Die Nazifizierung der Deutschen

Von Ralph Raico

Vor nicht allzu langer Zeit bemerkte einer meiner deutschen Freunde im Scherz, daß er sich vorstellen könne, was amerikanische Studenten unter „Deutsche" verstehen: Bier, Lederhosen und Nazis. Ich antwortete, daß Amerikaner grundsätzlich, ob Studenten oder nicht, nur eins mit Deutschland assoziieren: deutsch sein bedeutet primär Nazi sein, und das Maß künftiger Beurteilung wird gefärbt und kontaminiert mit Gedanken über die Nazis. Als Molly Ivins über Pat Buchanans Rede bei der Delegiertenversammlung der Republikaner in 1992 resumierte, daß »es sich besser im deutschen Originalton anhörte«, wußte jeder was gemeint war. Diese lockere Hetze wurde von William Safire und anderen aufgenommen und machte seine Runden. Das ständige Getöse aus Hollywood und von den großen Medien unterrichtet uns ausführlich, was „Deutsch zu sein" wirklich bedeutet.

Dennoch gibt es, wie manche Deutsche stoisch behaupten, fünfzehnhundert Jahre (deutsche) Geschichte abseits vom „Dritten Reich". Kulturell betrachtet ist es ein sehr imposanter Beitrag (wobei Österreicher mindestens bis 1866 hinzugerechnet werden müssen, da Österreich genauso wie Bayern oder Sachsen Teil Deutschlands war). Von der Erfindung der Druckmaschinen, zum Auto bis zur Erschaffung ganzer wissenschaftlicher Zweige, der deutsche Beitrag zur europäischen Zivilisation, war, man kann es ruhig sagen, signifikant. Albertus Magnus, Luther, Leibniz, Kant, Goethe, Humboldt, Ranke, Nietzsche, Carl Menger, Max Weber - diese Größen kann man einfach nicht in den Geisteswissenschaften negieren. Und dann, natürlich, die Musik.

Der über die Jahrhunderte währende Beitrag der Deutschen, den Völkern im Osten und Süden überlegene Kultur zu vermitteln, war teilweise der kritische Punkt in den Phasen derer Entwicklung. Der ungarische Freisinnige, Gaspar M. Tamas, der für seine Landsmänner sprach, Tschechen, und andere berichteten von den Deutschen die unter ihnen lebten und 1945 vertrieben worden sind, daß ihre »Vorfahren unsere Kathedralen, Kloster, Universitäten und Bahnhöfe bauten.« Soweit es unser Land betrifft, berichtet Thomas Sowell in einer Laudatio über die deutschen Immigranten in einem seiner besten und faszinierendsten Bücher, Ethnic America, daß mehr als fünf Millionen Deutsche in die Vereinigten Staaten allein im neunzehnten Jahrhundert immigrierten (entsprechend einer neueren Volkszählung, sind heute rund siebenundfünfzig Millionen Amerikaner deutschen Ursprungs.)

Die NS-Brille des Auslandes: The Times, 1.3.2000, S. 20

Zusammen mit die Nachkommen der Immigranten von den Britischen Inseln bilden die Deutschen die grundlegende amerikanische Basis. Sie waren hochgeschätzte Nachbarn und ihre Lebensart wurde in die Amerikanische mit eingeflochten - der Weihnachtsbaum und „Stille Nacht" als Beispiel, sowie der Sonntag als Familientag, mitsamt seiner „fröhlichen doch geordneten Aktivitäten", wie sich ein englischer, bewundernder Zeitzeuge ausdrückt. Besteht da noch Zweifel, daß jene Hunderte von amerikanischen Dörfern und Städten, wo die Deutschen einst die Mehrheit bildeten, damals glücklicher waren als heutzutage?

Dennoch ist die Atmosphäre durch das ständige Trommeln auf diese Zeitspanne von zwölf Jahren in den Annalen dieses alten europäischen Menschenschlages vergiftet. Normalerweise würde man mit einer Verteidigung von Deutschland aus rechnen müssen. Doch ausgerechnet dort, unter der linken Intelligentia, findet man die Spitze aller Deutsch-Hasser. Die Gründe sind offensichtlich.

