.4.1943, TCDIK 502-1-323, S.170.
[31]Vgl. den dritten Abschnitt in meinem Beitrag »Die „Gasprüfer" von Auschwitz«, VffG, 2(1) (1998), S. 16.
[32]TCIDK, 502-1-332, S. 222.
[33]TCIDK, 502-1-233, S. 37.
[34]TCIDK, 502-1-336, S. 106.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 152-158.


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