Rebellion

Von Tom Pain

Es warn einmal gewisse Staaten,
die hatten Schweres zu beraten:
Was tun mit solchen Elementen,
die nicht zur „Wahrheit" sich bekennten?

Gefährlich agitieren die Revisionisten –
Doch jetzt ist Schluß mit diesen Faschisten!
Noch heut wird ein neues Gesetz ausgedacht,
das ihnen bald den Garaus macht.

Wer leugnet, daß das Nazireich
dem des Teufels war fast gleich,
den erklären wir zum Ketzer,
verurteiln ihn als Volksverhetzer.

Schließlich zeigten die Nürnberger Tribunale
deutlich ein für alle Male
was damals in dem Reich geschah:
Verbrechen, wie sie keiner vorher sah.

Wie also können Revisionisten wagen
das Altbekannte zu hinterfragen?
Und selbst dabei nicht verzagen,
was sie denken auch zu sagen?

Frei sei das Wort in Red’ und Schrift,
wen auch immer es betrifft?
Das kann doch geradezu verleiten
jedwelche Lügen zu verbreiten!

Man kann das Wort so hoch unmöglich schätzen.
Man muß es anders übersetzen:
Erlaubt ist alles frei zu sagen
solang’s nicht rührt bestimmte Fragen.

Ist auch nicht jeder Fakt zu nennen
Muß man als Wahrheit doch erkennen:
Ob Opfer einzeln groß, ob klein –
Ganz müssen’s sechs Millionen sein.

Leugnet wer diese Offenkundigkeit
so ist die Strafe schon bereit.
Geächtet sei dies scheußliche Subjekt,
Daß voll solch abgrundtiefer Bosheit steckt.

Harmlos ist doch der gewöhnlich Kriminelle,
der nur sein Vorteil sucht auf Schnelle.
Anders hingegen der Revisionist,
Denn der versucht mit Hinterlist

Ein heiles Weltbild zum Einsturz zu bringen
mittels wohldurchdachter Schlingen.
So wühlt er unermüdlich fort,
Verherrlicht früheren Völkermord.
Volksschädlinge, die ausgemerzt gehören
bevor sie andere betören
den alten Glauben zu vergessen
und zu zweifeln sich vermessen.

Wer ihre Ansicht teilt ist meist
nur allzu krank in seinem Geist.
Am besten, daß man sperrte sie
in die politisch Psychiatrie.

Zum Glück gibt es noch rechte Bürger,
die geben es dem frechen Würger.
Und schlagen einfach unverdrossen
aufs Maul, dem Lügen vorher sind entsprossen.

Bücher, nicht rechtzeitig verbannt,
wurden von Helden doch verbrannt.
Kein Recht dem, der die Rechte bricht –
so schlecht war doch die Feme nicht!

So schien im Sinn der Staatsgewalten
sich alles prächtig zu entfalten.
Gefährlich Schriften ließ man indizieren
Und die Verfasser drangsalieren.

Vom Bußgeld bis zur Kerkerhaft –
Der „Rechtstaat" hat’s ihnen verschafft.
Predigt man auch Toleranz –
In einer Richtung fehlt sie ganz.

Kämpft für des Einen Menschenrechte
und wünscht dem Andren alles Schlechte.
Behauptet, daß dies richtig sei
Und die Medien applaudieren dabei.

Ein Zustand, der für alle Zeiten?
Nicht, solang noch Menschen streiten!
Einst wird ein allgemein Erwachen
diesem endlich ein Ende machen.

Doch sollt in jenen glücklich Tagen
das Pendel nicht zur andren Seite schlagen;
wer heut verfolgt auf dieser Erde
morgen nicht zum Verfolger werde.

Niemals vergessen, nie vergeben –
das stört nur das Zusammenleben.
Begräbt man aber gemeinsam alle Toten
ist jeder Zwist von selbst verboten.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 139.


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