Während der letzten Jahrzehnte wurden diese Intellektuelle zunehmend frustriert über ihr eigenes Volk, welches bürgerlich und ordnungsliebend blieb. Sein Lebensstil ließ kaum Interesse an neo-marxistischen Veränderungsimpulsen zu. Zunehmend wurde dieser Frust in Haß und Verneinung des Deutschtums schlechthin umkanalisiert Vor allem wurden die Deutschen wegen ihrer „hoffnungslos fehlgeleiteten Vergangenheit" und ihrer bürgerlichen Sozialstruktur verdammt, die angeblich die Wiege des Nazismus sei. Gequälte Kommentare, wie sie der konservative Historiker Michael Stürmer schrieb, »daß wir nicht weiter leben können, indem wir andauernd uns selbst und unsere Vergangenheit verachten und wir uns durch unsere Vergangenheit einen ewigen Schuldkomplex aufoktroyieren«, waren lediglich der Beweis, daß die Deutschen unbedingt radikal umerzogen werden mußten.

Ein großer Teil der linken Intelligentia machte keinen Hehl aus ihrer Sympathie für die „Deutsche Demokratische Republik", die zumindest nicht ihre Untertanen zum Konsumrausch und zur „Ellbogen-Gesellschaft" versklavte, so wie es im Westen üblich ist. Natürlich gäbe es gewisse Exzesse, doch diese könnten mit dem Druck aus Bonn und Washington erklärt werden. Für diese Intellektuelle war es ganz normal, daß die DDR-Diktatur auf russische Panzer fußte und daß eine Mauer notwendig war, um die Intelligenz im Lande zu halten - das gehörte zu einem „normalen Staat" dazu. Folgerichtig denunzierten sie alle Versuche, den Zustand zu „destabilisieren", sogar lediglich offenherzig ausgesprochene anti-kommunistische Ansichten (man nannte es „primitiver anti-Kommunismus"). Sie lobten die „menschlichen Werte" des Kommunismus und seinen „positiven Kern", der sich deutlich vom Nationalsozialismus unterschied (so offenbarten sie ihre fehlende Intelligenz: sie zogen die Theorie der Wirklichkeit vor).

Der „Marsch durch die Institutionen" der deutschen Linken nach 1968 war besonders erfolgreich in den Medien, Schulen, Universitäten, Kirchen und zunehmend in der Politik. Ihre Kontrolle über die kulturelle Infrastruktur produzierte einen Zustand, in dem jegliche öffentliche, pro-deutsche Deklaration dem Rechtsradikalismus gleich kam. Vor dreißig Jahren, als der israelische Premierminister Levi Eshkol, an einem Bankett in Jerusalem Konrad Adenauer seine Zuversicht verkündete, »daß unter seiner [Adenauers] Führung das deutsche Volk zurück in die Gemeinschaft der zivilisierten Menschheit gelangen wird«, reagierte der alte Kanzler mit den Worten: »Herr Premierminister, was sie denken interessiert mich nicht. [...] Ich vertrete das deutsche Volk. Sie haben es beleidigt, und deshalb werde ich morgen früh abreisen.« Es ist schwer vorstellbar, daß heute ein deutscher Politiker, besonders der speichelleckende, ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, gerade einem Israeli gegenüber mit solch barschem Nationalismus kontern würde.

Dann kam 1989, der Fall der Berliner Mauer, und dazu Anzeichen, daß die Deutschen dennoch einen gewissen nationalen Stolz beherbergen könnten. Der konservative Historiker und Publizist Rainer Zitelmann schrieb, daß »die Linke die Vereinigung der beiden deutschen Staaten und den Zusammenbruch des Kommunismus als Niederlage empfanden«, ein gravierender Rückschlag der wieder gut zu machen sei, sollte es nicht noch zu einer „Wende" kommen und die Linke ihre Macht in der Politik verlieren. Die beste Gelegenheit boten die Bombenanschläge und Brandlegung der Asylantenheime durch Halbstarke. (Diese Ereignisse wurden genauso strategisch ausgeschlachtet, wie das Bombenattentat in Oklahoma City in den Vereinigten Staaten.)

Nun begann die groß angelegte Kampagne gegen den angeblich tief verwurzelten „Rassismus" und die „Fremdenfeindlichkeit", natürlich mit Begleitung hysterischer Warnungen vor einer „nazistischen Wiedergeburt", gekoppelt mit endlosen, angeblichen Ähnlichkeiten zwischen dem Nazismus und dem bürgerlichen Deutschland. Der ganz normale, menschliche Wunsch, in seinem eigenen Land unter seinesgleichen zu leben, kam somit dem Willen der Vernichtung anderer Völker gleich, so wie Hitler und seine Schlächter es manifestierten.

Der vorläufig letzte Spasmus der deutschen Selbstzerfleischung und Selbsthaß wurde durch die Veröffentlichung von Daniel Jonah Goldhagens Buch Hitlers freiwillige Helfer: die Deutschen und der Holocaust inszeniert. Das Buch wurde mit großem Aufwand publik gemacht, absurderweise von den Freunden des Autors in Harvard hochgelobt. Abe Rosenthal in den New York Times warb dafür: es sei ein packendes, emotionales Äquivalent zum ersten Besuch in Auschwitz. Die These seiner Arbeit, die einen Preis von der American Political Science Association erhielt, war, daß der Mord an Juden leicht erklärbar sei: über die Jahrhunderte hinweg waren die Deutschen „eliminierende" Antisemiten, und unter den Nazis wurden aus ihnen offene und enthusiastische „Vernichter". Es sollte die Feststellung genügen, daß Holocaust-Gelehrte die krumme Methodik und lächerlichen Behauptungen dieses Heuchlers in öffentlichen Debatten demolierten.

Die beste Revision wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht und in einem ausgezeichneten deutschen, konservativen Magazin, im Criticón, von Alfred de Zayas, einem amerikanischen Historiker, Juristen und einer respektierten Autorität für Internationales Recht.

Wann immer antisemitische Äußerungen oder Taten genannt werden, sprach Goldhagen ohne irgendeine Berechtigung von „den Deutschen", nicht von „den Nazis", oder sogar von „vielen Deutschen" . Es war, so de Zayas, ein einfacher polemischer Trick. Er verschweigt bekannte Fakten, nämlich, daß jeder, der mit dem Mord an den Juden beteiligt, am Führerbefehl Nr. 1, sowie an Sonderbefehlen von Himmler gebunden war: absolutes Stillschweigen oder Tod.

So dürfte es nicht verwundern, warum z.B. selbst der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, während des Krieges Luftwaffenoffizier, aussagte, daß er nie von der Vernichtung der Juden gehört hatte; oder Gräfin Dönhoff, Herausgeberin der liberalen Zeitung Die Zeit, behaupten sollte, die trotz ihrer engen Verbindungen zu einflußreichen Kreisen während des Krieges nie von Massenmorden in den Lagern hörte, und daß sie »von Auschwitz zum ersten Mal nach dem Krieg erfuhr«.

Goldhagen ignoriert einfach Standardwerke, die seiner These widersprechen. Er behauptet zum Beispiel, daß die deutsche Bevölkerung die Kristallnacht begrüßte und daraus ein nationales Volksfest machte. Sarah Gorden stellte in ihrem Werk Hitler, die Deutschen und die Jüdische Frage dagegen fest, daß »es eine Flut von öffentlichen Protesten gegen die Kristallnacht gab [...was immer die Motivation auch gewesen sein mag], unzweifelhaft bleibt jedoch, daß die Mehrheit dagegen war [...] nach der Kristallnacht versuchten die Nazis, ihre Maßnahmen gegen die Juden zu verheimlichen [...]«

Kein ernstzunehmender Kritiker war von den Debatten Goldhagens in den Vereinten Staaten oder Deutschland beeindruckt, auch nicht von den verkauften Büchern dieses beziehungsreichen Trödlers.

Alles wird im Ausland durch die verzerrende NS-Brille gesehen: Erst wurde Rover von BMW gekauft, jetzt droht BMW, Rover wegen Unrentabilität zu schließen. Englands Presse daraufhin:

»Wäre es nicht einfacher, ihre Fabriken zu kaufen und sie zu schließen?«

Was viele übersahen - mit der Ausnahme von de Zayas -, war die Funktion, die ein Werk wie Goldhagens hatte. Während er alle Deutsche als pathologisch antisemitisch „überführte", zeichneten seine Kritiker ein anderes Bild: nein, das gesamte Christentum, ja die Christenheit selbst ist in dem jüdischen Genozid verwickelt und man legte Wert darauf festzustellen, daß es das einzig größte Verbrechen der jüngsten Vergangenheit, der Menschheit überhaupt ist, während man andere Verbrechen einfach ausblendete. So wurden besonders die Missetaten der kommunistischen Regime nicht genannt.

Vor einem Jahrzehnt entfachte Ernst Nolte von der Freien Universität Berlin den sogenannten Historikerstreit. Indem er fragte: „Kam das Archipel Gulag nicht vor Auschwitz? War der Klassenmord der Bolschewiken nicht der logische und tatsächliche Vorläufer des Rassenmords der Nationalsozialisten?", Wurde er Ziel einer von Jürgen Habermas geleiteten Diffamierungskampagne.

Das sind immer noch gute Fragen. Tatsache ist, daß Stalinistische oder Maoistische Verbrechen, obwohl offenkundig, im Allgemeinen heruntergespielt werden und bei weitem nicht die Publizität wie das NS-Massaker an den Juden erhalten haben. Es ist sehr wahrscheinlich, daß jemand in den USA, der sich durch die Medien auf dem Laufenden hält, praktisch täglich Geschichten über den Holocaust vorgesetzt bekommt. Aber wer kennt den Namen Kolyma, wo mehr Menschen starben als in Auschwitz? Maos Opferzahlen, die allmählich aus China heraus sickern, sprechen von über dreißig bis vierzig Millionen Tote. Hat das Weltgewissen je davon Notiz genommen?

Des Weiteren gibt es einen Aspekt der Stalinistischen Grausamkeiten, welches der „Goldhagen Debatte" angemessen ist. Aus der Feder von Mikhail Heller und Aleksandr R. Nekrich in ihrer Geschichte der Sowjet Union Utopie an der Macht wird die Frage aufgeworfen, ob das Deutsche Volk über die NS-Verbrechen Bescheid wußte. Sie geben dazu keine Meinung ab. Doch bezüglich des mörderischen sowjetischen Krieges gegen das Landvolk und des Hungerterrors in der Ukraine stellen sie fest:

»Es besteht kein Zweifel, daß die sowjetischen Städtebewohner über das Massaker auf dem Lande Bescheid wußten. Tatsächlich versuchte keiner es zu verbergen. [...] An den Bahnhöfen konnten die Städter die Tausenden von Frauen und Kinder sehen, die ihre Dörfer fluchtartig verließen und die nun dem Hungertod preisgegeben waren. Kulacken, „entkulackte Personen" sowie „kulackische Henker" starben gemeinsam. Sie wurden nicht als Menschen betrachtet.«

Nirgends gab es einen Aufschrei für das russische Volk, keine Form von Wiedergutmachung, keiner spricht von einer „ewigen Schuld". Es ist eindeutig, daß die Untaten der Kommunisten in Rußland, China oder anderswo nie auf das Konto des Internationalismus und Egalitarismus gehen, während die des Nazismus immer beim Nationalismus und Rassismus zu finden sind.

Der Hinweis auf die kommunistischen Verbrechen kann und soll nicht die Zerstörung des europäischen Judentums verharmlosen. Das Massaker an den Juden war eine der schlimmsten Sachen, die jemals passieren konnten. Doch angenommen, daß es das schlimmste Verbrechen aller Zeiten war, gibt es nicht einen Weg, die kommunistischen Massenmorde zu erwähnen, sagen wir einmal für jede zehnte (oder hunderte) Erwähnung des Holocausts? Vielleicht auch: wenn wir schon Museen finanzieren, die fremden Opfer fremder Regime geweiht sind, so könnte doch eine Gedenkstätte der Opfer der Kommunisten in Erwägung gebracht werden. Dies natürlich nicht im Zentrum Washingtons, aber vielleicht auf einem billigen Grundstück in der Stadt?

Wenn schon die Verbrechen der Kommunisten nicht genannt werden, was soll man dann über Verbrechen sagen, die gegen Deutsche ausgeübt worden sind? Eines der bösartigsten Vermächtnisses Hitlers, Stalins oder Maos ist, daß jeglicher Politiker, der weniger als, sagen wir, drei bis vier Millionen Tote verantworten muß, Immunität besitzt. Das scheint nicht gerecht zu sein, und es war auch nicht immer so. Tatsächlich - der Leser möge es kaum glauben - gab es eine Zeit, als amerikanische Konservative führend in der Veröffentlichung alliierter, besonders amerikanischer Grausamkeiten gegen Deutsche waren.

Hochrangige Journalisten wie William Henry Chamberlin, in Amerikas Zweiter Kreuzzug, und Freda Utley, in Kostspielige Rache, prangerten jene an, die - wie es Utley nennt - unsere Verbrechen gegen die Menschheit begangen haben: Männer, die das Terrorbombardement gegen deutsche Städte befehligten, die Vertreibung von fünfzehn Millionen Deutsche aus ihrem angestammten Heimatland veranlaßten (in deren Zuge zwei Millionen starben - siehe de Zayas Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen), und jene, die die Endlösung der deutschen Frage durch den Morgenthau-Plan verwirklichen wollten.

Utley zeigte sogar das vorgeheuchelte „Dachauer Tribunal" gegen deutsche Soldaten und Zivilisten in den ersten fünf Jahren der amerikanischen Okkupation auf, indem sie auf Methoden verwies, die dem KGB, der Gestapo und der SS zur Erlangung von Geständnissen gleich kamen. Sie bestand darauf, daß gleiche ethische Maßstäbe für Sieger und Besiegte angewandt werden müssen. Falls nicht, könnte man behaupten, daß »Hitlers Annahme, daß Macht Recht sei«, korrekt ist. Beide Bücher wurden von dem verstorbenen Henry Regnery veröffentlicht, dem Letzten der alten rechten Garde, dessen Haus eine Bastion des Revisionismus nach dem Krieg war. Er brachte auch Charles Callan Tansills Klassiker Die Hintertür zum Krieg heraus.

Die ständige Vorführung der Periode des Nationalsozialismus dient den ideologischen Interessen einiger sehr einflußreicher Gruppen. Es ist offensichtlich, daß es zionistischen Zielen dient - so sehen es viele Zionisten. Es ist auch ein ausgesprochen brauchbares Instrument für die Befürworter der amerikanischen Globalisierung. Hitler und der unbedingt notwendige Kreuzzug, ihn zu zerstören, sind die Hauptargumente gegen jegliche Form einer amerikanischen „Isolation", sowohl in der Vergangenheit wie für die Zukunft. Jeglicher Vermerk, daß die Sowjetunion in diesem Kreuzzug selbst schwerere Verbrechen begangen hatte als NS-Deutschland, daß die Regierung der Vereinigten Staaten sich selbst durch barbarische Taten während und nach dem Krieg inkriminierte, muß dringend unterdrückt werden, damit das historische Gesamtbild nicht zu komplex wird.

Die deutsche Besessenheit der nie endenden Schuld dient auch jenen, die die Vernichtung von Nationalstaaten und nationaler Identität befürworten, zumindest für den Westen. Der Philosoph Robert Maurer stellt dabei fest, daß dieser Zustand bei den Deutschen »ein permanentes schlechtes Gewissen hervorruft, was sie wiederum verhindert, jegliche nationale Aufmerksamkeit zu besitzen.« So wie es funktioniert, dient es »als Modell einer kosmopolitischen Verdrängung jeglicher Form von Nationalismus«, etwas, was viele heute anstreben.

Ernst Nolte schlug neulich eine andere strategische Wirkung hervor, die dem gleichem Zweck dient. Es ist nicht zu übersehen, daß massive Umwälzungen im Gange sind, um die Legitimität westlicher Zivilisation zu begraben. Nolte schreibt, daß in dieser Kampagne radikaler Feminismus gekoppelt mit dem Anti-Okzidentalismus der Dritten Welt und dem Multikulturismus der westlichen Nationen »zur höchstgradigen Instrumentalisierung der „Mord an sechs Millionen Juden durch die Deutschen" verbunden wird, um es auf einen noch höheren Kontext des Genozids durch den plündernden und vernichtenden Westen zu stellen, damit der „homo hitlerensis" nur eine besondere Art des „homo occidentalis" sei.« Der Zweck ist »eine kulturelle und linguistische Einheit der Nationalstaaten, die über Jahrhunderte gewachsen sind, zu zerstören, damit Tür und Tor zur Masseneinwanderung eröffnet werden.« Im Endeffekt hört der Westen auf zu existieren.

Es scheint so, als daß eine gewisse kulturelle Dynamik existiert, die die augenblickliche Bindung eher intensiviert, anstatt sie abzubauen. Michael Wolffsohn, ein in Israel geborener Jude, welcher Moderne Geschichte in Deutschland lehrt, warnte, daß der Judaismus langsam seinen religiösen Inhalt verliert und allein durch das jüdischen Leiden in der Geschichte, besonders durch den Holocaust, gehalten wird. Viele Kommentatoren stellten bereits fest, daß in dem Maße, wie der Westen jeglichen Sinn für die in der Vernunft, Tradition, oder im Glaube verwurzelten Moral verliert, er nach einer anderen sicheren moralischen Grundlage sucht, die er letztendlich dann in dem „absoluten Bösen" findet, im Holocaust. Sollten diese Behauptungen der Wahrheit entsprechen, dann wird die zunehmende Säkularisierung der Juden und die moralische Verwirrung unserer Kultur weiterhin seine Opfer in den Deutschen finden und in der gesamten, westlichen Bevölkerung.


Ralph Raico ist Professor für Geschichte am Buffalo State College. Dieser Artikel, entnommen einer Rede, die an der Rothbard-Rockwell-Report-Konferenz gehalten wurde, wurde zuerst im Chronicles Magazin veröffentlicht, anschließend im Rothbard-Rockwell Report. Er wurde editiert von Lew Rockwell und vom Center for Libertarian Studies veröffentlicht. Jahresbeitrag US$ 39.00. Bestellungen unter Telefon: 001-800-892-7070. Dieser Beitrag wurde entnommen: http://www.lewrockwell.com/orig/raico1.html, übersetzt von Dr. Harald Hortig und mit Genehmigung von Prof. Raico publiziert.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 199-202.


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